«fihinft »tuet FILchtliage.
Pillau, 27. Dez. Der Dampfer .Prinz Heinrich' ist beute nachmittag »egen 3 Uhr SO Min. aus Reval mit 23 Paffagieren hier eingetroffen. Zwei Paffagiere wurden in Han- goe (Finland) abgesetzt. Der Dampfer befördert die Paffagiere weiter nach Königsberg.
Königsberg, 28. Dez. (W. B.) Der Dampfer .Prinz Heinrich' ist von Pillau kommend, heute abend 8 Ubr hier eingelaufen, gelten» des Hilfskomitee» waren Oberpräfidial- rat Dr. Sramlch und Oberbürgermeister Körte am Anlegeplatz zugegen, während Generalarzt a. D. Dr. Lübe sich bereits in Pillau an Bord de» Dampfers begeben hatte. Die Flüchtlinge wurden, soweit ste nicht weiterzureisen beadfickt'gten, in Quartieren untergebracht. Der Dampfer .Prinz Heil rich' wird in Königsberg weitere Bestimmungen abwarten.
Memel, 28. Dez. Der Libauer Hafen- fchlepper .Vorwärts' brachte heute Nachmittag, von Libau kommend, 18 Flüchtlinge nach Memel. Der .Vorwärts' soll jetzt wöchentlich zweimal die Verbindung zwischen Memel und Libau aufrechterhalten. Wie berichtet wird, ist in Libau alles ruhig; auch die Hafenarbeiten nehmen ihren ungestörten Fortgang.
Der Kurhessische Volksschnllehrerverband und das Schulunterhaltungsgesetz.
Der, wie- schon telegraphisch gemeldet, am 87. d. M. in Cassel abqehaltene Vertretertag de« Kurheff. VolksschullehrerverbandeS nahm zu dem Schulunterhaltungsgefetz in folgenden Be- schlüffen Stellung: >
1. Der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen ist in seiner, dem Hause der Abgeordnetenzur Beratung vorliegenden gotm nicht geeignet, die freiheitliche Entwicklung der Volksschulen zu fördern. Indem er die konfes- ffonellen Volksschulen als die Regel bestimmt und die vielen Schulen bisher gewährleisteten Selbstverwaltungsrechte auf dem Schulgebiet stark beeinträchtigt, bedeutet er einen Rückschritt gegenüber bestehendem Recht und gegenüber zeitgemäßen Forderungen in Schulorganisationen und Schulverwaltungen. ~
2. Bei der großen Mannigfaltigkeit und Selbständigkeit des zur Zeit in den einzelnen Gebieten Preußens geltenden Schulrechte ist eine einheitliche den heutigen Rechtsbegriffen entsprechende Regelung der Schulunterhaltungspflichten dringend erforderlich. Der vorliegende Gesetzentwurf ist deshalb nicht ein- : fach abzulehnen, aber bevor er Gesetzeskraft erlangt, in vielen seiner Einzelbestimmungen auszugestalten.
3. Anzuerkennen ist, daß der Entwurf, der in Preußen, leider mit Ausnahme dreier Bezirke, einheitliches Schulrecht schaffen will, fich auf das Kominunal- prinzip gründet, Schulpatronate und Schulsozietäten aufhebt und die bürgerliche Gemeinde zu Trägern der Schullasten macht, durch Zusammenlegung kleiner leistungsfähiger Gemeinden und Gutsbezirke leistungsfähigere Schulverbände schafft, den Lehrern das längst begehrte Recht einer Vertretung in den Schuldeputationen (Schulvorstand) sichert und gewisse Unterlagen für eine Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes geben will.
4. Demgegenüber weist der Entwurf aber zahlreiche gesetzliche Bcstinnnungcn auf, welche durchaus abzulehnen sind.
5. Aus pädagogischen, nationalen unb historischen Gründen wird nicht die Konfessionsschule, sondern die Simultanschule die Schule der Zukunft sein. Die oänzliche Streichung des vierten Abschnitts des Gesetzes, der von konfessionellen Verhältnissen handelt, erscheint deshalb wünschenswert.
6. Wenn ein solches Begehren indcß bei dem zur Zeit gegebenen politischen Machtvcrhältnissen im Hause der Abgeordneten und bei der Stellungnahme der Staatsregierung zu Gunsten der konfessionellen Schulen keine Aussicht auf Erfüllung hat, so sind bezüglich des Abschnittes 4 die Forderungen zu stellen: U. der Simultanschule gebührt neben der konfessionellen Schule volle Gleichberechtigung; 2. die Schul- unterhaltungspflichten haben das ungehinderte Recht, über den Charakter einer Schule — ob simultan oder konfessionell — zu bestimmen.
7. Als weitere Forderungen für eine Umgestaltung des Gesetzentwurfes sind folgende zu erheben: Es empfiehlt fich die Zusammenlegung der Schul- Verbände eines Kreises zu einem Krcisschulverband. Das Recht der Lehrerwahl — Wahl der Lehrer, Hauptlehrer und Rektoren — verbleibt dem Schulverend, auch den Frauen — Müttern und Lehrerinnen — muß in den Schuldeputationen eine Vertretung gewährleistet werden. Die Vertretung der Lehrer in den Schulvorständen muß durch freie Wahl der in den Schulverbänden angestellten Lehrpersonen gesichert sein. Den Gutsherren kann niemals — auch wenn sie Allcinträgcr der Schullasten ihres Schulverbandes sind oder sein wollen — das Recht zugestanden werden, den Schulvorstand allein zu ernennen. Die nach dem Gesetzentwurf zwischen Schuldcputation und den konfessionellen Schulen der größeren Städte einzurichtendcn besonderen konfessionellen Schulkommissionen sind abzulehnen. Der Lrtsschulinspektor kann nicht von Amtswegen Vorsitzender des Schulvorstandes in ländlichen Schulgemeinden sein, da die Ortsschulaufsicht aufzuhebcn ist und auf den Kreisschulinspektor im Hauptamt überzugehen hat. Der Vorsitzende eines Schulvorstandes wird durch die Wahl der Schulvorstandsmitglieder bestimmt. Die jüdischen Volksschulen find nicht besonders zu behandeln; für sie gilt dasselbe Recht wie für die christlichen Volksschulen. Für die Verwendung der Staatszuschüffe zur Durchführung des Gesetzes sind feste Richtlinien zu geben. Dem Erlaß des Schuluntcrhaltungsgesetzes hat die Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes sofort zu folgen.
8. Es wird dem lebhaften Bedauern Ausdruck gelben, daß der Herr Minister die vom Hause der Abgeordneten ihm zur Verfügung gestellten 5 Mill. Mark zum Ausgleich der größten Härten und Unbilligkeiten auf dem Gebiet des Lehrerbesoldungs- vesens nicht in voller Höhe, sondern nur mit wenig über die Hälfte im Staatshaushalt für 1906 eingestellt, auch die bereits für dieselben Zwecke für 1905 etatisierten 250 000 Mark bisher garnicht verwendet hat. In Bezug auf die Gehaltsfrage fordert die Ver- treterversammlung prinzipiell vollständige Gleichstellung der Lehrer in Stadt und Land mit den Subaltcrnbcamten erster Klaffe, einstweilen 1500 Mk. Grundgehalt und 200 Mark Alterszulage für alle Lehrer.
Deutsches Reich.
' . an . tr», Berlin, 29. Dez.
. “ «eine Kajejiat der Steifer empfing Ätzern m Reuen Palais den neuernannten russischen Mi- Mrbevovmächtiat« General a Ja suite Tatischeff.
der eta Schreiben des Kaisers von Rußland überreichte, und hörte die Vorträge des Kriegsministers sowie des Chefs des Militärkäbinetts. Zur Frühstückstafel waren der neuernannte deutsche Botschafter in Petersburg v. Schön, General v. Jacobi und Flügeladjutant Graf Lambsdorff geladen. ,
— Al» Unterstützung der deutschen Polenpolitik betrachtet, soll der Brief des Papste» an die Polen, wie sich das »B. T." aus Rom melden läßt, in Berlin einen vortrefflichen Eindruck gemacht haben. Man erblicke darin den Bevxis, daß PiuS X. die Mahnung des Kaisers in seiner Gnesener Rede und seine Anspielung auf die Polenpolitik Leos XIII. wohl beherzigt habe. Andererseits ist man im Vatikan mit der Lage der Kirche in Deutschland andauernd höchlich zufrieden. — Unserer Ansicht nach hat die katholische Kirche in Deutschland allen Grund, zufrieden zu sein, denn ihren Wünschen wird in weitgehendster Weise Rechnung getragen. Erkennt sie die unbedingte Hoheit des Staates über die Kirche an, dann wird überhaupt nie ein Grund zu Streitigkeiten vorhanden sein.
— Wenn jetzt, so wird offiziös geschrieben, der Versuch unternommen wird, eine Aktion der größeren StädiePreutzcns gegen die auf sie bezüglichen Bestimmungen des Schulunterhaltungsgesetzes in Szene zu setzen, so kann es dahin gestellt bleiben, ob die Erfahrungen, die mit solchen Sonderaktionen in früherer und neuerer Zeit gemacht find, besonders dafür sprechen. Ter vollständige Mißerfolg des Vorgehens des Deutschen Städtetages in Sachen der Fleischteucrung gibt nach dieser Richtung hin jedenfalls zu denken. Soviel aber ist sicher, daß das preußische Verfaffungsrecht keine Unterlage für Sonderbestrebungen der großen und größeren Städte bietet; denn die Sätze der Verfaffung über das Verhältnis der Gemeinde zur Schule machen keinerlei Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von bürgerlichen Gemeinden, gewähren vielmehr allen dieselben Rechte und Pflichten. Einen Anspruch auf besondere Berücksichtigung chrer Wünsche können daher die großen und größeren Städte aus den Leitsätzen der preußischen Verfassung nicht herleiten. Was diese selbst aber anlangt, so stehen sie im engen Zusammenhänge miteinander, und es ist nicht angängig, sich mit Nachdruck aus den Verfassungssatz zu berufen, wonach den Gemeinden die Verwaltung der äußeren Angelegenheiten der Schule zusteht, dagegen denjenigen Satz der Verfaffung zu umgehen, in dem dem Staate ausdrücklich das Recht zugesprochen wird, die Lehrer anzustelken, während den Gemeinden nur eine Mitwirkung eingeräumt wird. Endlich wird man bei Beurteilung der Frage der Stellung des Staates zu den städtischen Schulen und ihrem Personal auch nicht außer Acht lasten dürfen, daß, soweit die Verfassung keine ausdrücklichen Bestimmungen trifft, der Satz des preußischen öffentlichen Rechts Platz greift, wonach die Schule eine Veranstaltung des Staates ist und dem Staate die Aufsicht über die Schule allein, und unbeschränft zufteht. Aus dieser Rechtslage folgt, daß, da die Verfaffung über die Ordnung der inneren Angelegenheiten der Schule Bestimmungen nicht enthält, hier das Aufsichtsrecht des Staates in vollem Umfange Platz greift und daß davon auch naturgemäß betreffs der großen und größeren Städte eine Ausnahme nicht besteht. Gegenüber dieser klaren und einfachen Rechtslage kann man mit Schlagworten, wie sie jetzt vielfach gebraucht werden, hie und da agitatorische Erfolge erzielen, aber auf Wirkungen bei den gesetzgebenden Faktoren Preußens wird man sicher nicht rechnen dürfen.
Deutsche Kolonie».
Die Ausbildung eigener Kolonial- beamten hat ihren Anfang genommen. Gemäß der Denkschrift betr. Ausbildung eine» eigenen Beamtenstandes für die Kolonien sind bisher 5 Kolonial-Eleven einberufen worden, deren Entsendung nach Ostafrika voraussichtlich im Oktober 1906 wird erfolgen können. Zu Beginn des Rechnungsjahres 1906 werden drei weitere Anwärter einberufen werden. Mit Rücksicht auf ihre Vorbildung auf der Kolonialschule in Witzenhausen und sonstige vorbereitende Stunden ist für diese nur eine halbjährige Ausbildung bei der Zentralverwaltung in Aussicht genommen. Sie werden wahrscheinlich gleichfalls im Herbste 1906 zur Entsendung nach Ostafrika kommen. Die Eleven beziehen für Ausreise und Ausrüstung jeder 1500 Mk. und als Beihülfe zu den Unterhaltungskosten jährlich 3600 Mk.
Ausland.
Frankreich. Der französische Außenhandel hat sich im laufenden Jahr hervorragend günstig entwickelt. Bis Ende November bezifferte sich die Nehreinfuhr dem Werte nach auf 165,2 Mill. Fr»., die Mehrausfuhr auf 342,5 Mill. Frs. Diese enorme Steigerung ist, was die Entwicklung besonders günstig erscheinen läßt, herbeigeführt auf der einen Seite durch den Mehrbedarf an industriellen Rohstoffen in Höhe von fast 160 Mill. Fr»., auf anderer Seite durch einen Mehrabsatz an Fertigerzeugnissen im Werte von fast 225 Mill. Frs. Außerdem hat die Ausfuhr an Nahrungsmitteln um 72,2 Mill. Frs., an gewerblichen Rohmaterialien um 56,6 Mill. Fr», zugenommen. Im ganzen ist in den beiden letzten Jahren die Einfuhr von 4032 auf 4197 Mill. Frs., die Ausfuhr von 3950 aus 4293 Mill. Francs gestiegen. Das laufende Wirtschaftsjahr wird also für Frankreich mit einem erheblichen Ueberschuß der aktiven Seite der Handelsbilanz abschließen.
Marburg uud Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 Del Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Zig." gestattet.)'
Marburg, 29. Dezember.
* Fl»ttknrini»tk sr den Reichstag. Die ,Tügl. Rundschau' in Berlin hat eine Massenpetition aus dem Volke an den Reichstag angeregt, die in nationalen Kreisen lebhaften Anklang gefunden hat unb von verschiedenen Zeitungen unterstützt bereits Tausende von Unterschriften auS allen Schichten der Bevölkerung aufweist.
Auch die Ortsgruppe des Deutschen Flottenvereins in Marburg will fich diesem Vorgehen anschließe«. Unserer heu- tisten Stadtauslage liegt sine Lin»
zeichnvngSliste bet, auf die wir hiermit besonder» aufmerksam machen. In ihr wird gesagt:
Wir halten die möglichst baldige Annahme der sich in nur allzuengem Rahmen haltenden Flottenvorlage der Regierung für eine selbstverständliche Pflicht deS Reichstage». Aber darüber hinaus fordern wir eine Beschleunigung deS Ausbaues unsrer Flotte. Die jetzt fertigen und im Bau befindlichen Schlachtschiffe find minderwertig und den fremden Schiffen nicht gewachsen. Deswegen müssen die vollwertigen Schlachtschiffe, die geplant find, möglichst schnell gebaut werden, mindesten» vier jede» Jahr. Da» deutsche Volk will aufrichtig den Frieden; aber der politische Horizont ist nach den Worten unsere» Kaiser» schwarz bewölkt, und der Kamps kann kommen. Wir wollen auch für diesen Fall, den Gott gnädig verhüten möge, gerüstet fein und untere Offiziere und Matrosen nicht mit schlechten Waffen in einen Kampf gehen und nutzlos sich verbrauchen lassen. Darum bitten wir, daß unserer Regierung au» der Mitte des Reichstag» heraus die Weisung und Vollmacht gegeben wird, zu bauen so rasch als es in unseren Kräften steht und die Not der Zeit gebeut!
Die Ortsgruppe Marburg bittet die Mitglieder des Flottenvereins, sowie alle, die dieser Eingabe zustimmen geneigt find, die einzelnen Listen zu unterzeichnen und um möglichst zahlreiche Unterschriften zu werben, damit auch Marburg durch eine stattliche Stimmenzahl bei dieser nationalen Kundgebung beteiligt ist.
Die einzelnen Listen sollen an die .Ober- hessische Zeitung' a!» Hauptsammelstelle zurück- gegeben werden. Dort liegt auch die Liste zum Einzeichnen auf. Weitere öffentliche Auslagestellen werden noch bekannt gegeben.
* Au?z«ich»URg. Gestern wurde der nach langjähriger Dienstzeit am 1. Januar in den Ruhestand tretende bisherige Vorstand der hiesigen Königl. Eisenb. Masch. Station Betriedswerkmeister Bernhard durch Regierungs- und Baurat Höfer aus Cassel in Gegenwart sämtlicher Tienststellenvorsteher der Station mit einer ehrenden Ansprache unb unter Ueberreichung des Kronenordens IV. Kl. verabschiedet.
8 Brrlkihuuff. Dem Weichensteller Rössing wurde anläßlich seines Uebertritts in den Ruhestand daS Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
* Versetzt wurde hierher der Betriebswerkmeister Witte, bisher in Cassel, als Vorstand der Eisenbahn-Maschinen-Station.
8 Eine ne« Gedenktafel zum Gedächtnis der Stifterin des .Julienheims' im Leckergäßchen, Oberin Julie Spannagel, wurde heute am genannten Gebäude angebracht.
* Spurkasirutzerbaud. In der Zusammensetzung des VorstanveS de» „Sparkassenverbandes für die Provinz Hessen-Nassau und das Fürstentum Waldeck' sind in der letzten Zeit^verschie- bene Veränderungen eingetreten. Der Vorsitzende deS Vorstandes, Oberbürgermeister Dr. Gebeschuß (Hanau) hat fein Amt niedergelegt und an seine Stelle »st Stadtrat Boedicker (Cassel) zum Vorsitzenden gewählt worden, während daS Amt eines stellvertretenden Vorsitzenden Stadtrat Dr. Levin (Frankfurt a. M.) übertragen wurde. Neu in den Vorstand gewählt wurde Stadtrat A. Jung (Hanau). Bürgermeister Salomon (Schlüchtern) ist infolge seiner Wahl zum Bürgermeister von Niederlahnstein aus dem Vorstände auSgeschieden. Ter Vorstand des Sparkassenverbgndes für Hessen-Nassau unb Waldeck setzt sich nunmehr wie folgt zusammen: 1. Stadtrat Boedicker Cassel), I. Vorsitzender. 2. Stadtrat Dr. Levin (Frankfurt a. M.), II. Vorsitzender. 3. Sparkassen - Direktor Wichmann (Eschwege), Rech- nungssührer. 4. Stadtrat Andrö (Cassel). 5. Landrat von Gröning (Gelnhausen). 6. Stadtrat A. Jung (Hanau). 7. Landesbank-Direktor Keßler (Wiesbaden). 8. Bürgermeister Kraiger (Fritzlar). 9. Kreisamtmann Roesener (Arolsen.) — Der bisherige langjährige Vorsitzende des Verbände?, Oberbürgermeitzür Dr. Gebeschuß (Hanau), der sich um die Entwickelung des Sparkafsenverbandes große Verdienste erworben hat, wurde zum Ehrenmitgliede des Vorstandes^ ernannt.
* Einkauf van Briesuwrkrn. Beim Heran- nahen des Jahreswechsel» ist wiederum darauf aufmerksam zu machen, daß es fich dringend empfiehlt, den Einkauf der Freimarken für Neujahrsbriese nicht bis zum 31. Dezember zu verschieben, sondern schon früher zu bewirken, damit der Schalterverkebr an dem genannten Tage fich ordnungsmäßig abwickeln kann. Ebenso liegt eS im eigenen Interesse des Publikums, daß die Neujahrsbriefe frühzeitig zur Auflieferung gelangen, und daß nicht nur auf den Briefen nach Großstädten, sondern auch auf den Briefen nach Mittelstädten die Wohnung des Empfängers angegeben werde. Für Berlin ist außerdem die Angabe de» Bestell-Postamts dringend wünschenswert.
* NkUjahrSlartku. In der letzten Zeit ist das Bestreben verschiedener Armenverwaltungen, Vereine usw., welche humanitäre Zwecke verfolgen, dahin gerichtet, den Versand von Neujahrswünschen einzuschränken, den dadurch ersparten Betrag der Kaffe der betr. Vereinigung zuzuführen und darüber in einem Lokalblatt Quittung zu leisten. Gewiß ist die diesen Bestrebungen zu Grunde liegende Abficht, den Armen und Bedrängten Hilfe zu bringen, edel und anerkennenswert. WaS aber auf der euren
Sette eine Wohttot bedeutet, erweist fich. hier andererseits für die vielen Tausende, die durch die Herstellung der Katten ihren Erwerb finden, als eine empfindliche schwere Schädigung. In Deutschland bildet die Fabrikation und der Vertrieb der Glückwunschkarten für viele Taufende eine lohnende Beschäftigung, unb zwar nicht nur in den wenigen Wochen vor dem Neujahrsfest, sondern vielmehr während des ganzen Jahres. Die Künstler und Zeichner find e«, die mit den Entwürfen die Herstellung der Karten beginnen, ihnen reihen sich an die Lithographen, welche die Platte» zeichnen, dir Drucker, Präger usw. Die verschiedensten Erfindungen der Neuzeit find der Herstellung dienstbar gemacht; die mannigfachsten Maschinen werden zur Maffenanserttgung gebraucht. Außerordentlich groß ist der Verbrauch an Kartonpapier; Seidenbänder und Schnüre werden zur feineren Ausstattung verwendet, während eine gewaltige Menge von Briefumschlägen dem Versand dient. Der Wegfall der Karten muß daher unsere Industrie in besonderem Maße schädigen und. Tausenden von Arbeitern ihren Verdienst entziehen. Den zahlreichen Papierhändlern, welche den Handel mit Glückwunschkarten treiben, wird ein wesentlicher Teil ihrer Einnahmen entzogen. Die Neujahrskarten dienen einer schönen Sitte: beim Jahreswechsel der Freunde und Bekannten zu gedenken unb ihnen dies durch einer Glückwunsch zum Ausdruck zu bringen. Dafür kann die nüchterne, in einer Zeitung veröffentlichte Quittung, die zudem dem mit dem Glückwunsch Bedachten in vielen Fällen nicht zu Gesicht' kommt, einen hinlänglichen Ersatz nicht bilden.! Aerger unb Verdruß entstehen, wenn der eine; Teil einen Glückwunsch sendet, der andere aber; fich der Erwiderung durch eine Geldspende unb; eine Quittung, die zur Kenntnis der anderen,; besonders in großen Städten und im Verkehr mit auswärts wohnenden Freunden, nicht ge-: langt, enthoben glaubt. Derbeider Versendung! von Neujahrskarten erstrebte Zweck, feiner =, Freunde und Bekannten wenigstens einmal im»;
1 Jahre in einer ihnen sichtbar werdenden Weise , zu gedenken, geht bei der Ablösung der Neu-; jahrskarten vollständig verloren. Gedenke jeder^ dem e§ die Mittel erlauben, beim Jahreswechsel durch eine Spende der Armen! Halten wir aber auch weiterhin die alte schöne Sitte fest, durch eineik herzlichen Glückwunsch auf einer; Neujahrskarte, deren Herstellung und Vertrieb' Tausenden zum lohnenden Erwerb wird, un8: j unseren Freunden und Bekannten wenigstens, einmal im Jahre in Erinnerung zu bringen.
* Mnskvmsgesellschaft. Heute Freitag findet! ein Unterhaltungs-Abend statt, bei dem Hof-; künstler Vellachini eine Vorstellung gibt. j
8 Ban der „Wntzawachssteuer." Das den; Frank'fchen Erben gehörige Grundeigentum zwischen der Schwanallee und der Scherzen-, wiese ging dem Vernehmen nach für 150 000 Mark in den Besitz eines auswärtigen Bau-^ Unternehmers über.
§ Zur Warnung. Wir machen darauf aufmerksam, daß der Unfug deS Schießens unb.. des Abbrennens von Feuerwerkskörpern (Fröschen usw.) auch in der Neujahrsnacht unter strenge Bestrafung gestellt ist.
8 Unser Elektrizitätswerk scheint allmählich in Betrieb zu kommen. Gestern Abend bemerkte; man z. B. vor dem Hotel Ritter, sowie in den Läden der Geichäfsbefitzer Engel, Schaaf usw. elektrisches Licht. Es hat also doch, wie wir vor längerer Zeit meldeten, bis z um Beginn des neuen Jahres gedauert, eh; der allgemeine Betrieb ausgenommen wird. ,
8 Von unserer Pferdebahn. Das heutige Amtsblatt für den Regierungsbezirk Cassel enthält die Genehmigungsurkunde für den Betrieb der Pferdebahn in der Stadt Marburg.
§ Marburger Reujahrswecke sind jetzt wieder „zwischen den Jahren" ein beliebtes Gebäck. In allen Bäckerläden sieht man schon die zopfartig geflochtenen großen und kleinen Neu-. jahrSwccke.
§ Verhaftet wurde gestern hier ein vom Amtsgericht in Dresden gesuchter Mann. :
§ Vom Winter. Nachdem in den letzten Tagen der winterliche Dust in den schönen Anlagen unserer Stadt, sowie in Feld und Wald prächtige Landschaftsbilder entfaltet, trat letzte Nacht das für den Verkehr in unseren Bergstraßen so gefährliche Glatteis ein. Rechtzeitiges Streuen war sehr am Platze.
§ Märkte in 1906: 2. gebt. Krammarkt, 15. gebt.
Schw., 8. März VSchw., 15. März P„ 26. März K., 19. April Schw., 1. Mai K„ 17. Mai VSchw., 21. J Juni Schw., 2. Juli K., 12.Juli, 9. Aug. Schw., 6. Sept. VSchw.-Schaf, 25. Sept. P., 27. Sevt. St., 11.
IL, 15. Kot). Schw., 19. Nov., 31. Dez. K. - -
8 Ans de« Kreise Marburg. Unser Kreis hat nach einer vorläufigen Schätzung etwa 53250 Einwohner, was eine Zunahme von über 3000 gegen die Volkszählung von 1900 bedeuten dürste. Wir werden gelegentlich noch genauer auf das Resultat der Volkszählung zurückkommen.
Kirchhai«, 28. Dez. Der Gerichtrvoll- ziehet Streit wurde zum Gerichtsvollzieher am hiesigen Amtsgericht ernannt.
):( Schönbach, 28. Dezbr. Der Bürgermeister Heinrich Dreher ist in Folge Wiederwahl auf eine weitere Amtsdauer von 8 Jahren verpflichtet worden.
Biedenkopf, 28. Dez. Dem Kommunalvollzieh- ungsbeamten Gottreich Dietrich wurde das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens verliehen.
Frankenau, 28. Dez. Der Hilfsförster Braße! zu Louisendors wurde nach HarleshausM, Oberförsterei Kirchditmold verseh.
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