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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbura und Kirchhai«.
viirttljShrlicher BizugSpriis: bei der Expedition 2 ML, bei allen Postämtern 2L5 M. (excl. Betzellzeld).
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Sonntag. 23. MLrz 1902.
Erscheint.täglich außer an Werktagen nach Sonn- unü Feiertag« . r»««tagSbeUalle: JllaftrirteS Souatngtzblatt.
Drmk nab Verlag: Joh. Ang, Koch, Universitäts-Buchdrucker.
Marbnrg, Markt 21. — Telephon 55.
37. Jahrg.
Vergesse niemand, das
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auf die .Oberhessische Zeitung' bei feinem Briefträger oder dem nächsten Postamt sofort zu erneuern!
Wichtige Beratungen auf innerpoliiischem Gebiete stehen bevor, — wir erinnern nur an den Zoll- tarifentwucf, mit dem über die Existenz' über das Wohl und Wehe weiter Kreise unseres Volkes entschieden wird, — einschneidende Beschlüste werden gefaßt werden, die jeden Deutschen nahe berühren und die er deshalb kennen muß.
Auf dem Gebiete der äußeren Politik werden allenthalben neue Fäden geknüpft, diezuVer- Wickelungen ebenso leicht wie zu kulturellen Fortschritten führen können. Der Krieg in Südafrika ist in ein neues Stadium getreten, die Aussichten der tapferen Buren auf endlichen Sieg haben sich in den letzten Tagen bedeutend ver- befsert, neue Siegesnachrichten können täglich eintreffen.
Man vermeide deshalb, daß in der Zustel- lung der „Oberhesfischen Zeitung' eine Störung eintritt, denn wie bisher wird sie auch in Zukunft ihre Leser über alle wichtigen Tagesfragen kurz aber schnell und erschöpfend informieren und ihnen jedes Ereignis von Bedeutung so rasch als möglich melden.
Neu hinzutretende Abonnenten erhalten gegen Einsendung der Postquittung unsere Zeitung bis zum 1. April umsonst.
Die Expevitto« der „Oderhefstsche« Zeit««»".
Griechische Anlechen.
Ein Bankhaus in Frankfurt a. M. veröffentlicht in der Tagespresse einen Prospekt über die Emission einer neuen Anleihe der griechischen Regierung in Höhe von 35 Millionen Mark. Die griechische Regierung hat also das Bedürfnis nach einem neuen Millionenpump empfunden und sucht ihre Schuldscheine nun mit Hilfe jenes Bankhauses in Deutschland unterzubringen. Das deutsche Publikum wird also angereizt, seine Spargroschen in griechischen Papieren anzulegen. Wenn man erwägt, wie wenig geneigt Griechenland bisher gewesen ist, seine Schulden zu bezahlen, und wenn man in Betracht zieht, wie viel Kapital das deutsche Publikum an den .Griechen" bereits verloren hat, so muß es Wunder nehmen, daß sich ein deutsches Bankhaus heute noch bereit findet, griechische Papiere in Deutschland unterzubringen. Welche Stellung das deutsche Publikum
109 (Nachdruck verboten.)
Else.
Noma« vo« Hanna Aschenbach.
(Fortsetzung.)
Die Boudoirmöbel aus der X-straße paffen vorzüglich zu dieser Berkleidung, welche an der Decke kunstvoll zusammengenommen, durch einen Kristallkronleuchter in Sternform gehalten wird. Die vier Ecken schmücken herrliche Blattpflanzen und vor dem Rokoko - Schreibtisch befindet sich auf schimmerndem Eisbärenfell ein zierlicher goldener Stuhl, die beiden GeburtStagSgaben des Dr. Herbart an sein Mündel Else, die Fee dieses kleinen Reiches.
Im oberen Stock befinden sich die Schlafzimmer, und zwar teilt die jünger Tochter daS der Mutter, während die ältere sich ein eigenes Stüben reserviert hat. „Ich bin so gewohnt, allein zu sein, daß ich schwer davon abgehe," hatte fie offenherzig gesagt. Ein kleines Gemach für Curt befindet sich ebenfalls im ersten Stock. Die Mansarde enthält außer einigen Verschlügen einen großen Raum der als Herthas Atelier eingerichtet und durch einen kleinen Ofen im Winter bewohnbar gemacht worden ist. Ein ziemlich großes Fenster giebt ruhiger Nordlicht, und da durch Jakobs Geschicklichkeit daS rote Zelt auS der Villa Paradies neu entstanden ist, fühlt die junge Malerin fich stolz wie eine Königin in ihrem Reiche, welche» von dem dankbaren Bruder „die Goldgrube" getauft worden ist.
Hertha Herwig malte den ganzen Tag. Sie begann im Sommer um vier Uhr und im
zu diesem neuen Finanzgeschäft zu nehmen hat, ergiebt sich aus einem Rückblick auf die Geschichte der griechischen Pumpwirtschast.
Die ersten internationalen Anleihen Griechenlands wurden in den Jahren 1824 und 1825 fünfprozentig mit 56 Millionen Mark ausgegeben. Davon erhielten die emittirenden Bankhäuser als Provisionen, sowie die Zeichner als KurSnutzen zusammen mehr als zwei Drittel, und der Griechische Staat empfing nur 30 Prozent des Nominalbetrages der Anleihe als Netto-ErlöS in feine Kaffe. Das sieht so aus, als wäre eS ein schlechtes Geschäft für den griechischen Staat gewesen. Aber es scheint nur so, denn die Regieruug bezahlte die Anleihezinsen nur zwei Jahre lang; daS macht zu je 5 Prozent zusammen 10 Prozent, sie profitierte am Netto-Erlös dieser Anleihe also immer noch 20 Prozent. Die Gläubiger hatten dann für Kapital und Zinsen das Nachsehen, fie verloren Alles und nur die emittierenden Bankhäuser hatten ihre sicheren Provisionen und Emissionsgewinne in den Taschen. In ähnlicher Weise vollzogen sich in demselben Jahrhundert von 1830 bis 1880 noch eine Reihe weiterer Anleihen. Im Jahre 1880 trat ein erneuter Geldbedarf in Griechenland in so großem Umfange und so dringlich auf, daß es nötig wurde, eine „Reorganisation der alten Schulden in die Wege zu leiten, um entsprechend neue Anleihen auf den inzwischen gänzlich strikenden europäischen Märkten überhaupt wieder unterbringen zu können. Diese Reorganisation bestand darin, daß man versprach, au» dem Erträgnis der neuen großen Generalpumps auch die alten verfallenen Anleihen von 1824 ab wenigstens teilweise wieder zinsbar zu machen, derart, daß fie in der Höhe ungefähr eines Drittels des Nominalbetrages wiederhergestellt werden sollten.
In Deutschland erwarben fich einige deutsche Bankhäuser daS zweifelhafte Verdienst, diesen neuen Generalpump unter die Leute zu bringen. Nachdem auf Grund der „Reorganisation" in den Jahren 1881, 1884, 1885, 1887, 1889, 1890, 1892 und 1893 viele Hunderte von Millionen neuer Schuldtitel glücklich untergebracht worden waren, trat endlich 1893 der große Krach ein. Griechenland verweigerte jede Zahlung von Kapital und Zinsen und konfiszierte schlankweg die Pfänder, die es den ausländischen Anleihen al» Sicherheit untergelegt hatte. Die Gläubiger sahen Jahre lang keinen roten Pfennig.
1898 brauchte das schöne Land abermals Geld. Es wiederholte sich nun die alte Geschichte. Man versprach die „Wiederherstellung"
Winter, sobald der Tag dämmerte, ja in der jetzigen Zeit „ihrer Hochsaison" legte fie fich bei Tage die Farben zurecht und malte munter bei Lampenschein, früh und spät.
Neuerdings hatte das ernste Mädchen allerlei drollige Einfälle, die das Entzücken des würdigen Herrn Weißbach bildeten und rasenden Absatz fanden.
So steigerte fich ihre Einnahme allmählich immer mehr und hatte bereits eine Höhe erreicht, die fie fich nie hatte träuqien lasten. Hertha war glücklich. Ihre selbstlose, von edlem Stolz beseelte Natur fand ihr Genüge in dem Bewußtsein, durch angestrengte Arbeit da» Leben geliebter Menschen zu fristen und zu verschönern. Geistige Anregung erhielt fie durch die Besuche Dr. Herbarts, dem fie in warmer, verehrender Freundschaft zugethan war.
Als Hertha fich an diesem Abend in Begleitung Jakobs, der Dank der Güte des Freundes ganz zu ihrer Verfügung steht, dem weißen Schlößchen nähert, befindet fich Frau Herwig in der Küche, um dar Nachtmahl zu bereiten. ES ist kurz vor acht Uhr, und diese Zeit hat ihre Aelteste zu ihrer Heimkehr bestimmt. Curt steckt seinen Krauskopf in diesem Moment zur Thür herein: „N'Abend, Du Rabenmutter, wir sollen wohl heute verhungerns Ich habe schon daS halbe Brot' verschlungen, in Erwartung der delikaten FischsalateS, den Du mir für heute garantiert hast."
„Koste mal, Du hungriger Wolf," erwidert Frau Herwig zärtlich und führt eine gehäufte Gabel deS begehrten Leckerbissen» an ihre»
der alten Verpflichtungen auf der Bafis, daß gewiffe Staatseinnahmen einer internationalen Gläubigerkommisfion übergeben wurden; aus dem Dienst dieser Verwaltung konnte bisher ein Teil der alten Anleihen mit einem Drittel, ein anderer mit annähernd der Hälfte der Nominalzinsen verzinst werden. Den auf Grund dieser 1898 er Reorganisation neu gepumpten 150 Millionen folgen nunmehr die soeben emittierten 35 Millionen, für die man wieder einmal allerlei schöne „Garantien" und „Pfänder" zufichert, ganz so, als ob die rechts- und gesetzwidrige Konfiskation der früheren genau so „goldficher" hinterlegten Pfänder nicht erst knapp zehn Jahre, sondern schon hundert Jahre her wäre.
Bei dieser neuen Emission ist kein anderes deutscher Bankhaus — so weit wir wiffen — beteiligt, als jenes Frankfurter. Man darf hoffen, daß das deutsche Publikum nach den bisherigen Erfahrungen mit Schuldscheinen der griechischen Regierung doppelt vorsichtig ist, es sei denn, daß das Bankhaus in Frankfurt a. M. die selbstschuldnerische Bürgschaft übernimmt uud das dazu erforderliche Kapital hinterlegt.
Umschau.
Die Otavi - Minengesellschaft in Deutsch-Südwestafrika.
Wie uns nach eingezogenen Erkundigungen an maßgebender Stelle mitgeteilt wird, ist die pessimistische Auffassung, welche vor kurzem in einigen Blättern hinsichtlich der zukünftigen Thätigkeit der Otavi-Minen- und Eisenbahn- Gesellschaft im Otavi-Gebiet Deutsch-Südwest- afrikaS Ausdruck fand, durchaus ungerechtfertigt. Die Untersuchung über die Ergiebigkeit der Minen war im Herbst 1901 abgeschlossen worden und hatte die Thatsache ergeben, daß für zunächst 5 Jahre eine große Ausbeute zu erwarten ist. Für die Untersuchungen find PA Millionen Mark verausgabt worden, und man darf mit Sicherheit fürs Erste auf einen Gewinn von etwa 300000 t erstklassigen Kupfers rechnen. Augenscheinlich schweben nun Verhandlungen , die fich vorzugsweise auf Zusammenbringung des nötigen Kapitals, das fich auf 40 Millionen belaufen muß, beziehen. Sobald diese abgeschlossen find, wird die Gesellschaft in Thätigkeit treten. Don der Kon- stituirung derselben werden auch die Ausführungen der geplanten Bahnverbindungen abhängen , worüber zur Zeit gleichfalls eifrig verhandelt wird. Eine Entscheidung darüber, ob die Otavi-Bahn an die Swakopmunder Bahnlinie angeschlossen wird oder der Anschluß in
SohneS Mund. „Nun, Du Leckermäulchen, ist er gut?"
„Famos, Muttchen," murmelt der Gymnasiast mit vollen Backen, „aber nun loS". Damit will er die Schüssel packen und davonstürzen, wird aber von den mütterlichen Händen an der Jacke festgehalten. „Nichts da, Junker Ungestüm! Gelt, damit Du alles in Deinem unerschöpflichen Magen verschwinden läßt!" — „Na, da komm doch mit, Mama, es ist wirklich höchste Zeit!" — „Hertha ist noch nicht zurück," wehrt Frau Herwig, „wir wollen doch auf sie warten, nicht?"
DeS Jungen ungeduldiges Gesicht verändert blitzschnell den Ausdruck. „DaS ist natürlich etwas anderes", sagt er und stellt die Schüssel wieder hin. „Auf unser Prinzeßchen müssen wir selbstredend warten. Sie ist wohl beim Weihnachtsmann? Das gute Tierchen." — „Ich vermute, Du Naseweis. Sie muß übrigens jeden Augenblick kommen."
„Jetzt begreife ich auch, warum Else sich noch so faul oben herumräkelt um diese Zeit. „Du solltest es nicht dulden, Muttchen," fügt er ernst hinzu, „Du weißt, Hertha hält eS nicht für gut." —
Durch Alles, was Curt sprach, klang eine heiße, fast abgöttische Verehrung seiner ältesten Schwester. Er stimmte stet» rückhaltlos für fie und fand nie das Geringste an ihren Maßnahmen auSzusetzen. Seine schwärmerische Phantasie hob diese Schwester hoch über ihr ganzes Geschlecht. Er liebte sein Mütterchen zärtlich, und die reizende Elfe war ihm ebenfalls an» Herz gewachsen, aber nicht» war der Begeisterung
Caribib erfolgt, ist bis jetzt noch nicht ergangen. Ebenso wenig ist ein Entschluß über die Spurweite der Otavi-Bahn gefaßt worden. Die hierauf bezüglichen Nachrichten, zu denen auch die Angabe der nur 60 cm betragenden Spurweite der geplanten Linie gehört, find demnach unzutreffend.
„Unsere Dampferlinien bleiben deutsch" —
so klang eS nach der Rückkehr der Herren Ballin und Wiegand jubelnd durch die Händlerpreffe. Jetzt deutet die „Frankfurter Zeitung" an, es sei in New-Uork unter anderem vereinbart worden, daß die verschiedenen deutschen, englischen und amerikanischen Trustglieder sich gegenseitig einen Anteil an den Verkehrseinnahmen der beteiligten Schiffahrtslinien zugefichert haben. — Also: es wird in einem großen internationalen Topf gekocht werden, einige deutsche Direktoren dürfen mitkochen, und die deutschen Kapitalisten kriegen ihren Anteil an dem Brei. Ergo: „Unsere Dampferlinien bleiben deutsch!"
Stimmen zu der franko-russischen Erklärung.
Nachdem wir gestern schon kurz den Standpunkt der deutschen Regierung gekennzeichnet haben, mögen heute einige der bemerkenswertesten Auslandsstimmen zu Worte kommen.
In Pariser Blättern wird offiziös hervor- gehoben, die Erklärung habe auch jedenfalls den Zweck, etwaigen allzu ehrgeizigen Plänen Japans einen Riegel vorzuschieben. In diplomatischen Kreisen werde als besonders bemerkenswert hervorgehoben, daß durch die Erklärung das franzöfisch-rusfischen Bündnis nunmehr in offizieller Weise auch auf die ostasiatischen Angelegenheiten ausgedehnt werde.
Im englischen Unterhaus drückte Unterstaatssekretär Cranborne am Donnerstag seine Befriedigung darüber aus, daß zwei Mächte ihrer warmen Zustimmung zum englischjapanischen Abkommen Ausdruck gegeben hätten. (Eine seltsame Auffassung!)
Der Petersburger „Swet" schreibt zu der franzöfisch-rusfischen Erklärung, Rußland könne jetzt seine Stellung in der Mandschurei als fest gesichert ansehen: beati possidentes.
In amtlichen Kreisen der Vereinigten Staaten wird die französisch-englische Note einfach als ein neues Unterpfand seitens der Signatarmächte angesehen, die Politik der offenen Thür aufrecht zu erhalten.
Der japanische Gesandte erklärte: „Wir find gegenwärtig in der Lage, die Meerenge ■ «ii । । । g
zu vergleichen, die sein Wesen für Hertha erfüllte. Sie war sein Ideal, ihre Anerkennung sein Streben, und ihre Liebe unbewußt sein Schutzgeist, der ihn sicher an den Klippen seiner Jünglingsjahre vorüberleitete. Za der Verehrung für Hertha gesellte sich in des Knaben Brust die für Dr. Herbart, der nach des Vaters Tode sein Vormund geworden war.
Die kraftvolle, edle Natur dieses Freundes zog den schwärmerischen Jungen an, und fein kluges Auge hatte längst des Doktors HerzenS- geheimniS erkannt, während Hertha demselben noch völlig anhnungSloS gegenüber stand. Der gereifte Mann bemerkte bald, welch' eifrigen Bundesgenossen er an feinem Mündel gewonnen hatte, ohne daß je ein Wort zwischen beiden über die stillschweigende Uebereinkunft gefallen wäre. Aber eS war selbstverständlich, daß er sich dem Knaben um so wärmer anschloß.
Curt Herwig hate des väterlichen Freundes Sache zu seiner eigenen gemacht. Im jugendlichen Ueberschwang der Gefühle zitterte er bei einem warmen Wort Herthas über den Doktor vor Freude, um fich im nächsten Augenblick den schwärzesten Sorgen hinzugeben, wenn die Ahnungslose ihm unbewußt verriet, wie fern ihr LiebeSgedanken lagen. Der künftige Rechtsanwalt und Verteidiger ließ es nicht an den glühendsten Verherrlichungen seines Vormundes fehlen, welche die Schwester lächelnd anhörte, wenn fie gar zu überschwänglich klangen, in die sie aber in gemäßigterem Tone herzlich einstimmte. Im Uebrigen scheiterten de» wackeren Jungen Bemühungen alle an des Mädchen» Unbefangenheit. (Fortsetzung felgt)