mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbura und Kirchhai».
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Z»4«»1i»»ls«bShr: di, gespaltene Zeile »der deren Raum 10 Reklamen: di« Zeil« 86 Pfg.
Marburg
Dienstag, 8. April 1902.
Erscheint täglich außer an Wertraaeu nach Sonn- uno Aeiertageu. S»«»tagSbeilagr: JllnftrirteS Lonntagtzblatt.
Druck und Verlag: Joh. Mag, Koch, Universitäts-Buchdrucker« . Marbarg, Markt 21. — Telephon 55.
37. Jahrg.
Am Schluß der parlamentarischen Osterferien.
Auch in der verflossenen Woche stand die politische Rundreise des Grafen PosadowSkh im Vordergründe der politschen Erörterungen. DaS Dunkel, das bisher über Ursache und Ziel dieser Fahrt gebreitet war, ist inzwischen gelichtet worden, ohne indeffen eine Klärung in den innerpolitischen Wirren herbeizuführen.
Die bisherigen Kommisfionsverhandlungen hatten in den wichtigsten zollpolitischen Fragen eine erhebliche Meinungsverschiedenheit zwischen der zollpolitischen Mehrheit des Reichstags und der Regierung ergeben. Die Mehrheit deS Reichstage nahm zunächst am Zollgesetz wesentliche Aenderungen vor, und zwar Aenderungen, deren Berechtigung und Notwendigkeit die Vertreter der Regierung nicht zu leugnen vermochten, sie beschloß nämlich die Einführung von Ursprungszeugnissen, die Beseitigung der gemischten Transitläger, denen kein vorurteilsfreier Volks- wirtschastslehrer die fernere Existenzberechtigung zuerkennen kann, die Festsetzung eines Termins für daS Inkrafttreten des Gesetzes und endlich die Erhöhung der Mindestzölle um rund eine halbe Mark. Diese Beschlüsse wurden stets nach scharfem Widerspruch seitens der Vertreter der Regierung und nach dem bekannten „Unnehmbar" von einer sehr großen zollpolitischen Mehrheit gefaßt, hinter der wiederum fast eine Dreiviertelmehrheit des Reichstags steht.
Es drängte sich somit beim Eintritt der Osterferien der Regierung und den Parteien, soweit sie sich der Verantwortung für daS Zustandekommen eines die heimische Produktion genügend schützenden Zolltarifs bewußt find, die Frage auf: Was soll nun werden? Und diese Frage ist durch die Reise des Grafen PosadowSkh an die deutschen Höfe nicht gelöst, sondern nur brennender geworden. DaS Ergebnis der Konferenz zwischen Graf PosadowSkh und den Münchner Ministern sei, so meldet das offiziöse W. T. B., in jeder Richtung befriedigend, insofern als eine Uebereinstimmung in allen wichtigen Fragen unserer Zoll- und Finanzpolitik erzielt wurde. Insbesondere gehöre dahin die Ueberzeugung* daß der in der Zolltarifkommisfion kundgegebene Standpunkt der Reichsregierung, keinesfalls über die Minimalzölle für Getreide, wie fie der Re- gierungsentwurs vorsehe, hinauSzugehen, nach wie vor als unerschütterliche Grundlage der vom Reichskanzler vertretenen Handelkvertragspolitik anzusehen sei, und ferner die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer Revision der Börsengesetzgebung.
120 iNachdruck verboten.)
Else.
Roman von Hanna Aschenbach.
(Fortsetzung.)
Rur betreffs des unermüdlichen SchaffenS- eiferS, der die junge Malerin schon lange vor der Sonne aus dem Bette trieb, wagte Frau Herwig hie und da eine Bemerkung. Du arbeitest Dich krank, Kind, ek geht ja über Menschenkraft, waS Du leistest." Da lachte Hertha fröhlich auf, und die blühende Gestalt behend und streckend rief fie auS: „Schau mich an, Muttchen, habe ich nicht Kraft für zwei?" Und die Mutter blickte prüfend in das rofige Gesichtchen, in die strahlenden Augen ihrer Aeltesten und sagte, daß dieselbe mit jedem Tage schöner und blühender werde.
Dr. Herbart war vom gleichen ArbeitSteufel besessen, wie Hertha. Jeden Morgen trug der alte Jakob kopfschüttelnd hohe Stöße durchgesehener Akte» in die Kanzlei. Fast Nacht für Nacht schimmerte bis in die frühen Morgenstunden Licht aus dem Arbeitszimmer des Anwalts, und der treue Diener beobachtete von seinem Lager aus seufzend den verräterischen Schein, der durch das Oberfenster jenes Gemaches an die Decke des Corridors geworfen wurde.
Was war das jetzt für ein Tageklaus! Arbeit, Arbeit! Gott Lob, daß er wenigstens gegen Abend eine Pause machte. Wie regelmäßig er nach dem Weißen Schlößchen ging und wahrhaftig, er blieb immer länger aus. Ja die Here, die Hertha! Aber dann arbeitete
Mit dieser „erfreulichen Uebereinstimmung", d. h. mit dieser Zurückweisung aller Verständigungsversuche, von denen in den letzten Tagen so viel die Rede war, ist eine neue Situation geschaffen. Diejenigen, die bisher von einer nahe bevorstehenden Verständigung sprachen und damit ein Entgegenkommen zwischen Regierung und Reichstag auf halbem Wege voraussetzten, haben eine neue schwere Täuschung erfahren. Der Bauer soll wieder einmal die Kosten der so viel verherrlichten und so unendlich oft photographirten allerneuesten Weltpolitik bezahlen, während die Hamburger und Bremer Rhedereien, die Herren Wiegand und Ballin, den Gewinn in die Tasche stecken.
Es ftagt sich nunmehr, welche Konsequenzen die Kommission aus dieser veränderten Sachlage zu ziehen hat. Nach der jetzt geschaffenen Situation hat ein weiteres Arbeiten in der Kommission kaum noch einen Zweck. Will die Kommission nicht pro nihilo arbeiten, so wird fie gut thun, schon morgen vor Wiederaufnahme der Beratungen den Grafen PosadowSkh über Zweck und Ergebnis seiner politischen Osterreise in offiziellster Form zu interpellieren und je nach der Auskunft, die ihr vom Grafen PosadowSkh zuteil werden wird, ihr weiteres Verhalten einrichten. W.
Umschau
Oberst Stoffel über die deutscheArmee.
Ein Mitarbeiter des „Temps" hat anläßlich des Todes des Fürsten Münster den Obersten Stössel ausgesucht, der bekanntlich vor dem Kriege französischer Militärattache in Berlin war und der französischen Regierung so dringend vom Kriege abgeraten hatte. Stoffel, der den Fürsten Münster gut gekannt hatte, äußerte sich sehr freundlich über ihn.
Der Mitarbeiter des „TempS" fragte ihn ferner: „Dann glauben Sie nicht, daß wir jetzt weit stärker als unter dem Kaiserreich find?" worauf Stoffel antwortete: „Ich bin seit 1870 nicht mehr in Deutschland geweseu, kenne jedoch den gegenwärtigen Stand der deutschen Armee und der unsrigen sehr Wohl und glaube nicht, daß sich unsere Armee mit der deutschen vergleichen kann. Gewiß ist unser Material an Gewehren und Kanonen vorzüglich, aber die Bewaffnung der großen Nationen ist ungefähr gleichwerttg. Was jedoch die Ueberlegenheit der Armee unserer östlichen Nachbarn ausmacht, ist die Qualität ihres Offizierkorps und deS Oberkommandos."
Stoffel führte dann auS, daß in einer so alten Kulturnation wie Frankreich die Wohl
er bis um drei oder vier Uhr nachts, und früh um neun begann bereits wieder die Sprechstunde.
Der Alte schüttelt besorgt das Haupt und bearbeitet aus Leibeskräften den kleinen kupfernen Aschbecher, den er in der Hand hält. „Und fie, die Hexe! Wenn ich nur aus ihr klug würde! — Da geht fie nun jahrelang neben ihm her, kalt und ruhig wie ein Eisberg, schickt ihn ein halbes Jahr auf Reisen, damit seine Liebe sich abkühlen soll, und nun, da er wieder da ist, macht fie süße Augen und kommt auS dem Erröten garnicht heraus. Da werde der Deibel klug! — Ja, Frauenzimmer bleibt Frauenzimmer! — Und doch, mein Prinzeßchen hätte ich für eine Ausnahme gehalten. — Nee, kokett ist fie nicht!--Am Ende liebt fie ihn
jetzt? Hätte es ja bequemer haben können, aber am Ende, schön wäre es!" —
„Gutm Morgen, Herr Doktor, so früh schon?" — „Tag, Jakob; früh? Es ist drei- viettel neun, und ich muß doch frühstücken." — „ES ist alles bereit, Herr Doktor, ich meinte nur, Sie schlafen so wenig." Der Anwalt lächelt fteundlich, es rührt ihn stets, wenn er bemerft, wie treu besorgt dieser Mensch um sein Wohl ist. „Sorg Dich nicht, Alter, ich habe jetzt lange gebummelt, da habe ich Kräfte im Ueberschuß gesammelt, außerdem geht es ja auch nicht ewig so fort."
Herr und Diener haben fich unter diesem Gespräch in das benachbarte, behagliche Speise- zimmerchen begegeben, wo ein appetttlicher Morgenimbiß bereit steht. Jakob bringt daS duftende Getränk herein und bedient seinen Herrn mit Zucker und Sahne; dann schiebt er
erzogenheit größer (?), daß aber die Disziplin und Unterordnung nicht gleich vollkommen sein könnten wie in Deutschland.
Wer trägt den Zoll?
Zu dem Argument gegen die Bekämpfung höherer Lebensmittelzölle „das Ausland trägt den Zoll" läßt die „National-Zeitung" fich schreiben:
„Bei einer gelegentlichen Anwesenheit in Konstanz fand ich in einer Konstanzer Zeitung und in einer Thurgauer die Brottaxen der beiden Gebiete. . . und fand zufällig, daß schweizer Brot um 3 V, Pf. für das Pfund billiger war, als das Konstanzer. . . . Die Differenz betrug also gerade den Zoll. Zugleich erfuhr ich, daß die Arbeiter aus Konstanz allabendlich ihre 3 Pfund Brot aus ihrer Arbeitsstelle in der Schweiz zollfrei mitbrächten. . . . Das macht täglich 10V2 Pf. Ersparniß aufs Brot oder im Jahr an Brotzoll 38,32 Mk.
Die „National-Zeitung" und ihre Nachbeter haben also von der Zollfrage noch nicht einmal soviel begriffen, um einzusehen, daß auch dann, wenn das Ausland den ganzen Zoll trägt, derPreis imAuSlande um den Zollbetrag niedriger als imJnlande steht. Trägt der Ausländer den Zoll, so heißt dies: es wird ihm der Zollbetrag an dem Preise, den er bei freiem Handel erhalten würde, abgezogen. Dann finkt naturgemäß in dem auS- führenden Lande der Marktpreis um den Zollbetrag, da sonst niemand mit Vorteil auSzu- führen vermöchte. In dem obigen Beispiel ist nur eine Ersparnis der deutschen Grenzbewohner unter den deutschen Zöllen nachgewiesen, nichts weiter, insbesondere kein „Brotzoll" zum Besten der inländischen Konsumenten. Hat bisher das Ausland den Zoll getragen, so würde dessen Aufhebung nur zur Folge haben, daß der Preis im Auslande nur wieder unserem Inlandspreise gleich würde. Damit ginge aber jenen deutschen Grenzbewohnern der gegenwärtig aus den Bestimmungen über den Grenzverkehr erwachsende Vorteil verloren, und fie hätten alle Ursache, die aufgehobenen Zölle zurückzuwünschen.
Der Buren*krieg.
Gegenüber den angeblich auS bester Londoner Quelle stammenden Meldungen, daß der holländische Ministerpräfident Kuhper alle Mächte zur Intervention veranlaßt habe und daß alle, mit Ausnahme Deutschlands, fich zustimmend verhalten hätten, wird von zuständiger Seite versichert, daß Kuhper keinerlei derartige Schritte
ihm die Briefsachen herzu und will das Zimmer verlassen, als der Doktor ihn zurückhält. „Wann gehst Du nach dem Schlößchen?" fragt er. „Nach Tisch, wenn Sie erlauben, Herr Doktor, früh bin ich jetzt immer gern da, denn der Heinrich ist nicht so im Schuß. Und bei den vielen Parteien —" „Braucht Dich aber Fräulein Hertha des Vormittags auch sicher nicht?" unterbricht ihn sein Herr. „Nein, Herr Doktor, ich gehe jetzt nachmittags ins Kunstheim. Herr Weißbach kommt früh nicht, ich glaube, er macht eine Kur." „Gut" — „Ich wollte auch noch sagen," der Alte stockt und sucht nach Worten, „Fräulein Hertha arbeitet jetzt wie toll. Ost ein Dutzend Keiner Sachen im Tag, und dabei hat fie noch einige große Bestellungen."
DeS Anwalts Antlitz wird sehr ernst. Minutenlang herrscht beklommenes Schweigen, dann sagt er, und durch seine Stimme bebt ein Ton wehmütiger Resignation: „Jch kann's nicht ändern. Sie würde nicht auf mich hören — und warum soll ich mich mit ihr streiten?"
Die letzten Worte spricht er mehr zu fich selbst und blickt dabei halb abgewandt durchs Fenster. Aber Jakobs scharfe Augen bemerken doch, daß ein roter Schein Hals und Wangen überfliegt, und die breite Brust fich unter einem gequälten Seufzer hebt. Und dann klingt es zögernd von den bärtigen Lippen: „Findest Du nicht, daß fie — daß Fräulein Hertha sehr frisch unb blühend auSfieht, also garnicht angestrengt?" — „Ja, dar ist ein Wort, Herr Doktor! Sie blüht wie eine Rose und wird alle Tage schöner," platzt der Alte los. —
unternommen habe. Kuhper sei fortgesetzt bestrebt, eine Bafis zu finden, auf der Verhandlungen zur Beendigung der Feindseligkeiten Erfolg versprechen. Hierzu habe er indessen keine Macht angegangen. Der heutige Stand der Dinge sei derart, daß, wenn England in der Frage der Unabhängigkeit nicht nachgebe, in den nächsten Tagen die Feindseligkeiten in verschärfter Weise und in größerem Umfang fortgesetzt würden.
Die „Rh. Wests. Ztg." erhält über den wirklichen Stand der Kriegsoperationen in der Kapkolonie ein längeres Schreiben eines deutschen Burenoffiziers, der aufs bestimmteste versichert, daß die Buren gewinnen müssen. Die Burensache stehe vorzüglich. Näheres werde Deutschland durch Kommandant Fronemann erfahren, der dorthin unterwegs sei. Die Gesamtzahl der Burenstreiter betrage mindestens 20 000 Köpfe, die Streitmacht Dewetr 5000. Die Engländer halten lediglich die Bahnlinien besetzt, während die streifenden Burenkorps daS platte Land beherrschen und zahlreiche Ortschaften in ihre Gewalt bringen. In der Kapkolonie bewaffnen die Engländer erneut Hottentoten, was fich für die Buren- kommandoS recht unangenehm fühlbar macht. Der Norden, wie der Osten Transvaals ist von englischen Truppen vollständig geräumt.
Aus Plymouth wird gemeldet, ein hervorragender britischer Offizier, welcher gestern auS Kapstadt ankam, habe gesagt, daß die Grausamkeiten der Bushveld Karabiniers zahllos wären; 31 Anklagen und davon sieben Anklagen wegen Mordes seien gegen die verurteilten Offiziere vorgebracht; fie hätten nicht nur bewaffnete und unbewaffnete Buren erschossen, sondern auch Frauen und Kinder kalten Blutes ermordet; weder Alter noch Geschlecht habe vor ihrer erbarmungslosen Gewalt geschützt. Leutnant Morant soll kein Australier, sondern der Sohn eines Engländers gewesen sein und in der englischen Marine gedient haben. — Der „Preß Association" zufolge bemerkte ein hoher Beamter des Kriegsministeriums in Bezug aus das Obige: solche Anklagen seien vorgebracht, aber wohl nicht genügend bewiesen worden; jedenfalls hätten die Offiziere doch die höchste Strafe, die Todesstrafe, erlitten.
Wie das Reutersche Bureau aus Prätsria meldet, verloren die Buren in dem Gefechte DelarehS bei Driekuil am 31. v. M., wo der Bruder Kitcheners General Walter Kitchener beinahe hätte kapitulieren müssen, 137 Tote und Verwundete. Nach einer amtlichen Liste betragen die englischen Verluste in dem Gefecht
Keine Antwort. — Was soll er auch erwidern? er denkt ja ebenso. — Im nächsten Moment hat der Diener das Zimmer verlassen.
Der Rechtsanwalt atmet erleichtert auf. Ja schön ist fie, schöner als je, mit dem weichen, warmen Licht in den Augen, mit den wechselnden Farben und der sonnigen Heiterkeit. — Sie hatte sich doch sehr verändert in dem halben Jahr seiner Abwesenheit, das war nicht zu leugnen. Was aber, oder besser wer hatte die Eistemperatur, die daS schöne Mädchen stets umgeben, zum Schmelzen gebracht? Ein holdes Wunder war geschehen — durch wen? durch wen?! — Ein heißer Schmerz durchzuckt das Innere des grübelnden Mannes. Wo hatte er den zu suchen, dem es gelungen war, sein wundervolles Heiligenbild in ein jubelndes, neckisches Menschenkind zu verwandeln? Ach, er liebte fie jetzt heißer als je, das wußte er nur zu gut, wußte auch, daß er übermennschlichen Qualen entgegenging, wenn das eintraf, was er kommen sah, wenn sein lichter, stolzer Stern, fich einem andern zuneigen, wenn sein geliebtes, vergöttertes Mädchen einem andern folgen würde als hingebendes Weib.
Kalter Schauer überläuft ihn, und dann setzt der stockende Herzschlag mit beschleunigter Kraft ein. Dann würde es Nacht werden in ihm und um ihn. Vielleicht, daß er wieder hinauSfloh in die Welt, um diesmal für immer Meere und Länder zwischen fich und die zu legen, die doch seiner Seele Seele war. — Aber warum das? Konnte er nicht bleiben als Freund des Hauses, sein hungerndes Herz von den Brosamen nährend, die ihre schwesterliche