lot Erfordernis einer besonderen Annahme Kirch die Minister der Finanzen und dcZ Innern fallen lassen. , ,
— neugeplanten deulschen Linienschiffe, S-fitüffe, sollen bekanntlich 18 OOO Tonnen gro"; sein. Nach der „Nhein-Weftf. Zig.« soll jedes dicser Schiffe 860 Mann Besatzung erhalten und zwar 28 Offiziere und 832 Mannschaften. Gegen die Schiffe der „Brcmn- ichweig". und „Deutschland"-Klasse bedeutet das eine Verstärkung um 128 Mannschaften. Unsere neuen Panzerkreuzer sollen 15 000 Tonnen groß fein, ihre Bemannung soll aus 791 Köpfen be- stehen; und zwar aus 24 Offizieren und 767 Mannschaften. Die letzten Panzerkreuzer, welche wir im Bau haben, sind mir 11 500 Tonnen groß, sie sollen 737 Mann an Bord haben und zwar 24 Offiziere und 713 Mannschaften.
— Ueber die Bevölkerungsbewegung in Deutschland während des Jahres 1904 sind soeben die amtlichen Zusammenstellungen des Kaiserlichen Statistischen Amtes abgeschlossen worden. Es ergibt sich daraus, daß die Bevölkernngs- zunahme, die zu Anfang dieses Jahrhunderts Neigung zu relativem Rückgang zeigte, 1904 wiederum im Wachsen war, wenn auch der Durchschnitt des letzten Jahrzchnts noch nicht voll erreicht wurde. Im einzelnen zeigt die genauere Betrachtung der Ergebnisse aufs neue,, daß die Zunahme des Geburtenüberschusses weniger auf die Zunahme der Geburten an M, als auf den beständigen Rückgang der Sterblichkeit zurückzuführen ist. Im Durchschnitt des letzten Jahrzehnts entfielen im Deutschen Reiche jährlich auf je 100 Einwohner 3,66 Geburten; im Jahre 1903 war die Zahl auf 3,49 zurückgegangen, sie stieg im Berichtsjahre wieder mäßig auf 8,52, Reibt also dem Vorjahre immer noch näher als dem Durchschnitt des letzten Jahrzehnts. Anders die Sterb- kichkeit, deren günsttge Entwicklung konstant ist; im Durchschnitt des lebten Jahrzchnts kamen auf 100 Einwohner jährlich je 2,19 Todesfälle, hn Jahre 1903 2,11 und im Jahre 1904 nur 2,06. Es begab sich sogar somit im Berichtsjahre 1904 eine starke Annäherung des Geburtenüberschusses an den Durchschnitt des ganzen Jahrzchnts. Auf 100 Einwohner kam nämlich in der Zeit von 1895 bis 1904 durchschnittlich eine jährliche Vermehrung durch Ueberfchuß der Geburten über die Todesfälle um 1,47 Prozent, bn Jahre 1904 belief sich dieser Prozentsatz auf 1,5 Prozent, während das Vorjahr mit 1,39 einen nicht unerheblichen relativen Rückschritt bezeichnet hatte. Mit Bezug auf die absolute Zahl der Geburtenüberschüsse steht das letzte Jahr erheblich über dem Durchschnitt der Vorjahre. Betrug die natürliche Volksvermehrung im Jahre 1903: 812 000 Köpfe, so stieg sie im Jähre 1904 auf 863 000.
KarlamenrarMes.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 6. Dez.
Bei gutem Besuch und starkem Andrang zu den Tribünen begann heute der Reichstag die erste Lesung des Etats in Verbindung mit der ersten Lesung der Flottenvorlage und der Steuervorlage. Die Beratung eröffnete Reichskanzler FürstBülow mit einer einstündigen Begründung der Reichsfinanzreform. Von »er Reichsfinanzreform sei die Wohlfahrt und Sicherheit deS Reiches abhängig. Fürst Bismarck habe gefordert, daß da8 Reich gegenüber den Einzelstaaten ein gut zahlender Kostgänger sei: zur Zeit fei aber daS Reich zu einem armen Reisenden geworden. Die neuen Steuern feien nach Möglichkeit den leistungs» fähigeren Schultern zugedachtt Man möge dem Reiche bewilligen, was ihm unbedingt notwendig sei. Darauf ging Reichsschatzsekretär Frbr. v. Stengel aus den Etat und die Einzelheiten der Steuervorlage unter starker Unruhe des Hauses näher ein. Abgi Fritzen (Str.) meinte, daß die Verbündeten Regierungen die erstrebenswerte Höhe der Einnahmen be8 Reiches überschätzen und betonte, daß seine Freunde die Steuer- Vorlage nicht al8 ein unteilbares Ganzes betrachten können. Seine Bemerkungen zur auswärtigen Politik veranlaßten den Reichskanzler in letzter Stunde noch einmal daS Wort zu ergreifen. Deutschland halte am Dreibunde fest, muffe aber auch stark genug sein, um ohne Bundesgenossen auSkommen zu können. Der mglisch.japanische Vertrag sei mit den deutschen Interessen in Ostafien nicht unvereinbar. Deutschland verschmäh« eine Einmischung in die inneren Verhält- mfle Rußlands, werde aber zu verhindern wiffen, daß die Unruhen auf deutsches Gebiet Lbergreisen. Die deutsche Politik erstrebe, wie die Entwickelung der marokkanischen Angelegenheit gezeigt habe, nicht einen Anlaß zum Kriege, sondern nur die friedliche Entwickelung des deutschen Reiches nach Innen und Außen. (Lebhafter Beifall.)
Berlin, 7i Dezember.
Der Reichstag fetzte heute bei gutem Besuche in LauL und Tribünen die erste Lesung des EtatS in Verbindung mit der Steuer- und Flottenvorlage fort. Erster Redner war Staatssekretär v. T i r p i tz, der die Notwendigkeit der Marinevorlage erneut darlegte,
Stadttheater.
,DaS Glas Waffrr", Lustspiel in fünf Auslugen, nach Scribe. — Die Leitung unseres Stadttheaters ist mit peinlicher Gewiffenhaftig- keit bemüht, allen Geschmacksrichtungen Rechnung zu tragen und nimmt sogar die ältesten Ladenhüter vor, wenn es gilt, Wünschen dieser Art entgegen zu kommen. Das ist schließlich ihr gutes Recht, obwohl auch hier summum ins — EUBflQ* iniuria bedeutet, nämlich für den, ver in ker abgestandenen Lauheit des »Glases Kaffer' alles andere als Erfrischung findet. Der selige Scribe bewahrheitet das Wort Ben AkibaS, „Alles schon dagewesen", denn an ^cribeS Dramenfabrik, Masfenbetrieb en gros, Produktion 350 Stück, gemessen, find unsere Blumenthal, Schönthan und Kadelburg wirklich die reinsten Waisenknaben. Unter diesen Um« ständen braucht kaum darauf hingewiesen zu werden, daß es auch den Personen in dem gestern abend aufgeführten Stück wie in allen Dramen deS Autors an feiner und tieferer Charakteristik fehlt. Dagegen läßt sich nicht »bstreiten, daß die Verwicklungen gut angebracht find, daß die Durchführung b«r Jntri« inen sogar meist mit besonderem Geschick ge- schieht und daß die Auslösung der verschiedenen Geschürzten Knoten am Schluffe mit erstaun-
nab in ihren einzeln« Forderungen als berechtigt erwies. Der starken Zunahme unseres Außenhandels müsse auch eine angemeffene Vermehrung unserer Flotte zur Seite stehen. Abg« Bebel (Sozi tadelte die plötzliche Verabschiedung des Reichstages im Frühjahr und bot dann eine ausführliche pessimistische Schilderung der internationalen Lage. Er behauptete, daß für einen ausreichenden Schutz unseres Handels eine ganz kleine Flotte genüge, daß die deutsche Flotte der englischen nie gewachsen sein werde, und daß die FlMenvermehrung eine Schraube ohne Ende sei. Seiner Anschauung, daß die zunehmenden Steuer- lasten lediglich vom Proletariat getragen werden, trat der preußische FinanzministerFrhr. v. Rheindaden mit großem Geschick entgegen. An der Hand der Statistik sührte er aus, daß einmal im deutschen Reiche die Steuerlast weit geringer sei als in fast allen anderen Staaten, und daß die Steuern bei unS fast ausschließlich von einem Drittel der Bevölkerung aufgebracht werden. Die Reichsfinanzresorm be- zeichnete er als politische Frage, deren Lösung gerade die mittleren und kleineren Staaten fordern müffen. Der Reichstag möge die Steuervorlage annehmen und damil eine patriotische Tat auf dem Altar deS Vaterlandes mederlegen. Letzter Redner war Abg. von Richt Hofen (kons.), der die Zustimmung seiner Freunde zur Flottenvorlage ankündigte, zugleich aber betonte, daß bei der Steuervorlage Abstriche möglich sem würden. Einer Verstärkung des sozialdemokratischen Einfluffe» müfle mit Entschiedenheit entgegen- getreten roeroem
Sonnabend 1 Uhr: Fortsetzung.
Marburg und Unigegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 de» UrhederrAht» nur mit der deutlichen Quellenangabe
»Oderheff. Ztg." gestattet.)
Äfltbtttg, 8. Dezember.
• Elisabethkirche. Arn 1. Advent wurde es von den Kirchenbesuchern höchst unangenehm empfunden, daß die Heizung mit 5° B. sehr gering war. Es hatte von den beiden aufgestellten Kesseln nur einer erwärmt werden können, weil an dem anderen scheinbar ein kleines Loch Wasser durchließ. Die um Beseittgung deS Schadens er- suchte Ostheim'fche Fabrik stellte fest, daß nicht ein, sondern vielmehr zwölf Rohre durchlöchert und also unbrauchbar geworden waren. Die Ur. fache hierfür ist unbekannt; jedenfalls aber hätte man nach erst dreijährigem Gebrauch dergleichen nicht erwarten sollen. Glücklicherweise.konnte bis heute wieder alles in Ordnung gebracht werden.
§ Explosion. Heute früh kurz vor 8 Uhr erschütterte ein dumpfer Knall die Luft und erschreckt eilten die besonders in der Ober- und Südstadt wohnenden Leute an die Fenster, um zu sehen und zu hören, was passiert war. Es stellte ft(p bald heraus, daß in dem Eymnasium Philippinum sich eine ähnliche Explosion ereignet hatte, wie vor einigen Jahren im Uni« verfitätSgebäude. Durch einen Defekt in der Gasleitung, wovon jedoch niemand etwas ahnen konnte, hatte sich der in dem Anbau nach der Kasernenstraße zu gelegene Bibliotheksraum mit Gas angefüllt. Als nun heute früh der Heizer und Hausbursche des Gymnasiums, ein aus Männerstadt bei Kissingen in Bayern stammender 18 jähriger Bursche namens Köhl, mit der brennenden Lampe den Raum betrat, ereignete sich die Explosion, deren Knall so weithin hörbar. Ter junge Mann wurde zu Boden geschleudert und bald brannte er lichterloh. Die Flammen teilten sich sofort den dort befindlichen Gegenständen mit und schlugen auch aus den Fc stern heraus. Der Luftdruck war so stark, daß sogar in den gegenüberliegenden Häusern und in dem 100 Meter entfernten Museum Scheiben zersprangen. Vm Gymnasium selbst ist großer Schaden angerichtet, vieleScheiben, sogar im Portal nach der Untergaffe zu, find völlig demoliett. Als die Feuerwehr die Flammen erstickt hatte, ging man auch sofort an die Arbeiten zur Entdeckung der defekten Rohrstelle. Der schwer mit Brandwunden bedeckte heftig schreiende unglückliche Bursche wurde mittlerweile in die Klinik gefahren, wo er bald vom Tod erlöst wurde. Jedenfalls wäre eS angebracht, wenn die Feuerwehr für solche Fälle mit praktischen Tragbahren ausgerüstet würde, wie dies auch in anderen Städten der Fall ist. Als ein Glück kann man es bezeichnen, daß die Explosion sich nicht später nach Schulbeginn ereignete. Die Folgen wären dann vielleicht schlimmer gewesen.
* Bertrrterversammlung des Hessischen Dolks- schnllkhrrrderrins. Zur Beratung des Bolksschul- unterhaltungsgesetzeS und der Lehrerbesoldungsfrage beruft der Hauptausschuß des Hessischen Volksschullehrervereins eine geschloffende Ver-
licher und bewundernswerter Raschheit erfolgt. Daher wird .Das ElaS Waffer" von Zeit zu Zeit immer wieder präsentiert und vom Publikum im allgemeinen auch ohne viele Umstände genoffen.
Die gestrige Aufführung erhob sich nicht über daS Durchschnittsniveau. Im Zusammenspiel klappte eS verschiedentlich nicht und daS »Sichversprechen" schien auf der Bühne eben so epidemisch zu sein wie der Schnupfen bei der gegenwärtigen Witterung. Am ausdrucksvollsten war das Spiel des Hrn. Witt mann als Bolingbroke, der in der Auffaffung und Charakterisierung dem historischen Träger des Namens entsprechend war. Frau Bahrhammer gab die »gute Königin" Anna sehr idealisiert und jugendlich, stellenweise aber mit wenig königlicher Hoheit. Herr Lüttjohann gewährte als Masham eine hübsche Bühnenfigur, ebenso fand sich Frl. Don eck er recht und schlecht mit ihrer Rolle als Abigail ab. Frl. Maurice als Herzogin von Marlborough ließ das Jntriguante soweit ganz gut hervortreten, doch fehlt eS an der inneren Wärme des Spiels, die trotz der kalten Oberfläche fühlbar sein muß. Die Beisallssreudigkeit war nicht sehr stark, eS schien nur ein Achtungsapplaus für die Darsteller.
D-B.
treterversammluus auf Mittvoch den 27. Dez. nach Cassel ein. Die Versammlung wird im großen Saale deS EtadtbaueS (Fuldabrücke) von morgens 11 Uhr an tagen.
§ Strafkammer. Der schon mehrfach vorbestrafte Korbmacher Karl Müller aus Schröck, geboren 1871, stand unter der Beschuldigung, im August d. I. dem Schreinerlehrling H. Hemer in Rotzberg eine Uhr gestohlen zu haben. Müller wurde damals' in Cappel von dem Gendarmen R. festgenommen und nach Marburg transportiert. Unterwegs bat M. einmal austretn zu dürfen und hierbei machte er sich in verdächtiger Weise hinter einem Busch zu schassen. Dies veranlaßte den Gendarmen, noch einmal hinzugehen und nachzusehen, und hierbei sand er unter einem Lappen versteckt die Uhr, welche Hemer als die (einige bzeichnete. Der Angeklagte leugnete beharrlich, die Uhr gestohlen zu haben. Betreffs des Erwerbs derselben versicherte er, sie sei schon im Juli auf dem Rudolphsplatz in Marburg durch Kauf von dem gerichtsbekannten „großen Unbekannten,, in seinen Besitz gekommen. Durch die Zeugenvernehmung wurde festgestellt, daß M. am 11. August in dem tzemerschen Hause und auch in der Wohnstube gewesen war. Das Gericht erkannte auf 6 Monate Gefängnis. — Der Weißbindergeselle Johannes Niederhöfer aus Dilschhausen hatte sich in der Berufungsinstanz wegen einer Messerstecherei zu verantworten. Am 2. Psingstseiertag sand in Dilschhausen Tanzmusik statt, der auch die Burschen aus Nesselbrunn beiwohnten. ES kam bald zu einer Schlägerei und hierbei brachte Niederhöfer einem Burschen aus Neffelbrunn namens Naumann Messerstiche bei. Bom Schöffengericht wurde er deshalb zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Er gab an, in Notwehr gewesen zu sein. Das Gericht verwarf die Berufung.
* Warzeubach, 8. Dez. Morgen Sonnabend begehen der Zimmermann Göbel mit seiner Ehefrau Elisabeth geb. Moog das Fest der goldenen Hochzeit. Den herzlichen Glückwünschen schließen wir uns an.
Frankenberg. 7. Dez. Die Ergänzungswahlen zur Stadtverordnetenversammlung fanden gestern in hiesiger Stadt in ruhigster Weise statt. Ja der 8. Abteilung wurden von 244 Wahlberechtigten 63 Stimmen abgegeben. Gewählt wurden die Herren Expedient Daniel Kaldt und Obeipostasfistent Heinrich Rimbach. In der 2. Abteilung wählten 37 von 69 Wahlberechtigten. Gewählt wurde Herr Schreinermeister Georg Vöhl. Für diese Klaffe findet eine Stichwahl zwischen den Herren Bahnmeister Menge und Salzhändler Julius Schwaner statt. In der 1. Abteilung machten von 23 Wahlberechtigten 11 von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Gewählt wurden hier die Herren Apotheker Lin? und Buchdruckereibefitzer Kahm. Nach vor- läufiyer Zusammenstellung ist das Ergebnis der Volkszählung folgendes: Einwohnerzahl 3311. Darunter sind: 1651 männliche und 1660 weibliche Personen. Am 1. Dezember 1900 betrug die Einwohnerzahl 2946, 1377 männliche und 1569 weibliche. In den letzten 5 Jahren hat unsere Bevölkerung danach eine Zunahme von 365 Seelen erfahren. Die Zahl der hiesigen Seminaristen und Präparanden beträgt 181. (.Frank. Krsbl.")
Hessen-Nassau und NachbargeLiete.
Kassel, 6. Dez. Die Witwe des Maurers Ellerkamp wurde mit mehreren Messerstichen im Kopfe in der Sandershäuser Straße tot aufgefunden. Allem Anscheine nach liegt Mord vor. Als Täter kommt ein erst vor einigen Wochen aus dem Zuchthause entlassener Gelegenheitsarbeiter Heinrich Maurer in Betracht, in dessen Begleitung Frau E. zuletzt gesehen worden ist. Maurer ist flüchtig geworden.
Oderurs, 6. Dez. Die Trauerfeier für den verstorbenen Grafen v. Schaumburg begann laut »Fuld. Krbl." um 3ft, Uhr nachmittags in der hiesigen Kirche. Der Gesangverein Ober- urf leitete die Feier mit dem Gesang ein »JesuS lebt, mit ihm auch ich." Darauf hielt Pfarrer Endemann aus Niederurf die Leichenrede und legte derselben die Worte zugrunde »Ihr raubt mir alle meine Kinder; Joftf ist nicht mehr da und nun wollt Ihr auch noch den Benjamin nehmen." Nach Beendigung der Trauerfeier trugen die Mitglieder des Krieger- vereinS Lehrbach den mit Blumen und Kränzen geschmückten Sarg auf den Leichenwagen und gingen dem Trauerzug mit umflorter Fahne voran. Den Tranerkondukt leitete Leutnant o. NoqicS vom oldenburgischsn Dragonerregiment. Dem Sarge folgten Prinz Philipp von Hanau, die Gräfin von Schaumburg, die Gemahlin des Verstorbenen, die Prinzessin von Ardeck, Fürst Heinrich von Horfowitz, Prinz und Prinzeffin von Lippe-Biesterfeld, Prinz und Prinzessin von Sachsen-Weimar-Eisenach, der Fürst von Psen- burg und Prinzessin Marie von Psendurg, Regierungsgräfident Graf von Bernstorff, Landeshauptmann Frhr. von Riedesel, General Harnickell, General von Rcqaes, Landrat Rieß von Schenrenschloß, Landrat Nöldechen und eine große Zahl sonstiger Leidtragender. Die Trauerfeier endigte mit einem kurzen Gebet auf dem Friedhose Oberurf.
Offenbach, 7. Dez. Gestern gegen 3 Uhr stürzten zwei Dachdecker, die mit der Bekleidung deS höchsten Turmes am Schlosse beschäftigt waren, herab. Ter eine viel glücklicherweise auf ein weiter unten befindliches Gerüst und konnte so durch ein Fenster wieder hinaufsteigen. Der andere dagegen wurde schwer verletzt vom Boden aufgehoben und in das städtische Krankenhaus verbracht.
Ein Vampyrstückchm vor Gericht.
(Eigenbericht.)
II.
Cassel, 5. Dezember.
Heute morgen 9 Uhr begann bei der Strafkammer I des Landgerichts hier, der Strafprozeß gegen Epstein u. Genossen wegen Wuchers und Be
trugs bezw. Beihilfe hierzu. Die öffentliche Anklag! vertritt Staatsanwalt Tr. H e u ßn e r, den Vorstl führt Landgerichtsdirektor Dr. Hempfing. Ei find über 20 Zeugen und 8 Sachverständige geladen,
Epstein, zunächst uernommen, gibt an, daß ei infolge einer Zeitungsannonce wegen Ankaufs bei Gutes Ellingerode mit der Witwe Bertling bezw deren Bevollmächtigten Billeb in Verbindung getretet sei. Mangels genügender Mittel habe E. fick, mit den Mitangeklagten Black, und Sommer ins Be- nehmen gesetzt, mit welchen gemeinsam er das Gus besichtigt habe. Darauf hätten sie der Frau Berte ling vorgefchlagen, das Gut für deren Rechnung zu vereinzeln (auszuschkachten). An Provision dafür hätten sie 10 Prozent vereinbart, die aber auch dann zu zahlen waren, wenn das Gut im ganzen verkauft wurde. Außer der Provision sollten ihnen die baren Auslagen vergütet werden und der bei Abstoßung der LandeSkreditkaffenschuld erzielte Kursgewinn (3—4000 Jt) zugute kommen. Da sich die Parzellierung des Gutes jedoch nicht habe durchführen lassen, habe Epstein den Plan gefaßt, das Gut allein zu lausen, um es später dann mit Profit zu veräußern. Vom Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß er doch hierzu keinerlei Mittel gehabt habe, erwidert Epstein, daß er den Vertrag ja so abgefaßt habe, daß er eigene Mittel nicht nötig gehabt hätte. (!) Er habe also nach kurzem Verhandeln mit der Frau Bertling und ber er Sachwalter Herrn Billeb bas Gut für 270 000 Jt ge« kaust, welcher Betrag aber infolge Richtverkaufs eine! Mündel anteils kurz darauf auf 255 000 Jt reduziert worden fei. Die auf dem Gute ruhende Kassen- hypothek von 125 000 Jl (in Wirklichkeit waren ei 1000 dH weniger) habe er übernommen, seinen Helfern Mach und Sommer aber für ihren Rücktritt von dem ursprünglichen Vertrag je 9000 Jl „Abfindung" zugestanden. Diese 18 000 Jl seien dann als Hypothek auf daS Gut, noch vor dessen grundbuchamtlichcr Ueberschreibung auf seinen Namen, als Schuld der Frau Bertling eingetragen worben. Seine (Epsteins) 0000 Jt habe er auf ben Kaufpreis angerechnet unb bie 45 000 Jl Hypothek feiner Frau, auf bem Hausgrunbstück feines Sohnes in Zahlung gegeben. Vor s.: „Diese Hypothek war bock, völlig wertlos, da sie in einem späteren Zwangsverkauf ausfiel," Angekl.: „Ich hielt sie für gut." Bors.: „Sodann verschafften Sie sich die nach dem Vertrag zu leistende Anzahlung von 25 000 Jl dadurch, daß Sie sich von der Frau eine Schuldurkunde von 26 000 Jl (unter welchem Vorwand, steht noch dahin) ausstellen und diesen Betrag auf das Gut der Witwe Bertling, als sei es ein bares Darlehen von Ihnen, eintragen ließen. Alsbald haben Sie diese L(6 000 Jl an Isaak Bachmann abgetreten, der Ihnen dafür aber nur 24 000 M bezahlt haben will. Angekl.: „Ja, ich wollte zu Geld kommen." Vorf.: „Die Sache war in Wirklichkeit aber nun doch so, daß Frau B. ihr eigenes Geld als Anzahlung erhielt, denn um diesen Betrag wurde ja ihr Gut höher belastet. Sie selbst aber haben von den 24 000 Jt noch weitere 2000 Jl zurückbehal- ten unb bet Frau nur 21 700 Jl bezahlt. Ferner haben Sie baburch eine Schiebung borgenommen, baß Sie auf bas Gut noch vor bem Nestkaufgelb bet Frau B. eine Hypothek zugunsten Ihrer Frau von 45 000 Jl eintragen ließen." Angekl.: „Ich dachte diese Hypothek später zu Geld zu machen und damit Mittel zu gewinnen, bas Gut auszubauen unb z» einem hohen Preis loszufchkagen."
Es kommt nunmehr noch zur Sprache, baß der Angeklagte, ber_baS Gut schließlich verpachtete, eint ganze Anzahl Schiebereien vorgenommen hast bie z« einer enormen Belastung des Gutes zum schließlichen Nachteil ber Witwe Bertling geführt haben. Epstein gesteht auch ein, baß er Billeb ein Prozent Provision versprochen habe, ebenso äußert er sich über bie „Abftnbung" von Mach unb Sommer mit 18 000 X. Vors.: „Weshalb haben Sie bei bem rebugierten Kaufpreis von 255 000 Jl nicht auch bie Lanbcs- krebitkassenschulb im Verhältnis in Anrechnung gebracht? Ter Münbelanteil an ber Schulb betrug boch 6700 Jt. Angekl.: „Darüber habe ich weiter nicht nachgebacht. Die Berechnung hatHerr Justizrat Dr. Rocholl gemacht." Bors.: „Sie hatten nun angeblich mehr als 300 Bewerber für bas Gut. Einer hat 270 000, ein anberet 300 000 Jl geben wollen." Angekl.: „Einer wollte sogar 330 000 Jt geben, ber hatte aber kein Gelb.,, Vors.: „Hat Fran Bertling nicht, als Sie nicht zahlen konnten, einen Teil ber Kaffenzinsen bezahlen müssen, um bas Gut vor ber Zwangsversteigerung zu retten?" Angekl. (zögernd): „Ja, sie erklärte sich dazu bereit."
Hierauf kommt eine Anzahl Briese, die von Billeb herrrühren, zur Verlesung, in denen dieser über seine Vernehmung beim Untersuchungsrichter Mitteilung macht unb in welchen Epstein Anweisungen erteilt werben, wie er aussagen soll.
Hieraus wirb der Privatsekretär Billeb als zweiter Angeklagter vernommen. Aus bie Frage beS Vorsitzenben, wieviel Vermögen er habe, erklärte Billeb: „er habe es noch nicht gezählt", was ihm gleich zu Anfang eine scharfe Rüge einträgt. Set langjähriger Bvollmächttgte ber Frau Bertling erzählt nun lang unb nmftänblich, welcher Art feine Geschäfte für bie Familie Bertling gewesen seien. Et gibt zu, Generalvollmacht gehabt zu haben, boch habe Frau B. vieles ohne ihn unb manches sogar gegen feinen Willen getan. 1902 habe Frau B. auf ben Verkauf des Gutes gebrängt. Er habe anfangs 1903 in ber Zeitung gelesen, baß ein S. (fpjton ein solches Gut zu kaufen suche, unb biefes ber Frau B. mit ber Bemerkung mitgeteilt, sie möge sich einmal an Epstein toenben. Kurz barauf sei sie bann von bet Kaufabsicht Epsteins benachrichtigt worben. lieber bie Verhältnisse Epsteins habe er sich nicht nähet er« lunbigt. Als ber Kauf perfekt geworben fei, habe ee von Fran B. 2000 Jt aus ber Anzahlung von 21 700 Jt erhalten. Im weiteren bestätigt Billeb im wesentlichen bie auf ben Hanbel bezüglichen Aussagen Epsteins nur mit bem Unterschieb, baß er behauptet, Frau Bertling hätte ihre Entschließungen ganz selbftänbig getroffen, während Epstein wiederholt betont hatte, es sei alles mit Zustimmung.
Die Angeklagten B l a ch und Sommer werdet nun über den Rechtstitel ihrer Provision vernommen. Sie meinen, wenn sie das Gut vereinzelt hätten, leür< den 10 Prozent nicht zuviel gewesen sein. In Wirklichkeit sei es aber nicht vereinzelt, sondern einen Mit- tiermittler, ben zahlungsunfähigen Epstein einfach vorgeschoben, lebiglich um zu ber Provision zu gelangen. Ueber bie Tatsache, tote diese Provision im Gruubbuch als Kaufgelb hat eingetragen werben können, konnten sie sich nicht rechtfertigen. Daß ihre Forberung auf fauler ©runblagc beruhte, mußten sie bagegen zugeben, bei bem Vorhalt des Vorsitzenden, baß Sommer von feinen 9000 Jl inmittelst 8000 JC, habe löschen lassen unb Mach von seinen 9000 Jl 8000 Jl mit einem Nachlaß von 2000 Jt. an ben Buchhalter Fröhlich hier abgetreten habe. Sommer nennt bei seiner Verteibigung bte Schttft „Ein Vampyrstückchen" eine Schmähschrift und erklärt, er habe „ehrlich" unb „human" gehanbelk.
Vermischtes.
Berlin, 7. Dez. Für Berlin ergab die Volkszählung 2 033 900 Einwohner. Die brSher bekannt geLordenen Ziffern seiner Vorort- ergeben ein sehr starkes Anwachsen. In Schöne»