Einzelbild herunterladen
 

Sorrrttaasbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

s

9

M 292

Biertkljäbrlicher Bezugspreis; bet ver ExpLition 2 Mb, bet allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cl, Bestellgeld).

Jnsertion-gebübr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamcn: die Zeile 25 Pfa.

Marburg

Mittwoch, 13. Dezember 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Jols. Aug. Koch, UnwersitätS-Buchdruckrrei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

40. Iahrg.

Erftes Blatt.

Reuestr Telegramme.

Berlin, 11. Dez. Die heute in Anwesen- beit von Vertretern des ReickSamtS des Innern, sowie deS ReichsverficherunqSamts tagende außer­ordentliche Genossenschaftsversammlung der See-BerufLgenossenschaft beschloß einstimmig, hie Uebernahme der Invalidenversicherung der Seeleute, sowie die Schaffung einer allgemeinen Witwen- und Waisenversorgung für deren Hinterbliebene.

Breslau, 11. Dez. DieSchlesische Zei­tung" meldet: Hier ist gestern von dem Rektor der Universität Prof. Dr. Kaufmann ein Aufruf iut Anbahnung besserer Beziehungen zwischen Deutschland und England in Umlauf gesetzt worden. Der Aufruf fordert alle Deutschen und Engländer, welche den Wert deutscher und englischer Arbeit und Literatur zu schätzen wissen, auf dahin zu wirken, daß die herrschende Ver­stimmung einer ruhigeren und wohlwollenden Beutteilung der Verhältnisse weiche. Unter­zeichnet ist der Aufruf von Kaufmann, Ober- vürgermeister Bender, Kardinal Fürstbischof Dr. Kopp und Generalsuperintendent Nottebohm.

Hamborg, 12. Dez. Die Ankunft des Generalleutnants von Trotha, die für heute erwartet wurde, wird erst Mittwoch erfolgen, ha die Abfahrt des ReichSpostdampferSPrinz- hegent", auf dem sich der General befindet, jvegen Nebels auf der Schelde in Antwerpen Verzögerung erleidet.

Rom, 11. Dez. (W. B.) Der Papst hielt heute ein geheimes Konsistorium ab, dem nur pie in Rom anwesenden Kardinäle beiwohnten. Der Papst hielt eine Ansprache und gab dann takannt, daß er zu Kardinälen ernannt habe: tau Majordomus des Vatikans Cagiano de flzevedo, den Erzbischof von Rio de Janeiro flreoverd» de Albuquerque, den Erzbischof von Bitlau Dr. Samafsa und den Erzbischof von kevilla Spinola. Sodann gab der Papst eine flnzahl Ernennungen von Bischöfen bekannt, Darunter die des Bischofs Dr. Mergel von kichstätt.

Stockholm, 12. Dez. Die Verhandlungen tatreffend den schwedisch-deutschen Handelsver­trag, welche seit dem 30. Oktober geführt wer­den, werden vor Weihnachten abgeschlossen sein. Deshalb werden die Verhandlungen im Laute dieser Woche ausgesetzt und erst nach Neujahr In Stockholm oder Berlin fortgeführt werden, hie deutschen Vertreter reisen bereits in dieser Poche ab.

Konftanttuopel, 11. Dez. Die Botschafter haben die Antwortnote auf die letzten Vor-

9 . lNachdruck verboten.)

Die Brücke.

Roman von Willy Scharla«.

- (Fortsetzung.» -MM

Drittes Kapitel.

Als Hanns auf ihrem Zimmer war, entließ £e das zu ihrer Dienstleistung wartende Mädchen, peil Jahren bediente sie sich stets allein, auch hier Kr es ihr unangenehm, in der letzten Stunde i Tages gestört zu werden.

Als sie hörte, wie die Tür, welche ihre Zsin- ner von dem oberen Korridor trennte, in das schloß fiel und die Schritte der Dienerin ver- eilten, begann sie langsam ihre Nachttoilette. Vie so oft, zog sie auch heute gewissermaßen eine ^agesbilanz. Er begann so hübsch, dieser Tag.

Freudige Stimmung beherrschte sie am Mor- ten, welche auch Sturm und Regen nicht zu be- nnträchtigen vermochten. Sie freute sich auf das Wiedersehen mit dem Vater, dessen Liebliirg sie war, aus sein erstauntes und dann doch zufrie- peite? Gesicht, wenn sie ihm mitteilen würde, was le erreicht hatte. Es mußte ihm doch Freude wachen, zu wissen, seine Tochter stände geistig «der dem Durchschnittsmenschen.

lind dann der Beginn einer reizenden Zeit kr Erholung und Erfrischung.

Sie gab es anfangs nicht zu, daß der Tag hr schließlich mehr Enttäuschung brachte, als sie !«nehmen durste. Ja, der alte Herr freute sich, seute sich herzlich, sie wieder hier zu haben, aber ie Freude war eine andere, als sie gehofft. Es par mehr das Vergnügen, zu wissen, sie sei nun P weit gekommen, als sie gewollt und er ge- »attete. Bis hierher und nicht weiter.

! Das sagte nun Erzellenz zwar nicht, aber es fg in dem Tone seiner Stimme. Fetzt sollte sie en nichts mehr sein al? Fräulein Hanna von

schlüge bet Pforte überreicht. Die Dauer der Finanzkommission wird auf zwei Jahre beschränkt, und außer dem Generalinspektor wird noch ein weiteres türkisches Mitglied zu­gelassen. Die Delegierten der Mächte erhalten den TitelConseillers". Die von der Kommis­sion zu ernennenden Finanzinspektoren sollen türkischen Untertanen sein. Falls der General­inspektor die Ausführung eines Kommissions- beschlusseS verweigert, soll er darüber an die Pforte berichten, während die fremden Mitglie­der die Sache zur Kenntnis der Botschafter bringen. Außerdem werden an einzelnen Stel­len des Reglements die türkischen HoheitLrechte ausdrücklich gewahrt.

Frankreich und Deutschland.

Die letzte große Rede des Reichskanzlers Fürsten Bülow über die deutsche auswärtige Po- litik wird, wie nicht anders zu erwarten war, von der französischen Presse eingehend besprochen.

Der ^Temps" schreibt, die Rede sei,von gro­ßem Interesse wegen der lebhaften Angriffe gegen die Sozialdemokratie und wegen der Erklärung über die Reise des Kaisers nach Tanger. Der Reichskanzler sei der Ansicht, daß diese Reise nur nützliche Folgen hatte, aber in Deutschland sei diese Ansicht keineswegs eine allgemeine. Dec Temps" sucht sodann den Widerspruch zwischen den Interviews am Anfänge des Oktober und den jüngsten Ausführungen des Reichskanzlers her­aus zu finden und sagt, wenn Deutschland wirk­lich wolle, daß die Bitterkeit der letzten Monate vergessen werde, warum beharrt es so nachdrück­lich auf Forderungen, welche Repressalien gleich­kommen? Warum ist es in dieser Angelegenheit nicht so objektiv, wie es sich sonst zu sein rühmt? Warum gibt es sich den Anschein der Obstruktion und widerwilliger übler Laune? Wir stellen diese Frage in aller Aufrichtigkeit. Sobald Deutschland die bei uns hervorgerufene lieber- raichung zerstreut haben wird,, wird es ohne Mühe feststellen können, daß seine Jntevessen in diesem Punkte mit den französischen überein­stimmen.

DasJournal des Dubais" sagt: Dec Reichs­kanzler sprach fortwährend von den fest se<N Mo- naten verschwundenen Gründen, die Deutschland in der Marokko-Angelsgenheft veranlaßten und welche in der Reise des Kaisers nach Tanger ihren deutlichsten Ausdruck fanden. Die allerdings sehr provisorischen und oberflächlichen deutsch-französi­schen Uebereiukommen vom Juli und September beweisen, daß die Politik des Schweigens, über die man sich in Berlin so lange beklagte, aufgehört hat. Wenn die deutsche Regierung nicht ernste Zweifel in Betreff des von ibc verfolgten eigent­lichen Zieles aufkommen lassen will, dann wird sie gut tun, mehr von der letzten Periode zu spre­chen, die zu einer Verständigung geführt hat, und weniger von einer durch lauge diplomatische Ar­beit ausgelöschten Vergangenhest.

Lingen, eine vornehme Dame, welche eine jugend­liche Schwärmerei hinter sich hatte.

Und hier sollte sie nun aushalten, in diesem Stälftchen, dessen absonderliche, geschraubte Ver­hältnisse stets halb komisch, halb abstoßend auf sie wirkten. Ob das auf die Dauer möglich sein würde, erschien ihr auf einmal sehr fraglich.

Satte sie dem Vater überhaupt eine Freude bereitet, als sie ihm von ihrer neu erworbenen Würde Mitteilung machte? Wie der Bruder am späten Abend nur eine possenhafte Verbeugung und einen schlechten Witz statt eines Glückwunsches für sie fand, so gelang es Erzellenz auch nicht ganz, zu verbergen, diese neue Würde der Tochter sei ihm eigentlich recht unshmpathisch. Auch er fand nicht das richtige Wort.

Sie Ivar weit entfernt, Lobeserhebungen zu erwarten für etwas, das ihr selbstverstästdlich erschien, und es schmerzte sie trotzdem, daß Papa gegen Egon kein Wort über das sprach, was sie erlebt, erarbeitet und erreicht, daß er bei Tisch auch nicht einmal das Gespräch auf diesen Gegen­stand lenkte.

Unternahm Egon etwas, dann war es stets von größtem Interesse, wurde hin und her über­legt und besprochen. Kleinigkeiten, wenn es hoch kam, einmal ein Pferdekauf oder ein kleines Kommando zur Turnanstalt nach Berlin oder zu den Pionieren nach Harburg.

Völlig unwichtig schien es den Männern zu sein, daß sie durch Arbeit und Fleiß sich die Mög­lichkeit erworben hatte, ohne fremde Hilfe auf eigenen Füßen zu stehen. Ihr Beruf war eben der aller Mädchen aus vornehmer Familie, ge­heiratet zu werden.

Mit dem Ruf Doktor, Doktor Hanns ging auch dec Vater zur Tagesordnung über. Es lag so etwas wie ein feiner, unausgesprochener Spott in diesen Worten. Sie bedeuteten: So die Marotte des jungen Mädchens hak mm endlich

DieLiberty" schreibt: Wir erfahren es wie- der einmal und deutlicher als je, daß Deutschland mit unversehrter Willenskraft seine Politik der nationalen Ausdehnung und des unstillbaren Im. perialismus verfolgt. Es handelt sich darum zu wissen, ob Frankreich dem seine durch seine Politik nicht gestörte Verteidigung entgegenstellen wird.

DerGaukois" sagt, der durch die erste Rede hervorgerufene ungünstige Eindruck werde durch die zweite weder verschlechtert noch verbessert. Die Zurückweisung der Einmischung der Sozialdemo­kratie in die auswärtige Politik sei staatsmännisch und beweise die Kraft der deutschen Regierung. Dies leider ein Vorteil, welchen die deutsche Re­gierung vor der französischen voraus habe.

Zur Lage in Rußland.

Petersburg, 10 Dez. (W. B.) Die Polizei löste heute Abend das Zentralbureau und das Zentralkomitee des Verbandes der Verbände auf. Als die Anwesenden die Auf­nahme eines Protokolls forderten, antwortete der Polizeikommiffar, daß der Polizeipräsekt befoh'en habe, die Auflösung ohne Aufnahme eines Protokolls vorzunehmen.

Am 9. Dez. fand hier die erste Versamm­lung der Polen statt, die zahlreich besucht war. Es wurde die Notwendigkeit der Einberufung einer konstituierenden Versammlung für das Königreich Polen beschlossen, die in gleicher Weise, wie die konstituierende für da? ganze Reich bestimmte Versammlung in Peters­burg, ihren Sitz in Warschau nehmen und die volle Autonomie Polen.8 zur Durchführung bringen solle. Die Versammlung wurde mit einer Protesterklärung gegen da8 Verhalten deS Präsidenten des Arbeiterdeputiertenrates Chru- stalew geschlossen. Am 10. Dezember fand im Theater Nemetti eine Versammlung von Mitgliedern aller Verbände des alten Bezirks Petersburg statt, die zum Ziel hatte, ein Programm zur Errichtung einer konstituieren­den Versammlung auf der Basis des allgemei­nen gleichen Stimmrechts zu schaffen. Auch die Holzarbeiter wollten eine Versammlung ab­halten, die Polizei drang jedoch in das Lokal mb trieb die Teilnehmer hinaus.

Warschau, 11. Dez. Hier wird für heute Nacht der allgemeine Eisenbahner- AuSstand erwartet. Während deS gestern erfolgten Ver­botes einer foziallstischen Versammlung kam eS zu Unruhen, die keine ernsten Folgen hatten.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Dezember.

Seine Majestät der Kaiser machte gestern Montag morgen einen Spaz'.ergang in Sanssouci, empfing den Oberbürgermeister von Charlottendurg, Schustherus, und Professor Schaede zur Vorlage des Entwurfes für die neue Charlottenburger Brücke, hörte den Vortrag des Chefs des ZivUkabinctts und

ihr Ende, das Leben mit seinen höheren Anfor­derungen tritt an Dich heran.

Und dann zum Schluß der Mißklang, den der Bruder hervorrief. Hatte denn dieser Herr von Altkof vor zivei Jahren ihren Wink nicht ver­standen? Hatte ihn nidyt verstehen wollen? Frei­lich hatte er nichts gesagt, sie also auch nicht ant­worten können. Ihre zwar höfliche,, aber eisige Kälte mußten ihm jedoch deutlich zeigen, jeher Annäherungsversuch sei vergeblich.

Und nun wollte dieser Herr doch kommen.

Es war von Egon eine kaum unglaubliche Taktlosigkeit, dem Kameraden nicht sofort abzu­raten, denn ihm gegenüber hatte sie sich doch völlig deutlich ausgesprochen.

Hanns stand vor dem großen Spiegel im An- kleidezimmer und löste ihr dichtes, braunes Haar. Sie sah förmlich das Gesicht Althofs vor sich, dies hübsche Gesicht, das ihr stets den Eindruck machte, als passe es gut in einen Friseurladen, mit dem ewigen gleichmäßigen verbindlichen Lächeln, das auf die Dauer nervenlähmend auf sie wirkte.

Aergerlich wendete sie sich ab und beendete ihre Toilette ohne Hilfe des Spiegels.

Aber der Tag zeitigte doch auch schöne Stun- den, ungerecht woltte sie nicht gegen ihn sein.

. Langsam schritt sie im Ziinnrer auf und nieder, der Mann in der Eisenbahn kam ihr in dm Sinn. Richt zum ersten Male im Lause des Nachmittags und des Abends.

.Hans Oertel. Er war nicht aus ihren Kreisen, aus seinen Bäckern entnahm sie auch, seine Lebensanschauuirgen seien nicht die ihrigen, oder vielmehr die ihres Kreises. Mit ihrm eigenen Ansichten war doch eine starke Aehnlichkeit vor­handen. Wahrscheinlich würde dieser Herr Oertel mit Herrn Althof den Vergleich nicht aushalten können, was gesellschaftliche Forrnm, äußere Ele­ganz und weltmännischen Schliff anbetraf, aber--<er gefiel ihr. Er gefiel ihr in der

Tat, und sie gestand es sich ruhig ein.

nahm die Meldung des Unterstaatt fettet ärs im Handelsministerium Dr. Richter und des Präsidenten der Hauptverwaltung der Staatsschulden Dr. v. Bitter entgegen; Zur Frühstückstafel war der Gesandte Frhr. v. Menhingen und Gemahlin geladen. Abends nahm der Kaiser an dem alljährlichen Couleurfeste des Gardejäger-Bataillons teil.

Die .Kölnische Volkszeitung' faßt den Stand­punkt des Zentrums zur Finanzreform in folgenden Forderungen zusammen: L die Summe der geforderten Steuern mutz verringert werden; 2. die Einheitlichkeit der Steuervorlage ist zu ver- werfen; 3. die Bindung der Matrikulorbeiträge ist unannehmbar; 4. der Artikel 6 des Flottengesetzes ist das Steuerprogramm des Zentrums; 5. die Mehrbelastung mutz auf die starken Schultern gelegt werden.

lieber den Arbeitsplan des Reichs­tages verlautet folgendes: Die Weihnachtsferim sollen am Sonnabend, 16. ds. Mts., eintreten; In dieser Woche soll zunächst die erste Beratung des, Etats, der Reichsfinanzreform lohne Steuervormgen), des Flottengesehes zu Ende geführt, bann sollen bte Steuervorlagen im besonderen debattiert werden und schließlich mutz noch das Hantelsprovisorium mit England endgültig vor Eintritt in die Weibnachts­serien erle igt werden. Bleibt noch Zeit übrig, so soll auch noch, falls die Budgetkommissionsverhand- Lungen es zulassen, die Eisenbahnvorlage Lüberitz- bucht Kubub erledigt werden. Die Frage, ob man alle obengenannten Vorlagen an die Budget- kommisfion verweisen oder Lpezralkommlssionen ein» setzen soll, ist noch nicht gelöst. Sollte man wirklich die Budgetlommisfion mit allen Vorlagen belasten, so ist eine Fertigstellung aller dieser Vorlagen bis zum 1. April unmöglich, die Verabschiedung der Militärpensionsgesehe, die schließlich auch die Budget» kommisfion bearbeiten soll, würde dann wieder auf die lange Bank geschoben.

Deutscher Reichstag. '' .<

Berlin, 11. Dez.,

Der Reichstag erledigte beute zunächst die erste Lesung des deutch-bulgartschen Handelsver­trags. Graf Reventlow (wirtsch. Vg.) forderte die Erledigung der Vorlage durch ein beschluß­fähiges Haus und tadelte die Herabsetzung deS Zolles auf Graupe, Gries und Grütze, die Be­handlung der Graupengerste als Futtergerste und die Vertragsbestimmungen über die Einfuhr frischen Fleisches. Abg. Graf Kanitz (kons.) äußerste Bedenken über die Behandlung der Textilindustrie. Staatssekretär Graf Posa» dowsky hielt es für unmöglich, für Graupenaersl« einen neuen Zollsatz einzuführen und, bezeichnete den Vertrag als segensreiches Werk für den hei- mischen Handel. Ablehnend äußerte sich mit Rücksicht auf die Mindestzölle für Getreide Abg. Bernstein (Soz.). Nach weiterer Debatte wurde die Vorlage an die Budgetkommission verwiesen. Die nun folgende Lesung des Etwnrfs über die Verlängerung des Handelsprovisorinms mit England endete mit der Beschlußunfähigkeit des Hauses. Abg. Graf Kanitz (kons.) wollte der Re- gierung die Vollmacht nicht versagen, befürwortete aber die Verlängerungnur bis Ende 1906. Ihm trat Abg. Graf Reventlow (wirtsch. Vg.) zur Seite, der zugleich die Tatsache, daß ein deutsch.

Ihr Herz sprach nicht, aber sie fand Gefallen an ihm.

Seine Art zu sprechen toar liebenswürdig. Und wenn sie während der gemeinschaftlichen Fahrt ja auch über den Rahmen eines allgemern gehaltenen Gesnrächs nicht hinausgelanaen konn- ten, da beide es vermieden, sich einem Fremden gegenüber ganz so zu geben, wie sie waren, fo hatte sie doch Einblick genug in sein Seelenleben gewonnen, um sich sagen zu müssen, es lohne sich^ diesen Mann näher kennen zu lernen.

Sie mußte leicht auflachen, als sie an sein ge­lungenes Manöver dachte, zu erfahren, wer sie sei.

Er gefiel ihr, obgleich er fein schöner Mann war, wie Herr von Althof, auch nicht dessen äußeren Schliff zeigte.

Man hätte ihn eher für unschön halten dürfen. Groß war er und stattlich, aber sein Gesicht hatte von Apoll nichts an sich. Klug sah er aus, namentlich wenn die dunklen, sprechenden Augen im Eifer des Gesprächs hell auslcuchteten.

Und einer Ansicht waren sie durchaus nicht. Das ist im allgemeinen wenig unterhaftend, uni sie unterhielten sich doch sehr gut, denn sie gerieten tüchtig aneinander.

Hanns ging in ihr Schlafzimmer.

Aber sie lag noch lange wach, denn es wurde ihr nicht leicht, sich auch nur in Gedanken in die neuen, ganz ungewohnten Verhältnisse zu finden. Alle blickten sie anders an, alles betrachtete sie mit anderen Augen. Leicht würde es ihr nicht wer­den, sich hier anzuvassen und einzufügen.

Am nächsten Mittag kam Herr von Althof, wie er seinem Freund Lingen vorher gesagt. Egon holle den Oberleutnant, der gegen seine Gewöhn- heft Uniform trug, vom Bahnhofs ab, mochte aber anfangs nichts von dem erwähnen, was er gestern abend erfuhr. Erst als sie im Haus waren und in Exzellenz Zimmer saßen, kam er etwas mit bet Sprache heraus. (Fortsetzung folgt).