ArksmeM
—B 1906 E—
laden wir zum Bezug unserer Zeitung höflichst ein.
Die OberhrsMe Zeitung ’ti“ stets wachsenden Auflagehöhe das größte, meiftgelekentte und angefehenfte Blatt in Marburg und den angrenzenden Kreisen. Sie eilt als das Organ der Gebildeten aller Stände.
Der 1, jährliche Bezugspreis L .Oberhesstsche Zeitung' mit dem beiliegenden amtlichen KreiSdlatt, dem Jlluftr. Sonutaasblatt und der Landwirt- fchaftltcheu Beilage beträgt nur 2 Mk. bei der Expedition, 2.25 Mk. bei de» Postanstalten.
Der Juhalt der Zeitung *tir reichhaltig und trägt den Lesebedürs- nisten und Interesse« aller Volksschichte« Rechnung. Der besteren und vielseitigen Ausgestaltung wird fortgesetzt die größte Aufmerksamkert gewidmet.
Der pelitische Teil &&SÄ biete der iuuere« e«6 auswärtigen Politik, deren Fragen von einem streng nationalen, im besten Sinne konservativen, aber wo er angebracht ist auch freimütigen Standpunkte behandelt werden.
Der allgemeine u. unterhaltende
| bringt spannende Romane, kleinere ^■*11 gtnineto«8, Theater-u Mnstk- und Kunstbrsprechunge«, Hockichul- «achrichte«, ferner in zwanaloter Reihen- folge erscheinende Rnndfchanartikel populär-wissenschaftlichen Inhalts, medizinisch», juristische usw. Rundschau, Aus Schule «ud Kirche, Heer «nd Flotte, AuS der Frauenwelt «nd für die Frauen, die vielen Anklang gesunden haben.
Der lokale und Mtttnzielle Teil enthält die neuesten Ereigniste in der Stadt, aus der Umgebung, der Prodi«, und den angrenzenden Gebieten, Ber> sammlungS- und Dereiusberichte, iuteressa«t» Nachrichte« aus allen Ge- bieten des öffentlichen Lebens, besonders Zeit- «nd Streitfrage» a«s der KommuNalpolitik.
Der Nachrichtendienst Zeitung' ist^ein ausgedehnter. Telegraphisch« und tele- dhonische Bedienung von Frankfurt und Berlin durch das Wolsstsche Tel.-Bureau. Eigene Parlameutsbertchte aus dem Reichstage und dem preußischen Landtage. Außerdem besitzt die Zeitung zahl- reiche Korrespoudeule« u. Mitarbeiter.
Der wirksame Erfolg aller Au-
ist in der .Oberhess. Zig' ge- jktgkll sichert durch deren Verbrel- tttttg in Stadt und Land und durch Sediegene, kunstvoll« Ausstattung des nseratenteilS.
Erstes Blatt
i Nachdruck verboten.)
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richtungen, seiner Religion und Sprache zu leben, muß e» mit Rußland eng verbunden bleiben.
Am Schluffe, unter der Teilüberschrift .Die verständige Lösung', heißt eS: Was not tut, ist: Polen darf nicht einer isolierten Truppe gleichen, die Deutschland zur Gefangenen machen und seiner Armee einverleiben könnte, um ste gegen Frankreich marschieren zu lassen, sondern es muß eine Avant-Garde Rußlands sein, die immer mit diesem Staate in Kontakt bleibt, die wie ein Keil dem deutschen Reich in die Flanke getrieben ist. Wenn ein Polenreich möglich sein soll, muß Deutschland seine Kräfte bei einem Unternehmen aufgebraucht haben, das feiner Macht nicht gewachsen ist.
Das zur Charakteristik der Behauptung, daß die polnische Propaganda sich durchaus auf friedlichem Boden bewege und keine Beunruhigung für das gute Einvernehmen der drei Teilungsmächte in sich trage!
„Sie haben wohl das Kursbuch auswendig ga lernt?" fragte sie schalkhaft. „Wenn Sie aber nur meines Gepäcks wegen kommen, brauchen Snl sich nicht zu bemühen. Ich besitze manche werk liche Eigenschaften nicht, zum Beispiel die vieler .Handgepäck«. Man macht sich in der Tat en Vergnügen daraus, mir die Einkäufe nach Wil- Helmsburg zu schicken." _
Oertel machte ein komisch bedauerndes Gesicht«
„Aber ich werde mich trotzdem freuen, <5ie noch einmal zu sehen. Also auf Wiedersehen!"
Er half ihr in den Wagen und wollte sch« den Schlag zumachen, als sie rasch sagte:
„Heißt es Ihre Güte mißbrauchen, wenn «1 Ihnen mitteile, daß ich aller Voraussicht na« früher auf dem Bahnhof sein werde als um fünf Uhr dreißig?"
Oertel wurde rot vor Freude. ,
„Wir können zusammen Kaffee trinken ime Sie erzählen mir von Marga — wollen Sie?
Er faßte ihre Hand, die sie ihm entgegen« streckte: ein fester Händedruck, der Schlag siel zu, der Wagen rollte davon.
Hans Oertel ging wie im Traum davon. Dar nxtr doch unendlich mehr, als er zu hoffen gewagt. Er konnte ja ihrem Herzen nicht gleichartig fein, oder — nein, das alles sprach zu deutlich.
Noch vor einer Stunde ging sein Wünsche« nicht weiter, als sie wieder zu sehen, setzt verstiegen sich feine Gedanken höher, weit höher.
Aber nach Hause konnte er jetzt nicht, cal kleine Mädchen mit dem klaren Blick würde ihm sofort ansehen, waS geschehen.
Er telegraphierte, daß er vor sieben Uhr nichp nach Hause kommen würde, versuchte in einem Restaurant zu esien, in einem Kaffee ZeituncwA zu lesen, auf einem Spaziergang die auf ihn etru stürmenden Gedanken los zu werden, und toal schon Punkt halb fünf Uhr auf dem Lehrtest Bahnhof. (Fortsetzung folgt.) '
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und vertag' Joh.Aug.Koch, UniversMEuchdruckerei 40, 3w)t6» Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Umschau.
Können wir unsere Flotte rascher ansbauku?
In der Sitzung des Reichstages vom 9. Dezember ist als Entschuldigung dafür, daß die neue Marinevorlage einen rascheren Ersatz der minderwertigen Kriegsschiffe nicht vorfieht, folgendes angeführt worden:
1. Die ungenügende Leistungsfähigkeit unserer Werften.
2. Der Mangel an ausgebildetem Personal.
3. Der Umstand, daß die Erfindungen auf dem Gebiete des Schiffbaues sich heutzutage zu sehr überstürzen.
Zu 1. Leistungsfähigkeit der Wersten : Die Kaiserlichen Wersten haben keinen einzigen Panzerneubau auf Stapel. Auf der Germaniawerft liegt das Panzerschiff Q auf Stapelj die beiden anderen für den Kriegsschiffbau eingerichteten Hellingen stehen leer, weßhalb die Werst alle Anstrengungen macht, um in Brasilien, Argentinien und Chile Aufträge zu erhalten, um ihre Arbeiter zu beschäftigen. Bei Schichau liegt ein Panzerschiff R, auf der Weserwerft und bei Blohm & Voß je ein Großer Kreuzer auf Stapel, das ist alles, was an größeren Neubauten unsere Werften beschäftigt! Außerdem ist zu bemerken, daß unsere Werften bereit und in der Lage find, die Zahl ihrer Hellinge sofort zu vermehren, wenn fie wissen, daß ihnen auf mehrere Jahre neue Schiffbauten gesichert sind.
Zu 2. Mangel an ausgebildetem Personal: Im Jahre 1905 find rund 2700 Köpfe mehr in die Marine eingestellt worden als tm Jahre 1904. Es dürfte wohl keine unüberwindlichen Schwierigkeiten bereiten, diese Zahl einem
Die Polengrsahr.
Die polnische Preffe und die parlamentarische Vertretung des PolentumS bestreitet beharrlich, daß die allpolnische Propaganda auf das Ziel hinarbeitet, die vor der Teilung Polens bestehende politische Lage wiederherzustellen unb einen unabhängigen Polens!aat wieder aufzurichten. In der Tat vermeidet eS die polnische Agitation in der Preffe und, den Versammlungen nicht nur, solche Absichten ausdrücklich bekannt zu geben, fie läßt es sich sogar neuerdings angelegen sein, ausdrücklich zu erklären, daß kein Mensch an die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Polens denke. Wie steht eS aber in Wahrheit damit? Die Antwort darauf findet man in der ausländischen Preffe, in der sich der polnische Ehrgeiz deS PolentumS weniger als im Jnlande Zügel anleqt.
In Frankreich hat sich das Polentum von jeher besonderer Sympathien zu erfreuen gehabt. Diese Sympathien find nach den Ereig- niffen von 1870/71 und nach den jüngsten Komplikationen naturoemäß noch gewachsen, und so kann es nicht Wunder nehmen, daß der polnische Chauvinist mit seinen Wünschen und Hoffnungen fich in die französische Oeffentlichkeit flüchtet. Zu dieser Klaffe von Leuten gehört Herr Jerzi Lipinski, der die französische Preffe regelmäßig mit Nachrichten über die deutsche Polenpolitik in dem Sinne versorgt, wie eS der Straz-Verein kürzlich mit der Forderung, man müffe das Ausland aufklären über „die Brutalität der deutschen Regierung", empfohlen hat.
Herr Jerzi LPinzki veröffentlicht in der R^publique ftargaife einen längeren Aufsatz unter dem Titel: „Das unabhängige Polen", in der sich die folgenden Stellen finden:
„Zwei Mächte können, indem fie Deutschland in Schach halten, den Polen große Dienste leisten, das sind Frankreich und England. . . . Wenn der Tod de« Kaisers Franz Joseph ober irgend ein anderes Ereignis den widerstreitenden Jnteresien der verschiedenen Nationalitäten Oesterreich-Ungarns neue Kraft verleihen sollte, könnte man der Lage mit einem gewissen Vertrauen entgegensehen. DaS österreichische Polen wünscht nichts so sehr, als sich mit dem unabhängig geworden-'n russischen Polen zu vereinigen: Diese beiden vereinigten Provinzen, von Frankreich und England bewaffnetundur. ter st ützt, würden sich Deutschland gegenüber inRespekt setzen können. Aber, selbst wenn diese Voraussetzungen eintreffen, bliebe Polen der Kuchen, in den schließlich die Kriegführenden fich teilen würden. Wenn ein unabhängiges Polen existenzfähig sein soll, muß Rußland, da weder Deutschland, sein geborener Feind, noch das ohnmächtige Oesterreich es sein kann, sein Verbündeter werden. ... Um als Volk mit seinen Ein-
„Nein, das bin ich gewiß nicht, wirklich nicht. Im Gegenteil, ich freue mich, daß Sie unsere persönliche Bekanntschaft fortsetzen wollen."
Hatte sie nicht schon zu viel gesagt?
Hanns von Lingen fühlte, fie müffe sich in acht nehmen; nur dem Mann neben ihr nicht zeigen, wie sehr sie sich freute, ihn getroffen zu haben. Dies mehr als gewöhnliche Jntereffe, welches er an den Tag legte, unb,--. Sie
glaubte auch feine Verlegenheit zu ihren Gunsten auslegen zu sollen. Denn verlegen war er.
Aber ein Gespräch, welches sich über allgemeines erhob, wollte nicht kommen; es gelang ihm nicht, das Wort zu finden, an welches er an- knüpfen konnte. Auch so befand er sich in einer Glücksstimmung, wie er sie nie zuvor kannte. Er durfte neben ihr gehen, ihr schönes, jetzt wieder ganz ruhiges Gesicht sehen, ihre tiefe wohlklin. genbe Stimme hören.
Sie sprachen miteinander wle Freunde,, welche sich freuen, nach längerer Trennung wiederzusehen.. So gingen sie.über den Königsplatz, die Friedensallee entlang und kamen für ihn viel zu früh an das Brandenburger Tor.
Er winkte einer vorüberfahreilden Droschke zu, welche im Bogen an sie herankam, unb sagte bann:
„Die Erlaubnis, Sie empfangen zu dürfen, hatte ich mir nicht eingeholt, gnädiges Fräulein, jetzt aber bitte ich. Ihnen bei Ihrer Abreise be- hilflich fein zu dürfen."
„Aber Sie wissen ja gar nicht, wann ich fahren will!" _
„Doch; um halb sechs. Aus dem Lehrter Dahn- Hof ist stets ein arges Gedränge, unb ich könnte Ihnen vielleicht behilflich sein, Ihr Handgepäck an den Zug zu befördern." , ,
Nun mußte sie lachen. Das klang so herzlich unb melodisch, daß Oertel siedeird heiß zu Miste ward. Und wie ihre Augen fentbieten.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und
Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sonutaasblatt. —
Die Brücke.
Roman von Willy Scharla«.
(Fortsetzung.)
Am nächsten Tqge stand er doch wieder auf fernem Platz neben dem Fahrkartenboamten und blickte den einfahrenden Zug entlang. Plötzlich war ihm, als stände sein Herz still.
Da stieg Hanns von Lingen aus einem Abteil und ging ruhig durch die Menge der Reisenden dem Ausgange zu. Mit jedem Schritt kam sie näher und eine unendliche Furcht bemächtigte sich seiner. Fast hätte er sich versteckt.
Aber jetzt sah er ihr regelmäßiges, kluges Gesicht genau, konnte bemerken, wie die hellen, klaren Augen um sich blickten. Sie sah ihn, schien einen Augenblick zu zweifeln, dann schoß ihr ein helles Rot in das Gesicht.
Rasch trat er an sie heran, zog den Hut und ---wo waren alle diese schönen Gründe für sein Hiersein? Er sagte nur:
Seien Sie mir nicht böse, gnädiges Fräulein."
Sein Blick war so bittend, daß sie lächeln mußte trotz der gewaltigen Erregung, die sich auch ihrer bemächtigt hatte.
„Herr Oertel," sagte sie leise unb gab ihm die Hand. „Wie sollte ich?"
Oertel wußte im Augenblick nichts zu sagen, sie mußte doch auch mit dem Menschenstrom erst die Wege nach dem Ausgang passieren. Als sie dann aber freie Bahn hatten, fragte sie:
„Woher wußten Sie denn, daß ich heute kommen würde?"
„Seit Ihrem letzten Briefe warte ich täglich hier auf Sie. Bitte, bitte, Sie sagten mir, daß Sie nicht ungehalten auf mich wären."
Sie errötete abermals und sagte: . - J
schnelleren Bautempo entsprechend weiter M erhöhen. Bei dem bisherigen Andrang» z« Seeeoffizier- und Ingenieur-Laufbahn dürst» auch hier kein Mangel an dem nötig toetbe* den größeren Nachwuchs eintreten.
Zu 3. Die Erfindungen, die einen schnell« Ausbau nicht rätlich erscheinen lassen :
Wollte man mit dem Bau von Kriegsschiff« warten, bis alle Erfindungen, die eventuell mal gemacht werden könnten, zu verwenden find — ja, wann soll dann überhaupt angefangen werd« zu bauen?
Es ist also eine Beschleunigung des Ausbaues unsere Flotte nicht nur nicht auSge- schlossen, sondern nach jeder Richtung hin mög- . lich; daß er dringend wünschenswert ist, wurde , ja auch nicht im Reichstag bestritten. i
Der Freihandel alö „Ferment der Dekomtzositi»»'.
Auch die schottische Landwirtschaft teilt na» türlich daS Schicksal der englischen. Wie Mr. Rudmose-Brown kürzlich in der Pariser Zeitschrift „Europöen" ausführte, ist die Landwirtschaft in Schottland dem Untergänge geweiht. „Bereits im Jahre 1892 befanden sich 301 000 Aecker weniger unter Kultur als im Jahre 1872; diese Entwicklung schreitet unaufhörlich fort und wo früher Korn- und sonstige Feldfrüchte wuchsen, da sieht man jetzt allerlei Wild und Raubzeug sich herumtummeln".
„Zwischm 1851 und 1891 - so fährt Mr. Rudmose-Brown fort — wuchs die Gesamtbe- völkerung Schottlands Von 2,888,742 auf 4,025,647 Köpfe. DaS ist eine Zunahme Volt 1,136,905, aber die landwirtschaftliche Bevöb kerung verminderte fich in derselben Zeit um 172,807, wogegen die Kopfzahl der Städte, um 1,309,712 zunahm. Da die Landwirtschaft nicht mehr rentiert, wandert die Bevölkeruuß in die Städte ab und eS geschieht nichts, um daS Anschwellen der Städte zu verhindern".
Parallel mit dieser Entwicklung geht di» Zusammenballung deS Grundbesitzes in immer wenigeren Händen. Namentlich sind eS di» reich geworbenen Kaufleute, beten Ehrgeiz barauf gerichtet ist, Grunbbesitzer zu werden um eine gesellschaftliche Rolle spielen zu können. Unter diesen Umständen müssen natürlich btt Farmer von ihrer Scholle weichen, benn an die Stelle der landwirtschaftlichen Interesse» ist ba8 ausschließliche Jagd- und Sportinterffe bei in Jnbustrie unb Handel reich gewordener Lanblorbs getreten. „ES gibt kaum noch kleine Eigentümer, bte ihren Acker bebauen; der größte Teil bes Grnnb und Bodens dient heute ledig, lich Jagdzwecken. Die von Wildparks bedecktc Fläche umfaßte im Jahre 1904 nicht weniger als 2 920 097 Acker, zwischen 1888 und 1898 hat diese Fläche um 427 957 Acker zugenommcn. Der Wildpark hat Schottland ruiniert."
vierteljährlicher Bezugspreis: btt der »xpstitio« 2 AK, DJldtbiltd
lifo der allen Postämtern 2,25 Mk. <qgl. Bestellgeld). Wvw*
*/1S* JnfertionSgebü^r: R-^esMen-Zeäe^der^eren Raum 10 Pfg. S0NNlag, 24. D^eMber 1905.