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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbura und Kirchhain.

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37. Jahrg.

Zum Schutze deö Mittelstandes im Müllereigewerbe.

Wiederholt ist von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, daß der Kleinbetrieb in der Müllerei wehr und mehr durch die großen Handels- und Exportmühlen vernichtet wird, und daß der Grund, warum letztere den Klein- und Mittelmühlen überlegen sind, keineswegs auf dem Gebiete der Technik, sondern in erster Linie in den großen Vergünstigungen zu suchen ist, welche die Exportmühlen durch Ersparung von Frachtkosten und noch mehr durch die ihnen allein zu gute kommenden Vorteile der ge­mischten Tranfitlager und Zollkredite genießen. Der Handelsvertragsverein hat sich als Ver­treter aller großkapitalistischen Unternehmungen verpflichtet gefühlt, auch für die Exportmühlen einzutreten. Zu diesem Zwecke hat er eine Broschüre schreiben laffen und diese in zahl­reichen Exemplaren »erteilt.

In dieser Schrift bemüht sich der Verfasser den Nachweis zu führen, daß jene oben er­wähnten Begünstigungen der Exportmühlen thatsächlich gar nicht vorhanden seien und daß der Grund für den auch von ihm zugegebenen Niedergang deS Kleinbetriebes in der Müllerei ganz wo anders zu suchen sei. Als ein sehr wichtiger Moment, so behauptet er, komme hierbei die Thatsache in Betracht, daß der im Inland angebaute Weizen nicht mehr genüge, um ein backfähiges Mahl zu liefern. Da der Bezug ausländischen Getreides aber fich für die Leinen Mühlen zu teuer stelle und zu um­ständlich sei, so könnten diese mit der Konkurrenz nicht mehr mit. Andererseits hätten solche kleinen Müller daher auch keine genügende Kenntniß des ausländischen Getreides und könnten deshalb die erforderlichen Getreide­mischungen mit ausländischen Weizensorten nicht vornehmen, welche zur Herstellung eines dem Geschmacke des Publikums genügenden Mehles und Gebäckesunentbehrlich" seien.

Die Brandenburgische Landwirtschaftskammer hat fich daS große Verdienst erworben, dieser ganzen Beweisführung, welche offenbar in erster Linie darauf berechnet ist, die Unentbehrlichkeit deS Imports ausländischen Weizens und deshalb auch der gemischten Tranfitläger für die Handcls- »üllerei festzustellen, den Boden völlig zu ent­ziehen. Im vorigen Jahre beschloß die Land- wirtschaftskammer, Versuche über die Backfähig­keit inländischen und ausländischen Weizens anzustellen. Der Beschluß ist ausgeführt. Die Backverfuche find von einem Beamten der Kammer

100 (Nachdruck verboten.)

Elfe.

Roman vo« Hanna Sschenbach.

(Fortsetzung.)

War er denn schwer krank?" fuhr Dr. Herbart fort.

Herthas Gefichtchen wird leichenblaß, und ihr Auge blickt angelegentlich an dem fragenden Mann vorbei, als fie stockend sagt:Krank? Ja, krank war er wohl schon länger, es waren die Nerven. Ein Moment geistiger Unv nachtung muß ihn"fie hält inne, die Hand, welche die ihre hält, zuckt so furchtbar, und wie fie das Auge hebt, liest fie in des Doktors Zügen das ganze Entsetzen, welches ihm die plötzliche Erkenntnis ein flößt.Selbst?" stammelt er tonlos, und ebenso tönt es von deS Mädchens Lippenja!"

Einige Sekunden steht der große Mann regungslos, wie betäubt. Das jammervoll tragische Ende des einst so heißgeliebten Freundes erschüttert ihn unbeschreiblich. Hertha wagt kaum zu atmen. Mit niedergeschlagenen Augen wartet fie auf das Urteil des verehrten Mannes. Wird auch er einen Stein auf den Unglücklichen werfen?

Da fühlt fie flch plötzlich von starken Armen umfaßt und sie wehrt den Thränen nicht, die ihren Augen entströmen, während eine milde Stimme sagt:Armes, armes Kind, was haben Sie erduldet und alles, alles allein. Es ist zu viel!"

Einige Sekunden ist alles still, dann macht fich das Mädchen frei aus den treuen Armen.

geleitet worden. Als Vertreter der Müllerei war Geh. Regierungs-Rat Wittmack mit seinem Assistenten zugezogen worden. Nachdem anfangs ein befriedigendes Resultat noch nicht erzielt worden, wurden die Versuche am 17. und 18. Oktober vorigen Jahres in der Bäckerei von Tümler wiederholt, es wurde in der Hauptsache nach dem Berliner ortsüblichen Verfahren und im übrigen nach den Angaben Tümler's ge­backen. Auch zu diesem Versuch war Dr. Witt­mack und der Vorsitzende des Verbandes deutscher Müller, van den Wyngaert, zugezogen worden, sodaß die Müllerei die unparteiische Behandlung der verschiedenen Mehle nicht bestreiten und die Ergebniffe nicht anfechten kann.

Diese neuen Versuche haben nun die höchst­erfreuliche Thatsache ergeben, daß sowohl der inländische Squarehead als der Landweizen so­gar ohne ein neues Backverfahren bei der orts­üblichen Behandlung, ohne Mischung mit aus­ländischer Ware, gutes, zum Verkauf wohl geeignetes Gebäck liefert. Dagegen find die nur mit amerikanischem Weizen gewonnenen Gebäcke mit einer einzigen Ausnahme minder­wertig ausgefallen.

Damit ifl die von den großen Handels - wählen und von Dr. Wernicke im Auftrage des Handelsvertragsvereins verbreitete Legende, daß die inländischen Weizen, besonders der viel an­gebaute Squarehead nur unter Beimischung ausländischer Ware backfähig seien, gründlich widerlegt. Zugleich ist damit für die Bei­behaltung der gemischten Tranfitläger und der Zollkredite auch der letzte vorgeschobene Grund hinfällig geworden.

Umschau.

Prinz Heinrichs Amerikreise.

Der Amerikafahrt des Prinzen Heinrich widmet dieNordd. Allg. Ztg. an der Spitze ihrer Dienstagnummer einen offiziösen Artikel, welcher fich nebenher auch gegen Belehrungen von dritter (englischer) Seite wendet. Der Prinz, so heißt es in dem Artikel,verfolgte darüber ist man fich auf beiden Seiten ohne Belehrung von dritter Stelle einig keinen bestimmten politischen Zweck. Denselben Satz hat der Prinz auch selbst gelegentlich eines Ab­schiedsdiners in New-York ausgesprochen, bei dem er auch die von der gesammten Presse freundlich kommentierten Worte sprach:Laßt uns versuchen Freunde zu sein!" Der Prinz verabschiedete sich gestern von den Vertretern des Präsidenten Roosevelt und seinen sonstigen amerikanischen Freunden, und ließ der Stadt

Nun ist'L genug des Klagens. Als ob Thränen helfen könnten", sagt fie mit einem unbeschreiblich rührenden Versuch zu lächeln. Sie werden mich für recht schwach halten. Ich weiß garnicht, was mich auf einmal über­kam. Der Rechtsanwalt drückt sie wieder in den Seffel und zieht fich einen Stuhl heran.So, ruhen Sie aus, liebes Fräulein, indem wir Ihre Angelegenheit besprechen. Ich hoffe, daß Sie gekommen find, um meine Hilfe in Anspruch zu nehmen." Sie nickt, und über das bärtige Männerantlitz fliegt ein heller Schein.Sie machen mich sehr glücklich", lautet die einfache Antwort, und nach einer Pause fügt er hinzu: Ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu ver­sichern, daß ich mit allem, was ich bin und vermag, zu Ihrer Verfügung stehe." Langsam hebt das Mädchen die Augen, es liegt eine solche Fülle von Dankbarkeit und Verehrung in den schimmernden Sternen, daß der gereifte Mann fast geblendet die seinen schließt.O, Sie find so gut, ich wußte es ja. Ich dachte gleich an Sie heute früh, als als" Geschah das Unglück erst heute, liebes Kind?" Ja", tönt es fast unhörbar zurück.

Der Doktor springt auf.Da werde ich gleich mit Ihnen fahren, denn es giebt doch mancherlei zu erledigen, das nichts für Sie ist!"

Wenn Sie die Bestimmuygen für das Be­gräbnis und die gerichtliche Anzeige meinen, so habe ich das schon besorgt. Ich habe auch Papas Arbeitszimmer sofort abgeschlossen, als wir ihn heute Mittag vorläufig im Salon auf­bahrten, bis heute Abend der Sarg kommt. Vorher habe ich das Zimmer nicht einen Moment verlaffen, und jetzt ist Jakob in der Nähe." Die

New Aork einen letzten Abschiedsgruß entbieten. Um 5 Uhr nachmittags erfolgte dann die Aus­fahrt derDeutschland" von deren Kommando brücke auS Aer Prinz das zahlreiche Publikum freundlich grüßte. DieHohenzollern" folgte ihr.

Der konservative Antrag auf höhere Getreidezölle im Abgeordnetenhause.

Im Abgeordnetenhause brachten die Abgg. v. Limburg-Stirum, Heydebrandt, Porsch und Herold einen Antrag ein, die Regierung auszu­fordern, im Bundesrat dafür einzutreten, daß den von der Mehrheit der Zolltarifkommisfion deS Reichstages ausgedrückten Wünschen auf Verstärkung des landwirtschaftlichen Zollschutzes über die Zolltarifvorlage hinaus entsprochen werde. Der Antrag ist von sämmtlichen Konservativen, außer Frhr. von Wangenheim, sowie bis jetzt von der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Mitglieder deS Centrums mitunterzeichnet. Wie anderweitig gemeldet wird, beschloß die freikonservative Frattion in einer fast vollzählig besuchten Fraktionsfitzung einstimmig, den Antrag nicht zu unterschreiben, dagegen folgenden Abänderungsantrag einzu­bringen: Das Haus wolle beschließen, den An­trag Limburg in der folgenden Faffung anzu­nehmen : Die königl. Staatsregierung zu ersuchen, im Bundesrate dafür einzutreten, daß eine Ver­ständigung mit dem Reichstage betreffs der von der Zolltarif Kommission gefaßten Beschlüsse auf Verstärkung des Zollschutzes für die Landwirt­schaft über die Sätze der Zolltarifvorlage hinaus herbeigeführt^werde.

Englische Stimmen über die letzte Niederlage.

Methuens Niederlage hat im Parlamente pessimistischere Empfindungen erzeugt als der Wortlaut der Verhandlungen verrät. Auch die Preffe faßt dieselbe durchaus ernst auf.Daily Mail" sagt, in manchen Beziehungen sei dies die traurigste Niederlage, welche die britischen Waffen in Südafrika erlitten hätten.Daily News" bemerkt, feit den dunklen Tagen, da die nordamerikanischen Kolonien fich von England losmachten, habe die Niederlage kaum ihres­gleichen gehabt. Wenn MethuenS Leben tr^tz des Justizmordes von Scheepers jetzt sicher ist, so sei dies erstens der Humanität der Buren, zweitens dem Mute und der Offenheit der­jenigen britischen Liberalen, welche gegen die Barbarei der englischen Kriegführung protestiert haben, zuzuschreiben. DerStandard" meint, eS könne vielleicht als ein Unfall betrachtet

beiden Augenpaare begegnen fich bei diesen Worten und bleiben sekundenlang ineinander haften, ernst und durchdringend, als wollten fie fich vergewiffern, daß hinter beider Stirn der gleiche Verdacht ruhe.Daran haben Sie sehr klug gethan", sagt der Doktor endlich und fügt im Ton warmer Bewunderung hinzu:Sie treffen eben stets das Rechte!"

Hertha wehrt das Lob ab in der ihr eigenen hoheitsvollen Weise.Ich wußte, daß man in solchen Fällen die Versiegelung des Gerichtes zu erwarten hat, und war es doch selbstverständ­lich, daß ich das vorherige Einmischen unbe­rufener Hände verhinderte. Es wurde mir übrigens schwer genug gemacht"Das kann ich mir denken, mein armes Kind! War Frau Adeline sehr ausgebracht?" Das Mädchen neigt das schöne Haupt, während fich ein finsterer Zug um den kleinen Mund legt.In solchem Maße, daß fie die Ruhe des Sterbezimmers in der in der," fie sucht nach einem maßvollen Wort für das würdelosen Benehmen der Stiefmutter,nun, sagen wir, in der eigentümlichsten Weise ent­weihte!" Doktor Herbart weiß genug.Sie find ein tapferes Mädchen".

Aufmerksam blickt Hertha den Sprecher an. Ich mußte zu starken Mitteln greifen. Sie wollte mich mit Gewalt entfernen, ich wider­setzte mich aufs äußerste und behauptete den Sieg. Sre wich endlich unter einer Flut von Verwünschungen und Flüchen gegen mich und den Tobten," fügt die Sprecherin mit ver­schleierter Stimme hinzu.Weiß Gott, ich that, was ich konnte, um den Frieden zu wahren, aber ich durste es nicht leiden, daß pietätlose

werden, daß grade Lord Methuen zugegen war und mitgefangen wurde, und die Schwere des Verlustes an Mannschaften und Waffen werde dadurch nicht wirklich vergrößert, doch ver­größere es die moralische Bedeutung des Er- eigniffes, sowohl bei den Buren, die es er­mutigen werde, als auch bei Englands aus­ländischen Kritikern. Dann fährt derStandard" wörtlich fort:Daß 1200 britische Soldaten mit vier Kanonen von einem Burenführer, der nicht mehr als 1500 Mann zur Verfügung gehabt haben soll, in Unordnung versetzt und zur Flucht getrieben sein sollen, ist zweifellos für unsere Selbstachtung ein schwerer Schlag. DieTimes" sagt, die Meldung, wie fie laute, erwecke schmerz­lichen Argwohn. Die Buren seien den Eng­ländern an Zahl nicht erheblich überlegen ge­wesen; es erscheine merkwürdig, daß die Nachbarschaft einer so bedeutenden Burenstreit­macht nicht bekannt gewesen sei.

Die englische Antwort an den Burenhilfsbund.

In der gestrigen Sitzung des Abgeordneten­hauses erklärte Staatssekretär Freiherr von Richthofen Folgendes:

Die definitive Antwort der englischen Re­gierung auf die gemäß Antrag des deutschen Burenhilfscomitäs gethanen Schritte, lautet folgendermaßen:

Der Wunsch der deutschen Regierung, daß die von dem Buren Hilfs comittz zu verschickenden Gegen­stände in die Flüchtlingslager zollfrei und vom Aus- schiffungshafen frachtfrei sowie in Begleitung einer der Botschaft in Berlin genehmen Person oder eines deutschen Konsulatsbeamten in Südafrika zugelasien werden soll, ist von Seiner Majestät Regierung einer sorgfältigen Prüfung unterzogen worden. Im vor­liegenden Falle ist seiner Majestät Regierung beflissen, den Wünschen der deutschen Regierung so »eit als möglich entgegenzukommen und will es daher auf fich nehmen, daß alle Sendungen von Gegenständen zum Gebrauch an Burenfluchtlmge nach den Lagern, für die fie durch das deutsche Burenhilfcomite bestimmt sind, frei von Zoll und anderen Kosten einschließlich Frachtkosten geschickt und durch die Lagercomite's vertheilt werden sollen. Jede Kiste würde mit der BezeichnungKonzentrationslager - Unterstützungs- vorräthe" zu versehen sein, um die zollfreie Einfuhr zu sichern. Die Sendungen werden der zollamtlichen Untersuchung zu unterziehen sein.

Dann fährt der Staatssekretär fort, diese Lokal- comitss bei den einzelnen Lagern bestehen erstens aus dem sogenannten Superintendenten des Kaplandes, dem obersten Berwaltungsbeamten, zweitens aus einem Chefarzt und drittens aus einer Persönlichkeit, für die immer ein holländischer reformirter Geistlicher gewählt wird. Dadurch, daß die Sendung in besten Hände gelangt, ist meiner Ansicht nach eine gerechte Bertheilung gewährleistet. Ich glaube, damit kon- statiren zu können, daß die Wünsche dieses Hauses voll erfüllt find. Ich möchte noch hervorheben, daß

Hände Unordnung im Nachlasse meines Vaters anrichteten, die ein falsches Licht auf seinen Namen werfen konnten. Die geschilderte Scene beweist, daß mein Verdacht nicht unge­rechtfertigt war. Jetzt ist übrigens alles ver­siegelt," schließt fie aufatmend.

Der Anwalt reicht ihr die Hand, ohne ein Wort zu sprechen, zum festen Druck. Was soll er sagen, das nur einigermaßen die Bewunderung ausdrückte, die er für dies junge, kluge Ge­schöpf empfindet? Da schweigt er lieber ganz still. Hertha läßt ihm auch nicht Zeit zu viel Redensarten. Sie stellt eine Reihe präziser, klarer Fragen, die der Rechtsanwalt nur im selben Sinne beantworten kann, wie fie fich selbst gethan.

Das Resultat einer halbstündigen Konferenz ist, daß Doktor Herbart nach dem Begräbnis, mit einer Vollmacht Frau Adelinens versehen, die Geschäftsbücher der Fabrik in W. zu prüfen hat, und wenn das Ergebnis derart ist, wie beide erwarten, den Konkurs im Name» der Erben beantragen soll. Ein Testament ist nicht vorhanden, wie Hertha bestimmt weiß. Und was Frau Adeline anbetrifft, so muß fie den erforderlichen Maßnahmen beistimmen, weil es keinen Ausweg mehr giebt.Es ist ein Glück, daß Sie, liebes Fräulein, und Ihre werthen Angehörigen durch die Lebensversicherung gedeckt sind," bemerkt der Doklor harmlos, nachdem das Geschäftliche erledigt ist. Hertha z-ckt zusammen,Sie irren, die Police ist seit eurem halben Jahre verfallen."Nicht möglich!"

(Fortsetzung folgt.)