Drittes Blatt.
Kriegervereine und
Marburg
Sonntag, 10. Dezember 1905
Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der ErpÄitiou 2 ML, bet «Bett Postämtern 2,25 M. .exct. Bestellgeld).
JnsertlonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Reclanien: die Zeile 25 Psg.
Die heutige Nummer umfaßt 12 Setten.
Washington, 8. Dez. („Reuter"-Mel» düng.) Es bestätigt sich, daß der Kreuzet „Minneapolis" auf den Azoren bereitgehalte» wird, um nach einem russischen Hasen gesandt z» werden zum Schutze der amerikanischen Staatsangehörigen.
Bromberg, 8. Dez. (Amtlich.) Der Personenverkehr über Wirballen ist mit den Sta- Honen der Baltischen und Pskow-Rigaer Bah« wieder aufgenommen, dagegen ist der Personen- verkehr nach Rußland über Grajewo wieder gesperrt. Der Güterverkehr über Grajewo nach Stationen der Moskau-Kursker Bahn über Mos. kau fft wieder eröffnet. Ueber Grajewo ist bec Güterverkehr zurzeit noch gesperrt: mit der Strecke Kiew-Poltawa und den Hinterbahnen, mit Stationen der Charkow-NÄolajewer Bahn über Snamenka-Jelissawetgrad, mit der Strecke Baladschary-Baku-Ssuraschny der Transkaukasischen Bahn, mit der Strecke Nishni-Nowgorod und den hintergelegenen Stationen der Moskau- Kasaner Bahn. Wegen Ueberfüllung der Bahnhöfe sind Güter nach Russisch-Herby bis auf weiteres nicht anzunehmen, rollende sind weiter zu senden.
Zur Lage in Rußland.
Petersburg, 8. Dez. Delegierte des Moskauer, Landschafts- und Städtekongresses wurden gestern zum letzten Male von Witte empfangen. Sie überreichten eine schriftliche Erklärung, in welcher darauf hingewiesen wird, daß die Regierung sich stets mit dem Ergreifen notwendiger Maßregeln verspäte und deren Realisierung in unvollkommener und inkonseguenter Weise betreibe, zum Schaden des Vaterlandes. Augenblicklich sei die Situation derartig, daß nur die vollständige und konsequente Verwirklichung eines breit angelegten Staatsprogramms die Be- völkerung beruhigen und die durch lange Jahre Heffter Reaktion erschütterte Macht des Staates regenerieren könne. Graf Witte erklärte, er werde die Denkschrift nach einiger Zeit beant- ten. Auf die Delegierten machte er den Eindruck eines Mannes, der durch angestrengte Arbeit zwar sehr angegriffen, aber trotzdem die Macht in seinen Händen hält, und sie so leicht nicht abtreten wird.
Petersburg, 8. Dez. Witte hat vorgestern den Zaren um seinen Abschied gebeten, worauf ihm der Zar erwiderte: „Sind Sie ein so schlechter Patriot, daß Sie mich in einer so schweren Zeit verlassen wollen?" Trotz dieser aus authentischer Quelle stammenden Nachricht, aus der ersichtlich ist, daß Witte noch nicht zurücktritt, mehren sich hier die Gerüchte über seinen Rücktritt. Vor der Hand sind sie unbegründet. Witte ist entschlossen, einstweilen noch auszuhalten; wie lange, werden die nächsten Tage entscheiden.
W i s b y, 8 .Dez. Der deuffche Dampfer „Dortmund", von Reval nach Gent unterwegs, lief beute den Hafen von Slite an, um Postsachen und Telegramme abzuliefern.
Erscheint wöchentlich sieb« mal.
Druck und «erlag- Ioh. Äug. Koch, UmversES-Buchdruckerei 40. SfafittL Marburg, Markt 21. — Telephon 55. ~
I ein Verteidiger der Krone gegen die nivel- lier enden Tendenzen der Demo, k r a t i e. Wer Demokrat ist, kann kein Monar- drift sein, denn er ist Republikaner oder zum mindesten Anhänger des parlamentarischen Regie- rungssystems, das die Regierung zum Spielball der jeweiligen Kammermajorität macht. Unsere deuffchen Monarchien sind zwar konstitutionelle, aber Staaten, in denen Km st der historischen Entwickelung (auf Grund der Verfassung!) der Krone, neben der Volksvertretung, die Präpondevanz zusteht. Die Kriegervereine mit chren alten Soldaten stehen in unmittelbaren Beziehungen, in einem Vertrauensverhältnis zu dem Träger der Krone, zu ihrem obersten Kriegsherrn. Und darum war auch, um auf den Fall Baden zurück- zukommen, das Milstärvereinspräsidium in Karlsruhe in jeder Hinsicht berechtigt, Elemente aus seiner Organisation zu entfernen, die, wie ihr Verhalten bei den Wahlen zeigte, nach Tmdition und Wesen nicht hineingehören. Wenn eine Maßregelung nicht erfolgte (nur Rügen wurden erteilt), so ändert dies an der Berechtigung an sich nichts.
Dasselbe gute Recht steht jedem anderen Kriegervereine zu. Ein Demokrat, ein revoluüo- närer Sozialdemokrat, der in bewußtem offenen Kampfe der Monarchie gegenübersteht, hat in einem Verein nichts zu tun, dessen vornehmste Aufgabe der Schub des Thrones und die Erhaltung monarchischer Gesinnung ist. Und Mitglieder, die diesen Gnmdsätzen zuwiderhandeln, können, dürfen und müssen entfernt werden, um die Zuverlässigkeit der Organisation nicht zu mindern. Mit demselben Recht, wie die sozialdemokratische Partei nicht „zielbewußte" Genossen fliegen läßt, weil sie Verwirrung im eigenen Lager an- zurichten geeignet sind, darf auch das Militär- vereinspräsidium einschreiten, wenn die Pflichten gegen den Monarchen, die am höchsten zu be- werten sind, außer Acht gelassen werden. In Baden haben Offiziere des Beurlaubtenstandes als liberale Agitatoren zur Stimmabgabe für sozialdemokratische Agitatoren aufgefordert. Wo soll für die große Masse der Soldaten und der gewesenen Soldaten die Achtung vor den Rechten der Moimrchie bleiben, wenn die berufenen Füh- rer sich über ihren Fahneneid sträflich Hinwegsetzen, und eine Partei unmittelbar oder mistelbar unterstützen, , die eingestandenermaßen die geschworene Feindin jeder Dynasste, jedes Monarchen, aller (verfassungsmäßigen!) Kronrechte fft.
Principiis obsta! Ist die laxe Moral ein- mal toeiter ausgebreitet, dann geht es bergab, das muß jedem Einsichstgen klar fein. Wer die i Pflichten nicht übernehmen kann und will, welche die Zugehörigkeit zu einem Kriegerverein bedingt, der bleibe der Organisaston fern, oder gebe, wenn er Offizier ist, das Portepee zurück, das nur der zu führen berechtigt ist, der überzeugungstreuer Monarchist und ein Soldat fft, der es mst feinem Fahneneid ernst meint. Verlaß muß sein auf die Mitglieder aller Kriegervereine, daß sie nur solche Parteipolitik treiben, die den Pflichten gegen den obersten .Kriegsherrn nicht zuwiderläust. Rur so kann das Vertrauen bestehen bleiben, das zwischen I dem hohen Protektor und den Kriegervereinen I notwendig ist und bisher stets als verdiente Aus- I Zeichnung von den alten Soldaten empfunden j werden durfte. D B. I
mit dem Kursblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt. -
Deutsches Reich.
I Berlin, 9. Dezember.
I — Seme Majestät der Kaiser besuchte ge» I stern zusammen mit der Kafferin die Villa Ingen- I heim und hörte später Vorträge. Zu den bat I verschiedenen englischen und amerikanischen Blät- I fern verbreiteten ungünstigen Berichten über bat I Gesundheitszustand des Kaisers wird erklärt, daß I sie vollständig erfunden sind.
I — Bei der gestrigen Reichtagsersatz- I Wahl im 9. schleswig-holsteinischen Wahlkreis, I Ploen-Oldenburg, erhielt Bockelmann (kons.) I 8989, Dr. Struwe (lib.) 4550 und Weinheber I (Soz.) 4406 Stimmen.
I — Die konservative Fraktion bei. I Abgeordnetenhauses hat sich in chrer I letzten Sitzung am Dienstag dahin schlüssig ge. I macht, den beiden Vorstandsmitgliedern, die schon I seither den früheren Vorsitzenden, Grafen zu I Limburg-Stirum, in der Geschäftsleitung unter- I stützt haben, nämlich Dr. Freiherr von Erffa und I Dr. von Hehdebrand und der Lasa, bis auf wei- I teres die Leitung der Frakstonsgeschäfte zu über*; I tragen. Die definitive Wahl des Fraktionsvoo-, sitzenden soll noch den Weihnachtsferien stattsin- den. In ihrer am Donnerstag abgehaltenen Sitzung hat die Frakston an Stelle des ausgeschiedenen Grafen zu Limburg-Sstrum die Herren Beuchelt und von Pappenheim zu Vorstandsmitgliedern gewählt. Ferner fft auf einmütigen Wunsch der Fraktion Abg. von Normann durch Akklamation in ihren Vorstand berufen worden.
— Minister v. Budde hat sich hinsichtlich deS Alkoholverbots für die preußisch.
| hessischen Eisenbahnen mit folgendem Erlaß auch an die Bahnärzte gewandt: „Ich rechne auf die vielfach bewährte Mitwirkung der Bahn- und Bahnkassenärzte, die nicht nur durch belehrende Vorstäge auf die Bediensteten einwirken, sondern auch die Vorgesetzten auf solche Bedienstete aufmerksam machen können, welche nach ihrer Kenntnis dem Alkoholmißbrauch in einer Weise ergeben sind, daß dadurch die Zuver- lässigkeit ihrer dienstlichen Verrichtungen in Frage gestellt wird. Hierauf werden die Bahnärzte ins- besondere auch bei der Untersuchung solcher Per», fönen zu achten haben, deren ernste Einstellung in, den Bahndienst in Frage kommt." — Der von Eisenbahndirektor a. D. de Terra in Marburg 1902 ins Leben gerufene „Deutsche Verein enthaltsamer Eisenbah- n e r", der sich die Bekämpfung des Alkoholgs- nusfes unter den Eisenbahnbeamten und der daraus enfftehenden Gefahren zur Hauptaufgabe ge- setzt hat, steht gegenwärtig im Begriff, im Einvernehmen mit den maßgebenden Stellen Oesterreichs sich zu einem „Ei senbahn--Alkohol» gegner--Verein für das deutsche Sprachgebiet zu erwestern. Der Vorsitzende hat an die beiden Häuser des preußi. scheu Landtages ein Gesuch gerichtet, dem Verein zur Entfaltung einer umfassenden wirksamen Tätigkeit eine jährliche Beihilfe von 10 000 Mark zu bewilligen. Diese Eingabe wird- auch an den Reichstag gerichtet werden, ferner sämtlichen Land- und Reichstagsabgeordneten so. wie den Einzellandtagen der deutschen Staaten zugehen. In der Schweiz wird der nach dem deutschen Beispiel gegrimbde gleichartige Verein vom Staate und von allen EffenbahuverwMun^ gen tatkräftig unterstützt. Im Interesse der' Sicherheit auf den deutschen Bahnen ist zu toütK scheu, daß die Besstebuugen des Vereins sowohl vom preußischen Landtag wie auch in den übrige? deutschen Staaten weitgehendste Unterstützung und Förderung erfahren . !
— Das Gesetz über denServistarifnnl die Klaffeneinteilung der Orte bestimmt vom L April 1906 ab die Zusammenlegung der Sem visbeträge 3 und 4 mit denen der Klasse H. also Erhöhung auf die ledterm Der DersonalferviS wird b*1
I nassen" gewirkt haben, wurde der ohnedies hoch- I gehenden Erregung neue Nahrung zugeführt. I Nicht nur in Baden selbst, sondern auch außerhalb I der gelb-roten Grenzpfähle wurde von linkslibe- I ral-demokratischer Seite die Kundgebung des I Verbandspräsidiums als „unberechtigte Einmffch- | ung" in die Parteipolitik scharf zurückgewiesen, I zum Teil mit groben Ausfällen gegen die Jasti- I tution der Kriegervereine selbst.
I Die Hauptargumente in der Bekämpfung des I badffchen Militärpräsidiums waren: die Polstik I sei statutengemäß von den Militärvereinen aus- I geschlossen, und die Art und Weise, wie die staats- I bürgerlichen Rechte ausgeübt werden oder ans- I zuüben sind, die Mllitärvereine nichts angehe: I „denn", so lautet die Folgerung, „über allem I Militärvereinswesen steht die Verfassung." I Ferner wurde behauptet: „Die Militärvereine I haben sich bei politischen Wahlen, seien es Laad, I tags- oder Reichstagswahlen, in keiner Weise I und unter feinem Gesichtspunkt zu betätigen, soa- I denn haben durchaus neutral zu fein." Ja, man I formulierte dieses Verbot noch genauer in solgen- I dem Satze: „Die Militärvereine haben sich auch I um die politische Gesinnung ihrer Mitglieder I nicht zu bekümmern, solange die Mitglieder ihre I politische Gesinnung nicht innerhalb der Mffstär- I vereine betätigen zum Schaden der Vereins- I zwecke."
I Diese Thesen seien aus der großen Zahl der I Preßerörterungen herauSgenommen, weil die I darin ausgesprochenen Ansichten von besonderer I Bedeutung sind und geradezu typisch erscheinen für die Verkennung der Verhältnisse der Krieger-
I vereine zur Parteipolitik, für die Verwässerung der Begriffe von staatsbürgerlichen Rechten und Pflichten. Es handelt sich hier nicht mehr um eine interne badische Streitfrage (die inzwischen durch eine neuerliche Erklärung des Verbands- Präsidiums eine notdürftige Beilegung gefunden hat), sondern um ein Prinzip von allgemeiner Bedeutung, das nach jeder Richtung hin der Klarstellung bedarf, schon im Interesse des KriegervereinZweseas selbst.
Da, wurde als scheinbar sehr gewichtiger Grund angeführt, über allem Milftärvereinswesen stehe I die Verfassung. Die Verfassung! Die Berufung auf die Verfassung ist das wohlfeilste und einfachste Argument, mit dem man noch operieren kann, wenn alles andere versagt. Namentlich bei der linksliberalen-demokratischen Presst ist dieser Hinweis sehr beliebt und muß selbst da herhalten, wo, wirklich verfassungsrechtlich gesprochen, gar keine Beziehungen zur Verfassung bestehen noch sich herleiten lassen. In wie fern Kriegervereine in Beziehungen zur Verfassung stehen — abgesehen natürlich von den Allgemeinbestimmungen, welche die Kriegervereine ebenso toie jedes andere I Individuum ansehen — läßt sich in feiner Weise staatsrechtlich darstellen, selbst nicht durch die I kühnste Interpretation. Die Kriegervereine sind I ein Anhängsel des Heeres, oder besser gesagt, eine I eigenartigee Fortbildung desselben. Die Krieger- I vereine dienen doch nicht nur der Pflege der Ka- I meradschast, Geselligkeit und gegenfeitiaen Unter- I stiitzung, sondern in erster Linie bilden sie den I natürlichen Sammelpunkt der vaterlandstreuen I und monarchisch gesinnten Elemente aus der gro- I feen Schar der entlassenen aktiven Soldaten, die I in den Kriegervereinen die Ausübung der Pflich- I tat fortsetzen, die sie bei der Armee mit dem I Fahneneide übernommen haben. Der Fahneneid I aber — und auf diesen Treueid wird bezeich- I nenderweife von der llnksliberal-demokratischen I Presse ein Gewicht gefegt — verpflichtet die Trup- I Pen zur Treue, zum ,Gehorsam gegen Fürst und I Vaterland. Wohlverstanden, der Fürst, der Mo- I narch siebt an der 'ersten Stelle für den Soldaten, I die Treueverpflichtung ist eine uneingeschränkte. I Die Kommandogewalt über das Heer gehört zu I den ureigensten Prärogativen der Krone und ihre I Rechte sind hinsichtlich dieses Machtmittels durch I keine Verfassung begrenzt. Nur die äußere Or- I ganifation ist budgetrechtlich festgelegt, aber die I Verfügung über das Heer, die Erziehung der es I bildenden Mannschaften, die Pflege der monar- I chischen Gesinnung innerhalb feiner Angehörigen, I das alles hat mit der Verfassung absolut nichts zu I tun. Demokratische Einflüsse und Zustände, tote I in anderen Staaten, haben wir in unserer beirr- I scheu Armee glücklicherweise nicht und deren Ein- I bringen und Ein reißen soll und wird mit allen I Mitteln entgegengearbeitet werden. I
Noch weniger stichhaltig ist die Behauptung, I die Kriegervereine müßten durchaus politisch I neutral fein und dürften sich um die Gesinnung I ihrer Mitglieder nicht kümmern. Diese Ansicht I zeugt ebenfalls von einer Verkennung des Wesens I und der Ziele der Kriegervereine. Gewiß, die I Vereine haben sich um die Einzelheiten der pccki- I tischen Gesinnung nicht zu kümmern. Ihnen I kann es gleich fein, ob das Mitglied evangelisch I oder katholisch, konservativ oder liberal, Schutz- r Zöllner ober Freihändler ist, die Hauptbe-i b i n g u n g ift jedoch stets, und mit chr steht ober I
Parteipolitik.
Mehr noch als das Wahlbündnis des Zen- wums mit der Sozialdemokratie in Bayern, hat der Kompromiß der badischen Nationalliberalen «Zche die Hauptmacht der vereinigten liberalen k^iock Parteien bildeten, mit den Sozialdemo- raten bei den Landtagswahlen einen Gegenstand Ästigen Streites gebildet, der immer noch weise Kreise zieht. Durch den bekannten Er- £2 badffchen Militärvereinspräsidiums, der mH gegen die Unterstützung der S^iakdemokro. Kn aussprach und ein Einschreiten gegen die
Aussicht stellte, J fällt die Organisation, jeder einzelne muß monar- 6or A^ttAbar durch Stimmabgabe oder mittel- | Lisch gesinnt sein, 'ein aufrichtiger, treuer und ra> Agitation zu Gunsten der roten „Ge- • zuverlässiger Anhänger seines Fürstmhauses und
Neueste Telegramme.
Brrli», 9. Dez. Staatssekretär von Richthofen empfing gestern mittag Herrn St. George Tucker, der die amtliche Einlandung zur Beteiligung Deutschlands an der dreihundertjährigen Feier der Gründung von Jamestown, der ersten Ansiedlung in den Vereinigten Staaten im Mai 1607, Überbrachte. Die Feier soll in erster Linie in einer internationalen Flotten- und HeereSschau bestehen. Staatssekretär von Richt- Hofen sagte zu, die Annahme der Einladung befürworten zu wollen. Von hier begibt Herr Tucker sich in gleicher Mission nach Wien, Rom und Paris. England und Japan haben die Einladung bereits offiziell angenommen.
Berlin, 9. Dez. Die Börsengesetznovelle liegt zur Zeit dem Bundesrat vor, deffen Zu- stimmung als sicher gilt. DaS Staatsministerium soll sie einstimmig gut geheißen haben, und auch der Nachfolger des Herrn v. Möller hat zu der Vorlage keine veränderte Stellung eingenommen. Der Termin der Einbringung der Vorlage steht noch nicht fest, e« läßt sich aber annehmen, daß sie dem Reichstage bald zugehen wird.
Berlin, 9. Dez. DaS , Militärwochen blatt" meldet: Ernannt wurden Generalarzt Dr. Schserning zum Generalstabsarzt der Armee, Ehef des Sanitätskorps und der Medizinalabteilung im Kriegsministerium, sowie zum Direktor der Kaffer Wi> Helm-Akademie für mili- tärärztlicheS Bildungswesen, Generaloberarzt Dt. Jlberg zum Leibarzt des Kaiser« und Stabsarzt Dr. Riedner zum zweiten Leibarzt des Kaisers.
Berlin, 9. Dez. Die Präsidien des Landtages werden am Sonntagmittag 128/t Uhr im Reuen Palais bei Potsdam vom Kaiser in Audienz empfangen. Die Audienz des Reichstagspräsidiums firbet am selben Tage um 12 Uhr mittags statt.
Bonn, 9. De?. Der Kultusminister über- mfttelte 1- -pssor an der hiesigen Universität Sck zu dessen diamantenem Toktor- jubilänui reiegraphffch seinen Glückwunsch und teilte ihm mit, daß der Kaiser ihm den Stern zum Kronenorden 2. Klaffe verliehen habe.
pzi«, 9. Dez. Das .Vaterland", da« osstz e Organ der sächsischen Konservativen, j erklärt heute unter dem Eindruck der Straßenkundgebungen, diese seien zwar mit allen Mitteln zu bekämpfen, aber auch die Ursachen der Unzufriedenheit des sächsischen Volkes müßten behoben werden.
Rom, 9. Dez. Im Vatikan wird die Verlobung des Königs von Spanien mit der Prinzessin von Battenberg bestätigt. Der Pater Whithmee, der Abt der englischen Kirche St. Shlvester, der Beichtvater der Königin, unter- I ttdjtet sie gegenwärtig in den Lehren der ka- I tholischen Kirche.
PorlA, 9. Dez. Eom - ^rde von Abge- I ordneten und Journaliste- rogt, ob er tat- I wchlich Kandidat für die Präsidentschaft der I Republik fei. EombeS antwortete, diese« Ge- I rücht werde von Leuten verbreitet, die sich I ^wst täuschen, um andere zu täuschen. Rach I der lleberzeugung Combe«' wird FollierS« der I einzige Kandidat der Republikaner fein und I mit einer imposanten Mehrheit gewählt werden. |