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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

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3*eti»elit6fl6r: die geipalten« Zeile oder deren Sex* 10 W«. Reclameo: die Zeil« 25 Pfg.

Marburg

Freitag. 18. April 1902.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feierlager. SouatagSbeilage: JllnftrirteS Sonutagsblatt.

Druck mb Verlag: Joh. Lag. Loch, Universitäts-Buchdruck«« Marburg, Markt 21. Telephon 55.

37, Jahrg.

Ein Schlag gegen die deutschen Nordseehäfen.

i.

Unb es kamen der Philister Fürsten hinauf und sprachen: Ueberrede ihn und stehe, worinnen er solche große Kraft hat, daß wir ihn binden und zwingen! .... Zu der fie dies sprachen, war ein Weib, daS Simson lieb gewann am Bache Sorek, die hieß Delila." Diese Stelle aus dem Buche der Richter, Cap. 16 Vers 4 usw., fiel unS unwillkürlich ein, als wir nachfolgende Notiz aus Rotterdam in derFranks. Zeitung" lasen:

Wie man derFrkf. Ztg." aus Rotterdam mitteilt, hat sich dort am Samstag eine Kom­mission gebildet, welche bezweckt, eine Vereinigung von Rheinschiffbefitzern zu errichten, die sich über Deutschland, sowie über die Niederlande und Belgien erstrecken soll. Die Vereinigung beab­sichtigt, dem traurigen Zustande in der Rhein­schiffahrt ein Ende zu bereiten. Mitglieder der Kommission find die Herren: H. A. Burgerhout jr., I. W. van Herwaarden, C. van Herwhnen, H. Hoogewerfft, E. H. Lebrei, Karl Schroers, Pro- seffor Treub. Der Reichstagsabgeordnete Bafser- mann soll um seine Unterstützung und Beihülfe zum Zustandekommen des Unternehmens gebeten werden.

Die Herren find zwar keine Fürsten aber lauter waschechte holländische Philister, die gar klug die Konjunktur ausgespäht haben, die ihnen für eine Ueberwältigung der deutschen Nordsee­häfen günstig erscheint. Auch ist es nicht das Weib Delila vom Bache Sorek, von dem fie die Unterstützung ihrer Pläne erwarten, sondern der Reichstagsabgeordnete Baffermann aus Mannheim am Rhein soll um seine Beihilfe angegangen werden. Sie beweisen dabei gleich ihren Vorgängern im alten Testament eine her­vorragende Menschenkenntnis. Denn nach dem mannhaften Eintreten des Herrn Baffermann für die scheintote Kanalvorlage dürfen sie über­zeugt sein, daß der Führer der Nationalliberalen ihnen nach bestem Vermögen beistehen wird, wenn es gilt, den deutschen Nordseehäfen die Locken aus dem Haupte abzuscheeren, die die Ursachen find ihres kräftigen Gedeihens! Denn daraus und auf nichts andere« ist das Bestreben der Kom­mission für die Vereinigung von Rheinschiffbesitzern gerichtet, die im An­schluß an die bekannte Petition der deutsch­rheinischen Handelskorporationen gegen die Aus­nahmetarife der Eisenbahnen nach den Nordsee­häfen sich folgerichtig anschickt, durch Ringbildung der holländisch-belgischen Rheinschiffahrtsgesell­schaften mit erhöhtem Kapital, durch weitere Ver­billigung der Rheinfrachten auf holländischen

129 (Nachdruck verboten.)

Elfe.

Roman von Hanna Aschenbach.

(Fortsetzung.)

Willst Du Elfe rufens" bittet Frau Herwig, und die Tochter schreitet bereitwillig nach der Thür, doch auf halbem Wege bleibt fie stehen. Gehen lieber Sie, Herr Doktor, fie wird die frohe Botschaft gern aus Ihrem Munde hören." Eine Minute verstreicht in Schweigen, dann hastige Schritte, die Thür wird aufgestoßen und im Rahmen derselben steht die lichte Elfen­gestalt. Ein scheuer Blick blitzt über die Gruppe der Harrenden ein jubelnder Schrei sie liegt am Herzen des Geliebten. " Doll strahlender Freude schaut die Mutter auf das junge Paar, indes Thränen des Glückes über ihre Wangen rollen. Auch Herthas Auge ruht liebevoll auf den beiden überglücklichen Menschenkindern, dann, wie von einer geheimen Kraft getrieben, wendet fie sich um.

Da steht er, der einsame, treue Freund, hochaufgerichtet in seiner stolzen Männlichkeit, und schaut mit ernstem, unbeweglichem Gefichts- ausdruck auf fie. Einige Augenblicke ruhen die Blicke ineinander, klagend, fragend, dann senkt Hertha die Lider - ihr thut das Herz so weh.

Werner von Buchwald hat unterdessen Elfes Hand erfaßt und fie zu Frau Herwig geführt. Im Uebermaß des Empfindens wirft sich die junge Braut auf die Kniee, während die Mutter ihr segnend die Hand aufs Köpfchen legt. Und

Dampfern und durch sonstige Vorteile, die sie von Preußen erhofft, den Strick, den die Rheinhäfen den Nordseehäfen um den Hals legen möchten, vollends zuzuziehen!

Den deutschen Rheinhäfen ist ihre Antwort bereits geworden! Wenn fie, die durch ihre günstige Lage mitten in dem ausgedehntesten Industriegebiete, mit ihren kurzen und vorzüglichen Eisenbahnverbindungen nach den Industrie- und Handelszentren, mit der außerordentlich leistungsfähigen Wafferstraße nach dem Meere für sich dieselben Eisenbahntarifvergünstigungen verlangen wie fie die Nordseehäfen haben, so muß diese Forder­ung aus dem Gesichtspunkte einer Politik des gerechten Ausgleichs und aus national-wirtschaftlichen Gründen unbedingt zurückgewiesen werden. Die deutschen Rheinhäfen liegen, wie bereits erwähnt, so günstig zu den bedeutendsten deutschen Industrie­zentren Rheinlands und Westfalens, sie haben so kurze und so überaus leistungs­fähige Verbindungen dahin, daß schon durch die bedeutende Ersparnis an Zeit und Transportkosten fast sämtliche Waaren

des Exports und Imports über die

Rheinhäfen expediert werden, sofern ihr relativ hoher Wert gegenüber der Geringfügigkeit des Gewichtes nicht die

noch raschere, daher nutzbringendere Be­

förderung per Axe bis zu einem holländisch­belgischen Hafenorte lukrativ erscheinen läßt. Außerdem aber haben die deutschen Häsen am Unterrheine einschließlich Kölns während deS größten Zeitraumes jedes JahreS, in dem der niedrige Wafferstand des Oberrheines eine direkte Schiffahrt nicht gestattet, noch fast den ge­samten Umschlagsverkehr nach Süd­deutschland, Elsaß-Lothringen und der Schweiz zu vermitteln, der ihnen ganz außerordentlichen Gewinn bringt und der ihnen nach Lage der Verhältniffe auch durch die größten Tarifvergünstigungen der Nordseehäfen nicht genommen werden kann. Und ähnlich ver­hält es fich mit dem Warenverkehr der rheinisch­westfälischen Jndustriegegenden mit den Rhein­häfen. Auch dieser Verkehr sucht fich natur­gemäß den kürzesten und daher schnellsten Weg, um an seinen Bestimmungsplatz zu gelangen und wird, wie heute, so auch in Zukunft trotz der Ausnahmetarife zum größten Teile seinen Weg über die deutschen Rheinhäfen nehmen, die heute schon, wie die 7 Millionen-Forderung für den Neubau des Ruhrorter Hafens beweist, nicht mehr imstande find, diesen Verkehr zu be­wältigen. Dieser, durch die günstige natürliche Lage der Rheinhäfen hervorgerusene Güter­verkehr steigert fich trotz jenen Ausnahme­tarifen von Jahr zu Jahr. Dafür, daß die

plötzlich, halb unbewußt, kniet der Mann an ihrer Seite, und den Arm um die kleine Braut geschlungen, lauscht er gesenkten Hauptes den gütigen, milden Frauenworten, und es ist ihm, als sei es das eigene, vergötterte Mütterlein, das also zu ihm spricht.

51. Kapitel.

Elfes Brautzeit sollte nicht lange dauern. Warum auch? Die beiden Liebenden hatten ja schon eine schwere PrüsungSzeit hinter fich, und der Mann, der die Häuslichkeit so lange schmerzlich entbehrt hatte, verlangte heiß nach baldiger Vereinigung mit dem geliebten Mädchen. Da auch die pekuniären Verhältniffe dank der wahrhaft väterlichen Fürsorge des Dr. Jürgens wohl geordnet waren, konnte schon der Anfang Oktober stattfindende Geburtstag der Braut­mutter als Hochzeitstag angesetzt werden.

Die kleine Braut schwebte wie daS ver­körperte Glück durch das Haus. Sie hatte übrigens auch ernste Pflichten. Sie führte den Haushalt jetzt ganz allein, zur Vorübung für spätere Anforderungen.

Darin wenigstens soll fie perfekt sein," hatte Fran Herwig gesagt, nachdem Hertha, der Doktor, und vor allem der ' glückliche Bräutigam, den die Mutter tief in ihr lieb­reiches Herz geschloffen, die quecksilberne Elfe vom Nähen an der Aussteuer losgebettelt hatten. Laß fie noch die kurze Freiheit genießen, Mütterchen," bettelten Werner und seine Schwägerin, die fich prächtig verstanden, und

Ausnahmetarise nach den Nordseehäsen den deutschen Rheinhäfen nichts haben anhaben können, steht unS unter anderem ein ge­wichtiger Zeuge zur Verfügung. Der Oberbürgermeister von Duisburg hat, mit der städtischen Hafenverwaltung, im vorigen Jahre ausdrücklich erklärt, daß die Seehäfen Hamburg, Harburg, Bremen, Geestemünde, denen schon seit langen Jahren Ausnahmetarise zugesianden find, die Entwickelung der Rheinhäfen nicht haben hindern können!

Der Handelskammerbericht für Duisburg von 1900 weist ferner ausführlich nach, in welch' bedeutendem Maße sich der direkte See­verkehr Duisburgs, wie der Rheinhäfen über­haupt, ständig vermehrt, obwohl dieser nur beschränkte Warengattungen nach oder von den auf der Küstenschiffahrt zu erreichenden Be- stimmungs- oder Ursprungshäfen umfaßt. Un- gemein größer und bedeutender aber ist der Waren-Verkehr, der durch die bloße Rheinschiffahrt zwischen den Rheinhäfen und den holländisch-belgischen Hafenplätzen ver­mittelt wird, und der im stetigen Anwachsen begriffen ist. Wenn daher in der rheinischen Eingabe gegen die Ausnahmetarife nach den Nordseehäfen behauptet wird, daß durch diese Ausnahmetarise die Rhein- häfen schwer geschädigt würden, so ent­spricht dies nicht den Thatsachen. ES müffen daher andere Ursachen dem Vorgehen der Rheinhäfen zu Grunde liegen. Und diese finden nur in dem Bestreben derselben, ihr natürliches, sie so ungemein begünstigendes Hinterland mit Hülfe von Ausnahmetarifen auf Kosten jenes der Nordseehäfen weiter auSzudehnen. -W-

Umschau.

Die Erneuerung deS Dreibundes.

Aus Rom wird berichtet, daß politische Kreise der Ansicht wären, daß die Unterzeichnung des zu erneuernden Dreibundsvertrages schon binnen kurzem erfolgen werde. Erwägt man bei dieser Meldung, daß der Vertrag, wenn er nicht gekündigt wird, ohne weiteres fortdauern würde, es mithin nicht erst einer Unterzeichnung bedürfen würde, so geht aus dem Hinweise darauf, daß es sich um eine neuerliche Unter­zeichnung handelt hervor, daß die Faffung des Vertrages in formaler Beziehung einige Abänderungen haben dürfte. In Wiener parlamentarischen Kreisen verlautet, daß der Minister des Aeußeren, Gras Goluchowski den Delegationen (Parlamentsausschüssen) Mitteilung über die Erneuerung des Dreibunds-

fie setzten eS bei der nachgiebigen Frau natür­lich durch.

Dr. Jürgens, der seinen zweiten Redakteur und die lustige Elfe tief in sein Herz geschloffen, und Dr. Herbart richteten dem Pärchen die Wohnung ein, welche fich im ersten.Stock der Villa des Litteraten befand. Ein lächerlich billiger Mietzins war angesetzt, und dieser nur, weil der Trotzkopf von Werner es nicht anders that, weil er von dem Manne, der ihn wie ein Vater liebte, nichts annehmen wollte auS verrückten Hochmute, obgleich er wohl wußte, daß ihm und seiner kleinen Hexe von Frau dermaleinst alles zufallen würde, was fich der alte Skribrifax zusammengeschmiert hatte." So polterte der alte Herr in den Tönen der tiefsten Entrüstnng, wenn das Gespräch auf dies verfängliche Thema kam. Mit der Be­schaffung der Zimmerausstattung war es gerade so gegangen. Dr. Jürgens wollte das absolut als seine Sache betrachten, dagegen sträubten fich aber alle, besonders jedoch Dr. Herbart.

Elfe jubelte jedesmal hell auf, wennPapa Jürgens" im Wagen kam, um fie in Begleitung des Onkels Doktor in die Möbelmagazine zu fahren.Ach, könntet Ihr nur dabei sein," sagte fie beim Abschiednehmen wohl lachend zu Mutter und Schwester.Sie geraten immer beide in die Wolle, weil jeder noch etwas Schöneres aussuchen will, und da­durch erhalte ich die entzückendste Einrichtung der Welt."Sei nicht so unbescheiden," mahnten dann wohl die beiden, aber die Kleine

Vertrages machen werde. Es ist dies daraus zu folgern, daß die Delegationen gerade auf den 6.Mai zusammengerusen worden find, also für den Tag, an welchem der Vortrag für den Fall der Nichterneuerung gekündigt werden mußte!

AuS der Zolltarifkommission.

Die Regierung scheint auch heute noch auf eine Verständigung mit der zollpolitischen Mehr­heit des Reichstags zu rechnen. Auf eine dies­bezügliche Anftage des Abg. Bebel erklärte Staatssekretär Graf Posadowskh: Es ist ein ungewöhnliches Verlangen, schon in diesem Stadium eine bindende Er­klärung von der Regierung zufordern. Die Regierung kann die Erklärung erst abgeben, wenn der Entwurf durch­beraten ist und der Bundesrat Stellung genommen hat. Ueber ihre Anschauungen haben die Regierungs­vertreter keinen Zweifel gelassen. Ueber diese Erklärung kam eS zu einer längeren Debatte, in der Abg. Graf Schwerin Löwitz (kons.) dem Staatssekretär dankt, daß er in diesem Stadium eine bindende Erklärung abgelehnt habe. Auf welcher lLinie fich eine Einigung mit der Regierung erzielen läßt, kann man erst beurteilen, wenn die Jndustriezölle durchberaten find und man die Sätze kennt, die hier einge­setzt werden. Abg. v. Kardorff (Rp.) konstatiert, daß die Regierung keine Erklärung abgegeben habe, daß fie Mindestzölle prinzipiell für un- zuläsfig halte. Damit schließt die Debatte.

Ermordung eines Richters.

Gestern vormittag ist in Oldenburg, wie ein Telegramm meldet, eine furchtbare Blutthat verübt worden. Vor einiger Zeit hatten in Oldenburg Prozeffe gespielt, die sich gegen den Inhaber der Oldenburgischen Vereinsbank van Baden-Bruns richteten und vom Oberamtsrichter Becker geleitet wurden. Heute nun fand sich Bruns jun. in Herrn Beckers Privatwohnung ein und schoß den Richter nieder.

Einladung Mr. Roosevelt's an Loubet.

Die Amerikareise des Prinzen Heinrich scheint in den Pankees eine plötzliche Sehnsucht nach hohem Besuch geweckt zu haben. Jetzt hat Präsident Roosevelt den Präsidenten Loubet ge­laden, der allerdings keinen prinzlichen Bruder zur Verfügung hat und seine Vertretung einem gewöhnlichen Sterblichen übertragen muß. Immerhin ist eS erfreulich, zu sehen, daß das früher ganz abseits stehende Amerika das Be­dürfnis fühlt, mit den Lenkern der alten Welt nicht bloß in schriftliche, sondern auch in per-

schüttelte lachend die Locken.Pah, das ist Unsinn, ich habe fie dafür unmenschlich lieb, und das ist mehr wert, als ihr dummes Geld!" Und in der That, das warmblütige Mädchen schloß fich in echt töchterlicher Liebe an den Chef ihres Verlobten an, der so gut zu ihr und ihrem Werner war. Sie hatte die echte Vaterliebe nie gekannt; hier fand fie nun ein verwandtes Gefühl, und nahm es dankbar an, ohne zu grübeln, ob ihr Stolz das auch erlaube. Und das naive Kind ahnte selbst nicht, wie wertvoll ihre Zuneigung dem alternden, ein­samen Manne war. Er lebte sichtlich aus und ward zusehends jünger aussehend und heiterer. Und wennseine wilde Hummel" ihm unter zärtlichen Schmeichelworten an den Hals flog, dann zuckte und arbeitete es in dem schicksals­harten Antlitz vor kaum verhaltener Rührung.

So nahte der Tag heran, der heiß ersehnte, bang erwartete.

Unterdessen herrscht emsige Geschäftigkeit im Weißen Schlößchen. Frau Herwig packt unter Thränen den Koffer der Braut für deren ersten Ausflug in die Welt ohne ihre sorgende Mutter­liebe. In der Küche hantiert die für diesen Abend gemietete Kochfrau unter Beihilfe Emmas, die vor Stolz und Freude wie eine Päonie strahlend in demscheenen Weihnachtskleide" prangt. Jakob deckt im Wohnzimmer die Tafel und betrachtet dabei voll zärtlicher Ehrfurcht die junge Herrin, welche Blumen und Früchte ordnend aus- und eingeht. (Forts, f.)