mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. §
SonntagSvettage: JllustrirteS Sonntagsblatt.
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Vl2. «2OS Insertion,gebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum lO Psz. S0NNabtNd 2 D^eMbtt 1905 Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Reue-e Telegramme.
Berlin, 1. Dezbr. Der »EtaatSanzeiger' »erSffentlicht den Entwurf zu einem Kreisend Provinzialabgabengesetz.
Hamburg, 80. Nov. Mit dem heute Vor- «ittaa hier eingetroffenen Woermanndampfer Profeffor Woer mann' sind 11 Offiziere und -höhere Militärbeamte mit einer kleineren An- {ahl Mannschaften au» Deutsch - Südwestafrika urückgekehrt.
Jena, 1. Dez. Die auch von UN» gestern gebrachte Nachricht, die UniverfitLtSbehSrde habe idaS von den russischen Studenten beantragte Dorgehen gegen die bekannten Maßregeln des ^Vereins der deutschen Studenten einstimmig iabgelehnt. beruht nach Erkundigungen de» W. Tel. Büreau an zuständiger Stelle auf Ermüdung. Wie der Prorektor erklärte, kommt die Angelegenheit erst in der am Samstag, den 2. Dezember, abzuhaltenden Sitzung des Senats zur Verhandlung.
röüntsen, 30. Novbr. Die Kammer der Abgeordneten nahm heute die dritte Lesung der Wahlaefetzanträge vor. Die Liberalen brachten wieder einen Antrag auf Einführung der abso- iluten Mehrheit ein. Der Antrag wurde jedoch !vom Zentrum gegen die Stimmen der übrigen Parteien abgelehnt. Schließlich wurde das ganze Gesetz einstimmig angenommen.
London, 30. Nov. Sowohl die »Times* ;ale auch der »Daily Telegraph', deren inspirierte Artikel zuerst die Ministerkrise an- kündeten, stellen wieder Balfour» Rücktritt als Unmittelbar bevorstehend hin. Die „Times* »sagen, sie beharren bei ihrer Ankündigung, daß Balfour in wenigen Tagen demissionieren werde.
London, 1. Dez. Der Berliner » Standard'- Korrespondent telegraphiert feinem Blatte, er :Iönne mitteilen, daß der Deutsche Kaiser bei der Zusammenkunft mit dem Zaren in Bjärkoe gegen Ende Juli diesem den Rat gab, dem russischen Reich eine Berfaflung zu gewähren. Damit seien alle Gerüchte über den angeblichen »reaktionären' Einfluß deS Deutschen Kaisers auf den Zaren" erledigt.
Washington, 29. Novbr. Der deutsche ^Botschafter hat, wie bereit? gestern kurz gemeldet wurde, der amerikanischen Regierung eine Note überreicht, durch welche daS deutsch- amerikanische Handelsabkommen vom 10. Juli 1900 zum 1. März 1906 gekündigt wird.
Konstantinopel, 30. Nov. Der gestrige reguläre Ministerrat gelangte zu keinem Beschluß; der heutige außerordentliche Minister- ftat soll, wie es heißt, die Entscheidung bringen. :Die Meldung, daß bereits morgen die Insel .LemnoS besetzt werden würde, ist verfrüht.
B| Narbdruck verboten.)
Pflicht und Liebe.
Roman von «.Wil».
JiH (Schluß.) K 5";
V „Viola!" rief er freudig überrascht.
>' „Herr von Linden," flüsterte bebend die junge Frau.
Er eilte auf sie zu und erfaßte lebhaft ihre Hand.
v „Endlich, endlich finde ich Sie wieder!'
~ Es klang wie heller Jubelton durch seine Stimme; die Fürstin fühlte sich davon unangenehm berührt.
„Eine alte Bekanntschaft?" bemerkte sie mit spöttisch emporgezogener Oberlippe.
„Jawohl, Frau Fürstin," bestätigte er ruhig, hinein ehemaliges Mündel, Frau von Tonnberg."
„Ich kenne Frärllein Berg nur als meine Vorleserin," sagte sie kühl, „bitm, Fräulein, entfernen Sie sich." . >
Der Ton der Fürstirr war so eisig kalt, so beseh- lend gewesen, daß inan die Absicht, zu verletzen, deutlich heraushörte.
Viola war erblaßt, sie machte eine Bewegung, um sich zu entfernen, allein Gerhard hielt ihre Hand fest.
„Um Vergebung, Frau Fürstin," sagte er Woff, „Frau von Tonnberg steht unter meinem Schutze. Sie wird nur an meiner Seite dieses Geinach verlassen."
Die schöne Frau biß sich die Lippen fast blutig. ' „Meine Dienerschaft hat nur mir zu gehör, chen," rief sie mit mühsam unterdrücktem Zorn. „Sie sind entlassen, entfernen Sie sich sofort," herrschte sie der regungslos dastehenden Mola zu. ■ Ueber Gerhards Gesicht flog eine dunkle Glut.
Er trat auf die Fürstin zu; aber noch im letzten Momente beherrschte er sich. Er verneigte sich stumm, und Violas Arm in den seinen legend, «rüesi 'er hastig mit ihr das Gemach. Die Fürstin gag ihnen erstaunt mit zornfunkelnden Aug-m nach. ■ » .u ,., .
Landwirtschaftsmilüsterium und Fleischteuerung.
Die Denkschrift, die daS LandwirtschastS- ministerium soeben über die Fleischnot heraus- gegeben bat, bildet einen starken Band von 176 Seiten und enthält außer eingehenden Erörterungen über die Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch, über die Bewegung der Preise und ihr Verhältnis zu einander, über die Gründe der Fleischteuerung und ihre Folgen eine große Anzahl überaus instruktiver Tabellen, Nachweise und graphischer Darstellungen. Die Denkschrift die sehr wertvolles Material der Oeffentlichkeit unterbreitet und die wirklichen Ursachen der Fleischteuerung auS denselben Quellen herleitet, wie eS hier in der „Oderheff. Zt.' schon mehrmals von erfahrener Seite geschehen ist, gipfelt mit ihren Erörterungen infolgenden Schlußbemerkungen:
»1. Die Fleischpreise haben im laufenden Jahre eine Höhe erreicht, wie sie bisher noch nicht beobachtet worden ist und als unerwünscht bezeichnet werden muß. In der Preisbildung läßt sich ein einheitliches Gesetz nicht erkennen. Wenn auch der Osten hinter dem Westen und die Kleinstadt hinter der Großstadt im allgemeinen zurückbleibt, so zeigen sich doch im einzelnen viele Unregelmäßigkeiten, die ihre Ursache nicht in der Lage de? Marktes haben können, sondern auf andere Umstände zurückzu- sühren find.
2. Die Preissteigerung ist nur zum geringeren Teil auf ein Nachlaffen der heimischen Produktion, in der Hauptsache auf ein starkes Steigen der Nachfrage infolge verbesserter Lebenshaltung der breiten Bevölkerungsmasten und auf eine Erhöhung der Meh- und Fleischpreise in den nach Deutschland exportierenden Staaten zurückzuführen. Der Mehrverdienst, der den Landwirten durch die.Erhöhung der Stallpreise zugesührt ist, ist durch die Erhöhung der Produktionskosten gerechtfertigt.
3. Der wenn auch geringe Rückgang des inländischen Angebots und die Preissteigerung im AuSlande haben ihren Grund in der schlechten Ernte des Jahres 1904 und sind daher als vorübergehende Erscheinungen anzusehen.
4. Die Teuerung ist durch verschiedene Momente gesteigert worden. Es sind hier in erster Linie zu nennen, die auf die Oeffnung der Grenzen und den Bruch mit dem gegenwärtigen wirtschaftspolitischen System gerichtete leidenschaftliche Agitation der Presse und der politischen Parteien, die nicht einwandfreie Notierung auf den Schlachtviehmärkten und die, wenn auch nicht allgemein, so doch vielfach be-
„Also diesmal bin ich die Verschmähte," murmelte sie.
Einige Minuten spater rief der Ton der Klingel die Zofe herbei — die schöne Fürstin war von einem heftigen Weinkrampfe befallen worden, der allen Gegenmitteln zum Trotz mehr als eine Stunde währte.
Gerhard batte Viola zu, der Präsidentin gebracht, die ölte Dame empfing den unerwarteten Besuch mit offenen Armen.
Man fragte nicht, man forschte nicht nach der Vergangenheit, und Viola wußte Gerhard und der Präsidenfin großen Dank dafür.
Scheu und vttschüchtert nahm sie alle Liebes- beweise entgegen, und doch, wie glücklich, wie fetig fühlte sie sich !
„Sie bleiben vorläufig bei mir," sagte die Präsidenfin lächelnd zu ihr, „ich will schon für Sie Sorge tragen."
„Wie güfig Sie sind," flüsterte Viola, mit bebenden Lippen; „o, ivenn Sie wüßten, Ivie ich gelitten!"
Sie brach rasch ab und auch die alte Dame schüttelte abwehrend den Kops. „Später, davon später, liebes Kind," murmelte sie.
Gerhard verabschiedete sich bald, er versprach, am anderen Morgen wieder zu kommen, und als ter gegangen, drängte die Präsidenfin Viola, sich zur Ruhe zu begeben.
Viola fügte sich, aber sie lag noch lange wach, und Kopf und Herz beschäftigte nur die eine Frage: „Was wird nun werden?"
Mit heißem Erröten trat sie am nächsten Morgen dem Freiherrn entgegen. Gerhard erfaßte sanft ihre Hand. , *
„Ich habe mich schon mit der Präsidenfin be- sprcx^n," sagte er, „in der Voraussetzung, daß Sie sich meinem Vorhaben fügen werden. Vorläufig bleiben Sie hier, ich reise heute nach Hause und setze Magda von allem in Kenntnis. Sie werden Ihnen gern bei sich eine Heimat bieten, und Sie werden diese sicherlich nicht verschmähen."
Er hielt inne und sah sie erwartungsvoll an. ’• In Violas Augen leuchtete es freudig auf.
vbachteten Machenschaften der den Biehhandel beherrschende« HänÜer, Kommissionäre und Großschlächster.
5. Besonders bemerkbar sind in diesem Jahre einige Umstände hervorgetreten, die den Fleisch- Preis dauernd zu erhöhen geeignet find. Hierher gehören die hohen Einnahmen, die die Städte aus ihren Vieh- und Schlachthöfen erzielen, die sich immer mehr steigernde Ausdehnung des Zwischenhandels über bo8 wirtschaftliche Bedürfnis hinaus und die großen Unkosten, mit denen die Fleischer heutzutage arbeiten. Eine verteuernde Wirkung des Fleischbeschaugesetzes ist, wenn auch nicht ganz abzustreiten, so doch nur in geringem Umfange zuzugeben.
6. Die Teuerung hat ein Nachlaffen de» Fleischkonsums nur in sehr geringem Maße zur Folie gehabt. So bedauerlich selbst dieser kleine Rückgang ist, so rechtfertigt er doch keineswegs außerordentliche Maßregeln, um so toenmer, als der Fleischverbrauch sich nach der Fleischbeschaustatistik al« bedeutend größer heraus- gestellt hat, als früher angenommen wurde.
7. Die Teuerung hat den Verdienst der Fleischer im allgemeinen zwar etwas geschmälert, von einem Niedergange des Gewerbe» kann aber nicht gesprochen werden.
8 Der deutschen Landwirtschaft wird eS, wie bisher, gelingen, den inländischen Fleischbedarf in der Hauptsache durch eigene Produktion zu decken, falls sie auch in Zukunft auf einen genügenden Seuchenschutz und auf Beibehaltung des jetzigen wirtschaftspolitischen Systems rechnen kann.
Zur Lage in Rußland.
Die Meuterei in Sewastopol
hat zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen den Änfübrern und den treugebliebenen Truppen geführt. Wie wir bereits gestern Donnerstag noch in dem größeren Teil unserer Auflage mifteilen konnten, kam es zwischen den meuternden Matrosen und Landtruppen zu 'einer förmlichen Schlacht, die mit dem Siege der kaiserlichen Soldaten endete, lieber die Ereignisse liegt folgender Bericht vor:
Petersburg, 30. Nov. Aus Sewastopol eingetroffene Nachrichten werden vom Marinestab äußerst geheim gehalten. Zu den Kanzleien des Stabes wird sogar den Flottenoffizieren, die nicht bent Stab angehören, der Eintrift verweigert. Doch ist so viel bekannt, daß Admiral Tschuchnin entsetzliche Tatsachen gemeldet hatte. Der Kreuzer erster Klaffe „Ofichakow" hatte die Andreasflagge eingezogen und die revolufionäre
„Darf ich dieses Anerbieten annehmen?" fragte sie zögernd. „Herr von Rotteck —"
Er unterbrach sie lächelnd.
„Der gute Notteck tut, was Magda will."
„Und Magda?" flüsterte sie leise. „Sie muß mir zürnen, es wäre zu viel des Edelmutes."
„Sie hat Ihnen länast vergeben — lassen wir Vergangenes ruhen. Wollen Sie kommen, Mola, mir zu Liebe?"
Er sah ihr fies in die Augen, denen urplötzlich heiße Tränen enfitrömten.
„Ich sollte Ihnen zürnen,", sprach er weich, „daß Sie sich nicht sofort an mich aewandt — ich habe sie lange Zeit mit banger Sorge gesucht."
„Ich habe nicht so viel Güte verdient," sagte sie schluchzend, „und das hielt mich ab, Hilfe bei Ihnen zu suchen."
Gerhards Arme hoben sich, als wollte er die Schluchzende umfangen, aber er hielt sich gewaltsam zurück.
Es war noch zu früh, ihr von seiner Liebe zu sprechen, die alledem zum Trotz nie in seinem Herzen erloschen war. Erst mußte sie sich wiederfinden, dann wollte er ihr saaeu, daß sie noch immer für ihn das glänzende Glück seines Lebens sei.
Wenige Tage nach Gerhards Abreise kam Frau von Rotteck selbst, um Viola heimzuführen.
Magda glaubte diese Rücksicht ihrem guten Bruder schuldig zu sein, und so schwer sie sich auch von ihrer Familie trennte, so brachte sie dennoch dieses Opfer; denn sie wollte auch Mola dadurch beweisen, daß alles vergeben und vergessen sei.
Für die so schwer geprüfte junge Frau begann jetzt ein neues Leben. Jetzt erst lernte sie den wahren Wert einer trauten Häuslichkeit schätzen und das volle Glück eines stillen Familienlebens erkennen.
Die Stürme des Lebens batten die zauberhafte Schönheit, die einst Mola geschmückt, für immer vernichtet; aber sie hatte sich dadurch eine andere Sckiönhett errungen, die dauernd und un- vergänglist ist — die Schlacken, welche ihre junge Seele umhüllt, waren gefallen, das echte Gold war zum Durchbruch aefommen.
rote Fahne gehißt. Infanterie schoß vom Ufer auf das meuternde Kriegsschiff, das mit Artil- leriefeuer antwortete, worauf gegen „Ofichakow* von einer Batterie das Feuer eröffnet wurde. @e» schützsalven wurden auch vom Kriegsschiff „Rosfiß- law" auf den „Ofichakow" abgegeben. Die Meuterer wurden von der Marinebehörde aufgefoe- bert sich zu ergeben — als Antwort wurde He Kriegsflagge gehißt. Während deS starken Ge» schühkampfes der sich nun namentlich zwischen der Südbatterie, die auf feiten der Regierung stand, und dem meuternden Schiffe entspann, sanken der „Otschakow" und das Transporfichiff „Dnjepr". Dec „Panteleimon", frühere „KnjäS Potemkin", erhielt 3 Lecks. Die Landtruppen meuterten nicht, blieben vielmehr ihrem Eide treu und nahmen die Nordbatterie im Sturm, die sich in den Händen der Meuterer befand. Diese ergaben sich. In Sewastopol sind jetzt 21000 Mann Truppen mit Artillerie eingetroffen; um die Ruhe im Süden herzustellen, wird noch eht Korps postiert werden.
Die Stadt hat durch die Beschießung ungeheuren Schaden erlitten; zahllose Krons- tote Privatgebäude sind zerstört.
Sewastopol, 30. Nov. Die Kasernen, wo sich die Meuterer verbarrikadiert hatten, wurden von treugebliebenen Truppen besetzt, 2000 Meuterer sind mit Mitrailleusen in da» Innere des Landes gezogen. Der Kreuzer „Otschakow" ist auSge- brennt, aber noch flott. Entgegen den heute aus Petersburg verbreiteten Gerüchten ist festzu- stellen, daß die Stadt Sewastopol keinen Schaden gelitten hat. Heute ist hier alles ruhig.
Wien, 30. Nov. Wie die „N. Fr. P." mel- bet, haben die russischen Meuterer in Datum einen österreichischen Lloyddampfer mit Beschlag, belegt und verlangen ein Lösegeld. Das Ministerium des Auswärtigen hat bei der russischen Regierung Schritte eingeleitet.
Nach Privatnachrichten aus Sewastopol feuerte ein am Montag dort eingetroffeneS Infanterie- bataillon, das den Festungskommandanten und seinen Stab befreien sollte, auf meuternde Infanteristen, von denen viele erschossen und her- wundet wurden. Das Regiment Bialvstok überfiel eine Schar von Meuterern, tötete eine Anzahl von ihnen und ertränkte den Rest in dem Reservoir „Peter der Große". Zwei Regimenter berittene Artillerie, die am Montag eintrafen, schlossen sich den Meuterern art. Zwei Kriegsschiffe sollen den Hafen verlassen haben und nach Odeffa gefahren sein.
Verschiedene Meldungen.
Petersburg, 30. Nov. Wie aus Mos- kau, wo der Telegraphendienst durch Soldaten
Nicht an Aeußerlichkeiten haftete mehr ihr Sinn — hatte sie doch die traurige Erfahrung gemacht, daß gerade die glänzendste Aeußenseite die tiefsten Schatten der Welt birgt, und daß das höchste Gut des Menschen nicht im Glanze dec Welt, sondern im eigenen Herzen liegt.
Und es kam der Tag, der alle ihre Wünsche krönen sollte, der Tag, an dem sie das Weib des Mannes toutbe, dessen Wert sie erst erkannte, al» sie selbst in frevelhaftem Leichtsinne eine unüber« steigende Scheidewand zwischen sich und ihm aufgerichtet. Nach langen Kämpfen, nach bitterem Leide toar auch diese gefallen, und jetzt war sie sein — ganz fein!
In der kleinen Dorffirche hatte die Trauung stattgefunden, dann hatte die wenigen Gäste ein Mahl bei Rottecks vereint, und als der milde Juniabend zur Rüste ging, waren die Neuvermählten nach Lindenhain gefahren.
Als Frau des Hauses durchschritt nun Viola die wohlbekannten Räume, und eine tiefe Seligkeit zog in ihr Herz — jetzt war sie von affen Stürmen befreit.
Der Freiherr schlang seinen Arm um feine junge .Hausfrau und zog sie sanft mtt sich fort in ben Park zu den blichenden Lindenbäumen, deren süßer Dust sie mit berauschender Stärke umwehte.
Weiter ging es fort bis tief in den Park hinein zu der alten Eiche, unter deren schattigem Blätterdach das Paar sich niederließ. i
„Sie hat meinen Schmerz gesehen," sagte Gerhard, auf die Eiche deutend, „damals als ich meiner Schwester mein Leid geklagt, sie soff auch Zeuge meines Glückes fein.“
„O, Gerhard, ich habe nur immer Dich geliebt, und der Gedanke, Deiner würdig zu werden, hat mir den Mut gegeben, das Schwerste zu ertragen," flüsterte Viola, sich fester an den geliebten Gatten schmiegend.
Er neigte sich über sie, und der heiße Kuß, M er auf ihre Lippen preßte, sagte mehr, als Wort» es vermögen.
Ende.