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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbnra «ud Kirchhain.

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Blarvurg

Donnerstag, 1. Mai 1902.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Loiui- uitö Feiertagen. SosstagSbeilag«: JünstrirteS Souutagsblatt.

Dank inb Verlag: Joh. Ang, Nach, Universitäts-Buchdrucker« Marburg, Markt 21. Telephon 55.

37. Jahrg.

eine

Fürsorge der heimischen Regierung würdig. Die Zollanträge wurden somit abgelehnt; als aber in Konsequenz dieser Ablehnung dann auch der von der Regierung selber beantragte Heringszoll fiel, da wurde bei den Re­gierungsvertretern heftiger Tadel laut und Herr Graf Posadowsky sprach die feste Erwartung aus, daß man bei der zweiten Lesung den Heringszoll wieder herstellen werde. Warum? Run: das Binnenfischereigewerbe auf Seen und in Flüffen wird nur von den kleinen Leuten betrieben, die möge« sehen, wo fie bleiben. Der Heringssang dagegen ist ein Betriebszweig großer Rhedereien und Aktiengesellschaften, diese großkapitalistischen Unternehmungen muß man schützen, wenn auch der Hering ein Konsum­artikel gerade der ärmsten Bevölkerungskreise ist. Eigentümlich ist auch die Logik, die in den Reden der Regierungsvertreter zuweilen auf­taucht. Den Zollantrag für Milch be­kämpfte Herr Graf Posadowsky mit der Be­gründung: die ganze Milcheinfuhr beträgt nur anderthalb Millionen Mark, da lohne es doch wahrlich nicht, einen Zoll einzuführen. Als aber zehn Minuten später der Eierzoll zur Debatte stand, da erklärte derselbe Herr Minister: Die Eiereinfuhr beträgt über 100 Millionen Mark, eine so gewaltige Ein­fuhr habe doch eine große handelspolitische Bedeutung und dürfe darum nicht mit höheren Zöllen belastet werden.

Man sieht: bald ist die Einfuhr zu klein, bald ist sie zu groß, um Zölle zu rechtfertigen I Bei den Viehzöllen eine ähnliche Logik. Die Herren Graf Posadowsky und von Podbielski erklärten ausdrücklich: Die deutsche Land­wirtschaft kann schon jetzt den Fleisch­bedarf der Bevölkerung vollkommen decken; für die Erhaltung der vollen Leistungs-

Klügmann, erklärte: Dies Schmalz, kein Engel ist so tein, laßt's Euer Huld empfohlen sein. Und dicht hinterher erklärte der andere Bundes­ratsvertreter, Herr Graf Posadowsky :Es läßt sich gar nicht bestreiten, daß bedenkliches ameri­kanisches Schmalz im Verkehr vorkommt, hier müsse aber das neue Fleischbeschaugesetz dem­nächst eingreifen und diese Ware von der Ein­fuhr ausschließen/ Die Botschaft hören wir wohl, allein: warum find denn schon zwei Jahre nach Erlaß des Fleischschaugesetzes thaten- los verstrichen? Wir raten der Regierung, diesen so betonten Gesetzesschutz noch bis zur zweiten Lesung des Tarifes tatsächlich einzu­führen: dann werden auch dieextremsten Agrarier" über die Höhe des Schmalzzolles gern mit sich reden lassen. Mit einem nur aus Schweinefett reell hergestellten Schmalz kann das deutsche Schweineschmalz auch bei

fähigkeit der deutschen Vieh- und Pferdezucht liegt das höchste nationale Interesse vor; die gewaltig gesunkenen Auslandsfrachten, die riesigen Fleischexporte Amerikas u. s. w. sprächen ein­dringlichst für die Notwendigkeit eines hohen Zollschutzes für die heimische deutsche Produktion. Aber die Konsequenz aus diesen schönen Reden, die man schöner vomextremsten Agrarier" nicht hören konnte? Nun, beide Herren Minister schloffen ihre Darlegungen mit dem Appell an die Kommisfionsmehrheit:Ergo laffen Sie, bitte, Ihre Zollanträge für Vieh und Fleisch gefälligst beiseite. Sie dürfen doch die Tarif­bildsäule, nachdem Sie ihr schon den Getreide­zollfuß festgebunden haben, nun nicht am

Umschau

Zur Stichwahl im 14. hannoverschen Reichstagswahlkreise.

Das vereinigte Wahlkomitee des Bundes der Landwirte, der Konservativen Vereinigung, der Handwerker und der Deutsch-sozialen Reform­partei in Hannover hat folgender beschloffen: Nachdem die Hauptwahl im 14. hannoverschen Wahlkreise zu einer Stichwahl zwischen den Kandidaten der nationalliberalen und deutsch­hannoverschen Partei geführt hat, so kommt für uns jetzt nur noch der nationale und der dem unsrigen am nächsten stehende wirtschaftliche Standpunkt der Kandidaten in Frage. Wir

Widersprüche in der Zolltarif- Kommission.

Es ist lohnend, aus den Berichten über die Sitzungen der Zolltarifkommisfion dieleiten­den Gesichtspunkte" heraukzuheben, nach denen die Vertreter der Regierung verfahren.

geringem Zollschutz konkurrieren. Aber gegen ein für wenige Mark Selbstkosten hergestelltes Gemisch von Baumwollöl, Talg und Dreck kann nur ein Einfuhrverbot oder ein hoher Zoll schützen. (D AK")

Viehzollbein auch noch fefleln."

Einigermaßen sonderbar war auch die De­batte über den Schmalzzoll. Der

Es laffen sich daraus schon jetzt ziemlich sichere Schlüffe auf das künftige Verhalten der Re­gierung bei der Beratung der Jndustriezölle ziehen. Der Zollantrag für Süßwasser­fische wurde von der Regierung äußerst leb­haft bekämpft; es würde dadurch, so sagte der Regierung! Vertreter, dasJntereffe der exportieren­den Konservenindustrie zu sehr geschädigt werden. Also, der inländische Producent, der die Aale mit vielen Kosten züchtet, kommt nicht . _ . _

in Betracht. Wer aber Aal in Gelee für die Vertreter des^ Bundesrats,^der Hanseate^Dr. Gaumen der Ausländer präpariert, der ist aller Ä

2 Nachdruck verboten.)

Eine Geldheirat.

Roman von L. Haidheim.

(Fortsetzung.)

Der letzte April brachte noch ein kleines Schneegestöber, in das die schon ziemlich grünen Büsche des Schloßgartens verwundert hinein zu sehen schienen.

Die Herren hatte« sich mit herzlichem, be­deutsamem Händedruck getrennt, und Burg­hausen war in halb freudiger, halb banger Stimmung nach Hause gegangen.

Welches Glück für Ulla! Eine solche Partie! Rodach galt für mehr als wohlhabend ; schon allein die beiden Häuser an der Friedrichstraße repräsentierten einen sehr hohen Wert. Und ein vortrefflicher Mensch war er auch jetzt wenigstens. Seine Jugend hatte er allerdings ein bischen allzusehr genoffen; aber um so ruhiger und vernünftiger lebte er schon seit einer Reihe von Jahren.

Wenn das Mädchen doch nur wollte!

Aber Ulla wollte eben nicht. Sie war ein schlankes, reichlich mittelgroßes Mädchen mit großen, tiefen Augen von grauer Farbe und braunem, leicht gelocktem Haar eine sehr hübsche Erscheinung, ohne jedoch den Anspruch auf Schönheit erheben zu dürfen.

Was jeden ihrer Bekannten an ihr am meisten gefiel, war die harmlose Natürlichkeit und Frische ihres ganzen Wesens sowohl, wie ihrer äußeren Erscheinung.

Sie» dachte nie daran, irgend einen Ein­druck hervorbringen oder für geistreich oder amüsant gelten zu wollen; keine Spur von Gefallsucht zeigte sich bei ihr.

Die Damen behaupteten achselzuckend, fie sei niedlich, aber obschon seit fünf Jahren in Berlin doch noch immer das Veilchen vom Lande.

Bis zu ihrer Konfirmation war Ulla näm­lich im Hause der Sckwester ihres Vaters erzogen, da der Witwer sich dazu die Fähigkeit nicht zutraute. Als dann aber die Tante ihrem Gatten in eine weitentfernte Garnison folgen mußte, nahm der OberregierungSrat sein einziges Kind in sein Haus und engagierte in Fräulein Julie Müller, einem ältlichen Mädchen auS guter Familie und mit vorzüglichen häuslichen Eigen­schaften, eine Art Anstandsdame und mütter­liche Freundin für Ulla.

Und jetzt war nun die Folge der väterlichen Vorstellungen, daß Ulla Burghausen zu ihrem sehr ernst, fast verstimmt blickenden Vater heran trat und ihm als letztes Wort in der seit einer halben Stunde hin und her erörterten Angelegenheit erklärte:

Ich kann es nicht, Papa! Weiß Gott, ich thäte es Dir gern zu Gefallen, aber es geht wirklich nicht! Es wäre auch Unrecht gegen Rodach, den liebenswürdigen,' guten und vor­nehm denkenden Mann. Ach, Papa, Du mußt es so einzurichten suchen, daß er uns nicht böse wird; wir würden ihn ja so vermiffen, wenn er uns verloren ginge!"

ersuchen daher, trotz der mannigfachen und grundsätzlichen Gegensätze zur nationalliberalen Partei, unsere Wähler, denen wir an dieser Stelle für ihre treue Mitarbeit bei der Wahl bestens danken, in der Stichwahl für den Kandidaten der nationalliberalen Partei, Herrn Fritz Wehl in Eelle, einzutreten.

Der Prozeß Krosigk vor dem Kriegsgericht.

Die gestrige Verhandlung war von verhältnis­mäßig kurzer Dauer. Der Fleischermeister Mattern wird aus Beranlaffung des Verteidigers Horn als Zeuge vernommen, trotzdem der Ver­teidiger Lurchard dagegen ist. Er sagt auS, daß er gesehen habe, wie der Rittmeister Krosigk gelegentlich einer Spazierrittes seine Gemahlin dreimal mit der Reitpeitsche überden Rücken geschlagen habe. Ein Offizier, der ebenfalls Zeuge dieses Vorganges gewesen sei, habe daraufhin halblaut gesagt:Du wirst deine Frau auch nicht lange mehr schlagen." Der Wachtmeister Szillat wird sodann ein­gehend über die Zeitdauer befragt, während der er mit dem Angeklagten Hickel zusammen war. Aus seinen Bekundungen geht hervor, daß sich Hickel während der Zeit, in der der Mord geschah, in seiner Gesellschaft befunden hat. Bei der Vernehmung einiger Dragoner, die zur Zeit im Stalle anwesend waren, als Hickel mit Domming gesprochen haben will, wird nichts Neues zu Tage gefördert. Don ihnen will niemand Hickel gesehen haben. Unter­offizier Domming wird jedoch für glaubwürdig gehalten und vereidigt. Ein frührer Unter­offizier Bartel hatte in einem Breese ein Ge­spräch von Offizieren in einer Gastwirtschaft er­wähnt, das einzelne Offiziere schwer belastete. Die betr. Offiziere sowie der Regimentskom­mandeur wurden zu dieser Sache vernommen. Es stellt sich heraus, daß die Bartel'schen Be­kundungen sämtlich frei erfunden waren. Da­mit ist die Beweisaufnahme beendet und die Plaidoyers werden für heute morgen 9 Uhr angesetzt. _____________

Keine deutsche Kohlenstation auf Haiti.

Nach eingezogenen Erkundigungen an maß­gebender Stelle kann dieD. W." mitteilen, daß die Nachricht, wonach Deutschland als Gegen­leistung für ein dem Präsidenten von Haiti ge­währtes Darlehen und Hebung des dortigen Marktes die Errichtung einer Kohlenstation so­wie wertvolle HandelSkonzesfionen zugefichert er­halten habe, der Begründung entbehrt und völlig aus der Luft gegriffen ist. Eine weitere Meldung aus New - Pork besagt, Kaiser Wilhelm habe kürzlich Gelegenheit genommen, dem Botschafter

Sie hatte beide Hände auf des Vaters Arm gelegt und sah ihm treuherzig bittend in die Augen.

Nun, sei es so, Kind. Du weißt ja selbst, daß ein Mädchen ohne Vermögen heutzutage wenig Aussicht hat, sich zu verheiraten."

Darauf wollen wir's wagen, Väterchen! Ich bin zwanzig einstweilen bleibe ich gern genug bei Dir und Fräulein Julchen. Und sollte ich keinen Mann bekommen in der Ein­samkeit von Haselberg, nun, so bleiben wir immer zusammen und das ist noch schöner!

Sie gab ihm einen herzhaften Kuß und dann noch einen, und der Friede war zwischen ihnen von neuem geschloffen.

Dafür aber hatte man noch eine lange Konferenz abzuhalten wegen des Umzugs, und dazu mußte Julchen hereingerufen werden.

Ulla lief in die Wohnstube hinüber und kehtte gleich darauf mitdem guten Engel des HauseS", wie fie die ältliche Dame getauft hatte, Arm in Arm zu dem Vater zurück.

Fräulein Julchen glich freilich nicht gerade dem, was man sich unter einem Engel vorstellt, nicht mal in der Einschränkung, daß er zum Hausgebrauch dienen sollte, sondern es lag in der eckigen, steifen Gestallt ganz entschieden etwas von einer Holzpuppe und dazu stimmte verhängnisvoll der alten Fräuleins Art, sich stets sehr modern, aber durch unbewußte kleine Uebertreibungen beinahe lächerlich zu kleiden.

Ihre Schleifen waren immer eine Kleinig­keit zu groß, ihre Federn stets einen Eenti-

White persönlich zu erklären, Deutschland strebe nicht nach dem kleinsten Inselchen in Amerika. Die letzte (vomNew Dork-Herald" verbreitete Red.) falsche Nachricht über die geplante Er­werbung einer Kohlenstation aus Haiti ist offen­bar dadurch entstanden, daß die Hamburger Dampferlinie eine Kohlenniederlage im Haiti sucht für den Fall, daß Dänisch- Westindien, wo sich jetzt eine Niederlage be­findet, amerikanisch wird.

Die Maifeier.

Daß es mit dem sozialdemokratischen Maifest­rummel bergab und rückwärts geht, kann nicht geleugnet werden. In der ersten Zeit, als das Maifestgegründet" wurde, glaubte man, daß an dem neue« sozialdemokratischen Welt­feiertagealle Räder stillstehen" würden. Der Glaube ist bald zunichte geworden, und die Hoffnung, daß der Weltfeiertag dem ersten Mai sein Gepräge aufdrücken werde, ist still zu Grabe getragen worden. Zuerst beschloß man in sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Ver­sammlungen in der Regel, allgemein zu feiern. Jetzt beschränkt man sich darauf, die Beteiligung an der Feier zu beschließen, soweit eS ohne Störung des Arbeitsverhält­nisses möglich sei. Diese Rückwärtsent­wickelung wird voraussichtlich weiter gehen. Die Genoffen faffen selbst die Sache viel kühler auf. Wenn fie Arbeitgeber find, pfeifen fie vielfach auf das ganze Maifest. Die sozialdemokratischen Barbiere müssen wohl oder übel am 1. Mai ihr Verschönerungswerk thun; in den sozialdemo­kratischen Konsumvereinen müssen die Genossen und Genossinen amhöchsten Feiertage des Proletariats" hinter dem Ladentische stehen. Die ganze Maifeier stellt sich heute als eine ver­unglückte sozialistische Kraftprobe dar.

Der Krieg zwischen England und den Buren.

Die wirtschaftlichen Berichte der Briten schwelgen in der Darstellung, wie selbst während des Krieges der Handel nach dem Kap sich ge­hoben habe. Ein nüchterner Geschäftskenner macht darauf aufmerksam, daß bei der Unter­bringung der Milliarden, die der dortige Krieg kostet, natürlich die Verkehrslinien und die Ge­schäftsleute die größten Geschäfte machen müßten, daß die wirtschaftliche Bewegung aber einen jähen Abschluß finden dürfte, wenn nach Ein­stellung der Feindseligkeiten die einfacheren Ver­hältnisse wieder eingetreten wären. Dann würde allerdings vorerst die Herstellung fried­licher Zustände und der Aufbau der vernichteten Heimstätten Arbeit und Verdienst geben, allein von einem Aufschwünge würde erst nach längerer Periode des Friedens einmal die Rede sein

meter zu hoch gesteckt; der Gürtel und die kurze Taille widersprachen der langen hageren Figur und die Haarfrisur paßte entschieden nicht zu der Form ihres Kopfes.

Was die inneren Eigenschaften Fräulein JulchenS betraf, so bildeten sie im Gegensatz zu der äußeren Erscheinung ein harmonisches Ganzes, fie war ein braves, verständiges Ge­schöpf, verläßlich und liebevoll, und um dieser vorzüglichen Eigenschaften willen schätzten und liebten Vater und Tochter fie sehr.

Man hielt eingehende Beratung, tausenderlei mußte schnell besorgt werden, ein langer Notiz­zettel wurde beschrieben. Ulla und Julchen machten sich anheischig, noch im Abenddunkel allerlei Wege zu gehen und endlich konnte der Oberregierungsrat fie entlassen, um RodachS Antrag so feinfühlend wie möglich abzulehnen.

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Die beiden Damen hatten ihre Besorgungen erledigt und eilten mit aufgespannten Schirmen denn es fing einmal wieder an zu regnen heimwärts, als fie sich plötzlich erinnerten, eine wichtige Sache vergessen zu haben.

Entschlossen kehrten fie um. Der Regen­schauer war vorüber, fie schlossen die Schirme und sahen jetzt, daß ihnen ein Liebespärchen offenbar war eS ein solches auf dem Fuße gefolgt war und das jetzt vor Schreck, nicht mehr ausweichen oder verschwinden zu können, nicht recht wußte, was thun.

(Fortsetzung folgt.)