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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbnra «ud Kirchhain
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Botho, sagt Lynch, ist ein großer Stratege. Er ist vollkommen fähig, einen Feldzug von langer Hand vorzubereiten und die komplizirtesten Situationen klar zu durchschauen. In Friedenszeiten mag er ein ebenso bedeutender Mann sein. Als gelegentlicher Diplomat zog er sich immer durch seine Intelligenz aus der Sache, ebenso dank seiner hohen Redlichkeit und seiner Charakter festigkeit.
Sein jüngerer Bruder Christian Botha ist ihm an Gestalt und Charakter ähnlich. Auch Christian ist ein junger Riese, aber nicht blond, sondern brünett, doch besitzt er eben so sanftes Aussehen wie der Aeltere. Der Kanonendonner wandelt ihn um. Da macht sich seine ganze Energie geltend; sein Eifer beseelt die gesammte Mannschaft. Lynch sah ihn einmal einen Rück-
Deputirter Arthur Lynch über die Burenführer.
Romen von Hanna Aschenbach.
Fortsetzung.)
Da fährt ihm ein Gedanke durch den Kopf. .Weiß die Baronin Buchwald?" — Werner schrickt aus seinem Brüten auf. — „Daran dachte ich nicht — allerdings sollte ich —" er verstummt zögernd. Da steht der Freund an seiner Seite. „Laß mich das machen, Dir
(Nachdruck verboten.)
Else.
Der neugewählte irische Deputirte von Gal- oay, Mr. Arthur Lynch, dem bekanntlich im halle feines Erscheinens auf englischem Boden stie Verhaftung und ein Hochverrat hs - Prozeß vegen seiner Theilnahme am südafrikanischen kgriege in den Reihen der Buren in Aussicht istehen, widmet im letzten Hefte der „Revue Ucu" den Burenführern einen ausführlichen ftetz Artikel, in welchem er ihre Persönlichkeiten, ihre bürgerlichen Tugenden und militärischen W Fähigkeiten in rühmenden Worten würdigt. , Arthur Lynch, der zur Zeit noch in Paris weilt, 8 hat die Burenführer persönlich gekannt und in 4 dem Unabhängigkeits-Kampfe ihres Volkes mit allem Heroismus wirken gesehen. Seine Darstellungen beanspruchen daher um so größeres Interesse.
Von Louis Botha erzählt Lynch: „Er ist fast 6 Schuh hoch, breitschulterig und kräftig gebaut; er besitzt wahrhaft eiserne Muskeln. Sein ganzes Wesen athrnet Gesundheit und Kraft. Gleichwohl wirkt sein Aussehen nicht einschüchternd; sein Gesichtsausdruck ist mild und sanft, aus seinen blauen Augen strahlt so viel Güte, daß man sich sofort zu ihm in Ver- tiauen hingezagen fühlt." Als Lynch Botha zum ersten Male sah, war dieser von seinen Offizieren umgeben, die ihn zu seinen Erfolgen bei Spionskop beglückwünschten. Botha lächelte zu den Komplimenten seiner Genosien, aber feine Augen leuchteten vor Vergnügen. Doch rasch machte er den Huldigungen ein Ende. Botha vereinigt Einfachheit und Ruhe mit ungewöhnlicher Energie. Er verliert niemals das Selbstvertrauen und die Entschloffenheit.
würde es gewiß schwer fallen. Du hast doch auch noch keine Anzeigen erlassen? — Ich dachte es mir. Also ich besorge Dir dar Zeug. — Armer Junge! Komm', mach' ein anderes Erficht, kann Dich so gar nicht sehen." —
Das Antlitz des kleinen BaronS röthet sich . f vor Eifer, und Werner nimmt die gebotene * ri Hilfe dankbar an. Er zwingt sich sogar zu “ rin em: „Bist ein guter Kerl, Cäsar, aber sprich uicht zu mir, mir ist nicht zu helfen." —
An des Freundes Schreibtisch entwirft Selten bie Anzeige. Er setzt die Depesche an die Baronin auf und schickt den Burschen damit zur Post.
(12$ Die Tante war noch mit dem Nachtzuge mit Erna eingetroffen, aber im Hotel abgestiegen.
1» Als Werner am Morgen an den Sarg trat, den letzten Abschied von der Mutter zu he« uehmen, öffnete sich die Thür und die Baronin !rw und ihre Nichte standen auf der Schwelle.
In des Mannes Herzen begann ein qual- ^ller Widerstreit der Gefühle. Am liebsten hätte er die finstere Gestalt der Tante aus dem "immer gewiesen, schrieb er doch ihrem Brief mindesten die Beschleunigung der Kata- «üophe zu. Aber da tönte ihm die letzte Bitte
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zug veranstalten; Christian murrte und machte den Marsch langsam. Das war Absicht. Von Zeit zu Zeit wendete er sich gegen die nach- setzenden Engländer und richtete Verheerungen unter ihnen an.
Dewet, früher ein friedlicher Kaufmann, ist durch die Ereignisse aus dem Dunkel in den Vordergrund gestellt worden. Gleich von Anbeginn entpuppte er sich als Mann der Kriegskunst. Er nähert sich den Fünfzigern. Er ist kräftig gebaut, hart und trocken wie Holz. Seine tiefen, sinnenden Augen leuchten zuweilen von unheimlicher Entschlossenheit auf. Er ist mit der Zeit immer schweigsamer geworden. Früher zog er, bevor er einen Entschluß faßte, seine Osfiziere zu Rathe; doch jetzt hält er sich abseits und allein. In der Stelle studirt er vorsichtig seine Pläne und denkt die Projekte auS, bis er den Moment des Handelns geformten glaubt Dann aber wird er unbeugsam. Es kommt vor, daß Dewet nach langem Ueberlegen den Befehl zum Aufsitzen giebt, ohne daß Jemand außer ihm allein seine Absichten kennt. Vielleicht handelt es sich um eine Verlegung des Lagers oder um einen kühnen Handstreich wie bei Sannahs Post oder Tweefon- tein . . . Dewet führt den Krieg, wie er die Jagd führt. Alle seine großen Thaten waren Handstreiche. Er belauert die Beute, er gleitet, rutscht, bis er aus gute Zielweite steht. Auf ein Zeichen gehen die Gewehre los wie mit Donnerkrach. Bei Dewets Angriffen giebt es nie einen eigentlichen Kamps. Denn Nichts richtet unter dem Feinde mehr Verwirrung an wie ein nächtlicher Neberfall, wenn sich der Himmel plötzlich von den Gewehrschüffen entzündet, das Krachen der Kugeln die Luft erzittern macht und überallhin den Tod bringt . . Gleich Botha läßt sich auch Dewet durch keine Niederlage entmuthigen.
D e l a r e y erinnert in seinem Aeußern an den friedlichen alten Farmer, der im Ruhestand lebt. Dieser schlechtgekleidete Bauer mit dem mürrischen, hohlwangigen Aussehen und dem patriarchischen Gang ist ein vollendeter Stratege, und einer der energischsten und kühnsten unter den Burensührern. Delarey macht den Eindruck eines Menschen, der Alles verloren hat, mit Ausnahme der Entschloffenheit, sich bis ans Ende zu schlagen.
General Ben Viljoen (vor Kurzem von General Blood bei Lydenburg gefangen) war früher einfacher Polizeimann. Er ließ sich zum Deputirtcn wählen und wurde an die Spitze des Kommandos von Johannesburg gestellt. Een guter Junge, offenherzig, entgegenkommend, ein
der Mutter ans Ohr: „Sei versöhnlich, Werner!" — Er raffte sich gewaltsam auf.
Die Damen traten an den Sarg. Im Antlitz der alten Dame arbeitete es seltsam, aber Werner merkte es nicht, sein Blick ging an ihr vorbei ins Weite. Seine Cousine vermied er anzusehen. Sie hatte etwas seltsam Wesenloses, diese bleiche Mondscheinprinzeß, wie der kleine Baron sie zu nennen pflegte. Das schwarze Trauerkleid, das bis auf den Boden fiel, umschloß eine hochaufgeschossene, ätherisch zarte Gestalt. Das schneebleiche Gesicht war von weißblonden Scheiteln madonnenhaft umrahmt, aber die blauen Augen, die sonst meist halb hinter den breiten Lidern verborgen schmachteten, glühten heute in intensivem Feuer. Erna liebte ihren schönen Vetter mit der ganzen Leidenschaftlichkeit und dem trotzigen Eigensinn eines kränklichen, verwöhnten Kindes.
Dann stand er am Fenster und starrte hinauf in den strahlend blauen Himmel, wo sie ja weilen sollte, deren Scheiden ihn getroffen bis ins Mark. — „Wie könnte es Dir dort droben gefallen, wo Du mich so elend siehst? O Mutter, Deine selbstlose Liebe kenne ich besser! Du mußtest gehen, sonst wärest Du geblieben. O, dieses fürchterliche Muß!"
Die Tante versuchte auf ihn einzureden, so schwer es ihr auch wird. — „Werner," beginnt sie, „Du solltest Dich niederlegen. Ann - Lies sagte mir, Du habest die ganze Nacht gewacht." Der junge Mann bezwingt sich gewaltsam. Was ist nur mit ihm, daß jedes Wort, das an ihn gerichtet wird, ihn ärgert und quält? Und doch hat sie gesagt, er solle versöhnlich sein. „Jetzt nicht, Tante," preßt er hervor."
Herkulus von Gestalt, besaß er im Kampfe alle Eigenschaften eines Soldaten von Beruf.
General Smuts ist ein würdiger, geachteter Mann und war Deputirter. Wenn die Sache schlecht ging, bemühte sich Smuts, den Muth der Soldaten durch feine heitere Laune wieder aufzurichten. Er ist ein kleiner Mann, trägt eng anliegendes Jaquet, hohe Stiefel und galoppirt wie ein Jockey. „Selbst wenn mir nur noch 50 Mann übrig bleiben, schlage ich mich doch weiter," sagte er eines Tages.
Der jüngere Smuts, ein Namensvetter des Vorigen, war ftüher trotz seiner Jugend Justizminister in Transvaal. Er ist ein kleiner, blonder, bartloser, leicht gebückter Mann von schwächlichem Aussehen. Man würde ihn für einen Studenten halten. Er hat glänzende Studien an der Universität Cambridge in England gemacht. Als der Krieg ausbrach, griff er zur Flinte und zog ins Feld. Aus dem blaffen jungen Gelehrten ist ein verwegener Held geworden . . .
Delarcys treuer Leutnant Kemp ist ebenfalls ein junger Mann. Auch er hat sich bewährt. Die Gefahr elektrisirt ihn und er besitzt die Gabe, seine Leute mit sich fortzureißen. Gleich Dcwet zieht auch er die nächtlichen Ueberfälle vor.
Grobelaar ist ein großer, schwerfälliger, wohlbeleibter Mann von dunklem Teint. Er besitzt eine Stimme, die wie die eines Löwen donnert. Grobelaar ist ein Artillerist ersten Ranges, schlägt sich mit unglaublicher Bravour und bei Rückzügen weiß er durch sein Phlegma seine Leute vor Panik zu bewahren.
Erasmus ist der Typhus des alten Buren, schlau, flink und geschickt, der sich nicht ins Blinde stürzt und sich nicht mit der Verwegenheit eines Botha, Dewet und Delarey den Gefahren aussetzt.
Umschau.
Die Amerikareise des Prinzen Heinrich.
Der „Kronprinz Wilhelm" blieb von Sonntag Nacht I2V2 Uhr bis Montag Morgen um 9 Uhr durch drahtlose Telegraphie mit der Station auf Kap Lizard in Verbindung. Um letztere Zeit schätzte man die Entfernung des Schiffes in westlicher Richtung von der Küste von Cornwallis aus 140 englische Meilen. Die Offiziere der „Lucania", die am 15. b. M von New-York in See ging, wurden angewiesen, Alles auszubieten, um während der Ueberfahrt mit dem „Kronprinz Wilhelm" durch drahtlose
Nun fitzen sie bei dem verspäteten Mittagessen. Der Medizinalrath hat besohlen, daß Werner theilnimmt. Die Tante spricht den Speisen tapfer zu. Einer ihrer Grundsätze lautet: Effen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Erna nippt wie ein Vögelchen. Wer diese junge Dame essen sieht, wundert sich nicht mehr über die ihr mangelnde Fülle. Werner starrt auf seinen Teller, als wolle er ihn annageln. Jene gemüthlichen Mahlzeiten zu Zweien, wo er das -Mütterchen bediente, und sie ihm die besten Biffen aussuchte, bann die lustigen Souperpartien mit Julius Cäsar, wo sie so ausgelassen übermüthig gewesen, ziehen an seinem inneren Auge vorüber — vorbei, vorbei! Der Schmerz preßt ihm die Kehle zusammen, so daß seine Stimme heiser klingt, wenn er sich zu einer Bemerkung zwingt.
Der Nachmittag bringt wieder Kondolenzbesuche, auch der Pfarrer stellt sich ein. Da Werner keine Gegenordre getroffen hat, wird er auf sein Zimmer geführt. Verständnißvoll für des jungen Mannes verstörtes Wesen enthält sich der ehrwürdige Mann aller Trostes- worte. Er bittet nur um einige Daten aus der Verstorbenen Leben und spricht seine Trauer um die Heimgegangene, die er seit vielen Jahren kennt, so einfach und schlicht aus, daß Werner ihm fteundlich die Hand reicht. „Nun Gott befohlen, Herr Leutnant," verabschiedet sich der Geistliche. „Ich bitte Sie inständigst, bleiben Sie morgen standhaft. Aber nicht so starr und kalt, können Sie denn nicht weinen?" — „Ich habe keine Thränen mehr!" — „So will ich Gott darum bitten."
Die Thür schließt sich hinter dem alten
Telegraphie in Verbindung zu treten und danach bei der Annäherung der „Lucania" an Browheod (Südspitze Irlands) über das Befinden des Prinzen Heinrich zu berichten.
Nach den Wetterberichten aus Amerika wird die Fahrt auf der amerikanischen Seite des Oceans durch ein Sturmgebiet gehen. Denn aus New-York wird ein heftiger Sturm, verbunden mit Schnee, gemeldet, durch welchen der Schiffsverkehr im New Yorker Hafen völlig zum Stillstand gebracht und der gesammte Verkehr in der Stadt gänzlich lahmgelegt ist, sodaß e§ Tausenden von Einwohnern der Vororte nicht möglich ist, die Stadt zu erreichen. 13000 Mann arbeiten mit Schaufeln an der Freihaltung der Straßen. Die Schneemauern längs der für den Fußgängerverkehr freigelegten Wege sind zehn Fuß hoch. Die Kaiseryacht „Hohenzollern" ist mit einer dicken Schneedecke überzogen.
Ein zweites Wreschen
soll, wie es scheint, in der Stadt Buk entstehen, deren polnische Bevölkerung sich während der früheren Aufstände stets durch besonderen Fanatismus auszeichnete. Der „Wielkopolanin" entwirft eine geradezu rührselige Schilderung von dem „Patriotismus" der dortigen Kinder. Mehrere Eltern hätten versucht, auf die Kinder dahin einzuwirken, daß sie auf die deutschen Fragen (in dem Religionsunterricht) antworten sollten; die Kinder blieben jedoch dabei, daß sie nicht deutsch verstünden, obwohl fie täglich zwei Stunden zurückbehalten würden. Die Drohung, fie müßten die Schule bis zum 16. Lebensjahre besuchen, verfange auch nicht. Niemand wird im Ernst daran glauben können, daß jetzt die Kinder — überraschend plötzlich — die deutschen Fragen nicht mehr verstehen; die Antworten, welche bie Lehrer erhalten, lassen deutlich erkennen, daß auch dort eine Beeinfluffung von außen stattfindet. Man erinnert sich unwillkürlich der Drohung der polnischen Presse, daß an dem „Widerstande der Schulkinder" das preußische System scheitern werde. Wenn man Vorgänge verhüten will, wie sie sich am 20. und 21. Mai v. Js. in Wreschen abgespielt haben, wird man dem nur vorbeugen können, wenn nach der Stadt Buk — etwa auf Kosten der „patriotischen" Familienväter — ein Bataillon Infanterie gelegt wird. Dem polnischen Pöbel muß von Zeit zu Zeit, wie es scheint, ad oculus demonstnrt werden, daß der preußische Staat vor Schulkindern noch nicht davonzulaufen braucht und selbst die Widerhaarigkeit Buker „Patrioten" rmch im Zaum zu halten weiß.
Herrn. Er läßt sich bei der Baronin melden, aber hier dauert seine Aufwartung nur wenige Minuten, denn als die resolute Dame damit beginnt, ihn aufzufordern, die Salbadereien beim Begräbniß nicht zu weit zu treiben, ergreift der feinfühlige Greis schleunigst die Flucht. Kaum hat er die Baronin verlassen, als diese an Werners Thür klopft, und ohne eine Antwort abzuwarten, eintritt. Ihr Neffe erhebt sich keineswegs angenehm überrascht. „Du, Tante?" fragt er gedehnt. „Ich hatte Rappel gesagt, daß ich heute niemand sprechen will und — kann." — „Da der alte Pfarrer bei Dir war, dachte ich, ich würde auch nicht gefreffen. Ich will Dir nur ein paar Worte sagen. Du erinnerst Dich unseres letzten Gespräches?" Werner unterbricht sie. „Ich bitte Dich, Tante, kein Wort davon! Ich weiß, daß Du Deinen Willen nicht geändert hast, die Wirkung, die Dein Brief auf meine arme Mutter gehabt, hat mir das deutlich bewiesen. Ich habe jetzt nicht die Kraft und die Selbstbeherrschung zu einer derartigen Unterredung, nicht, so lange fie noch über der Erde weilt."
Die Baronin muß einsehen, daß er Recht hat. Bei seiner nervösen Erregung wäre eine Einigung nicht zu erzielen, der unheilbare Bruch vielmehr gewiß. Sie seufzt tief auf. „Willst Du nicht wenigstens Erna ein freundliches Wort sagen? Das Kind bringt mich um mit seinen Klagen." — „Erziehungsresultate", denkt Werner bei sich, laut aber tagt er, und es klingt wie ein zweischneidiges Schwert: „Ich habe Fräulein von Wehlen nichts zu sagen!"
(Fortsetzung folgt.)