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MOM MlW mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbnra und Kirchhain.

J2 35

Kiertkljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition S Ml., bei allen Postämtern 2,25 Ml. (e$cL Bestellgeld).

I»^arti»u«-ebühr: die gehaltene Zeile oder deren Stege 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag, 11. Februar 1902.

Erscheint täglich außer an Werttagen uacy Sonn- unö Feiertage».

Souutagsbeilage: Jllustrirtes Souutagsblatt.

Druck und Verlag: Joh. Ang, Koch, UniverfitätS-Buchdruckere

Marburg, Markt 21. — Telephon 55.

37. Jahrg.

Graf v. Bülow und die zollpolitische Vorlage.

Die Tischrede, mit welcher der Reichskanzler Graf v. Bülow bei dem Festmahl des deutschen Landwirthschaftsraths sein zollpolitisches Glau- bensbekenntnih darlegte, das vfsenfichtlich nicht nur für die Zuhörer, sondern namentlich auch für die Parteien des Reichstags bestimmt war, steht naturgemäß im Vordergründe des politischen Interesses. Insofern wird man in allen Partei- lagern diesen Trinkspruch des Kanzlers mit Freude begrüßen können, als er dem allgemein empfundenen Verlangen nach einer Klärung der innerpolitischen Lage entspricht. Die Un­garheit über das, was die verantwortlichen Stellen der Reichsregierung in puncto Zolltarif vollen, ist beseitigt. Vor uns liegt das Ziel, das der Reichskanzler sich bei Jnaugurirung der neuen zollpolitischen Aera gesteckt hat, ein Ziel, das sich rach den Worten des Kanzlers auch mit den Anschauungen des Kaisers und der Gesammtheit der verbündeten Regierungen deckt. In einer Zeit, in der die gesummte wirthschaftliche Lage des Volkes auf Jahr­zehnte hinaus auf neue Grundlagen gestellt werden soll, in einer Zeit, die über die Existenzbedingungen der produktiven Stände Teutschlands entscheidet, thut Klarheit vor allen Dingen noth, urid indem der Reichskanzler mit feiner Rede bisse Klarheit schuf, hat er allen Theilen des Volkes einen Dienst geleistet. Eine andere Frage ist freilich die, ob das, was der Reichskanzler als das Ziel seiner wirthschasts- politischen Aktion darlegt, auch für ausreichend befunden wird, ob der Kanzler sich in Ueber- einstimmung befindet mit den auf nationalem Boden stehenden Parteien, die er zu seiner Mit­wirkung an diesem großen Werke auffordert. Wer das innerpolitische Leben seit Veröffent­lichung der neuen zollpolitischen Gesetzentwürfe verfolgt hat, kann nicht iw. Zweifel darüber sein, daß diejenigen Erwerbsstände, die vor allem interesfirt find an der Schaffung neuer Grundlagen für unsere zukünftige Handels­politik, das vom Kanzler Dargebotene nicht für ausreichend erachten. Von ganz vrr- fchwinvenden Minderheiten abgesehen, hat sich der gesammte Mittelstand, vor allem die berufene Vertretung der deutschen Land- wirthschaft für höhere Zölle und für eine weitere Bindung der Zölle auf landwirthschaft- liche Produkte erklärt und auch die zollpolitische Mehrheit des Reichstags hat das Gebotene nicht für ausreichend erachtet. Es entsteht sonach die Frage, wie soll, wenn der Reichskanzler erklärt, bis hierher und nicht weiter, die Brücke zu

75 (Nachdruck verboten.)

Else.

Roman von Hanna Aschenbach.

(Fortsetzung.)

Diener mit Windlichtern treten aus dem Gebüsch und leiten die Gesellschaft, die sich nut schwer in die Wirklichkeit zurückfinden kann, hinaus in den dämmernden Abend.

Zigeuer-Mufik, süß einschmeichelnd, wild be­rauschend, empfängt die Zurückkehrenden beim Betreten des Ballsaales. Der berühmte Zhnka dirigiert, hinter einer blühenden Wand den Augen der Gäste verborgen seine Kapelle. Der heimatliche Tokaher, den der Kommerzienrath den Musikanten hat austischen lassen, treibt das Blut wieder so feurig durch die Adern, wie daheim in den sonnendurchglühten Steppen, und immer fremdartiger und leidenschaftlicher wird die Musik, bis sie mit rauschendem Akkord abbricht. Eine einzelne Geige löst sich aus den wilden Klängen in wunderbar süßer, herz­bewegender Melodie: Meister Zynka bringt der holden Grafenbraut seinen Hochzeitsgruß. — Als der letzte jubelnde Ton verhallt ist, bricht das entzückte Publikum in einen wahren Beifallssturm aus, doch nichts regt sich hinter den grünen Gewächsen, dagegen erklingt Webers .Aufforderung zum Tanz," die jeden, der sich feiner gesunden Gliedmaßen erfreut, unfehlbar in die Stimmung bringt, die es einem sonst leidlich vernünftigen Menschen möglich macht, fich wie ein Besessener unzählige Male um sich

einer Verständigung zwischen der Reichsregierung und den nationalen Parteien des Reichstags gefunden werden. Hier kann es sich nicht darum handeln, Compromiffe abzuschließm, oder Ab- schlagkzahlungen anzunehmen, hier kann die Frage nur lauten: Genügt das, was der Reichs­kanzler geben will, um der Landwirthschaft und dem deutschen Mittelstände die Existenzbe­dingungen zu gewähren? Wird diese Frage von der großen Mehrheit verneint, so kann der Reichstag sich nicht von einem Ultimatum der Rnchsregierung beeinflussen lassen, sondern er muß die Antwort geben, die nach Lage der Sache allein zu ertheilen ist. Klarheit ist so­nach geschaffen über die Stellung der Regierung, aber keine Klarheit ist darüber herbeigeführt, wie in Punkt Zolltarif eine Verständigung er­folgen kann.

Umschau.

Der Kaiser und die christliche Wissenschaft.

Ein Berliner Lokalblatt hatte behauptet, daß es fich beim Eingreifen des Kaisers zur Bekämpfung der neuerlich ausgetretenen Er­scheinungen des Obskurantismus „nm die rein zufällige Erörterung einer Tagessrage" gehandelt habe. Demgegenüber wiederholt die „Nord­deutsche Allgemeine Zeitung" auf Grund be­stimmtester Informationen noch einmal, daß der Kaiser den Polizeipräsidenten v. Windheim und den General-Superintendenten Faber zu dem Zwecke zu fich beschieden hatte, den beiden Herren seine allerhöchste Willensmeinung über einen Unfug kund zu geben, der unserer Zeit sowie der Reichshauptstadt gleich unwürdig ist. Der Kaiser, der diesen Unfug sehr ernst be urtheilt, hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß Personen, die sich an dem Treiben der Spiritisten, Gesundbeter und verwandter Richt­ungen betheiligen, vom Zutritt zu dem Aller höchsten Hofe ausgeschlossen werden.

Für unsere Veteranen.

Im Reichsschatzamt wird mit besonderer Be­schleunigung ein Nachtragsetat für das Rech­nungsjahr 1901 ausgearbeitet, durch den die Auszahlung aller auf Grund des Gesetzes vom 22. Mai 1895 bewilligten Beihilfen an Kriegs- theilnehmer vom 1. Januar 1902 ab herbei­geführt werden foll. Dieser Nachtragsetat ent­spricht dem Anträge, den der Abg. Dr. Arendt am 16. Januar im Reichstage eingebracht und den der Reichstag ohne jede Eörterung ein stimmig angenommen hatte. Es wird, da es fich nur um das Vierteljahr vom 1. Januar

selbst im Kreise zu drehen, dabei nach Mög­lichkeit zu schwitzen — und das ein Vergnügen zu nennen. Das gilt natürlich für die Herren der Schöpfung, denn den Damen ist das Talent zum Tanz nun einmal angeboren, und wenn nun gar ein Zynka in herzbezwingenden Tönen lockt, da wollen die Füßchen gar keine Ruhe mehr geben.

Die quecksilberne Elfe hüpft denn auch schon im Takte zur Musik — zur größten inneren Belustigung ihres Kavaliers — während sie den Saal durchkreuzen, und in der beginnenden Eröffnungstour den ihnen gebührenden Platz des ersten Brautführerpaares einzunehmen. —

„Können Sie's denn garnicht erwarten?" — Die Frage klingt übermütig und neckend, und Werner ist erstaunt, ob de» verwunderten Blickes, der ihn aus den blauen Mädchenaugen trifft.

„Freuen Sie fich denn nicht, zu tanzen?" fragt der rote Mund ernsten Tones, fast vor­wurfsvoll. Elfe hat eigentlich sagen wollen: mit mir zu tanzen! aber mädchenhafte Scheu läßt fie die beiden Worte unterdrücken. Halb bang, halb sehnsüchtig verlangend, denkt sie an den Moment, wo er fie wieder in seinen Arm nehmen wird, wie am Nachmittag draußen am See. Ihr Herz pocht heftig bei dieser'Vor­stellung, und dem jungen Osfizier geht eS genau so, nur daß seine Ungeduld nsch viel größer ist.

Majestätisch entrollt fich der farbenprächtige Zug der Polonaise, geführt von dem jungen Ehepaar, dem die übrigen genau in der strengen

bis 31. März 1902 handelt, nicht mehr als eine Summe von rund 300000 Mk. gefordert werden. Der Nachtragsetat soll dem Reichstage bereits Ende der nächsten Woche zugehen und dürfte dort ebenso glatt und debattelos erledigt werden wie der Antrag Arendt, der ihn ver­anlaßt hat.

Deutsches Reich

Berlin, 10. Febr

— Der Prinzregent von Bayern hat an den Kaiser anläßlich dessen Militärjubiläums fol­gendes Handschreiben gesandt: .Fünfundzwanzig Jahre find verfloffen seit dem Tage, an dem Eure Majestät, den bewährten Traditionen Ihres Hauses folgend, unter den Augen hochderen unvergeßlichen Großvaters in den Dienst im Heere eingetreten find. Ich und mit mir die bayerische Armee beglückwünschen Eure Majestät wärmstens zu diesem hohen Ehrentage. Ist doch vor 25 Jahren der Grund gelegt zu dem nie rastenden Interesse, das Eure Majestät der Entwicklung des deutschen Heerwesens entgegen bringen, dem wir verdanken, daß das deutsche Heer heute groß und achtunggebietend dasteht, wie nie zuvor. Euere Majestät ritte ich, die Verficherung entgegenzunehmen, daß die bayerische Armee ihren Stolz drrem setzen wird, im Frieden wie im Kriege fich als ein würdiges Glied dieses Heeres zu erweisen und fich Werth zu zeigen des Interesses, das Hrchdieselben ihr in so hohem Maße entgegen bringen. Mit Vergnügen erneuere ich hierbei den Ausdruck vorzüglicher Hochachtung und Freundschaft, womit ich verbleibe Euerer Majestät sreundwilliger Vetter und Bruder Luitpold *

— An dem Diner, welches die .New Borker Staatszeitung" der amerikanischen Preste zu Ehren des Prinzen Heinrich am 26. Febr. im Hotel Waldorf - Astoria (New Jork) giebt, wird Hermann Ridder, Miteigenthümer der .New-Yorker Staats­zeitung', den Vorsitz führen und den Gast willkommen heißen. Nachdem der Prinz geantwortet hat, werden folgende Reden gehalten, bczw Trinksprüche ausge­bracht werden: .Der Deutsche Kaiser und der Präsident der Vereinigten Staaten", Whitelaw Reid („New-Bork Tribüne") .Die Messe, the tie that binds“, St Eiair McElwap (.Brooklyn Sagte":, „Saxou blood, wlut we owe to germany in art, literature, Science aud music“, Charles Emory Smith (.Philadelphia Preß"), „Inter­national amity“, Charles W. Knapp (.St Louis Republic"). Die .New-Iorker Staatszeitung' hat über 1400 Einladungen zu ihrem Diner für den Prinzen Heinrich an Vertreter der Tagespreste er­lassen. Das Gedeck kostet 25 Dollars und wird von der .Staatszeitung' bezahlt. Das Datum des osfi- ziellen Empfanges des Prinzen Heinrich in New-Bork ist vom 25. auf den 22. Februar, den Tag der An­kunft, verlegt worden.

— Wie die .Frkf. Ztg." aus Darmstadt erfährt wird die Prinzessin Heinrich während der Amerikafahrt des Prinzen am Darmstädter Hofe ver­weilen.

— Der .Staatsanzeiger' veröffentlicht eine neue Prüfungsordnung für Z ei ch enleh rer und Zeichen­lehrerinnen

— Ein Nachtragsetat zu Gunsten der Kriegs­veteranen wird dem Reichstage demnächst zu­gehen.

— Die heute im Abgeordnetenhause bei Be- rathung der Anregung Lückhoffs betr. Hülfssendungen

Reihenordnung folgen, welche die Etikette vor­schreibt.

O du eigenthümliches Zwitterding Polonaise. Den einen eine Gelegenheit, die ganze Gran­dezza ihres Austretens zu entfalten, den andern ein Spiel, ein ülermüthigeS Trennen, ein neckisches Finden. Dieser trabt in der Reihe mit dem ungefähren Gefühl eines Schafes, welches dem Leithammel folgt, jener hüpft und springt wie ein Zicklein auf der Weide und bringt das graziöse Arrangement aus der Fa?on. Bei der Polonaise kann man Gesichter und Typen studieren: Das langweilige Mauer blümchen und die stolze Kokette, die geist sprühende Weltdame und der linkische Backfisch, die eifersüchtige Nebenbuhlerin und die liebende Braut, fie alle empfinden ziemlich deutlich zur Schau. — Weun sich aber die Touren häufen, und immer neue Verwicklungen entsteben, bann zeigt fich die Ungeduld aus vielen Gesichtern, denn: Kürze ist die beste Würze auch hier. Liebende find in diesem Falle allerdings nicht kompetent, da fie an chronischer Ungeduld leihen und für ein normales Zeitmaß im allgemeinen kein Derständniß mehr haben.

So hat auch jetzt der Zug den Saal kaum zweimal umschritten, als Werner seiner Nach darin schon mit mühsam gedämpfter Stimme zuraunt: „Alle Hochachtung vor der Gräfin, Ihrer Freundin, Fräulein Elfi, — aber Polo nuifen anzuführen, sollte fie unter lasser-."

„Ich begreife nicht?" lacht das Mädchen in die Rede des erregten Leutnants. — „Aber das ist ja zum Auswachsen, dieses ewige Umher

des deutschen Burenhülfsbundes von mehreren Seiten bemängelte Abwesenheit eines Regier­ung s v er t r e t e r s ist auf ein Mißverffändniß zurückzusühren. Regierungsseitig wurde angenommen, die Anregung werde erst beim Etat des Ministeriums des Auswärtigen zur Erörterung gelangen

— Dem Abgeordnetenhause ist ein Gesetzentwurf zugegangen betreffs Bewilligung weiterer Staats­mittel zur Verbefferung der Wohnungsoer. hältnisse der Arbeiter der Staatsbetriebe und gering besoldeten Staatsbeamten. Die Vorlage fordert 12 Millionen Mark.

— Die Ausstellung für Spiritusindustrie im Institut für das Gährungsgewerbe ist heute vom Landwirthschaftsminister seierlichst eröffnet worden.

— Die Kammer der württembergischen Standes- herren hat einstimmig den Antrag angenommen, den AbsLluß des Po st markenvertrages nicht zu beanstanden.

— Auf der Tagesordnung der zweiten württem» bergischen Kammer stand heute ein Antrag betreffend Diäten für R ei chstags Mitglieder. Der Ministerpräfident erklärte, da gegenwärtig hierüber ein Meinungsaustausch zwischen den einzelnen Bundes­staaten stattfindet, müsse es sich die Regierung ver­sagen, an der Erörterung hierüber theilzunehmen.

— Der im Luftballon verunglückte Hauptmann v. Sigsfeld war ein Urenkel Gottfried von erders, da seine in Ballenstedt a. Harz noch ebende Mutter eine Enkelin des Dichters i;i.

Parlamentarisches.

Reichstag.

Berlin, 8. Februar 1902.

Bei schwachem Besuch nahm das Haus zunächst den Etat des Reichsschatzamts und den der Reichs­schuld, sowie des Rechnungshofs in zweiter Lesung debattelos an und ging dann über zum Etat des Reichsjustizamts. Abg. Heine (Soz.) brachte hierbei nochmals den Fall des Redakteurs Bredenbeck zur Sprache, der, obwohl nur wegen eines politischen Vergehens zur Verantwortung gezogen, wie ein Ver­brecher gefesselt und ins Eesängniß gebracht worden sei Staatssekretär Nieberding erwiderte, daß ihm kein Einfluß aus die Polizei der Einzelstaaten zustehe. Im weiteren Verlauf wendete sich die Debatte der Frage der Abänderung des Strafgesetzbuchs und der Beseitigung des fliegenden Gerichtsstandes zu. In beiden Punkten erklärte Staatssekretär Nttberding, daß Verhandlungen mit den Einzelstaaten schweben, rodann kam der Antrag Gröber ((Str ) zur Ver­handlung, der schärfere Strasbestimmungen gegen das Duell fordert und vom Abg. vlüller Meiningen) mit Hinweis auf den Fall Bennigsen-Falkenhagen unter­stützt wurde. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Fort­setzung der Etalberathung.

Avgeord«rte«ha»S.

Lei schwachem Besuch erledigte das Haus zunächst kleinere Etats. Beim Etat des Staatsministeriums gab es eine kleine ab>r ziemlich intensive und be- achtenswerthe Burendebatte. Der Abg L ü ck h o f s (fkons.) brachte das Elend in den Konzentrations­lagern Südafrikas zur Sprache und richtete an die Regierung das Ersuchen, sie möge die Wege ebnen, damit die in Deutschland gesammelten mildthätigen Gaben auch an die Aermsten in den Konzentrations­lagern gelangen können. Abg. 58 e to o I b «fkons.) er­gänzte diese Ausführungen dahin, daß bereits 150000 Mk v m Burenhilfsbunde abgeschickt seien

rennen, bei meinem Stern! Ich will tanzen, mit Ihnen tanzen, Fräulein Elfe." — „Der Runb- gang hat ja kaum begonnen, Herr von Buch- roalb." Die Kleine lacht ausgelassen. „Sie find ein schrecklich ungebulbiger Mensch!" — „Mag sein, aber ich beha -pte, baß bie8 die längste Polonaise meines Lebens ist —" vollenbet er für fich, während Elfe lachenb hinter ber Damen­schlange herschreitet, bie fich von bett Herren getrennt hat unb NUN hinter ber jungen Gräfin in einem Nebengemach verschwinbet.

Die treulos verlaffenen Herren ber Schöpfung toenbeln noch einige Schritte solo fürbaß, innerlich wütenb ob bieser „verrückten Polonaise", welche fie so unnöthiger Weise des Anblicks ihrer holbskligen Partnerinnen beraubt, bann bleibt Graf Kö igsmarck stehen unb sieht fich um mit eii em G» sicht, in bem Unwillen unb Lachen streiten. „Meine Herren, ich fürchte, wir find mhst fiziert worben! — Streiken wir!"

Unter allgemeiner Heiterkeit lösen fich die Reihen ber Herren, unb einige eilen nach ber Thür, durch tmlche bie holbe Weiblichkeit ver- schwunben ist. Aber fiehe, fie ist verfchloffen! Nun wirb großer Kriegsrath gehalten, unb noch b: battirt man eifrig, als bie Thür fich öffnet, unb bie Damen in georbnetem Zug, mit vor Vergnügen strahlenden Gesichtern wieder er­scheinen. Allgemeiner Jubel begrüßt fie, aber auf bie neugierigen — parbon — wißbegierigen Fragen giebt es nur eine Antwort: „Boni soit qm mal y pense!“ — Also Diskretion war Ehrensache unb blieb eS ben ganzen Abend.

(5»rtfe|n*| falzt.)