Erscheint wöchentlich siebe» mal.
Druck und Verlag» Jo-. Aug. Koch, UniverfitLtS-vuchdruckerel 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon ob.
Marburg
Dienstag. 12. Dezember 1905.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: JUustrirtes Sonntagsblatt.
vierteljährlicher Bezugspreis: bet bei Expedition 2 Mk., -MA nn-f bet allen Postämtern 2,25 M. (egcl. Bestellgeld).
JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Reclamen: die Zeile 25 Pft.
Erstes Blatt.
Neueste Telegramme.
Berlin, 9. Dez. Der Kaiser hat den Wirklichen LegationSrat und Vortragenden Rat [m Auswärtigen Amte Dr. Seitz zum Geheimen Legationsrat ernannt und dem Vortragendm Rat im Auswärtigen Amte Professor Dr. Helf- ferich den kSnigl. Kronenorden II. Klaffe verliehen.
Berlin, 10. Dez. Telegramm aus Wind» hukr Seit dem 25. November bei Aukam der» mißt und als sicher tot anzunehmen: Reiter Karl Bechler, geboren zu Kraftshagen, früher Dragonerregiment Nr. 1, und Reiter Wilhelm Tamm, geb. zu Stade, früher Dragonerregiment Nr. 16.
Hamburg, 10. Dez. Der Senat hat für das Jahr 1906 den Bürgermeister Dr. Johann Heinrich Burchard zum ersten, den Senator Dr. Johann Otto Stamman zum zweiten Bürger» meister gewählt.
Wien, 10. Dez. In dm rumänischen Bezirken Siebenbürgens und in Südungarn soll starke Gärung herrschen. Die rumänischen Bauern erklären, daß die magyarischen Herrenleute den Kaiser bedrängen und ihn zwingen wollen, die Rumänen auSzurottm. Das Blatt der UnabhängigkeitSpa ctei macht die Popen und Lehrer für die Bewegung verantwortlich und glaubt, daß auch die Wiener Agitatoren die Hände int Spiel haben, man fürchtet, daß die ungarischen Gutsbesitzer ernstlich bedroht sind.
Rom, 10. Dez. Der , Mattino" bringt einen bemerkenswerten Leitartikel über die Rede Bülows und meint, der leise Ton des Mißtrauens gegen Italien sei berechtigt durch die Geschichte der letzten Jahre, wo ein großer Teil der italienischen Politiker von einem Dreibund England - Frankreich Italien träumten. Der Artikel schließt mit der Mahnung an die Italiener, daß Verträge geschrieben und signiert werden und der Vertrag Jtalien-England- Frankreich noch nicht geschrieben sei.
Taurisano (Provinz Lecce), 9. Dez. Gestern kamen hier Unruhen unter der ländlichen Bevölkerung vor. Nachdem schon am Vormittag Demonstrationen stattgefunden hatten, zogen am Abend etwa 100 Bauern unter aufrührerischen Rufen nach dem Rathause, da8 von einigen Karabiniers bewacht wurde, und warfen nach diesen Steinen. Erst als gütliche Mittel nicht fruchteten und mehrere Karabiniers durch Steinwürfe verwundet worden waren, machten die Mannschaften von der Waffe Gebrauch. Ein Bauer wurde getötet, drei wurden verwundet. Die Erregung am Ort dauert noch an.
8 lNachdruck verboten.)'
Die Brücke.
Roman von Willy Scharia«.
(Fortsetzung.)
»Gott ja, es gie&t ja ein paar, die ganz nett Md, auch eine leidliche Erziehung haben, das heißt Tennis spielen, reiten urti> segckln, auch französisch und englisch sprechen, über den neuesten Hauptmann oder Sudermann schwatzen, mich ein paar Milliönchen besitzen. Aber das genügt noch nicht, dafür meine Freiheit herzugeben."
„Hanns!" tönte von nebenan die Stimme des Generals.
, Aber sie hörte nicht, denn die nonchalante Art ihres Bruders ärgerte sie. Er war verändert, seit sie ihn nicht sah und sprach, nicht mehr ganz der gute Junge von früher.
„Was verlangst Du denn noch mehr, Egon? Ich meine, es gibt doch genug alte und vornehme Familien bei Euch, daß es Dir nicht schwer fallen könnte."
„Was ich noch mehr verlange, Kleine? Na, jedenfalls eine ganze Menge, wenn ich eS auch noch nicht weiß. Ich denke mir, ei muß etwas Sjwz besonderes kommen, eine Prinzessin oder eine Milliardeserin."
„Fräulein von Lingen," rief der Vater mit demselben negativen Erfolg.
„Ich fürchte. Du wirst auf beide vergeblich warten."
„Ich warte auch garnicht, dazu geht mir c-, viel zu gut."
' Er lehnte sich im Sessel hintenüber und blies ßangsam den Rauch der Zigarre gegen die Zimmerdecke. Hanns rückte ihm näher. Wenn sie Buch jünger war als der Bruder, hegte sie doch «in gewisses mütterliches Gefühl für ihn, und zu-
Die Landagilatron der Sozial- Demskratte.
Beim Herannahen eines neuen Jahres rüstet sich die Sozialdemokratie zur Landagitation. Diese besteht in der Verbreitung eines Kalenders der in der roten Zentrale hergestellt wird und den Titel des Landes und der Provinz trägt, wo er verbreitet werden.soll. Die Vertrauensmänner der Sozialdemokratie bewirken und überwachen die Verbreitung des Kalenders. Alle Sonntage im Dezember und Januar senden sie die Boten hinaus in die Dörfer, wo dann der Kalender von Haus zu Haus, von Familie zu Familie getragen wird.
Die Landagitation der Sozialdemokratie hat den Zweck, die Bauern und Landarbeiter für die rote Internationale zu gewinnen. Daher wird in dem Kalender eine Politik gemacht,welche diesen Leuten, namentlich wenn sie mit schwierigen Wirtschastsverhältnissen zu rechnen haben, zu- sagen soll. Die wahren Ziele der Sozialdemo, fratie werden, wenn auch nicht ganz verschwiegen, so doch verhüllt und unverständlich dargestellt. Der Zukunftsstaat wird natürlich ganz verleugnet. Die Sprache des Kalenders ist derart, daß , jeder freiheits durstige und unzufriedene Mensch für die revolutionäre Partei eingenommen werden soll. Es steht daher außer Zweifel, daß die Sozialdemokratie mit ihrem Kalender unter den Land- teilten Anhänger gewinnt, die sich am Tage der Reichswahl durch den Stimmzettel zu ihr bekennen.
Der Erfolg der sozialdemokratischen Landagitation wird wesentlich begünstigt durch den Umstand, daß die Landleute nicht mit dem Ka- lender zugleich Gegenschriften erhalten, die den Inhalt des Kalenders einer scharfen Kritik un- terziehen. So nimmt denn der einfache Arbeiter und Bauer alles, was in dem Kalender steht, für bare Münze, umsomehr, als er geneigt ist, zu glauben, was öffentlich geschrieben wird, müsse auch wahr fein; von den stechen Unwahrheiten, die mittelst Druckerschwärze in die Welt gesetzt werden, hat er ja noch nicht die richtige Vorstellung, je dreister also bi? Sozialdemokratie in ihrem Kalender gegen Staat, Gesellschaft, Rest, gion und Familie, gegen Kaiser und König, gegen Regierung und Polizei auftritt, desto mehr wird der einfache Landmann an sie glauben. Es ist daher dringend notwendig, daß die Landbevölkerung zur Zeit der sozialdemokratischen Land- organisation über die Sozialdemokratie aufgeklärt wird.
Wie soll diese Ausklärungg aber geschehen? Wer soll sie bewirken? Wenn es wahr ist, daß die Presse ein wichtiger Faktor im Volksleben ist, so kann für den Aufklärungsdienst in erster Linie nur die Presse in Frage kommen, und zwar diejenigen ihrer Organe, welche am meisten auf dem Lande verbreitet sind, insoweit sie selbst nicht so- zialdemokrattsch. Wie bekannt, sind die kleinen Lokalzeitungen in Bauern- und Arbeiterhäusern am meisten zu finden, diese haben somit eine hohe kulturelle Aufgabe, die umso besser erfüllen, wenn sie sich zum Träger des Kampfes gegen die So-
weilen meinte sie, für seine Zukunft sorgen zu müssen, damit er fein Glück nicht versäume.
„Du solltest wirklich eine ernste Sache nicht ins Lächerliche ziehen, Egon," sprach sie lebhaft auf den Bruder ein. „Einmal muß man doch daran denken, eine Familie zu begründen. Und zu stütz ist es doch nicht mehr für Dich."
„Ach wo. Wie sollte ich bloß auf solche Gedanken kommen? Aber Du, Hanns."
„Von mir ist nicht die Rede — von Dir." „Du — Althoff läßt sich Dir empfehlen." Hanns zuckte zusammen, zwischen ihren Augen bildete sich eine tiefe Falte. Diese plötzliche Er- innerung an eine ihr unangenehme Episode war ihr peinlich; und sie suchte nach Worten, diesem Empfinden Ausdruck zu verleihen.
Egon kniff die Augen zusammen, wie er gerne tat, wenn er beobachtete, und gab einen leisen, pfeifenden Ton von sich.
„Ich glaube, Althof hat nicht bloß ein Stirnrunzeln verdient", meinte er nach kurzer Pause. „Er ist unwandelbar."
„Ich auch!" sfieß sie rasch hervor. „Vielleicht hast Du die Güte, ihm das klar zu machen."
„Werd' mich hüten", knurrte er. „Als ich ihm erzählte, ich führe zu Deinem Empfang, vielmehr zu Deiner Begrüßung her, da — na ich denke, er tritt morgen ober übermorgen hier an."
In diesem Augenblick trat Exzellenz in die Tür, welche vom Vorzimmer in das dem alten Herrn allein gehörende Heiligtum, in fein Zim- mrr führte. Als er seine beiden Kinder in em " 'ches Gespräch vertteft sich, flog ein wohl. Zollendes Lächeln über feine Züge. Verstehen konnte er zwar nicht, was sie so eifrig zu verhandeln hatten, denn in letzter Zeit war fein Gehör nicht mehr so gut als früher, wichtig genug aber mußte es wohl fein, das sah er.
Nun, er würde ihre Aufmerksamkeit schon auf sich lenken- i
zialdemokratie machen. Leider erscheinen solche Zeitungen oft in Industriestädten mit zahlreicher sozialdemokratischer Einwohnerschaft, die sie aus geschäftlichen Gründen nicht verletzen wollen; daher verhalten sie sich „neutral". Andere folgen ihrem Beispiel und anderen wieder fehlt eS an Staunt zur Polemik gegen die Sozialdemokratie. Eine wirksame Bekämpfung der Sozialdemokratte auf dem Lande kann also nur durch die Verbreitung der Schriften des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie erfolgen. Jeder echte Deutsche kann diese Verbreitung bewirken. Dann wird die Landbevölkerung aufgeklärt werden über die Sozialdemokratte, die auch in Deutschland den Volkswohlstand durch die Revolutton vernichten will.
Zur Lage in Rußland.
Petersburg, 8. Dez. Der Reichsrat acceptierie soeben den vom russischen Ministerium für daS Jahr 1906 zur besseren Verpflegung der UitermilitärS nachgesuchten Kredit in Höhe von 37 Millionen Rubel.
Die Regierung hat sich entschlossen, vorläufig 40,000 Mann der Mandschureiarmee nach Rußland auf dem Seewege zu bringen. Den Transport werden vstasiatische und dänische Gesellschaften ausführen.
Petersburg, 9. Dez. (lleber Eydtknh- nen.) Ein kaiserlicher UkaS enthält provisorische Verordnungen für die periodisch erscheinende Preffe. Die allgemeine und besondere Präventivzensur für periodisch erscheinende Publikationen, Zeichnungen und Holzschnitte wird abgeschafft. Ausgenommen find die Publikationen, welche auf dem Lande erscheinen. Die administrativen Maßregeln und Bestrafungen werden abgeschafft. Die Verantwortlichkeit für Preßvergehen wird lediglich durch die Gerichtshöfe festgestellt. DaS Recht des Ministers deS Innern, die Veröffentlichung oder Besprechung von Fragen, die die Regierung betreffen, zu verbieten, wird aufgehoben. Schließlich wird eine lange Reihe von besonderen Füllen aufgezühlt, die gerichtliche Verfolgung nach sich ziehen. Die angedrohten Strafen bewegen sich zwischen einer Geldstrafe bis zu 300 Rubeln und Gefängnisstrafe oder Deportation.
Petersburg, 9. Dez. (Ueber Eydtkuh- nen. P. T.-A.) Am TonnerSdag erhielten die Matrosen der 14. Equipage den Befehl, sich nach Kronstadt zu begeben. Sie weigerten sich dem Befehle nachzukommen. Die Admiräle Barteschewitsch und Niedermüller ermahnten die Matrosen, sich nach Kronstadt zu begeben, hatten jedoch keinen Erfolg. Die Matrosen sandten daraus eine Deputation an die 18. Equipage mit der Bitte, sich ihrem Proteste anzuschliefen. Die Offiziere ermahnten sie jedoch zur Treue und Pflichterfüllung. Die 18. Equipage verbarrikadierte sich alsdann, um zu
„Doktor!" rief er mit Kommandierstimme in das Zimmer hinein. „Doktor Hanns)"
Das Mädchen fuhr zusammen und sprang auf.
„Was ist denn, Papa? Was soll ich?"
„Meinst Du nicht, daß ich mir heute noch eine zweite Tasse Kaffee verdient habe? An Festtagen muß man seiner FeMimmung durch irgend eine Exttavakanz Audnick verleihen."
Egon hörte den Ruf „Dottor — Doktor Hanns". Er sah auf die Schwester und wußte anfangs nicht recht, was er davon halten solÜe. Tann aber verstand er.
Er richtete sich in seiner ganzen Länge auf und machte Hanns eine Verbeugung bis zur Erde.
„Wenn ich recht versiehe," sagte er, „gilt Papas Anruf Dir und nicht unserem abwesenden Medizinalrat. Donnerwetter, ich bin einfach baff. Das ist mehr als ich in meinen kühnsten Träumen zu hoffen wagte. Meine Schwester Hanns ein wirklicher, lebendiger Dottor. Hanns ich komme mir unglaublich geschwollen vor."
„Gehirnakrobat," warf sie ein.
„Der Mensch ändert sich und ich habe mich zu der Ansicht bekehrt, daß es auch diese Sorte Gym- nasttker geben muß. Aber Ihr Frauenzimmer — bitte, entschuldige den rein sachlichen Ausdruck — seid doch zu anderem dal"
„Bitte, Egon, solche Gespräche sind verpönt."
„Entschuldige, aber ich bin so baff, daß Du mir schon einiges zugute halten mußt. Dottor — wie hast Du denn das gemacht?"
„Rein, Papa," rief Hanns und trat zum Vater, zärllich seinen Arm fastend, „eine zweite Tasse Kaffee kann ich Dir unter keinen Umständen bewilligen. Aber ich sorge doch für Dich. Ich habe durchaus nicht vergessen, wie man sich bei Deiner Exzellenz angenehm macht."
Sie eilte in das Speisezimmer, klingelte und gab dem Diener Anweisung, Mliner, Mosel und
verhindern, daß die 14. Equipage zu ihr dringe., Um 3 Uhr morgens wurden die Kasernen der Equipage und die umliegenden Straßen von' Truppen umzingelt. Die Matrosen wurden, alsdann in Booten nach Kronstadt geschickt und, werden Dienst in den Forts tun. — In ein« Versammlung d« ausständigen Post- und Tele» graphenbeamten würde beschlossen, im Ausstand« zu verharren, bis der Verband anerkannt und die verlangten Forderungen erfüllt fein.
Ehdtkuhnen, 9. Dez. Der Bahnverkehr Wirballen-Petersburg ist noch frei, sämtliche Nebenbahnen streiken. Riga ist ganz «beschlossen. Sß aff agiere auS Petersburg berichten, der Inge« nieur Sokolow, deffen Verurteilung durch ein Kriegsgericht auf Verlangen deS Verbandes bet Eisenbahner von der Regierung aufgehoben wurde, sei trotzdem gehängt worden.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Dezember. *
— Seine Majestät der Kaiser hörte vorgestern Samstag nach einem Spaziergänge von 9*/» Uhr al die Vorträge deS Staatssekretärs des Reichsmarineamts des Chefs des Marinekabinetts und des Ehefl deS Militärkabinetts. Um 12*/, Uhr empfing er de. Grasen Eberhard Solberg-Wernigerode zur Rückgabe der Orden seines verstorbenen Vaters und nahm um 12*/« Uhr militärische Meldungen entgegen, barunta diejenigen dreier griechischer Osfiziere, sowie del schwedischen Militärattachös Kapitäns Kraak. Am gestrigen Sonntag beuchte das Kaiserpaar den Gotte!» dienst; Mittags 12*/, Uhr empfing der Kaiser bei Präsidium des Reichstages und daraus das Präsidium des Landtages. Die Kaiserin empfing im Neu« Pa>ais im Anschluß an die Audienz beim Kaiser bij Präsidiun des Reichstages, des Herrenhauses und bei Abgeordnetenhauses.
— Im Abgeordnetentzause beantragen die Abgeordneten Oeser, Ehsling und Wiemer, die Einführung der fakultativen Feuerbestattung durch politische Gemeinden oder sonstig« Verbände zu ermöglichen, insbesondere durch Auf», Hebung etwa entgegenstehender gesetzlicher oder Vem woltungsvvrschristen.
Der bekannte Antrag des Abg. Preiß u. Gen, betrefsend die Erhebung der Reichs» landezu einem selbständrgen Bundesstaat, ist im Reichstage eingegangen.
Die Abg. Gyßling lfts. Vpt.) und Gen, beantragen im Abgeordnetenhause einen Gesetzentwurf über die Verantwortlichkeit der Minister, Der Abg. Hammer (kons) wünscht Maßnahmen gegen die Feuergefährlichkeit ber Warenhäuser, und zwar Vorschriften über deren Bauart dahin, daß Verkaufsräume nur im Erdgeschoß und im ersten Stockwerk eingerichtet werden und darüber befindliche Räume zum dauernden Aufenthalt von Menschen nicht benutzt werben dürfen
PariüUten.'ariiches.
Deutscher Reichstag. '
Berlin, 9. Dez.
Der Reichstag setzte heute die Etatsbera- jung fort. Abg. i8affermann verwies auf bie sich überall im Volke englischer Machenschaften entfaltende deutsch-feindliche Stimmung und lei-
eine Zitrone zu besorgen. Des alten Herrn Lieblingsgetränk zu bereiten verstand sie am besten.
Dann kehrte sie zurück mit dem vollen Glase, zog den Vater in fein Zimmer und drückte ihn in feine Sofaecke, sich neben ihn setzend.
„Und dabei plädiert sie für die Ehe," meinte Egon. „Das kleinste Vergnügen, und wars eine Tasse Kaffee wird uns abgeknöpst, Wenns den Herrinnen bet Schöpfung fo gefällt. Dabei hast Du noch nicht einmal Medizin studiert."
Ehe die Geschwister am Abend auseinandergingen, sagte Egon: „Althof glaubt ein Recht zu haben, wiederkommen zu dürfen. Er tft vor zwei Jahren gar nicht dazu glommen, das auszu« sprechen, was er Dir zu sagen hatte, und —"
„Es wäre mit jetzt lieb, er hätte damals gesprochen. Es ersparte bann mir und ihm Unangenehmes." .
„Das glaube ich nicht, denn Du wirst etn Einsehen haben. Er hat nur gewartet, bis Du Deine Absicht durchgeführt hast."
„Bitte, Egon, erspare Deinem Freund —
„Erlaube. Daran denkst Du nicht, daß Du Papa eine große Freude machen würdest? Er hat Althof gern und schätzt ihn hoch, das weiß ich. Es würde ihn sicher freuen.“
„Schweig, Egon, ich bitte Dich dringend. Weshalb willst Du am ersten Abend einen Streit provozieren, der zwecklos ist. Ich bin eine Frau un# denke infolgedessen auch nicht fo männlich wie Du. Für mich ist das Herz nur eine Muskel in der linken Brustseite, dazu da, das Blut durch die Adern zu pumpen, ich lege dem Herzen auch sonst noch einiges Gewicht bei."
„Das findet sich, Hanns." , 1
„Möglich. Ich heirate aber jedenfalls nicht, bevor nicht mein Herz spricht, und das tat eS bis jetzt nicht. — Gute Nacht, Egon.* , \
(Fortsetzung^cktzt^ >