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Mit dem Kreisblatt für tzie Kreise Mar barg rrvd Kirchhain.
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ihren
habe,
gestanden
Offizieren bezeugt, daß Krofigk den Wacht-
viilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain und Neustadt, sowie von allen Post- «istalten und Landbriefträgern entgegen« genommen.
die in der Diätenlofigkeit ein Gegengewicht für das gleiche, geheime und direkte Wahlrecht erblicken und sich dabei auf die Entstehungsgeschichte des Artikel 32 der Reichsverfaffung berufen, der wie folgt lautet:
„Die Mitglieder des Reichstags dürfen als solche keine Besoldung oder Entschädigung beziehen."
Es dürste im Augenblick interessant fern, die Entstehungsgeschichte dieses Paragraphen sich ins Gedächtnis zurückzurufen.
Bei der Beratung der Verfassung des deutschen Reichs stellten sich zwei Differenzpunkte ein, und zwar über die Festsetzung der Friedenspräsenzstärke und über die Frage der Diäten an die Reichstagsabgeordneten. Der bekannte frühere'Abg. v. Unruh erzählt darüber in seinen Aufzeichnungen das Folgende:
„Nach Beendigung der zweiten Lesung des Versafiungsentwurfs wurden drei Mitglieder der großen nationalen Fraktion von derselben beauftragt, mit Bismarck über die strittigen Punkte zu verhandeln. Als Blennigsen bei der ersten Gelegenheit mit Bismarck die Diäten zur Sprache brachte, lehnte dieser sofort ganz bestimmt das Eingehen darauf ab. Bennigsen deutete an, daß Bismarck durch eine höhere Gewalt gebunden sei, worauf dieser er- wiederte, daß, wenn der König ihm befehle, die Diäten zuzugestehen, er keine Stunde länger Minister bleiben werde. Später kam Bennigsen noch einmal auf dieselbe Frage zurück, worauf Bismarck, der sonst sehr höflich und freundlich sich benahm, in einem gereizten Tone antwortete, er verstände nicht, wie nach seinen positiven -Erklärungen Bennigsen noch einmal davon sprechen könne."
Aus diesen Aufzeichnungen geht unzweifelhaft hervor, daß der Bauherr des Reichs unter keinen Umständen für Diäten zu haben gewesen ist. Der Reichstag schloß sich dem an. Nachdem er vorher in zweiter Lesung den Diätenantrag angenommen, entschied er sich jetzt in dritter Lesung mit 178 gegen 90 Stimmen dafür, daß den Mitgliedern des Reichstags keine Besoldung oder Entschädigung gezahlt werden soll.
Jedenfalls zeigt dieser geschichtliche Rückblick aber, daß die Diätenfrage sich nicht ad hoc gelegentlich eines anderen Gesetzentwurfs lösen läßt, sondern daß sie einer nochmaligen sehr sorgfältigen und eingehenden Erörterung bedarf. Die Mehrheit des Reichstags wird also gut thun, der Beratung der kleinen Diäten Vorlage nicht mit Anträgen auf Einführung allgemeiner Diäten zu beschweren.
Die Jubiläumsfeier der Großherzogs von Baden.
Der König von Württemberg ist Sonnabend Nachmittag in Stuttgart eingetroffen. Sonntag Nachmittag fand Paradediner statt. Dabei richtete der Großherzog eine Ansprache an den Kaiser, in der er dem Kaiser seinen Dank für deffen Erscheinen ausdrückte und einen kurzen Rückblick auf die Mitwirkung der Hohen- zollern bei der Gründung des Reiches warf. Er wünschte der Regierung des jetzigen Kaisers, daß sie eine in jeder Beziehung gesegnete bleiben möge.
In Beantwortung deS TrinksprucheS des Großherzogs hielt der Kaiser folgende Rede:
Ew. K. H. haben die Gnade gehabt, hier am heutigen Festtage auch Meiner zu gedenken, und mit tiefbewegtem Herzen ergreife ich das Wort, um den Dank auszusprechen für diese außerordentlich freundlichen Worte. Ein Vorbild selbstloser hingebender Pflichterfüllung in der Regierung, wie in militärischen Verhält- niffen, ein treuer Waffengenoffe und Förderer der Gedanken Meiner hochseligen Großvaters, ein emsiger und eifriger Hüter der erworbenen Schätze und Güter unseres deutschen Volkes, in allen diesen Dingen ein Vorbild für unsere jüngere Generation, so stehen Euere Königliche Hoheit vor den Augen der Generation, die Ich repräsentiere, die unter den Eindrücken des großen Jahres aufgewachsen ist. Wollte Gott, eS hätte ihm gefallen, Meinen herrlichen Vater noch recht lange zu erhalten. Aber da es nun einmal anders gekommen ist, so bin ich auch fest entschlossen, dem schweren Erbteil, das Mir zugefallen ist, mit Aufbietung aller Meiner Kräfte gerecht zu werden. Wenn aus so berufenem Munde und von solcher Seite Mir aufmunternde und lobende Worte ausgesprochen werden, so schöpfe Ich daraus den Mut zu weiterem Streben. Meine Worte sollen damit schließen, daß Ich nicht allein, sondern im Namen jedes Deutschen von ganzem Herzen Gottes Segen erflehe für E. K. H. und Ihr Haus, auf daß Sie auch ferner Mir als Berater zur Seite stehen und als Vorbild Mir voranstehen. Nach der Tafel hielten der Kaiser und der Großherzog und die Großherzogin Rundgang ab. Gestern Abend feierte die badische Studentenschaft den Großherzog durch einen glänzenden Fackelzug in der herrlich illuminierten Stadt, dem sich ein Kommers anschloß.
Liirteljährlicher B«zuZspr«iS: bei der Exveditiou 2 ML, bei cH«n Postämtern 15,26 M. (egcL Bestellgeld).
3«t^t»a»I»bühr: di« gefreßene Zeile obei beten Sen» 10 Wg^ Stefanen: die Zelle 26 Ptg.
Marburg
Dienstag. 29. April 1902.
wird von mehreren
Bestellungen für die Monate Mai und Juni . auf die
DherhefNsche Zritiig" nebst
Der Prozeß Krosigk.
Es ist kein erfreuliches Bild, das die Verhandlungen in Gumbinnen vor unseren Augen aufrollen. Bei jeder Verhandlung melden sich neue Zeugen, die etwas auszusagen haben wollen, und die, wenn sie gerichtlich vernommen werden, behaupten, gar nichts zu wiffen oder sich einen Scherz erlaubt zu haben. Am Samstag fanden eingehende Vernehmungen über das Verhältnis statt, in dem die Angeklagten sowie die Familie Marten mit dem ermordeten Rittmeister standen. Während der Wachtmeister Marten angiebt, daß er sich gut mit Krofigk
Umschau
Die „Schlesische Zeitung" und die Konservativen!
Die „Schles. Ztg.", die sich gern als konservatives Organ ausspielt, hatte vor einigen Tagen einen Artikel aus konservativen parlamentarischen Kreisen veröffentlicht, in dem sie die Führer der deutsch-konservativen Fraktion und den Bund der Landwirte angreist. Nachdem die „Krz. Ztg." und die „Dtsch. Tgsztg." sofort diesen Angriff zurückgewiesen hat, beschäftigt sich mit ihr jetzt auch das Organ der deutschkonservativen Partei Schlesiens, die „Schles. Morgenzeitung", in einem längeren Aufsatze, der mit folgenden Sätzen beginnt: „Die „Schlesische Zeitung" fühlt sich verpflichtet, von Zeit zu Zeit aus „konservativen (oft mit dem Zusatz parlamentarischen) Kreisen" angebliche Zuschriften abzudrucken, um damit den doppelten Zweck zu erreichen, als ob sie ein konservatives Organ sei und zweitens, ihren Einfluß aus konservative Kreise auszuüben. Schon verschiedene Male ist es nötig gewesen, — von leitender Stelle aus — vor der Oeffent- lichkeit darauf hinzuweisen, daß diese Artikel der „Schlesischen Ztg." „sehr mit Vorsicht aufzunehmen" find, zum mindesten mit den leitenden Stellen der Partei nichts zu thun haben. — Den Zolltarifentwurf der Regierung durchzubringen, mag sich die „Schles. Ztg." zur Aufgabe stellen, die Interessen der Landwirtschaft zu vertreten, soweit dieselben in dem Regierungsentwurf nicht genügend gewahrt sind, werden sich die deutschkonservativen Abgeordneten und die Organisation des Bundes der Landwirte nicht nehmen laffen." Die „Schlesische Ztg." dürfte mit ihren Quertreibereien keinen weiteren Erfolg haben, als daß sie tüchtig auf den Mund geklopft wird.
Zur Diätenstage.
Der dem Reichstage zugegangene Gesetzentwurf, der vom Hause die Mittel zur Gewährung einer Entschädigung an die Mitglieder bei Zolltarifkommisfion für die besonderen Arbeiten außerhalb des Reichstages fordert, hat Anlaß zu einer erneuten Aufrollung der ) Diätenfrage gegeben. Es wird nicht ausbleiben, daß wenn der Reichstag in den ersten Tagen bei nächsten Woche in die Beratung der kleinen Diätenvorlage eintritt, auch die grundsätzliche Frage wegen allgemeiner Diäten zur ausführlichen Besprechung kommt. An sich ist die Forderung der Reichstagsabgeordneten nach Diäten nicht unberechtigt. Wenn in sämtlichen ■ Bundesstaaten den Mitgliedern der Einzel- landtage Diäten gezahlt werden, so ist nicht i rinzusehen, weshalb den Reichstagsabgeordneten die Diäten versagt bleiben sollen, zumal das i Reich von Jahr zu Jahr größere Anforder- ■ ungen an die Arbeitsleistung des Reichstages stellt. Während früher zum mindesten an zwei Tagen in der Woche die Sitzung ausfiel, giebt es heute selten einen fitzungsfreien Tag. Während früher die um 1 Uhr beginnenden « Sitzungen niemals über 41/, Uhr dauerten, ^ksßt der jetzige Präsident des Reichstags vor ".Uhr selten einen Vertagungsantrag zu. lierzu kommt ein Uebermaß von Kommissionen, Sn denen gleichfalls ganz ungeheure Anforderungen an die Abgeordneten gestellt werden. All daS macht den immer lauter werdenden ! Ruf nach Diäten nur zu erklärlich.
Nun ist es ja bekannt, daß auch in Kreisen der Reichsregierung große Geneigtheit zur Gewährung von Diäten besteht und daß man dort der Meinung ist, daß alle bisher dagegen geltend gemachten Gründe im Laufe der Zeit hinfällig geworden find. Der Hauptwiderstand liegt zur Zeit zweifellos bei den Bundesfürsten,
Erscheint täglich au feer an Wertlagen naüj Sann- uns Feiertagen.
Sonntagsbeilage: Jllatzrirtes Sanntagsblatt. 07
Drnck «ab Verlag: Joh. lag. Loch, Universitäts-Buchdruck«« 0,4
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
187 Nachdruck verboten.)
Else.
Roman von Hanna Aschenbach.
(Schluß.)
„Da kommen sie, da kommen sie!" ruft Else, und winkt lachend in den Garten, welchen soeben zwei hochgewachsene Gestalten Arm in Arm betreten : Dr. Herbart und seine bildschöne, blonde Frau. Sie grüßen herzlich zurück und schreiten ins Haus. Ehe sie jedoch die Treppe emporsteigen, umfaßt der Mann, aus deffen edlen Zügen ein fast überirdisches Glück strahlt, fein Weib, preßt es lange an sich, und küßt immer und immer wieder den roten Mund. „Meine Hertha, nun muß ich Dich wieder mit so vielen teilen."
„Na, kommt Ihr denn endlich?" tönt eL von t oben, und dann huscht eine lichte Elfengestalt herab, daß die beiden Weltvergeffeneu gerade noch auseinanderfahren können.
Oben werden die Ankömmlinge freudig umringt und liebevoll wegen des langen Ausbleibens gescholten, während die Hausfrau in der Küche verschwindet. „Mein Mann —" Hertha stockt stets nach diesem Wort und schickt einen zärtlichen Blick, in dem sich Stolz und Demut mischen, nach dem Gatten, „mein Mann war so sehr beschäftigt. Oft sehe ich ihn nur zu den Mahlzeiten." — „Armes Kind," schaltet Dr. Jürgens ein, während der Rechtsanwalt hinzufügt: „Ja, sie ist wirklich zu bedauern, und dabei übt sie eine rührende Geduld. Sie klagt nie." Die grauen Augen der Gelobten hängen zärtlich an dem Sprecher und versichern: wie könnte ich klagen an Deiner Seite, Du
bester Mann! während Werner der eintretenden Elfe zuruft: „Da hast Du's gehört. Sie jammert nicht, wenn sie auch den ganzen Tag allein ist." — „Dafür ist sie auch eine Musterfrau," lautet die prompte Antwort. „Ich habe Dir gleich gesagt, daß ich nicht viel tauge. Damals glaubtest Du's nicht, aber jetzt — siehst Du, Hertha, so ändern sich die Männer."
Allgemeines Gelächter folgt dieser glänzenden Philippika, und wenn man die zärtlichen Blicke beobachtet, die zwischen den Parteien hin und wieder fliegen, dann zweifelt man nicht, daß die kleine Frau sich nur deshalb so kriegerisch gegen ihren Gatten zeigt, um nicht aufzuspringen, und ihm an den Hals zu fliegen.
Als die alte Ann-Lies, bereit strahlende Mienen deutlicher als Worte künden, wie glück lich sie sich im Heim ihres „Junker Werner" und seiner kleinen reizenden Frau — welche gleich beim ersten Sehen das alte Herz im Sturm erobert hat — befindet, das Geschirr abgeräumt hat, zieht Dr. Herbart einen Brief aus der Tasche. „Ich habe eine Mitteilung für Dich, Schwager, willst Du mit mir in Dein Zimmer gehen? Es wird nicht lange dauern."
Die beiden Männer verlassen die Veranda, von den staunenden Vermutungen der Zurück- bleibenden gefolgt, die ihre Neugierde indes zügeln müffen, da selbst Hertha, „die bedauernswerte Frau dieses schweigsamen Barbaren", wie Elfe in drolliger Entrüstung feststellt, keine Ahnung von dem Inhalt des geheimnisvollen Papieres hat. Nach einer Viertelstunde kehrt der Doktor allein zurück. „Geh zu Werner, Elfe." Diese fährt erschrocken auf. „Was ist geschehen?" — „Nichts Schlimmes für Euch, Kind, im Gegenteil. Er wird Dir's sagen."
Die kleine Frau fliegt davon, indes Dr. Herbart Platz nimmt und dem Familienkreise Mitteilung macht, daß ein befreundeter Rechtsanwalt, der sich zur Kur an der Riviera auf halte, die Bekanntschaft der Baronin Duchwald gemacht habe, die seit Jahresfrist mit ihrer Pflegetochter in San Remo lebe. Nachdem das Mädchen dort kürzlich an der Schwindsucht gestorben, sei die Dame tief erschüttert durch diesen Schlag, der ihr außer der einzigen Verwandten die Erbin raubte. Nun habe sie dem Rechtsanwalt, dem der Kummer der Einsamen zu Herzen gegangen, und der sich ihr infolge- deffen viel gewidmet habe, anvertraut, daß sie Wohl noch einen Neffen besäße, der sich aber völlig von ihr losgesagt habe.
Der Doftor zieht den Brief hervor und einige Zeilen durchfliegend, liest er laut, während aller Augen gespannt an seinen Lippen hängen: „Sie wünscht nichts dringender als eine Versöhnung, will aber um keinen Preis den ersten Schritt thun. Ich bin nun zwar überzeugt, daß ihr starrer Sinn, den der Kummer schon ziemlich abgeschliffen hat mit der Zeit ganz mürbe wird, aber soll die arme Seele sich nun noch monatelang oder länger so hinquälen? Ich war schon lange entschlossen, den deus ex machina zu spielen, nur wußte ich nicht recht auf welche Weise. Da schießt es mir wie ein Blitz durchs Hirn: „Herbar's Frau ist eine geborene Herwig. Herwig hieß auch das Mädchen, um deffentwillen Werner von Buchwald sich von seiner in aristokratischen Vorurteilen befangenen Tante trennte. Der Ort der Hand lung stimmt, vielleicht — ? Das wäre ja ein Fingerzeig des Schicksals. Also, alter Freund, schreibe postwendend, und wenn der Eisenkopf
wirklich Dein Schwager ist, dann schicke ihn mir umgehend hierher, am besten mit der Hexe von Frau, von der ich hoffe, daß sie die grimmige Tante nicht minder zu bezaubern und zu bekehren-versteht, wie einst den Leichtfuß von Neffen der er doch gewesen sein muß nach den Schilderungen meiner Baronin, welche immer viel, viel zärtlicher klingen, als die rauhborstige Dame es sich merken laffen will."
Der Lesende läßt den Brief sinken, ein allgemeiner Jubel bricht los, während Hertha die blühende Wange zärtlich an die des Gatten schmiegt. Die Vier besprechen noch eifrig das Gehörte und knüpfen ihre Hoffnungen für die Zukunft des jungen Paares daran, die plötzlich golden vor ihren Augen liegt, als Werner und Elfe mit seltenem Ernst in den jungen Gesichtern eintreten. „Wir fahren, sobald unser Papachen es erlaubt," sagt Elfe, während die Anderen Werner die Hand schütteln. „So bald Du bestimmst, kleine Baronin und Schloßfrau", nickt der Alte, lieber Elfes Gesichtchen fliegt ein rosiger Schimmer. „O nein, lieber Papa Jürgens, wir wollen noch recht lange vergnügt in Deinem Hause leben. Wir gehen nach Italien, um die Tante zu versöhnen, besuchen wollen wir sie oft und sie uns, damit sie wieder eine Familie hat; aber Werner bleibt seinem Berufe getreu, bis einmal unabweisbare Pflichten an ihn herantreten."
„ So ist es," bestätigt ihr Gatte. Dr. Jürgens klatscht in die Hände. „Nun freue ich mich noch hundertmal mehr, und niemand kann der cholerischen Dame aufrichtiger langes Leben wünschen, als ich." — „Wir alle, Onkel Doktor, damit wir unsere Elfe noch recht lange in unserer Mitte behalten können.