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MerMch Jeilmg mit dem Kreisblatt für die Meise Marbara trnh Kirchhain.
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Römern von Hanna Afch enbach.
(Fortsetzung.)
Unterdessen schreitet Werner zur Stadt zurück. Er hat, um niemand zu begegnen, einen Seitenweg eingeschlagen. Dar wäre übrigens auch so kaum zu fürchten gewesen, da sich sämmtliche Leidtragende, außer der Familie, bereits per t Lagen oder Trambahn entfernt hatten. Der Leutnant geht langsam an der Elbe entlang, i Der Kopf ist ihm so dumpf und fchwer und T die Augen brennen wie Feuer. Anfangs achtet f er des Weges nicht. Seine Gedanken weilen r f noch in der dunklen Gruft, die nun die vereint, die feinem Herzen am nächsten gestanden.
Eine Biegung des Weges führt durch ein Seiner Boskett. Dort fitzt auf einer Bank in schmerzliches Sinnen versunken eine schlanke Mädchengestalt. Sie hört die nahenden Schritte und hebt den Blick. Ein Schrei entfährt den erblaßten Lippen, sie springt auf und Auge in Auge stehen sich gegenüber: Else Herwig und Werner von Buchwald. Sekundenlang haften die Blicke ineinander, schmerzlich, fragend. Dann senken sich langsam die Wimpern auf des Mädchens erglühende Wangen. „Mein Gott/ ' zittert es von den erblaßten Lippen, und die I Augen wandern angstvoll von des Leutnants Antlitz nach dem schwarzen Flor an seinem i Arm. „Ich komme vom Grabe meiner Mutter!" Das Mädchen sagt keine Silbe, aber die blauen X Augensterne, die in unbewußter Zärtlichkeit und j unbeschreiblichem Mitleid an den verheerten
Reiben,; hr.
(Nachdruck verboten.)
Else.
haben Lodge und Bigelow und ihre Freunde vielleicht eine ungeheure nebelhafte Ebene in der Mitte des Weges zwischen den beiden Ländern entdeckt, wo die Armeen zusammen- toßen können? Diese Frage möge uns der amose prophetische Herr Bigelow beantworten.
Einer der Hauptgründe, welche Pultneh Bigelow angeführt, ist in nachfolgendem Absatz einer Rede zu finden: „Sobald der deutsche lristokrat die Ueberzeugung gewonnen hat, daß die Staaten nur deshalb fich in Europa fest- etzen, um den Markt zu beherrschen, ist er gerade unwissend und eingebildet genug, um zu glauben, daß er seine Lage nur dadurch verbeffern kann, daß er einen Kamps beginnt, um die Weltherrschaft über den Handel zurückzuerobern!" Wenn dies wahr wäre — was mehr wie zweifelhaft ist —, dann wäre der deutsche Aristokrat gerade so einfältig und eingebildet wie viele amerikanische Journalisten und Senatoren. Der deutsche Kaiser und die deutschen Staatsnänner find fähige Leute und haben von überall her die zuverlässigsten Berichte. Sie wisien, daß seiner geographischen Lage nach Deutschland der Gefahr mehr ausgesetzt ist, wie irgend ein Land in Europa. Das Reich ist von Feinden umgeben, theilS Erbfeinden und theils böswilligen Feinden. Auf der Westteite wartet Frankreich aus Revanche, im Osten Rußland auf eine geeignete Gelegenheit, Oesterreich dentt im Süden über Sodowa und Schlesien nach, Dänemark hat Schleswig-Holstein noch nicht vergeßen und die unzufriedenen Polen mit einbegriffen, ist kein Land fo vollständig von gefährlichen Nachbarn umgeben. Eine Invasion der Vereinigten Staaten würde eine Invasion von Deutschlands sämmtlichen Feinden zur Folge haben, sobald Deutschland erst in eine bedrängte Lage käme. Man mag über die Reden des Kaisers urtheilen wie man will, jedenfalls hat er selten eine falsche Maßnahme getroffen. Der Eindruck, daß er für Krieg sei, ist absolut unwahr. Seine ganze Laufbahn beweist das Gegentheil. Er ist bemüht, Frieden mit Frankreich, Rußland, England, kurz mit jedem Staat zu halten. Er steht an der Spitze einer wunderbaren Armee, aber er ist ganz besonders höfflich gegen diejenigen Länder, denen er überlegen ist. Er mag Wohl die Maßregeln, die in seinem eigenen Lande getroffen werden sollen, allein bestimmen. Humoristische Zeitungen machen fich ein Vergnügen daraus, ihn in diesem Sinne darzustellen, aber es ist verkehrt, den Kaiser als einen Autokraten zu bezeichnen, welcher einen Krieg befehlen kann, wenn er mit dem Finger winkt
Zügen des geliebten Mannes hängen, werden immer größer und banger, und wie die kleine Hand sich nun in die seine schmiegt, dringen große Tropfen unter den seidenen Wimpern hervor. Die lustige Elfe, die Thränen nur vom Hörensagen kennt, weint, weint bitterlich um ihn, um den Schmerz, der ihn getroffen hat.
Wie es gekommen, sie wiffen es beide nicht zu sagen. Aber plötzlich fitzt Werner auf der Bank, das weinende Kind neben ihm. Elfe schluchzt zum Herzbrechen, all die Enttäuschung und Angst der letzten Tage um sein Ausbleiben macht fich nun in Thränen Lust. Und aus des Mannes Herzen ist der Trotz gewichen, er fühlt, wie es weich und mild wird darin, die ersten lindernden Tropfen seit dem letzten Athemzuge der Mutter kühlen die brennenden Augen.
Zwei thörichte Menschenkinder, diese beiden, der stattliche Offizier und die elegante junge Dame. Da fitzen sie, sich fest umschlungen haltend und weinen, statt fich ihrer jungen Liebe zu freuen. Aber drüben das offene Grab steht vor des Mannes Seele, darum will er heute nicht glücklich fein. Und fie, das zarte, junge Ding, wagt nicht, fich zu rühren, zitternd vor dem, was nun kommen wird.
Langsam richtet Werner Elfes Köpfchen auf. Die verweinten Mädchenaugen begegnew zaghaft seinem Blick, der innig und liebevoll, aber ernsthaft, saft feierlich in den ihren taucht. Keine Spur liegt mehr darin von der feurigen Leidenschaft, die diese Augen an Bertha .Senfteichs Hochzeitstage redeten; Elfe atmet erleichtert auf, voll warmen Vertrauen schaut fie auf zu dem, der nun langsam neben ihr schreitet. „Hören Sie mich an, Kind," beginnt er, und seine
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6.
Deutschland und Amerika.
Die New-Yorker „World" bringt hierüber einen längeren Leitartikel, in welchem dieses ? gidtt seinen 600000 Abonnenten auseinander- fetjt, daß die Vereinigten Staaten allen Grund hätten, fich mit Deutschland freundlich zu stellen Md nichts befferes thun könnten, als das deutsche Entgegenkommen, das sich in dem Besuch des Prinzen Heinrich liebenswürdig, aber ohne Auf- ^inglichkeit darstellt, vollwertig zu taxiren. Da der Artikel des Blattes auch abgesehen von feiner politischen Grundtendenz in hohem Grade interessant ist — hinsichtlich seiner in ungenirter Weife vorgetragenen Ansichten über unfern Kaiser und feine Politik —, so soll derselbe vollinhaltlich wiedergegeben fein.
Krieg mit Deutschland.
„Innerhalb der nächsten 6 Monate werden vir gerade so ftöhlich gegen Deutschland kämpfen, wie wir gegen Spanien gekämpft haben", sagte Pultneh Bigelow, der begabte und wohlbekannte Kenner des deutschen Kaisers. Er scheint jetzt auch fich zu denen zu gesellen, welche die Mög- .lichkeit eines Krieges mit Deutschland mit Freuden begrüßen. Der Senator Lodge ist der Hauptvertreter dieses Gedankens. Er hat das Land von feinem Platze aus im Senat gewarnt, indem er heftig aus seinen Pult schlug. Die weisen altenLeute in dem Senat sagen, daß Lodge eines neuen Keieges bedarf, damit er eine Geschichte über denselben schreiben kann. Hat vielleicht der gute Bigelow denselben Ehrgeiz? Wenn | dieser blutige Kampf bevorsteht, so sollte dem Volke, welches die Menschen und das Geld für das Unternehmen liefern soll, doch zunächst gesagt werden, wo er auSgesochten werden soll, j Wollen die Vereinigten Staaten eine Million Menschen aufbringen und fie nach Deutschland I senden? Wie sollen fie befördert werden? Wo i sollen sie landen? Wie sollen fie auf eine Ent- i sernung von 3000 Meilen verpflegt werden, I oder wird dieses Problem dadurch gelöst werden, daß Deutschlands 2 Millionen Soldaten sich übergeben, sobald die Flotte der Bereinigten Staaten in Sicht kommt? Vielleicht wird Deutschland vorziehen, in unserem Land zu kämpfen. Wie „werden seine Millionen Soldaten hierher gebracht werden und wo werden fie landen? Können fie ungehindert hierher kommen, da die amerikanische Flotte ihnen doch die Ueberfahrt streitig machen wird? Wird es ein Seekrieg sein? Dann wäre wohl Deutschland in einer traurigen Verkennung über die Stärke der Flotten der beiden Länder. Dder
oder mit dem Fuß aufstampft. Der Kaiser !ann aus seinem eigenen Willen heraus ebenso wenig Krieg anfangen wie Mr. Bigelow. Seine Macht ist begrenzt durch die Verfaffung, durch den Bundesrath, durch die Vertreter der vielen Fürsten Deutschlands, ohne deren Willen ein Krieg nicht erklärt werden kann, durch die öffentliche Meinung, ja sogar durch die Preffe.
Wer irgendwie mit der Geschichte der deutschen Politik vertraut ist und besonders mit der interessanten Bismarcklitteratur, muß wiffen, welche besondere Wichtigkeit gerade Bismarck )er Macht der Preffe zugeschrieben hat, als einem unerläßlichen Vermittler für die Gefühle )er öffentlichen Meinung. Er mag manchmal fie Preße als etwas feinen Plänen Unbequemes und Lästiges erachtet haben, aber alle, die mit ihm gewirkt haben, fei es nun Busch, Bucher, Poschinger oder Keudell und feine eigenen Memoiren beweisen, wie er stets bemüht war, aus die Preffe im ganzen Lande in aller möglichen Weise einzuwirken. Die deutsche Preffe ist intelligent, gewissenhaft, konservativ und fich ihrer Verantwortlichkeit bewußt. Sie ist sicher viel gewiffenhafter und weniger chauvinistisch angehaucht als unsere eigenen sensationslüsternen Senatoren und Journalisten. Wir behaupten, daß man irgend eine Person, einen Politiker oder eine Zeitung in Deutschland, welche von einem Krieg mit den Vereinigten Staaten sprechen würden, als verächtlich und unpatriotisch betrachten und als Feinde ihres eigenen Landes anklagen würde. Der Kaiser selbst ist ein Mann von Ideen. Er braucht Freunde und keine Feinde. Seine Bitte an den Präsidenten, Miß Roosevelt möge seine Yacht taufen, war mehr wie ein internationaler Höflichkeitsakt. Es war ein höchst bedeutsamer Beweis seiner friedlichen Absichten. Indem er diesen Vorschlag machte, und seinen einzigen Bruder Prinzen Heinrich nach unserem Lande sandte, streckt der Kaiser seine rechte Hand den Vereinigten Staaten zur Verbrüderung entgegen. 25 Jahre vorher würde man an allen Höfen Europas über einen derartigen Vorschlag gelacht haben. Heute giebt es jedoch keinen Souverän, welcher nicht neidisch auf des Kaisers kühnen und glänzenden Gedanken ist und eifersüchtig auf unsere herzliche Annahme seiner Vorschläge. In Wirklichkeit bedeutet der Akt in den Augen der ganzen Welt eine Anerkennung der neuen Größe der Vereinigten Staaten, unseres neuen Ranges, unserer neuen Macht und unseres neuen Einflusses. Es ist ein deutlicher Beweis, welch glänzende Zukunft vor uns liegt, sowie dafür, daß alles Geschwätz über einen Krieg
Stimme bebt vor innerer Erregung, „Dank für diese Stunde, fie hat mich dem Leben wieder- gegeben. Sie werden sie nicht vergeßen, so wenig als ich. Heute darf ich nicht mehr sagen. Dort drüben habe ich sie vorhin begraben, die bis jetzt mein alles war! Gelt, Elfe," eine Welt von Liebe liegt in den einfachen Worten, „es bedarf keiner Worte heute zwischen uns?"
Groß und voll schauen die blauen Sterne in die seinen, das ist kein Kinderblick mehr, ein liebendes Weib allein legt solchen Zauber in seine Augen. Und der Mann liest in diesem Blick, liest mehr darin, als daS Mädchen selbst noch ahnt. Ein tiefer Athemzug befreit feine Brust. Er reicht der Geliebten eine der Rosen, die er noch in der Hand hält. „Zum Andenken an diese Stunde, Elfe, fie kommt vom Sarge der besten Mutter." Sie neigt die rosigen Lippen darauf. „Ich will fie in Ehren halten mein Leben lang," sagt fie feierlich. „So wie ich diese da," versetzt Werner, und in warmem Druck vereinigen fich die Hände.
Sie schreiten Hand in Hand der Stadt zu. Keine Menschenseele begegnet ihnen auf dem einsamen Wege. Droben leuchtet die Sonne, die düsteren Wolken find zurückgewichen, doch nicht gebannt. Drohend thürmen fie fich am Horizonte.
Werner erzählt der Geliebten vorn Sterben der Mutter, wie fie so ohne Kampf einge- schlafen fei, und er wundert fich, daß er so gefaßt davon sprechen kann. Es liegt ein so warmer, herzinniger Glanz in den blauen Mädchenaugen, der besänftigt den verzweifelten Schmerz, der noch vor einer Stunde fein Herz durchwühlte.
zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten nur das thörichte Gerede von Narren oder Suben ist, die fich entweder lächerlich oder trafbar machen."
Der „Rheinische Kurier", dem wir diesen Artikel entnehmen, bewerft hierzu: Wer gerecht ist und es nicht als das Höchste der politischen lrtheilsfähigkeithinstellt, immer anderer Meinung zu sein, als irgend ein Maßgebender, der wird nit uns die Ansicht theilen, daß die Entsendung )es Prinzen Heinrich nach den Vereinigten Staaten zu den weitblickenden politischen Thaten gehört, die geeignet ist, auf die der ganzen ökonomischen Welt bevorstehende große internationale Auseinandersetzung witthschaftlichen Charafters mäßigend und persönlich einzuwirken und so zum Vortheil unseres deutschen Vater- andes auszuschlagen.
Umschau.
Von der Ueberfahrt des Prinzen an Bord des „Kronprinz Wilhelm" entwirft ein Mitreisender in der „Voss. Ztg." folgende Schilderungen: „Eine grundsätzliche Regelung >er Toilettenftage auf einheitlicher Basis war nicht erfolgt, und als wir uns in dem Speisesaal zufammenfanden, da sah die Gesellschaft recht buntscheckig aus. Einige von den Damen hatten es fich nicht nehmen laßen, sehr sorgfältig Toilette z« machen. Die Mehrzahl hatte es aber vorgezogen, in ihren gewöhnlichen Reise- lleidern zu bleiben. Eine böse Ueberraschung harrte der Gesellschaft. Man hatte die Mittheilung, der Prinz werde an den gemeinschaftlichen Mahlzeiten theilnehmen, nicht richtig gedeutet oder falsch verstanden, und so hatte sich Vieler die Vorstellung bemächtigt, der Prinz werde im großen Speisesalon an der Kapitänstafel erscheinen, wo ihn Jeder sehen könnte. Das geschah nun allerdings nicht, und es hätte bei der Hartnäckigkeit, mit der sich sonst sehr gut erzogene Leute an dem Anblick hochstehender Personen weiden, ohne die geringste Spur von Ermüdung zu zeigen, auch etwas Mißliches gehabt, für den Prinzen wenigstens. So erschien denn Prinz Heinrich nicht ander Kapitm stafel, an den gemeinschaftlichen Mahlzeiten nahm er aber trotzdem theil und zwar in einer der kleinen Kojen, die in der Verlängerung des großen Speisesaals angebracht und mit ihm durch einen Gang verbunden find. Es war das eine ganz eigenartige Sache. Er war da und er war auch nicht da. ES kommt ganz auf die Auffassung an; jedenfalls war er für den Theil der Reisegesellschaft, welche in dem Hauptsalon
Kurz vor der Brücke trennen sie sich. Sie haben kein Wort von der Zukunft gesprochen; Ein Wiedersehen ist ja auch selbstverständlich. Aber verabreden kann Werner keins. Heute gehört jeder Gedanke der Verblichenen, darf nur ihr gehören. So scheiden fie mit langem, Händedruck.
Am Nachmittag deffelben TageS betritt Hettha daS Gattenhaus ihrer Mutter: „Grüß Gott, Mama, ich komme auf ein halbes Stündchen, um fünf Uhr fahre ich zurück." — „Aber Kind, so eilig?" — „Verzeih', Mama, aber ich laße Papa so ungern allein. Er ist so furchtbar niedergeschlagen die letzte Zeit." DaS Mädchen seufzt tief auf, die grauen Augen blicken ernster denn je, und zwischen den feinen Brauen gräbt sich eine Falte in die Stirn. „Ach Gott, ach Gott!" jammett die zarte Frau, „was soll aus dem allen noch werden? Ich feige mich Tag und Nacht! Elfe ist auch so verändert."
Herthas Antlitz, das bei den Klagen der Mutter einen etwas ungeduldigen Ausdruck angenommen hat — fie selbst ist eine starke Natur und haßt alles Jammern — fährt erschrocken herum: „Was sagst Du? Elfe? Watz hat fie und wo ist fie?" — „Sie schlief ein wenig und wird gleich zum Kaffee kommen. Denke Dir, sie kam furchtbar alterirt au8 der englischen Stunde — muß doch Miß Wilson fragen, toaS es dort gegeben hat — also fie kam ganz aufgeregt nach Hause und fiel mir weinend um den Hals. Auf alle meine Fragen erhielt ich keine Ausftärung. DaS ist nicht recht von Elfe, fie weiß, wie lieb ich fie habe."