mit dem Kreisblatt für die Meise Marbara und Kirchhain.
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D«ck und Verlag: Joh. Ung, Koch, llniverfitäts-Buchdrucker« Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Dienstag, 22. April 1902.
Einfuhr
Ausfuhr
1897 1898 1899 1900 1901
658 877,2 907,2 1020,8 1042,2 397,5 334,6 377,6 439,7 385,8
die Schwierigkeit mancherlei Art, mit denen das Farmerleben verbunden ist, die Ettraglosig- ‘eit weiter Landstriche, alles das könnte, wie in einem Aufsatze der „Empire Review" ausgeführt wird, durch eine sachgemäße Reform und Erweiterung des gegenwärtig bestehenden Sewästerungswesens sehr erheblich und vorteilhaft geändert werden. In erster Linie kommen ne weiten, gegenwärtig fast völlig brachliegenden Territorien westlich der Drakensberge für ne Anlage eines ausgedehnten Bewäfserungs- ystems in Betracht. Gleichzeitig wird die Errichtung mehrerer landwirtschaftlicher Schulen nach dem Vorbilde der in Canada bestehenden als wünschenswert bezeichnet. Durch Teilnahme an den theoretischen und praktischen Unterrichts- "ursen dieser Institute soll den britischen An- iedlern die Möglichkeit geboten werden, die für eine sachgemäße Bewirtschaftung des noch unkultivierten Bodens sowie für Viehzucht und Obstkultur erforderlichen Vorkenntnifie und Fertigkeiten zu erwerben. Man hofft, wenn ür die hier als notwendig bezeichneten Verkehrsund Wirtschaftseinrichtungen die erforderlichen Mittel in nächster Zeit zur Verfügung gestellt werden, den nach Beendigung des Krieges voraussichtlich eintretenden starken Auswanderungsverkehr nach Südafrika in diese noch unkultivierten Gebiete lenken zu können.
Passiv-Bilanz 260,5 542,6 529,6 581,1 656,4
In keinem früheren Jahre war die Bilanz unseres Handels mit den Vereinigten Staaten in solchem Grade passiv wie im Jahre 1801. Nicht weniger als 73 pCt. vom Werte des beiderseitigen Güteraustausches entfallen auf die Einfuhr nach Deutschland und nur 27 pCt. auf die deutsche Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten. Die Zunahme der Einfuhr gegen das Vorjahr ist hauptsächlich auf die verstärkte Weizeneinfuhr zurückzuführen, während bei der Ausfuhr namentlich die Verminderung des Zuckerexports von Einfluß gewesen ist.
Ein Abkommen der transatlantischen Dampserlinien.
Nach einer Mitteilung aus London schloffen die White Star-Linie, die Dominion-Linie, die Lehland-Linie, die American-Linie, die Atlantic- Transport Linie, die Red Star-Linie, die Ham- burg-Amerika-Linie und der Nordd. Lloyd ein Abkommen, welches ein Hand-in-Hand-Arbeiten der Gesellschaften ermöglicht, namentlich zu dem Zwecke, die Betriebsausgaben zu ermäßigen. Jede Gesellschaft behält ihre Selbstständigkeit und Nationalität. — Die „Times" schreiben, das Abkommen zwischen den transatlantischen Dampferlinien sei nahezu abgeschloffen, jedoch
beteiligen sich der Nordd. Lloyd und die Ham- rurg Amerika-Linie nicht aktuell an dem Zu- ammenschluß, wenngleich ein befriedigendes Ab- vmmen mit ihnen abgeschloffen ist. Die Hauptförderer der Kombination seien Pirrie und Morgan.
Der Fall Krosigk vor dem Oberkriegsgericht.
In der Sonnabend-Sitzung wurde zunächst das Verhör mit den Angeklagten fortgesetzt, wobei hauptsächlich im allgemeineu die Momente zur Erörterung kamen, die den Verdacht auf Marten und seinen Schwager gelenkt haben. Der verhängnisvolle Schi ß in der Reitbahn iel nach Aussagen des Zeugen Oberleutnant ,. Hofmann um 4 38 Uhr und zwar während der Rittmeister von Krosigk die 4 Schwadron reiten ließ und dem Wachtmeister den Befehl erteilte, daß von jetzt ab Nachübungen stattfinden sollen. Der Angeklagte Unteroffizier Marten, hatte sich von dem Reiten gedrückt, hatte bis 4 Uhr auf der Kammer mit Kameraden Schnaps getrunken, war mit seinem Schwager Hickel zur Mutter gegangen und von dort um die Zeit des Mordes herum nach kurzem Aufenthalt nach der Kammer zurückgekehrt. , Es ist nun kein Thatzeuge vorhanden, aber verschiedene Zeugen haben ihn an der Stelle gesehen, von der aus durch das Guckloch der Thür mit einem Karabiner der tötliche Schuß gefallen sein muß. Die Beweisaufnahme des heutigen Tages ergab verschiedene schwerwiegende Verdachtsmomente. Der Oberleutnant v. Hofmann ließ sofort nach der That die Mannschaften der 4. Schwadron antreten und zwar mußten diejenigen, die geritten hatten, also außer Verdacht standen, rechts, diejenigen aber, die nicht in der Reitbahn waren, links antreten. Marten hat sich nun unter diejenigen Mannschaften gestellt, die auf der Reitbahn waren und hat wenige Tage später bei der Haussuchung aber noch gesagt: Ich bin ja in der Reitbahn gewesen, ich kann ja nicht in Betracht kommen. Marten erklärte nun heute er habe den Befehl nicht verstanden und fei zu erregt gewesen. Jedenfalls wird dieser Punkt aber ein wichtiges Moment in der weiteren Verhandlung bilden.
Fürst Reuß ält. Lin. f
Das nach dem letzten Bulletin über die schwere Krankheit des Fürsten zu erwartende Ableben ist bereits wenige Stunden später erfolgt. Offiziell wird gemeldet:
Greiz, 10. April. Der regierende Fürst Heinrich XXII. Reuß a. L. ist heute nachmittag 5^/, Uhr gestorben.
Fürst Heinrich XXII. gehörte nicht zu denjenigen Menschen, die vom Schicksal besonders begünstigt oder bevorzugt waren. Am 28. März
Donnerstag abend eingehend die Zusammen- etzung und ganze Thätigkeit der Generalkom- Missionen und des Oberlandeskulturgerichts, sowie die Frage, nach welcher Richtung eine andere Organisation dieser Institutionen Platz greifen Ännte. Sowohl seitens der Regierung wie eiter § der Mehrheitsparteien in der Kommission wurde erklärt, daß es nicht gut fei, die Neuorganisation der Generalkommisfion aufzu- chieben, da eine Reform der allgemeinen Landes- lerwaltung vorläufig nicht zu erwarten. In >er nächsten Sitzung sollen die Punkte, in denen Übereinstimmung erzielt worden ist, festgestellt und in einer Resolution zusammengesaßt werden.
Deutsch-amerikanischer Handels« verkeh r.
Nach den jetzt vorliegenden definitiven Er- gebniffen der deutschen Handelsstatistik für das Jahr 1901 hat sich der deutsche Handel mit den Vereinigten Staaten im abgelaufenen Jahre sehr zum Nachteile Deutschlands gestaltet. Unsere Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten ist gegen das Vorjahr um rund 54 Millionen Mark zurückgegangen, unsere Einfuhr von dort aber wiederum um 21'7$ Millionen Mark gelegen. In den letzten fünf Jahren hat die Einfuhr und Ausfuhr von und nach den Vereinigten Staaten betragen (in Mill. M.):
Friedliche Unternehmungen in Südafrika.
Mit der, angesichts der auf dem Kriegsschauplätze in Südafrika stattfindenden Verhandlungen, wachsenden Wahrscheinlichkeit einer baldigen Beendigung der Feindseligkeiten, mehren fich in britischen Kolonial- und Handelskreisen die Vorschläge und Projekte wirtschaftlicher Natur, welche die möglichst schnelle Wiederbelebung und Förderung von Handel und Verkehr in Südafrika ins Auge fasten. Zu der großen Zahl der teils als Neuanlagen, teils als Fortführung von bestehenden Linien projektirten Eisenbahnverbindungen, unter denen der Ausbau des im Natalgebiete gelegenen Bahnnetzes, wodurch eine durchgehende Verbindung der Küste mit dem Basuto-Land einer- und dem Oranje-Freistaat andererseits geschaffen werden soll, sowie die Fortführung des östlichen Zweiges der Transvaalbahn nach Norden die größte Bedeutung beanspruchen: zu diesen Plänen tritt das Projekt einer direkten Eisenbahnverbindung von Durban nach Kapstadt neu hinzu. Gegenwärtig führt der Schienenweg, der die Hafenstadt des Natalgebietes mit der Hauptstadt der Kapkolonie verbindet, in einem erheblichen Umwege über Ladysmith—Newcastle—Johannesburg in die Kapkolonie und erfordert eine Reisedauer von 3—4 Tagen, sodaß hinsichtlich der Zeitersparnis kaum einen Vorteil gegen den Schnelldampferverkehr von Durban nach Kapstadt sich ergiebt. Es wird nun, entsprechend den in der Kapkolonie schon längere Zeit vor dem Kriege bestehenden Wünschen, in Anregung gebracht, das System der Kapbahn über einen seiner östlichen Endpunkte Burghersdorp, Aliwal North oder Dordrecht bis zur Natalgrenze auszubauen und durch eine von Pietermaritzburg in westlicher Richtung laufende Strecke die Verbindung mit dieser Stadt und dadurch mit Durban herzustellen. Der wesentliche Vorteil dieser Route würde der sein, daß die Fahrtdauer auf die Hälfte ihrer gegenwärtigen Länge herabgesetzt würde. Alle für die unverzügliche Inangriffnahme dieses Projektes erforderlichen Schritte, wenigstens soweit sie den Ban der Natal-Linie betreffen, sollen bereits gethan sein, sodaß einem sofortigen Beginn der Bauarbeiten nach Beendigung des Krieges nichts im Wege steht. Die Kosten dieses Teiles der projektierten Neuanlage werden auf 785 000 Lstrs. geschätzt. Ungleich umsaffendere Bedeutung, weil sie die Kapkolonie so gut wie die Burenrepubliken betrifft und für die wirtschaftliche Entwickelung des gesamten Südafrika geradezu Lebensfrage ist, besitzt die Frage der Berieselungsanlagen und der Regulierung der Wafferläuse. Der geringe Umfang und Ertrag des Ackerbaues, die gedrückte Lage der landwirtschafttreibenden Bevölkerung,
Umschau
Marinejubiläum des Prinzen Heinrich.
Heute find 25 Jahre verfloffen, seit Prinz Heinrich von Preußen der Marine aktiv angehört. Am 21. April 1877, wenige Monate später, nachdem sein älterer Bruder Prinz Wilhelm in die Reihen der Armee eingetreten war, trat Prinz Heinrich nach bestandener Prüfung seinen Dienst an Bord des damals einzigen Kadettenschulschiffes, der alten Segel- fregatte „Niobe", an. Im Oktober 1896 setzte Prinz Heinrich zum ersten Male seine Admiralitätsflagge auf den „König Wilhelm". Die großen Missionen, die dem Prinzen als Geschwaderchef zu Teil wurden, seine Ausreise nach China, um das „Evangelium" seines kaiserlichen Bruders, wie er fich damals ausdrückte, mit gepanzerter Faust zu künden, und sein jüngst erst vollbrachter Friedenszug durch Amerika, der dank den persönlichen Eigenschaften des Prinzen mehr und mehr zu einem Triumphzuge wurde, find in frischer Erinnerung.
Beratung über die Neuorganisation der Generalkommissionen.
Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberatung des Antrages betreffend die Neuorganisation der Generalkommisfionen erörterte
132 (Nachdruck verboten.)
Else.
Äoman von Hanna Asch enbach. (Fortsetzung.)
Ueber den filberschimmernden Gazewogen schwebt einer Blüte gleich das lockenumwallte Köpfchen, welches der Heckenrosenkranz so berückend kleidet. Das Wunderbarste aber an dem lieblichen Geschöpf find die Augen, die unergründlich wie ein Waldsee fast blauschwarz schimmern und eine Welt von Fragen, Träumen und Sehnsucht in fich bergen.
Hertha schaut ganz betroffen drein. Diese Augen, diese Augen! Nie hatte sie diesen Ausdruck an der Schwester gesehen, und doch atme dieses Bild dort überzeugungsvollste Wahrheit Und Schleier um Schleier, wie die Vergangenheit fie webt, finkt vor des Mädchens sinnendem Auge. „Wie hoffnungsfreudig fie hier ins Leben blickt, und wenige Tage später, wie elend, wie trostlos. Und nun wieder die alte Elfe — oder doch nicht?" Sie wendet fich fragend an den Bruder. „Sie ist eigentlich verändert seit damals, bei aufmerksamer Prüfung bemerkt man das, findest Du nicht, Cutt?" — „Die Wangen find nicht ganz so rund mehr," versetzt der Angeredete zögernd. «Sonst merke ich nichts, nur — bildhübsch ist die Hexe!" Die Schwester lächelt nachsichtig, ein ganz klein wenig überlegen. „Nein, Cutt, Du kannst es nich
sehen, aber Dr. Herbart wird es bemerken und wird mir sagen, daß unsere kleine Braut noch tausendmal schöner ist als dies süße Elfenkind!"
Glockenhelles Lachen ertönt am Eingang des Zimmers. „Der Horcher an der Wand — darf ich vielleicht erfahren — ah —" Die Sprecherin unterbricht fich betroffen, während eine glühende Röte das verwirrte Gesichtchen übergießt. Wie mit einem Zauberschlage steht die Zeit ihres ersten, kurzen Liebestraumes vor ihrer Seele. Wie ein Sturm durchbebt sie die Erinnerung an jenes köstliche Glück — an jenes herzbrechende Leid. „Werner," murmeln die erblaßten Lippen halb unbewußt. Die Schwester kniet plötzlich an ihrer Seite. „Sag, Kind, freut es Dich nicht?" Da richtet das Mädchen die feuchtschimmernden Augen wie aus weiter, weiter Ferne zurückkehrend auf das zärtlich besorgte Antlitz der Fragettn. „Gewiß, Hertha, unbeschreiblich. Es war nur der erste Anprall der Erinnerungen. Wie wird sich Werner freuen! Dies Bild zu besitzen, ist sein glühendster Wunsch, den er mir gegenüber schon aussprach, ehe Professor X. es .begonnen. O Gott, wie einzig lieb von Berthl. Da lies, wie sonderbar sich alles zutttfft." Hertha entfaltet den eleganten Bogen und überfliegt das kurze Schreiben, indes Elfe sich zärtlich an den Kruder schmiegt, und leise aus ihn einredet.
Die Gräfin schreibt: „Meine Elsy! Gestern erhielt ich in München Deinen Brief. Er folgte
uns feit Wochen. Ich kann nichts sagen, nur staunen und mich freuen aus Herzensgründe, Gott der Herr hat es herrlich hinausgefühtt. Ich eilte nach hier, denn ich muß bei Deiner Hochzeit fein. Mein Bernhard ist natürlich einverstanden. Wir hatten nach Empfang der Freudenbotschaft gerade noch Zeit, den Kurierzug zu erreichen, sogar das Telgramm mußte unterwegs aufgegeben werden, wie Du bemerft haben wirst. Mußten ins Hotel, da wir, nicht an eine so schnelle Rückkehr denkend, unserem Hausverwalter Urlaub erteilt hatten.
Alles Andere mündlich. Anbei eine vorläufige Hochzeitsgabe, welche die Herrschaften hoffentlich erfreut. Behalte mir aber vor, Copie machen zu laffen, denn wenn wir nun fein ehr- barlich auf Königsmark Hausen werden — nach zweijähttgem Nomadenleben wird's Zeit dazu, kann ich mein Haideröslein nicht ganz entbehren.
Aber nun bestimmt Schluß. Der impertinente Mensch — nämlich mein Gatte — zitiert soeben mit ironischem Lächeln: „Wenn Frauen auseinandergehen rc." — ich finde leider die Pointe nicht heraus, Du?
Kommen direkt zur Kirche. —
Tausend Grüße an Ihn und alle
Deine glückliche Bertha."
Hettha faltet den Brief zusammen. „Ich lege ihn zu Deinen Sachen, Kind. Die Gräfin ist eine treue Seele, unterbricht fie ihre Reise so
Knall und Fall. Wunderbar fügt es sich, daß Deine Nachricht gerade gestern in ihre Hände tarn, heute wäre es zu spät gewesen."
„Sie kommen, fie kommen!" ruft Curt vom Fenster her und stürzt aus dem Zimmer. DaS Rollen eines Wagens klingt näher und näher und verstummt. Elfe preßt den Arm der Schwester. Sie ist bleich geworden, und die Augen blitzen in dunklem Glanze. Und da tritt e r ein, blaß und ernst, gefolgt von dem väterlichen Freunde. Elfe und Werner reichen sich stumm die Hände, doch küffen fie fich nicht. Sie ver- geffen es über die Bedeutung des Augenblicks. Den Arm leicht in den feinen legend, führt das Mädchen den Geliebten vor das Porträt. Mit einem halbunterdrückten Jubellaut beugt sich dieser darüber. „O Elfe, Liebste, ist es möglich, das gehött uns? Dies Bild, meine Sehnsucht im Wachen und im Traum, seit ich Dich ver- laffen mußte, dies Bild, für welches ich freudig Jahre meines Lebens geboten hätte. O Elfenkind! Wie die alte selige Zeit lebendig wird. Wie mich mein Haideröslein so lieb anschaut. Aber weißt Du, Herz —" er hält einen Moment inne und blickt prüfend v'% Nebenzimmer — er hatte in seinem über- quellenden Jubel ganz beigeff en, daß fie nicht allein sind. Dr. Jürgens steht im Gespräch mit Hertha am Fenster, und sie winken jetzt hinaus nach der Straße, wo eben ein Wagen Vorfahrt. (Fortsetzung folgt.)