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mand, den Du gar nicht kennst; — ich habe cs übrigens auch noch nicht gesehen."
Sie bemühte sich, den Knoten zu losen, de» der Bindfaden machte, und sie griff zur Papier, schere, diesen gordischen Knoten zu losen.
So? — Wer denn? — Den ich nicht kenne? „Jemine!" laclste er. „Bist Du neugierig! Sie lietz sich aber nicht stören, wickelte d,e um- hüllung ab, nahm den Deckel des kleinen Papp, kartons ab und hielt einen einfachen Metall, rahmen mit dem Kabinettporträt einer Mnge« Dame in der Hand.
„Hanns" stand mit großen, mächtigen Buch, staben darauf geschrieben und diese Schrift kannte sie doch? Briefe mit dieser Schrift bekam ja der Bruder von Zeit zu Zett.
Sie sah das Mld an, dann ihn.
„Hanns?" fragte sie zweifelnd. „Hanns vo« Lingen?"
Er nickte. - . . . . _,.rx
Sie legte das Mld vorsichtig auf den Tisch,, dann aber sprang sie dem Bruder mit einem Sass an den Hals, umarmte und küßte ihn sürrmisch
Dann aber nahm sie das Bild wieder und
gab sie Dir für mich? — So mußt D» sie doch gesehen und gesprochen haben?
„Habe ich auch. Kleine." . J
.Deshalb kommst Du nicht zu Tisch, laßt mich tvarten und sagst nicht einen Ton, kein Sterbens« Wörtchen vorher."
Er zog Marqa auf das Sofa zu sich und cfr: zählte ihr, wie das so kam. Das Gluck und <ne Freude machten ihn so unendlich mitteilsam.
Marga hielt immer das Mld tn der Hf>"^ blickte es von Zett zu Zett an, und ein glücklich«, Lächeln umspielte ihre Augen und den klein« Mund. . ■ u -x -• M \
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< Nachdruck verboten.)
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laden wir zum Bezug unserer Zeitung höflichst ei«.
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Die Brücke.
Roman von Willy Scharlau.
(Fortsetzung.)
Natürlich war Hanns von Lingen noch nicht da, aber nur eine Viertelstunde brauchte er zu warten.
Jetzt konnten sie miteinander plaudern. Sie erzählte ihm von ihrem Wilhelmsburger Leben, mehr als er bisher davon wußte, er von Friedenau. Dann fragte sie nach Marga.
Wie er über die Schwester sprach, mit welcher Liebe, welch warmem Eifer. Nicht Lobes genug hatte er für sein kleines blondes Hausmütterchen, dies halbe Kind, welches chn bemutterte.
Hanns hörte still zu allem zu, was er sagte. Es war ihr wie ein Geschenk, daß sie ihn so feit« nen lernen durfte.
Damals in der Eisenbahn sprach der.kluge Mann, sie hörte aus seinen Worten den scharfen Verstand, den denkenden Menschen, den ehrgeizig und arbeitsam schaffenden geifttgen Arbetter, jetzt vernahm sie von seiner Seele. , Sie entdeckte den großen Schatz von Liebe, der in ihm lag, hörte, wie er aufging in dem Streben, ein geliebtes Wesen froh und glücklich zu machen und selbst sein Glück in diesem Bemühen zu finden.
Sie war nahe daran, die Schwester des so eifrig Sprechenden zu beneiden.
Vor .Hanns von Lingen lag auf dem Tisch ein kleines Poketchen, das ihn schon vorher zu der Bemerkung veranlaßte, es sei doch unbedingt nötig, daß ihr jemand bei der Beförderung ihres Handgepäcks behilflich fei.
Jetzt nahm sie es mrd sagte:
„Ihre Schwester möchte mich gern kennen lerne«. Später wird sich ja auch vielleicht eine Per,
Der lokale und provinzielle Teil enthält die neuesten Ereigniste in der Stadt, aus der Umgedaaa. der Praüi«, und den angrenzenden Gebieten, Ber> famml««gS» und BereinSbericht«, interessant« Rachrichte» aus allen Gebieten des öffentlichen Lebe«s, besonders Zeit- «ud Streitfrage« a«s der Kammnnal-alttik.
Neueste Telegramme.
Berlin, 27. Dez. Zur Förderung der Sonntagsruhe wird im Februar 1906 im ganzen Reichspostgebiet die Paketbestellung an Sonn- und Feiertagen mit Ausnahme von Eilsendungen ausgehoben. Probeweise ist diese Maßregel bereits seit einem halben Jahr im Overpostdirektionsbezirk Berlin eingesührt.
Berlin, 24. Dez. Reichskanzler Fürst Bülow hat für die Schule der deutschen Schulgemeinde in Rom eine reichhaltige Sammlung von Lehrmitteln zufammenstellen und fte der Botschaft in Rom mit dem Auftrage zugehen lasten, die Sammlung zu Weihnachten ihrer Bestimmung zuzuführen und dem Schulvorstande die besten Wünsche für die weitere Entwickelung der Schule zu übermitteln.
Wie«, 24. Dez. " Die Verhandlungen, die im Eisenb^hnministerium mit den Vertrauensmännern der Böhmischen Nordbahn stattgefunden haben, führten zu einem günstigen Ergebnis. Hierdurch ist die Gefahr einer passiven Resistenz behoben.
Rom, 24. Dez. Das neue Ministerium ist wie folgt gebildet: Fortis Vorsitz und Inneres, San Giuliano Aeußeres, Dacchelli Finanzen- Gorio Ackerbau, Tedesco Arbeiten, de Marinis Unterricht, Marsengo-Bastia Post, Mainoni Krieg. Au^er Fortis bleiben von alten Ministern noch Carcano (Schatz), Finoc- chiaro-Aprile (Justiz) und Mirabello (Marine).
Prtersdnrs, 24. Dez. Amtlich wird mit- oeteilt, daß die beunruhigenden Meldungen der „Nowoje Wremja" über eine gefahrdrohende Ausbreitung der Pest in der Bukejewschen Horde der Kirgis-Kosaken (Gouvernement Astrachan) völlig unbegründet sind. Seit dem 13. Dezember ist kein neuer Pestfall dort vorgekommen.
LiMdo«, 24. Dez. „Daily Telegraph meldet aus Tokio: Infolge der in China herrschenden Gärung ist es wahrscheinlich, daß das Vorhaben, die fremden Garnisonen aus China zurückzuziehen, nicht zur Ausführung kommt.
New York, 24. Dez. Zwei Regimenter Infanterie und zwei Batterien erhielten Marschorder nach Manila mit einer für hiesige Verhältnisse kurzen Vorbereitungfrist bis zum Reisetag, dem 1. Februar. Da ferner keine Trnvpen dafür aus dem Philippinen-Archipel zuruckberufen werden, schnitt es sich zu bestätigen, daß die amerikanische Regierung neue Unruhen in China befürchtet.
Konftantmopel, 24 Dez. (Wiener Korr.- Bur.) In dem perfisch-türki'chen Grenzstreit ist eine Verschärfung eingetreten, da die Türkei zwei neue Punkte besetzt hat. Als sie weiter vorrücken wollte, stieß sie auf persische Truppen. Persien hat eine Denkschrift über den Grenzstreit an Rußland und England, die Vermittler des Grenzregulierungsvertrages gesandt.
Die Oberhessische Leitung
stets wachsenden Auflagehöhe das größte, «eiftgeletevtte und a»«efehe«ste Blatt i« Marburg und den angrenzenden Kreisen. Sie eilt als das Organ der Gebildeten aller Stände.
Der 'p jährliche Be;u«s-rei8 'K .Oberhesstsche Zeitung' mit dem beiüwn- Een amtlichen Kreisblatt, dem Illust r. Sonutaasdlatt und der Landwirt- fchaftltche« Beilage beträgt nur 2 Mk. bei der Expedition, 2.25 Ml. bei den Postanstalten.
Der allgemeine u. uvterhalieude
t bringt spannende Romane, klein eie «Xvll Feuilletons, Theater« u Musik- und Knnstdesprechnnse«, Howschul- «achrichte«, ferner in zwanoloier Reihenfolge erscheinende R»«dscha«artikel populär-wiffenschastliche« Inhalts, M«dt- zinische, juristische usw. Rundschau, Aus Schul« und Kirch«, Heer und Flott«, A»S »et Frauenwelt «ud für di« Kraue«, di« vielen Anklang gefunden haben.
Die revolutionäre Bewegung in Rußland.
Tie Not des Deutschtums in den Ostseeprovinzen.
Der Dampfer ..Deutschland", der, von Riga kommend in Lübeck eintraf, war mit russischen Flüchtlingen überfüllt. Viele von ,ihnen waren Gutsbesitzer aus den russischen Ostseeprovinzen, deren zum Teil nur recht. geringes Gepäck das einzige darstellte, was sie bei ihrer schnellen Flucht batten retten können. Alle bekundeten, daß tue Zustände in den baltische« Provinzen jeder Beschreibung spotteten; die Regierung sei voMändig machtlos. Wahrscheinlich sei zurzeit kein einziger Gutsbesitzer mehr auf seiner Besitzung zu fmden. Diejenigen, welche nicht rechtzeitig nach den Städten fliehen konnten, werden wahrscheinlich der Wut der Bauern zum Opfer gefallen sein. Alle ausländischen Dampfer seien von Flüchtlingen überfiillt, nnd trotzdem harrten noch viele Hunderte von Mensche« a'ff eine Gelegenhett zur Flucht. Gerade am Tage der Absabrt des Dampfers „Deutschland" von Riga, am 19. d. M. sollte dort eine große Hetze bemnnen. Wie sich die Streikenden Waffen verschafften, darüber erzählte ein russischer Auswanderer: Als der Generalstreik proklamiert worden war. strömten die Arbeiter einer Stahlfabrik plötzlich wieder in die Fabrik zurück und verarbeiteten fast alle erreichbaren und geeigneten Stahlvorräte zu Schwertern. Dolchen, langen Messern usw., und mit diesen Waffen tn der' Hand trat man dann den Sicherheitsmannschaften entgegen. Derselbe Mann behauptete auch, daß in Riga in den letzten Tagen zahlreiche Mordtaten an gutsituierten Bürgern verübt wor. den seien. Dasselbe wird auch aus Libau gemeldet.
Der Kamps um die Stadt Tuckum.
Heber die Schlacht und die Eroberung von Tuckum am 17. Dezember teilen russische Blätter jetzt folgende interessante Einzelheiten mit:
Die seit lange in Tuckum beobachtete Gährung nahm in letzter Zeit einen sehr akuten Charakter an. Zur Vorbeugung eines offenen Aus'tandes waren 8 Kompagnien Infanterie, 2 Eskadronen und 1 Feldbatterie hierher verlegt worden. In der Nacht zum 30. November (3. Dez.) wurde die eintreffeude Kavallerie im Zentrum der Stadt einguartiert. ein Teil derselben schlug ihr Nachlager im Hofe eines Gasthauses auf. Als sich die Dragoner zum Schlafen niedergelegt hatten, stand das 'Gasthaus auf einmal von alle« Seiten in Flammen, das Tor war von außen gesperrt und hinter demselben auf der Straße Drahthindernisse errichtet. Aus dem von Flammen ergriffenen Haufe sich rettend, erbrachen die Dragoner das stark verbarrikadierte Tor und stürzten auf die Straße, wo sie von Salven aus den Häusern, hinter den Ecken hervor und sogar vom Glockenturm der Kirche aus empfangen wurden. Fast alle I Dragoner waren getötet oder verwundet. Wie durch ein Wunder war es 1 Offizier und 2 Dragonern gelungen, sich zu retten, die Alarm schlu- I gen, worauf Infanterie auf den Straßen erschien; I doch auch sie wurde aus den Fenstern mit so star- I fern Feuer empfangen, daß man sie aus der Stadt
I sönliche Bekanntschaft ermöglichen lassen. Vor- I läufig aber muß sie sich hiermit begnügen. Sagen I Sie ihr aber, ihr Wunsch ist auch der meinige." I Er nahm das Paketchen und dankte herzlich.
„Darf sie selbst Ihnen das schriftlich aus- I drücken?" fragte er.
I „Danken nicht, aber einmal schreiben. Ich I holte mir vorhin längst bestellte Mlder ab. Dre I Aufnahme ist nicht neu, aber man sagt, das Bild I sei ähnlich."
j Weshalb mußte Hanns von Lingen auf ein« I mal so rot werden? Ganz insgeheim dachte sie, I das kleine Geschenk fei ja mehr für ihn bestinmtt I als für die unbekannte Marga. Und wenn er I nun dasselbe dachte wie sie?
Oertel hätte am liebsten ihre Hand ergriffen I und geküßt, denn er dachte in der Tat dasselbe I wie sie. Aber ringsum waren Menschen, und I nicht für alle Schätze der Welt hätte er einem I dritten mitgeteilt, was ihn bewegte.
I Hanns von Lingen aber bemerkte es doch. Sie I war glücklich. ’ t ±
Und dann standen sie sich gegenüber, .getrennt I durch die schon geschlossene Tür des Abteils. Sie I sprachen nicht mehr miteinanber. Als sie ihm aber I die unbehandschuhte Rechte zum..Abschied reichte, I beugte er sich über dieselbe und küßte sie.
I Hans Oertel kmn nach Haufe mit dem Gefühl, I als müßte er die Welt aus den Angeln heben oder I eine ganz fürchterliche Dummheit begehen. Letz- I teres so sehr, daß er nach einem Abenteuer form- | lich lechzte. Ohne alle Gefahr gelangte er nach | Haus und in fein Zimmer. Dann rief er nach
Marga, die eilig herbeikam. ,
„Hier, „Kleine", sagte er, und sein Gesicht sah so merkwürdig aus, daß es ihr auffiel. So blickte er stets drein, wenn ganz ungewöhnlich Angenehmes ihm zusfieß. „Da nimmk Aber .es ist nicht von mir. Das schickt Dir jemand — y>
führen mußte. Die Infanterie erhielt den Befchl eine Kette um die Stadt zu bllden, und die in cec Nähe auf Anhöben postierte Artillerie gab vier Granatschüffe auf die Stadt ab. Das rief mttac den Aufständischen eine entsetzliche Verwirrung hervor, in der Panik eilten sie aus der Stadt unversuchten durch die Militarkette zu breche«, überall jedoch vom Feuer empfangen, kehrten sie in die Stadt zurück. Dem Stadthaupte wurde zu wissen gegeben, daß das Bombardement, von neuem beginnen werde, wenn die Aufständischen nicht bis 9 Uhr moraens die Waffen übergeben. Die Stadt hißte weiße Flagge«, beim Komman- Gierenden erschienen Deputierte mit Brot und Salz, ein Teil der Waffen wurde sofort übergeben. Die Aufständischen waren gegen 4000 Personen stark, von deiwn einige Hunderte ge- tötet und verwundet wurden. — Von Rechtswegen hätte man das revolutionäre Gesindel vom ersten bis zum letzten Mann über die Klinge springen lassen sollen.
In Kurland sind die aufständischen Letten an vielen Orten Herren der Lage, so in Windan, Friedrichstadt, Frauenburg, Goldingen, Kandau und Seßmaken. — In Windau überfiel di« Menae im Hafen den Dampfer „Zito", der auf der Fahrt nach Riga eingelaufen war, die Pasta- giere wurden ausgeschifft, die Fortsetzung der Fahrt unter Androhung von Einäscherung des „Zito" und aller anderen Schiffe im Hafen ver boten. „ , _
Vereitelte Rettungsversuche?
Memel, 23. Dez. Das „Memeler Dampfboot" meldet, daß der Dampfer „Kehrwieder" in der Nackt von gestern auf heute um elf Uhr in Memel eingelaufen sei und berichtet habe, daß die Revolutionäre den Hafen in Riga gesperrt haben sollen. Der „Kehrwieder" lief, um eventuell Flüchtlinge zu befördern, am Freitag in Libau ein. In Libau war Freitag früh der Ge- neralitreif proklamiert worden. Die Revolutionäre wollten feine Schiffe ausfahren lassen, Hafen befanden fick der schwedische Dampfer „Balfic" und der Dampfer „Coronia"; beide Schiffe wurde« mit Steinen bombardiert und eS wurden Schüsse auf sie abgegeben, als sie auslau- fen wollten.
Eine Privatdepefche ans Windau meldet, daß in diesem Ostseehafen ein deutscher Passagier- bambfer von Aufständischen gezwungen worden ist flüchtige Passagiere wieder auszuschiffen, imd daß man ihn durch Drohungen verhindert hat, di« Reise nach Riga fortzusetzen.
Die deutsche Hilfsaktion.
In M e m e I und Pillau sind Vorbereitun- gen getroffen, durch die für die Flüchtlinge aus den rilssischen Ostseehäfen die erste Aufnahme und ärztliche Fürsorge und die weitere Unterbringung gewährleistet werden. Die Militärbehörden stell- ten in Pillau die Zitadelle, in Königsberg die Räumlichkeiten der Fortifikation zur Verfügung. Hierdurch wird die Möglichkeit gegeben, auch, unbemittelten Obdachlosen in größerer Zahl bei etwaigem Eintreffen Unterkunft zu gewahren. Auch die hiesige Bürgerschaft zeigt sich opferwillig und gastfreundlich für die Aufnahme von Flüchtlingen.
Königsberg, 26. Dez. Wegen schweren
Der Zuhalt der Zeitung ^««r reichhaltig und trägt den Lesebedürf- uisten und Interesse« aller VotkS- schichte« Rechnung. Der besteren und vielseitigen Ausgestaltung wird fortgesetzt die größte Aufmerksamkeit gewidmet.
Der politische Teil
biete der inneren ««B auswärtige« Politik, deren Fragen von einem streng nationale«, im besten Sinne konservativen, aber wo er angebracht ist auch freimütigen Standpunkte behandelt werden.
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Reckamm: die Zeile 25 Bia. “ » <> >