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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. -

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

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Erstes Blatt.

Neueste Telegramme.

Berlin/ 6. Dez. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 2. Dezember südöstlich von Kurs gefallen: Leutnant Werner von Schweinichen, geboren in Zerbst, früher Ulanen­regiment Nr. I; Reiter Friedrich Laethe, ge­boren in Weddendorf, früher Infanterieregiment Nr. 26; Reiter Hermann Boy, geboren zu Krumbeck, früher Infanterieregiment Nr. 14. Außerdem Sergeant Friedrich Boutta, ge­boren zu Groß-Mixeln, früher Dragoner-Reqi- pient Nr. 11, am 1. Dezember im Feldlazarett Hasn'ir an Typhus gestorben.

Budapest, 7. Dez. Die gestrige Audienz Feiervarys beim Kaiser brachte keinerlei Wen­dung. Alle Demission?- und Friedensnachrichten find zur Zeit unbegründet. Die Hauptfrage der Audienz war, was zu tun wäre, wenn die Koalition am 19. Dezember trotz der Vertagung des Hauses durch ein könialiches Handschreiben beisaknmen bleiben sollte. Diese Frage isi aber ^etzt hinfällig, da die Koalition beschlossen hat, «einer Vertagung Folge zu geben.

Rom, 6 Dez. DemMessaggero" zufolge verbot die türkische Regierung der italienischen wissenschaftlich-kommerziellen Exvedition die Landung in Tripolis. Die Exvedition wird nunmehr voraussichtlich unter Leitung des Afrika­reisenden Ferrandi auf dem Landwege über ' Neunten in Tripolis eindrinqen.

Paris, 6. Dez. Die Kammer nahm in ihrer Vormittagssitzung den ersten Artikel der Vorlage betreffend die Altersversorgung der Ar­beiter mit 542 gegen 14 Stimmen an. In diesem Artikel wird im Prinzip der Beginn der AlterS- vsrsoraung auf daS 60. Lebensjahr festgesetzt.

Londo«, 7. Dez. (W. B.) Lord Avebury, der am 1. Dezember der Versammlung deS Komitees für die Annäherung zwischen England und Deutschland präsidierte, teilte Kaiser Wilhelm telegraphisch mit. ein sehr erfolgreiches und ein­drucksvolles Meeting sei abgehalten worden, um die Freundlichkeit zwischen dem deutschen und dem englischen Volke zu fördern. Die diesbe­züglichen Resolutionen feien mit Enthusiasmus angenommen worden. Der Reichskanzler Fürst Lülow antwortete, telegraphisch, er sei vom Kaiser ermächtigt worden. Lord Avebury und allen denen, die seine freundwilligen Gefühle teilen, deS Kaiser» aufrichtigen Dank zu über­mitteln. (Vgl. den heutigen Leitartikel.)

Washington, 6. Dez. Die vom Senator Lodge eingebrachte Tarifbill ändert den Dingley- tarif ab und räumt die Vorteile der Minimal­zölle an Produkten auch den Ländern ein, welche gegen amerikanische Produkte den Differenzial­zoll nicht vorsehen. Die Bill bestimmt aus- gg ''' » »

' 5 l Nachdruck verboten.).

Die Brückt.

Roman von Willy Scharia«.

T; (Fortsetzung.)

»Na, Gottseidank .endlich die erste kleine Un- Verschämtheit/ erwiderte er ibr und lachte.Ich ihätte auch sonst meinen Hans garnicht wieder- erkannt."

Der alte Herr nahm den Arm seiner Tochter And sie verließen den Bahnsteig.

Aber Du siehst nicht besonders aus. Kleine," meinte Exzellenz dann, als sie die breite verein- sainte Wilhelmstraßc entlang schritten.Ich werde Mihe haben. Dich ordentlich herauszupäppeln. Du hast Dir zuviel zugemutet, Mädel, und nun kommt der Rückschlag. Wo sind denn Deine .frischen Backen geblieben?"

Kommen wieder. Sind übrigens auch ganz unmodern. Frage bei Gelegenheit die alte Kam- merherrin. Die ganze Geschichte ist, daß auf ein iso zartbesaitetes Gemüt wie das meine eine acht. Windige Bahnfahrt nicht ohne Einfluß für Dich." iNa, für wen denn sonst? Etwa für Egon?" Ach, der den wollen wir aus dem SpÄ fassen. Ich meine ja auch nicht, es wäre für den -Grips zuviel gewesen, ich hatte nur stets Besorg. Iris, Du würdest es körperlich nicht aushalten."

Ach du himmlische Güte!" rief sie lachend. »Sieh mich doch einmal an, alter Herr, und habe die Güte zu bemerken, daß mir die Studienzeit diel besser bekommen ist, als den meisten Stu- benieit. Wie oft haben die nicht am Morgen «opsschnwrzen: ich habe mir eine solche Extra­vaganz nie geleistet. Jetzt aber wird gefaulcnzt, Väterchen, Du sollst etwas von mir haben. Ich freue mich schon ganz unsinnig darauf."

drücklich die Erhebung von höheren Zöllen gegenüber den Ländern, welche Waren au8 den Unionsstaaten nicht unter den gleichen Be­dingungen zulassen, welche sie anderen Ländern einräumen.

Englisch - deutsche Annäherung.

In der englischen Presse wurde anläßlich der Besprechungen über das kürzlich in London ins Leben getretene deutsch - englische Versöhnungs­komitee die Behauptung aufgestellt, daß der deutsche Botschafter in London die besondere An­weisung erhalten habe, ein gutes Einvernehmen zwischen beiden Ländern zu fördern, wodurch eben das Komitee des Lord Avebury eirtstanden sei. Von unterrichteter diplomatischer Seite ivird derD. W." hierzu mitgeteilt, daß diese Dar­stellung nicht zutrifst. Die Bildung der neuge- gründeten Vereinigung ist tatsächlich nicht von deutscher Seite angeregt worden; sie hat sich viel­mehr in spontaner Weise auf Veranlassung ein­flußreicher englischer Kreise konstituiert. Ange­sichts dieser Tatsache muß gerade den Bestrebungen auch ein gewisser Wert zuerkannt werden, denn der englischen Hetzpresse uni> den Elementen, die an einer Verfeindung zwischen beiden Völkern arbeiten, wird damit vor Augen geführt, daß sich im eigenen Lande gewichtige Stimmen erheben, di« ein freundschaftliches Verhältnis zu Deutsch­land energisch anstreben. In Deutschland kann man nach den bisherigen Erfahrungen sich diesen Versuchert gegenüber nur ablehnend verhalten, und andererseits ist es selbstverständlich, daß uns die Höflichkeit gebot, dafür dem Komitee unseren Dank auszusprechen, ivas auch geschehen ist. Man ist sich aber auch dessen bewußt, daß die Feind­seligkeit gegen Deutschland in England tief ein­gewurzelt ist, während die Abneigung gegen un- sere Vettern laitge nicht in demselben Maße in ge- wffse deutsche Kreise eingedrnngn ist. Man wird also in Großbritannien ungleich mehr Arbeit zu bewälligen haben, um ein durchaus freundschaft­liches Verhältnis mit Deutschland herzustellen, wie bei uns. Es bedarf hierzu langer Arbeit und Ausdauer, wobei vor allen Dingen zu hoffen ist, daß die englische Presse aufhört, mit Argu­menten zu arbeiten, die jedem nüdüemen Beur­teiler der Sachlage unwahr erscheinen müssen. Hierzu gehört die immer wieder englischen Lesern aufgetischte Mär von deutschen Angriffsabsichten, während doch ein Blick auf die beiderseitigen Sae- streitkräste genügt, um darzutun, daß Deutsch­land gar nicht das Werkzug dazu besitzt, um agressiv gegen das Jnselreich vorzugehen.

Zur Lage in Rußland.

Das Wahlrecht zur Reichsduma

ist, wie demL.-A." aus Petersburg gemeldet wird, in den Sitzungen der Spezialkommission immer noch Gegenstand der Beratungen; auch Mitglieder der Semstwo und Städte wurden zu­gezogen. Die Einführung des allgnreinen gleichen und geheimen Wahlrechts hat wenig Aussicht, da man mit der Unbildung des russischen Volkes

Die Leute sahen dem Paar nach. Hiit und wieder trafen sie einen Menschen, der sie erstaunt grüßte. Hier und da öffnete sich ein Fenster, eine Neugierige wollte wissen, ob sie recht ge­sehen. Die da war ja die Johanna von Lingen, die Studentin.

Sie achtete dessen nicht. In Wilhelmsburg wird jeder Ankömmling kritisch betrachtet, und gar erst die Lingens. Man hatte sich noch immer nicht recht an sie gewöhnt, obgleich Exzellenz nun zehn Jahre hier wohnte.

Ich war erstaunt. Deinen letzten Brief aus Leipzig zu bekommen," sagte der alte Herr plötz­lich.Du wußtest doch, wie sehr ich mich nach Dir sehnte, uitd da spannst Du mich noch ein pcmr Tage auf die Folter. Du warst doch fertig. Von Deinem Besuch bei Anna Borshoff will ich ja weiter nichts sagen."

Ich war noch nicht ganz fertig, Väterchen. Uh wollte Dir näinlich gern aus Leipzig ivas mitbringen. Sieh mich einmal an, fällt Dir gar nichts auf an mir?"

Daß Du schmal aussiehst auch nicht klü­ger als sonst. Das ist die Rache für die Renom- mage von vorhin."

Danke! Ich habe mir aus Leipzig den Doktor geholt."

Wen? Den Doktor?"

Hauns lachte laut auf.

Keinen Arzt, keinen lebendigen Doktor, Papa. Nur den Titel eines Doktors der Philo­sophie."

,^Nun, da schlägts dreizehit!" rief die alte Exzellenz und zog rasch ihren Arm aus dem der Dochter, um den Hut bis zur Erde ziehend, stehen zu bleiben.Und dazu fährst Du nach Leipzig?"

Bitte, bedecket! Sie sich, Exzellenz," sagte Hanns wsch.Deine Glückwünsche oder Aerger- ausdrücke ru Haus. Da kommt gerade Herr von

rechnen muß. Während der letzten Sitzung, an der auch Graf Witte teilnahm, wurde die belgische Gesetzgebung geprüft, die das Pluralsystem ein- geführt hat. Ihr wurden einige Grundrisse ent- lehnt, namentlich hinsichtlich der Aufftellung der Kandidaten nnd des Systems der Abstimmung. Jeder Bürger kann seine Kandidatur aufftellen, sobald sein Wahlbezirk ihn mit einer gewissen An- zahl Stimmen unterstützt. Die Namen der Kan­didaten werden bekannt gegeben, und das Der- zeichnis wird nach folgendem Schema geordnet: Oberhalb jeder Liste, sowie gegenüber jedem Namen eines Kandidaten befindet sich ein weißer Kreis ;werfür die ganze Kandidatenliste stimmt, schwärzt den Kreis oberhalb des Verzeichnisses, wer für einzelne Kandidaten stimmt, schwärzt die kleinen Kreise, die gegenüber jedem Namen ange­bracht sind. Dieses Abstimmungssystem wird für einzig anwendbar gehalten in einem Lande, dessen Bevölkerung überwiegend ans Anälphabeten be­steht. Im Januar sollen bereits die Wahlen be­ginnen; keiner glaubt aber so reckst daran, da die Vorarbeiten dazu noch in weitem Felde stehen.

Wenn es zu den allgemeinen Wahlen kommt, wird man noch manche Ueberraschung erleben. Bei den zerrütteten Verhältnissen unb der Urteils­losigkeit der Massen wird doch überall der von irgend einer Clique unterstützte Kandidat von den dummen Bauerngewählt" werden.

Tie Semstwodcputation reichte Witte eine schriftliche Erklärung ein, die Witte schriftlich zu beantworten versprach. Die Antwort soll der Presse mitgeteilt werden. Soweit bis jetzt bekannt, erklärte Witte strikt, das allgemeine Wahlrecht sei ausgeschlossen. Ein Bruch zwischen der Regierung und dem Semstwo- und Städte­kongreß ist somit unvermeidlich. Die Radikalen meinen, die SemstwoS wären jetzt gezwungen, sich aus daS Proletariat zu stützen.

Verschiedene Meldungen.

AuS Warschau wird gemeldet: Zugleich mit der Aufhebung deS Belagerungszustandes kündet daS hiesige amtliche Organ die Verlei­hung neuer Rechte für die Bevölkerung Polens an, namentlich die Aufhebung der Beschränkung für die Juden, Erleichterungen im Militärdienst und bei der Erwerbung von Grundbesitz durch die Polen, Beseitigung aller GlaubenSbeschrän- kungen und Berücksichtigung der polnischen Wünsche bei Besetzung der Amtsstellungen.

Warschau, 6. Dez. Auf verschiedenen Straßen veranstalteten gestern Nachmittags Trupps von 2 bis 300 Kindern unter Voran- tragung roter Fahnen durch Erwachsene Demon- strationsumzuge. Ein Erwachsener verletzte durch einen Schuß einen Soldaten, worauf die Kinder auSeiranbergingen. Der Fahnenträger wurde von einem Soldaten niedergeschlagen.

Eine für gestern anberaumte Postbeamten­versammlung wurde behördlich verboten.

W i s b h, 6. Dez. Die ZeitungGotländingen" meldet, daß der deutsche DampferBingen Slite" auf Gotland anlief, nachdem er vergebens versucht hatte, die Ladung in Reval zu löschen; er hatte Post sowie 40 Telegramme an Bord.

Schulz über den Kirchplatz gewimmelt. Tun wir, als bemerkten wir ihn nicht."

Herr von Singen nahm wieder den Arm seiner Tochter, sie aber meinte:

Ich -hätte den Doktor auch in Heidflberg machen können, aber in Leipzig ist es schwerer und das reizte mich."

Immer noch die alte Marjell. 'Hindernisse sind nur ba, um genommen zu werben."

Von wem hab' ich biefe Eigenschaft wohl, Papa?" fragte Hanns, indem sie auf dem Kirch- platz dem schräg auf sie zusteueruden Herrn von Schulz auswich, dem wandelnden Nachrichten- Bureau der Stadt.

Sie wollte dem alten Bekannten des Vaters, dem Mitglied des adligen Wilhelmsburger Klubs nicht in die Hände fallen, sehr zuin Leidwesen des redseligen alten Herrn, dem eine so ausgezeichnete Gelegenheit entging, Gesprächsstoff für seine abendlichen Besuche und die darin anschließende Whistpartie im Klub zu fanuneln. Es genügte ihm doch nicht, erzählen zu fönnett, Fräulein von Lingen sei angekommen, der Papa hätte sie nicht einmal int Wagen vom Bahnhof abgeholt. Daran ließen sich ja immerhin einige Kombinattonen knüpfen, aber es war doch schade.

Dies Schneiden wollte er übrigens dem alten Singen noch einmal heimzahlen, denn daß die beiden ihn nicht gesehen haben sollten, war ein­fach undenkbar. Man sieht in Wilhelmsburg alles, unb sie waren die einzigen drei Menschen auf dem Kirchplatz. Also die Gnädigste wollte nicht.

Hanns war froh, diese Klippe noch mit knap- Per Not umschiffen zu können. Mit frohem Ge­sicht begrüßte sie die beiden Torpfeller, welche das Ende der eigentlichen Stadt bedeuteten. Nur noch wenige Schritte auf der Hannoverschen Chaussee

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Dezember. 1

Seine Majestät der Kaiser unternahm am gestrigen Mittwoch Morgen einen Spazier, gang, hörte sodann die Vorträge des Finanz« Ministers und des Chefs des Zivilkabinetts und begab sich vor 12 Uhr mit der Kaiserin im Auto­mobil vom Neuen Palais nach Berlin, wo im Schloß Frühsiückstasel stattfand. Nachmittags wohnte das Kaiserpaar in der Neuen Garnison« kirche der Trauerfeier für den verstorbenen Generalstabsarzt der Armee Professor Dr. von Leuthold bei.

DieNordd. Allg. Ztg." verösfenllicht den Schulunterhaltungsgesetzent« Wurf. Derselbe zerfällt in sieben Abschnitte mit 57 Parapraphen. Nach dem ersten Abschnitt liegt die Schulunterhaltungspflicht, vorbehaltlich der besonderen Vorschriften dieses Gesetzes, deg auf Grund dieses Gesetzes gebildeten Schulver- bänden (bürgerlichen Gemeinden, selbständigen Gutsbezirken, Gesamtschulverbänden) ob; Ge» mein bett (Gutsbezirke) können mit anbercn zu einem Gesamtschulverbanbe vereinigt werden. Jede Stabt bilbet in der Regel einen eigenen Schulverband. Nach dem zweiten Abschnitt wer- den die zur Deckung der Schulausgaben erforber« lichen Abgaben als Komunallast aufgebracht. In Gutsbesitzbezirken trägt der Gutsbesitzer die Schullasten; wo ein Gutsbesitzer nicht ausschließlicher Eigentümer des Gutsbezirks ist, erfolgt die Unterverteilung nach Maßgabe deS Kommunalabgabengesetzes. In Gesamttchulvec. bänden erfolgt die Lastenverteilung nach der Ein» kommensteuer und den staatlichen Realsteuern. Der dritte Abschnitt bestimmt die Grundsätze deS Ueberganges des Schulvermögens an die neuen Schulverbände dort, wo die Schulunterhaltung bisher noch nicht ober nur teiliveise Last ber Ge- meinben unb Gutsbezirke gewesen ist ober wo doch bte Schule als juristische Person mit eigenem. Vermögen bestanden hat. Selbständige Schul- ftiftungen einschließlich der kirchlichen Organen unterstellten bleiben bestehen und ihren Zwecken erhalten. Wo mit dem Volksschulamte ein kirch­liches Amt dauernd vereinigt ist, bewendet es bei den bestehenden Vorschriften über den Bau unb die Unterhaltung der Gebäude. Die auf beson­deren Rechtstiteln beruhenden Verpflichtungen Dritter zur Schulunterbaltuna ober S-Nulleistun­gen bleiben bestehen. Im übrigen fallen alle öffentlich rechtlichen Verpflichtungen zur Schul- Unterhaltung ober laufenden Schulleistungen fort, welche nicht durch das gegenwärtige Gesetz be. gründet ober ausdrücklich darin Vorbehalten sind.

Das hessischeGewerbeblatt", die Zeit­schrift des Landesgewerbevereins, schreibt:Es liegt in der Absicht ber preußisch.en Staatsregierung, demnächst auch dem Handwerk Sitz und Stimme im Herrenhaus zu gewähren. Nachdem die amlliche Organisatton des Handels in seinen Handelskammern mehrere Vertreter hn Herrenhaus erhalten hat, glaubt man, nach Durchführung des Handwerksorgamsationsge- setzes dem Handwerk eine solche Vertretung nicht vorenthalten zu sollen, damit das Handwerk sich dem Handel gegenüber nicht benachteiligt fühle

und sie betraten den großartigen Garten der Villa Singen.

Exzellenz wehrte sich ztvar kräfttg gegen eine solche Bezeichnung, es hals ihm aber wenig. Man nannte die Besitzung einmal so.

Das ist ein Haus, ein hübsches, altes, behag­liches Haus," pflegte er zu sagen,aber feine moderne verdammte Villa."

Es half aber nichts, Villa Singen blieb Villa Singen.

Und dabei hatte Exzellenz recht.

Als sie die Garteneinfahrt hinter sich hatten, lief Hanns rasch voraus den von hohen Hecken eingeschlossenen Weg entlang bis zu dem großen, vor dem Hause befindlichen Rasenplatz. Schön sah er jetzt freilich nicht aus. Der Sturm und Regen hatten in letzter Woche Bäume und Sttäu- cher und auch das große Weinspalier am Hans arg zerzaust und auf dem Rasenplatz ganze Hügel von welfem verwaschenen Laub zusammen- geweht, und gar erst wie sah das große Teppich- beet in der Mitte aus! Gut, daß alle Treibhaus- gewächse rechtzeittg in Sicherheit gebracht waren. Und doch, wie heimisch für Hanns hier, die fast ein Jahr lang fern gewesen.

Als der alte Pensionär das Grundstück kaufte, war das Haus, in welches er einziehen sollte, nur klein unb unscheinbar. Um Raum zu schaffen, wurden zunächst Giebel und Mansarden arffge- seht, später ein Flügel angebaut, welcher iw Erd­geschoß Speise- und Anrichtezimmer, im Stock­werk ober ber Tochter Wohnung enthielt, drei reizende kleine Zimmer. Ein zweiter Anbau nahm Küche, Speisekammer und andere WirtschastS-

räume auf.

'(Fortsetzung folgt)