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l Nachdruck verboten.)

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Der wirksame ($

aller An-

Ti'ch sprach. Sie unterhielt ihn, plauderte lebhaft und anregend während der kleinen halben Stunde des Mittagsessens und ließ den Vater den kleine» Zwang des Schweigens kaum merken. Er aber freute sich der Liebe seines schönen Kindes, die wie ein warmer Sonnenstrahl den Rest seines Lebens verschönte.

Einige Tage später beantwortete Hanns den immer noch offen in ihrer Mappe liegenden Brief von Öertel.

Sie war nicht in Kampfstimmung; keinem Tier hätte sie ein Leid zufügcn mögen, viel weni­ger einem Menschen, ganz besonders aber keinem, fiir den sie ein besonderes Interesse hegte. Sie war so weich gesttmmt, daß sie am Nachmittag Frau von Schulz einen zweiten Besuch machte, selbst auf die Gefahr hin, derselbe könnte von der selbstüberzeugten Dame als Kapitulation ange­sehen werden.

Aber Herr von Schulz mußte hin und wieder zu Papa kommen. Sie fürchtete, ihre Gesellschaft allein könnte Papa auf die Dauer nicht genügen.

Der alte Herr hing noch mit unzähligen Fäde» an der Armee und Herr von Schulz besaß neben anderen guten Eigenschaften auch die, eine wan­dernde Rangliste zu sein. Er korrigierte das ge­druckte Eremplar genau, Fehler kamen dabei nicht vor.' War er wieder fort, knurrte Exzellenz wohl etwas vom faden Schwätzer, so lange er aber da war, amüsierte er den alten Herrn.

Er kannte die halbe Armee, natürlich nur den kerittenen Teil, soweit er einen Namm hatte; wußte von fodem Nationale und Strafverzeichnis, und war letzteres nicht verbanden, ersetzte seine Phantasie den Mangel.

Selbstverständlich versprach er bereitwilligst, ost vorzusprechen, «nd Frau von' Schulz fügte ohne besondere Aufforderung hinzu, sie werde sich erlauben, zuweilen nach dem RÄhten zu sehm«

. . Mortsetzung jolgt^_

gesichert und werde verschiedene Fährnisse zu überwinden haben. Wenn sie auch durchgeht, so wird das allgemeine Wahlrecht die Arbeits­fähigkeit des Parlaments sicherlich nicht Her­stellen. Im politischen Leben Oesterreichs spielt das Parlament seit 10 Jahren nur noch eine bescheidene Rolle, als Ventil der Volksleiden­schaften. Diel mehr bedeuten da die Straßen­demonstrationen, wie der Redner an einer Reihe von Beispielen nachwies. Deshalb wäre eine Vergewaltigung der Deutschen durch ein für sie noch ungünstiger als daS jetzige zusammen­gesetzte Parlament nicht möglich. In dem Kampfe gegen die Sprachenverordnungen hat das Echo, da« der Notschrei der österreichischen Deutschen allmählich doch auch im Deutschen Reich zu finden begann, eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Auch in Zukunft muffe man auf Derartiges gefaßt fein und dem Deutschtum in Oesterreich in der öffentlichen Meinung de» Deutschen Reiches einen moralischen Rückhalt geben.

Marburg

Freitag, 22. Dtzember 1905.

Neueste Telegramme.

Breslau, 20. Dez. Der Vorsitzende des schlesischen EtädtetageS, Oberbürgermeister Dr. Bender-BreSlau, hat für den 21. Dezember eine VorstandSfitzung in Breslau zur Beratung der Berufung eines Städtetages anberaumt, 1 der zum SchulunterhaltungSgefetz Stellung I nehmen soll. Herr Bender bezeichnet dabei das SchulunterhaltungSgefetz als den stärksten Ein­griff in die städtische Selbstverwaltung seit Erlaß der Städte-Ordnung von 1808.

1 Paris, 21. Dez. General Sausfier ist 77 ! Jahre alt, gestern gestorben. Saussier wurde 1850 Unterleutnant im Fremdenregiment. In ihm machte er die Feldzüge in Afrika, im Orient und in Mexiko mit. 1860 wurde er Oberst. Im deutsch-französischen Kriege zeich­nete sich der < erstorbene bei Colombeh-Nouillh und St. Privat rühmlich auS, Nach der Kapi­tulation von Metz geriet Saussier in die Ge­fangenschaft, zuerst nach Mainz, dann nach Graudenz. Es gelang ihm zu fliehen und nach Frankreich zurückzukehren. Später war er Coipskommandeur in Algerien, 1884 wurde er Militärgouverneur von Pari« und zugleich Mit­glied des Landet oerteidiaungSkommiteeS. 1888 trat Saussier in den Ruhestand, und 1903 gab er auch als Mitglied be8 obersten Kriegsrats seine Demission.

Londo«, 20. Dez. Aus Kapstadt meldet das Bureau Reuter: Nach Berichten aus Swa- kopmund habe der Gouverneur von Lind- equist die Herero Chefs Omburo und Otgi- heinena aufgefordert, ihre Waffen zu strecken. Falls sie die Feindseligkeiten bis zum 20. d. ,M. eingestellt haben würden, sollten ihnen und ihren Frauen und Kindern Lebensmittel gelie­fert werden.

London, 21. Dez. In der gestrigen Sitzung des Kabinetts wurde der Beschluß gefaßt, dem König vorzuschlagen, das Parlament am 8. Januar aufzulösen.

Washington, 20. Dezbr. Staatssekretär Root konferiert mit Schatzsekretär Shaw und den Beamten des Schatzamtes, um festzustellen, welche Vorschläge die Vereinigten Staaten Deutschland als Grundlage für einen zollpoliti- schen moius vivendi machen können. Es ver­lautet, Root gewann den Eindruck, die Fertig­stellung des endgiltigen neuen Handelskommens mit Deutschland sei in kurzer Zeit bis 1. März unmöglich, da das Staatsdepartemens ohne ge­setzgeberischen Akt keine Zollreduktionen ge­währen, sondern nur gewisse zolltechnische Be­stimmungen fallen lassen kann.

Tokio, 20. Dez. Die vereinigte japanische Flotte ist aufgelöst und Admiral Togo zum Chef der S.estreitkräfte ernannt worden. Marschall Ohama übernimmt wieder die Stellung des Chefs des Eeneralstabes.

Erscheint wöchentlich siebe» mal.

Druck und Verlag- Joh. Slug. Noch, UmversitSts-Buchdruckerei 40« Marburg, Markt 21. Telephon 55.*

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ausgedehnter. Telegraphtiche und tele­phonische Bedienung von Frankfurt und Berlin durch das Wolfsische Tell-Bureau. Eigene ParlawkntSbertchte aus dem Reichstage und dem preußischen Land- tage. Außerdem besitzt die Zeitung zahl­reiche Korrespondenten u. Mitarbeiter.

Der lokale und Mvirrzielle Teil enthält die neuesten Ereigniffe in der Stadt, aus der Umgebung, der Provinz und den angrenzenden Gebieten, Ber- sammlungS- und BereiuSberichte, interessante Nachrichten auS allen Ge- bieten des öffentlichen LebenS, besonders Seit- «ud Strettsrage« ans der ommnnatpolttik.

Die Brücke.

Roman von Willy Scharlan.

(Fortsetzung.)

Ob, Erzellenz, den das Sprechen zu ermüden begann, sie ilicht verstand oder nicht verstehen wollte, er sagte kurz:Das ist ja selbstverständlich. Fräulein von Lingen soll nicht herabsteigen."

Wird sie auch nicht, Papa, wenn ich auch das ebenbürttg anders auslege, als man landläufig wohl meint . Von Dir weiß ich ja auch, wie Du denkst, freier als maircher Deiner Standesgenossen überaristokratisch".

Der alte Herr sah die Tochter groß an. Die letzten Worte gaben ihm zu denken. Aber er schwieg, denn der letzte Anfall war nicht ganz leicht, seine Folgen machten sich in schwerer Er- schöpfung bemerkbar. Erst nach geraumer Zeit sagte er:

Jeder, welcher Dir ebenbürtig ist, soll mir willkommen sein, wenn Du ihn bringst. Allzu lange aber darfst Du nicht mehr zögern, Hanns; ich bin sehr müde."

Exzellenz lehnte den Kopf gegen die Sofa­lehne, die Tochter deckte ihn sorgfältig zu und er­hob sich leise. Sie hätte auf der Diele Stimmen.

Als der Sanitätsrat nach einer halben Stunde das Haus verlassen wollte, ließ sie-ihn bitten, sich für einen Augenblick nach oben zu bemühen.

Er sah ihre rotgeweinten Augen und meinte gutmütig:

Nun, so schlimm ist's noch nicht, gnädiges Fräulein; ganz so schlimm noch nicht. Aber lieb ist es mir, daß Sie sich selbst auf Schweres schon vorberettet haben."

Und auf Schweres war sie gefaßt. Die Ver­änderung im gleicheren, namentlich aber im Wesen

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laden wir zum Bezug unserer Zeitung höflichst ein.

Die revolutionäre Bewegung in : Rußland

Die deutschen Flüchtlinge aus den Ostseeprovinzen.

Wie aus Stettin gemeldet wird, ist dott gestern Morgen der erste Transpott auf dem Dampfer Sedina" aus Riga eingetroffen.

lieber und über mit Eis bedeckt lief der 108 Passagiere führende Fracht- und Passagierdampfer Sedina in den Hafen ein. Der,Dampfer sollte bereits am Sonntag von Riga in See gehen, mußte jedoch des außerordentlich stark einsetzen- Sturmes halber bis Montag fttih 10 Uhr warten, von welcher Zeit ab er gute Fahrt bis Stettin hatte. Da der Dampfer nur für die Aufnahme von 40 Passagieren eingerichtet ist, so wurden die übrigen untergebracht, wo es nur ging. Rauch- und Speise-Salons, sowie die Gänge vor den Ka­jüten waren während der Nacht in Schlafräume unrgewandelt. 52 Passagiere erster Klasse brach­ten ganze Berge von Koffern mit, während die Zwischendecks-Reisenden vielfach ohne jedes Ge. päck, manche mit einem Sack auf dem Rucke«, Weiber und Kinder an der Hand, letztere oft noch im Säuglingsalter ankamen. Die Angaben der Flüchtlinge über die gegenwärtige Lage in Riga geben in der Hauptsache das wieder, was durch die telegraphischen Meldungen schon bekannt ge­worden ist. Insbesondere werden die Greucltate« auf dem Lande als ganz entsetzliche geschildert. Kapitän Breitsprecher von derSedina" glaubt, daß für die im Hafen von Riga liegenden Schiffe vorläufig keinerlei Gefahr bestehe, da man auch die Flüchtlinge anstandslos passieren lasse. Die Sedina" brachte Hefige Mengen von Post mit.

Die zur Aufnahme von Flüchtlingen nach den Ostseehäfen endtsandten deutschen Dampler sind auf Staatskosten gechartert. Die Flucht bet baltischen Deutschen dauert weiter fort. Nach

Der Inhalt der Z itung

reichhaltig und trögt den Lesebedürf­nissen und Jatereftt« aller Volks» schichte« Rechnung. Der besseren und vielseitigen Ausgestaltung wird fottgesetzt die größte Aufmerksamkeit gewidmet.

Oesterreich-Ungarn.

DaS allgemeine Wahlrecht ist die Forderung, die jetzt sowohl in Oesterreich wie auch in Buda­pest zu den im Vordergründe des politischen Lebens stehenden Fragen gehört. Ueber ihre Be­deutung vom Standpunkte des Reichsdeutschen betrachtet sprach Professor Dr. Samassa (Berlin) in einem aus dem außerordentlichen alldeutschen VerbandStage in Leipzig gehaltenen Vortrage. Prof. Samassa darf zu den besten Kennern öster­reichischer und ungarischer Verhältnisse gerechnet werden.

Er wies darauf hin, wie die Sozialpolitik, die aus die Hebung bet unteren BevölkerungS- schichten abzielt, in einem Nationalitätenstaate tote Oesterreich ganz anders beurteilt werden müsse wie in einem Nationalstaat. Diese Politik, an der sich deutscher Doktrinarismus in Oester­reich sehr ausgiebig beteiligt habe, habe zu einer fortschreitenden Entrechtung der Deutschen, die die höheren sozialen Schichten in Oesterreich bilden, geführt. In Ungarn würde daS allge­meine Wahlrecht den Deutschen zugute kommen, obwohl das Entscheidende nicht so sehr daS all­gemeine Wahlrecht, wie unbeeinflußte Wahlen seien. Der Redner glaubte indes nicht, daß es zu­rächst schon in Ungarn dazu kommen werde. Ein Friedensschluß zwischen der Koalition und der Krone dürfte bevorstchen. Die jetzige Periode habe aber den Vorteil gehabt, daß sie die Schwäche der herrschenden magyarischen Klique in Ungarn erwiesen habe und daß diese nie mehr über die Massen, die Straße, die in Oesterreich wie in Ungarn eine große Rolle spielt, versügen könnte. Das Selbstbewußtsein der Nationalitäten sei in dieser Zeit außer­ordentlich erstarkt und die Nationalitäten­bewegung nicht mehr aufzuhalten. In Oester­reich erhoffen die Slaven, die die Verteilung der Mandate lediglich nach der BvlkSzahl wünschen, von dem allgemeinen Wahlrecht eine weitere Beschränkung der Stellung der Deutschen. Bei Durchführung des allgemeinen Wahlrechts würden die nationalen Parteien unter den Deutschen vermindert, die Sozialisten und vor allem die klerikalen Abgeordneten würden an Zahl zunehmen. Die von mancher Seite vor- geschlagene nationale Autonomie, die zum Teil gegenwärtig in Mähren für den Landtag durchgeführt sei, könnte auch für die Deutschen eine brauchbare Voraussetzung für das allgemeine Wahlrecht bilden. Aber diese nationale Autonomie müßte vollkommen durchgesührt werden, sodaß jedes Volk auch für seine eigenen nationalen Bedürfnisse finanziell auskommt. Das aber ist gegen die Interessen der Slaven, die vom deutschen Steuergulden leben. Die Vorlage, die daS Ministerium Gautsch in Bezug auf daS Wahlrecht zu machen versprochen habe, sei jedenfalls noch keinesfalls

Der politische Teil

biete der innere« «nd auswärtige« Politik, deren Fragen von einem streng nationalen, im besten Sinne konservativen, aber wo er angebracht ist auch frei­mütigen Standpunkte behandelt werden.

des Vaters, fiel ihr sofort auf, als sie heimkehrte. Doppett nach einer Abwesenheit von Jahresfrist. Egon, der oft kam, bemerkte sie kaum.

Und diese Aenderung war tiefgehender Natur, das bemerkte sie täglich deutlicher. Sie war der Anfang vom Ende.

Ist es wirklich so schlimm, Herr Sanitäts- rat?" fragte sie mit tränenersticktcr Stimme. Papa hat wohl nur keine genügende Pflege ge- babt. während ich fort war. Jetzt soll es ihm an nichts fehlen."

Ja, es steht schlimm," erwiderte der Arzt. Ich sage es Ihnen ganz offen, absichtlich ganz offen. Sie könnten sonst geradezu schrecklich durch ein plötzlich eintretendes Ereignis überrascht tverdeu."

Dann fetzte der Arzt auseinander, daß die Krankheit eine bedenkliche Wendung genommen, setzte alle Verhaltungsmaßregeln genau aus­einander und erklärte, von einer Reise nach dem Süden, wie Hanns sie in Vorschlag brachte, könne gar nicht mehr die Rede sein.

Soweit ich Ex.zellenz kenne, mürben sich die­selben auch mit Hand und Fuß dagegen sträuben," schloß er.

Ja, davon bin ich auch überzeugt, er sprach sich deutlich genug darüber aus. Nicht wahr, .Herr Sanitätsrat, Sie kommen jetzt, täglich. Nicht zu Papa, denn das würde ihn erzürnen. Aber, tntte, kommen Sie zu mir. Ich werde Ihnen den genauesten Bericht erstatten. Nicht wahr, Sie kommen?"

Es war rührend, zu sehen, welche Mühe sich der alte Soldat gab, seine stets größer werdende Hinfälligkeit zu verbergen, und der Tochter gegenüber der stets vollendete Kavalier zu bleiben. Das Gehen wurde ihm so schwer. Hanns aber täglich zu Tisch zu führen, dies Vorrecht ließ er sich nicht nehmen.

Dafür duldete die Tochter nicht, daß er bei

Der allgemeine u. unterhaltende bringt spannende Romane, kleinere ^»»'Feuilletons, Theater-u Musik« und Kunstdesprrchnnge«, Hochschnl« Nachrichten, ferner in zwanololer Reihen­folge erscheinende R«»dfcha«artikel populär-wissenschastlichen Inhalts, medi- zinlfche, juristisch» usw. Rundschau, A«S Schule «ab Kirche, Heer «nd Flotte, Ans der Fra«e«welt und für die Frone«, die vielen Anklang ge­funden haben.

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