Deutsches Reich
Bern«, 20. Febr
— Der Kaiser, der sich zur Zeit noch in Hubertusstock aushält, hat den Besuch der Düsseldorfer Ausstellung sür den Monat Juni an- gekündigt.
— Der Kaiser hat daS vor einiger Zeit eingereichte Entlassungsgefuch des General-Intendanten Grafen H o ch b e r g durch ein Handschreiben vorläufig abschlägig beschieden. Damit erledigt sich auch vorläufig Alles, was über den etwaigen Nachfolger geschrieben wird. Ob der verstorbene Geheimrath Pierson überhaupt einen Nachfolger erhält, ist fraglich. Genannt werden bereits mehrere, u. A. Herr v. Pofiart aus Münch, n.
— Der Kronprinz unternimmt Anfang März eine Studienreise durch die R e i ch 8 l a n d e; er be- sucht u. A. Straßburg, Colmar, die Hohkönigsburg, Metz und die Schlachtfelder.
— Handelsminister Möller gedachte in einer bei dem gestrigen Festmahl des Nur tischen Vereinstages gehaltenen Rede des rapiden Aufschwunges der Schifffahrt sowie des Rückganges der Frachtsätze im Verlause der letzten Jahrzehnte. Mit dieser That- sache müffe man sich abfinden, wie überhaupt in wirthschaftlichen und politischen^- Dingen eine Abfindung mit den gegebenen Thatsachen und ein Anpaffen an die Fortschritte der Zeit geboten sei. Vor allem gelte es Maß z u h a l t e n, das sei von jeher seine, des Redners Devise gewesen. Die politischen Mächte im Vaterlande, die sich nicht dazu verstehen könnten, sich denjenigen anzuschließen, die Matz halten, könnten sich nicht Wundern, wenn die Dinge nicht so kommen, wie sie wünschten.
— Der Zustand Tolstoi8 hat sich ver- schlimmert. Tolstoi schlief in der letzten Nacht wenig, die Schwäche nimmt bei vollem Bewußtfein zu.
— Das Zentrum hielt Dienstag Abend die angelündigte Fraktionssitzung ab, um Stellung zu nehmen zu dem Kompromitzantrage zur Zollvorlage. Die Sitzung dauerte 31/« Stunden. Die allgemeine Aussprache ergab, datz die große Mehrheit der Fraktion gewillt ist, sich auf den Standpunkt des Kompromitzantrags zu stellen. Ein förmlicher Be» schlutz wurde jedoch nicht gefatzt.
— Die Landbank in Berlin verkaufte das von der Herrschaft Ottorowo, Kreis Samter in Posen, abgezweigte G u t Kuzle nebst anstotzendem Wald in einer Gesammtgrötze von etwa 900 Hektar an Leutnant Philipp Berger aus Worms.
— Die Kölner Handelskammer sprach sich gestern gegen den Antrag der Hanauer Dirmantschleifereien auf Verzollung von Diamanten aus und will einen Gegenantrag bei dem Reichstag einbringen.
— Die Auszahlung einer 30 prozentigen Abschlagsdividende im Konkurs der Leipziger Bank wurde beendet. Jnsgesammt find etwa 22 Mill. Mark Gelder zur Auszahlung gelangt. Die nächste Abschlagsdividende findet vor August nicht statt.
— Das Reichsgericht verwarf die Revision des Grafen Pückler-Klein-Tfchirne, der am 9. November 190 i vom Landgericht I Berlin wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten lbegangen durch die am 14. Dezember 1900 in den Konkordiasälen gehaltene Rede) zu 300 Mark Geldstrafe ver- urtheilt worden war.
— Die .Franks. Ztg" meldet aus Cassel: Die von der .Rhein.-Westfäl. Ztg." und anderen Blättern verbreiteten Nachrichten über die Verurtheilten im Trcber- prozeß find unzutreffend. Nach zuverlässigen Informationen können wir mittheilen, daß Hermann Sumps und Schlegel sich zum Strafantritt bereit erklärt haben. Arnold Sumpf, der auf freien Fuß gefetzt worden war, hat auf Revision Verzicht«t. Schulze- Dellwig und Otto meldeten die Revision an. Otto beantragte außerdem Hastentlaffung. Schulze- Dellwig ist auf freiem Fuß.
— Der Direktor der Trebertrocknungs- Gesellschaft, Adolf Schmidt ist Montag Vormittags 8 Uhr mit dec Bahn von Paris abgeschoben und bereits am Abend um 6>/. Uhr auf der deutich- sranzösischen Grenzstation Avricourt eingetroffen. Wie aus letzterem Orte gemeldet wird, war Schmidt von denselben beiden französischen Geheimpolizisten begleitet, welche in Gegenwart und auf Befehl des damals nach Paris gereisten Kasseler Polizeikommiffars Reichardt ihn in Paris im .Grand Hotel" verhafteten. Schmidt sah sehr blaß aus!, er befand sich in ersichtlich sehr gedrückter Stimmung, als er, stumm vor sich hinsehend, dem Waggon 2. Klaffe entstieg und in der Mitte der beiden französischen Geheimpolizisten dem Bureau der Station zuschritt, um an die deutschen Grenzbehörden ausgeliefert zu werden. Der Gefangene war bis dahin nicht geschlossen, sobald er jedoch deutschen Boden betrat und der Aussicht der deutschen Beamten unterstellt wurde, wurde er gefesselt, wa8 auf den Direktor einen deutlich erkennbaren, geradezu verblüffenden und niederschmetternden Eindruck machte. Daraus erhielt der Gefesselte eine kleine Erfrischung und wurde sodann um 7 Uhr bereits in einem Waggon 3. Klaffe nach der Stadt Zabern transportirt, um im dortigen Gerichtsgesängnis zu- nächst internirt zu werden. Von da wurde er von dem dortigten Gensdarm am Dienstag, früh nach Rastatt transportirt. Hier wurde er aus sein Verlangen dem Amtsrichter vorgeführt und ersuchte darum, durch einen Civiltransporteur nach Cassel gebracht zu werden. Schmidt war sehr niedergeschlagen und weinte, auch betheuerte er seine Unschuld (!). In Rastattt wird er vermuthlich heute von den Casseler Polizeibeamten in Empfang genommen werden.
Parlamentarisches.
Reichstag.
Berlin, 19. Februar 1902.
Bei schwachem Besuch setzte der Reichstag heute die zweite Lesung des Militäretats fort und zwar bei den gestern aufgerollten Kapitel Militärstraf- Prozeßordnung und Krofigkprozetz
Erster Redner war der Abg. Gröber (Ctr.) der gleichfalls den Standpunkt vertrat, daß das Verfahren des Gerichtsherrn in jenem Prozeß nicht einwandfrei gewesen fei. Hickel hätte nach seiner Freisprechung im ersten Prozeß auch freigelaffen werden müssen. Die Fortsetzung der Untersuchungshaft sei ungerechtfertigt gewesen. Auf die Schuldftage selbst ging Redner nicht ein.
Sehr viel schärfer verurtheilten die nachfolgenden Redner Abgeordneter Hase lSoz.) und Abg. Beckh lfrs. Vp.) die Vorkommisse im Krofigkprozeß, sie meinten, daß das Institut des Gerichtsherrn, sich überlebt habe und beseitigt werden müsse.
Geheimer Kriegsrath Rauen legte noch einmal ausführlich die Vorgänge im ersten Prozeß und die Gründe der Wiederverhaftung Hickels dar und kam zu dem Ergebniß, daß der Gerichtsherr lediglich seine Pflicht erfüllt habe. Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Müller (Meiningen) lfts. Vp.) und Graf
Roon (Conf.) der die Gehäsfikeiten der Linken gegen unsere Armee ouf’8 schärfste tadelte, wurde die Weiterberatung auf Donnerstag 1 Uhr vertagt.
Ausland
Frankreich. Am Montag schlugen sich der Abg. Eavaignac und der frühere Kabinets- chef Floquets Rens Renoult, in Bellevue zwischen Paris und Söores auf Pistolen. Die Ursache des Duells waren die mißfälligen Aeußerungen, welche Cavaignac neulich als Redner der Patrie frantzaise in Vesoul über den Staatsmann Flo- quet pethan hatte. Es war sehr kalt und Schneeflocken fielen den Gegnern ins Gesicht, sonst aber nahmen sie keinen Schaden.
— Der „Temps" konstatirt anläßlich des dritten Jahrestages der Präsidentschaft Loubets, daß Loubet durch seine Festigkeit, Korrektheit und treue Pflichterfüllung auch die heftigsten Gegner zum Schweigen gebracht rind dank diesen Eigenschaften sich auch die Achtung und Werthschätzung der fremden Souveräne der ausländischen Vertreter und der Mächte ganz Europas erworben habe.
Spnuie«. Trupps von Ausständigen plünderten gestern in Barcelona zwei Tabakläden und schleuderten Steine gegen einen Wagen, in welchem Verhaftete transportirt wurden. Ein junger Mensch feuerte 6 Revolverschüffe auf die Gendarmen ab, die den Wagen begleiteten, ein Gendarm erwiderte das Feuer und tödtete den Angreifer. Eine durch Brand stiftung entstandene Feuersbrunst zerstörte ein großes Kohlenlager. Der Generalkapitän wird die Arbeitgeber der Metallindustrien zu sich berufen, um ihnen zu rathen, ihren Arbeitern den Neunstundentag zu bewilligen. Der Verkehr der Straßenbahnen findet unter militärischem Schutze statt. Abends verschlimmerte sich die Lage. Zahlreiche Zusammenstöße zwischen den Ausständigen und den Truppen ereigneten sich. Von beiden Seiten wurde geschossen. Mehrere Personen sind verwundet. Einige Bäckereien wurden geplündert.
Bulgarien. Der Spezialkorrespondent des „Daily Graphic" telegraphiert, wie aus London geschrieben wird: „Ich darf jetzt mittheilen, daß das Lösegeld für Miß Stone und Mdme. Zilka - Ligort am 6. Februar bezahlt wurde. Mr. Guarjoulo, der Dragoman der Vereinigten Staaten, und Mr. Peet, der Konstantinopler Sekretär der amerikanischen Misfionsgesellschaft, trafen die Räuber und händigten ihnen das Geld in Banknoten ein. Die Zusammenkunft fand auf dem Wege nach dem Kloster Podrome statt, den ich bereist und vor einigen Wochen beschrieben habe. Die Räuber waren mit Gewehren bewaffnet. Es würde nicht rathsam sein, genauere Details mitzutheilen, ehe die Sicherheit der Gefangenen zweifellos ist. Bis jetzt weiß nicht einmal Mr Guarjoulo, wo sie verborgen gehalten werden. Ihre Freilassung hängt lediglich von der Ehrlichkeit der Räuber ab. Mr. Guarjoulo wartet hier." Das „Wiener Korr. Bureau" meldet hierzu: Die Nachricht, daß Miß Stone freigelassen sei, ist unbegründet.
Marburg und Umgegend
Marburg, 20. Febr.
* Wer für dir Burenfranrn und Kinder ein Herz hat — und das hat wohl jeder unserer Leser — dem ist heute Abend eine schöne Gelegenheit geboten, zur Linderung der Noth dieser Unglücklichen sein Scherflein beizutragen. Wer hätte vor einem Jahre, als Kommandant Jooste zum ersten Male hier austrat, gedacht, daß heute, nach fast einem Jahre dieser Kampf eines kleinen tapferen Volkes für Haus und Herd, Freiheit, Ehre und Leben noch im Gange sein würde. Und in der That, noch unabsehbar ist das Ende dieses Verzweiflungskampfes. Diese Ueberzeugung gab sich auch in der letzten Sitzung des mit den Vorbereitungen für die heutige Burenversammlung betrauten Bürger- Ausschusses kund, in welcher schon über Maßnahmen gesprochen wurde im Hinblick auf eine im Oktober d. I. zu arrangirende Veranstaltung im Interesse- der Buren. Daß die letzteren den Krieg gegen chre mächtigen Gegner noch Jahre lang fortsetzen können, wenn ihnen einige Unterstützung zu Theil wird, dieser Annahme verschließt sich heute kein Einsichtiger mehr, der die Ereignisse der allerjüngsten Zeit aufmerksam verfolgt hat. Hatte das kleine Heldenvolk vom Beginn des Krieges an die Sympathie der ganzen Welt für sich, so mehren sich jetzt die Anzeichen, daß ihm im eigenen Lager seiner Gegner mehr und mehr Antheil- nahme und Bewunderung zu Theil wird. Wir verweisen hier auf die Auslassungen englischer Blätter, die wir an der Spitze unserer gestrigen Nummer wiedergegeben haben und die eine chärfere Sprache reden, als die außerenglische Presse es bisher gethan hat. Wenn nun auch die Regierungen der civilifirten Völker von einer hatsächlichen Einmischung in den Vernichtungskampf abgesehen haben, so ist den Buren von Anfang an die moralische Unterstützung der ganzen Welt zu Gute gekommen, gepaart mit verkthätiger Menschenliebe, die sich besonders >en Leiden der in den Concentrationslagern gefangen gehaltenen Burenstauen und Kinder zugewendet hat. Und diese moralische Unterstützung
ist es gerade, welche den Buren immer neuen Muth gibt, den Kampf fortzusetzen, der ihnen vielleicht doch noch den Sieg oder wenigstens einen ehrenvollen Frieden bringen wird. Burenkommandant Jooste wird heute versuchen in deutscher Sprache eine Schilderung von den Leiden seines unglücklichen Volkes zu geben und so wird sich wohl auch die heutige Burenversammlung zu einer begeisterten Kundgebung für das tapfere Burenvolk gestalten und es if: anzunehmen, daß der beträchtliche finanzielle Erfolg der vorjährigen Beranstaltung von der heutigen bei Weitem übertroffen werden wird. Die Versammlung findet im großen Museumssaale statt und beginnt um 812 Uhr.
* Verleihung. Dem Königlichen Kammerherrn, Landeshauptmann der Provinz Hessen- Naffau, Riedesel, Freiherrn zu Eisenbach in Cassel ist der Königliche Kronen-Orden 2. Klasse und dem Landesbankrath Freiherrn Wolff von Gudenberg in Cassel und dem Landesbau- inspestor Xylander zu Hersfeld der Rothe Adler- Orden 4. Klaffe verliehen worden. — Dem Archivdirektor, Geheimen Archivrath Dr. Könnecke in Marburg ist die Annahme und Anlegung des ihm verliehenen Waldeckischen Verdienstkreuzes 3. Klasse gestattet worden.
§ Universität Die Gesuche um Zulassung zur wissenschaftlichen Staatsprüfung im Jahre 1902 find bis zum 1. März bei der Königlichen wissenschaftlichen Prüfungskommission einzureichen.
* Versetzt wu"de der Gerichtsschreibergehülfe, Assistent Sommerfeld in Rosenthal an das Landgericht in Cassel.
* Der Deutsche Ostmarken Verein hielt gestern Abend im Restaurant Seebode einen Vortragsabend ab, in welchem Herr Dr. Bovenschen aus Berlin sich über „Die Polengefahr und die Be strebungen des Deutschen Ostmarken Vereins" in interessanter, ausführlicher Weise verbreitete. Der Vortrag war sehr gut besucht, namentlich seitens der Studirenden. Zum Schluß wurde eine Resolution an den Reichskanzler gesandt. Leider gestatten uns Zeit und Raum nicht, heute einen längeren Bericht darüber zu bringen. Wir behalten uns dies aber für eine spätere Nummer vor. ,
* Hessischer Geschichtsvcrei«. In dem Vortrage, den Herr Prof. Dr. Edw. Schröder am 21. d. M. hält, wird er u. A. die Namen und die älteste Geschichte der Groschen, Kreuzer, Batzen, Heller unter Vorzeigung charakteristischer Typen erläutern. Der Vorstand richtet an die Vereinsmitglieder, die sich im Besitze alter hessischer Münzen (bis etwa 1700) befinden, die Bitte, diese mit in die Sitzung zu bringen.
* Zur Invalidenversicherung. Die Versicherten werden darauf aufmerksam gemacht, daß bei den Anträgen auf Bewilligung einer Invalidenrente die aus der Versicherungspflicht sich ergebende Anwartschaft auf Rente erlischt, wenn während zweier Jahre nach dem aus der Quittungökarte verzeichneten Ausstellungstage ein die Versicherungspflicht begründendes Arbeits oder Dienstverhältniß, auf Grund dessen Beiträge entrichtet find, oder die Wsiterverficherung (freiwillige Fortsetzung, Erneuerung der Versicherung) nicht oder in weniger als insgesammt 20 Beitragswochen bestanden hat und daß freiwillige Beiträge für eine länger als ein Jahr zurückliegende Zeit, somit nach eingetretener Invalidität nachträglich nicht entrichtet werden dürfen.
8 Vtfaugeuer Missionar. Es dürfte unsere Leser interesfiren, daß der in Südafrika in Gefangenschaft gerathene Missionar Stremme (von der Barmer Mission) aus Marienhagen, Pfarrei Vöhl (Kreis Frankenberg) stammt und deshalb als unser Landsmann einen besonderen Anspruch auf unsere Theilnahme hat.
* Der TrirtzPeMrmgSPlatz für das 11. Armeekorps kommt nicht nach dem Eichsfelde, weil das Terrain zu bevölkert ist und durch die neue Bahn Mühlhausen-Küllstedt-Heiligenstadt zerschnitten werden würde. Daß dann das Terrain bei Wermertshausen schon mehr in Betracht kommt, ist um so wahrscheinlicher.
* Wichtig für Fleischer. Die Inkraftsetzung des Verbots von Zusätzen bei der Fleischbereitung (Wurstfärbeverbot rc.) soll am ersten Oktober in Kraft treten.
§ Gelandet wurde heute Vormittag in der Nähe der Weidenhäuser Brücke die Leiche des seit längerer Zeit vermißten Schreiners Stanger aus Schröck.
§ Unfug durch Zertrümmern und Umwerfen von Backsteinmauern u. s. w. wurde vergangene Nacht in der Frankfurterstraße verübt.
.5 Schöffengericht. In dem nahen Orte O. cheinen die beiden Schäfer nicht auf ganz friedlichem Fuße zu leben, denn der eine erstattete gegen seinen Collegen Anzeige, weil dieser die Heerde über ein bestelltes Stück Ackerland getrieben hätte. Der deshalb Angeklagte behauptete, daß nur ein Racheakt vorliege, anders könne er das Benehmen des zweiten Schäfers nicht auffassen. Das Gericht erkannte auf Freisprechung. — Wegen einer ähnlichen Geschichte hat fich eine Frau aus R. zu verantworten. Sie wurde beschuldigt, mit einem Wagen, ohne dazu berechtigt zu sein, über eine Wiese gefahren zu haben. Die Angeklagte machte zu ihrer Entschuldigung geltend, daß sie zum Fahren über die Wiese, die einem Verwandten von ihr gehöre, berechtigt sei. Dies konnte nicht widerlegt werden und so erkannte das Gericht auf Freisprechung Die Kosten haben diejenigen, welche das Strafver- ahren verursacht, zu tragen. — Im Webrda r Stein- bruch zerbrach ein Arbeiter einem Collegen dessen Kaffeekeffel. Dieserhalb wurde er wegen Sachbeschä»
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Hessen-Nassau und NachbargMM
Fritzlar, 19. Februar. Herr Bauführer Kolzem, welcher die Ausführung der letzten Kasernenbauten dahier im vorigen Jahre leitete, ist einer hergelangten Nachricht zufolge am Sonntag bei Godesberg im Rhein ertrunken.
Gaffel, 20. Februar. Der Kommunal-
digung zu 1 Mk. Geldstrafe derurtheilt. — Sie t Ä gende Verhandlung, bei der es sich um ein Ja, M .9et vergehen handelte, war recht interessanter Natur A1 idenen sn--«—k----tJC-~ ™ -- einzr
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our. Die Theilnehmer traten, von einem »seifenden Nord Ost begrüßt in Lollar den Marsch nach dem Staufenberg an. Auf schnee»« »edeckten Pfaden wurde von hier aus nach 2'11 Stunden Hachborn erreicht, wo fich die« jalberstarrten Wanderer eine dampfende Erbswurstsuppe alr wohlverdientes Frühstück herrlich munden ließen. Durch den Ebsdorfer Grunds «fing es weiter — ein den Weg versperrender Steinbruch wurde mit alpiner Gewandtheit überwunden — dem Frauenberg entgegen- Der Ausstieg erwies sich infolge des tiefen Schnees als ziemlich schwierig. Doch lohnte
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beginn, den zahlreiche Äerzte von morgens 7 Uhr auf 8 Uhr verlegt wissen wollen. Eine gestern Abend hier stattgefundene Versammlung faßte ________
eine Resoluton, die den 8 Uhr - Schulbeginn faten ' ^o ordert. Konvulsiv
Gießen, 19. Februar. Die Sektion bei
wer etwas hier gegen einzuwenven habe, möge sich melden. Dies Verfahren wurde jedoch als nicht gesetzlich bezeichnet und so wurde gegen W. ein Straf, verfahren eingeleitet. Der Angeklagte wie auch der
land tag für den Regierungsbezirk Cassel erledigte in seiner heutigen Sitzung vorwiegend Etatsberathungen. Genehmigt wurde hierbei jjie Bi unter Anderem der Voranschlag der Irren - «estreckt- Heilanstalt zu Marburg. Derselbe stellt bet sich für das Jahr 1902 in Einnahme und Aus- >inen Sch gäbe auf die Summe von 276930 Mk. ein= *
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n. HaffeuhauskN, 19. Febr. Der im Juniiwsgerüst« vorigen- Jahres Hierselbst gegründete Gesang-pon Kan verein beabsichtigt im Juli dieses Jahres sein erstes Stiftungsfest zu feiern. ioundet.
O Ans dem Kreife Kirchhai«, 18. Febr. Kalen ver Im Vorjahre hatte der Kreisausschuß unseresMstgliede Kreises den Betrag von 300 Mk. zur Ergänzung )aron V und Erweiterung bereits bestehender, sowie zur £1" ' Gründung neuer Volks- und Schülerbibliotheken eingesetzt. Die betr. Interessenten erhielten auf ihren Antrag ausnahmslos Beihilfen bis zur Höhe von 25 Mk. Wer das große Lesebedürfniß n Louva unserer Landbevölkerung kennt, wird unserem »ar erst Kreisausschusse nur lebhafte Anerkennung wissen rnarts t und den Wunsch hegen, daß es Wiederholung' finden möge.
Angeklagter erschien der Landwirth W von Wehr ' Hausen, der seit Jahren die dortige Feldjagd gepackt, «... hat. Am 18. Oktober v I war dessen Jagd aba( <7* sur laufen und um nun zu verhüten, daß die Jagd in r15et andere Hände überging, was die Gemeinde aus ge. f® vra wissen Gründen nicht wünschte, hat man sich in fol-«nderui gender Weise geholfen. W machte mit dem Gemeinde- fcsfidjt c Vorstand ab, daß er die Jagd einfach weiter bebalte L,n»nb( und etwa 100 Mk. mehr bezahle. Do nun nach bem Gesetze eine Neuverpachtung ausgeschrieben werden B *,ru muß, ließ man durch die Ortsschelle bekannt machen, 6lUgen daß die Jagd an W. weiter verpachtet worden sei • gierte,
. gierte, cs-/ »nhos verfahren" eingeleitet. Der Angeklagte wie auch Ur »kN es Bürgermeister bekundeten, daß bas Landrathsamt auf ,«r thei Ersuchen die Verpachtung der Jagd in dieser Weift ' ;nfar für zulässig erklärt habe. Zudem hätte ja ein Jeder *7 ‘' s ein Recht gehabt, sich dagegen zu ertären und eine ** 0EI größere Summe zu bieten, es habe fich Niemand ge- gemeldet. Die Gemeinde habe ein Interesse daran daß das Wild ordnungsmäßig abgeschossen würde t denn Wehrshausen sei rund von Wäldern umschloffen' - und in diesen übten Leute die Jagd aus, die dem LsTr im Jagdschutzverein angehörten und das Wild hegten WAi-bp Daß die saure Arbe t des Landmanns durch 9$ilb?!r^r«tnt schaden nicht zu Schanden werde, sei der Grund, hab ' T^rftoi man die Jagd gern in den Händen der Einheimischen behalte. Der Angeklagte machte zum Schluffe )eme£lrd,r be Ausführungen geltenb, baß er in gutem Glauben b gehanbelt haben Das Gericht hielt den Angeklagten "hi>r 1
der Jagdübertretung sür schuldig und verurtheite «bn _ zu 10 Mk. Geldstrafe. Direkt
"" Lilterarisches. Der Inhalt der Nummer 10 £.„70 des „Hessenland" ist folgender. .Herbst-Ahnung" Ge. l?.N°rfti dicht von Richard Jordan f. .Leuchtthurm der Liebe" „„«fr nm Gedicht von Sascha Elsa. .Vor dem Kamin", Gedicht EwiJ5 h von Karl Ernst Knodt. .Ein Sendbrief von§?L,ubt Johannes Schwan an seinen Vater bat Daniel Schwan, Bürger zu Marburg" -5,Arrest« von Dr. Eduard Wintzer. .DasWilhelmshöher ’m« Riesenschloß und die Herkulesstatue und ihre Erbauer" (Schluß), von C Neuber. .Und noch einmal: 2)ie-ia“.;„ her Hessen in Amerika!" «Schluß», von Carl Pceser. wtt .Faschingsspuk in Wilhelmsthal" lGedicht) von Wilh. _ Pippart. .Renatus Karl v. Senckenberg" von Aug. ? —
Reuter. .Der innere Apvell" <Novellette, Schluß» von E. Mentzel. .Kasseler Skizzen" I., von W Bennecke. _ Aus Heimath und Fremde. So» f
schließlich 20000 Mk. zu einmaligen ordentlichen Ausgaben, gegen 267400 Mark im laufenden Jahre, und erfordert einen Zuschuß Lebe für 1902 von 110 330 Mark, gegen 111640 ^-Nation Mark im Vorjahre. Der Name Jrrenhell- uberkulö- anstatt wurde auf Antrag des Ausschusses in Schwester „Landesheilanstalt" umgewandelt. ^wachsen
Frankfurt, 18. Febr. Als in der vorigen Kennung Woche im Landtag der Gesetzentwurf des Frank- ton besch furter Oberbürgermeisters Dr. Adickes über die torgenomi Zusammenlegung von Gelände zwecks Schaffung siinstig. von Baugelände berathen wurde, erklärte Herr ernerhin Oberlandesgerichtsrath Göschen, in Frankfurt fcem Lei gäbe es keine Wohnungsnoth. Diese Be- »ie Reine merkung wird — weil sie in schreiendem Wider- anb nach spruch zu den thatsächlichen Verhältnissen steht hr, daß — gegenwärtig in den politischen Vereinen oorben f lebhaft erörtert. — Noch größeres Interesse be- Kädchen anspruchen die Diskussionen über den Schul- ^ppe ne
Alpenvereins Gießen unternahm am Sonntag $am j $ !>ei herrlichem Winterwetter ihr zweite Monats- * ein ' ti