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Offiziere, deren Tapferkeit außer Frage steht, bemühen fich oft vergeblich, die Leute aus den fie schützenden BlockhauSschutzashlen herauSzu- bringen; find die Truppen endlich hinaus, so spähen sie fast ängstlich nach Feinden, zu gerne bereit, die Hände in die Höhe zu strecken.

In London glaubt man jetzt, daß Präfident Steijn bei der günstigen Lage der Burensache durchaus keine Lust habe, zu verhandeln. Andererseits hat man dort jedoch auch das Ge­fühl, daß weder das englische Publikum noch auch das Kriegsministerium alles erfahren hat, was Lord Kitchener vielleicht hätte mitteilen können, wie überhaupt die Berichte des Oberst­kommandierenden in Südafrika fich nicht gerade durch Deutlichkeit und Ausführlichkeit aus zeichnen. Lord Kitchener, so sagt man fick also, muß wohl seine guten Gründe gehabt haben, wenn er den Burenführern eine Zusammenkunft gestattete und ihnen seinen Beistand zur Herbei- sührung derselben lieh. Wenn ihm seine aus­führlichere Kenntnis der Lage nicht die Ueber- zeugung verschafft hätte, daß diese Konferenz der Sache des Friedens wirklich förderlich sein werde, hätte er fie nicht nur reicht gestattet, sondern mit allen Kräften zu verhindern gesucht.

Ein eben eingetroffenes Telegramm Lord Kitcheners berichtet von einem Gefecht, das fich zweifellos als ein neuer Burenfieg entpuppen wird. General Walter Kitchener meldet aus Drickuil (Westtransvaal), er habe am 31. März eine Aufklärungstruppe nach Hartfluß gesandt. Die Truppe sei bald auf Spuren feindlicher Geschütze gestoßen und verfolgte die Buren während der Nacht 8 Meilen weit durch den Busch. Als erstere auf ebenem Terrain fich entwickeln wollte, stürmten Verstärkungen, welche die Buren inzwischen erhalten hatten, gegen die Flanken der Truppe. Letztere war genötigt, eine Verteidigungsstellung einzunehmen und verschanzte sich eiligst. Es entspann sich ein erbitterter Kampf. Schließlich wurden bte Buren nach allen Seiten zurückgeworfen. Delareh und Kemp bemüthen fich vergeblich, die Buren, welche 1500 Mann stark waren, zu überreden, den Angriff zu erneuern. Die Buren haben stark gelitten und zogen fich nach Nordwesten und Süden zurück. Auch die Verluste der Briten seien sehr groß. Eine englische Abteilung leistete so lange Wider­stand, bis alle Mann gefallen oder ver­wundet waren! — Dann brauchten bte Buren allerbings gar keinen neuen Angriff zu machen!

Ein Dementi aus Göttingen.

In einem „Realschulabiturienten unb Rechts­wissenschaft" überschriebenen Artikel ber „Gött. Ztg.", ber in fast allen brutschen Blättern nach- gedruckt worden ist, war ber bärtigen juristischen Fakultät vorgeworfen worben, baß fie bie Im­matrikulation von Realschulabiturienten ver­weigere. Jetzt veröffentlicht bie „Gött. Ztg." folgenbe Zuschrift: „Die „G. Z." bringt in Nr. 12416 vom 1. April 1902 einen Artikel „Realschulabiturienten unb Rechtswissenschaft". In diesem Artikel heißt es: „„Die Universität Göttingen hat, wie bie „Rhein.-Westf. Ztg." erfährt, bereits auf eine Anfrage erklärt, baß Realghmnafialabiturienten zur Zeit nicht bei ihr immatrikuliert werben können. Der ganze Erlaß über bie Gleichberechtigung der neun» klasfigen höheren Lehranstalten würde illusorisch werden durch eine solche Weigerung der juristi­schen Fakultäten."" Die juristische Fakultät der Universität Göttingen stellt demgegenüber fest, daß die Immatrikulation Hierselbst keine Fakultätsangelegenheit ist. Es hat daher weder eine Weigerung der Zulassung der Realgymnafial- abiturienten seitens der hiesigen Juristenfakultät noch überhaupt eine Beschlußfassung der Fakultät in dieser Sache stattgefunden. Göttingen, 3. April 1902. R. von Hippel, Dekan."

Deutsches Reich

Bertt«, 5. April.

— Zur Abendtafel beim Kaiserpaar waren vor­gestern Staatssekretär v. Tirpitz und Admiral von Hollmann geladen. Gestern Morgen hatte der Kaiser eine Besprechung mit dem Staatssekretär des Aus- wärtigen Amts. Für abends haben fich der Kaffer und die Kaiserin bei dem englischen Boffchaster Sir Frank Lascelles zum Diner angesagt.

- Der Kaiser wird mit dem Kronprinzen am 17 und 18. d. M. auf dem Llohddampfer .Kronprinz Wilhelm" eine Ausfahrt in die Nordsee unternehmen.

— Die Entlassung des Generals von Leutze ist vom Kaiser durch folgende Kabinetsordre genehmigt worden: Ich habe bestimmt, auf Ihr Abschieds- gesuch Sie mit der gesetzlichen Pension und der Be­rechtigung zur Tragung der Generaluniform jur Disposition zu stellen und Ihnen das Kulmer In­fanterie-Regiment Nr. 141 zu verleihen.

— Prinz Adalbert wird am 14. d. M. in Kiel eintreffen, um an dem Kursus der dortigen Marine­schule teilzunehmen. Während dieses Aufenthalts wird Prinz Adalbert in der für ihn erworbenen Villa an der Düsternbrooker Allee Wohnung nehmen.

— Aus Wien wird gemeldet, daß der Reichs­kanzler Graf Bülow vorausfichtlich am Montag oder Dienstag von Venedig abreisen wird. Erne mehrfach angekündigte Unterredung mit Zanardelll durste nicht stattfinden, noch eine solche mit Goluchowski.

— Graf Posadowsky, der gestern Abend 5 Uhr 35 Min. in Stuttgart eingetroffen ist, Wird im Lause des Sonntags wieder abreisen.

— Graf Pückler ist, wie dem .Lok.-Anz." aus Basel gemeldet wird, nach dem Schweizer Kurort Langendruck gereist.

— Der Schah von Perfien wird während seines bevorstehende« Besuches am hiesigen Hose das Neue Orangeriegebäude bei Schloß Sanssouci bewohnen und dort dieselben Räume beziehen, die der Sühne- Prinz Tschun mit seinem Gefolge innegehabt hat. Am 28 Mai, wo voraussichtlich der Schah eintreffen wird, oll er aus dem Bahnhof in Potsdam oder Wildpark mit großen militärischen Ehren empfangen werden. Er wird sowohl den Frühjahrsparaden der Berliner wie der Potsdamer Garnison beiwohnen.

— In der letzten Generalversammlung der Salawischen Wohlthätigkeitsgesellfchaft in Moskau wurde einstimmig beschloffen, mit Rücksicht auf die Vorgänge in Posen und Westpreußen sämtliche Waren deutscher Herkunft zu boykottiren. — Wir möchten gern sehen, waS die Ruffen für ein Gesicht dazu machen würden, wenn man in Deutschland aus Sympathie für die Finländer den russischen Roggen boy'oti en würde.

— Am 1. d. M. verließ das Bataillon des 44. Infanterie-Regiments die Stadt Soldau, seine bis­herige Garnison. Abends rückte das 2. Bataillon Jnfanterie-Regiments Nr. 59 in die festlich geschmückte Stadt ein.

— Die erste öffentliche Hauptversammlung des deutschen evangelischen Frauentages wurde bei zahl­reicher Beteiligung von Delegierten, Gästen. Vertretern von Behörden rc. vorgestern im großen Saale des Evangelischen Vereinshauses zu Hannover eröffnet.

— Die.Internationale Schulkorrespondenz" meldet authentisch aus Newhork, die Regierungen von fünf mittelatlantischen Staaten Nordamerikas hätten bei der Bundesregierung die bundesbehördliche Einführung der deutschen Sprache als obligatorischen UntemdjtS- zegenstandes in sämmtlichen staatlichen Lehranstalten Nordamerikas beantragt.

— Wie die .Jtzehoer Nachrichten" aus Tönning melden, stellte sich der Amtsvorsteher Hönck im Kreise Eiderstedt der Staatsanwaltschaft wegen Unter- schlagung von 100000 Mk.

— Der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika Graf von Götzen hat Anfang März von Mombassa aus eine Fahrt auf der Ugandabahn nach dem Viktoriasee unternommen, um die Ugandabahn aus eigener An- schauung kennen zu lernen.

— In Kiel sind die Bauhand Decker in den Aus­stand getreten. Die Innung.Bauhütte" beschloß die Forderung der Maurer und Zimmerer nicht zu be- antworten. Alle Jnnungsbauten ruhen. 2000 Ge- feilen find von der Aussperrung betroffen.

— Der Kreislehrerverein in Hamm hatte an den ausgeschiedenen Ministerialdirektor Dr. Kügler eine Dankadresse gerichtet. Daraus sandte der Gefeierte an den Vorsitzenden des Vereins ein Schreiben, worin er betonte, daß vieles, was er erstrebte, leider un­vollendet geblieben sei, daß er aber .für das, was er erreichen durste, die beste Kraft geschöpft habe aus dem Bewußtsein, daß sein Wirken von dem Ver­trauen der preußischen Volksschullehrer- sch ast getragen und daß die Volksschule in der hohen Tüchtigkeit und Charakterfestigkeit des L e h r e r - standes sicher geborgen fei."

— In der Marineschule zu Kiel begann die Prüfung und Untersuchung der zur Einstellung als Seekadetten einberufenen Anwärter. Zugelassen find ca 250 Anwärter darunter 100 Abiturienten, 34 Zöglinge des Kadettenkorps, im übrigen Schüler mit dem Reifezeugnis für Prima. Von diesen Anwärtern gelangen 200 zur Einstellung.

— Die Dänen in Nordschleswig scheuen selbst in der Kirche nickt vor antideutschen Agitationen zurück. Dem „Flensborg Avis" wird aus Iaht berichtet, daß dort bet der Konfirmation, als der Pastor anfing, die deutschen Konfirmanden — nebenbei gesagt, die Hälfte aller Kinder — auf deutsch anzureden, der dänische Teil der Gemeinde demonstrativ die Kirche verließ.

— Das Reichsgericht erkannte in der Revifions- Verhandlung des Aufsehen erregenden Thorner Ge- Heimbund-Prozesses auf Verwerfung sämtlicher, von den verurteilten 45 Gymnasiasten gegen das Urteil des Thorner Landgerichts vom 15. September v. I. eingelegten Revisionen.

— In Cetinje, der Hauptstadt Montenegro's, steht wieder eine Verlobung in Ausficht. In dortigen Hofkreisen wird versichert, daß der kürzliche Besuch des Landgrafen Alexander Friedrich von Heflen am Hofe zu Cetinje mit einer neuerlichen Verlobung im mortenegrinischen Fürstenhause zusammenhänge.

Ausland

Oesterreich-u«gar«. Ein maßgebendes Mitglied der deutschen Volkspartei, Abg. Prade, sprach gestern in Reichenberg über die parla­mentarische Lage und sagte: Die deutsche Volks­partei werde in bie schärfste Opposition gegen bas heutige Ministerium treten unb, wenn fich bie anbeien beutschen Parteien anschließen, werben bie Deutschen eine vollständige Genug- thuung nicht blos für Eilli, sondern auf der ganzen Linie erhalten muffen. Die Budgetposten, welche den Czechen und Slovenen günstig feien, müffe man nötigenfalls durch Obstruktion zu Fall bringen. Er drohte mit eventuellem Aus­tritt der Deutschen Volkspartei aus der deutschen Gemeinbürgschast. Man werde entweder mit den Forderungen bet Deutschen rechnen müssen, ober bie letzten Tage b e 8 öster­reichischen Parlaments in seiner jetzigen Zusammensetzung seien gekommen.

Belgien. Das Brüffeler Burenorgan „Petitbleu" schreibt, bei offiziösen englischen Presse zufolge sei Englanb bereit, bie Autonomie, Amnestie unb eine Entschädigung zu bewilligen. Die Buren erblicken darin den Ausdruck eng­lischer Kriegsmüdigkeit. England müffe und werde auch den letzten Schritt des Kreuzweges, der zur Bewilligung der Unabhängigkeit führt, zurücklegen. — Die Burendelegierte Wolmaraus begab sich am 4. 4. in Begleitung des Depu­tationssekretär Debruyn zu Krüger nach Utrecht.

Ii«tzla«d. Ein Krakauer Blatt berichtet, der Bischof von Wilna, Zwierowicz, sei wegen eines Erlasses, der den katholischen Kindern den Besuch russischer Psarrschulen untersagte, nach Petersburg berufen. (Br wurde vom Kultus­ministerium aufgefordert, auf fein Bistum zu verzichten, in welchem Falle er das Gehalt weiter beziehen und einen beliebigen Aufenthalt

nehmen könne. Als der Bischof das ablehnte, wurde er auf unbestimmte Zeit nach Awar ver­rannt und fein Gehalt auf 1200 Rubel herab­gemindert.

Bereinigte Staate«. Der Präsident ordnete eine Untersuchung darüber an, ob hin- finfichtlich des Lagers, das Großbritannien in Chalmette, nahe New-Orleans, zur Verschiffung von Pferden und andern Kriegsbedarf unter- ;ält, eine Neutralitätsverletzung vorliegt.

Marburg und Umgegend

Marbnrg, 5. April.

* ÄeMftmetilx. Mit jedem Jahre nimmt bei allen Freunden unseres Volkes bie Sorge um unsere heranwachsenbe Jugenb zu. Die Einflüffe, bie aus betn herrschenben Geiste ber Zeit in bie Vorstellungswelt unb ben Gedanken- fteis des jungen Geschlechtes einströmen, finb nicht selten recht verderblich. Die Achtung vor )er Autorität wird untergraben, die Zweifel an allem Uebersinnlichen werden geweckt, die Phan­tasie wird vergiftet. Die Zukunft unseres Volkes ruht aber auf unserer Jugend. Die Einsicht verbreitet fich mehr und mehr, daß mit bloßer Aufklärung des Verstandes, mit Aus­dehnung der Schulbildung und Hebung des Unterrichts allein nichts gethan ist. Es giebt nur ein Mittel, das Herz der Menschen auf die rechten Ziele zu lenken und zum sittlichen Kampfe zu erwecken: das ist die Religion. Wir Menschen können niemanden zum Glauben zwingen; aber wir können die jungen Seelen Hinweisen auf das Eine, was not thut, wir können ihnen das Bild ihres Erlösers vor Augen stellen und es ihnen einprägen, daß sie zu Gottes lindern und Erben des ewigen Lebens berufen sind. Ausgestattet mit solcher Ueber- zeugung, werden sie gerüstet sein, den Versuch­ungen des Lebens zu begegnen und sich vor der Welt unbefleckt zu erhalten. Die Kirche bestrebt fich im Konfirmandenunterrichte und durch die ernste Feier der Konfirmation, den Glauben in den Kindern zu wecken. Es ist aber nicht weniger Sache des Elternhauses und aller derer, die den Kindern nahe stehen, an der Erziehung ber1 Kinder mitzuwirken, alles zu thun, was den Glauben stützen, alles zu vermeiden, was ihn erschüttern kann. Möge die Feier ber Konfirmation in allen Beteiligten bos Gefühl ber Verantwortung neu beleben, die sie für unseres Volkes Jugend haben!

§ Konfirmiert werden morgen in ber lutheri­schen Pfarrkirche 35 Mäbchen, 57 Knaben, in der Elisabethkirche 41 Mädchen, 39 Knaben und in der reformierten Kirche 39 Mädchen, 48 Knaben. In ber katholischen Kirche empfangen 11 Mädchen und 15 Knaben die erste heilige Kommunion.

§ Schulbeginn. Mit dem nächsten Montag beginnt tn den hiesigen Schulen ber Unterricht wieder. Der Tag bedeutet für viele ein Wendepunkt im Leben, zahlreiche Knaben und Mädchen treten nunmehr, nachdem sie ihre ge­setzliche Schulzeit hinter sich haben, jetzt eigent­lich erst in den Ernst des Lebens ein. Noch bedeutungsvoller erscheint dieser Tag aber für die Kleinen, denen sich am nächsten Montag zum ersten Male die Pforten des Schulhauses öffnen! Freuen sie ficy wohl auch schon die ganze Zeit darauf, nunmehr als großer Schul- knabe oder -Mädchen, stolz mit den Büchern versehen einhergehen zu können, so wird die Stimmung auf dem Wege zur Schule immer zaghafter und nicht selten haben die Eltern wie auch der Lehrer ihre gehörige Mühe, um ben Kleinen klar zu machen, baß ber Schulbe­such nun einmal sein muß. Wir wünschen Allen, sowohl benjenigen, bie bie Schule ver­lassen, wie auch ben Kleinen, bie in dieselbe eintreten, daß ihr Lebentzpfad stets ein freund­licher sein möge.

* Berleihnng brS goldenen Portepees ■« die prenßischrn Förster. Der Kaiser hat genehmigt, daß die Königlichen Förster zur Uniform ein goldenes Portepee mit grüner Seide unb bünnen Cantillen nach bem Muster bes den Förstern bisher verliehenen goldenen Ehrenportepees am Hirschfänger tragen dürfen.

* Postwertzeichen. Man ersucht uns nochmals daraus hinzuweisen, daß im Reichs - Postgebiet und in Württemberg jetzt nur noch Postwert­zeichen mit der Inschrift „Deutsches Reich" aus- gegeben werden. Die bisherigen Reichspost- und württembergischen Postwertzeichen find mit Ende März außer Kurs gesetzt worden; doch haben bie Postanstalten Anweisung erhalten, Senbungen mit alten Postwertzeichen bis au Weiteres nicht in ber Beförderung aufzuhalten und auch nicht mit Nachtaxe zu belegen. Immerhin liegt es im Jntereffe des Publikums, möglichst die richtigen (neuen) Postwertzeichen zu verwenden. Die in den Händen des Publikums noch vorhandenen alten Postwertzeichen werden bis Ende Juni b. I. an ben Postschalteru unb von ben Lanbbriefträgern gegen neue Postwert­zeichen umgetauscht.

* Telkphonanschlnffe. Vom 1. April ab ist bas Postamt in Marburg (Bez. Cassel) zum Sprechverkehr mit ben Orten Breibenstein, Breibenbach, Nieber- unb Oberbieten, Simmers­bach, Hirzenhain, Steinbrücken, Straßebersbach,

Eibelshausen, Wiffenbach unb Frohnhausen (Dill) jugelafsen. Die Gebühr für ein 3 Minuten- Gespräch beträgt je 25 Psg.

* Parolemufik findet von 12—1 Uhr bei günstiger Witterung vor Pfeiffers Garten statt. Programm: 1. Erinnerungen an Berlin, Marsch von W. ßöber. 2. Ouvertüre z. Op. „Rienzi" von R. Wagner. 3. Ein Fichtenbaum steht einsam, Lied von A. Beelitz. 4. Der erste Kuß, Gavotte von W. ßöber. 5. Fantasie a. d. Op. „Carmen" von Bizet. 6. An ber schönen blauen Donau, Walzer von Joh. Strauß.

* Gastspiel des Ibsen-Theaters »ns Berlin. Ein bebeutsames Theaterereignis steht unserem :unftfinnigen Publikum bevor. Das bebeutenfte gaftierenbe Ensemble Deutschlands, das rühm- ichst bekannte Ibsen Theater aus Berlin, wird auf feiner diesjährigen Tournee auch bei uns gastieren und am 10. und 11. April im Museums­aale bie beiben Jbsen'schen Stücke: „Hedda Säblet“ unb „Rosmersholm" zur Aufführung Irringen. Ueber bie ßeiftungen des Ensembles chreiben z. B. bie „Hamburger Nachrichten": Gestern gab vor vollstänbig ausverkauftem Hause bas „Ibsen-Theater" unter ßeitung bes Direktors Gustav ßinbemann das erste der beiben angesetzten Gastspiele. Zur Aufführung gelangte das vieraktige Schauspiel „Rosmers- jolm", eines der besten Werke des eigenartigen nordischen Dichters. Wir können zu unserer Freude feststellen, daß die Künstlerschaar voll ras hielt, was man sich nach den Vorankündig­ungen und Urteilen auswärtiger Blätter von ihr versprechen konnte. Nicht nur, daß die einzelnen Darsteller die ihnen gestellte Ausgabe meisterhaft beherrschten — wir erwähnen ins­besondere Maria Rehoff — so berührte besonders wohlthuend das vortreffliche Zusammenspiel des ganzen Ensembles, bei dem fich ein Glied wunderbar ans andere fügt, so daß die Vor­stellung in der That wie aus einem Guß er­scheint. Der packende Dialog Meister Ibsens kam zu ausgezeichneter Wirkung.

* Carlschulz - Abend. In nochmaligem Hin­weise aus den am Sonntag den 6. April im Mufeumsfaale stattfindenden feinhumoristischen Carlschulz Abend, laffen wir hiermit roch eine Empfehlung des Kaufmännischen Vereins in Ruhrort folgen. Dieselbe lautet: Herr Hof­opernsänger F. Carlschulz erfreute die Zuhörer durch sehr fein durchgearbeitete und prächtig zum Vortrag gebrachte humoristische Lieder und Dichtungen. Von gesanglichen Leistungen waren: „Das Rheinlied", „der, Jungfernkranz", „das Personal-Verzeichnis einer Oper", von den Deklamationen: „der Handschuh", der Geschichts­vortrag des zerstreuten Professors", einfach großartig und erzielten stürmischen Lacherfolg. Die Begleitung hatte die Pianistin Fedora Petrowsko. übernommen, welch' letztere nicht nur damit, sondern auch durch verschiedene Klavier - Soli einen trefflichen Beweis ihres Könnens darbot.

§ Lahnthal-Sangerfeß. Auf Einladung des Männergesangvereins fand vorgestern abend in Wetzlar eine Versammlung der Vertreter sämt­licher dortiger Vereine statt, in der bie Fest- Ausschüffe zu dem im Sommer ftaftfinbenben 25. Bundessest bes Lahnthal-Sängerbunbes ge­wählt würben.

* Collkctk. Bon Montag, ben 7. April b. I. an soll hier in Marburg zum Besten ber Anstalt Hephata in Treysa eine Haus- Collecte erhoben werben. Indem wir auf das der heutigen Nummer beiliegende Flugblatt der Anstalt verweisen, unterlaffen wir es, diesmal unseren Lesern näheres über das segensreiche Wirken der Anstalt Hephata zum Besten der armen schwachsinnigen Kinder unseres Landes zu berichten, mochten aber noch besonders auf­merksam machen Ms das Inserat einer Anzahl hiesiger Herrn iti der heutigen Nummer, welche sich gedrungen fühlen durch dasselbe ihr Interesse für die Anstalt zu bekunden und um gleiche helfende thatkrästige Liebe unserer Mitbürger zu bitten. Wir bemerken übrigens noch, daß auch aus Stadt und Kreis Marburg 18 arme, schwachsinnige Kinder bereits in Hephata Auf­nahme und Erziehung gesunden haben.

§ Fiir Gasthifbefitzer. Wie uns mitgeteilt wird, findet in Kürze eine Revision der Ställe in ben Gast- unb Schankwirtschaften statt. Dieselben rnüffen bekanntlich jetzt geplastert sein. Gleichzeitig sei auch darauf hingewiesen, daß bie gesetzlichen Bestimmungen bezüglich ber Regelung ber Arbeitszeit ber in Wirtschaften beschäftigten Personen mit bem 1. April in Kraft getreten finb.

§ Unfall. In ber Barfüßerstraße machte sich gestern ein etwa 5 Jahre alte? Mädchen an dem Spiegelkasten eines Möbelwagens zu schaffen. Plötzlich setzte sich der Wagen in Be­wegung und das Kind kam unter denselben. Wie man hört, soll es nicht ganz ohne Ver­letzungen davongekommen sein. Es mag dieser Vorfall wieder eine dringende Warnun; sein, daß bie Äinber vor bem Herumklettern an berartigen Fuhrwerken behütet werben.

§ Unfug. Gestern Abend machte fich ein junger Bursche auf dem Marktplatze dadurch unnütz, daß er Mädchen belästigte. Er wurde schließlich zur Anzeige gebracht und sieht nun seiner Bestrafung entgegen.

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