GßechM Jalung
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain»
Sonntagsbeilage: JAustrirtes Sonntagsblatt.
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Marburg
Donnerstag, 14. Dezember 1905.
Erscheint wöchentlich siebe» mal.
Druck und Besagt Iah. Au«. Koch» UmversttLtS-Buchdnlckerei 40. Jahra.
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
Neueste Telegramme.
> Kiel, 12. Dez. Bei dem heute Mittag auf der hiesigen Kaiserlichen Werst stattgehabten Dtapellaus des kleinen Kreuzers „Ersatz Meteor" lauste Oberbürgermeister Körte-Königsberg auf Befehl deS Kaisers das Schiff aus den Namen ".Königsberg".
Rom, 13. Dez. Der „Offervatore Romano" peröffentlicht ein Schreiben des Papstes an die Bischöfe Polens, worin er sie ermahnt, bei der .Beruhigung Rußlands mitzuwirken, indem sie die neue Verfaffung annLhmen.
Loudon, 13. Dez. Folgende UnterstaatS- sekretäre find ernannt worden, im Ministerium des Innern Herbert Samuel, im Kolonialamt Pinston Churchill, im Kriegsministerium Earl as Portsmouth, für die Admiralität Edmond Robertson, al? Generalstaatsanwalt Lawson Walton.
London, 12. Dez. Standard meldet aus Washington, es verlaute, daß Präsident Roosevelt nach Ablauf seiner Amtsfrtst sowohl Kaiser Wilhelm als auch König Eduard und den Kaiser von Japan besuchen wolle.
Konstantinopel, 13. Dez. Gestern Nacht hat der österreichisch-ungarische Botschafter, Freiherr v. Caliee, als Doyen die Antwort der Pforte erhalten. Diese Antwort nimmt in der Hauptsache die Forderungen bis auf wenige Abänderungen an. Hierüber dürfte heute eine Besprechung der Botschafter stattfinden.
Tokio, 12. Dez. Der Londoner Daily Telegraph meldet von hier: Nach Telegrammen aus Peking haben die dortigen Gesandten von Deutschland, Frankreich und Rußland die chine- fische Regierung amtlich benachrichtigt, daß, svenn fie die Ueberzeugung erlangten, daß die Geheimhaltung dec Verhandlungen zwischen Japan und China nur den Zweck habe, eine fremde Intervention zu verhindern und wenn Japan im Laufe dieser Verhandlungen Konzes» ponen erlangte, die dem Portsmouther Vertrag wiedersprächen, die Vertreter den drei genannten Mächten dieselben Privilegien für ihre Staaten verlangen würden. Sie ersuchten dte chinesische Regierung, von dieser Mitteilung der japanischen Regierung Kenntnis zu geben.
Zur Lage in Rußland.
Graf Witte erklärte dem Petersburger Korrespondenten des Daily Telegraph, bis die der Anarchie feindlichen Elemente der Gesellschaft sich die Hände reichten, sei die Lage wahrhaft beunruhigend und ernst. Er habe
10 (Nachdruck verboten.).
Die Brücke.
Roman von Willy Schar la».
(Fortsetzung.)
, Der alte Herr machte seinen Morgenspazier- tzang im Stadtpark, der sich meist bis gegen ein Ahr auszudehnen Pflegte.
1 Althof möge aufschreben, was er vorhabe, bte Feit sei nicht recht günstig dafür. Seine Schwe- fier befände sich gewissermaßen noch in der Atmosphäre, in welcher sie so lange gelebt, das toiirbe sich aber alles schnell finben. Em, zwei Monate und der richtige Zeitpunkt wäre da.
i Oberleutnant von Älthof lächelte überlegen.
! Nein, mein Lieber, dachte er, ich habe lange tzcnug gewartet. Und mir, Althof, wird Deine Schwester nicht widerstehen.
’ „Wird sich ja alles finden, lieber Lingen," Meinte er mit verbindlichem Lächeln. „Komm' fien Weibern zart entgegen, — natürlich. Doch, Sie wissen ja, unsereins hat seine Erfahrung und Fetzt sich keinem Rehfus aus. Ich bin gekommen, hu sondieren. Finde ich noch keinen Ankergrund, Ab werde kein Narr sein, — finde ich ihn, um so besser. Anter allen Umständen komme ich wieder." : Man vernahm Schritte im Wohnzimmer.
i „Meine Schwester," sagte Egon leise. „Gehen Sie hinein, ich komme später."
' Er verschwand geräuschlos burd) die andere stur, während Althof zmn Wohnzimmer ging.
t Hanns stand an einem kleinen Tische und ord- fiele in einer großen Vase Blumen, die ihr der Gärtner brachte.
Als sie die Schritte auf dem Teppich vernahm, wendete sie sich erstaunt um. Der Vater machte seine Promenade. Egon vermutete sie im Offi- «lerskasino der Husaren. Da stand Althof mit «nem stereotypen verbindlichen Lächeln vor ihr.
- Ich wollte mir die Gelegenheit nicht ent- lassen," sagte er, „dem gnädigen Fräulein DkUw Glückwünsche zu Füßen legen zu dürfen für re glückliche Beendigung Ihrer Studien. Es ist
dir Hoffnung noch nicht aufgegeben, sei aber nicht fest davon überzeugt, daß die Gesellschaft sich noch rechtzeitig besinnen werde. Ohne die moralische Htlfe dieser werde die Anarchie fortdauern, bis die Nation die Unterdrückung der Revolution durch Gewalt verlangen dürfte. Falls es dazu käme, würde die Ausführung einer Persönlichkeit, die dazu geeignet wäre, übertragen werden, sicher nicht ihm selber, da er sich dazu nicht eigne und nicht gewillt sei. Seine Aufgabe sei, das Problem durch moralische Mittel zu lösen. Falls eS sich als unlösbar erwiese, werde eS anders formuliert und von anderen angegriffen werden.
Petersburg (über Eydtkuhnen), 12. Dez. Anläßlich der Verhaftung deS Präsidenten deS Rats der Arbeiter-Deputierten, Chrustalew, fand eine Extra-Sitzung der Deputierten statt, um zu beschließen, wie der Rat gegen diese Verhaftung reagieren solle. Es wurde vorge- schlagen, mit allen Mitteln den Generalstreik sofort zu inszenieren. Die Mehrzahl der Mitglieder sprach sich jedoch dagegen aus, ein örtlicher Streik wäre zwecklos, und wenn man den Generalstreik verkünden wolle, müßten zunächst sämtliche Eisenbahnen Rußlands herangezogen werden, was von den Delegierten der Eisenbahnen für den jetzigen Moment als ungeeignet bezeichnet wurde. Die Delegierten deS Post- und Telegraphenverbandes bestanden darauf, daß zunächst ehr Streik durchgeführt werde. Endlich wurde eine Resolution gefaßt, worin anläßlich der Verhaftung des Präsidenten deS Rats der Arbeiter-Deputierten die gesamte Gesellschaft zum Protest, das Proletariat dagegen zum bewaffneten Aufstand aufgerufen wird. In der Sitzung waren auch Delegierte der Garde-Flotten-Equipage erschienen, die sich mit den Arbeitern für solidarisch erklärten. Sie feien bereit, im entscheidenden Moment für die Sache des Volkes einzutreten. Vorläufig machen die Matrosen Propaganda unter ihren jungen Kameraden. Die Verhaftung ChrustalewS soll erfolgt sein, weil eine ganze Reihe von Artikeln, die der Rat der Arbeiter-Deputierten in der Arbeiter-Zeitung veröffentlichte, Beleidigungen gegen den Zaren enthielten sowie Militär und Volk zu bewaffnetem Ausstand aufforderten.
Die Wellen der revolutionären Bewegung gehen auch in den Ostseeprovinzen noch immer hoch und haben zahlreiche Opfer gefordert, so daß die Balten sich genötigt sehen, sich zum gegenseitigen Schutz zusammenzuschließen. Zahlreiche angesehene Bürger haben eine starke „Baltische konstitutionelle Partei" begründet, deren Programm im wesentlichen dem
mir eine besondere Freude, dies als erster nach Ihren Angehörigen tun zu dürfen."
Fräulein von Lingen war sehr unangenehm beriihrt.
Also doch.
Für einen Augenblick drohte ihre Selbstbeherrschung sie im Stiche lassen zu wollen, im nächsten Moment aber glättete sich ihre Stirn,, auf welcher soeben eine tiefe Zorensfalte sich zeigte, und sie antwortete scheinbar ganz ruhig:
„Sie haben mich jedenfalls überrasckM wollen, Herr von Mhof, aber der Aeberfall gelang nicht ganz. Machen Sie Egon daraus einen Vorwurf. Besten Dank für Ihre freundliche Gesinnung."
Nicht einen Augenblick wollte sie den Mann von ihr über ihre Ansicht im Zweifel lassen., Er mußte sich klar werden, jede Bemühung sei vergebens. Ihre Empörung über dm Siegerglauben der Männer im allgemeinen und den besonders großen dieses Mannes war groß, und sobald als möglich wollte sie ihm zeigen, sie empfinde es durchaus nicht als einen Vorzug, von ihm der Gnade gewürdigt zu werden.
Sie saßen sich gegenüber, Hanns sah ben Offizier groß an unb bemerkte Wohl, daß er nach einer gleichgültigen Einleitung für ein wichtigeres Gespräch suchte.
Sie kam ihm zuvor.
Unb das um so lieber, als es das einfachst« Mittel war, jedes weitere Wort abzuschneiden, ihr unb schließlich auch ihm Unangenehmes zu ersparen.
„Da fällt mir gerabe ein, Herr von Althof," begann sie mit ihrer tiefen, klangvollen Stimme, bie auf ben Offizier stets einen so großen Reiz ausübte, „daß Sie im letzten Winter fast eine Glückwunschkarte von mir bekommen hätten."
„Gnädiges Fräulein hätten mich unendlich glücklich gemocht. Schade, baß ich bem entging. Aber weshalb?"
„Genau so bachte ich auch. Zu schabe. Ich las in der Zeitung bie Verlobung eines von Alt- Hof unb bemerkte zu meinem Leibwesen erst später, baß der Betreffende nicht Sie, sondern mutmaßlich Ihr Herr Bruder war."
......- - < (Fortsetzung folgt.)
der liberalen Semstwoleute entspricht. Um aber sobald als möglich Ruhe und Ordnung zu schaffen, wurden in Riga vorläufig folgende zwei Vereinigungen inS Leben gerufen: „Bürgerwehr" und „Nachbarhilfe". In beide Vereinigungen wird jeder Rigaer Bürger ausgenommen, gegen den nichts Nachteiliges vorliegt. Daher wird von den beiden Vereinigungen eine ersprießliche Tätigkeit erwartet. Das energische und zielbewußte Vorgehen der Deutschen hat auch die in den Ostsee- Provinzen anfäffigen, wohlgesinnten Russen veranlaßt, fich zu organisieren. Infolge eines iu der vorigen Woche erlassenen Aufrufs, worauf sich diele Russen meldeten, wird demnächst auch eine „Russisch-Baltische konstitutionelle Partei" begründet, die ebenfalls auf den Bestimmungen deS Zarenmanifestes vom 30 Okt. fußen wird. Da zwischen den besonnenen Elementen, sowohl der deutschen wie auch der russischen Bevölkerung in den Ostseeprovinzen, bis zum gewissen Grade ein Einvernehmen herrscht, so ist zu hoffen, daß eS den vereinigten Anstrengungen aller politischen Parteien in den Ostseeprovinzen gelingen wird, den immer mehr um fich greifenden Unruhen energischen Widerstand zu leisten.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Dezember.
— Seine Majestät der Kaiser hörte gestern Dienstag Vormittag den Vortrag des Ebefs deS Militärkabinetts und nahm nachmittags an einer Hetzjagd bei Döberitz teil.
— Bei der gestrigen Landtagswahl im ersten Berliner Wahlkreise wurde Fabrikbesitzer Hugo Gerfchel (frs. Valkspartei) mit 603 Stimmen gewählt. Prof. Eduard Engel (M. Vp.) erhielt 110 Stimmen, Prof. v. Wenästern (tonf.) 10 Stimmen.
— Bei der am 8. Dezbr. stattaehsbteu Reichs» tagSersatzwobl im Wahlkreise 9 Schleswig. Holstein erhielt wie jetzt amtlich bekannt gegeben wird, von 16 996 abgegebenen giltigen Stimmen Rechtsanwalt und Notar Justizrat Bockeimann (freiton.) 8874, Dr. Struwe greis. Vp.) 4114. Zigarrenmacher Paul Weinheber (Soziald.) 4003 Stimmen. Justizrat Bockelmann ist somit gewählt.
— Im Abgeordnetenhaufe hatten sich gestern abend einige hundert Herren aus den verschiedensten Kreisen der Gesellschaft, Prosestoren, Parlamentatter. Schttststeller zusammengefunden, um über eine Hilfsaktion zugunsten der durch dir russische Revolution und den nationalen Vernichtungskrieg der Letten und Esten auss höchste gefährbetenDeutscheniudenOstseePro- v i n z e n und dem weiteren Rußland Befchlüsie zu sasien. Ein Angehöttger deS baltischen Adels, der tn Livland und Kurland große Besitztümer hat, schilderte schmucklos und anschaulich den Ernst der Situation. Dann wurde ein Arbeitsausschuß eingesetzt, der die weitere» Schritte unternehmen ;oll, ihm gehören
Musik.
III. Akademisches Konzert. Beethoven, Brahms vs* Mendelssohn wies bte Spielfolge des Abends auf. eine Zusammenstellung, bte einem Fanatiker -er einheitlichen Stimmung unb des stilistischen Gleichmaßes einiges Gruseln her» Ursachen dürfte, ungefähr ein K-^ühl, als sollte ein Feinschmecker Gurkensalat unb Pudding ober ähnliche Hochgenüsse nacheinander kosten. Doch sind wir noch naiv unb robust genug, ein solches Programm ohne Nervenzuckungen zu ertrugen unb uns ehrlich zu freuen, daß so bedeutende Ton. dichter, jeder in feiner Eigenart, heute zu uns redeten unb dabei eine würdige Jnterpretatton im heimischen Musentempel fgnben. Beethovens Musik zu Göthes Egmont zeigt die beiden größten produktiven Genien des deutschen Volkes eben, bürttg nebeneinander. Sie ist ihres Meisters würdig und in der ganzen Auffassung des tragt- schm Schicksals klassisch. UeberaH ein gedämpfter Schmerz, nirgends weichliche Klage, fgffungs- lose Trauer unb verzweifelte Aufschreie. Tie Selbstaufopferung für ein Hobes Ideal darf nicht bodenlose llntröstfichkett aus lösen; das wußte unb fühlte Beethoven. Darum schließt seine Egmont. musik mit einer „Siegessymphonie", unb durum schrieb um Ende der Partitur, bte Bemerkung: „Bezeichnet ben Sieg bet Frech eit, bie durch Egmonts Tod dem Vaterlande erworben wirb." Das Orchester wuchs schnell in seine Aufgaben hinein: es {hielte wuchtig, klangvoll, gut nuanciert unb ließ die fleißige Arbeit unb tüchtige Schulung erkennen, bie ihm ber Dirigent butte ungeheißen lassen. Von Einzelleistungen wären besonders bus Bläserguurtett unb bgs Fggottsolo hervorzuheben. Die Leitung zeichnete sich durch feines Verftändnis, Sicherheit in ber, rechten Tempowghl unb intelligente Heruusarbeitung ber Motive gus. Den von Mofengeil verfaßtm Der- bindenden Text rezitierte Fron von Blgnkensee in dunkensiverter Weise, mit ebler Auffassung unb warmer Hingabe. Auch bas wohlklingende übergll verständliche Orggn unb ber gebächtms- sichere, freie Vortrag der umfangreichen Dichtung verdienen lobenbe Anerkennung. Die beiden Lie-
Parlamentatter aller Richtungen, mit LuSuahm« M Sozialdemokratie, an. Ausführliches wird noch betteltet Werdern
Parlamentarisches.
.'kmi .; Deutsche, Reichstag.
* Berlin, 12. Dezember.
Auf der Tagesordnung des Reichstags ftemi heute zunächst die Abstimmung über den Antrag am Kommiffionsberaiung über das Handelsabkommen mit England. Wegen schlechter Besuches wurde btt Abstimmung jedoch abgefetzt und alSbaid die Etats« beratung fortgesetzt. Abg. Liebermann v. Sonnen« berg (wittsch. Vgg.) betonte dir Notwendigkeit etnfll stärkeren Rüstung auch zur See und dankte Kais« und Kanzler für die pünktliche Erledigung de» Marokkoangelegenheit. Betrübend fei dte Lage be» Deutschen in den russischen Ostfeeprovinzen zumal sie an den Unruhen nicht schuld feien, während die Jude« durch Jahrhundette schwere Blutschuld auf fich geladen hätten. Eine Reform be8 Börsengesetzes müff» eine finanziell schärfere Heranziehung der Börse zum Ziel Haven. In einer langen und geistvollen Red» suchte Staatssekretär Graf Posadowsky zunächst den frühzeitigen Schluß be8 Reichstags im Frühjahr zu rechtfertigen; die damals nicht zustande gekommenen Entwürfe seien mit den seinerzeit von den Kommissionen vorgnommenen Aende- rungen wieder eingebracht. Die Einführung v« Tagegeldern werde den Absentismus kaum be- fettigen, da dieser aus bie große Zahl der inzwischea entstandenen politischen Körperschaften zurückgeiM. Bei der Beurteilung der sozialen Verhältntste seh» man häufig nur auf die glücklichen Unternehme», nicht auch auf die, die still zugrunde gehen. Unverkennbar fei, daß der deutsche Arbeiter besser gestellt sei als der englische. Die Höhe der Levensmtttetpretfe sei also in bet Brotfrage nicht das Bestimmende. Das Anwachsen der Sozialdemokratie trotz der Ausdehnung der sozialpolitischen iZesetz^ebung erkläre fich einmal aus dem Fortbestehen mancher in der Verwaltung noch aus dem alten Pot tzeistaat stammende« Bestimmungen. Andererseits sei leider mit dem Wohlslonde der besitzenden Klassen nicht immer auch ihr» Opserwilltakeit gewachsen. Abg. Schrader (frs. föggj ertlarte fich mit der Ftottenvorlage etnverstandea uud trat lebhaft für eine Reichseirtkommensteuer ein. Nach weitere« Sieben der Abg. Dr. v. Jadzewsty (Pole/, Frhr. v. Hohenberg (Welfe) und R i d 11 n (6l(. LanbeSp.) sprach Staatssekretär Frhr. v. Stengel die Hoffnung aus, daß das große Werk der Steuerreform zustande komme.
Abgeordnetenhaus.
Berlin, 12. Dez.
Am Ministertisch: S t n b t.
Das Abgeordnetenhaus führte heute bie erst» Lesung des Entwurfs eines Schulunterhaltungsge- setzes zu Ende. Nachdem Abg. Er »st (ftf. Bgg.) {einen ablehnenden Standtpunkt unter großer Unruhe des Hauses begründet hatte, sührte Abg. Stychel (Pole» Beschwerde darüber, daß nicht auch die ehemals polnischen Landesteilen in den Entwurf mit einbezogen seien. Gerade in Posen und We'ipreußeu sei die konfessionelle Schule notwendig. Anknüpsead an frühere Redner warnte Minister S t u b t baoor,
ber Klärchens femben in Fräulein Witticken ein« kunstgerechte Interpretin. Besonders gefiel baS erste durch fttsche, temperamentvolle VottragS- weise. Arn Schluß des herrlichen Werkes dankte das zahlreich erschienene Publikum besonders bat erwähnten beiben Damen mit rauschendem Beifall. Nach einer kleinen Pause kam Brahms zu Wotte. Man braucht kein eingefleischter „Brah- ntine" zu sein, um in bem heute gehörten D-moll Konzert eine hervorragende Tonfchöpfung edelsten Sttles zu erblicken. Das Klaviersolo spielte Frau Elisabeth Ziese uns Elbing. Sie brachte zur Erfüllung ihrer stellenweise außerordentlich schwierigen Aufgabe alle künstlerischen Qualitäten mit, eine auf eindringlicher Gedankenarbeit beruhende herbe Größe der Auffassung, sicheres Ge. dächtnis, glänzende Technik und bie nötige Aus- bauer unb Kraft bes Anschlages. Wir hätten ih« hier unb ba ein größeres unb noch ausgiebigere« Instrument gewünscht, bas ihr überall zu volle, Geltung dem Orchester gegenüber Verholfen ha. ben würbe. Besonders brillant gelang ungewöhnlich schwierige Scherzo; Perlende Triller, glitzernde Läufe und mächtige CreSzendis svrüh- ten unter den Fingern der hervorragenden Künst- lerin hervor, bie babei niemals bie rechte Aufi foffung unb Stilsicherheft vermissen ließ. Am Schluß ber ansttengenden Leistung würbe ihr rauschen ber Beifall zutefl. Das Orchester war gut einftubiert unb wahrte fast überall bas richtige Verhältnis zum Klaviersolo. An bas g» banfentiefe herbe Werk von Brahms, bas mich an Dürers Kunst erinnerte, schloß sich bas Finale aus Menbelssohns untioHenbeter Ove, „Loreley". Der Torso läßt ebnen, was barmt« hätte werden können. Die Pattie ber Leonor« fang Fräulein Wittichen mit bemerkenswerte« Klangfülle, Sicherheit und Frische. Auch Ml hohen Töne gelangen vorzüglich. Ter Chor meB sich sehr wacker unb klang fast durchweg voll, rem und schön. Am Sck'luß des wohlgelungenen Kon« zettes faßte baS Publikum Anerkennung mm Dank in ai'.baltenben Beifall zusammen. H. W»