MchlW Iälmg
,' v mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: JUustrirtes Sonntagsblatt.
JK 284
Bierteljährlicher BezugspreiSr bet bet Exptditiov 2 ML, bet allen Postimtrrn 2,25 M. <tjcL Bestellgeld).
Insertron-gebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.
Reelamm: die Zeile 25 Pf«.
Marburg
Sonntag. 3. Dezember 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Berlage Iah. «ug. Koch, UniversttätS-Buchdruckerei 40. JÄrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Zweites Blatt.
Mit dem heutigen Tage
erhält die
Oberhessische Zeit»«« eine neue Bereicherung ihres Inhaltes durch eine WwirtsWiche Beilage die alle 14 Tag« in zweiseitigem großen Format erscheint und namentlich unseren zcchlreichen Freunden auf dem Lande von besonderem In» iereffe sein wird. Wie ein Blick in den Inhalt der beiliegenden ersten Nummer überzeugt, handelt es sich bei unserer Landwirtschaftlichen Beilage nicht um eine fabrikmäßig von einem Verlag hergestellte Maffenzeitung, wie sie vielen Blät. fern in der hiesigen Gegend gleichartig beigegeben wird, sondern um eine eigen» den Verhältnissen Oberhesien« ^gepaßte landwirtschaftliche Zeitung, die Beitrage aus der Feder bekannter und be- währter Fachleute enthM, die wir älS Mitarbeiter uns gewonnen haben.
Infolgedessen ist der Inhalt unserer Beilage auch von wirklich praktischem Wert. Mr hoffen, auch mit dieser Neueinrichtung wieder gezeigt zu haben, wie angelegen wir uns die Ausgestaltung der „Oberhessischen Zeitung" sein lasten, damit sie ihren alten guten Ruf als
größtes ittt» angesehenstes Blatt Marburgs
erhält und verbreitet.
Standesgemäße Ehen.
■ • Aus Marburg wird uns geschrieben:
Die Ausführungen über die Eheschließung des Erbgrafen von Erbach habe ich mit großen: Be- dauern gelesen. Sie mögen herzlich gut gemeint sein, tragen aber doch nur zur Verschlimmerung der Sache bei. Sie haben den Zweck, mit einer nicht mehr zu ändernden Tatsache zu versöhnen. Aber die Tatsache bleibt doch beklagenswert. Nach meiner Meinung geht der oben erwähnte Bericht von einer ganz falschen Auffassung der Ehe au8; er verbreitet irrige romaniifche Ansichten im Volk. Das Völk hat in diesem Fall den richtigen Standpunkt gehabt, wenn es ihn auch in einer nicht gut zu heißenden Weise vertrat. Ein Herrscher hat Pflichten. Der Erbgraf ist der Vorgesetzte seine» Volkes: es ist klar und berechtigt, daß dieses sich eine ebenbürtige Landes mutter wünscht. ES will zu ihr aufblicken und in ihr ein Vorbild für alles sehen, auch in Bildung und Formen.
Der Standesunterfchied kann nur dann straf. loS verwischt werden, wenn BiLmngsgleichheit
Beiträge Chronik von Marburg.
Müller.
Schluß.)
Das Elektrizitätswerk hat den südlichen Stadt, teil durck, Aufstellen haushoher dicker Masten total verunstaltet, während map in anderen Stadtteilen einen Kabel legt, macht man im Süden Oberleitung. Tie Bewohner dieses Stadt- teils sind nicht erfreut von dieser Straßenver- schonerung.
11. September. Die Kaiserliche Reichspost läßt eben, um die oberirdischen Leitungen zu entlasten, einen Kabel durch die Stadt legen.
Die Mauern zum Turbinenbau werde:: hoch gebracht und die Dächer an der alten Mühle wer- den neu gedeckt. Die Museumsgesellschaft will ihr Gesellschastshaus verkaufen, man hat eS der Stadt zum Kauf angeboten. Das neue Kabel für die Reichspost kostet 20000 Mk. ohne Erdarbeiteu. In der Klinikstraße werden die Bürgersteige verbreitert und die Straßen mit Makadam gemacht. Der Fußweg von da nach der Bahnhofstraße wird gepflastert. An der Volksschule wird dos Dach emgedeckt.
Der Jnnuugsvorstand macht folgende Fleisch- preise in Marburg bekannt:
Pro Pfund: 1. Ochsenfleisch 78 Pfg., schieres 1.20 Mk., gehacktes 1 Mk.; 2. Kuh. und Rind- fleisch 72 Pfg,, schieres 1.20 Mk., gehacktes 1 Mk.: 3 Schweinefleisch 80 Pfg., Bratenstücke
Pfg., Koteletts 1 Mk., gehacktes 1 Mk., Speck, fetter 90 Pfg., magerer 1 Mk., Schmalz, rohes
Pfg., ausgelassenes 90 Pfg.; 4. Kalbfleisch 70 Pfg., Keule 80 Pfg., Koteletts 80 Pfg., .Schnitzeln 1.40 Mk., gehackte» 1 Mk.; Hammelfleisch 70 Pfg., Keule 80 Pfg., Koteletts 80 Pfg.
Marburg, 14. September 1905,
herrscht. Ein Vernünftiger würde nichts dabei gefunden haben, wenn der Erbgraf eine nicht standesgemäße, aber gebildete Frau heimgeführt hätte; daß e8 eine Arbeiterin war, wird ihn aber vom allgemein nwnschlichen Standpunkte aus peinlich berühren, bei aller Duldsamkeit. Es wurde von schwer erkämpftem Glück der Dow Fischer gesprochen. Es täte mir leid, wenn die Mädchen der niederen Stände eine möglichst vornehme Heirat als Glück ansähen. Das Volk hat auch sein Standesbewußtsem, und wer das richtige hat, der hält es nicht für nötig, sich nach oben zu dränget». Am Anfang steht manches wie Glück aus, was sich vom Standpunkte der Vollendung aus als Hölle ettveist. Aber bei Heiraten wird gewöhnlich nur an Hochzeit gedacht, nicht an die Ehe, dir folgt. Die Hochzeit wird als Abschluß aufgefaßt, und deshalb schlossen wenigstens früher die Ge- schichten alle, wenn „sie sich kriegten". Aber die Hochzeit ist nur der Anfang des wichstgsten Lebensabschnittes. ES liegt im Zuge der Zeit, daß viele neue Erzählungen gerade die Ehe zum Stoff wählen. Die Ehe ist nicht das, als was sie sich jugendheiße Köpfe ausmalen. Sie ist am ehesten mit einem Joch zu vergleichen. Das klingt wenig ideal, ist aber wahr. Joch und Ehe haben beide einen guten Zweck. Die feste Verbindung soll erleichtern. Das Joch macht es den Zugtieren bequemer, dm Wagm zu sieben; es ist ihr ge- meinsamer Halt. Und Eheleute haben auch etwa» Schweres zusammen zu bewälstgm — das Leben. Fest zusammen gefügt, trägt sichs leichter. Aber jede enge Verkoppelung wird' gefährlich, wenn beide Teile nicht Schritt halten fönnen; jeder falsche Tritt ist eine Qual, gerade durch die feste Verbindung überträgt et sich notwendig auf dm andern. Es gibt wohl kaum '«ne größere Pein, als sich für feinen Mann oder seine Frau M schämen.
Wieviel gehört dazu, sich währmd einiss langen Lebens gegenseitig zu fesseln, wo jede Falte des Wesens klar zu Tage tritt und nichts beschönigt werden kann! Ein geistig hochstehender Mann will seine Fmu nicht allein sinnlich, sondern auch seelisch lieben. Die Erfahrung hat gelehrt, daß nicht allein die Herzensgüte des Weibes dm ge- bildetm Mann fürs Leben fesselt, sondern daß es unbedingt auch gebildet fein muß, um sich seine Liebe und Treue kampflos zu erhalten; es muß sein geisstger Kamerad sein Wunen. Ich sehe in der nicht bildtungsgemäßm Wahl des Mannes eine schwere Gefahr für seine eheliche Trme. Wahrt er sie, so geschieht es nur unter schweren Kämpfen, und da» Ideal ist doch, daß auch die Gedanken rein bleiben von dem Begehren nach einet andern. Man halte mit nicht vor, daß die Dulpius Goethe glücklich gemacht habe. Denn das ist nicht wahr. Nut falsch Unterrichtete glauben es. Er hat sich ehrenhaft gegen sie benommen und sie geheiratet, aber er hat schwere seelische Entbehrungen neben ihr erlitten. Die Mannes- seele sehnt sich danach, in der Frauenseele aufzugehen; Chrisstane hat an feinem inneren Ringen und Schaffen so gut wie keinen Anteil. Goethes Glück ist sie nicht gewesm.
Bei einer Ehe ist in erster Linie die Frage auf- Swerfen: werden die beidm, die sich da zu- inmenfindm, auch wirklich glücklich? Jeder Jugendliche schwärmt Wohl für das „Recht deS
In dem Kasernenhof stand eine Waschküche und ein Latrinengebäude, welch letzteres schon vor 6 Jahren noch Fertigstellung der Kanalisation beseitigt werden sollte. Jetzt wird das Ge- bäude -entfernt zur Freude der Nachbarschaft.
Am 19. September wurde die Kreisbahn bis nach Dreihausm eröffnet und baupolizeilich abgenommen. Die Baukosten betrugen 1180 000 Mark, wozu der Staat, der Kommunalverband und der Kreis je Vs Teil bezahlt. Das Gelände kostet 50 000 Mark.
Am Steinweg und anderseitig werden die häßlichm Mastm aufgestellt. Die neue Latrinen- Anlage bei der Kaserne, welche 12 874 Mark kostet, wird von Bauunternehmer Groth erbaut. Die Stadt hat die Insel in der Lahn für 30 Mk. gefauft; der Mühlgraben am Ausfluß wird tiefer gelegt.
Oktober. Die Kanalisatton in den Straßen des Südviertels zwischen Bismarckstraße und Schwanallee hat ihrm Anfang genommen und wird von der Firma Holzmann in Frankfurt auS- geführt. Am 3. Oktober großer Sturm mit HagÄwetter. Am 6. Oktober wählte die städtische Behörde eine Kommission, die beraten soll, ob die Stadt das Museum ankaust, lieber die Leitungsmasten gab es eine Diskussion bei dm Stadtverordneten, da von der Kommission für dasElektrizi- tätswerk niemand wußte, wer diese Anordnung getroffen hat. Da der Regierungsbaumeister Sardemam: nicht anwesend war, konnte man keine Auskunft erhalten. Sie sollen aus Spar- samkeitsnicksichten gemacht worden fein, em Mast kostet 23 Mark. Vor dem Barfüßertor wird infolgedessen ein Kabel gelegt, das 2500 Mark kostet. Für Bäume, die in der Biegmstraße an- gepflanzt werden sollen, wurden 487 Mark beö
Herzens". Aber die Erfahrungen deS wirklichen Lebens lehrm ihn anders benfen. Selbstver- stündlich sollte Neigung der Hauptgrund zur Ehe. schließung fein, aber es spricht doch noch viele» andere mit. Die beste Gewähr für Eheglück bietet die bildungs- und standesgemäße Ehe, und deshalb sollte sie die vorherrschende fein. Das gilt für Mann wie für Mädchen. Nicht allein Bildung spricht mit, sondern auch der Stand. Denn jeder der drei Hauptstände hat seine Lebms- und Um> gangsfonnm ,die ihm zur eingefteischtm Gewohnheit geworden sind, und man weiß, was eS heißt, den Kampf mit der allmächtigen Gewöhn- heil aufzunehmen. Natürlich fönnen und dürfen auch Ehen auf anderer Grundlage geschlossen werden, aber sie haben doch mehr ober weniger die Unbequemlichkeiten eines zu engen ober zu weiten Schuhes, und die sie schlietzm, sind gewöhnlich mehr bedauerns- als beneidenswert.
Haltm wir auch nicht fest an der verkehrten Ansicht, daß das Verwischen der Standesunter- schiede ein Hauptziel der Menschheit fei. Sie ist von der Sozialdemokratie in unsere Zeit hineingetragen und steht nicht auf dem Boden der Mrflichkeit. Es wird stets Unterschiede geben uni muß sie geben. Schrecklich Ware es, wenn das Gesamtbild der Mmschheit keine Abstufungen mehr zeigte, wenn 'einer den Abklatsch des andern darstelltk und die Charaktere wie Uniformen umherliefen! Und wmn man auch die Mm schm heute gleich machte, morgen würden sie's nicht mehr fein, dann hätte sich der eine durch geistige oder körperliche Ueberlegmheit schon wieder über den andern emporgeschwungen. Unterschiede sind eben gottgewollt.
Wir leben in einer Zeit, wo man dm unteren Ständen mit aller Kraft zu helfen sucht, und eS gehört süb auch, benn das Volk ist der Fuß, auf dem das Vaterland ruht. Aber es muß dem Volke einmal ausdrücklich gesagt werdm, daß der Körper des Reiche» auch obere Gliedmaßm und einen Kopf braucht. Die „Oberen" kann es nur dann recht beurteilen, wenn es frei von Neid ist, und es wäre frei von Neid, wmn eS ihre schweren Mich, ten kennte. Wmn ich von Dimstbotmangelegen- betteit und Arbeiterstreiken lese, muß ich oft an die denken, welche die Geschicke des Reiches letten. Von unten hör sieht es wie Glanz, Pracht und Glück aus; in der Nähe mtpuppt ?s sich als schwere Last und furchtbare Verantwortung und ein Dienen bei Tag und Nacht. Die höherm Be- amten haben ungleich mehr zu leistm, und das ist der einzige und berechtigte Grund, weshalb sie auch höher gewertet werden. Zu einem Achtstundentag werden sie es wohl nie bringen. Wmn die unteren Stände ihre Arbeit mißachten, so ist dies Mangel an Verständnis. Geistige Arbeit liegt in ihren Wirkungen nicht so sichtbar da als körperliche.
Warum soll immer gegen die höherm Stände, insbesondere gegen dm Adel gewütet werdm? Die echten Adeligm sind sehr oft einfache, liebenswerte Menschen und haben Herz für das Volk. Weniger duldsam ist aber das Volk gegen sie. Durch zahllose Bücher beeinflußt, lebt in ihm die Meinung, die Derfühvsr seien fast ausnahmslos Adelige. Aber im Volk gibt es genau soviel Verführer, als in den höherm Kreisen, genau soviel Schurken, die der Ehrenpflicht gegen das Weib
willigt. Schlecht« Witterung, im Oktober ist es kalt, es regnet und am 16. Oktober hatten wir 3 Grad Sötte? Die Kartoffeln kosten pro Zentner 2.50 Mark. 17. und 19. Oktober morgens Schnee. Am 17. Oktober wurde im Freidhofschen Saale eine Bürgerversammlung abgehalten, in der man sich entschieden gegen dm Ankauf be» Museums fettens der Stadt aussprach. In der Stadt wird eben das Kabel gelegt für die elek- irische Leitung. 20. Oktober 3 Grad Kälte und am 23. Oktober Schneefall. Das Dach der Volks- schule ist, mit Schiefer gedeckt, fertiggestellt. Die verlängerte Wilhelmsttaße ist gepflastert und die Bürgersteige sind mit Zement gmiacht wordm.
In der lutherischen Gemeinde wurdm 63 Knaben und 51 Mädchen, von Ockershausen 14 Knaben und 5 Mädchen, in der Elisabethen» gemeinbe 31 Knaben und 40 Mädchen, in der reformierten Gemeinde 57 Knaben und 53 Mädchen als Konfirmanden eingeschrieben.
Nach einem Bericht über das Elektrizitätswerk des Jngenimrs Sautemann wurden bis Ende Oktober ausbezahlt, 225 000 Mark. Es warm eingestellt 243 000 Mark, von diesen blei- ben nach 18 000 Mark zur Verzinsung. Die Stadtverordnetm »erlangen, weil eine lieber. Zahlung ausgerechnet wurde, aussiihrlichen Be- ridft. Es soll ein Gasmotor von 125 P. 8. für bas Elektrizitätswerk angeschafft werden. Da die Universität nicht gestattete, Oberleitungen zur 'elektrischen Anlage in der Rosenstraße anzubrin- gen, wird ein Kabel gelegt. Der angebotene Mu- smmskauf, das für die Stadt 280 000 Mk. kosten sollte, wurde seitens des Magistrats abgelehnt. Die Zahl der Studentm beträgt 1350, mit Hörer 1576. Die 10 bunten Fenster im Chor der Elisabethkirche, welche unter Pros. Lange 1858 an gefertigt, wurden in Frankfurt lange*
nicht gerecht werden. Schlechter Charakter ist « Feinen Stand gebunden. Es gibt etwas, das heißt „Kinderstube". Die Kinderstube geht durch! ganze Sehen mit und bedingt die Umgangsform. Die feinen Umgangsformen kann nur der verwerfen, bet sie nicht kennt, und der nicht weiß, daß sie einen tiefen Sinn haben und nichts rein Amßerliches sind. Sie sind gewöhnlich bet Au», druck bet Bildung des Geistes und Herzen». Auch bei solchen, die sie nur äußerlich ausüben, sind sie angenehm, weil sie Kanten und Eckm im Bet- kehr vermeiden. Sie werdm in der Kinderstube anerzogen; wer sie sich nicht da erwirbt, trägt sie gewöhnlich nur wie einen lückenhaften Firnis auf sich. Bei ben echten Aristokraten — wohlgs- merkt: bei ben echten — finden wir dir Umgang», form in der höchsten Vollendung. Deshalb ist d schwer für ein Mädchen aus dem Volke, sich bei ihnen einzubürgern und sich behaglich bet ihnen zu fühlen. Die UmgangSform ist eine Macht, vor der man nicht genügend Respekt hat.
In dm Hauptzügvn habe ich bargelegt, warum ich bei Eheschließungen dm f raff en Standes- unterschied ablehne. Ich frage nun zum Schluß: wohin sollte es führen, wenn die Fürsten und Hohm ihre Gattinnen nur au8 den Arbeiter, kreisen holten? Das wäre wohl keinem Gebil- beten wünschenswert, dem Volk erst recht nicht wie das Beispiel gelehrt hat. Ein Fall ist inurr etwas bedenklich, wenn man ihn nicht veraltg.-. meinem kann. —rn.
Großbritannien. In der Haltung der off ent lichen Meinung Englands gegmüber Deutschland hat die geflissentlich geübte Animosität eher jb als abgenommen. Trotz der energischen und nn. zweideutigen Erklärung von amtlicher deutscher Seite, daß alle Gerüchte, wonach die Autonomie in Russisch-Polen von dmtscher Seile beeinfluß sei und die deutsche Regierung diplomatische und militärische Vorbereitungen treffe» um in Russisch- Polen einzuwirken, auf plumper Erfindung beruhen, ja, daß die deutsche Regierung fett vielen Jahren überhaupt keinen Gedankenaustausch mit der russischen Regiernng über polnische Angelegenheiten gepflogen habe, trotz dieser Erklärung fahren polnische und englische Blätter fort, die Welk an eine solche Einmischung Deutschlands in interne russische Angelegenheiten glauben machen zq wollen. Wohin derartige Bestrebungen zielen, bedürfte unter gewöhnlichen Zeitverhältnissen keiner näheren Darlegung; doppelt durchsichtig und in ihrer beabsichtigtm Wirkung sinnfällig aber werden sie dadurch, daß gegenwörtia die eng. lische Diplomatie in Petersburg alle Hebel in Be- toegung seht, um ein besseres Einvernehmen mit Rußland herbeizuführen, eine Absicht, die natur- lich in letzter Linie darauf hinausläuft, durch ein Abkommen über die russisch-englischen Interessensphäre in Zentralasien England an der afghanischen Grenze und tm Persischen Meerbusen nach Möglichkeit zu entlasten und das dort an Men- scheu. Material und Mitteln Ersparte für eine etwaige Verwendung „näher der Heimat", wie e8 in den Motiven für die Neuverteilung der Flotte heißt, frei zu bekommen. Auch dieses Moment sollte in Deutschland bei der Behandlung der re .■■■" !~= lH-=========^^^=^===3 arbeitet und 20 000 Mark kosten, werden von Glas-r Schippel eingesetzt.
Die Ausgaben zum Bau des BismarckturmS betrugm: 16 946 Mark 42 Pfg.; es gingen ein: und zwar von Studenten 10 659 Mark 76 Pfg., von Professoren 1178 Mark, von Bürgern 4178 Mark 30 Pfg., verschiedene Einnahmen 1523 Mark 72 Pfg.
Das Kammergebäude und das Verwaltungsgebäude, sowie die Latrine für das Jägerbataillon sind bis zum Dach hoch
Die Einwohnerzahl der Stadt beträgt am 1. November 19 900.
Der Voranschlag bet Oberrealschule beträgt iw Einnahme und Ausgabe 94 200 Mark, ohne Ver- zinsung vom Gebäude. Von der Friedenseiche nach Hansenhaus wird ein Weg angelegt: die Kosten bezahlt die Boppstiftung. Die Bunsen-, Deutschhaus- und Biegenstraße werden mit Basalt gedeckt und gewalzt. Der Damm bei dem Ausfluß vom Mühlgrabm ist durchgebrochen unk wird durch Auflchüttm von Erde dicht gemacht«
24. November. Am Neubau vom Kammer- gebäube verunglückte ein Arbeiter namens Wickeroth. Eben werden die Turbinen beim Elektrizitätswerk eingesetzt. Das Werk soll am 1. Januar 1906 in Betrieb gesetzt werden.
Die Fleischpreise, besonders das Schweine, fleisch, haben eine immense Höhe erreicht, toie noch nie dagewesen ist. Infolge dessen schränken die Konsumenten ihren Bedarf auf das Notwendigste ein. Im Schlachthaus ging deshalb da» Schlachten zurück. Es wurden weniger gegen voriges Jahr vom 1. April bis zum 31. Oktober im hiesigen Schlachthaus, als in demselben Zeit« raum von 1904, geschlachtet: 21402 Kilogramm.