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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbara «ad Kirchhain.
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3st««1t,a»,ibühr: die gespaltene Zeile »der der« Stau» 10 Pfg.
Äetlmmi: die Zeil« 95 $fg.
Marburg
Donnerstag, 10 Aprll 1902.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertag« . CoeetneBMUte: Jllustrirtei» Lonntagstblatt.
Druck und Verlag: Joh. »ug. S»ch, UniversttätS-Buchdru-ker«
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
37. Jahrg.
Kann die heimische Landwirtschaft den Brotbedarf des deutschen Volkes decken?
i.
Für ein Volk gibt eS kaum eine größere und gefährlichere Abhängigkeit als die: in der Versorgung mit den notwendigsten Nahrungsmitteln von dem Auslande abhängig zu sein! Deshalb ist es eine nati o n al politische Aufgabe von höchster Wichtigkeit, die Unabhängigkeit eines Volkes nach dieser Seite hin sicher zu stellen, oder wo infolge der natürlichen Verhältnisse eines Landes eine völlige Unabhängigkeit sich nicht ermöglichen läßt, die dadurch bedingte Abhängigkeit in der Volksernährung doch aus das ge- ringst mögliche Maß herabzudrücken.
Die Beantwortung der Frage, ob für unser Volk eine solche Abhängigkeit besteht, und bejahendenfalls, ob sie sich beseitigen läßt oder aber in den natürlichen Produktionsverhältnissen unseres Landes ihren Grund hat, ist von um so größerer Bedeutung, als in der Entwickelung eines jeden Volkes einmal die Zeit wieder kommt, wo es auf die heimische Landwirtschaft als die Quelle der Volksernährung zurückgreisen muß. Zwar entzieht sich daS „wann" der menschlichen Berechnung; daß die Zeit aber kommen muß, ist darum nicht weniger gewiß. Der Umstand, daß wir alljährlich erhebliche Mengen an Brotgetreide (Weizen und Roggen) mehr ein- als aukführen, läßt noch nicht den Schluß auf einen der Mehreinsuhr entsprechenden Bedarf zu. Dies würde nur dann der Fall sein, wenn eS feststände, daß die gesamte JnlandSernte an Roggen und Weizen in der Form von Brot und Mehl zur Ernährung der Bevölkerung verbraucht würde. Daß heute aber erhebliche Mengen, namentlich an Roggen unter dem Einflüsse der ungenügenden Preise an daS Lieh verfüttert werden, ist allgemein bekannt. Und zwar ist es nicht etwa nur das Abfallgetreide, welches verfüttert wird, sondern vollwertiges Brotgetreide. Man hat für die letzten Jahre die verfütterten Mengen auf 27V* % des Roggens und 5 °/0 des Weizens der JnlandSernte (etwa 25 Millionen Doppelzentner) geschätzt.
Eine ziffernmäßig genaue Beantwortung der oben aufgeworfenen Frage würde voraussetzen, daß sich sowohl die jährliche Menge des inländischen Bedarfes an Brot und Mehl wie auch die Höhe der JnlandSernte an Brotgetreide zahlenmäßig genau feststellen ließe. Dies ist aber nicht der Fall. Wohl haben wir seit 24 Jahren eine Erntestatistik. Deren Zahlen können aber als zuverlässig nicht betrachtet werden, da die ihnen zugrunde liegenden Angaben zum Teile auf Schätzung
122 Machdruck verboten.)
Else.
Roman do» Hanna «schenbach. (Fortsetzung.)
Unterdessen plaudern die Schwestern unbefangen weiter. Kein Gedanke kommt ihnen, daß sie beobachtet werden. Wie wäre das auch denkbar 1 Es ist kaum sechs Uhr, und der Weg, der von der Stadt kommt, liegt frei vor ihren Blicken. Daß es junge Männer geben könnte, die um diese frühe Morgenstunde schon von einem Spaziergang zurückkehren, das kommt ihnen garnicht in den Sinn. Zu Werners Verwunderung beginnt seine kleine Elfe nun mit einemmale ihre Locken aufzutürmen, immer höher. Befremdet sieht er ihr zu. Sie biegt sich in diesem Augenblick weit vor, und lächelnd läßt die Schwester ihre Blumen fallen, daß sie gerade auf dem zusammengenommen Haar zu liegen kommen. Sie klatscht jubelnd in die Hände, indes Elfe lachend den duftigen Gr«ß entfernen will. Aber Rosen haben Dornen, sie muß es zu ihrem Leidwesen erproben, denn der kleine Zweig hat sich verfangen, und wie sie ihn endlich frei hat, zieht sie ein paar lange Locken mit heraus, die kunstvolle Frisur ist verdorben. „Gott sei Dank!" denft Werner, während die kleine Schönheit ein Schmollmündchen zieht. „Du böse Hertha!" ruft sie vor
beruhen und die Neigung besteht, bei , der Schätzung lieber zu tief als zu hoch zu greisen. Man darf deshalb annehmen, daß die offiziellen Zahlen der Erntestatistik das Mindestmaß der wirklichen Getreideernte ergeben, wie dieses auch der deutsche Landwirt- schaftSrat annimmt.
Was die Höhe des Brotbedarfs (d. h. an Brot und Mehl) unseres Volkes anbetrifft, so kann auch diese nur im Wege einer — nicht weniger schwierigen —Schätzung ermittelt werden. Der Wirklichkeit dürfte die vom deutschen Landwirtschaftsrate aufgestellte Berechnung nahe kommen, welche den jährlich auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden Bedarf an Brotgetreide (Roggen und Weizen) im Durchschnitt auf 171 Kilo (= 188,16 Kilo »rat unter Annahme eines Umwandlungsverhältniffes von 100 : 110) schätzt. Dieser Berechnung liegt eine sorgfällige Schätzung des täglichen Bedarfes nach Alter, Geschlecht und Beruf der Bevölkerung zu Grunde; auch find dabei die seit dem Anfänge der 79er Jahre ermittelten Hauöhaltungsbudgets der verschiedenartigsten Berufe, besonders der arbeitenden Bevölkerung verwertet.
Nach beiden Richtungen find wir somit auf mehr oder weniger genaue Schätzungen angewiesen. Nach den in den „Nachrichten vom deutschen Landwirtschaftsrate" mitgeteilten Zahlen betrug nun in der zehnjährigen Periode von 1888/89—1897/98
im Ernte» jahre
Bevölkerung
Deutschlands
JnlandSernte an Roggen und Weizen
im Ganzen in Tonnen — 20 Ctr.
auf den Kops der Bevölkerung Kilo
1888/89
48399363
8053582
166
1889/90
49913916
7735888
158
1890/91
49428470
8698999
176
1891/92
49998756
7116561
142 Mißernte
1892/93
50569042
9990597
198
1893/94
61139328
10455506
204
1894/95
51709614
10087291
195
1895/96
52279901
9403315
180
1896/97
52850187
10240705
194
1897/98
53420473
9845797
184
Durchschnitt
dieser 10 jähr.
50870905
9162819
179,7
Periode
Hiernach würde im Durchschnitte dieser Periode mehr geerntet sein pro Kopf, als der Brotgetreidebedars ausmachte. Um indes zu ermitteln, was von der JnlandSernte für den Verbrauch übrig bleibt, ist von dieser Durchschnittsernte von jährlich 9162 819 t. noch daS im Durchschnitt dieser Periode jährlich 1339 2041. auSmachende Aussaatquantum abzuziehen, so daß für den inländischen Verbrauch nur 7 823 615 t. oder auf den Kopf der Bevölkerung nur circa 154 Kilo verbleiben, für Ernährung der durchschnittlichen Bevölkerung dieser Periode von 50 870 905 Personen würden an Brotgetreide
wurfsvoll hinauf. „Nun muß ich die eklige Frisur nochmal machen, und ich glaube, der Kaffee kocht schon!" — „Ich bin trostlos!" klingt eS schalkhaft zurück. „Vielleicht wollte ich's auch so Kind. Laß doch das abscheuliche Nest, trag' wieder Deine Locken!
Der Lauscher beugt fich unwillkürlich weiter vor. Was wird fie antworten! — „Du weißt doch, daß ich's gern thäte, aber ich habe mir's zur Strafe auferlegt und--" — „Bist ein
rechtes Närrchen," unterbricht fie die Aeltere. „Soll ich auch nach dem Kaffee sehen f" „Ich bin selbst fertig! Bleib' Du nur, Prinzeßchen, oder vielmehr pack' zusammen. Du hast nun zwei Stunden gemalt und mußt hungrig sein." — „Das stimmt. — Du, Elfe!" Die Kleine kommt Zurück. „Ja?" — .Giebt's schon — Du weißt — Dein neues Kuchenrezept?" — „Wenn ich heute nach K . . fahre, bringe ich das Backpulver aus der Apotheke am Bahnhof mit. Also morgen, Du Naschkatze, heute habe ich aud) ein extra bene; but es ganz im Geheimen, na Muttchen wird große Augen machen. Also, Prinzeßchen, Du weißt, was Dich erwartet, komm schnell herunter." Die Sprecherin verschwindet vom Fenster, man hört ihre Helle Stimme noch „Guten Morgen, Mamachen!" rufen, dann ist alles still.
Werner von Buchwald verharrt noch minutenlang am selben Platz, den Kopf vorgebeugt,
50 870 905 X 170 Kilo — 8698 924 t. Roggen und Weizen erforderlich gewesen sein. Um diesen Bedarf neben der JnlandSernte an Brotgetreide — deren Verwendung zu menschlicher Nahrung vorausgesetzt — zu decken, würde eS mithin nur einer Mehreinfuhr von 875 309 t. bedurft haben. In Wirklichkeit betrug aber die Mehreinfuhr (d. h. Einfuhr abzüglich Wiederausfuhr an Weizen, Roggen und Mehl, dieses in Getreide umgerechnet) im Durchschnitt dieser Periode jährlich 1 605 695 t., mithin 730386 t. über den wirklichen Bedarf! —
Das Ergebnis gestaltet fich noch günstiger für die heimische Landwirtschaft, wenn man mit dem deutschen Landwirtschaftsrate (cfr. die Berechnung in deffen Nachrichten) nur die letzten 5 Jahre dieser Periode, also die Zeit von 1893/94-1897/98, ins Auge faßt.
Es betrug im Durchschnitt dieser letzteren Periode die Bevölkerung beS Deutschen Reiches 52279901 Personen, deren Bedarf an Brotgetreide jährlich 8 939 863 t, die JnlandSernte an Brotgetreide jährlich 10006462 t, der nach Abzug des im Durchschnitt dieser Periode jährlich 1352 451 1 betragenden AusfaatquantumS für den inländischen Verbrauch verbleibende Rest 8 654 Oll t. Zur Deckung des Fehlbetrages würde mithin schon eine Mehreinfuhr von nur 285 852 t genügt haben. In Wirklichkeit betrug aber in dieser Periode die Mehreinsuhr an Roggen, Weizen und Mehl (letzteres hier in Getreide umgerechnet) durchschnittlich jährlich 1753 789 t, also 1467 937 t mehr als nach der JnlandSernte nach Abzug deS Aussaatquantums zur Ernährung der Bevölkerung erforderlich gewesen wäre (cf. Nachrichten vom deutschen Landwirtschaftsrate). Die solchergestalt über den Bedarf so erheblich hinausgehenden Mehr- eiufuhren find teilweise wohl auf Handelsspekulation zurückzuführen; zum weitaus größten Teile ist die Ursache dafür aber darin zu suchen, daß unter dem Einflüsse der un ge = nügenden Preise große Mengen der inländischen Brotgetreideernte (namentlich Roggen) anstatt ihrer Bestimmung gemäß zur menschlichen Nahrung zu dienen an daSBieh verfüttert worden find.
Umschau.
Der 70. Geburtstag Graf WalderseeS.
Die gestrige Geburtstagsfeier des Grafen Waldersee gestaltete fich für den greisen Feldmarschall zu einem Tage hoher Ehrungen. Unser Kaiser ließ dem Grasen Waldersee durch den Geheimen Regierungsrat Mießner als Geburtstagsgeschenk einen silbernen Tafelaufsatz überreichen. Mittags traf ein Telegramm des Kaisers ein mit folgendem Wortlaut: „Zu Ihrem Geburtstage sende ich Ihnen meine herzlichsten Glück- und Segenswünsche. Möge
regungslos. Endlich erwacht er wie auS einem Traum. Er blickt um fich, verwundert, fremd. Jst'S Wirklichkeit? Kann das Wirklichkeit sein? Tr hat seine Elfe gesehen, ihre süße Stimme ist an sein Ohr geklungen, seine Elfe — die mit der Sonne aufsteht, Kaffee kocht, Kuchen bäckt, die zur Strafe keine Locken trägt — es ist ja zum Tollwerden!
Der junge Mann faßt sein Haupt mit beiden Händen, als fürchte er, die wogenden, wirbelnden Gedanken könnten es zum Bersten bringen. Diese unglaubliche Veränderung, die mit der Geliebten vor fich gegangen ist! Und doch — durch all die staunenswerte Vervollkommnung schaut die alte Elfe hindurch. Er sagt fich, daß nur ein gewaltsamer, äußerer Einfluß den leichtherzigen Wildfang dergestalt verändert haben kann, und daß eS bloß eines Wenigen bedürfen würde, den reizenden Uebermut wieder zu wecken. — Wie sagte fie doch? „Ich habe es mir zur Strafe auferlegt, keine Locken mehr zu tragen." Er schüttelte den Kopf; alles mag gut und schön sein, mein Liebling aber Locken und Lachen, daS mußt Du wieder haben, ohne daS giebt's keine Elfe.
Noch einen langen, langen Blick wirft Werner von Buchwald auf das Weiße Schlößchen, dann wendet er fich der Stadt zu. Hundert Schritte mag er entfernt sein, als daS Garten- thor ins Schloß fällt. Er dreht fich hastig um
Gottes Gnade Sie mir und dem Vaterlande noch lange in voller Frische erhalten. Wilhelm Rex." Kaiser Franz Joseph sandte dem Grafen folgendes Telegramm: „Freudig bewegt entbiete ich Ihnen zu Ihrem 70. Geburtsfeste, welches Sie heute in vollster Schaffenskraft und Rüstigkeit feiern, meine herzlichsten und aufrichtigsten Glückwünsche! Möge es dem Allmächtigen gefallen, Sie noch recht lange Ihrem Kaiser und dem Vaterlande zu erhalten. Ihr Franz Joseph."
Die Zahl der überhaupt eingegangenen Glückwunschtelegramme belief fich auf weit über 300, während zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten persönlich gratulierten. Schon früh begannen die Regimentsmufiken mit ihren Vorträgen. Später marschierten die von einer Uebung zurückkehrenden Königs-Ulanen im Parademarsch an der Villa des Grafen vorbei. Mittags fanden die Mufikvorträge vor der Villa ihre Fortfetzung. Um 61/, Uhr fand in der Villa ein Familiendiner statt, zu dem auch einige Freunde des Hauses geladen find.
Vorstands-Sitzung der preußischen Hypothekenbanken.
In der gestern in Berlin unter dem Vorfitz des Landwirtschaftsministers stattgehabten Sitzung der Vorstände und AuffichtsratSdelegierten der preußischen Hypothekenbanken wurde allseitig der Wunsch nach Bestellung je eines Staatskommiffars für jede Hypothekenbank zum Ausdruck gebracht. Ferner wieS der Minister darauf hin, er halte eS für die Pflicht der Behörde, welcher die Aufsicht über die gesamte Hypothekenbank obliegt, sich auch darüber zu vergewissern, daß die Auffichtsräte ihren gesetz- und statutenmäßigen Pflichten nachkommen. Ueber eine Reform des Taxwesens sowie über Gewährung von Provisionen wurden bestimmte Beschlüsse nicht gefaßt.
Aus der Zolltarifkommission beS Reichstags.
Die Zolltarifkommission des Reichstags trat ihrem Arbeitsplan gemäß gestern Vormittag um 10 Uhr zur Wiederaufnahme der durch die Osterferien unterbrochenen Arbeiten zusammen. Wiederum war die Kommission vollständig besetzt und zahlreiche Abgeordnete, die der Kommission nicht angehören, waren als Zuhörer, zum Teil, wie böse Zungen behaupten, als Berichterstatter anwesend. Die Regierung war durch die Staatssekretäre Posadowskh und Frhr. v. Thielmann vertreten.
Abg. Rettig eröffnete als Vorsitzender die Sitzung mit einer Ansprache an die Mitglieder, und gab dabei der Hoffnung Ausdruck, daß die Kommission in dieser Woche ein gutes Stück vorwärts kommen werde.
Die Beratung des Zolltarifs wird bei Position 44, Weintrauben, fortgesetzt, die dem
und erblickt die ältere Schwester, den Arm um die Schulter eines Schülers geschlungen, auf ihn zuftimmen. Da das junge Mädchen ohne Kopfbedeckung und ohne Handschuhe, muß er annehmen, daß fie dem Bruder nur daS Geleite giebt und verlangsamt seine Schritte, um die Geschwister an fich vorbeizulaffen. Sie mustern den frühen Spaziergänger erstaunt, laffen fich aber in ihrer heiteren Plauderei nicht stören. „ElfeAährt um 3 Uhr; eigentlich wäre ich ja an der Reihe, aber ich möchte doch gern —"
Die letzten Worte der jungen Dame verlieren fich in der Entserning. Werner von Buchwald steht plötzlich still, ein blendendes Licht geht ihm aus. Elfe fährt nach K. ., vielleicht — nein wahrscheinlich — allein 1 Schon vorhin hatte er's gehört, aber nicht recht beachtet. Sein Entschluß steht fest, er muß fie sehen und sprechen. Ist er doch kein existenz- loser Glücksjäger mehr, sondern ein Litterat in Amt und Würden, ein Schriftsteller, deffen Name freilich noch weit zur Berühmtheit hat, der jedoch bereits beachtet und — gelesen wird. Was er fich da früher zusammenraisonniert hatte, von besserem Los, von den „Sonnenhöhen des Daseins", von dem Luxus, für den fie allein geschaffen, du lieber Gott, wie anders hatte das Leben ihn gelehrt.
(Fortsetzung folgt.)