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Marburg
Sonnabend, 23. Dezember 1905.
Erscheint wöchmtlich fieben mal.
Druck und Berlag' Joh. Aug. Koch, UmversttSts^vuchdruckttri Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
40. Jahrg.
Erstes Blatt.
der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Radolin, abberufen werden sollen.
Schanghai, 21. Dez. (Reuter.) Hier und überall ist wieder die Ordnung hergestellt. Der
Neueste Telegramme.
Berlin, 21. Dez. Der bisherige Oberkommandierende in Südwestafrika, Generalleutnant von Trotha, wird Mitte Januar bei der Beratung de» 4. Nachtragsetat» für Südwestasrika im Reichstage zu den gegen ihn gerichteten Angriffen über seine Kriegsführung Stellung nehmen. Der General ist der Meinung, daß alle Angriffe ungerechtfertigt find und wird die» im einzelnen nachweisen.
Berit«, 22. Dez. Die Herausgabe eine» Weißbuche» über Marokke ist jetzt endgültig beschlofien. — DieStellung des französischen Botschafters in Berlin, Bihourd, soll, wie man nach der Wiener „Neuen Freien Preffe' in Berliner diplomatischen Kreisen annimmt, da- unhaltbar geworden sein, daß unter den Depeschen des Botschafter» im Geldbuch eine auf das Bestehen einer KriegLpartei am Berliner Hofe hindeutet.
Berlin, 22. Dez. Der in der Thronrede angekündigte Gesetzentwurf über die Entschuldung der Landwirtschaft soll der „D.TageSztg.' zufolge dem Abgeordnetenhaus« sehr bald nach der Weihnachtspause zugehen.
Caftrl, 22. Dez. Der Magistrat beschloß, an den Vorstand de» „Preußischen StSdtetagS' in Berlin den Antrag zu richten, zur Stellungnahme der preußischen Städte zu dem Gesetzentwurf, betreffend di« Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen, alsbald eine außerordentliche Hauptversammlung de» „Preußischen EtädtetagS" einzuberufen.
Karlsruhe, 22. Dez. Im Landtage brachte die liberale Vereinigung den Antrag ein, die Negierung möge beim BundeSrate dahin wirken, daß den ReichstagLabgeordneten Anwesenheit»- jelder und freie Eisenbahnfahrt gewährt werden.
Paris, 21. Dez. Gutem Vernehmen nach steht die deutsche Regierung in der Frage der Verlegung der Konferenz von AlgeciraS nach Madrid zwar auf dem Standpunkt, daß es wünschenswert wäre, an AlgeciraS festzuhalten, sie wird jedoch auch einer Verlegung keine Schwierigkeiten bereiten. Zunächst würde e» ihre'? Ansicht nach der marokkanischen Regierung, als bstejenigen, der Frankreich und Deutschland AlgeciraS an Stelle von Tanger vorgeschlagen haben, zukommen, sich zu der geplanten Verlegung zu äußern. Die amerikanische Regierung erhebt amtlich keinen Einwand gegen die Verlegung.
Paris, 22. Dez. Hier erhält sich das Gerücht, daß infolge der Marokkofrage der französische Botschafter in Berlin, Bihourd, und
18 (Nachdruck verboten.)
j Die Brücke.
Roman von Willtz Echarla«.
W (Fortsetzung.)
Die weiche Stimmung Hann» von Lingens kam auch in ihrem an Oortel gerichteten Brief zum Ausdruck.
Sie verschwieg ihre Ansicht nicht, schenkte ihm nichts von dem, was zu schreiben sie sich vornahm. Aber der Ton macht die Musik. Alles war saust und getvissernraßen von einem Hauch von Wehmut verschleiert, nichts scharf, nichts konnte verletzend wirken.
Der Brief wurde länger, als sie beabsichtigte.
Zürn Schluß fügte sie noch einige Zeilen über das hinzu, was sie bewegte. Sie schrieb kurz von ihren Sorgen und Befürchtungen, denn ihr war, als müßte der Mann dort in Friedenau teilnehmend mit ihr fühlen.
, Einige Tage später schon erhieü sie Antwort. ' Keine Silbe von sich oder dem sonstigen Inhalt ihres Briefes. Herzliches, inniges Mitge- fühl sprach aus jeder Zeile und warm fielen die Worte dem Mädchen auf das Herz.
Mit dem Brief trat ihr Oettel näher. Sie , rechnete ihn nicht mehr nur zu ihrem Bekannten, nicht mehr zu den näheren Bekannten — sie betrachtete ihn als ihren Freund.
i 6. Kapitel.
' Mußte Hanns von Lingen diesen herzlichen Dries nicht beantworten?
f Jedenfalls tat sie es, und ein Briefwechsel ent- , -wann sich so zwischen den beiden Menschen, die -sich nur flüchtig kennen lernten.
_ Wenn der Tag kam, an welchem Oertel einen großen Briefe mit der großgeschriebenen
Mdresse erNxrrten durfte, war er fieberhaft aufge- I Mt. War aber der Brief da, — Marga bracht« I
Vizekönig von Nanking traf heute hier ein und regelte sofort die Streitfragen wegen des gemischten Gerichtshofes: dieser wird wahrscheinlich morgen wieder seine Tätigkeit aufnehmen.
Die revolutionäre Bewegung in Rußland.
Wie t» in den baltischen Provinzen zugeht.
Einem uns aus Marburg freundlich zur Verfügung gestellten Privatbriefe entnehmen totr die folgenden Schilderungen, die im einzelnen ein Bild der schrecklichen Zustände geben und Teilnahme für die traurige Lage der Deutschbaltm erwecken, wenngleich die Nachrichten durch die telegraphischen MAdungen schon überholt sind.
Riga, 12. Dezember. — Was wir im Laufe dieser Zeit alles durchlebt haben, darüber könnte man Bände schreiben. Es ist ein Stück Geschichte, was wir hier mitmachen, aber ein grauenvolles. Es spottet jeder Beschreibung. Seit 14 Togen sind wir von der Welt abgeschnitten. Sest drei Tagen sind alle Fabriken und fast alle Läden ge- schlossen. Daß der Kriegszustand erklärt ist, nützt nichts. Einen Tag fuhren Kanonen auf an der Düna und in der Vorstadt, den anderen Tag wurden sie wieder zurückgezogen. Die Sozialisten sind alles, sie befehlen das Schließen der Läden, wenn nötig mit dem Revolver. Kleine 12jährige Jungen befehlen es, und man gehorcht ihnen, lvell eine Bande im Hintergrund ist. Die Schulkinder sind aus den Schulen gerissen worden, sie mußten mit Weibern, die rote Fahnen trugen, durch die Straßen ziehen, natürlich auch jüdische Polytechniker mit voran. Nach der Melodie „Ein' feste Burg" oder „O Haupt voll Blut und Wunden" wurde ein scheußlicher revolutionärer Text gesungen . Vor der Börsenbank hatte man sich festgesetzt, und ein jüdischer Agitator hiell eine Rede folgenden Inhalts: nieder mit den Eltern, nieder mst dem Kaiser, überhaupt alles nieder. Kleine, höchstens 12jährige Mädchen, hörten mst zu. Die Polizei tut nichts. Die Letten wirtschaft ten unglaublich. Sie schlagen Proklamattonen an: nieder mit der Städteverwaltung, nieder mit den Deutschen, nieder mit dem Gouverneur, usw. — Was die Polizei anschlägt, wird abgerissen. Mi- litärpattouillen ziehen ohne Ende durch die Straßen, aber weiter geschieht von ihnen nicht». Morde kommen zahllos vor, am Hellen Tage, man stumpft schon ganz ab dagegen. Es hat sich hier in der Stadt, besonders in der Vorstadt, ein Nachbarschutz gebildet. Sobald in der Nacht an einem Hause was Passiert, signalisiert der Wächter, e» werden Nebelhörner geblasen und die ganze Nachbarschaft läuft dann zusammen, mit Revol. Vern bewaffnet. Neulich wurde auf diese Weise eine ganze Bande von 50 Mann verprügelt und in die Flucht geschlagen. — Aber, aber, auf dem
I die Korrespondenz stets selbst auf sein Zimmer,
I — dann spielte Oertel den Gleichgilfigen.
„Wieder so ein Brief," sagte sie. „Wer schreibt denn eigentlich so furchtbar dick und groß? Ich habe fast das Gefühl, dieser Mann muß furchtbar hart und brutal sein. Sieh doch einmal diese Buchstaben an, jeder einzelne wie eine dicke Keule, die drohend gegen den armen Hans Oettel geschwungen ist.
Er lachte und schob den Brief unbefangen zur Seite.
Marga sollte nicht erfahren, wie es um ihn stand.
War sie aber hinaus, griff er schnell nach dem Brief und las ihn Wort für Wort, Buchstaben für Buchstaben. Jetzt wußte er auch, daß sie es ihm angetan. Von dem Augenblick an aber, als dieser Seelenzustand ihm klar wurde, sprach er nicht wieder mst Marga über die Fremde.
Er war aber völlig im Irrtum, wenn er an. nahm, das kleine Mädchen ließe sich von ihm täuschen. Sie ahnte genau, wie es um ihn be- stellt war, aber nun schwieg sie auch. Jetzt erst recht.
^Weihnachten rückte immer näher. Die Lchlvester betrieb schon ihre kleinen Geheimnisse; er sfieß auf verschlossene Türen, Schubladen tvur- den schnell zugemacht, wenn er in da» Zimmer trat, und auch er dachte zuweilen daran, wie er es anstellen müsse, Marga ein Fest zu bereiten, das nicht gar ztt sehr von der fröhlichen Feier tn Potsdam abstechen würde.
Sie erzählte oft und zwar gern davon, ihre Augen strahlten dann, als sähe sie noch den brennenden Christbaum, und ihr fröhliches Kinderlachen drang ihm zu Herz und Gemüt.
Aber er tvar gar nicht so recht in Sfimmung, und auch so mrgeschickt. Seine Weihnachten der- liefen stets traurig und allein, ohne Festfreude, ohne Christbaum, noch den letzten Festabend her- lebte er allein. „;j. , .
Lande, da geht es unbeschreiblich zu. Die Adligen sind meist geflohen, die zurückgebliebenen werden ermordet. Darunter ein grauenhafter Fall, man glaubt im Mttelalter zu leben. Zwei Barone Aderkas sind meuchlings ermordet, die Leichen verstümmelt worden, und als die Familie zur Berdigung hinausfähtt, hatten diese Scheusale ht Menschengestalt die Leichen im Schloß in Gewahr, sam und gaben sie nicht heraus. Jetzt sind es drei Wochen! Ist es zu glauben? Und alles ist wahr! Ein junger Transehe, der auch ermordet ist, darf wenigstens in einem Sarge liegen, da der Sargmacher darum gebeten hat, well er doch sonst den Sarg nicht bezahlt bekäme, wenn er ihn zurücknehmen müsse; da haben sie ei anädigst gestattet, aber beerdigt darf er nicht werden. — Es sind Zustände, die unbeschreiblich sind. — Den Pastoren haben sie allen gekündigt. Gott existiert nicht, in den Schulen bürfen keine Religionssttm- den gegeben werden. Alle Pastore fliehen mit Lebensgefahr, Dein Vetter K. ist auch mit seiner Familie geflohen und knapp mit dem Leben da- von gekommen, von Revolverschüssen begleitet. Pastor S. in Kremon, der Bruder meiner Freundin, mußte auch fliehen, und auf eine entsetzliche Art. Seine Gemeinde liebt -ihn und hat ihn fußfällig gebeten, zu bleiben, das lettische sozial- demokrafische Komitee hat ihn aber abgesetzt, und zwar sollte er binnen 14 Tagen weg. Um 6 Uhr morgens kam ein Bote von Baron Kot auf Engel- hardtshof, 3 Werst entfernt, er möge sich sofort mit seiner Famflie nach Riga aufmachen, eS sei Gefahr im Anzuge. Klot selbst war schon in der Stadt, der Bote sollte auch die Baronin holen, die aber von ihren Leuten so gebeten wurde, daß sie blieb. Die Pastorin fuhr mit den Kindern 32 Werst bis Station Jägel im Wagen, die Eisen, bahn ging ja nicht. Unterwegs sind ihr endlos Banden begegnet, die Drohungen und Flüche auS- stießen. Endlich kam sie zum Schiff, aber ihre Sachen mußte sie dem Schicksal überlassen. Rasch in die Kajüte, sagte der Kapitän, da vom Ufer aus auf das Schiss geschossen wird. So sind sie denn in Riga, nur mit dem, was sie auf dem Leibe hatten. Der Pastor war zurückgeblieben, weil er am Sonntag noch eine letzte Predigt halten wollte. Da hört er in der Nacht auf Sonntag Sturm läuten, er schaut hinaus und sieht eine Scheune lichterloh brennen. Er eilt zur Türe, da rütteln gerade draußen zwei Kette und wollen hinein. Er fragt, was sie wollen; sie nennen ihre Namen, zwei schon berüchtigte scheuß- Hebe lettische Wirte, und rufen ihm zu, wir wollen Abrechnung mit dir halten; natürlich wollten sie ihn morden. Da ist er durch einen anderen AuS- gang geflohen und durch den Wald geirrt bi» ins Doktorat. Der Doktor hat sofort anspannen lassen und ihn selbst nach Hinzenberg gefahren. Von dort ist zufällig ein Eisenbahnzug gegangen bis zur Rangierstation, das ist noch weit hinter der Alexanderpforte. Von dort ist er zu Fuß in die Stadt gegangen, da kein Fuhrwerk und keine Tramway ging. Als ein gebrochener Mann ist er zu ben ©einigen gekommen. Am anderen Tage kam sein Kutscher nach und erzählte, daß seine Gemeinde außer sich gewesen sei, als sie am Sonn-
Er mußte sich förmlich Mühe geben, in eine Art Festfreude zu kommen, und das gelingt nie.
Da kam ein Brief von Fräulein von Lingen. Ihre trübe Sfimmung begann allmählich zu weichen. ein Beweis dafür, daß es dem Vater wobl besser geben mußte. Vielmehr als in den bis. herigen Briefen ging sie auf allgemeinere Interessen ein, warf mehr als ein anregendes Thema auf und erinnerte ihn so lebhaft an ihr Gespräch in der Eisenbahn, daß er sie förmlich leibhaftig vor sich zu feben meinte.
Am Schluß des Briefes aber hieß e»;
»Wie gut es Exzellenz geht, mögen Sie daraus ersehen, daß ich es wagen kann, in den nächsten Tagen auf einige Stunden nach Berlin zu kommen. Einige Stunden genügen mir für meine Weihnachtsbesorgungen, denn ich huldige dem Grundsatz, man soll an Ott und Stelle kaufen, was daselbst zu haben ist. Alles ist aber nicht in Wilhelmsburg zu erhalten und einen halben Tag darf ich schon fortbleiben.
Fräulein von Lingen in Berlin.
Oertel schien auf einmal wie umgewandelt. War denn hier nicht die Möglichkeit gegeben, sie wiederzusehen?
Es gibt keinen Zufall, das ist Unsinn. Selbst nuiß ich den Zufall spielen. Und er nahm da» Kursbuch zur Hand und begann das Studium des« Bahrplans der Lehtter Bahn.
Einen halben Tag durfte sie fernbleiben, schnelle Züge wollte sie natürlich benutzen, und zur Hellen Tageszeit wollte sie natürlich in Bersin fein, wo man in Geschäften noch bequem seine Auswahl treffen kann. Also würde sie über Mittag oder in den ersten Nachmittagsstunden in Berlin sein wollen.
Nach fünf Minuten war er sich klar.
Sie fährt um 10 Uhr 32 Minuten aus Wilhelmsburg, ist 12 Uhr 50 Minuten auf dem Syrier Bahnhof, fährt 5 Uhr 80 Minute» wieder nach Hau». Sie kann garnicht ander».
tag ahnungslos zahlreich zur Kirche hergekommeA war und erfuhr, daß der Pastor weg war. —• Ueberhaupt, wie das arme Volk von den Agitatoren betört wird, kannst Du Dir gar nicht vor- stellen.
13. Dezember. Ja das lettische Voll wirft systemattsch von den Sozialisten (den Volksbefreiern !) gegen die Deutschen und gegen alle» Besitzende gchetzt. ES ist unglaublich, wa» füg gemeine Lügengeschichten sie erfinden, um da» Summe Volk zu verhetzen. In Alten-Woga, toe ei furchtbar her gegangen ist, haben sie den Setten erzählt: die Deutschen haben aus Deutschland beutfdje Jäger kommen lassen, am Tage sehen fUl wie Menschen aus, in der Nacht aber sind ei Hunde, kriechen auf allen Vieren und fressen di« Letten! Und diese» Volk glaubt das und ist em• pött, und da» wollen sie haben. — Meeting» werden abgehalten ohne Ende, auf dem Lande und in den Städten, da besteigt solch ein Kerl die Tribüne und redet von Nieder mit der Negierung und überhaupt von Allem, und dann sammeln fle Geld ein. — Was hat uns die Freiheit gebracht? Mord und Tottchlag, Elend und Kummer. Es lag in der Hand der Sozialisten, das Voll richtig aufzuklären, aber sie wollten es nicht. Freiheit bedeutet hier, daß man einem Jeden, der mehr hat, das Seine wegnehmen kann, und morde« und brennen kann, fo viel man will. Sie wollen die Republik, und das ist doch in unserem Lande ganz unmöglich, wo das Volk noch so wenig auf« geklärt ist. Von der Regierung wissen wie nicht»; keine Ahnung hat man, wie es in Petersburg hergeht, da jede Verbindung abge- schnitten ist. Bei uns auf dem Amt haben wie noch immer gearbeitet, und was haben mir z» tun gehabt, unmenschlich viel! Wir werden von Soldaten bewacht, kein Fremder darf herein. Was leiden die Kaufleute und die Fabrikanten erst durch diese Streiks! Der Handel geht zu Grunde. Keine Waren können mehr ankommen. Ma» weiß nicht, wann die Eisenbahn je wieder fahren wird. Wie in einem Sack lebt man und wttß nicht, was der andere Tag bringen wird. Möchte man doch in Deutschland erfahren, wie furchtbar eS in unseren Ostseeprovinzen hergeht. Vielleicht würde uns dann geholfen. Wie btefee Brief in Deine Hände kommen wird, weiß ich nicht, ich hoffe per Schiff. Ihr lebt in Dmtsch- land wie in einem Paradiese. Und gar in Marburg, wo ein harmloser Diebstahl Aufsehen erregt. Wenn einem hier auf der Straße Uhr und Geld genommen wird und sonst nichts geschieht, dann kann man noch froh sein. — Eben kommt meine Freundin und erzählt, daß Pastor S. nun obendrein gar selbst noch beschuldigt wird, die Scheune angezündet zu haben, und die Sozialdemokraten werden jetzt zu Gericht sitzen und über ihn aburteilen. Anderes Gericht gibt e» nicht mehr. Glaubt man nicht im Jrrenhause zu fein? Und das im 20. Jahrhundert! —
Wo bleifeen deutsche Kriegsschiffe?
Wie au» Riga gemeldet wird, hatten eine ganze Menge Deutscher infolge der ihnen drohenden Gefahr auch den Versuch gemacht, auf
Um 12 Uhr 50 Minuten war er auf dem Lehtter Bahnhof. Es war doch möglich, daß sie heute schon fuhr. Ging es dem Vater heut beson- ders gut, würde sie den günstigen Augenblick benutzen.
Er wählte seinen Standort so, daß er in bet Nähe des Fahrkartenbeamten die ganze Länge des Zuges überblicken konnte. Er würde sie so« fort sehen, und---Nein, er konnte nicht
anders.
Selbst auf die Gefahr hin, aufdringlich oder gar unverschämt zu erscheinen, mußte er seinem Impulse folgen.
Als er ohne Hann» entdeckt zu haben, seinen Platz verließ, war er nicht enttäuscht. Im (Gegenteil, ei schien ihm sogar günsfig, denn nun hatte er Zett zu überlegen, was et sagen wollte.
Er konnte doch nicht gut wie ein Wegelagerer vor sie hintreten, ohne Grund anzugeben. Und er suchte sich die plausibelsten Gründe aus, vo« denen er eine ziemlich große Anzahl fand.
Am nächsten Tag war er nicht sehr angenehm berührt, vergeblich getoartet zu haben, tag» daraus hart enttäuscht.
Wenn sie nun ihren Entschluß änderte, etwa gar nach Hamburg fuhr, ober — in Hamburg, dort stand ihr Bruder. Wenn sie nun nach Hamburg fuhr, ihre Besorgungen zu machen? j
Wieder nahm er das Kursbuch vor und siu- diette darin. * 1
Um 9 Uhr 45 Minuten konnte sie aus Wilhelmsburg fahren, war kurz vor zwölf in Hamburg, fuhr 3 Uhr 30 Minuten auS Hamburg und; war zur Dinerzeit schon wieder beim Vater.
Es war ihm wie jenem, der auf einmal da» > Gruseln lernte. >
Oettel war an dem ganzen Nachmittag auf- sollend schlechter Laune, aß nicht zu Mittag, sprach nicht und lief am Abend stundenlang allein spazieren. _____ >
-___ z'sswwwsiui ^Fortsetzung folgt.)