MchlW ZeiluW mit dein Kreisdlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sonntaasblatt. — - * 1—-■
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Bierteljährticher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk, b« allen Postämtern 2,25 Mk. <exct. Bestellgeld).
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Marburg
Sonnabend, 30. Dezember 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Iah. Aug. Koch, UmvcrfitLtS-Buchdruckerei 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon o5.
NeneAe Telegramme.
Berlin, 28. Dez. Nach verläßlichen Mit- teilnngen von diplomatischer Seite hat der Zar itt einem Dank-Telegramm an Kaiser Wilhelm für deffen Beglückwünschung zum Namensfeste auch des Ernstes der Lage in Rußland gedacht und seinem Schmerze darüber Ausdruck gegeben. Wir machen jetzt schwere Zeiten durch, habe Kaiser Nikolaus telegraphiert, doch hoffe ich, daß die schwere Krise bald wieder vorübergehen werde, ohne dem Lande unheilvollen Schaden zuzulügen.
Darmstadt, 29. Dez. Die Finanzakzessisten heißen fortan in Hessen Referendare, die Lehr» amtsakzesststen Lehramtsreferendare, die in den Vorbereitungsdienst im Forstfache Eingetretenen Forstreferendare.
Branuschwelg, 27. Sept. Der Besuch des Kaisers in Braunschweig hat wieder zu aller» Hand Mutmaßungen Anlaß gegeben. ES wurde von Aenderungen in der braunschweigischen Regierung gesprochen und damit daS HauS des Herzogs von Cumberland in Verbindung gebracht. Die „Braunschweigische Landeszeitung" dementiert diese Gerüchte und erklärt, daß vom Hanse Cumberland keine Aenderung in der bisherigen Haltung gegenüber der Thronfraqe erfolgt sei. Dem Besuch deS Kaisers in Braunschweig fehle jeder politische Hintergrund, ebenso dem Besuchs des Großherzogs von Oldenburg in Braunschweig.
Prtersbnrg, 28. Dez. (Petersb. Tel.-Aq.) Nach den veröffentlichen Zahlen auS den Handelsergebnissen Rußlands im abgelaufenen Jahre betrug der Importwert vom 1. Januar bis 3. d. M. Rbl. 492 895 000 der Exportwert Rbl. 928 408 000 während im gleichen Zeitraum deS Vorjahres der Importwert Rbl. 549 861000 und der Exportwert Rbl. 887451000 erreichte.
London, 28. Dezbr. Einer Depesche des „Daily Telegraph" zufolge, werden durch den neuen japanisch-chinesischen Vertrag folgende Städte dem Welthandel geöffnet: Foenghwangt- schocng, Liaujang, Hsimnintum, Tieling, Tuant- fchangtse, Tschangtu, Fakumen, Tschangtschum, Kirin, Charbin, Huntschum, Sanfin, Zizikar, Chailar, Higun, Mandschuria.
London, 28. Dez. Nach einer Meldung der „Reuterschen Bureaus" auS Lahore, greift die fremdenfeindliche Bewegung in Kaschmir weiter um sich. In verschiedenen öffentlichen Versammlungen wurde beschlossen, den ausländischen Zucker zu boykottieren. Rübenzucker, der von Zuckerbäckern eingeführt wurde, ist vielfach aufgekaust und vernichtet worden.
Christiauia, 28. Dezbr. Mit der Vertretung seiner politischen und Schiffahrts- Interessen in der Türkei hat Norwegen Deutschland betraut.
•2 l Nachdruck verboten.)
Die Brücke.
Roman von Willy Scharla«.
(gortfetsung.)
■ Aber was wog das alles auf gegen das Bewußtsein, geliebt zu lvecden, gegen die Gewißheit, seiner Liebe sicher zu sein.
Sie beschloß, heute noch das Geheimnis für sich zu behalten, und das umsomehr, als schon morgen Egon zum Fest eintraf. Sie wollte Vater und Bruder gleichzeitig den festen Entschluß mit- tpileu, sich mit dem Mann ihrer Wahl zu verloben. Sie hielt es für eine Feigheit, dem Vater vielleicht heute die Eiwilligung abzuschmeicheln, 4m ihn für morgen den Vorwürfen des Sohnes auszusetzen. Feige aber war Hanns von Lingen durchaus nicht, und so zog sie es immer vor, den geraden Weg zu gehen.
' Krümmungen, diplomtische Umwege entsprachen Mein Wesen nicht.
Exzellenz aber bemerkte wohl, cs sei etwas ge- chehen, ivatz die Tochter besonders erregte.
„Du siehst ja aus, Mädel", sagte er bei Tisch, vährerid er sie scharf anblickte, „als hätte Dir jemand eine Million geschenkt."
„Mehr, Väterchen, — unendlich viel mehr."
Ihr Gesicht strahlte und doch traten ihr die tränen in die Augen.
„Nun, nun, Kleine, was ist cs denn?"
„Morgen, Papa, morgen werde ich Dir alles agen."
i Am Dienstag kam Egon. Er war nicht rosen- arbiger Stimmung; im Gegenteil, recht kleinlaut, ernt das Weihnachtsgeschenk, welches er vom Va- rr erbitten wollt» war groß.
' Ein Päckchen unbezahlter Rechnungen harrte er Zahluns. - - .....
Die revolutionäre Bewegung in Rußland.
Wie es i* tzrn Oststrtzrotünzrn zugrht.
Die traurige Lage der Reichsdeutschen und Deutschrussen in den baltischen,Provinzen enthüllen zahlreiche Privatbriefe, die von den verschiedensten deutschen Zeitungen veröffentlicht werden. Die „Deutsche Zeitung" bringt in ihrer letzten Nummer einen ihr aus Riga vom 22. Dezember zugegangenen Brief, in dem eS heißt:
Jetzt endlich, wenigstens vier Wochen zu spät, kommt die ersehnte russische Hilfe. Ein Armeekorps rückt langsam heran, nachdem über 50 Rittergüter nicdergcbrannt oder demoliert worden. Die von Dwinsk auf Riga marschierenden Truppenteile bringen wenigstens die Bahn wieder in den Besitz des Staats. Im übrigen finden sie wenig vor, denn die ca. 60 000 Mann starken Revolutionäre sind auseinandergestoben und ihre Gewehre sind vergraben. In Riga trafen zwei Bataillone Infanterie, zwei Eskadronen Dragoner und Maschincngeschütze ein, — wenn auch ohne Munition. Diese folgt Wohl noch. In Kurland wird der Feldzug nach Art der Operationen im fernen Osten geführt. Es fehlt gänzlich an einer besonnenen Führung. Die Städte Tuckum und Dalsen sind bombardiert worden, ohne daß sie - rniert waren, und so entwischten die bösen Feinde nebst ihren Gewehren zu Tausenden. Windau ist einweilen von der Land- und Seeseitc durch Heer und Flotte belagert. In Riga ist es ruhig. Leider beginnt heute wieder einmal der Generalstreik. In einem hiesigen lettischen Vereine konzentriert sich die lettische Nebenregierung, Fehmgericht und Nevolutionstribu- nal. Alles was die Revolutionäre unauffällig greifen können, wird dorthin geschleppt, „gerichtet" und dann an die Peripherie der Stadt gebracht und dort erschossen. Als Scharfrichter figurieren in der Regel halbwüchsige Juden. Diese horrenden Zustände duldet der Gouverneur, von dem man sagt, er habe sich mit dem Zentrum der Revolution „verständigt", sodaß er für seine Person nichts zu fürchten hat. Jn- tcrcffant ist es, wie die Herren Sozi hier Vorgehen. Sie verbieten, den Hausbesitzern die Mieten zu zahlen, wählen für das betreffende Haus einen „Delegierten", der die Mieten einkassiert und an jenen lettischen Verein abführt. Beschwert sich der Hausbesitzer, so wird ec mit dem Tode bedroht. Banden überfallen auch in Riga isolierte Wohnungen und Geschäfte und verlangen unter Drohungen Waffen und Geld. Die Polizei ist so gut wie ganz verschwunden.
Die „Ostpreußische Ztg." entnimmt aus dem Briefe eines livländischen ArzteS an seinen in Königsberg lebenden Bruder folgende ergreifende Schilderung:
„Es ist wieder wie 1560, als der Orden aufflog und Deutschland uns dem Verderben überließ. Damals war Deutschland geteilt und schwach, heute geeint und stark, aber es sieht ruhig zu, wie seine größte und älteste Kolonie, die wir 700 Jahre in Not und Tod gehalten haben, zu Grunde gerichtet wird. Beim liberalen reichsdeutschen Bürgertum dreht sich ja die Politik um den Magen (siehe das Gerede über dir Fleischnot> und den Geldbeutel (siehe die kläglichen Verhandlungen über die Nrichsfinanzreform). Viel esten und wenig zahlen, bas ist das A und das O aller Nebrrleguug. Was mich anbelangt, so will ich auf meinem Posten bleiben, so lange ich kann. Kommt daS Ende, so flüchte ich nach Dorpat und mache die
Es war aber auch ein Skandal, wie teuer Hamburg allmählich wurde, und welchen Luxus die Leute allein mit Blumen trieben. Herr von Singen konnte doch kein Sträußchen schenken, es mußte schon ein Strauß sein.
Papa mußte schon die leidigen Rechnungen begleichet..
Aber Exzellenz war metTroiirbig guter Stimmung. Zwar schüttelte er den Kopf, als er die Höhe der Summe erfuhr, aber schließlich kam Hanns dadurch doch nicht zu kurz.
Egon würde ja auch einmal vernünftig werden, und — schließlich — Blumen schenkt man an Damen. Rechnungen aus Konfektionsgeschäften wären ihm unangenehmer gewesen.
Aller Wahrscheinlichkeit nach war dies Weihnachtsfest sein letztes: er tvollte cs nicht sich, nicht dem Sohne verbittern.
„Nun fällt alles andere schmal aus", meinte der alte Herr und steckte die Papiere in die Tasche.
„Hm!" erwiderte Egon langsam. „Nun ja, dec Gaul kann auch noch bis zum Frühjahr warten."
„Was heißt das? Tu bist doch sehr gut beritten."
„Aber nur einen, Papa. Das war zu Deiner Zeit anders. Da konnte man als Adjutant mit einem Gaul cuiskommcn, aber heute? Man muß doch auch ein Bild schmeißen."
„Nein, mein Freund, diesen Zahn lasse Dir ge- sälligst ausziehen. Noch haben wir keine berittene Infanterie. Da hättest Du ja von vornherein zur Kavallerie gehen können."
„Wollte ich ja."
Egon sah mißmutig.vor sich hin. Daß er seinen wertvollen Hunter bei den Herbstschnitzeljagden total zu schänden gemacht hotte und ihn nun für efn Butterbrot würde fortgeben müssen, mochte er nickst cingestehcn. ...
Bartholomäusnacht durch, indem ich mit meinen Landsleuten kämpfe und falle. Solltest du von mtr nichts mehr als die Todesnachricht bekommen, so sei überzeugt, daß ich bis zum letzten Augenblick treu zur deutschen Sache gehalten habe."
Ein jeder Zusatz würde die berechtigte Bitterkeit dieser Worte abschwächen. Unwillkürlich fragt man sich, wie würde die englische Regierung Vorgehen, wenn die deutschen Interessen in den Ostseeprovinzen zufällig englische wären?
Ferner wird der „D. Z." der Brief eines deutschen Oberlehrers aus Goldingen zur Verfügung gestellt, in dem eS heißt:
„Auch unser ruhiges Städtchen ist jetzt vollkommen in den Händen lettischer und jüdischer Sozialdemokraten. Montag (wohl am 11. Dezember d. früh) bemächtigten sie sich der Stadt, veranlaßten die Polizei abzudanken, organisierten eine Miliz und bereiten neue Wahlen vor. Jeder Widerstand ist aussichtslos, da sofort von den Sozi geschossen wird, und sie alles terrorisieren. Die Handelsschule, an der ich wirkte, wird von der Stadt unterhalten, nunmehr zahlen die Herren Sozi nicht unsere Gagen aus und wir sind dem Hungertods preisgegeben. Außerdem liegen die Verhältnisse so, daß bei Beginn einer Reaktion sofort eine Deutschenhetze ansbricht, was nur eine Frage der Zeit ist. Ich zittere nicht für meine Person, sondern für Frau und Kind".
Auf der baltischen Bahn ereigneten sich in der Nacht auf den 27. Dcz-mber mehrere Unglücksfülle. Nach Mitternacht stürzte hon einer Brücks bei Rausik, 71 Kilometer von Reval, da die Schienen aufgerissen waren, die Lokomotive eines Personenznges ins Wasser; einige Wagen wurden zertrümmert, die Zahl der Opfer ist unbekannt. Wegen te§ gestörten Drahtverkchrs konnte nickst festgestellt werden, ob das Gerücht, ein nach Rev il gehender Militärzug mit Mannschaften der Garde zu Pferde sei verunglückt, begründet ist. In berfe^en Nacht entgleisten bei Narwa hintereina! der zwei nach Petersburg fahrende Güterzüge. Die Wagen der Züge wurden zerstört. Auch hier war der Unglücksfall böswillig herbeige- sührt.
Die Streik- und Ausstannsbewkgnng.
Petersburg, 28. Tez. (W. B.) Aus Moskau wird gemeldet: Der allgemeine Ausstand ist hier im Erlöschen. Die Ordnung ist wiederhergestellt. Die Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag verlies ruhig. Heute scheint der Kampf ganz zu erlöschen.
Petersburg, 28. Dez. Das Semenowsche Leibgarde-Regiment, das nach Moskau abging, steht unter General Stackeiberq, der auch wichtige Befehle an den dortigen Eeneral- gouverneur Admiral Doubasow mitnahm. Das Semcrowsche Regiment führt auf drei Tage Proviant mit, ferner 195 000 Patronen. Der Ausstand hat jetzt auch die Umgegend von
So war ihm Hanns Eintreten ein willkommener Vorwand, den geordneten Rückzug aus Vaters Zimmer antreten zu dürfen, aber sie hinderte ihn daran.
„Bleib, Egon," sagte sie mit ruhiger, wenn auch leicht vibrierender Stimme. „Ich habe mit Papa zu sprechen und wünsche, daß Du habet bist."
„Herr Gott, das klingt ja ordentlich feierlich," meinte der fange Leutnant. Er ging zum Fenster, wo er mit dem Rücken gegen dasselbe stehen blieb. „Hast Du etwa unbezahlte Wirtschaftsrcch- mtngcn?"
Sie achtete auf diese Worte nicht, trat vielmehr rasch zu Exzellenz, welcher aus dem Sopha saß und sah ihn an.
„Nun, was haft Du denn, Kleine?"
„Ich--doch ich will mich lieber zu Dir
setzen, Papa."
Gewohnheitsmäßig zupfte sie, als sie neben ihm saß. die seidene Decke auf feinen Knien zurecht. „Ja —"
Sie stichle einen Augenblick nach Worten, dann sagte sic mit völlig klarer und fester Stimme:
„Du hast einmal den Wunsch mir gegenüber geäußert, Papa, Du möchtest deit Mann kennen fernen, welcher mein Gatte werden soll. Du ent» sinnst Dich, Väterchen, damals —"
„Gewiß, Kleine, entsinne ich mich. Willst Du damit sagen, daß er —?"
„Ja, Papa, das will ich. Ich habe die Absicht, mich zu verloben."
Exzellenz richtete sich rasch auf, Egon aber ließ vom Fenster her einen pfeifenden Ton vernehmen.
„Donnerwetter," sagte er, „das geht ja höllisch eilig. Etwa Schwarzenberg? Du, daS verbitte ich nur. Der hat mich beim ersten Pferdekanf derartig über die Löffel barbiert, daß ich mir jetzt
Moskau ergriffen, daS Militär ist teilweis» total erschöpft, viele Offiziere muffen daS Kommando niederlegen, da sie von Nervenerschütterungen befallen werden. Bis jetzt ist eS noch nicht gelungen, dis Revolution nieder^ufchlagen, Die Zahl der bewaffneten Revolutionäre ist immer noch sehr bedeutend, vier Maschinengewehre englischer Konstruktion gehören ihnen und find unaufhörlich tätig. Gestern wurden 30 Häuser demoliert. Die Stadt brennt an verschiedenen Stellen infolge des furchtbare« Artillerieseuers. Ein großer Teil der Einwohner ist in den Flammen umgekommen; wem die Rettung gelang, der wurde unter einen Kugelregen genommen, wobei zahlreiche Opfer fielen. Die Kanonade dauerte den ganzen gestrigen Tag an. Raub und Plünderung find an der Tagesordnung. („L.-A.")
Petersbu r g, 27- Dez. AuS Moskau wird gemeldet, daß die Insurgenten Sturmangriffe auf den Nikolaibahnhof und auf den Kasanschen Bahnhof machten, aber von den Truppen erfolgreich zurückqeschlagen wurden. DieRevolu- tionäre errichteten von neuem eine Barrikade an der Sadowaja.
Moskau, 28. Dez. Die radikalen Parteien zeigen bei der gewaltsamen Aufforderung, sich dem Ausstande anz'sschließen, weniger Energie als bisher. Die gemäßigten Arbeiter geben ihre Absicht kund, die Arbeit wieder aufzunehmen. In einigen Fabriken jenseits der Moskwa rauchen bereits bie Schornsteine.
Warschau, 28. Dez. In dem Städtchen Whsokl Mazswieckie, Gouvernement Suwalkie, drang eine bewaffnete Bande in daS Bureau der Kreiskasse und raubte eine halbe Million Rubel. Die Täter entkamen. Die Kämpfer für die „Freiheit" verstehen sich also auch auf materielle Vorteile k Dem „L.-A." werden folgende Einzelheiten berichtet:
In der Nacht zum 27. Dez. organisierten die Revolutionäre einen bewaffneten Ueberfall auf die ' Staatskreiskaffs in der Kreisstadt My^okie- Mazowiecki, Gouvernement Lomfcha. Während der Ausführung der Tat wurde der ganze Markt durch 80 Mann bes etzt gehalten. Die Polizei flüchtete, Mckitär war nicht antoefenb, nachdem am 24 d. M. die einzige Rotte, welche bisher die Garnison der Stadt ausmachte, nach Riga auS- marschiert war. Den schwachen Widerstand, den einige Nachtwächter leisteten, brachen die Revolutionäre mit Waffengewalt. Die Kasfen- tür wurde mit Pvroxilin in die Luft gesprengt und 486000 Rubel geraubt, davon 20 000 in Gold, 300 000 in Papiergeld, 160,000 in Silber. Dann flüchteteten die Täter in fünf verschiedenen Richtungen, teils mit ber Bahn, teils zu Pferde. Ein Polizist, der einen von ihnen verfolgte, wurde getötet. Die Telegraphenleitungen waren vorher durchgeschnitten worden.
noch blamiert vorkomme. Dazu bekommst Du meine Einwilligung nie."
„Egon, ich bitte!" sagte der General in etwas schärferen Ton, als sonst seine Art war. Dana faßte er der Tochter Arm und fuhr sichtlich erregt fort:
„Du — Kleine — Du willst Dich verloben? Nun verstehe ich Deine Erregung von gestern. D« hättest es mir doch schon sagen können."
„Das hätte ich auch getan, wenn nicht Egons Ankunft schon bestimmt gewesen. Ich tvollte es Euch beiden zusammen erzählen."
„Mag es so sein. Aber wenn ein Mädchen sich verloben will, muß es auch einen Anttag bekommen haben, nur der Mann kann vorher sagen
i will es. Er hat die Initiative. — Kenne ia
ihn? —"
„Nein, Papa."
Ihre (Stimme bebte leicht, wurde dann aber ganz fest, als sie sagte: „Doktor Hans Oertel." !
„Wie?" Der alte Herr sah die Tochter halb erstaunt, halb erschrocken an, vom Fenster her aber ertönte Egons Stimme:
„Ich verstehe Oertel — bloß Oertel — Doktor Oertel — Hanns, Du bist wohl nicht recht bei Tröste?"
„Egon, ich bitte Dich dringend," rief Exzellenz, dein alle derartigen Redewendungen ein GreuÄ ivareu. Wenn ich richtig verstand, Hanns, heißt dieser Herr Doktor Hans Oertel, — Arzt? —* oder was?"
Hund an.
'(Fortsetzung folgt.) '
„Er ist Schriftsteller, Papa," erwiderte sir leise. Ich (ernte ihn an dem Tage kennen, als ich im Oktober hierher kam; wir haben verschiedene Briefe gewechselt: neulich sah ich ibn lin wieder Gestern hiett --- um meine