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mit dem KreisblM für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsb-llager JUustrirtes GonntaaSblatt.

BierteljLhrltcher Bezugspreis: da der ExMtio« 2 Wit, Erscheint wöchentlich siebe« mal.

fioe QA1 b« all« Postämtern 2,26 M. iQck Bestellgeld). *W*VW*0 Druck und Verlag- Joh. «ug. «och, UmversitLtS«uchdruckerei 40. Jghrgo

ÖVl 3n[{ttton88e6it|r°^^t>eren Raum 10Pfg. S0NNabtNd, 23. DtZeMber 1905. Marbu^ Markt 21. - Telephon 55. * ?

beginnt unsere Zeitung am 1. Januar 1906. Auch auf den jetzt zu Ende gehenden 40. Jahrgang darf die .Oterhefstfche SeitHttg" mit Befriedigung zurück- i

DEN

JAHRGANG

blicken, denn da- Jahr 1905 hat ebenfalls eine stetig steigende Auflage-Ziffer zu verzeichnen. Diese nachweisbare Tatsache kann al» die hefte Empfehlung ' genügen. Am geeignetsten für dm Bürger in der Stadt, für dieOberliesstsklie Zeitnua", die seit nunmehr 4 Jahrzehnten eifrig | Landbevölkerung in der engerm und weiteren Umgebung ist daher die.............. und erfolgreich die berechtigte« Inte«

te||en aller Stände vertreten hat. DerOberheffe" ist in vielen Familien zum gern gesehenen Hausfreund geworden, al» zuverlässiger Nachrichtenbote und trmer Berater allgemein geschäht. Eine weitere Empfehlung halten wir für überflüssig. Alle, welche dieOberheffische Zetttmg" kmnen, wiffm zur Genüge,

wa» sie an reichhaltigem Lesestoffe bietet, welche streng nationale, im besten Sinne de» Worte» konservative Haltung sie einnimmt. Mit Recht dürfen wir p>ohl an alle, die den von der .Oberhessifchen Zeitung" vertretenen politischen Grundsätze« irgendwie vahestehen, die Bitte richten, die Bestrebungen de» Blatte» freundlich unterstützen zu wolle«. Wit der neuen landwirtschaftlichen Beilage hat dieOberhesfische Zeitung" eine weitere wertvolle Bereicherung ihres Inhalte» erfahren.

Bekaxutmachuuge«» Anzeige« aller Art finde« durch die .Oberheffifche Zeitttug", wie allgemein feststeht, die weiteste und wirksamste Verbreitung, da die .Oberhesfifchr, Zett«««" nachweisbar da» cm Abonnentenzahl viel bedeutendere und meistgelesenste Blatt in Marburg und dm angrenzenden Kreisen ist. Neu hinzutretende Bezieher bekomme« bl»

Zeitung sür den Rest de» Jahre» kostenlos geliefert.

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Zweites Blatt.

Aus der Frauenwelt und für die Frauen.

+ Eine japanische Kritik der Lon- jboner Damen. Eine sehr freimütige ab- sprechende Kritik läßt ein japanischer Künstler, |5)o§tio Markino, der gegenwärtig in London jtoeilt, den englischen Frauen widerfahren. Seine Ausführungen sind auch für un» intereflant, lveil sie Wohl nicht die Londonerin allein treffen, sondern für die Auffassung des Japaners euro­päischem Wesen gegenüber bezeichnend find. »Die Londoner Damen haben so hübsche Eefichter und hübsche Figuren," meint er, daß man ihre schlechte Haltung bedauern muß. Ich wandere durch die Straßen der Stadt und sehe immer von neuem, wie unbeholfen die englischen Damen sind. Die Arme drängen fie an den Körper, die Ellbogen werden zu sichtbar, den Rock raffen fie unordent­lich mit einer Hand, wodurch sie die ganze Ge­stalt auS dem Gleichgewicht bringen. Den Grund stiafür finde ich in der Tatsache, daß jedermann hierzulande zu geschäftig, zu eilig ist, nicht nur ;bie arbeitenden Männer, auch die Frauen. Dann «tragen sie ihre Pakete selbst nach Hause, wenn ste Einkäufe gemacht haben. Sie brennen so Darauf, die hübschen eben gekauften Maaren zu besichtigen, daß sie mit vorgestrecktem Kopf dahin- lau-en. Auf diese Weise muß eine Frau jede Anmut verlieren. Tie Frauen meiner Heimat find glücklich und zufrieden; niemals haben sie es eilig. Dann unterwerfen sich die Englän­derinnen zu sehr den Anforderungen der Diode. Sie kopieren die Französinnen, aber wa8 einer Französin gut stehen mag, braucht sich nicht für hie Engländerin zu eignen. Besonders finde ich die kurzen Aermel abscheulich, weil sie ganz un­passend sind. Wenn ich ein junges Mädchen mit stürzen Aermeln sehe, scheint es mit, als ob fie sagen wollte:Siehst Du, ich bin jetzt bereit, mit Scheuern anzufangen." Dagegen setzt den Japaner das siä ere Auftreten des englischen d^äochenS in Erstaunen.Sie trägt ihren Kopf sehr hoch und fürchtet sich vor nichts. In un­serer Heimat würde das als unbescheiden gelten; llinsere Flauen gehen mit niedergeschlagenen Augen. Sie begnügen sich damit,, Frauen zu sein, sie wollen nichtmännlich" sein. . . ."

+ Ein amerikanischer Mädchen- Verein. Unter demcotume club" existiert, wie wir der praktischen WochenschriftFür» HauS" entnehmen, in Nordamerika ein nach Tausenden von Mitgliedern zählender Verein, her sehr anerkennenswerte Zwecke verfolgt und ^n vielen Ortschaften Gruppen von einigen Teil­rehmerinnen aufzuweisen hat. Mitglieder des Hereins können nur solche jungen Damen werden, welche Kenntniffe in der Herstellung praktischer jsileidungsstücke, überhaupt aller Damengarderobe besitzen. Es ist damit nicht gesagt, daß jede STeilnehmerin urbedingt schneidern können muß. lein, nur etwas muß fie können, Zuschneiden, ^aschinennähen, Putzmachen, Weißnähen, Kra- »attennähen, oder Derartiges. An den VereinS- w enden wird für sämtliche Mitglieder an den

Sachen gearbeitet, die die Betreffenden gerade brauchen. Jeder unterrichtet den anderen in der Kunst, die er kann, oder man tauscht in dringenden Fällen ganz mit der Arbeit. Selbstverständlich ist, daß kein» der Vereins­mitglieder dem andern kleine Vorteile, die es weiß und kennt, verheimlichen darf. Wer nichts Bestimmtes leisten kann, wird in den Verein nicht ausgenommen. , ES muß hier eben eins dem andern mit seinen Gaben dienen. So bietet der Verein seinen Mitgliedern ganz schöne Vorteile. Sollte fich nicht auch in Deutschland Aehnliches gründen lassen?

-s-Frauenlos in Marokko. Die Marokkoliteratur ist in den letzten Monaten, die dieses Land in den Mittelpunkt des politi­schen Interesse» rückten, um manch wertvollen Beitrag bereichert worden. Zu diesen aus eigener Anschauung wohl unterrichtenden Büchern gehört auch daS schöne Werk deS Engländers Budgett Meakin:Leben in Marokko", in dem vor allem über die sozialen Zustände deS Landes interessante Mitteilungen gemacht wer­den. Besonder» hübsch erzählt Meakin von dem Los der rnarrokkanischen Frauen, daS aller­dings von dem einer europäischen Emanzipierten sehr verschieden ist.Wmn die Tochter einer Familie zu einer Schönheit heranwächst, dann macht ihr ein jeder den Hof und ist freundlich zu ihr, denn man weiß nicht, waS sich nud; einmal b°geben kann. Vielleicht ist die Fülle ihres Körper», die Klarheit ihres Teints und der Glanz ihrer Augen so berückend, daß sie daS Glück hat, unter die Frauen deS Sultans ausgenommen zu werden; und wenn sie erst einen Platz im Harem deS Herrschers hat, dann liegt eS in der Hand Allahs, sie zur Mutter deS künftigen Sultans und zur mächtigüen Frau des Reiches zu machen. Wie der Soldat der napoleonischen Armee stet» den Marschalls- stab im Tornister trug, so wintt an der Wiege jedes marokkanischen Mädchens daS Glück, zur Gemahlin des Herrschers erhoben zu werd-n. Freilich Schönheit allein genügt dazu nicht, noch andere Einflüsse müssen mitwirken, und daS beste Mittel ist hier tote im ganzen Orient bar Geld. Man gewinnt da» Interesse eines der Wesire und erlangt die Gunst von einer derweisen Frauen", die im kaiserlichen Harem eine wichtige Stellung haben. Sie kann dann vielleicht die Augen des Herrscvers auf> die Schönheit der jungen Haremsnovize lenken. Hat man erst einmal die Erlaubnis, die Tochter an den Los schicken zu dürfen, dann ist der Jubel groß im ganzen Hause und im ganzen Orte. Ganz und gar in weiße Tücher ver­mummt, wird fie auf ein Maultier gehoben und unter sorgsamer Bewachung hingebracht. Wenn sie wirklich sehr schön ist, dann hat sie augenblicklich sämtliche Kolleginnen zu Fein­dinnen, die ihre Macht fürchten. Ihr Los ist kein rosiges, denn von allen Seiten wird sie geärgert und gekränkt. Aber eines Freitags vielleicht, wenn der Sultan im kühlen Schatten des nachmittag» durch die Gärten deS Harems wandelt, dann ruht fein Auge wohlgefällig aus ihr und er gibt den Entschluß kund, fie zu feinem Weibe zu erheben. Alle Eifersüchteleien schweige« «u«r eine jede beugt fich vor bet

Auserwählten, deren Glückstag herangenaht ist. Eine kurze Weile wird sie bann im Frauenge­mach unumschränkte Herrschaft üben, aber des Sultans Sinn ist wandelbar, und gar bald sinkt sie wieder zu dem eintönigen, an Jntriguen, und dumpfen Träumen reichen Leben der an­deren Frauen herab. Nur wenn sie Söhne ge­biert, kann fie fich eine dauernde Stellung am Hofe erringen. Erweckt fie aber überhaupt nicht das Wohlgefallen ihres Herrn und Ge­bieters, bann wird sie nach einiger Zeft wieder aus dem Harem entfernt, um einer anderen Platz zu machen, die ihr Glück versuchen will. Die Verschmähte hat an Wert dadurch nicht daS mindeste einacbüßt, sondern sie wird gerade dadurch eine begehrenswerte Partie, und kann darauf rechnen, einen Gouverneur ober hohen Beamten zum Mann zu bekommen. Bisweilen sollen sogar Haremsfrauen an wichtige Regie­rungsbeamte verheiratet werden, damit sie eine Art Kontrolle über ihre Redlichkeit ausüben und dem Hofe Spionendienste leisten."

+ Ein Loblied auf die deutsche Frau stimmt Lionello Mariotti, ein zurzeit in Berlin weilender Italiener, in dem römischen BlatteVita" an. Dies Lob ist um so be­merkenswerter, als unsere Vorliebe für die glutäugiaen Südländerinnen in Italien bisher wenig G-grnliebe sand. 'Mariotti schreibt:

,Was einem Besucher Berlin?, Münchens, Stuttgart? usw. zuerst und sicherlich angenehm auffällt, ist die große Zahl von Frauen jeden Aelters, denen man auf der Straße begegnet, sie sind meist jung und schön, von schlankem Wuchs und eleganter Figur, in enganliegendem Kleide, das die edlen Formen hervortreten läßt. Ihre Haare gehen vom ooldigsten Blond zum tiefsten Rabenschwarz, ihre Gesichtsfarbe ist rosig oder gebräunt, ihre Augen blau oder dunkel. Sie sind begehrenswert, diese Weiber vielleicht nur allzu begehrenswert wegen ihrer verschiedenen, aber immer blühenden und stolzen Schönheit, die uns mit dem Dichter ausrusen läß:Jaime la brnne, h61as, mais jaime aussi la blondeI"W>eviel Stärke und Gesundheit I denken wir Lateiner beim Bewun­dern der breiten Schultern und üppioen For­men dieser prächtigen Geschöpfe von 1 80 Meter Höhe. Während die Norddeutsche beim Ein- herschreiten und Sprechen fast etwas wie männ­liche Energie zeigt, hat die Süddeutsche häufig in Bewegung, Gang und Akzent etwa? Wei­ches, Einschmeichelndes, Sanftes. Mitunter mag die Norddeutsche ein wenig rauh erscheinen, aber diese Rauheit dient ihrer starken und ge­sunden Rassenschönheit als neues Anziehungs- mittel. In der Jugend ist dies alles mit einer sanften Sentimentolität gepaart, die übrigens beim ersten Kontakte mit der Wirklichkeit ver­schwindet .... Das Fehlen jener weiblichen Grazie, die un» Italienern der Inbegriff weib­licher Verführung dünkt, wird vielleicht durch die geringere Sorgfalt gesteigert, die die Deut­sche im allgemeinen auf ihr Aeußeres verwen­det; wohlverstanden, geringe Sorgfalt, und nicht, wie man bei un» meint, geringen Geschmack k Denn die deutschen Damen halten desto weniger aus ihr Aeußere», je intelligenter und gebildeter fie find Und da jene, die «ach Italien

reisen, meist Gattinnen von Professoren, Künst­lern, Gelehrten und so weiter fiind, und di« deutschen Frauen ganz uud gar im Geiste ihrer Männer aufgehen, so werden fie bei ihrer Jta- lienfahrt dermaßen von Wissenschaft und Kunst in Anspruch genommen, daß sie auf Kleinigkei­ten wie die Toilette keine Zeit und Mühe ver­wenden können. In Deutschland find dafür die eleganten Damen weit zahlreicher, al» man denkt, besonders dieOffiziersdamen". Hier läßt Herr Mariotti dann eine begeisterte Schil­derung derdekorativen und brillanten deutschen Otfiziersehepaare" folgen, zu denen der schwer­fällige und biedere italienischeCapitano" mit seinem runden, altmodisch aufgedonnerten Ges- Pons einen wenig beneidenswerten Gegensatz bilde.

BcrmWeS.

Der Phonograph als Verräter. Der unter­haltende Hausfreund, als den man den Phono­graphen zu schätzen gelernt hat, kann manchmal unvorhergesehene und höchst unangenehme Strei­che spielen. Hiervon überzeugte sich eine rei­zende, stimmbegabte Pariserin, Frau Amelie Partant, die während der Bureaustunden ihre» Gatten mit einem Herrn Paul (Sarmin Opern­duette einzuüben pflegte. Allmählich entwickel« sich zwischen dem Paar ein intime? Verhältnis» so daß das Duo ausRomeo und Julia" mit zärtlichen Randbemerkungen und Küffen illw striert zu werden pflegte. Um die Erinnerung an diese reizvollen Gesangstunden festzuhalten, benützten sie phonographische Walzen. In der Zerstreutheit, die bei einer Verliebten natürlich ist, legte Frau Partant dieRomeo-und-Julia- Walze" in das Schränkchen, das die Lieblings- walzen ihres Gatten enthielt. Gelegentlich eine» Empfangsabend» im Hause Partant ließ fich Frau Amelie mit Herrn 6irmin am Klavier vernehmen und erntete vielen Beifall. Hierauf kam der beliebte Phonograph an die Reihe. Die erste Walze, nach der Herr Partant griff, war daS verhängnisvolle Duett auSRomes und Julia". Eine peinliche Empfindung be­mächtigte sich der Eingeladenen, als fie mitten in der Arie daS Gespräch dec Liebenden ver­nahmen :Ist e» so, mein Schatz?"Gewiß, Herzliebstes!" und als gar am Schluß ein offenbar leidenschaftlicher Kuß fich vernehme« ließ. Während die Gäste auS dem Salo« hina'isschlichen, folgte eine stürmische Szene zwischen dem ertappten Paar und dem aufge­regten Ehemanne. Herr Partant hat die Ehe­scheidungsklage eingereicht.

Ein Hieb.Du redest immer von Aus­gaben, aber ihr werdet in Eurem Klub auch nicht um Hemdenknöpfe spielen?" Er:Das könne« wir auch nicht!" Sie:Warum denn nicht?" Er:9la, wir sind doch alle verheiratet, und da haben immer die meisten keine Hemdcnknöpfel" Buchbinderei n, Einrahmung v. Bildern

♦♦ Barfüsserstrasse 21 ♦♦ '

J, Schulz.

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verantwortlich für die Redaktion l <

Ihr. DorrkeS-Motzpard bi Marburq.