— In die neue Reife-Prüfungsordnung für die höheren Lehranstalten ist die früher giltme Be- stimmung, nach welcher bei nichtgenügenden Gesamt- Leistungen im Deutschen das Reifezeugniß zu versagen war, nicht ausgenommen. Und zwar weil vielfach die Beobachtung gemacht worden ist, daß jene Bestimmung der srüher geltenden Prüfungsordnung zu einer recht bedenklichen Milde in der Beurteilung der Leistungen im Deutschen führte, unter welcher der Betrieb dieses hochwichtigen Lehrfachs zu leiden hatte.
— Nach einem Erlaß des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe sollen die Zeugnisse der Fortbildungsschulen bei den Gesellenprüfungen auf das Gesamtergebnis des Examens mit ausschlaggebend fein. Verschiedene Handwerkerkammern beabsichtigen infolgedessen, zu den Prüfungen einen Lehrer der Fortbildungsschule herbeizuziehen
— Wie die .Frks. Zig." erfährt, hat das Auf- fichtsamt für das private Versicherungswesen in Ber- Lin an die Verwaltung der Städte, in welchen Verbände gemeinnütziger Natur ihren Sitz haben, das Ersuchen gerichtet, Erhebungen darüber anzustellen, inwieweit diese Verbände, wenn sie auch nur ihren Mitgliedern Unterstützungen gewähren, als Der- fichernngsgesellschaften zu betrachten und unter das Gesetz vom 12. Mai 1901 zu stellen sind. Es kommen hier Verbände, wie die der Handlungsgehilfen u. s. w. in Frage.
— Im Abgeordnetenhause wird von konservativer Seite ein Antrag über die Aufhebung der Mahl- und Schlachtsteuer in den Städten, wo sie noch erhoben wird, vorbereitet.
— Der Koburger Landtag, der seit drei Tagen die von der Regierung eingebrachte Einkommensteuer» gesetzvorlage berät, ist heute nach einer erregten Obstruktion in einen Verfasserngstonflikt geraten und resultatlos auseinandergegangen.
— Nach den bisherigen Beschlüssen des Plenums und der Budgetkommissiou des Reichstags sind ab- gesetzt im Etat für 1902 im ganzen 23178 719 Mk. Zugefetzt sind bei Zöllen an Einnahmen 12 Mill. Mk. Es ist also nach den bisherigen Beschlüssen, wenn dieselben durch das Plenum bestätigt werden, die Mög- lichkeit gegeben, die Zuschußanleihe von 35 Millionen entbehrlich zu machen
— Aus Brüssel wird gemeldet, daß sich in der Zuckerkonferenz neue Schwierigkeiten ergeben hätten, weil die deutschen Delegirten kein Mandat zur Unterzeichnung der Konvention hatten. Die deutschen Delegirten ließen durchblicken, daß sie das Jahr 1904 als Anfangstermin für die Aufhebung der Zuckerprämien wünschen.
Parlamentarisches.
Reichstag.
Berlin, 3. März 1902.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Lesung des Etats für die Expedition nach Ostasien. Die Kommission hat die einmaligen Kosten der Verwaltung des ReichsheereS von 950000 Mark auf 546000 Mk, die laufenden Kosten von 24900000 auf 20000000 herabgesetzt und den Titel 3 .Außergewöhnliche Mehrkosten für die Schiffe auf der Ostasiatischen Station und für Demobilmachungsgeld' 1000000 Mk. gestrichen. Ferner schlägt sie eine Resolution vor, nach der den Theilnehmern an der Ostafrikanischen Expedition Demobilmachungsgeld gewährt werden soll.
Frhr. v. H e r t l i n g (®ent.) befürchtet, die Zu- rücklaffung großer Truppenmaffen in Ostasien könne der Keim zu späteren Verwickelungen geben. Er ersucht die Regierung ihre Auffassung über die eventuellen Konsequenzen des engl.-jap. Bündniffes bekannt zu geben.
Abg. Richter (fr. Vp.) fordert die Rückkehr der Truppen aus sinanziellen Erwägungen
Ab. Dr. H a f f e (nl) führt aus, daß die Expedition nach Ostasien den Erfolg gehabt habe, daß wir jetzt dort als gleichberechtigte Macht anerkannt werden. In Schanghai brauchten wir eine Besatzung.
Graf v. Bülow: Die Stellung der beutfchen Politik wird durch dieses Abkommen nicht geändert. Wir haben in Ostasien lediglich das Jntereffe, in möglichst sicherer Weise unseren Handel zu entwickeln. Deutschland verlangt auch in Schantung nur die offene Thür. Das Deutsche Reich hat keine Bedenken gegen die Auflösung der provisorischen Regierung in Tientsin. Die Besahungsbrigade wird nicht einen Tag länger dort gelaffen als es geboten erscheint, aber wir bitten, uns auch die Mittel zu gewähren und unsere wirthfchastliche Position in China weiter zu behaupten. Was den Handelsintereffen anderer Mächte recht ist, wird uns in Ostasien und insbesondere in Schanghai billig sein. (Lebhafter Beifall.)
Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Singer (Soz.) und Frese (fr. Vgg.) wird der Etat nach den Vorschlägen der Kommission angenommen. Es folgt die Berathung de? Etats des Auswärtigen Amts. Beim Titel Staatssekretär berührt
Abg. Dr. Hasse (nl.) die Reise deS Prinzen Heinrich nach Amerika und drückt seine Befriedigung aus, daß sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Nordamerika wesentlich gebessert hätten.
Staatssekretär Frhr. v. Richthofen erwidert auf eine Anfrage des Abg. Münch-Ferber, der Gedanke der Handelskammern im Auslande habe in weiten Streifen keine Befürwortung gefunden.
Abg. Dr. Gradnauer (Soz.): Es ist eine naive Auffassung, zu glauben, daß durch Fürstenreisen die Beziehungen der Völker verbeffert werden. Redner befürwortet schließlich eine von seiner Partei eingebrachte Resolution, nach der die aus China entführten astronomischen Jnstrumerte auf Deutschlands Kosten wieder nach China gebracht werden.
Reichskanzler Graf Bülow: Ich muß zunächst meinem Bedauern Ausdruck geben über die Art und Weife, wie sich der Vorredner über die Reife des Prinzen Heinrich nach Amerika ausgesprochen hat. Der Zweck aber, den die Reise verfolgt, ist die Stärkung der guten Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika. Die astronomischen Instrumente find unter voller Zustimmung der chinesischen Regierung rechtmäßig in unserem Besitz. Eine Intervention im südafrikanischen Kriege würde event. auch die Anwendung von Zwangsmaßnahmen nothwendig machen, und daß das den Interessen des deutschen Volkes nicht entspricht, ist wiederholt in diesem Hause anerkannt worden. Was der Herr Abg. Gradnauer will, ist eine Weltpolitfl, die gegen jede Windmühle losgeht. (Sehr richtig rechts) Eine solche Politik werden wir nicht machen.
_ Nach einer weiteren Rede des Abg. Ledebour (Soz.) wird die Weiterberatung auf Dienstag vertagt. Vorher Nachtragsetat betr. Ehrensold der Veteranen. Schluß 6 Uhr.
Abgevrbu^euhaaS.
Das Abgeordnetenhaus erledigte am Montag in dritter Berathung den Gesetzentwurf betr. die Heranziehung zu den Kreisabgaben, das ProvinzialdotationS- aesetz, sowie die Bergwerksvorlage. Handelsminfler Möller erklärte die Befürchtung des Abg. Im Walle,
die Bergwerksvorlage bedeute ein weiteres Hinab- gleiten auf der schiefen Ebene zum fozialistischen Staat für unbegründet, da eine Verstaatlichung des gesammten Bergbaues nicht beabfichtigt werde. In der sodann fortgesetzten Etatsberathung wurde der Etat der direkten Steuern nach längerer Debatte er- ledigt. Abg Frhr. v Zedlitz (frk.) machte den Vorschlag, die Einkommensteuer zu reformiren in der Richtung, daß die unteren Steuerklassen entlastet werden, damit auf diese Weise die Mehrbelastung durch die Getreidezollerhöhung aus- geglichen werde. Finanzminister Frh 7. v. Rheinbaben erwiderte, es werde zwar ein Entwurf zu einer Reform der Gewerbesteuer ausgearbeitet werden, aber eine Revision der Steuergesetzgebung von 1891 werde zur Zeit nicht beabsichtigt. Eine Mehrbelastung des Volkes infolge der Getreidezollerhöhung werde wahr- fcheinlich nicht eintreten. Abg. v Eynern (nl.) führte Beschwerde über Härten und Belästigungen bei der Steuerveranlagung und empfahl eine besfere Frukti- fiziruna der indirekten Steuern für die Gemeinden. Der Finanzminister hielt die Klagen über Härten bei der Einschätzung für übertrieben. Berechtigte ^Beschwerden würden von ihm jeder Zeit berücksichtigt swerden. — Am Dienstag steht der Rest des Etats des Ministeriums des Innern sowie der Kultusetat auf der Tagesordnung.
Ausland
Frankreich. Die revolutionäre Bewegung, von der in letzter Zeit Italien und Spanien heimgesucht waren, schlägt auch jetzt in Paris größere Wellen. Gestern Vormittag sand in der städtischen Arbeitsbörse eine Versammlung Arbeitsloser statt, bei der unter dem Beifall der Teilnehmer heftige Reden gehalten wurden. Als die Versammlung auseinanderging, kam es auf der Place de la Räpublique zu einem Zusammenstoß zwischen der Polizei und Arbeitslosen, die eine Kundgebung veranstalten und eine Versammlung unter freiem Himmel abhalten wollten. Wie wir gestern bereits meldeten, wurden elf Polizeibeamte schwer verletzt und mußten inS Krankenhaus gebracht werden; 25 Polizeibeamte und mehrere Manifestanten erlitten leichtere Verletzungen. Unge^ führ 20 Personen wurden verhaftet. Eine weitere Nachricht besagt, daß die Polizei noch nachträglich den Anarchisten Libertad, den Haupt anstifter der Unruhen, verhaftete. Derselbe wird wegen Aufreizung zum Morde unter Anklage gestellt werden. 19 Personen, welche verhaftet worden find, werden zur Rechenschaft gezogen. Der Polizeipräfekt verlangt die Ausweisung derjenigen Ausländer, die an den Unruhen teilgenommen haben.
England. (Unterhaus.) Black fragt die Regierung, ob fie die Proklamation betreffend die Verbannung der Burenführer zurückziehen oder diejenigen Führer davon ausnehmen werde, die fich freiwillig ergeben. Kolonialminister Chamberlain gibt eine abschlägige Antwort. Hicks Beach, erklärt auf eine Anfrage, die Regierung habe gehört, daß die deutsche Regierung wegen Bergwerkskonzesfionen in Schantung in Unterhandlung stehe, sie habe jedoch nichts gehört von Versuchen, sich ausschließende administrative Privilegien zu sichern.
Marburg und Umgegend
Marburg, 4. März.
§ Universität Die Entlastung der Stipendiaten für das Wintersemester 1901/02 findet Donnerstag, den 6. März im theologischen Seminar statt.
* Ehrung. Ueber die in unserem Blatte bereits kurz erwähnte Feier des siebzigsten Geburtstages des Herrn Superintendent Wolff in Eschwege, giebt das „Eschw. Tagebl." noch folgende Mittheilungen, die für viele unserer Leser, welche dem langjährigen treuen Geistlichen an der hiesigen reformirten Kirche ein dankbares Andenken bewahrt habe, gewiß von Jntereste sein werden. Am Vorabend brachte der Posaunenchor des Evangel. Jünglingsvereins dem Jubilar ein Ständchen. Sodann überreichte der älteste Sohn im Namen der sechs Kinder ein Album, das die Lichtbilder aller der Wohnungen und Gotteshäuser enthält, die im Leben des Jubilars von seiner frühesten Jugend an von Bedeutung waren. Am Festtage selbst wurde er von den Geistlichen der Stadt und Diöcese, von den Mitgliedern des großen Presbytern, von den Lehrerkollegien der Stadt, sowie von Seiten des Vorstands deS Vaterländischen Frauenvereins unter Ueberreichung schöner Geschenke herzlich beglückwünscht. Auch von auswärts waren zahlreiche Glückwunschschreiben eingetroffen, darunter auch von dem reformirten Presbyterium in Marburg, wo der Jubilar 27 Jahre lang in Segen gestanden hatte. Auch hatte ein Kreis alter Marburger Gemeindeglieder ihrem früheren Seelsorger ein Marmorkreuz mit der Inschrift: „Gedenket an eure Lehrer, die Euch das Wort Gottes gesagt haben' gestiftet. Möge es dem um Kirche und Schule hochverdienten Manne vergönnt fein, mit derselben Geistes- und Körperfrische wie bisher, in reichem Segen zu wirken!
* Svangklisationsangelegenheit. Herr Pastor Keller wird den zweiten Vortrag Donnerstag Abend S'/z Uhr und die erste Bibelstuude Donnerstag Nachmittag 4 Uhr in der lutherischen Pfarrkirche halten. Mittwoch Abend wird Herr Keller voraussichtlich den Pasfionsgottek- dienst in der MichaelSkapelle halten.
* Vortrag. Wir erinnern an den heute Dienstag Abend 8 Uhr im kleinen Saale des Museums stattfindenden Vortrag von Frau Prof. Kruken
berg aus Bonn über „Fraueninteresse und Volksinteresse".
* Schulbeginn. Da die wirkliche (Sonnen)» Zeit von Marburg ca. */» Stunde mit der mitteleuropäischen Zeit differirt, die Sonnenzeit für Marburg z. B. erst ^7 Uhr morgens ist, wenn unsere Uhren bereits 7 Uhr zeigen, so wäre es im Jntereffe der Schulkinder, der Eltern und Ledrer vielleicht angebracht, die Schulen in den Monaten April—Mai erst um 77, Uhr nach mitteleuropäischer Zeit beginnen zu lasten, was nach der für Marburg richtigen Zeit der 7. Morgenstunde entspräche. Auch wäre vielleicht zu erwägen, ob es nicht im Jntereste eines Theiles unserer Bürgerschaft läge, die Sommerferien, für die hiesigen höheren Schulen wieder wie früher am 1. Juli beginnen zu lasten.
* Z» Fortbilbnngsverrin führte gestern Abend Herr L c. theol. R. Knopfs seine zahlreichen Hörer im Geiste in ein wenig erforschtes und theiiwrise geschichtlich berühmtes Land, nämlich der Sinai - Halbinsel mit besonderer Brrücksich tigung des Sinai - Berges Der Herr Redner, welcher zu wistenschastlichen Zwecken ein Jahr lang in den Orient gereist war, schilderte in großen Zügen die gewonnen!n Eindrücke un? verband damit eine eingehende Beschreibung einer Reise von Kairo aus durch die Wüste nach dem Sinai Berge. Das ganze Gebirge ist wild und felsig, von vielen meist waflerlosen Thälern durchschnitten und zeigt durchschnittlich Granitformation. Das uralte Kloster auf dem Sinai-Berge, in dem sich eine berühmte Handschriften - Sammlung befindet, ist festungsartig gebaut und wird von etra 30 griechischen Mönchen bewohnt. Die ganze Sinai Haibiniel, etwa so groß wie Sizilien, hat ungefähr 5000 Einwohner welche in den zahlreichen kleinen Oasen verstreut wohnen und fich auf 5 Stämme vertheilen. Zum Schluffe seiner mehr als ein- stündigen Ausführungen gab der Herr Vortragende ein Bild der Sitten und Gebräuche dieser Wüstenbewohner. Der recht interessante Vortrag fand unter den Zahören dankbaren Anklana.
* Alpenberei». In der gestern Abend abgehaltenen Märzversammlung der Sektion Marburg i. H. sprach Herr Geheimrath Mann- kopff über seine Wanderungen im Schweizer Jura. Nach einer kurzen Darlegung der geologischen Struktur dieses Gebirges erzählte der Herr Vortragende über seine Wanderungen, die fich über das Gebiet von Basel bis Aoerdow erstreckten, machte die von ihm hochgepriesene Schönheit dieses Landstriches durch viele vor- gelegte Anfichten deutlich und erinnerte auch an die geschichtlichen Begebenheiten, deren Ge- dächtniß die einzelnen Orte ihm erweckt hatten. Dem Dank der Versammlung gab Herr Prof. Dr. Kayser warmen Ausdruck. — Die nächste Versammlung soll im Mai stattfinden und sich vornehmlich mit der Verabredung eines gemeinsamen Ausfluges beschäftigen. .
r. Liktznvkreins Kinzert Wie nicht anders zu erwarten stand, erfreute sich daS am Sonntag Abend im Museum vom Liederverein gegebene Konzert, bei dem die Sopransängerin Frau Balser - Landmann aus Frankfurt a. M. mitwirkte und die Jägerkapelle die Begleitung übernommen hatte, eines recht guten Besuchs. In der That verfügt der Verein, der in diesem Jahre sein 60 jährigeS Bestehen feiern will, über ein Stimmenmaterial von bedeutender Leistungsfähigkeit. Die Sänger waren mit Lust und Liebe bei der Sache und bemühten sich, dem Taktstock ihres Dirigenten, Herrn Bärtsch, bis inS Einzelne hinein willig zu folgen. Mit ganz prächtiger Klangschönheit wurde z. B. die Märznacht von C. Kreutzer und das technisch recht schwierige „Weihe des Liedes" von Fr. Hegar zu Gehör gebracht. Herr Bärtsch leitete das Ganze mit Geschick und Derständniß und gab auch noch nebenbei den Concertbesuchern Gelegenheit, ihn sowohl wie auch Herrn Schellhase als begabte Violinspieler schätzen zu lernen. Die Aufnahme, welche die Sängerin des Abends, Frau Balser-Landmann, fand, war warm und herzlich. Selbstve'-ständlich trug die Jägerkapelle auch zum Gelingen des Concerts ihr Bestes bei.
* Turnerisches. Wie jetzt bekannt wird, findet das diesjährige Feldbergturnfest am 22. Juni statt. Das Turnen besteht in: Stabhoch, Weithochsprung, Steinstoßen und Laufen. Mit 24 Punkten wird ein Preis errungen.
§ Klrixe Nachrichten. In der gestrigen Kommandositzung der sreiwMgen Feuerwehr besprach man in eingehender Weise die in Aussicht gestellten Reorganisationspläne des Vereins. — In einem Hause der Schwanallee entstand vergangene Nacht ein kleiner Brand, der alsbald bemerkt und gelöscht werden konnte. — Prächtige Kunstschmiede-Arbeiten find gegenwärtig im Schaufenster der Firma Schulz am Steinweg ausgestellt. Sie stammen aus der Werkstätte des Herrn SchloffermeisterS Gustav Laubscheer hierselbst. ______________
O Calder», 2. März. Zwecks Gründung eines Kriegervereins hatte fich heute eine ganze Anzahl ehemaliger Marsjünger auS Caldern, Kernbach und Brungershausen in der Gast- wirthschaft des Herrn Bamberger zu Caldern versammelt. Von 55 Herren, die als Mit
glieder gezeichnet, waren mehr als die Hälfte erschienen. Unter Leitung des Herrn Förster Keller Caldern wurden die Verhandlungen mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unseren obersten Kriegsherrn eröffnet. Es fand dann zunächst die Wahl des Vorstandes statt. Nach Verlesung und Anerkennung der Statuten schloß der Vorsitzende die Versammlung.
0 Kirchham, 4. März. Im hiesigen Bahnhofshotcl wird am kommenden Donnerstag abends 8 Uhr der Transvaal-Burgher G. Butz hierselbst einen Vortrag über das Thema „Erlebnisse vor und während des Krieges in Transvaal" hallen.
* Kirchham 4. März. Aus Veranlaffung des Mitteldeutschen Gastwirleverbandes fand gestern im „Hotel Mosebach" hierselbst eine sehr gut besuchte Gastwirte Versammlung statt, in welcher Herr Rendant Gq. Hermann Ehrenpräsident des Bahr.-Pfälzischen Gastwirteverbands von Neustadt a. Haardt über die Bestrebungen deS Bundes deutscher Gastwirte und die Einrichtung und Vorteile der Bundessterbekaffe und der Haspflicht Deutscher Gastwirte sprach. In ausführlicher Weise schilderte Referent wie der Bund Deutscher Gastwirte (ca. 30 000 Mitglieder) und seine Landes- bezw. Proviuzialverbäi de und Vereine bestrebt sind, die Interessen des Gastwirtsgewerbes wahrzunehmen und bei den zahlreichen, dasselbe schwer schädigenden Mißständen sowohl im Wege der Selbflhülfe, als auch durch die Gesetzgebung und Benehmen mit den Regierungen Besserung und Abhilfe herbeizuführen. Der denkbar sicher angelegte Reservefond der Kasse betrat 800000 Mark; die Verwaltungskosten find niedrig und in Folge dessen auch die Beiträge, da kostspielige Einrichtungen vermieden sind. Den nicht anwesenden Herren Gastwirten diene zur Kenntnisnahme das der Vertreter für den hiesigen Bezirk, Herr Hotelier W. Schade, „Hotel Mosebach" von Kirchhain noch Anmeldungen entgegen nimmt.
Grotzseelheim, 2. März. Bei der heute stattgefundeneuGemeindeverordnetenwahl wurden gewählt die Landwirthe: in der III. Abtheilung: Johannes Block, Philipp Block; in der II Abtheilung : Konrad Herbener II und in der I. Abtheilung: Heinrich Löber. Durch das Loos waren ausgeschieden am 3. Februar d. I. aus der III. Abtheilung: Philipp Block, Ludwig Klee; aus der II.: Konrad Herbener II und aus der I.: Heinrich Löber.
Schwurgericht.
Marburg, 4. März.
Der Gerichtshof fetzte fich aus folgenden Herren zusammen: Landgerichtsrath Droste, Vorsitzender, Landgerichtsräthe Klingenbiel und Heer. jAls öffentlicher Ankläger fungierte Herr Staatsanwaltschasts- rath Ganslandt; die Vertheidigung hatte Herr Rechts- anwalt Krug übernommen.
Als Geschworene wurden folgende Herren aus- geloost:
Kaufmann Heinrich Unckel, Marburg, Kaufmann Heinrich Dein, Marburg, Oekonom W. Kaiser-Giffelberg, Ackermann Asam Schneider, Marbach, Kaufmann Fritz Trost, Frankenberg, Ackermann Jakob Sude, Rachelshausen, Särber Julius Bromm, Rauschenberg, entner Gustav lleberhoist, Vöhl, Schneidermeister Hermann Scheffer, Marburg, Bauunternehmer Joh. Bieker, Cölbe, Kaufmann Hans Stumpf, Marburg, Gastwirth Ludwig Schlierbach, Bieber, Auch bei dem heutigen zweiten und letzten Falle handelte es fich wieder um eine Anklage wegen Sittlichkeitsverbrechens, dessen sich der 43 Jahre alte schon einigemal vorbestrafte Schreiner Ernst Mardorf in Treysa am 3. September v I schuldig gemacht haben soll. Verletzt ist durch die Handlung ein junges Dienstmädchen von dort. Während der Dauer der Verhandlung wurde die Oeffentlichkeit ausgeschloffen.
Die Geschworenen bejahten die Schuldftage, worauf das Gericht auf 1 Jahr und 6 Monate ®e- fängniß und 2 Jahre Ehrverlust erkannte.
Der heutigen Sitzung wohnte Herr Oberlandes- gerichtspräfident Wirklicher Geh. Ober - Justizrath Dr. Eccius aus Caffel bei.
Hessen-Nassau und NachtmrgMßtr
X Cassel, 3. März. Bekanntlich wurde im Januar d. Js. der Oberpostsekretär Kümmel dahier unter dem Verdachte deS Amtsvergehens verhaftet. Nachdem er noch in derselben Nacht einen Selbstmordversuch unternommen, wurde er bereits an dem darauffolgenden Morgen wieder auf freien Fuß gesetzt. In der vergangenen Nacht hat Kümmel nun seinem Leben durch Erhängen ein Ende bereitet.
Cassel, 3. März. Der bei der Benzinexplosion in Rothenditmold am Sonnabend Nachmittag so entsetzlich verbrannte Lehrling Carl Reismann ist bald nach feiner Ankunft im Landkrankenhaufe feinen Verletzungen erlegen.
Cassel, 3. März. Heute Vormittag wurde vor dem Bahnhof Altmorschen (Strecke Caffel- Bebra) ein Arbeiter (vermutlich Bahnarbeiter) von einem Zuge überfahren und sofort getödtet. Der verstümmelte Körper wurde noch von den Jnfaffen des vorbeifahrenden Personenzuges Bebra-Cassel in dem anderen Gleise liegend gesehen.
«elsmege», 2. März. Der Zuchthäusler Nitsche, welcher den Einbruch bei Herrn Gleim dahier verübt hat, ist auf dem Bahnhof in Leipzig, wohin der Verbrecher fich mit seinem