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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilager ZUastrtrtes Sonntaasblatt.

VitkttljLbrlichrr Bezugspreis: bet ver Exxsitioa 8 SRI, Marburg Erscheint wöchentlich sieben mal.

.«299 Donnerstag, 21. D^mber 1905. **S^Ä^ÄSS** 40. W«.

Erftes Blatt.

Neueste Telegramme.

Berlin, 20. Dez. Der russische Botschafter Hraf von der Osten-Sacken überbrachte gestern idem Reichskanzler die ihm vom Kaiser von Rußland verliehenen Brillanten zum Andrea»- Orden.

Berlin, 20. Dezbr. Der Bundesrat ver­sammelte sich gestern zu einer Plenarsitzung und Nahm den Gesetzentwurf wegen Wertbestimmung her Einfuhrscheine im Zollverkehr an. Vorher hielten die vereinigten Ausschüsse für Handel Und Verkehr und für Justizwesen und der Aus­schuß für Rechnungswesen Sitzungen.

Berlin, 19. Dez. Die Herausgabe eine» Weißbuches über Marokko ist jetzt endgültig beschlossen

Hamburg, 20. Dezbr. Die deutsch, Re­gierung schloß mit der Firma Hagenbeck einen Vertrag auf Lieferung von 800 Kameelen zu Transportzwecken in Südwestafrika.

Gnefe«, 19. Dez. Bei der Wahl für den Provinziallandtag ist in dem Wahlbezirke BnesewZ'n - zum ersten Male deutsch gewählt worden.

: Petersburg, 20. Dezbr. Es besteht kein Zweifel mehr, daß dis russische Regierung be­absichtigt, einen großen, anscheinend den größeren Teil der in Oftasien stehenden Truppen aus dem Seewege zurückzubefördern. Jetzt hat aber die Hamburg-Amerika-Linie mit der russischen Re­gierung Verträge über Rückbeförderung von Truppen von Wladiwostock nach dem europäi­schen Rußland abgeschlossen.

Petersburg, 20. Dez. Gestern abend find die Admirale RoschestwenSki und WireniuS, di« in Japan kriegsgefangen waren, hier einge­troffen.

Nationale Kundgebungen.

Ein außerordentlicher alldeutscher Verband», tag fand, wie schon gemeldet, am 17. Dezember in Leipzig unter sehr starker Beteiligung statt; eS mochten nahezu 300 Personen anwesend gewesen sein. Ortsgruppen auS den verschiedensten Lei- len des Reiches hatten Vertreter entsandt, sogar aus der Schweiz waren 2 Mitglieder erschienen. Die Veranlassung zu dem VerbandStage bot die

neue Flottenvorlage,

zu der Stellung genommen werden sollte.

Den Bericht darüber erstattete Kapitanleut- nant a._ D. Weyer (Kobknz), der hervorhob, daß es sich in diesen Kreisen wohl erübrig«, die Not. Wendigkeit einer starken Flotte für Deutschland vom politischen Endpunkt zu erörtern. Was

16 sNachdruck verboten.)

I Die Brücke.

Roman von Willy Scharlau.

Sie protegierte die beiden Fräulein von 1 Herzog und wollte sie nicht entthronen lassen. Außerdem war ihr die Lingen nicht sympathisch; zu sicher war dieses Mädchen und gar nicht ge- - neigt, ihre Autorität anzuerkennen, wie genannte t beide junge Damen.

Als aber Hanns von Lingen der würdigen Dame mit der vorgeichobenen Lippe, dem susfi. t santen Lächeln und der Protektoriniene gegen» übersaß, hatte sie die Empfindung, sie befände sich im Untersuchungszimmer eines Arztes. Sie wurde behorcht, beklopft, ausgefragt, hin. und ; üergewendet, denn Frau von Schulz betrachtete Fräulein von Lingen als wertvolles Objekt, das i sie sich nicht entgehen lassen wollte.

Anderswo ließen die Leute ja auch ihrer Neu. gierde die Zügel schießen, hier aber trat die Ab- sicht so deutlich zutage, daß Hanns empört wurde.

Hier in Wilhelmsburg würde auf die Dauer I ihres Bleibens nicht sein, der Gedanke tauchte l zum erstenmale scharf und klar in ihr auf. So nicht, unter diesen Verhältnissen nicht, und Egon behielt recht. Schon nach 14 Togen war ihr Bc- 'darf an Wilhelmsburg, vielmehr an den Menschen = in Wilhelmsburg, mehr als reichlich gedeckt. ; Dazu machte ihr der Vater ernstliche Sorge.

Täglich an den Vormittagen einen weiten f Spaziergang in dem ausgedehnten Stadtpark zu siiachey» gehörte zu seinen Lebensgewohnheiten, dcnsn er nur gezwungen entsagte.

t Der Park bot zwar wenig Naturschönhetten, «ber er war einsam und sttll, die Wege waren »racken und sauber, man erging sich im Hochwald, i geschützt vor dem ewigen Westwind. Und im

über die technischen Schwierigkeiten in letzter Zett auch im Reichstage vorgebracht worden sei, ent­spreche durchaus nicht den Tatsachen. Unser« Werften seien ohne weitere» im. stände, mehr al» doppelt so viel SchiffeinBauzu nehmen, al »gegen­wärtig, wie der Redner auf Grund ein» gehender Erkundigungen al» unbedingt sicher­stehend hinstellen rann. Desgleichen sei auch un­zweifelhaft, daß die Frage der Bemannung der Schiffe gelöst werden könne, wenn dies auch große Schwierigketten biete. Aber man brauche ja nur die 18 minderwertigen sogenannten Schlachtschiffe in Reserve zu stellen und deren Bemannung auf neue Schiffe überzuführen.

Die Erörterung gestaltete sich äußerst lebhaft. Rechtsanwalt Claß (Mainz) wies daraus hin, daß derAlldeuffche Verband" schon bei seiner Grün- düng im Jahre 1890 die Forderung einer starken Flotte aufgestellt habe und im Jahre 1896 die Agitation im großen Stil.einleitete, die zunächst zu der ersten Flottenvorlage im Jahre 1898 führte. Kaidirektor Winter (Hamburg) wies an der Hand von Zahlen auf das außerordent- liche Anwachsen der Ausfuhr und des deutschen Schiffsverkehrs hin, wobei er besonders auf die Verhältnisse seiner Vaterstadt Hamburg Bezug nahm. Kapitänleut­nant z. D. Graf Reventlow übte scharfe Krittk an den Schiffen der Sa ch s e n - K l a s s e und der Küstenpanzer, von denen man nicht gut sagen könne, sie seien minderwerttg, sie seien viel- mehr einfach unbrauchbar. Generalleutnant z. D. von Liebert (Berlin) beklagte die man­gelnde Opferwilligkeit im deut- s ch e n Volke, deren Interesse sich in dem Ge­schrei über die angebliche Fleischnot zu erschöpfen scheine. Jede Gehässigkeit gegen England liege demAlldeutschen Verbände" fern. Er hält es mit dem Ausspruch v.on Gildemeister:Allen Re­spekt vor England, stets lernen von England, aber immer rüsten gegen England." Admiral z. D. Riedel (Lübeck) meinte, wenn beim Landheer die Pferd« lahm zu werden drohen, so ersetze man sie durch neue, brauchbare. Diese Selbswerständlich- kett scheine jedoch für unsere Seestreitkräfte noch nicht zur Anerkennung gelangt sein. Mehrere Herren ergingen sich noch über die Art der Agi­tation, wie auf den Reichstag einge- wirkt werden müsse: durch Unterschreiben der Petitionen, Einwirkung auf die einzelnen Abge­ordneten, Belehrung der Massen usw. Zum Schlüsse gab der Vorsitzende, Professor Dr. Hasse (Leipzig) seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß aus- ländische Einflüsse auf die Gestaltung der Flotten- Vorlage keinen Einfluß gehabt hätten, daß man in Marinekreisen technische Schwierigkeiten vor» geschützt, vielleicht hierbei aber auch eine gewisse Rechthaberei im Spiel« gewesen sei mid man von dem, was man einmal gesagt habe, nichts zurück- nehmen wolle. Hierauf wurde folgende Ent­schließung einstimmig angenommen, die wir be­reits gestern telegraphisch gemeldet haben:

Der Außerordentliche Verbandstag des Alldeutschen Verbandes begrüßt die jüngste Flottenvorlage der verbündeten Regierungen

Gegensatz zu anderen Spaziergängen bot der Park viel geschützte Sitzgelegenheiten.

Der alte Herr vermochte nur langsam zu gehen, denn fein fortschreitendes Herzleiden zwang ihn, sich häufig zu setzen. Ein Grund mehr, den Park aufzusuchen.

Plötzlich stellte Exzellenz diese Spaziergänge ein.

Hanns sah, daß Papa nur zweimal, dreimal vor dem Hause aus. und niederging und sich dann in sein Zimmer zurückzog.

Anfangs wollte er nicht mit der Sprache heraus, Haims aber schickte zum Hausarzt und setzt« schon durch diese Drohung dem alten Herrn die Pistole auf die Brust.

Na, denn komm' schon her!" sagte er schließ­lich halb unwirsch, halb erfreut durch die Sorg­falt^ der Tochter.Wenn Du es absolut hören willst, Kleine, ich bin ein altes Wrack, zu nichts mehr tauglich, nicht einmal mehr dazu, dem Staate die Pension zu kosten. Nächstens gehe ich ganz kaput."

Red' doch nicht so, Väterchen!" meinte Hanns und setzte «ine möglichst ruhige Miene auf.Tu Du erklärst ja immer, ganz gesund zu fein. Das kommt ja doch bei alten Herren zuweilen vor, daß sie nicht ganz auf bem Damm sind, bei alten Frauen natürlich auch. Aber das vergeht doch wieder. Es ist auch wohl die Jahreszeit daran schuld. Ueberschlagen wir sie doch und ver- bringen den Winter irgendwo im Süden."

Schwatzest Du das etwa schon dem Sanitäts- rat nach? Nicht? Na, von solchen Ideen nimm nur glatt Abstand. Daraus wird nichts, denn in den letzten Tagen meines Daseins will ich ivenigstens meine Ruhe haben. Gewiß."

Das Sprechen wurde Exzellenz entschieden schiller. Von Zeit zu Zeit hielt er inne, manch- mcll preßte er die Hand auf das Herz.

«Gib mir einmal die Tropfen her, Mädel", meinte er bitter lächelnd nach einer Pause.Der

mit Freude, insbesondere die Forderung voll- fertiger und den Schiffen anderer Nationen ebenkmrtiger Linienschiffe und Panzerkreuzer, die Vermehrung der Torpedoboots-Divisionen und die Förderung der Unterseebootsfrage.

Der Verbandstag spricht aber die Ansicht au», daß das Geforderte für die Wahrung un­terer ftetig wachsenden Seeinteressen und ange- sichts der ernsten Weltlage noch nicht genügt. Er erwartet, daß der Reichstag darüber hinaus- gehend eintritt für

1. einen möglichst schnellen Ersatz der minder­wertigen, in der Novelle zum Flotten­gesetze wiederum als Linienschiffe aufge- führten Fahrzeuge;

2. eine möglichste Verkürzung der Bauzeit der neuen Schiffe;

3. eine grundsätzliche Herabminderung der Lebensdauer der Schiffe.

Der Geschäftsführer des Alldeuffchen Der- Handes, Geiser (Berlin), sprach hierauf über

btt Revolution in Rußland und das baltische Deutschtum.

Er schilderte die Wirkungen der Russifizierungs- Aera, durch die das Letten- und Esthentum von der russischen Regierung systematisch zur Wider- setzlichkcit ermuntert und dein alten Unterorb* nnngsverhältnis zu der deuffchen sozialen Ober- schicht des Landes entfremdet worden sei. Das Toleranzedikt des Zaren und bie Verheißung der Konstitution gaben den Deutschbalten neue Hoff­nung auf bessere Zeiten. Die Unfähigkeit der Regierung, mit der Revolutton fertig zu werden, zerstörte jedoch alle diese Hoffnungen. Heute stünden wir vor der Möglichkeit b er bal­ligen Vernichtung des gesamten Deutschtums in Rußland, das über zwei Millionen Köpfe zähle, darunter etwa 150 000 Reichsdeutsche. Durchaus ernst zu neh­mende Männer, genaue Kenner der baltischen Verhältnisse rechnen mit der Möglichkeit eines deutschen Massakres bereits in der nächsten Zeit. Es müsse unser Wunsch sein, den deutschen Vorposten in den baltischen Provin- zen zu halten. Im übrigen Rußland ober fei das Deutschtum unter allen Umständen wurzel­los geworden. Was von dort nach dem Deutschen Reich zusttömt, sollte bei uns willkommene Auf. nähme finden und uns den Kampf gegen das Polentum führen helfen. Vor allem aber tue sofortige Hilfe not, um die in ihrem Leben bedrohten Deutschen in den Ostseeprovinzen zu retten. In wenigen Wochen vielleicht könnte der Hasen von Riga bereits zugefroren sein, und dann wäre es für jede Hilfsaktion zu spät. Die Entsendung von Transportschiffen allein genüge nicht, es müßten auch Kriegsschiffe dahin gesandt werden.

Schließlich weist Redner noch auf den unwür- digen Zustand hin, daß wir zwar Angehörige des russischen, Reiches ohne Schwierigkeit sowohl bei uns hinein, wie wieder herauslassen, während so­gar die Reichsdeutschen oft große Schwierigkeiten haben, um einen Paß zu erhalten, der ihnen das Verlassen des russischen Staatgebietes ermöglicht.

Baldrian stinkt zwar, daß es Gott erbarme, ober er tut seine Schuldigkeit immer noch. Wird ja nicht mehr lange dauern, und ich werde Aufbe- ivahrungsraum für alle möglichen Gifte. Der Apotheker freut sich schon darauf. So lange als möglich aber will ich ihm die Freude versalzen."

Die Tropfen taten ihre Schuldigkeit.

«Höre einmal, Hanns, setze Dich einmal her. Hierher, neben mich. Ich bin gerade mitteilsamer Laune und will sie benutzen. So! Ich brauche nun nicht laut zu sprechen. Egon habe ich es Übrigens schon, neulich gesagt. Es ist natürlich klar, daß ich mich längst reisefertig gemacht habe. Mein Testament liegt auf dem Gericht, es ist alles unanfechtbar in Ordnung."

»Aber Vater!" rief das Mädchen. Die Trä- nen traten Hanns in die Augen, denn nie zuvor war ihr der Verlust des Vaters in so greifbare Nähe gerückt. Sie faßte die Hand des alten Herrn, der ruhig foriftlhr:

Es gehört zum Leben, daß man ans Ster­ben denkt. Nur nicht so ein Zerren, wie es mein Vater durchmachen mußte. Also, nun höre. Das Haus und Garten bekommst Du. Du sollst stets wissen, wo Du zu Haus bist. Es ist auch ein Aeqmvalent für die kleinen Extravakanzen, die Egon mir hin und wieder beichten burfte."

Er schwieg; die Tochter küßte ihm weinend die Hand.

Ich habe nur noch einen Wunsch, Hanns", sagte Exzellenz dann und strich dem Mädchen über das dichte braune Haar.

Kann ich ihn erfüllen, Papa?" fragte sie rasch.

Du allein, Kleine. Ich möchte gern noch dei­nen Gatten kennen lernen."

Sie zuckte zusammen. Also auch er. Welche Mühe gab man sich doch, sie an den Mann zu bringen.

Mißverstehe mich nicht, Kind," sagte der alte »Herr schnell.Nichts liegt mir ferner, al» Dich

Auf jeden Fall müßten sie legale und sehr viel, illegale Bestechungsgelder dafür aufwenden. E» sei höchste Zett, daß die Reichsregierung diesem unwürdigen Zustande durch Verhandlung mtt der russischen Regierung ein Ende mache. 1

Nach kurzer Erörterung, in der festgestellt wurde, daß der gebildete Hilfsausschuß für bie Deutschen Rußlands keinen Parteicharakter trage, sondern alle Parteien und Gesellschaftskreise mit Ausnahme der Sozialdemokratie umfasse, und daß es dringend notwendig sei, daß der reine WohltätigkettScharakter dieser Aktion stets ge­wahrt werde, wurde folgende Enffchließung an­genommen:

Der Alldeutsche Verband hält nach forgfäl- tiger Erkundigung das gesamte Deuffchtum Rußlands in seinem Eigentum und Leben für ernstlich gefährdet durch die russische Revolutions. betoegung; die russische Regierung selbst er- scheint außerstande, dasselbe wirksam zu schützen, besonders bedrohlich ist gegenwärtig die Lage in dön deutschen Provinzen. Der Alldeutsch« Verband bittet daher die deutsche Reichsregie­rung:

1. um sofortige Entsendung deutscher Krieg», und Transportschiffe in die Häfen von Libau, Riga und Reval zum Schutze be» Lebens und Eigentums der zahlreich dort lebenden Reichsdeutschen und zu möglichst weitgehender Gewährung des Asylrechte» für alle bedrohten deutschen Volksgenossen;

2. sofortige energische Verhandlungen mtt bet russischen Regierung zur Vereinfachung, oder Beseitigung der umständlichen Paß-' Vorschriften für alle in Rußland anfätiigen Reichsdeutschen, die gewillt sind, zur Siche- rung ihres Lebens das russische Reich zu verlassen.

Der Alldeutsche Verband begrüßt mit lebhafter Freude die Gründung eines Hrlfsausschusses zur Unterstützung der notleidenden Deutschen Ruß­lands und^ fordert, seine Ortsgruppen und Mit- glieder auf, die eingeleiteten Sammlungen nach Kräften zu fördern.

Fremdenfeindliche Unruhen in China.

Au8 Tientsin wirb derFrkf. Ztg." von gestern, 19. Dez. gekabelt: Die Stimmung ist hier durchaus für die Beibehaltung der fremden Besatzungen. Die Blätter vergleichen die jetzi­gen Zustände mit denjenigen der Boxerzeit. In den deutschen Kreisen von Schanghai ist bie Stimmung gegen die Marine und die Gesandt­schaft, die denTiner" trotz Wa-'nungen wegge­zogen hat. Die Vorgänoe in Schanghai werben als symptomatisch angesehen und man erwartet hier nach dem Abzüge der Truppen AehnlicheS. Die Pekinger Polizei verhaftete deutsche Sol­daten im Dienst. Den!Iime8* wird au8 Schanghai gemeldet: Ein bezeichnender Umstand ist, daß bei dem Tumulte die Japaner ganz unbehelligt blieben, in gewissen Fällen scheinen ftie sogar tatsächlich mit dem chir.e-

überreben oder gar zwingen zu wollen. Gott soll mich bewahren. Die Geschichte mit Althof ist er­ledigt, ich werde ihn mit keiner Silbe wieder er­wähnen. Ich denke auch an gar keinen Bestimmten. Ich meine nur, ob Du nicht selbst schon daran ge­dacht hast, Dich zu verheiraten?"

Bis jetzt nicht. Väterchen. Es ging mir stets so gut, und"

«Du zögerst, Mädel. Ist nicht jemand in Deinen Kreis getreten, der---nun, ich

meine den Du hättest heiraten mögen?"

Das ist zu viel gesagt. Vielleicht würde ich ihn nehmen, wenn er käme."

Ich wollte, er käme, Hanns. Mr erscheint das Leben eines alleinstehenden Mädchens nicht rosenfarbig und ich würde Dich gern davor be­wahrt sehen. Unsereins kann sich wohl schwer iit Eure Denkungsart finden, denn ich muß Dir offen gestehen, es ist mir ein Rätsel, weshalb eiq Mädchen wie Du jeden Annäherungsversuch schroff von der Hand wies."

Hanns schwieg eine Weile, bann sagte sie:

Gründe sind wohl zur Genüge vorhanden. Ich werde eben keinen Mann heiraten, den ich nicht liebe, dem ich nicht ganz vertraue. Erstere» ist aber noch nicht vorgekommen." I

Mein Kind, mtt himmelstürmender Liebe muß man nicht rechnen. Ich habe sie auch nicht kennen, gelernt und schätze mich deshalb doch nicht un­glücklich. Denn Deine Mutter und ich, wir habeq eine so zufriedene Ehe mit einander geführt, toil nur denkbar."

Möglich, Papa! Unmöglich aber scheint mit eine glückliche Ehe dann, wenn die Gatten auf ganz verschiedenem Niveau stehen. Geistigen, meine ich. Ich stelle es mir schrecklich vor, auf bet Gatten herabblicken zu muffen. Sitte, nein Väterchen, es ist kein geistiger Hochmut, welches aus mir spricht. Ich möchte nie einen uneben, bürtigci Monn heiraten.*

i ^Fortsetzung folgt.)