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Mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbura uud Kirchhai«.

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So endete dieser erste Tag befriedigender, als sie erwarteten. Freilich, Tante Julchen und dre mitgebrachte, schon seit Jahren bei Burg­hausens dienende Köchin konnten sich nicht ge­nug thun in Schilderungen der namenlosen Un­ordnung und Vernachlässigung, die sie vorge­funden,- aber um so dankbarer mußte man chnen sein und sich des ländlichen Behagens freuen.

Der Mond schien hell in Ullas Schlafstube und malte die jungen Blätter einer dicht vor dem Fenster stehenden Kastanie an die Scheiben und auf den Fußboden. Das hübsche große Zimmer lag, wie sie eben erst entdeckt hatte, in dem alten Turm und schien von den einstigen Bewohnern mit Vorliebe benutzt worden zu sein, denn die Decke hatte eine schöne Stuckverzierung, und blaue gestreifte Tapeten mit seidigem Glanz schmückten die Wände. Auch hier sah man diele traurige Spuren langer Verlassenheit, aber trotzdem machte der ganze Raum mit seinen steifkantigen Möbeln und den Bildern i aus dem ersten Jahrzehnt des vorigen Jahr­hunderts auf Ulla einen wohlthuenden Eindruck.

Sie lag im eigenen Bett Dank Tante 'Mojen! horchte auf das leise Knistern im Holz der Möbel, aus die Nachtigall und das lerne, gleichmäßige Brausen des Wasserfalls. |

Marburg

Dienstag, 6. Mai 1902.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Sxpckütiou 2 ML, bei allen Postämtern 2,26 M. fad. Bestellgeld).

3e*fH<eBleebä6r: die gespaltene Zeile «der bette Steee 10 «e.

Redmnen: die Zelle 25 Pfg.

ferfeit >rfPa ikstand- eläther j. Bei lu.bgL rfle >0 Pfg- mfnmi Nachf.

I Das neue Leben, das vor ihr lag, wollte I keine rechte Gestalt annehmen; die Zukunft ließ I sich gar nicht in ein auch nur leidlich klares

Bild fasten.

Immer als Tochter des Hauses wirken, malen, Handarbeiten? Wenn man doch auch einmal etwas erlebte! Ob jene Dame mit dem ruhigen hübschen Gesicht wohl auch hier ge­wohnt hatte? Wenn doch Bilder sprechen könnten.

Hebet diesen und ähnlichen Gedanken war Ulla eingeschlafen, nur verworrene Träum­bilder hafteten in ihrem Bewußtsein, als sie erwachte und ein glorreicher Maimorgen mit strahlender Sonne ihr ins Fenster lachte.

O wie herrlich wie wundervoll! Und wieder vernahm sie das ferne Rauschen und dazwischen die Stimmen von unzähligen Vögeln

Sie kleidete sich so schnell wie möglich an und lief hinunter. Der Vater war schon im Garten und schaute eben durchs Fenster herein, behaglich den Rauch seiner Cigarre in die Luft blasend. !

»Komm heraus, Ulla, es ist wunderschön!" rief er ihr zu. Ohne Frühstück und ohne auf Julchens Schelten zu hören, eilte sie fort und ging Arm in Arm mit dem Vater durch ihr neues Reich.

Ueberall blühte es schon; auf verwilderten Beete stände ganze Büschel hochroter und gelber Tulpen; Boskettstauden, wirr und wild durch einander gewachsen, waren mit gelben weißen und rosenroten Blüten bedeckt, aber alles ver- I wildert und jetzt mit Millionen Tautropfen be-1

(Nachdruck Verbote«.)

Eine Geldheirat.

Roman von L. HaidHei».

(Fortsetzung.)

Umschau.

Eine Verschlimmerung im Befinden der Königin von Holland.

Heute morgen ging uns folgendes Tele­gramm zu, das wir als Extrablatt in der Stadt verbreiten ließen:

Hbt Loo, 5. Mai. Die Königin wurde gestern vorzeitig entbunden. Die Lage ist ernst.

Damit ist jene Komplikation einge­treten, die die Aerzte nach der vorsichtigen Fastung der Bulletins während der Erkrankung der Königin offenbar erwarteten und die sie als möglicherweise verhängnisvoll für das Leben der jungen, schwergeprüften Königin ansehen. Es konnte sich nur darum handeln, den Eintritt dieses Ereignisses so lange zu verzögern, bis die typhöse Erkrankung im

n.

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Wochenschau.

Auf dem Gebiete der auswärtigen Politik standen die Kammerwahlen in Frankreich am Schluß der Woche ebenso sehr im Vordergründe der Erörterungen wie beim Beginn. Obwohl die Hauptschlacht bereits am Sonntag, den 27. April, stattgefunden hat, läßt sich ihr Er­gebnis heute noch nicht klar übersehen. Zum Teil liegt dies daran, daß nicht weniger als 174 Stichwahlen auszufechten find, die am 11. Mai stattfinden, zum Teil aber auch daran, daß ein nicht unerheblicher Teil der Kandidaten und der Erwählten nicht unter klarer Flagge segelte, so daß man nicht wußte und heute noch nicht weiß, ob man sie zu den Antisemiten oder Philosemiten, zu den Ministeriellen oder zu den Melinisten, oder zu welcher Gruppe sonst zu zählen habe. Die Ministeriellen, d. h. die Anhänger des Programms Waldeck-Rousseau's behaupten, heute bereits über eine erhebliche Mehrheit zu verfügen. Hier ist wohl nur der Wunsch der Vater des Gedankens, denn der regierungsfreundlicheTemps" rechnet heraus, daß unter den bis jetzt gewählten 411 Depu- tirten 216 Gegner von Waldeck-Rousseau seien und daß aus seiner Seite nur 195 I Männer stehen. In der That haben Antisemiten, Klerikale und Melinisten dem I Advokaten Waldeck - Rousseau das Leben sehr schwer gemacht. Der Haupttrumpf, den sie gegen ihn ausspielten, war die Ver- I öffentlichung eines Briefes von ihm an den General Gallifet während des Renner Dreyfus- I Prozesses. Waldeck-Rousseau hatte als Minister- I Präsident im Jahre 1899 durch einen starken Druck auf den Kassationshof die Wiederauf­nahme des Drehfußprozeffes durchgesetzt. Der neue Prozeß fand vom 7. August bis 9. Sep­tember in Rennes statt und nahm einen für Dreyfus höchst ungünstigen Verlauf. Da er- I eignete sich das Ungeheuerliche, daß der Minister­präsident Waldeck-Rousseau in einer Weise in den Prozeß eingriff, die als Richterbeeinfluffung schlimmster Art bezeichnet werden muß. Er I nchtete an Kriegsminister Gallifet einen Brief, I in dem er diesen ersuchte, den Vertreter der Anklage in Rennes anzuweisen, die Freisprechung I des Dreyfus zu beantragen, eine Handlung, I die ungefähr dasselbe bedeutet, als wenn der Reichskanzler Graf v. Bülow während des Gumbinner Prozesses den Kriegsminister von Goßler ersucht hätte, in jenem Prozeß einzu- greisen und unter allen Umständen aus Gründen der Disziplin die Verurteilung der beiden An- I geklagten zum Tode zu bewirken. Welchen Lärm würde man, und zwar mit vollem Recht, , gegen diese Beeinflussung der Rechtsprechung ] erhoben haben! Die Veröffentlichung jenes I ;

Erscheint täglich außer an Werkragen nach Sonn- uno Feiertag«.

Sonntagsbeilage: Jllustrittes Sonntagsblatt. 07 und Lirlag: Joh. «,g. Koch, UuivrrfitätS-Buchdnicken

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

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Am Flusse entlang gehend kamen sie dem I (Knrtfpfctinrt fnW)

Wasserfall naher, aber allerlei ausgetrocknete I (Fortsetzung folgt.)

Gräben und Kaskaden bildende FelSgruppen |

man Tage gebraucht, um alles zu

I zugenommen hatten. In wie weit beides heute I günstig, so dürfte den^Nxfuchenl Kuntt- I ber ist' werden die nächsten Stunden und Jndustriebild vorgeführt werden das be- Auen unb '^end I« weiterem Streb?« anspornen wird. '

jünaen^Kön"iai'n^ zu m°ns ihrer Zur Neugestaltung der Vorbildung flehen, so find wir gewiß, daß auch"d^as , hsheren Derwaltungsbeamten. deutscheVolk seinGebet mit dem 5?ßert sich imPreußischen Verwaltungsblatt" ihrigen vereinigen wird! Senn I '^t^tb°.3ent ®r- ßeibig. Er em-

I neben dem tiefen Mitleid mit der schwer-! ^0- die völlige Gleichstellung des akademischen I geprüften Königin hegen auch weite Kreise I mset Juristen und Verwaltungsbeamten, Deutschlands Gefühle wahrer Ergebenheit und « bte Kenntnis des Verwaltungsrechts und der innigste Liebe für die Fürstin aus deutschem Haatswiffenschaftlichen Disziplin heute auch für ! Stamme! > den Juristen unerläßlich sei, gegenüber dem

----------- mangelhaften Fleiß eines nicht unerheblichen I Die Düsseldorfer Ausstellung. I « r $uro Studierenden, die Einführung

Ein Freund unserer Zeitung der aeaen- I ei« .Kontroleüber die Innehaltung des vor- wärtig in Düsseldorf weilt und' als h?rvor- bÄinfE ^^?«N8°nges. Verfasser ist gegen ragender Industrieller sich ein fachmännisches bafür b°s Kolloquiums, und empfiehlt

Urteil über die Ausstellung gestatten darf läßt I 6 beJ* ^zelnen Dozenten oder

uns folgenden anschaulichen Bericht über die 3U übertragen. Für die Prak-

Eindrücke der Ausstellung zugehen - L^'^ng der Referendare wird der

Die Eröffnung der9 Ausstellung und die b!>? ®eiiaI,tun9 uach Absolvierung

offiziellen Reden haben Sie sicher schon gebracht, ^gem«!

I ich will Ihnen heute nur einen in ht>r I ^sierung der Beschäftigung beim Landrat und Ausstellung schildern. Der Eindruck ist her- ch?oretischer^Kurft ®inrid&tun8

vorragend und überwältigend. Die Ausstellung Etprffinn» h Jr «? ; bl Regierungen zur kann sich der Weltausstellung in Parisnicht h £ Referendare m Zusammen­

allein würdig an die Seite stellen, sondern sie Arbtite" Efoblen übertragenen praktischen

I übertrifft dieselbe sogar rum Teil , R m,f I---

dem Gebiete der Montau-Industrie. Krupp ist =====-

fo ausgezeichnet vertreten, daß großartigeres Deutsches Reick

wohl noch me geboten ist. Aber nicht allein .

| dieser, sondern die Jndustrie-Centren überhaupt _ . 5. Mai.

haben so imposant bis in das kleinste Detail I s. - ^7 Der Kaiserbesuch in Emde«, der s. Z. wegen ausgestellt, « .niemand

großartigen Leistungen unseres Vaterlandes bat Seine Majestät, nach einer MitteilÜN des 'Obe?, kennen zu lernen. - In 8 bis 14 Tagen wird b?fmarschallamtes, den Wunsch geäußert, daß diesmal man sagen können, es ist alles fertig; wenn £e Vorbereitungen getroffen werden

auch die Zeitungen geschrieben haben daß die wie im vorigen Jahre.

Ausstellung die erste sei welche bei deti Er- Reichstages, Äsen" B^llestrem ^und Vertue? der offnung fertig war, so ist dies Nicht ernst zu I Conservatwen, des Centrums und der National- nehmen. Ueberall stößt man an rührige Arbeiter, I liberalen Sonnabeno mittag zu einer Besprechung noch kommen stündlich Wagen mit Ausstellungs- eröffnet hn^hiÄIt,QlaiS £erbet£n und den Herren gatern an und das Schaffe» ist ei» imme»f,S. ÄÄÄÄlXSÄftii 3_u bedauern ist, daß vor allem die äußeren I den Reichstag fege, auch eine baldige Erledigung der gärtnerischen Anlagen tm Rückstand sind. Doch Branntweinsteuervorlage wünsche. Sollte wegen der findet der Besucher noch so überwältigend viel ^Vorlage eine Kommissionsberatung ge- säe Ltt ttÄ8crLmit S

trodel fehlt. Die Restaurationen sind gut und ~ -..Generalarzt Dr. Krautmann, der bekannte billig. Diejenige in der Kunsthalle geradezu ^bren- und Nasenkranke, ist an

»°r,-glich bei. angetneffene»^iftt 5 FÄÄ 3»tab mir» Sn8arTtKn°a ungarischen Kapelle gratis. - Heute abend findet eine Trauerfeier für den Die Ausstellung ist ganz Vorzüglich beschickt; beiftoi6enen *tin$en ®eorg von Preußen in seinem die einzelnen Objette find in solcher Fülle ver- nblr Wilhelmstraße statt. Nach der Feier

' 1 J e oer folgt die Ueberfuhrung der Leiche nach der Dom-

I Briefes hat Herrn Waldeck Rousseau bei den I wesentlichen behoben war und die durch das I treten daß I KM. d« «(»igi» Lta | Ä»b6

I der Regierung zu Wahlbeeinflussungen zur Verfügung gestanden hätten, so würde er schlecht abgeschnitten haben. In der Hauptstadt sind I die Antisemiten und Nationalisten die unbe- I bestrittenen Sieger geblieben, in der Provinz I haben fie ihre Zahl um 26 vermehrt, und bei I den am 11. Mai stattfindenden Stichwahlen stehen sie in nicht weniger als 63 Wahlkreisen

I im Kampfe und rechnen in 30 Kreisen aus den Sieg. Erst nach diesen Stichwahlen wird fich das Wahlergebnis feststellen lassen.

Die Meldungen vom südafrikanischen Kriegsschauplätze, iHe in den letzten Wochen sehr spärlich und einander widersprechend einliefen, find neuerdings ganz ausgeblieben.

I Hoffen wir, daß endlich das Kriegsbeil begraben und ein die Unabhängigkeit Transvaals sichernder Friede zu Stande kommen möge.

Was einsichtige Männer vorhergesagt haben, daß wir für unsere wohlwollende Neutralität zugunsten Englands üblen Dank ernten würden, wird jetzt schon zur Wahrheit. Unsere angel­sächsischen Vettern stellten sich so, als ob sie bereit seien, die Gesuche von deutscher Seite I um die Zulassung von Ambulanzen in den Konzentrationslagern zu genehmigen. Die Eng- I länder haben aber jetzt das Gesuch um Zu- I laffung von Ambulanzen glatt abgelehnt, die I englische Presse ergeht fich in den hämischsten I Angriffen gegen unfein Kaiser und sucht die I deutsche Mildthätigkeit für die Buren dadurch I zu diskreditieren, daß fie sagt, man hätte schmutzige Wäsche, ungewaschene Strümpfe und I anderes schlechtes Zeug gesammelt und in die I Konzentrationslager geschickt. Das ist der Dank vom Hause England!

Saal.

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