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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbnra «ud Kirchhain.
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Marburg
Sonnabend, 19. April 1902.
Erscheint täglich nutzer an Werktagen nach Sonn- uns Feiertag«. SoaetagSbeUage: JllustrirteS Soentagöblatt.
Dreck und Verlag: Joh. Lug. koch, llniverfitäts-Buchbruckere
Marbvrg, Markt 21. — Telephon 55.
37. Jahrg.
Ein Schlag gegen die deutschen Nordseehäfen.
ii.
Den letzten Anstoß dazu haben sie erhalten, durch die Gewährung der AuSnahmetarife an die Emshäfen. Seitdem haben Handelsherren am Rhein den Plan einer Petition um Gewährung derselben Rechte im Herzen getragen, ganz unbekümmert um die Erwägungen, die für die Gewährung der Ausnahmetarife an die Nordseehäfen entscheidend waren. Die Nordseehäfen haben im großen Ganzen überhaupt kein direktes Exportwaren erzeugendes oder aufnahmefähiges Hinterland, durch besten Handel sie sich als große, dem Ansehen und dem Bedürfnis des deutschen Reiches entsprechende Seehandelsplätze entwickeln könnten. Sie find darauf angewiesen sich weit im Inneren Deutschlands ein solches Hinterland zu schaffen. So haben Hamburg und Bremen mit Hannover, Brandenburg, Heffen-Nastau, Thüringen, Sachsen und Schlesien Handelsbeziehungen gepflegt, mit Gegenden, die. vor 40—50 Jahren noch fast ausschließlich mit Köln oder Frankfurt im Geschäfts verkehr standen! Zu jenen Zeiten gab es auf dem Rheine so gut wie keine der oben erwähnten direkten See-Bei- bindungen mit nahe gelegenen Seehäfen. Der gesamte Umschlagsverkehr der über die rheinischen Handelsplätze verfrachteten Waren wurde in holländisch-belgischen und französischen Häfen bewerkstelligt, das ganze Verdienst daraus wanderte in die Taschen der Bewohner jener nichtdeutschen Länder. Aber auch fast der gesamte Seetransport der deutschen Waren in Aus- und Einfuhr wurde von nichtdeutschen Rhedereien ausgeführt, die daran abermals ungeheuer viel Geld verdienten, was wiederum unser deutsches Volk an jene Ausländer bezahlen mußte, und welches unserem Volksvermögen auf immer verloren ging. Durch diese Reichtümer, die der ausländische Zwischenhandel von Deutschland gewann, wurden jene fremden Seestädte groß und mächtig, ihre Einwohner reich und steuerkräftig. Das Nationalvermögen jener Völker schwoll an. Durch direkte und indirekte Abgaben und Steuern hoben sich die Einnahmen des Staates, allgemeine Wohlhabenheit, die man jetzt noch z. B. in Holland bemerken kann, griff Platz, Geld zu allen möglichen Unternehmungen war reichlich vorhanden. Und je mehr sich jene Völker an dem Zwischenhandel mit Deutschland bereicherten, desto größere Mittel konnten sie anwenden, um ihn ausschließlich in die Hände zu bekommen. Die Handels- und Kriegs-
130 Machdruck verboten.)
Else.
Roma« von Hanna Aschenbach.
(Fortsetzung.)
Gegen ihre sonstige Gewohnheit spricht sie nicht mit dem Diener, sie grübelt augenscheinlich über etwas nach, denn die Augen blicken seltsam träumerisch aus dem stillen, blaffen Gesicht. Jakob betrachtet sie immer aufmerksamer. Endlich platzt er loS: „Prinzeßchen find doch nicht krank?" .Nein, Alter, nur angst ist mir's, weil Elfe fortgeht." — Sie seufzt gepreßt, und der Diener nickt wiederholt mit dem Kopfe. „Aus wann hast Du den Wein bestellt, Jakob? Der Mann wird uns doch nicht im Stiche lasten?" — „Keine Sorge, Prinzeßchen." Uebrigens, die Tafel hast Du reizend gedeckt, das funkelt und blitzt ja feenhaft, und die Rosenguirlande macht fich süß."
Ter Jakob ist ein Dekorationstalent, er hat das gewiffe Je ne sais quoi —“ zitiert sie ihre Stiefmutter, und unterbricht fich dann schalkhaft: „Weißt Du noch, Alter?" - „O, Prinzeßchen, als ob ich den schönen Satan je vergäße." — Jakob!" — „Bitte, Prinzeßchen, nicht schelten, es kommt mir so von Herzen. Hat sie denn unserer Elfe, wollte sagen, unserer Fräulein Braut nicht gratuliert?" — „O doch! Sie wünscht ihr vor allem,, daß fie einen Mann bekommt, welcher Gerechtigkeitsgefühl genug besitzt, die mit Füßen getretene Rechte von uns armen, als Sklaven behandelten Frauen anzu
flotten wurden ständig vergrößert, wertvoller Kolonialbesitz wurde erworben oder schon vorhandener durch große Kapitalsanlagen, die man zu seiner Kultivierung anlegte, ertragsreicher gestaltet. Auf den deutschen Michel aber, aus dessen Fell man fich diese dicken Riemen schnitt, wurde verächtlich über die Schulter hinabgeblickt. Die deutschen Farben wurden kaum auf den Meeren gesehen, viele deutsche Schiffe zogen es vor, unter fremder Flagge zu segeln, nur um den Chikanen jener durch deutsche Ohnmacht und deutsches Kapital seemächtig gewordenen Nationen zu entgehen. Die deutschen Nordseehäfen aber, die beiden Hansestädte Hamburg und Bremen, das einst so see-, gewaltige Emden, um besten ganz besonderes Wohlwollen einst die Königin Elisabeth von England gebeten hatte, waren von ihrer Bedeutung und Macht herabgesunken, die ihnen als den natürlichen Hafenplätzen für den Handel des großen deutschen Volkes zugekommen wären. Während die holländisch-belgischen Häfen durch den Zwischenhandel mit Deutschland zu ungeheurem Ansehn und Reichtum gelangten, mußten fich unsere deutschen Seehäfen mit der unwürdigen Rolle des Mauerblümchens genügen lasten. Dies war ein unerträglicher Zustand, der energische Maßnahmen zur Abänderung geradezu herausforderte.
Seit der Einigung des Reiches wurde dies in Regierungs- und Parlamentskreisen immer schärfer empfunden und endlich entschloß fich Preußen aus nationalen Erwägungen dazu, für die beiden hauptsächlichstenNordseehäfenHamburg und Bremen sogenannte Ausnahmetarife einzuführen, um durch billigere Frachten nach jenen Plätzen die aus dem Innern Deutschlands kommenden Waren nicht mehr wie bisher den niederländischen und belgischen Häfen sondern den deutschen Nordseehäfen zuzuführen. Dadurch blieben dem deutschen Nationalvermögen die großen Summen erhalten, die ihm sonst bei dem Umschlag der Waren in den fremden Häfen verloren gegangen waren, zahlreiche deutsche Arbeiter fanden lohnende Arbeit, und außerdem erhielt die deutsche Seeschiffahrt durch Zuführung reicher Frachten den ungeheuer starken Antrieb zur Weiterentwickelung, die fie heute auf einen der angesehensten Plätze unter den Handelsmarinen der Erde emporgeführt hat!
Daß dieser Aufschwung der Handelsmarine die Errichtung unserer starken Kriegsmarine überhaupt erst ermöglicht hat, wollen wir nicht näher ausführen. Ebenso, daß ohne ihn auch unsere heutige Schiffsbauindustrie unmöglich wäre. Wir wollen uns wieder unseren Rhein
erkennen — so ähnlich lauten ihre Worte — fie scheint unter die Emanzipierten gegangen zu sein." Das klingt ungewohnt bitter von dem kleinen Mädchenmund, und die roten Lippen wölben fich spöttisch. Jakob lacht aus vollem Halse. „Das sieht der verflossenen Gnädigen ähnlich! Na, lange dauert so eine Laune nicht. UebrigenS, Verzeihung, Prinzeßchen, aber — ist denn der gefühlvolle Glückwunsch alles?"
Dem jungen Mädchen ist es unmöglich, eine strenge Miene beizubehalten bei der treuherzigen Frage des Alten. Sie wendet fich ein wenig seitwärts um das Lächeln zu verbergen, das fich nicht unterdrücken läßt. „Was denkst Du denn? Meinst Du, Elfe möchte ein Geschenk von dieser Frau und außerdem, fie hat ja selbst nichts, wie fie schreibt." Hertha verschweigt das Anerbieten der Stiefmutter, ihre getragenen Roben zu senden.
„Du weißt, ich kaufe nur gute Sachen," hatte fie wörtlich geschrieben, uud von einer gefeierten BeautS, die ich mir zu sein schmeichle, erwartet man immer wieder des nouveauttis. Anworte mir also umgehend, ich denke, Ihr braucht das Zeug notwendiger als meine Kammerfrau, die es ja doch nur verklopft. Es ist, fo viel ich weiß, auch eine weiße.Atlasrobe dabei, die gäbe vielleicht das Brautkleid für Deine Schwester, denn Mull wird der kleinen Eitelkeit wohl zu pauvre sein, was ich ihr übrigens nicht verdenken kann. Na, lebewohl denn, petite, Käthe sendet Dir beaucoup d’amitis.
Deine treue mere
Adeline.
Häfen zuwenden und ihrer Stellungnahme zu den sogenannten Ausnahmetarifen nach den Nordseehäsen.
Wir haben bereits weiter oben dargelegt, daß seit Einführung dieser Ausnahmetarife keine Verminderung des Umschlagsverkehrs in den Rheinhäfen stattgefunden hat, sondern im Gegenteil eine ganz außerordentliche Steigerung. Der Verkehr nach demRheinehat z.B. in den Jahren 1890—1901 um 124 °/0 zugenommen! Wie angesichts dieser Zahlen in der rheinischen Eingabe von einer schweren Schädigung der Rheinhäsen gesprochen werden kann, ist uns und sicher auch unseren Lesern nicht recht verständlich!
Wir müffen im Gegenteil annehmen, daß die Ausnahmetarife nach den Nordseehäfen noch zu hoch sind. Denn sonst wäre es schwer einzusehen, warum neben den circa 32 Seedampfern, die in der Hauptsache einen direkten Verkehr zwischen den Rheinhäfen und den nicht im Gebiete der Rheinmündung gelegenen Seeplätzen vermitteln, noch 40 Rhein- Seeleichter der Vereinigten Hamburger Bugsier - Frachtschiffahrts - Gesellschaft fich a m Gütertransport beteiligen und neuerdings auch die Hamburg - Amerika - Linie Seeleichter für den Rheinverkehr in Dienst stellt! Es ist daraus doch zu ersehen, daß der Gütertransport für die überseeische Verschiffung auch heute noch, trotz der Au 8 - nahmtarife, rationeller selbst aus dem Interessengebiete der Rheinhäfen über diese geleitet werden kann, als über die deutschen Nordseehäfen! Der Ausfall, der den preußischen Staatsbahnen dadurch an Frachten erwächst, müßte eigentlich den Staatsminister der öffentlichen Arbeiten darauf hin drängen, noch eine weitere Verbilligung des Eisenbahntransportes von Exportgütern nach den Nordseehäfen eintreten zu lassen, zumal die Befürchtung nahe liegt, daß jene durch die Hamburger Seeleichter beförderten Waren zum großen Teile nicht in Hamburg oder einem anderen deutschen Hafen, sondern in Rotterdam und Amsterdam umgeschlagen werden, wodurch wieder große Summen an Löhnen den deutschen Arbeitern und damit unserem Nationalvermögen entzogen werden, die bei einem Umschlag jener Güter in deutschen Häfen uns erhalten blieben! W.
Umschau
Aus der Zolltarifkommission.
Aus der vorletzten Sitzung möchten wir noch die Ausführungen der Abg. Frhr. von Wangen-
P. 8. Hier ist's einfach süß. Man betet mich an. Ich amüsiere mich kostbar. Der Erzherzog Christian tanzte neulich bett Kotillon mit mir, ein süperber Kavalier."
Die feinen Brauen Herthas haben sich schmerzlich zusammengezogen, während ihr wunderbares Gedächtnis ihr Wort für Wort des ebenso taktlosen als banalen Briefes vor Augen führt, mit welchem die leichtfertige Frau fie nach monatelangem Schweigen auf die förmliche Verlobungsanzeige Elfes hin, beglückt hat. Vom Grabe des verstorbenen Gatten, von Gedenken an den Verewigten stand kein Wort in der langen Epistel, dafür desto mehr von denen, welche die „trauernde Witwe" zu trösten fich redliche Mühe gaben.
Die Stimme deS alten Dieners unterbricht das finstere Sinnen der schönen Herrin: „Nicht traurig werden, Prinzeßchen, sie ist's nicht wert. — Hören Sie, da klingelt'S. Das Brautpaar wird es doch nicht schon sein?" „Kaum, Jakob, aber fie einmal nach."
Der Alte kehrt nicht in's Zimmer zurück, und als Hertha ihm nach einer Weile folgt, prallt fie fast in der Thür zurück. Herrliche Orangen- und Myrtenbäume füllen den Korridor, und ein paar Männer bringen immer neue Töpfe herzugetragen. Sie wirft einen Blick in das strahlende Gesicht des alten Dieners, und die beabsichtigte Frage bleibt ihr auf der Zunge liegen: sie kennt den Spender. Im nächsten Moment hat fie fich abgewandt und läuft die Treppe hinauf, während Jakob ihr schmunzelnd nachschaut. —
heim (B. d. L.) und v. Kardorff (kons.) über Geflügelzucht nachholen. Frhr. v. Wangenheim führte aus:
Die Federviehzucht Deutschlands liegt allerdings noch ziemlich im argen, doch geschieht neuerdings seitens der Landwirtschaftskammer sehr viel, um die Geflügelzucht, namentlich durch Ausbildung von Wanderlehrern zu fördern, allein alle Sachverständigen, meist städtische Lehrer, also keine Agrarier, haben übereinstimmend erklärt, daß ohneErschwerung der ausländischen Federvieheinfuhr eine Förderung der deutschen Geflügelzucht unmöglich sei. Die Einfuhr ausländischen Geflügels habe die Geslügelcholera ins Land gebracht. Der Großgrundbesitz könne sich auf die Geflügelzucht nicht werfen, der Zoll enthalte keine Begünstigung des Großgrundbesitzes Wohl aber sei die Geflügelzucht ein Gebiet, auf dem der ländliche Arbeiter Verdienst finde. Die Geflügelzucht sei angesichts der großen Einfuhr aus Ungarn, Galizien, Rußland unrentabel. Das Sprichwort sage: „Wer Geld will los werden und weiß nicht wie, der halte nur recht viel Federvieh" oder „Gänsemist und Ziegen- butter ist des Teufels Unterfutter." Für den Preis von 2 Mk. 10 Pfg. für den das Ausland Gänse liefern kann, könne man inDeutschland keine Gänse züchten. Deshalb gehe auch in Pommern die Gänsezucht zurück. Wer den kleinen Leuten Geflügel ziehen helfen wolle, müsse für den Geflügelzoll eintreten. Deutschland könne bei ausreichendem Schutzzoll sehr wohl seinen Bedarf an Geflügel selbst liefern.
Abg. v. Kardorff giebt Herrn Bebel Folgendes zu bedenken: Deutschland brauche eine ganze Reihe von ausländischen Rohstoffen, z. B. Baumwolle, Kaffee, Thee, Wolle u. s. w. Womit sollen wir diese Waren bezahlen? Es frage sich, ob es überhaupt ein Fabrikat gebe, das auf dem Weltmarkt unentbehrlich sei und nur von Deutschland produziert werden könne. Er muffe diese Frage verneinen. Alles, was Deutschland produziert, kann sonstwo in der Welt ebenfalls gerade so gut produziert werden. Der seitherige Vorsprung, den Deutschland dank seiner technischen Schulung heute besitze, werde von den übrigen Ländern, namentlich von Amerika, rasch eingeholt werden. Deshalb haben wir die Pflicht, unsere eigenen Produkte durch Zölle zu schützen, damit uns der Jnlandsmarkt erhalten bleibt. Er könne aus eigener Erfahrung den Sozialdemokraten mit-
Er, immer er, an alles denkend, für alles sorgend, stets rücksichtsvoll und zartfühlend. Und fie, was giebt fie ihm dafür? Ach, daß fie jene Stunde i ngeschehen machen könnte! Niemals, fie fühlt es jetzt zum Greifen deutlich, niemals wird er es wagen, die Frage zu wiederholen, die fie einst verneint hat. Und doch hat fie darauf gewartet all die Zeit, hat geglaubt, ihr verändertes Wesen müsse ihm die Wandlung ihres Herzens verraten. Nichts von alledem! Von Liebe unverkennbar erfüllt, aber voll schmerzlicher Entsagung geht er an ihrer Seite. Kann fie fich ihm denn antragen? Glühende Röte überflammt ihr Geficht bei diesem Gedanken, ihr Stolz und ihre weibliche Scham beben davor zurück wie vor etwas Ungeheuerlichem. Aber was soll werden? Sollen fie beide entsagend, einsam, nebeneinander, und doch durch tausend Schranken getrennt, durchs Leben gehen, nur, weil fie einmal geirrt, weil sie ihr Herz zu spät erkannt hatte.
Die Thür von Herthas Zimmer, in welchem diese grübelnd am Fenster steht, wird leise geöffnet. Frau Herwig im schwarzen Seidenkleid und duftigen Blondenhäubchen, rauscht herein und sagt ein wenig vorwurfsvoll: „Hier bist Du, Hertha? Ich suchte Dich im ganzen Hause. Das Brautpaar ist da und Dr. Jürgens. Komm nur schnell hinüber und hilf Elfe beim Ankleiden, ich muß noch mit Jakob reden wegen des Servierens."
(Fortsetzung folgt.)