den von der schwedischen Regierung entsandten! Schiffen Aufnahme zu finden; der schwedische! Kommandant hatte jedoch -keine Berechtigung,! Richtschweden ohne Genehmigung der betreffenden Konsul« mitzunehmen, und der deutsche Konsul war der Ansicht gewesen, daß ferne Landsleute noch Gelegenheit haben würden, mit deutschen Schiffen bit Heimreis) anzutreten. Einige russische Damm wurden, wahrend sie noch mit dem Kapitän der .Drottning Sophia' verhandeltm, von einem sozialdemokratischen Komitee mit Gewalt zurückgeholt. Ein ebensolches Komitee erschien auch auf dem schwedischen Kriegsschiff, um sich zu vergewiffern, ob nicht etwa die Expedition beabsichtige, den Deutschen Hilfe zu bringen, toal im voraus .verboten' wurde. DaS sodann gestellte Verlangen, das Schiff uutersuchen zu dürfen, wurde jedoch vom Kommandant« ebenso höflich wie bestimmt zurückgewiesen. Wiederholt hieß eS, daß deutschen Schiffen, falls solche rintreffm sollten, keinesfalls gestattet werde« würde, deutsche Landsleute in Sicherheit zu bringt*
Bisher hat man «och nichts gehört, daZ bi* Reichsregierung Kriegsschiffe zum Schutz und zur Unterstützung der bereit» abgegangenen LranSportdampfer zu entsendm beschloffen hat.
Da» kleine Schweden hat ohne Zaubern und ohne Rücksicht auf di» russische Regierung, die in den Oflse^rovinzm alle Macht verlöre« hat, selbst sür den Schutz seiner Staatsangehörige« gesorgt. Soll Deutschland sich von Schweden beschämen lassen und bei dm russischen Revolutionären ben Glauben stärken, daß eS sich tatsächlich di, Hilfeleistung für die Deutsche« und Deutschbaltm .verbiet«' läßt?
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: Wie die .Düna-Ztg.' mitteilt, find die bei Lennewarden in Süd-Livland von den lettisch« Aufständischen gefangen genommenen Deutschen
' wieder freigelassen worden. Zurückbehalten Wurde« die Herren v. Petersenn, Maximowitsch und drei Tscherkessk«. .Diese', heißt e» in
-dem genannten Blatt, .find von den Revolutionär« erschossen und ihre Leich« in den Fluß geworfen worden. Zurückbehalten find ferner : einige andere Herren, die in Lind« - Pastorat
(efangen gehalten werden.' Die Ermordung eS Kreischefgehilfen v. Petersenn und de« kekrriärS Maximowitsch soll erfolgt sein, well sie der Tötung zweier Revolutionäre beschuldigt Waren. Herr von Wulf»Lennewarden unb von Transehe»Neu - BewerShof sind «tlaffe« wordm und auf ihre Güter zurückgekehrt.
Der .Kölnischen Zeitung' wird auS Petersburg von gestern telegraphiert: Die ruffische Regierung erhielt durch die deutsche Regierung Kenntnis von den dem deutschen Reichskanzler Fürst Bülow zugegangenen Hilfsgesuchen deutscher Staatsangehöriger auS den Ostseeprovinzm und sagte Verstärkung der militärischen Streitkräfte «n. Nachrichten über Verschlechterung der Lage « Riga, Reval und Mitau liegen heute nicht vor.
Petersburg, 21. Dez. Die Ernennung de» dem Kriegsminister attachiert« General- Itotnont» Sollohub zum zeitweiligen General- aouverneur der Ostseeprovinz« wurde amtlich bestätigt.
Peters bürg, 21. Dez. <W. B.) Pri- datmeldungen zufolge ergab sich Tuckurn in Kurland nach heißem, zWölfstun di- aem Kampfe ben russischen Truppen. Die Stadt war vorzüglich nach allen Regeln der Taktik befestigt. Ringsum war« Verschanzungen und Wolfsgruben angelegt und Maschinengewehre aufgestellt. Sowohl bei den Aufständischen wie bei den Truppen gab es viele Tote und Verwundete.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Dezember.
— Seine Majestät derKaiser unternahm gestern mora« einen Spaziergang, empfing den Bildhauer, Banke, hörte die Vorträge des Kriegsministers, de« Chef, be« SeneralstabeS der Armee und des Chef« deS Militärkabinetts, empfing den Proiessvr Rohloff, den General»Erh«rintendenten von Schlesien Haupt und nahm die Abmeldung des kaiserlich russischen Obersten und Flügeldadjutanten v. Schebeko entgegen. Mittags batte sich der Kaiser beim Reichskanzler und der Fürstin von Bülow zum Frühstück angejagt.
— Der 83. Landtag des ErofiherzogtumS Hessen wurde am 20. d. Mts. durch denjLandesherrn feierlich im Schloß zu Darmstadt eröffnet- Die Thronrede siegte die Wiedervorlage der Gesetzentwürfe für daS Wahlrecht und Vie Gemeindeumlagen in Aussicht, ebenso Vorlage« über die Revision der VerwaltungS» aefetze und die Dienstverhältnisse der Staatsbeamten. Die Fürsorge für die Gemeindebeamten fall gesetzlich geregelt werden: ferner werd« für neue Bahnen, für die Bäder deS Lande», die Bodenkultur deS Vogels- brrges Mittel vorgesehen. 68 soll sür den Schutz der Bauarbeiter gesorgt werden und für eine Revision der Bauordnung. Der Fehlbetrag des Staatsbudgets wird au« Vermögensresten zu decken fein-
— Die Einnahme der preuhisch.hessischen «ifeub ahngemeiuschaft im Monat November hat 8,7 Millionen Mark mehr als im gleichen Monate deS Vorja' re» betragen. Bon dem Mehr entfielen nahezu 2 Millionen Mark auf den Personen» und Gepäck verkehr, 6,8 Millionen Mark auf den Güterverkehr, der Rest auf andere Quellen. Die Einnahme in den erste« acht Monaten des laufenden Finanzjahres beziffert sich auf 1155,1 Millionen Mk. oder 63,7 Millionen Mark mehr alS im gleiche« Zeit» raume des Vorjahres» Entspricht da« letzte Drittel bei EtarsjahreS den beiden vorhergegangenen, fo würde demgemäß am Schluffe auf eine Mehreinnahme von rund 85,5 Millionen Mark gegenüber dem StatSjahre 1904 zu rechnen fein und das Mehr gegen» über dem Etatsanschlage würde sich auf rund 107 Millionen Mark belaufen. Ma« wird jedoch angesichts dieser Zahl« nicht vergessen dürfen, daß sich auch die AMmbeu der Eifenbahnverwaltung gegenüber dem Vorjahre sowohl wie gegenüber dem State» anfchlagr bedeutend gehoben hab«, und daß sich demgemäß der Remüberfchuß bedeutend niedriger stellen wdcd.
— Wir lefen in der Ostdeutschen Korrespondenz: Sin« bedeutsam« Resolution de« Ostrnar» kruverrinS kennzeichnet die Stellung deS Verein« zur konfessionelle« Frag« mit wünschen«, werter Deutlichkeit. Eie lautet: »Der deutsch« Oft» markenverein hält unverrückbar daran fest, daß eS sich bei dem Kampf um die Ostmark lediglich um nationale Interessen handelt, daß er sich von allen Partei» und wtrtschastSpolitischeu unb allen konfessionelle« Fragen fernhält und in jedem Deutschen, gleichviel welcher politischen Partei unb welcher Reli» aion er angehört, einen willkommenen Bundesgenossen sieht. Der deutsche Ostmarkenverein begrüßt mit freu» big er Genugtuung diejenigen Bestrebungen der katho» lischm Deutschen In der Ostmark, die auf eine Festigung deutsch-nationaler Gesinnung gerichtet find.' Die Resolution war notwendig, weil auS ben Reih« bet Freunde der Oftmarkeupolitik, besonder« au« denen de« Evangelischen Bunde«, gelegentlich Stimmen zugunsten einer einseitigen, konfessionellen Stellungnahme laut werden und anderseits von feiten d«S Zentrums gegen alle "Maßnahmen der Ostrnarkenpo» litik angeführt zu werden pflegt, sie dienten in letzter Zeit nur der Prvtestantifiernng deS Osten«. Gerade daS Zentrum hätte sich sagen sollen, daß eS durch seine Behandlung der Polenfrage den Anhängern der Ostmarkenpolitik bi« konfessionelle Neutralität außerordentlich erschwere. Und wenn jetzt eine solche Resolution, die ja nur die alte prinzipielle Stellung be« Ostmarkenvereins wiedergibt, in nationalen Kreisen kaum noch irgend welche« Wiederspruch weck« wird, so ist da« Verdienst nicht dem Zentrum, sondern dem »Beriine deutcher Katholik«' zuzuschreiben,
Deutsche Kolonie«.
SüSwestafrtka. Gouverneur v. Lindequist ist bet seiner Ankunft in Swakopmund am 21. November, wie schon gemeldet, festlich empfan- gen worben. Auf eine Begrüßungsansprache des bisherigen stellvertretenden Gouverneurs, Regierungsrat« Tecklenburg, erwiderte Herr v. Lindequist nach der , Deutsch-sübwestafrik. Ztg.': Ich rechne in diesen schweren verantwortungsvolle« Zeiten auf die Mitwirkung und auf die Mitarbeit der ganzen Bevölkerung SüdwestaftikaS. Nur wenn wir vereint, die Beamten, die Offiziere, die Truppen, die ganze Bevölkerung, jeder an seiner Stelle, jeher voll und ganz seine Pflicht tot, werden wir im stände sein, die au8 so vielen Wunden blutende Kolonie wieder der ©enefung entgegenzn-
Geschichte deS Klosterförsters Brinkmann verknüpft, der toegen seiner den Mönchen allzu frei scheinenden Gesinnung nach 30jährigem Dienst- entlassen wird und sich vor dem Klostertor er- schiebt.
Obwohl in seiner Psychologie ganz oberflächlich, ist daS Stück nicht ohne Theatergeschick — freilich nach den hundert- und tausendfach erprobten Regeln der Schwarz-Weiß-Kunft — gearbeitet und es bietet dem Publikum ein chm neues, weil selten dargestelltes Milieu. Damit hat der Ver- fasser einen glücklichen Griff getan und in chm liegt auch die Ursache des Erfolges, den das Stück an fast allen Theatern errungen hat. Ein Klosterstück, gegen das sich die kirchliche Gegnerschaft be- grriflicherweise sofort erhoben hat, mußte sein Glück machen. Das liegt in den Zeitverhältnissen. Ein Werk, das wie dieses so reichlich Gelegenheit bietet, Partei zu nehmen, gegen geistige Unterdrückung und Gewissenszwang zu opponieren, der verfolgten Unschuld zu helfen unb die Bösen zu verdammen, ein Drama, auf dessen Boden die Dazillen urältester Bühnenpsychologie sozusagen in Reinkultur gezüchtet werden, finbet immer seine Bewunderer unb Verteidiger. Aber auch seine Gegner. Letztere aber nicht etwa aus kirchlichen Gründen. Wahrheit unb Leben sagen die einen, mittrimäßige Tendenzmache die anderen, Beide haben Recht, und auch Keiner. Der Konflikt, der die Seele des Stückes bildet, ist an sich ein der Arbeit werter Gegenstand, in Kunst und dramatische Tragik umgesetzt zu werden. Nur das „wie" dies geschieht, gibt zu Beanstandungen Aiflaß. Der Konfliktsstoff ist zu wenig bearbeitet, die Charaktere sind grob, in Holzschnittmanier, gezeichnet, die Handlung bleibt zu abstrakt. Einzig die Kleinmalerei ist rückhaltlos anzuerkennen. Mit wirklicher Spannung sieht man die hoch- unb ehr-
t Stadttheater.
' »Die Brüder von St. Bernhard," Schauspiel to fünf Aufzügen von Anton Ohorn. Der Verfasser war früher Ordensgristlicher, trat dann tzur evangelischen Kirche über unb ist jetzt Professor vn bet Gewerbeakademie in Chemnitz. Seine Kenntnisse des Klosterlebens befähigen ihn also tzur Behandlung des geisüichen Stoffes, wenigstens lotoeit eS die Milieuschilderung angeht. Das Stück führt in das Innere eines neuzeillichen Cffter- üienserklosters. Der Abt ist gestorben, das Werb« ptnter den Brüdern um die Nachfolge in vollem Gange. Junge Fratres stehen vor der Ablegung des Priestergelübbes. Der Held des Dramas ist ter junge Britber Paulus (Paulus-Saulus!) ,ber bon ernsten Zweifeln bewegt wird, da er weltliche Neigungen hat unb nur gezwungen ba8 Ordens- Arid trägt. Des jungen Klerikers Seelenkämpfe »eben den Klosterkonflikt ab, bilden die Serie diese« Klosterstückes. Em Gelübde der Mutter soll Ihn verpflichten, „geisüich zu werden". Diesribe Mutter will nun auch ihre Tochter Grete der Kirche opfern zum Dank für die Errettung aus tiner Krankheit. Grete ist mit einem jungen Tischler verlobt unb verspürt wenig Neigung zur Nonne. Der Bruder Palflus will sich opfern. Trotz seiner Zweifel will er im Kloster bleiben, das Gelübde ablegen, wenn seiner Schwester der Schleier erspart bleibt. Den Mönchen sind des Klerikers weltliche Neigung« nicht unbekannt, aber es wird der endgültigen Aufnahme ins Kloter fein besonderer Widerstand entgegengesetzt. Sährend des feierlichen Aktes jedoch weigert kmlu», plötzlich von feinen Gewissenszweifeln bemannt bte Ablegung des bindenden Griüb-
führ«. Lass« Sie uns hier fest zusamrn«- steh« unb treu dem einen großen Ziele, der Entwicklung deS Schutzgebietes und der Zivilisation SüdwesiafrikaS, entgegenstreben, lass« wir alle kleinlichen Privatinteressen und Zwistigkeit« gegenüber diesem einen großen Ziele zu- ttiftreten," zeig« wir den anderen Kolonien SüdaftickaS, beten Blicke zur Zeit mit wachsendem Interesse sich unserem Schutzgebiete zuwenden, waS deutscher Fleiß, deutsche Zähigkeit und deutsche Tatkraft hier zu leist« vermag. Wenn wir in diesem Sinne vereint hier arbeiten, und wenn ich mich bei meiner Arbeit auf die Mitwirkung der Bevölkerung stützen kann, dann bin ich überzeugt, werd« wir die Kolonie mit der Zeit wieder g«es« und in Blüte sehen. Erwart« Sie aber von mir und meinen schwachen Kräften nicht zuviel, denk« Sie nicht, daß ich imstande bin, mit einem Zauber schlage glänzende Zustände herzustellen und alle Ihre Wünsche zu befrie'i-'Crt. Der Genesungprozeß kann nur ' 1 allmählicher sein, denn noch ist h- Krieg nicht einmal gänzlich beendet; aber ich zweifle nicht, daß wir mit Hilfe unserer tapfren Truppen ihn in nicht zu langer Zeit beendet sehen werden. Ich kann Sie bet- sickern, daß an allerhöchster Stelle, sowohl von Seiten Seiner Majestät de« Kaisers als Ihrer Majestät der Kaiserin unserem Lande da« allergrößte Interesse und die größte Sympathie, entgegen gebracht wird, und ich zweifle nicht, daß berechtigte Wünsche, die wir vor den Thron bringen, stets ein geneigte» Ohr, und soweit eS möglich ist, Berücksichtigung finden werden. DaS soll uns in unserer schweren Arbeit ermutigen und so hoffe ich denn, daß wir mit Gottes gnädigem Beistand alles zu einem guten Ende führen werden.
Oftafrik«. Der Gouverneur Graf Götzen telegraphiert auS Dar-eS-Salaam: Beim Ein- treff« de» Major« Johannes in Songea stellte e« sich heraus, daß der Benediktinerpater Franziskus tot olle übrig« Europäer aber wohl war«. Der Tod des Sergeanten Tiede ist in- < folge eine» Pseilschusses erfolgt Major Johanne» hat nirgend« Widerstand angetroffen. Obgleich der Grobhäuptling Mputa gefallen ist unb die Wange« sich überall zerstreut haben, bleibt die Postierung der 8. und 13. Kompanie «och längere Zeit nötig. Die Marineinfanterie bei Mpapua hat ein Lager in Kiboriani bezogen.
Ausland.
Fr««krrich. Das .Echo de Paris' veröffentlicht eine Unterredung mit dem Marineminister Thomson über daS französische Flottenprogramm. Darauf sagte der Minister u. a.: Alle Welt ist über einen Punkt einig, nämlich daß die Französische Flotte ge- ([entoärtig der deutschen überleg« ist und daß, »lange der Zusatz zum deutschen Flottenprogramm von 1900 nicht bewilligt ist, ein jährlicher Kredit von 120 Millionen genügen wird, um diese lleberlegenheit aufrecht zu erhalten. Da« Marineministerium werde gelegentlich der Budget-Beratung für 1906 die Ermächtigung verlangen, außer den Torpedobootszerstören und Unterseebooten sofort mit dem Bau von 3 neuen Panzerschiffen zu beginnen. Diese Schiffe werden die ersten einer neuen Serie sein. Während die Panzerschiffe deren Bau zuletzt in Angriff genommen wurde 14 800 Tonnengehalt unb eine Geschwindigkeit von 18 Knot« haben, 4 Kanonen von einem Caliber 30.5 unb 10 Kanonen von einem Caliber 19,7 besitz«, sollen die neuen Panzerschiffe ein Tonnengewicht von 18 000, eine Geschwindigkeit von 19 Knoten haben unb mit 4 Kanonen von 80,5 cm Caliber unb 12 Kanonen von 24 cm Caliber erneuert werben. Nach diesem Typ soll« noch drei weitere Panzerschiffe gebaut werden. Ehe aber diese Schiffe fertig gestellt sein werden, wird der höhere Marinerat zugerufen haben, nach welchem Typ bte folgenbe Serie
Jntriguen. Dieser echte Eindruck vermag bte rieten Mängel des Stückes zu verdecken und sie vergess« zu mach«, besonders aber, wenn die Darsteller durch ihr Spiri das Ihre dazu bei- tragen.
Das war gestern Abend hier der Fall. Alle war« sichtlich bemüht, ein abgerundetes einheitliches Spiel zu geben und im Groß« und Ganzen kann die Borstellung auch dafür angeseh« wer- bcn. Gespielt wurde recht gut, Einzelleistungen waren von Leben und Schwung beseelt — die guten Mönche erregten eine wahre Herzensfreude, die bösen aber weckten heilsamen Zorn und Verachtung und mancher der Zuschauer schlug erschüttert an sein sündiges Herz und dachte bei sich: „Herr, ich danke Dir, daß ich nicht so bin, wie jene dort oben" — auf der Bühne ob« sribstver- ständlich.
Lassen wir erst die Schar der Klosterbrüder Revue Passieren und halten dann Kritik ab. Herr Mendel als Pater Prior war in der äußeren Erscheinung sehr gut getroffen und hatte auch die richtige Mischung von innerer Herzenshärte und äußerlicher pastoraler Sanftheit, literarischer Un- bildung, dogmatischer Verbohrtheit und kirchlichem Hochmut. Der zelotische Bruder Simon fand durch Herrn Stauf eine scharfe Charakterisierung und der drickmauserige Streber und Denunziant Erhard wurde von Herrn Herrscher glaubl-aft wiedergegeben. Das waren die Bösen, die ihre Sache aber ganz gut gemacht haben. Jetzt die Guten: der herzensgute, altersschwache Bruder Fridolin, dem 60 Klosterjahre den gesunden Sinn und das Verständnis für die Welt und ihre Natur nicht genommen haben, war für Herrn Reimer eine dankbare Rolle, die er schlicht und dadurch um so wirksamer zu geben verstand. Herr Freitag als Bruder Servaz, der sich als Dogelfreuud eine Naturphilosophie -urechtgemacht hat, bot eine ansprechende Figur. Kehr frisch, lebhaft und lern
gebaut werd« soll. Bi« bahin werb« wir tm Besitz aller erforderlichen Auskünfte übe« bte vom Ausland gebauten Schiffe sein. Da» Parlament werbe ganz zweifellos bte verlangte« Kredite ungeschmälert bewilligen.
Marburq und Umgegend.
(Äadjtirucf aller Originalartiket ist gemäß $ 18 Del Urheberrechts nut mit der deutlichen Quellenangabe" .Oberheft. Ztg-' gestattet.)'
Marburg, 22. Dezember.
* Weihllachtskonzert. Tie Kapelle des Jäger- bataillonS veranstaltet am Montag, 25. Dezbr. (1. Weihnachtstag) abend» ein großes Konzert tm Xurnergarten. AuS dem geschmackvoll zu- sammengestellten Programm seien folgende Musikstücke erwähnt: Ouvertüre z. Op. Maritane v. Walace. Ouvertüre z. Op. »Die Zigeunerin' v. Balte. »Fantasie a. b. Op. Lohengrin' v. N. Wagner. .Fröhliche Weihnachten' (gr. TongemSlbe) v. Ködel. »In der Christnacht' Weihnacht« - Idyll) v. Hanekam. »Norwegische Rhapsodie' für Violinen - Solo v. H. Venzoni -Lizzi-Polka' für Trompeten-Solo v. Hartmann. Arie a. b. Op. „Das Nachtlager in Granada' v. Kreutzer.
§ Wkihnachtsvkrirhr. Aus Anlaß des gesteigerten Weihnachtsverkehrs hat die Eisenbahn-Direktion wieder Dor- unb Nachzüge eingelegt. Die Abfahrtzeiten ftnb au8 den auf ben Bahnhöfen aufgriängten roten Plakaten ersichtlich.
8 .Es werde Licht' unb es ward kein Licht, werden wohl manche Geschäftsleute denken, die mit Rücksicht auf die Erwartung, da« elektrische Licht fei fix unb fertig, bereits ihre Lampen beseitigt hatten unb fie nun zu den Feiertagen wieder mit Petroleum füllen müssen. Wir hatten gestern Abend Gelegenheit zu sehen, wie einige Geschäftsbefitzer ihre Lampen, die fie schon bei Seite gestellt, wieder hervorholten. Jedes Ding hat feine Zeit, so geht eS auch mit dem Elektrizitätswerk.
* Ei« schreckliche Geschichte. Der .Casseler Allgememen Zeitung" nird von einem Sen- sationS-Korrespondeu! folgende fürchterliche, glücklicherweise aber ieber einmal unwahre Geschichte, mitgeteilt:
Marburg, 19. Dezbr. In Wetter bat eine geistig mnnachtcte Frau ihre Kleiber mit Petroleum getränkt, angezünbet unb sprang bann au8 dem Fenster bes zweiten Stockes ihre« Hauses auf die Straße, woselbst sie mit zerschmettertem Schädel liegen blieb.
Wir tount. .. uns nur, daß eS noch Zeitungen gibt, die sich von diesen gut Unterrichteten noch etwas aufbinben lassen. Das Schönste ist, daß die Notitz jetzt durch eine ganze Reihe von Blättern geht.
§ Strafkammer. Nach dreitägigem Verweilen im „Erholungsheim" in der Wilhelmstraße erschien heute bei Beginn der Sitzung als reumütiger Sünder der in der vorigen Verhandlung wegen seines betrunkenen Zustandes und frechen Benehmens zu drei Tagen Haft verurteilte Schrrinermerster Friedrich Köhler ans Frankenberg. Mit weinerlicher Stimme bat er um Entschuldigung unb fügte hinzu, daß ihm auf dem Wege nach Marburg sein Freund in den Weg geraten sei, do habe ihm bann der Alkohol so übel mitgespielt. Köhler war bekanntlich vom Schöffen» gericht in Frankenberg zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden, weil er im August von feiner Wohnung aus ruhestörenden Lärm em^egt hatte. Zur Sache selbst behauptete er heute, die Geschichte sei etwas übertrieben worden. Er sei ein großer Kinderfreund und dies wüßten die Frankeuberger Kinder, sie kämen dann vor seine Tür und riefen: „Köhler, Köhler!' wenn er dann im Fenster er» scheine, gebe es Lärm, da könne er nichts dafür. Der Bürgermeister, der auch zugleich Amtsan. walt wäre, sei ihm feindlich gesinnt und wolle ihn absolut verderben. Er müsse zur Kenntnis bringen, daß der Bürgermeister anscheinend an der Beratung der Schöffen teilgenommen Hobe, dies sei doch gesetzlich nicht zulässig. Tas Gericht
pathisch war gestern Abend Herr Goll als Pater Meinrad, der sich in abgeklärter Weltweisheit fein Klosterleben „selbst gezimmert hat". Zwi» scheu (nicht jenseits von) diesen Guten und Bösen stand Herr Lütt jo Hann als Bruder Paulus, der Held des Stückes. Die Darstellung dieses jugendlichen Wahrbeits- und Schönheits- fanasikers, der Lessing, Wieland und Goethe liest und verehrt, sogar Martin Luthers Namen in den Mund zu nehmen sich nicht scheut, war eine ge- stalttmgssichere Leistung voll Wärme und Empfindung. . ..... . ’
Konnte das Klosternmere mteregieren, so war das Milieu bei der Drechslerfamilie Döbler, den Eltern des Bruders Paulus, abstoßend. Herr Lippert als Vater Döbler gab den beschränkten und brutalen Plebejer, der über die gewöhnlichsten Gedanken nicht hinauskommt, mit guter Realistik. Frau Fischer sollte eine kirchlichbornierte, überspannte Betschwester darstellen, die ihrer beiden Kinder Seelen zu verkuppeln bereit ist, nm Fürsprache im Himmel zu haben. Frau Fischer fani) ich zu matt, dasFanatische hätte bei ihr viel schärfer zum Ausdruck gebracht werden können. Es ist allerdings mich nicht leicht, derartige Na- turen ganz einheitlich und glaubwürdig tvieber* zugeben. Frl. Donecker und Herr Stein-' mann als Liebespaar treten in ihren Rollen nicht sehr hervor unb konnten sich deshalb auf das, was absolut erforderlich ist, beschranken. — Regie ließ an einzelnen Stellen zu wünschen übrig. U. a. sei darauf hingewiesen, daß die Zelle Pater Fridolins im Schlußakt doch gar zu primisiv unb ärmlich war, selbst wenn Marburger Ausstattungsschwierigkeiten in Betracht gezogen werden. Meines Wissens dürfen Klosterbrüder auch feinen weltlichen Schmuck, als da sind goldene Ringe, tragen. Der Beifall war freundlich,, keß aber am Schluss« nach. ;, D B» Jj
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