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und Kirchhain.

Erscheint täglich außer an Werltageu nacy Lunn- uno Jciettajer. «aaatagSdeilage: Jllnftrirtes Sonntagsblatt.

Lrnck nnb Verlag: Joh. Äug. Koch, Universitäts-Buchdrucker« Marburg, Markt 21. Telephon 55.

37. Jahrg.

Provinzial-Bersammlung des Bundes der Landwirte.

(Schluß.)

Der deutsche Bauer werde diesmal sich nicht zurückstellen lasten und mit allem zufrieden sein, sondern er verlange das Recht, daß seine Arbeit sich auch lohne. Erst komme die deutsche Heimat und dann noch einmal die deutsche Heimat, dann vielleicht das Ausland. Die Industrie dagegen wolle sich erst im Ausland Absatzgebiete erschaffen und dann käme erst das Inland. Die Regierung sage, der Landwirtschaft soll dann Schutz werden, wenn den Handelsverträgen dadurch kein Eintrag geschieht. DaS sei nicht richtig, erst komme der Schutz der Landwirtschaft und dann die Handelsverträge. Bei den nächsten Wahlen würde jedenfalls dar Wort .Brot- Wucher" die hauptsächlichste geistige Waffe sein, mit der die gegnerischen Parteien, z. B. die Sozialdemokraten arbeiten. Die weiteren Aus­führungen des Redners gipfelten in einer Be­leuchtung des Standpunktes, welche die einzelnen Parteien zu den verschiedenen politischen Fragen einnehmen. Redner fuhr fort: Wenn die Ameri­kaner unS Büchsenfleisch schicken, so schicken sie unS kein gutes sondern schlechtes Fleisch, was dort kein Mensch mehr essen will. Mit diesem Fleisch haben die Amerikaner im kubanischen Krieg ihre eigenen Soldaten vergiftet. Gegen den Schaden, den dieses Büchsenfleisch anrichte, böten die Gewinne der deutschen Schifffahrts- gesellsckaften keinen Ausgleich. Weiter erinnere er an das Börsengesetz, daß, trotzdem es gesetz­lich gültig erlasten sei, nicht strickte auSgeführt werde. Das sollte einmal bei einem der Industrie günstigen Gesetze Vorkommen. M. H.I Der Landwirthschast liegt an den Handelsverträgen nichts, ganz anders liegt es aber mit der In­dustrie und der Börse! Die brauchen alle die langen Handelsverträge, wir nicht. Und deshalb ist es zu bedauern, wenn unsere näheren Freunde im Reichstage dazu neigen, solche Handelsverträge wieder zu schließen zumal aus den jetzigen Tarif hin. Man möge nur kommen mit der Auflösung deS Reichstages, wir haben keine Angst davor, denn eine noch­malige 12 jährige Periode deS Niederganges, wo wir 1150 Millionen verloren haben, verträgt der deutsche Bauernstand nicht wieder. Nun frage ich jeden Bauern, ob er die Verantwortung übernehmen will, den Ruin der Landwirtschaft mit herbeizuführen, indem er für Handelsver­träge um jeden Preis stimmt! Ich will es wenigstens nicht! (Anhaltender Beifall.)

Daraus wird Herrn von Gerlach baS Wort er» theilt, der auSführt: .Grabe auf Grunb bei Ein­labung fei er gekommen, ba er sich als Freunb bei Landwirthschast fühle, wenn er auch andere Gründe dazu habe wie Herr Bley. Er glaube nicht, daß kleine Bauern hier vertreten seien. Er selbst sei der Sohn eineS Großgrundbesitzers, sei aber ein Freund der kleinen Bauern. Ihm hätte einst ein hessischer

102 (Nachdruck verboten.)

Else.

Roman von Hanna Aschenbach.

(Fortsetzung.)

.Fräulein Hertha," sagte Herr Dr. Herbart mit seltsam bewegter Stimme,liebe Hertha, ist eS denn nicht möglich, daß ein anderer Ihnen die schwere Sorge von den zarten Schultern nimmt, daß er Ihnen den harten Lebensweg in einen Rosenpsad verwandelt, daß er--" Sie schaut auf, ein wenig ver­

wundert treffen die grauen Augen in daS erregte Gesicht des Sprechers, und diesem erstarrt das Wort auf der Zunge, als die süße Stimme in ihrer ruhigen, kühlen Art erwidert:Ich weiß es, Herr Doktor, Sie find mein wahrer Freund, Sie werden mir meine Pflichten sehr erleichtern, und wenn der erste Schmerz überwunden sein wird, werde ich garnicht glauben, den Vater verloren zu haben, denn Sie werden mir noch mehr sein."

Der Mann preßt die Lippen fest zusammen. Nachgerade konnte er es doch wiffen: väterlicher Freund, nichts anderes durfte er dem Mädchen sein. Der bittere Schmerz deS Entsagenmüssens in dem Alter, da man keine Zeit mehr hat. ein neues Glück zu suchen, zerreißt sein Herz wieder wie damals, als er noch täglicher Gast in Villa Paradies war, und deS geliebten

Bauer gesagt, baß er ben Zolltarif für schäblich halte. Er habe ein Jahr lang für ben Hanbelsdertragsverein gewirkt, ber von bem Freunb bes Kaisers, Herrn Siemens, gegrünbet worben sei. Er glaube, baß es im Interesse bes deutschen Volkes liege, mit Italien wegen ber Lappalie bes Kartoffelzolles keinen Un- stieben zu beginnen. Er fei nicht bofür, baß man bie beutschen Jnbustriezölle erhöhe und bie lanbwirth- schastlichen Zölle nicht. Er fei bafüt, baß man über­haupt Weber bie Jnbustriezölle noch bie lanbwirth- fchastlichen Zölle erhöhen solle. Eine Abschaffung ber Lanbwirthschaftszölle solle stattfinben, aber allmälig Daß bie Industriellen ihre Zölle erhöhen wollen, ge­schehe nur, weil der Baue» auch mehr Schutz für feine Probukte haben wolle. Heute wären bie Konservativen unb auch ber Bund ber Lanbwirthe mit ihrer Forber- ung eines Zolles von 7,50 Mk auf 6 Mk. herab- gegangen. Was wäre es benn auch, wenn ber kleine Bauer durch bie Zölle ungefähr 20 bis 30 Mk. mehr tietbiene ? Anfangs würde ihn bas viel blinken, aber ba alles teurer werben würbe durch ben Zolltarif, würben feine Ausgaben auch gewaltig steigen Er glaube, baß nur ber Großgrundbesitzer Vorteile vom Zolltarife habe Er kenne Heffen, hier verkaufen nur wenige Bauern (Betreibe! (lebhafte Unterbrechung unb Wibersprüche!) Wenn ber Bunb erreiche, daß bie Brotpieise fliegen, bann fielen für bie Mehrheit des deutschen Volkes bie Mittel fort, Butter, Fleisch u. f. w. zu kaufen. Es liege im Interesse ber kleinen Landwirte, daß ber Zolltarif nicht Gesetz werbe. Er spreche im Namen bet kleinen Lanbwirte, (das wirb ihm aus ber Ver­sammlung lebhaft bestritten); weiter plaibiert Rebner für bie Bagbabbahn, für bie Erschließung jener wun verfallen Gegenden durch deutsche Ingenieure; dort wäre für Deutschland ein Zuwachs an Reichtum zu erwarten. Da dürfe man nicht mit der Handels­bilanz kommen. Gerlach wendet sich dann gegen die Aeußerung des Herrn Bleh, daß Herr Siemens gesagt habe, daß er bedauere, daß wir mehr einsührten als ausführten. Er könne nicht glauben, daß Herr Siemens diese Aeußerung gethan habe Das deutsche Volk fei reicher geworden, das Einkommen fei ge­stiegen. Er will die Bereicherung der Landwirte da­mit beweisen, daß seit 9194 13000 Landwirte bankerott geworden sind, feit 94 98 nur 9000! (Da waren eben die meisten Landwirte schon bankerott. Anm. d. Red.) Aus diesem Grunde wolle seine Partei die jetzige deutschnationale Politik fortfetzen. Seine Partei wolle die Hypoihekenlasten mild.rn, Verkehrswege schaffen, die Produktion steigern; ein Dutzend Forderungen habe sie aufgestellt, um den kleinen Bauern zu helfen. Aber eine Erhöhung des Zollschutzes machten sie nicht mit, sie könnten nicht eine Politik machen, die nur einer kleinen Zahl nütze. Der Bund habe die Mafien erbittert Seine Partei bekämpfe defien Poli'ik, die dazu führe, die Sozial­demokratie zu stärken. Die Parole müffe lauten: nieder mit dem Zolltarif zum Besten des Volkes. (Lärm und vereinzelter Beifall)

Der Vorsitzende nimmt zu diesen Ausführungen kurz das Wort unb stellt betriebene Behauptungen v Gerlachs richtig Darauf erteilt er das Wort Herrn Lanbgerichtsrat Klingebiel Derselbe führt aus, er glaube Herrn Gerlach, baß er ein Freunb der Land- wirtschaft sei, benn was man nicht wisse, könne man eben nur glauben. Es fei nicht zutreffend, daß Herr Fabrikant Schäfer gegen den Zolltarif wäre, er habe nur den nutzlosen Kamps dagegen tn der Easseler Handelskammer ausgegeben. Er habe ausdrücklich in einer konservativen Versammlung erklärt, daß auch die Industrie nichts gegen eine Erhöbung der land­wirtschaftlichen Zölle habe! (Hört, hört! und Beisall.) Die Behauptung v Gerlachs, daß ein kleiner Bauer nicht an dem Zoll int tief fiert fei, wäre unrichtig! Wenn ein kleiner Bauer vielleicht 30 Zentner Frucht für feinen Bedarf brauche, bann blieben ihm immer noch 34 Zentner zum Set tauf. Ist es benn der große Bauer, der das deutsche Volk allein mit (Betrübe ber«

Mädchens Unbefangenheit in ihm die Hoffnung auf ihren Besitz allmählich ertötete. Der Bruch mit der Familie erschien ihm ein Fingerzeig deS Himmels, er sollte vergessen. Er hatte e» redlich versucht, e8 war nicht gelungen.

Wie im Traum fühlt der grübelnde Mann eine schlanke, weiche Hand in der seinen, er­widert das herzliche:Aus Wiedersehen!" mit einem:Auf morgen!" und blickt der graziösen Gestalt nach, die die Portiere hinter sich falle» läßt und die Treppe hinabeilt, ehe er sich noch dazu aufgerafft hat, sie zu geleiten. Ein tiefer Seufzer hebt seine Brust, als die leichten Mädchenschritte verhallt find. Dann streicht er mit der Hand über die Augen.Armer Thor," schilt er sich ärgerlich,diese holde Blume blüht nicht für Dich. Herz frei und Kopf klar, alter Knabe, damit Du die rechten Mittel findest, dem stolzen Kinde sein edelmütiges Vorhaben zu erleichtern, ohne daß eS allzu thatkräftige Hilfe merkt!"--------

33. Kapitel.

Die Seelen schienen ohne Worteslaut, Sich ohne Mittel geistig zu berühren, Als fich mein Atem mischte mit bem ihren. Frernb war sie mir unb innig boch vertraut; Unb klar auf einmal fühlt ich's in mir werben: Die ist es, ober keine sonst auf Erben.

(Schiller.)

Dr. Hau8 Herbart war ein Studienfreund und Eouleurbruder von Karl Herwig. Obgleich

sorgt? Heber 70 pEt. ber Ackerfläche gehören bem kleinen Bauernstand, nur 25000 Besitzer haben mehr als 400 Hektar. Ein großer Teil ber Bauern, bie rur 2 Hektar unb etwas mehr haben, bauten Hanbels- gewächse unb diese wären am Zolltarif gerabe am meisten interessiert. Würben fich noch mehr Lanbwirte ber Viehzucht zuwenben, würben wir halb dieselben niedrigen Preise haben, die jetzt im Getreidebau herrschten und diesen unrentabel machten. Bei der Landwirtschaft müsse einer für alle stehen! (Lebhafter, anhaltender Beifall) Nicht Vorteile wollen wir, son­dern wir wollen ein weiteres Sinken der Preise ver­hindern. Durch den Ausbau der Bagdadbahn werden große Getreidemassen auf den Markt geworfen werden, und dies müffe verhindert werden. So sicher es fei, daß unsere Landwirtschaft bei den jetzt bestehenden Zollsätzen zu Grunde gehen würde, so sicher feien wir einst zur Ernährung unseres Volkes auf unsere Produktion angewiesen. Heute schon sähen sie, daß der Arbeiter, der einmal in die Stadt ge­zogen wäre, der Landwirtschaft verloren fei. Der Städter würde niemals auf die Dauer bei dem landwirtschaftlichen Gewerbe wieder aushalten. Ge- rabe ber Bund der Lanbwi te wolle ben heutigen Bauernstanb erhalten, bas fei ihm zur Ehre anzu- rechnen. Nicht ber pekuniäre Nutzen leite ihn, fonbern nationale Erwägungen. (Bravo). Nun habe ber Vorrebner gesagt, baß mit bem Getreibezoll alle übrigen Preise steigen würben Das sei eine unbe- wiesene Behauptung. Weiter habe Herr von Gerlach behauptet, auch der Bauernstand fei reicher geworden. Er habe die Konkurszahlen als B weis hingestellt. Das fei aber falsch, denn bei den meisten Bauern fei nicht genug Masse vorhanden, um einen Konkurs mit Erfolg überhaupt zu eröffnen. Die konservative Partei werde Schulter an Schulter mit dem Bund der Land­wirte kämpfen denn sie wurzele am festesten auf dem Lande. Sie habe aus der G. schichte gelernt, daß ein Volk zu Grunde geht, das feinen Bauernstand habe zu Grunde gehen lasten. Das sähen wir heute an England. Dem kann auch die Viehzucht, wenn ein­mal die hungernden Arbeitermasten nach Brot ver- langen sollten, nicht helfen. (Lebhaftes Bravo).

Herr Klingelhöfer. Der Herr von Gerlach redet von dem Großgrundbesitz. Wenn biefer auch ben Hauptvorteil von einem höheren Zoll haben wirb, fo hat boch auch der kleine Besitzer im Westen Nutzen durch ihn zu erwarten. Ich stehe nicht mehr auf oer Regierungsvorlage heute, benn ich habe eingesehen, baß ein Zoll, ber unserer heimischen Lanbwirthschast nützen soll, von 7,50 Mk. noch zu niedrig ist. (Bravo). Wenn Herr von Gerlach sagt, er bekämpfe b-n Gioß- grunbbefitz, fo sage ich, dieser habe längst Herrn von Gerlach von fich abgeschüttelt. (Lcbh. Bravo). Die Landwirtschaft fordert einen lückenlosen Zoll- tarif, damit auch die deutsche Industrie bestehen kann. Denn was dem einen recht ist, ist dem andern billig. Ich rufe Herrn von Gerlach zu, nur wenn Sie sich auf nationalen Boden stellen, werden wir uns je zufammenfinden! (Lebhaftes Bravo).

Herr Schlabach aus Stedebach widerspricht Herrn von Gerlach, daß bie Bauern wegen bes Pferbemarktes hierher gekommen feien. Erst solle Herr von Gerlach einmal durch eine Buchführung nachweifen, daß er eine Wirthschaft heute bis zur Prosperität führen könne, dann wollen wir ihn als Autorität anerkennen, aber früher nicht! (Lebh. Bravo.)

Herr Hofmann führt aus, der kleine Bauer müßte doch auch bezahlen, woher sollte tr aber benn baS Gelb nehmen, wenn er, wie Herr v. Gerlach behaupte, kein Get reibe verkaufe? Die Herren um Herrn v. Gerlach betrachten bie Lanbwirthfchast als (Be­rn e i n g u t. A»er wenn es selbst einmal dahin kommen sollte, bann würben jene Herren auch nicht gut babei fahren. So dumm wie Herr von Gerlach glaube, feien die heffischen Bauern doch nicht! (Lebh. Bravo). Es ist gesagt worden, die Landwirthschast sei reicher geworden. Ja reicher an Hypotheken. Diese

das Leben fie weit auseinander gerissen, war die Burschenfreundschaft nicht erloschen, und als vor einigen Jahren Herwig nach Dresden zog, war die Freude auf beiden Seiten groß. Der Doktor ward ein sehr häufiger Abendgast in Villa Paradies, fast zwei Jahre lang. Mit Besorgnis beobachtete er die krankhafte Ver­änderung in des Freundes Wesen, aber er ver­suchte vergebens seinen Einfluß in dieser Be­ziehung geltend zu machen. Er schloß richtig, daß die Ursache zu der erschütternden Wandlung i» den traurigen Eheverhältniffen Herwigs zu suchen war, sowie in seinen unglücklichen Ge- schäftSersolgen, und während der erste wunde Punkt außerhalb seiner FreundeSrechte lag, ver­wehrte ihm Herwig mit krankhaftem Eigensinn jeden Einblick in seine kommerziellen Angelegen­heiten. So mußte Dr. Herbart fich darauf be­schränken, den Freund durch seine Besuche zu zerstreuen und aufzuheitern, und im fiebrigen jederzeit bereit fein, mit seiner Hilfe einzu- fpringen, sobald der Zustand der Dinge es er­fordern und ermöglichen würde.

Mit Hertha Herwig war er bald gut Freund. Sie schätzte den gereisten, geistvollen Mann und freute fich stets auf sein Kommen, denn fie sah nicht nur, welch guten Einfluß fein heiteres Wesen auf den grilligen Freund ausübte, sondern ihr kluger Blick drang tiefer und erkannte, welche Fülle von sorgender Liebe

Summen feien in bie Hände ber Leute geraten, die Herr v. Gerlach vertrete. Das feien internationale Leute. Wenn jene Leute sich solchen Luxus wie heute erlauben könnten, bann könnten sie auch bie paar Pfennige bezahlen, bie ber Zoll bas Brot teurer mache, bantit ber Bauer auch einen Lohn habe für feine Arbeit! Wenn Herr v. Gerlach fich als Freunb ber Lanbwirtfchaft bezeichne, bann möchte er wissen, was bas für eine Sorte Freunb fei! (Lebh. Beifall).

Der folgenbe Redner Herr Lanbrat v. Gilsa ist von bem Berichterstatterplatz aus nicht zu verstehen. (Die Rebattion ber ,Oberh. Ztg.' möchte hieraus Veranlafiung nehmen, bie Einberufer öffentlicher Ver­sammlungen, benen etwas baran liegt, baß ein Bericht bem großen Publikum vorgelegt wird, zu bitten, ben Berichterstattern einen Platz zu reservieren, von bem aus sie ben Verhandlungen leicht unb mühelos folgen können. Wie hoffen, baß biefer bescheidene Wunsch im Interesse ber Sache selbst in Zukunft erfüllt werden möchte.) Wenn wir recht gehört haben, bestreitet Herr v. Gilsa, daß ber Getreibezoll das Brot verteuere. Der Bund ber Lanbwirte wolle verhindern, daß Deutschland ein reiner Industriestaat werde. Wenn dies geschehe dann würde es nicht mehr möglich sein, daß Hessen so viel tüchtige Soldaten ausbrächte, wie fie 1840 nach Frankreich marschiert wären. Für bie Armee wäre die Richtung unserer heutigen Politik verderblich. Diese wolle der Bund der Landwirte ändern und deshalb fordere er die Anwesenden auf einzust mmen in den Ruf: der Bund der Landwirte lebe hoch!

Herr Baron v. Stockhausenerklärt, daß bie Handels­verträge der Caprivi'schen Aera selbst der Regierung nicht genügten, ba fie ja jetzt geändert werden sollten. Was sei die Folge der Zollverträge? Wir hätten nicht nur Waren importiert, sondern auch Menschen. Unb biefe seien heute eine große Gefahr für unser nationales Leben. Die Reichrregierung habe einmal erklärt, fie wolle ben Besitz schützen. Dies könne er aber nicht darin sehen, baß bie landwirtschaftlichen Besitze nicht geschützt würden. Es sei behauptet worden, daß durch ben Zoll bas Brot teurer werben müßte Es habe fich aber ergeben, baß biefe Folge fich burchaus nicht an den Zoll geknüpft habe. In Zeiten des höchsten Zollschutzes hätten stets die niedrigsten Brotpreise geherrscht. Die heutige Ver­sammlung sei einberufen worden, um einmal zu hören, wie hoch ein Zollschutz zu bemessen fei, damit die Landwirtschaft bestehen könne. Er bitte nicht nur die hiesige Verhältnisse zu berücksichtigen, sondern bie Lage ber Landwirtschaft in Deutschland über­haupt. Wenn die Zolltarifvorlage abgelehnt werben sollte, fo wüßte bie Regierung M ßregeln zu treffen, um bie Lanbwirtfchaft besser zu schützen Dies könne burch Künbigung ber jetzigen Verträge geschehen. Als jetzt Herr v. Gerlach nochmals bas Wort ergreift, um zu ben Ausführungen bei Vorrebner Stellung zu nehmen, wirb er mit großw Unruhe empfangen. Er versucht nachzuweisen, baß ber Zoll boch einen Ein­fluß auf bie Brotpreise habe unb führt als Beispiel ein 50 Ptennig-Brot aus Berlin an Hier wirb er unterbrochen und es entspinnt sich eine lebhafte Polemik. Von vielen Seiten ertönen Rufe: raus, raus! Herr v Gerlach wendet fich bann gegen einige ber hauptsächlichsten Aeußerungen der Vorredner, jo gegen die Behauptung, daß bet Nichtgewährung einer höheren Zollschutzes sich so viele Landwirte aus die Viehzucht Wersen würden, daß die Preise fthr tief sänken, und gegen die, daß die größte Kindersterblich­keit in den Großstädten herrsche. Er wird fort­während während seiner Rede unterbrochen, die Er­regung ber Versammlung nimmt sichtbar zu, lebhafte Schlußrufe erschallen unb unter anhaltendem Lärm endet der Redner völlig unverständlich.

Der Vorsitzende verliest jetzt folgende Rosultto» an ben Bunb ber Landwirte unb nachstehendes Tele­gramm an den Reichstagstageordne ten Dr. Bockel.

im Herzen dieses Manner der Bethätigung für ihren armen Vater harrte. Er wiederum fühlte fich angezogen von der ernsten Jungfräulichkeit ihres Charakters, von der unermüdlichen Pflicht­treue und gleichbleibenden Ruhe ihres Wesens, mit dem fie den schweren Posten den daS Schicksal ihr angewiesen, so mutig und willig auSfüllte. ES bildete fich bald ein ideales Freund­schaftsverhältnis zwischen den beiden prächtigen Menschen halb unbewußt heraus. Er fand fie stets beim Vater mit einer Handarbeit für den Haushalt beschäftigt, wenn er kam. Oft brachte er ihr Bücher und sprach dann mit ihr darüber, fich ihres gesunden Urteils und durchdringenden Geistes freuend. Sie bediente ihn dafür am Abendtisch, goß ihm den Thee ein und strich für ihn wie für den Vater die Brotschnitten. Kurz, fie behandelte ihn in allem mit derselben weiblich zarten Fürsorge, die fie dem Vater widmete, aber in ihrem Ton gegen ihn lag mehr Achtung, während fie für den Vater, dessen schwankender Charakter ihrem klaren Geiste kein Geheimnis sein konnte, zärtliches Mitleid und nachsichtige Liebe zeigte.-----

Draußen wird heftig geläutet, und Dr. Herbart schreckt aus seinen Gedanken empor. Im nächsten Moment steht jemand in der Thür.

(Fortsetzung folgt.)