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mit dem Kreisblatt für Vie Kreise Marburg und Kirchhain.
SonutagsbeUager Mlustrirtes Sonntagsblatt.
Ligen Geistesarbeit auf uni) sind im tiefsten Her- zen erfreut, wenn wir unsere Felder mit einer schwachen Wasserader auS dem deutschen Kulturstrom berieseln können. Aber so unselbständig sind wir trotz alledem nicht, daß wir nicht zu glau- ben wagten, unseren eigenen politischen Kleinkram bester übersehen und einrichten zu können, alS es dieser oder jener Freund aus dem Reich, dessen Intereste durch die großen politischen Aufgaben seines eigenen Vaterlandes genugsam in Anspruch genommen sind, so ganz nebenher und durch die ihm von irgend einem Anschauungsdissidenten unter uns aufgesetzte Brille hindurch zu tun der- möchte."
Berlin, 29. Nov. Seit heute nachmittag find sämtliche telegraphische Verbindungen mit Rußland unterbrochen.
Vierteljährlicher Bezugspreis; bet oer Erpckition 2 ML, •wz» qui) btt allen Postämtern 2,25 ML Bestellgeld).
efllS. Zusertt onSgebühr: die gespaltene Zeile oder seren Raum 1Ü Psg.
Reklamen: die Zeile 25 Pisi.
Zur Lage in Rußland.
Petersburg, 29. Nov. Die „Nowoje Wrewja" meldet auS Sewastopol vom 28. b8.: Die Eraebunq der Meuterer, welche von der Stadt abaeschnitten find, soll durch eine Blockade erreicht werden. Die Zahl der Meuterer beträgt etwa 1000. In den Kasernen befinden fich etwa 400 Gewehre und eine geringe Anzahl von Patronen. Abends wird der Ausstand der Telearapbenbeamten erwartet.
Moskau, 29. Nov. Die RepresfionSmaß- nabmen des Ministers deS Innern Durnowo aeaen die Post- und Telearapbenbeamten, wie das Verbot, dem Verbände derselben beizutreten, vnb die Entlassung von 25 Organisatoren des Verbandes bewogen die Beamten gestern früh, von Graf Witte telegraphisch die Erfüllung ihrer Wünsche innerhalb von zwölf Stunden zu fordern. Da keine Antwort einging, begannen die Beamten den AuSstand. Der Telephonverkehr in Moskau und Petersburg wurde ebenfalls eingestellt. In allen Hauptzentren, wie Sibirien, Charkow, Odessa, Rostow, Riga, Libau usw. streiken die Post- und Telegraphenbeamten.
Radom, 28. Nov. (Petersb. Telegr.-Ag.) Eine Anzahl von im Dienste der Drombrowo- linie der polnischen Eisenbahn stehenden Russen unterbreitete dem Ministerpräsidenten Grafen Witte ein Gesuch, in welchem sie um die liebet« nähme in den russischen Eisenbahndienst bitten mit Rücksicht auf die Gewalttättgkeiten und Beschimpfungen von Seiten ihrer polnischen Kameraden, die gegen die Russen Bomben schleuderten und Revolverschüffe abfeuerten.,
Petersburg, 29. Nov. Gegenüber einer auswärts verbreiteten Meldung aus Moskau, ter Finanzminister habe sich trotz vielfacher an ihn gerichteter Aufforderungen geweigert, die Branntweinläden in den gefährlichen Stadtvierteln Moskaus zu schließen, hält e8 der Finanzminister für nötig, diese Meldung als falsch zurückzuweisen, und erklätt, daß dem Finanzministerium keinerlei Aufforderung, die Branntweinläden in Moskau zu schließen, zuge-
Erschtmt wöchentlich sieben mal. r__
Druck und Verlag- Joh. Äug. Koch, UmvrrsttätS-Buchbruckerek 40.
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Nov.
-— Seine Majestät der Kaiser ist gestern Mittwoch vormittags 9 Uhr zu den Jagden nach Pleß und Moschen in Schlesien abgeresst. Die Ankunft des Kaisers in Schloß Pleß erfolgte gestern Abend 6.10 Uhr. Heute wird der Kais« an einer Fasanenfagd teilnehmen.
— Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Ministers des Innern, wo- nach die Eröffnung des Landtages am 5. Dezember mittags 12 Uhr im Weißen Saale des Schloss.-s erfolgt. Zuvor findet um 11 Uhr im Dom für die evangelischen und um halb 12 Uhr in der Hedwigskirche für die katholische» Mitglieder Gotiesdienst statt.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlichte, wie schon gestern kurz gemeldet, den Gesetz« e n t w u r f betreffend Ordnung deS ReichshaushaltsetatsundTilguna der Reichs schuld. Dieser Gesetzentwurf umfaßt 11 Paragraphen. § 1 besagt, die Vor- schriftcn wegen Aenderung des Brausteuergesetzes. Tabaksteuergesetzes, Besteuerung von Zigaretten, Aenderung des Reichsstempelgesetzes und Besteuerung von Erbschaften treten einheitlich zugleich mit diesem Gesetze in Kraft. Die Paragraphen 2 und 3 treffen in der bereits angekün- pigten Weise Bestimmungen über die Verwendung der Einnahmen und über die Begrenzung der Matrikularbeiträge. § 4 behandelt die Schulden- fflgung, wie bereits bekannt. § 5 trifft Bestimmungen wegen der Brausteuer, § 6 wegen Einbeziehung der Reichslande in den Geltungsbereich des Brausteuergesetzes. § 7 hebt den 8 2 des Gesetzes wegen Verwendung von Mehrerträgen
Ungar«.
Im jüngsten Hefte der „Deutschen Monats, schrist für das gesamte Leben der Gegenwatt" >vird die Poliftk, die die S i e b e n b ü r g e r Sachsen in den letzten Jahrzehnten int ungarischen Reichstage verfolgt haben, von einem anonymen Vettasser, der sich als „Notus" bezeichntt, einer eingehenden und scharfen, übttgens zweifellos mit genauer Kenntnis von Pettonen und Dingen geschriebenen .Ktttik unterworfen. Ihre opporftmisffsche Politik ist es, die der Verfasser mit bitteren Worten tadelt. Nach einer verhM- nismäßig kurzen Zett einer mannhaften und selbstbewußten Poliftk Hatton sich die sächsischen Abgeordneten schon unter dem Ministerium Koloman Tisza in den siebziger Jahren einem be- .uemen Oppottunismus ergeben, hätten , sich betören lassen, „das warme Nest der Regierungs- vattei aufzusuchen" und so sehr allen politischen Charakter verloren, daß sie es überhaupt nicht mehr vermöchten, „das bittere Brot der Opvosition zu essen". Wir wollen hier nickt über die Berechtigung der oPPortunisftschen Politik der Sach- sen streiten — Me Antwort wird von siebenbür- giscker Seite sicher nicht ausbleiben — aber ein Bedenken können wir nicht unterdrücken. Eine Politik, deren Moftve hier im Reiche nicht vor jedermanns Auge klar liegen können und dürfen, nur auf persönliche Beweggründe, auf Ehrgeiz, Schwäche und Rückgratlosigkeit zurückzufi'ckren, ihr nationale Würdelosigkeit und „egosstisch-strebett- schen Opportunismus" vorwetten, heißt das nicht die Gesamtbttt der Siebenbürger Sachsen in den Augen der öffentlichen Meinung Deutschlands berabsetzen und siee damit des moralischen, Rückhaltes berauben, deren sie doch so sehr bedütten? Wir begreifen und billigen es darum durchaus, wenn das .Hauptorgan der Sachsen, das „Sieben- bürgisch-deutsche Tageblatt entschieden dagegen Stellung nimmt und schreibt: „Wir sind so sehr der Ueberzeugung. daß die unleugbaren Wandlungen, die die sächsische Politik seit 1867 durchgemacht hat, durch absolute politische Notwendig- fetten bestimmt waren und von einsichtigen Poli- tifern vollzogen werden mußten, daß wir es mit voller Rübe auszusvr.'cken wagen: wenn heute sämtliche sächsischen Wäblettckaftett von dem Geist beseelt würden, den „Noftis" für den ttcktigen hält, wenn heute sämtliche Kreisattsscküsse und gar sämtliche Abgeordnetenmandate mit Perso- neu nach dem Herzen des „Notus" beseht würden — in wenigen Jahren wäre unsere sächsische Politik, abgesehen vielleicht von prinziviell belang, losen Dingen, genau in denselben Bahnen, in denen sie heute ist. Nur daß das Politische Schulgeld für diese neuen Männer von der Gesamtheit des Volkes bezahlt werden müßte und sich ziemlich hoch belaufen würde, vielleicht gar nicht zu ettckwingen wäre..... Wir alle miteinander
ob wir noch ungekränfelte poliftsche Moral im Sinne von „Notus" besitzen oder schon „ttickgrat- los" geworden sind, hängen mit unserem wärmsten Geiübl am Deutschtum im Deutschen Reich, blicken mit Verehrung und Bewunderung zu seiner mäck-
Marburg
Frettag, 1. Dezember 1905.
gangen fei; übrigens liege zu solchen Aufforderungen, so erklärt der Minister weiter, auch fehl Grund vor.
Petersburg, 29. Nov. Gestern wurden auf der elektrotechnischen Militäranstalt 230 < Mann wegen Beteiligung an einer Spenden» sammlung für die Familien der Opfer der politischen Bewegung verhaftet und in die Peter-PaulSfestung interniert. Blättermeldungen zufolge weigerten fich die Mannschaften, bei Leibgarde-Regiments Ssemenow und der Garde- jäget, die Verhaftung vorzunehmen.
Petersburg, 29. Nov. Die Untersuchung der Ktonstüdter Vorgänge ist jetzt abgeschlossen, die Ergebnisse werden geheim gehalten. Die Verhafteten, darunter viele Matrosen und Soldaten, wurden von den Untersuchungsrichtern in sechs Kategorien geteilt. Die am wenigsten schuldig Befundenen wurden in Freiheit gesetzt, bleiben jedoch in den Kasernen unter strenger Bewachung.
Rcur-t Telegramme.
Berlin, 30. Nov. Die .Nordd. Allg. Ztg." hött, zum ersten deutschen Vertreter _ auf der Konferenz von Algeciras sei der deutsche Botschafter in Madrid, v. Radowitz, zum zweiten bet gegenwärtig nach Deutschland beurlaubte Gesandte in Lissabon, Graf Tattenbach, auS- ersehen.
Perlt«, 29. Nov. Telegramm auS Windhuk; Unteroffizier Josef Mebusch, geboten in VSnabtück, früher Husarenregiment 17, am 1. November in Pella infolge bet im Gefechte bei Hattebeestmuvd erlittenen schweren Verwundung gestorben. Reiter Ferdinand Hollstein, geboten in Schippenbeil, früher Infanterieregiment 25, am 25. November bei Sandfontein verwundet (Bauchschuß) und abends verstorben.
Je«a, 29. Nov. Die russischen Studenten droben, daß sie die Universität verlassen würden, weil sie angeblich von den UniversitätSbehvrden gegen die Kundgebungen der deutschnationalen Studenten nickt genügend in Schuh genommen worden seien. Ob diese Drohung den gewünschten Erfolg haben werde, scheint seht fraglich. ES wäre auch bedauerlich, wenn die UniversitätS- behörden fich dadurch bestimmen ließen.
Meinivfien, 29. Nov. Der Landtag des Herzogtums Sachsen-Meiningen bat den sozialdemokratischen Antrag auf Einführung deS allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts bei Gemeindewahlen mit großer Mehrheit ab» gelehnt.
Wie«, 30. Nov. Die Nachrichten aus Konstantinopel lauten günstiger. Dlfferenzen bestehen eigentlich nur noch bezü stich untergeordneter Fraaen. So will die Türkei die internationalen KontroLbehörden als türkische Beamte ansehen, wuS die Mächte verweigern. Eine Einiaung wird erwattet.
Chriftiattta, 29. Novbt. Das deutsche Linienschiff „Braunschweig" mit dem Prinzen Heinrich von Preußen an Bord ist heute Vormittag von hier abgegangen. — Gestern Abend veranstaltete das Marineministettum für die Rntervsfiziere der fremdem Kriegsschiffe, etwa 200 Personen, ein Festessen. Gleichzeitig gab die Bürgerschaft von Christiania den 600 Matrosen der Kriegsschiffe ein Fest. Die Matrosen erhielten bei dieser Gelegenheit als Erinnerungszeichen silberne Dorstecknadeln in Form einer kleinen norwegischen Flagge.
Tokio, 29. Nov. (Reuter.) Die Regierung beschloß, die japanischen Gesandtschaften in London, Washington, Paris, Berlin, Petersburg zu Botschaften zu ersehen. — Marschall Ohama reist morgen nach Dalnh ab. General Line- witsch soll fich in Guntschuling befinden.
87 Wrtmbrui Verbote».)
Pflicht und Liede.
r Roma« vo« «.Wil».
istzung.)
r „Frau Fürstin, ?fe sind schr gütig," sagte er gezwungen.
Die schöne Frau lächelte, es war em bezau- berndes, sinnbestrickendes Lächeln: aber Gerhard batte keinen Blick dafür. Er wäre am liebsten geflohen, und doch, jene Daine, die Viola so sehr glich, war hier im Hause vettchwunden, unb wenn ihn seine Ahnung nicht getäuscht, wenn sie es war, fei es drum.
Er faßte sich und folgte der voranschreibenden Fürstin.
„Wir wollen einmal recht gemütlich von ver- Mngeneu Zeiten plaudern," sagte die alte Dame, als sie in einen kleinen, reizend auägeftatteten Salon traten. „Nur einige Augenblicke Geduld, ich bin gleich toieber da."
Sie nickte ihm freundlich zu und verschwand.
Gerhard sah ihr nach. Ditte schöne Frau war di? erste Liebe seines Herzens gewesen.
Sie hatte mit ihm kokettiert, ihm von allen anderen den Vorzug gegeben und schließlich den oürften geheiratet, den alten, aber reichen Mann, an dessen Sette sie ein glänzendes Leben führen konnte.
Was wollte sie jetzt von ihm? Wollte sie die Vergangenheit heraufbeschwören? Ach ja, er erinnerte sich jetzt, in den Zeitungen gelesen zu haben, daß sie Witwe geworden sei.
Der Eintritt der Fürsftn unterbrach sttnen Ge- ^mkengang. Die dunklen Trauergewänder hoben ichre hohe, üppige Gestatt auf das vorteilhafteste, jttnb die rötlich blonden Flechten umgaben da- femgebildete Köpfchen glttch ttnem flammenden Strahlenkränze. Die großen, schwarzen Augen per Dame sahen ihn lockend an, als sie, sich be- siuem in einem Fauteuil schmiegend, mtt wttcher
Stimme zu ihm sagte: „Und nun lassen Sie uns plaudern, lieber Freund."
Gerhard zwang sich zu einigen höflichen Worten. Diese schöne Frau hatte jealiche Macht über ihn verloren: er dachte nur an Viola, und wie er sie wiederfinden könnte.
Die Füffftn schien seine Zurückt :itng nickt zu bemerken. Sie erzählte von den weiten Seifen, die sie unternommen, von der langen Krankheit ihres Gatten, der vor zwtt Jahren in Venedig gestorben, von ihrer Vereinsamung, daß sie sick hier in der Residenz nach so langer Abwesenheit selbst wie eine Fremde vorkomme. Sie war sehr redselig, die schöne Frau, und dabtt sah sie ihn immer so süß, so lockend an, als wolle sie die längst vergangene Zttt wieder heraufbeschwören, diese Zttt voll Glück und Seligkeit, da sie für Gerhard der leuchtende Stern seines Daseins ge- wesen.
Er hörte ihr zu, er sah ihre zärtlichen Blicke; aber nichts in feinem Herzen sprach mehr für sie; als er endlich loskommen konnte, atmete er erleichtert auf.
Das war eine pttnliche Stunde für ihn gewesen.
Aber dennoch hatte er das Versprechen gegeben, wieder zu kommen, und war feft entschlossen, dieses Versprechen zu halten.
Mochte die Fürsftn denken, was sie wollte, er mußte erfahren, wer die Dame war, die in ihrem Hause wttlte.
Und so ging er täglich hin zu der Frau, die ihn schon wieder in ihren Netzen wähnte; ach, es war ein süßer Zeiwertrttb, und wenn sie auch nicht daran dachte, ihren Fürstentitel hinzugeben, um die Gattin eines einfachen Landedelmannes zu werden, so war dieses Spitt doch zu angenehm, um es eines gewissen GewissenskrupttS toegen aufzugeben.
Bis zu einer Erklärung durfte man eS eben nicht kommen lassen, und wenn auch, danach bat sie sich einfach Bendenkzett auS und reifte wieder für
einige Zeit ins Ausland, bis man die Sache vergessen hatte.
So kalkulierte die herzlose Kokette, der e5 nur um ein Amüsement zu tun war, und die in ihren Träumen den stolzen, ernsten Mann schon zu ihren Füßen sah.
Viola, denn Gerhards Ahnung hatte ihn nicht betrogen, war nur widerstrebend der Fürsftn in die Residenz gefolgt. Sie fühlte sich unbehaglich in der Nähe der hochmütigen Frau, welche sie ihre abhängige Stelle nur zu deutlich empfinden ließ.
Allein, wohin sollte sie sich wenden, wenn sie diesen Zufluchtsott verließ. Sie war sich selbst darüber nicht flar, daß sie dennoch em gewisses Etwas in die Residenz zog, nach einem Orte, wo ihre Leiden begonnen hatten, und wo jeder Blick nur schmerzliche Erinnerungen für sie hatte.
Gewiß, sie wünschte es nickt, Gerhard zu begegnen, und dennoch ertappte sie fich zuweilen btt dem Gedanken, daß dies doch hier ein leicht möglicher Fall sei.
Und wie lebhaft konnte sie sich ttne solche Begegnung ausmalen! Sie sah dann immer wieder die dunklen Augen auf sich gerickttt, sie hörte feine freundlichen Worte und fühlte den warmen Druck seiner Hand und dann flog ein seliges Lächeln über ihr Gesicht und all das Leid der Vergangenheit war vergessen.
Wie oft schon hatte sie auf dem Punkte geftan- den, zu der Präsidenftn Eckberg zu gehen, um von der alten Dame sich Nachrichten über Gerhard zu erbitten; aber dann dachte ffe daran, daß sie alles erzählen mußte. All die kaum vernarbten Wunden wieder ausrttßen, von den erlittenen Demü- ftgungen sprechen, nttn, das vermochte sie noch nickt.
Es ioar so besser, sie blieb verschollen, verschollen und vielleicht auch schon vergessen.
Die Fürsftn nahm Violas Dienste wenig in Anspruch; des Morgens mußte Viola eine Stunde vorlefen, damit war auch mttst ihr Tagewerk zu Ende. Li in .u.-i
Ihre Ausfahrten machte die Fürstin allein, und Fräulttn Berg, unter diesem Namen war Viola btt ihr eingetreten, hatte nur auf Reifen das Glück, in der Nähe ber schönen Frau weilen zu dürfen, im übrigen kümmerte sich di- Fürsftn wenig um das Tun und Treiben ihrer Gesell- schafterin, sobald sie nur am Morgen pünktlich zum Vorlesen da war; die andere Zett konnte sie für sich verwenden.
Viola machte von dieser Freihttt nur wenig Gebrauch; sie ging nur in der Dämmerstunde aus, um frische Lust zu schövsen. die andere Zttt brachte st- einfam in ihrem Zimmer zu.
Auf diese Weife batte Dfela keine Ahnung, daß Gerhard fe&on feit mehr denn enter Woche ein täglicher Gast der Fürstin war, und Gerhard hatte seinerseits noch immer nicht entdecken können, ob die von ihm Gesuchte in dem Hause der Fürstin wttle.
Eines Abends war die Fürsftn ankerst übler Lonne; Gerhard war nicht wie sonst zur gewohnten Stunde gefommen, und die schöne Frau fühlte sich von dieser Saumseligkeit unangenehm berührt.
Unmutig schritt sie auf und ab, dann kltngttie sie hastig.
„Fräulein Berg soll vorlesen kommen," befahl sie dem eintretenden Diener.
Der Diener war kaum gegangen, als Gerhard gemeldet wurde.
In den Anaen der schönen Frau leuchtete es freudig auf. Sie empfing den Eintretenden mit einer allerliebsten Schmollmiene und reichte ihm mit einem koketten Zöaern die Hand.
„Soll ich Gnade für Reckt ergeben lassen?" lächelte sie mit einem Blicke auf die Uhr.
„Ah, Fräulein Berg, ich bedarf Ihrer Dienste nicht," fetzte sie hochmütig hinzu, als sie Violas ansichtig wurde, die soeben eintrat.
Gerhard hatte die Hand der Fürstin losgelassen, und fein Auge war der Richtung ihreU Blicke gefolgt. ^Schluß folgt.) >