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mit dem Kreisdlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: ZAustrirtes Sonntagsblatt. '

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»ierteljShrltchkr Bezugspreis: ba der Erpchitio« 2 ML, bet allen Postämtern 2,25 M. (e$cL Bestellgeld).

JnserttonSgebühr: die gespaltene Zcüe oder deren Raum 1V Psg.

Rcclamcn: die steile 25 Psq.

Marburg

Donnerstag, 30. November 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, llmversitStS-Buchdruckeret 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

SS

Nachdruck verboten.)

Pflicht und Liede.

Roma« vo« (5. Wild.

lsronictzung.)

Wie anders, wie ganz anders hätte sich ihr Leben gestalten können, wenn sie damals fest an ihrer Pflicht gehalten hätte!

sie jetzt litt, das war die gerechte Strafe für ihren Treubruch, für den Leichtsinn, mit wel. wenigste mit ihrem eigenen Herzen gespielt.

Sie setzte sich auf eine Garten bank und neigte wure ihr Haupt zurück. Droben am dunklen Tachthimmel zog hell und klar die Mondscheibe empor: wie in flüssiges Silber getaucht, schim- tnerten Laub und Mitten, und der kühle Nächt­end trug der Einsamen den süßen Duft der Blumen zu. In halber Betäubung schloß Viola me Augen.

. Diese Schönheit war nicht für sie, sie durste Nichts davon genießen, hinter ihr lauerten Tod und Verderben, das Leben konnte ihr nichts mehr bieten. Vorbei, alles vorbei!

Hatte sie diese Worte laut gedacht, oder waren dieselben wirklich an ihr Ohr gedrungen?

Die junge Frau sprang empor und starrte mit weit geöffneten Augen vor sich hin. . . .

r 'f Täuschung ihrer Sinne oder Wirk- Hy- Dort aus jenem Seitenwege kam eiligen Schrirtes die dunkle Gestalt eines Mannes.

Hatte er diese Worte gerufen?

u nun, barmherziger Gott, wars möglich? . Tennberg, ihr Gatte sie sah im Mondlichte oemlich Laus eines Revolvers blinken -- scharfer Schrei entrang sich ihrer »run. Fast zugleich mit diesem Schrei ertönte ein Schutz

Gelähnch vom Schrecken, blieb Viola einen Augenblick lang regungslos stehen. Sie sah r^cn hatten wankm und zu Boden stürzen, imd .letzt erst kehrte ihr die Besinnung zurück, ,

Neueste Telegramme.

Berlin, 29. Nov. Der König von Spanien hat dem Oberbürgermeister 5000 Mark für die Armen der Stadt Berlin überweisen lassen. Der polnische Abg. Krolik ist aus der Zentrums- fraftion ausgetreten.

Bersin, 29. Nov. Die nationalliberale Frak­tion wählte zu ihrem Vorsitzenden den Abgeord­neten Bassermann und nominierte zum Vizepräsi- deuten des Reichstags den Abgeordneten Paasche.

Berlin, 28. Nov. Der Steueraussckprß des Brauerbundes beschloß, Ende der nächsten Woche eine große öffentliche Versammlung der Angehöri­gen des deutschen Braugewerbes nach Berlin zu berufen, um gegen die geplante Brausteuererhöh­ung Stellung zu nehmen.

Berlin, 28. Nov. In der gestrigen Sitzung des Bundesrates wurde die Vorlage betreffend den Entwurf von Bestimmungen über die AuS- nahmen von dem Verbot der Beschäftigung der eigenen Kinder unter 10 Jahren dem zuständigen Ausschuß, überwiesen.

Chrisriania, 28. Nov. Der norwegische Ge- schwaderchef Admiral Boerresen gab gestern Abend an Bord des PanzerschiffesNorge" ein Festmahl Ehren des Prinzen Heinrich von Preußen und er übrigen fremden Admirale. Admiral Boer- resen brachte zunächst einen Trinkspruch auf den König Haakon und dann einen zweiten auf den Prinzen Heinrich von Preußen aus. Dieser er- widerte mit einem Trinkspruch die norwegische Marine.

Madrid, 29. Nov. Amtliche Nachrichten aus Barcelona besagen, daß dort Ruhe herrsche. Der Rektor odnete angesichts der Haltung der Stuten- ten die Schließung der Universität an. Die Offi. ziere der Garnisonen von Saragossa, Valencia, Valladolid, Burgos und anderen Städten schlos- sen sich dem Proteste der Offiziere von Barcelona gegen die Catalanisten an.

Madrid, 29. Novbr. In der gestrigen Kammersitzung wurde der Gesetzentwurf bett, die Aufhebung der verfassungsmäßigen Garantien in Katalonien beraten (darüber ist schon gestern kurz berichtet worden.) Ministerpräsident Montero Rio8 begründete die gegen die Separa- ttsten geforderten Ausnahmebestimmungen und ersuchte die Kammer, die Regierung bei dieser patriotischen Handlung zu unterstützen. Auf den Versuch der katalanistischen Abgeordneten, die regionalistischen Tendenzen zu entschuldigen, erwiderte Montero Rios, daß der RegionaliS- muS dieselbe Bezeichnung verdiene wie der Separatismus und ebenso verdammenswert sei. Die Abstimmung über daS Gesetz und den Entwurf soll heute erfnfgen.

Konstantinopel, 28. Nov. Nachdem der Sui. tau gestern die offizielle Nachricht von der Be- setzung des Zoll- und des Telegraphenamts in Mystlene erhalten hatte, ging die zuversichtliche Stimmung in Jildis vollständig verloren. Der Sultan sandte noch gestern Abend den Minister

des Aeußeren Tewfik-Pascha zu den Botschaftern mit neuen Vcrmittlungsvorschlägen; diese Vor­schläge wurden von dm Botschaftern durchweg ab- ge'lehnt. Maßgebende Kreise glauben,jetzt, daß der Sultan unter Opferung einiger Minister als Sündenböcke gelegentlich des morgigen Beiram- festes nachgeben wird.

Washington, 29. Nov. Der Generälstab schlägt vor, aus gedienten Soldaten eine 50 000 Mann starke Armeereserve zu organisieren, damit im Kriegsfälle die gesetzliche Präsenzstärke von 100 000 Mann zur Verfügung steht.

London, 28. Nov. Finanzminister Austen Chamberlain erklärte in einer Rede, die er aestern Abend in Redditch hielt, daß weder im Kabinett noch in der Partei eine Krise besiehe.

Eröffnung des Reichstages und Thronrede.

Wie schon telegraphisch gemeldet, erfolgte aestern Dienstag Mittag im Weißen Saale des Königl. SchlofleS in Berlin die Eröffnung der 2. Session der XI. Legislaturperiode de« Deutschen Reichstages mit herkömmlicher Feierlichkeit durch _Se. Maj. den Kaiser in Person.

Dem EröffnungSakte waren Gottesdienste vorangegangen: für die evangelischen Mitglieder des Reichstages im Königlichen Dom, für die katholischen in der St. HedwigSkirche.

Auf der Thronestrade stand der goldene Kaiserthron unter dem purpurnen, goldver- brümten Baldachin, den Straußfederbüschel in den Reichsfarben schmückten. Rechts und links von der Estrade stand je ein Page.

In der Hoftoge wohnte die Kaiserin, welche dar Orangeband deS Schwarzen Adlerordens trug, der Eröffnungsfeier bei. Die Diplomaten­logen waren von Damen und Herren des diplo­matischen Korps stark besetzt.

Bald nach 12 Uhr erschienen unter Führung der Reichskanzlers Fürften von Bülow die BundeSratsmitglieden, paarweise nach der Anciennetät geordnet, und nahmen links vom Throne Aufstellung. Inzwischen hatten die Reichstagsabgeordneten sich zahlreich im Saale eingefunden und im Halbkreise vor dem Throne aufgestellt.

Der Eintritt des Kaisers.

Nachdem der Reichskanzler sich mit der Meldung zum Kaiser begeben hatte, daß alles bereit sei, erschien die Schloßgardekompagnie mit der Fahne, und nahm im Hintergründe der Abgeordneten Aufstellung.

Unter dem Vortritt von zwei Wappen­herolden, den obersten Hofchargen usw. betrat der Kaiser in der Uniform des Regiments der der GardeS du Corps, mit dem Marschallstabe in der Rechten, den Saal, begrüßt mit einem lebhaften dreifachen Hoch, daS der bisherige

Mit betonten Knieen eilte sie zu ihm; sie beugte sich nieder und hob den Kopf sanft in die Höhe.

Er schlug die Augen auf.

Sein erlöschender Mick traf das chleiche Antlitz der Gattin, die bis zum letzten Momente treu zu ihm gestanden.

lieber Tonntorgs verstörte Züge legte sich ein nulter, versöhnender Ausdruck. In ten matten Augen flammte ein Strahl der Zärtlichkeit längst vergessener Tage auf, die blassen Lippen öffneten sich, und kaum hörbar flüsterte er:Viola!"

Sie neigte sich tief über ihn, und eine heiße Träne fiel auf die Stirn, welche ter Todesengel mit seinem Kusse berührte ein letzter Blick noch, ein leises Röcheln und Stöhnen, daun war alles still.

Neben dem Körper des Toten lag ohnmächtig ein blasses, junges Weib, beide Arme fest um die Leiche geschlungen, und so fand man sie auch noch eine halbe Stunde später, dicht an den Gatten geschmiegt, so bleich und starr, daß man sie selbst für eine Leiche hielt.

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Ein Fahr war feit allen diesen Ereignissen ver­gangen; Gerhard hatte trotz aller eifrigen Nach­forschungen nichts von Viola erfahren können. Er hatte Tonntorgs Selbstmord viel zu spät er- fahren; denn derlei tragische Vorgänge gelangen nur selten in die Öffentlichkeit.

Die Bankverwaltung in Monte Carlo hatte ten Selbstmörder in aller Stille beerdigen lassen und für dessen erkrankte Gattin Sorge getragen, bis sie ihre Gesundheit wiedererhalten batte; da­mit war die ganze Sache abgetan gewesen.

Viola stand nun gänzlich mittellos da; allein sie Ivar viel zu stolz, um das ihr von der Bankoer- waltnng ungebetene Reisegeld anzunehmen. Sie wollte auch nicht in die Heimat zurück, sondern in der Fremde ihr weiteres Fortkommen suchen. Das Glück Ivar ihr insofern günstig, als 'es ihr

Reichstags Präsident Graf von Ballestrsm auS- brachte. Während die mit Er. Majestät er­schienenen Prinzen, der Kronprinz in der Uni­form deS KürasfierregimentSKönigin" an ter Spitze, sich zur Rechten des Thrones ausstellten, trat der Kaiser vor den Thronjeffel und verlas bedeckten Hauptes mit weithin vernehmlicher Stimme die ihm vom Reichskanzler überreichte Thronrede.

Die Thronrede gebenft, wie bereits gestern auszugsweise mitgeteilt wurde und wie hier toieter- holt sei, zunächst des Hauptwerkes der letzten Tagung, ter Neuordnung terHandels - bezieh ungen des Reiches zum Auslande ge­dacht wird. Ferner bespricht die Thronrede die Finanzlage des Reiches, unter ter die Bundesstaaten schwer leiden. Die Reformvor­schläge der Verbündeten Regierungen zur Er- schließung neuer Einnahmequellen ließen den not. wendigen Unterhalt des Volkes frei. Die Thron­rede kündigt die bereits bekannten Steuer- borlagen tetr. Bier, Tabak, Personenverkehr, Güterumsatz und Reichserbschaftssteuer an und hofft auf die patriotiscbe Einsicht des Reichstages, der die Deckung des Bedarfs, Leben und Gedeihen ter Nation dienen solle. Weiter bespricht die Rede die Notwendigkeit ter inhaltlich schon bekannten Flottenvor läge. Unauf­schiebbar sei auch die Regelung des Versorgungs- wcsens für Offiziere und Mannschaften des Heeres, der Marine und Schutztruppen. Erwogen werte eine neue Vorlegung des unerledigt gebtiebenen Entwurfs zur Abänderung des Börsengesetzes in enger unbegrenzter Form. Zu den Haupipslichten des Reiches gehöre die Fortbildung ter sozialen Gesetze. Diesbezüglich werden mehrere Vorlagen, darunter betreffend den Erwerb der Rechtsfähig­keit gewerblicher Berufsvereine angekündigt. Die Thronrede bespricht sodann die Entwicklung der Schutzgebiete und den A u f st a n d in Südwestafrika, der harte Opfer an Mut und Geld gefordert habe und zollt de n Of­fizieren und Mannschaften warmen Dank und Anerkennung für ihre heldenhafte Tapferkeit. Die Opfer seien nicht umsonst gebracht, denn die letzten Mel­dungen über die Unterwerfung der Witbois be- re&tiaben zur Hoffnung auf baldige Wiederher- Herstellung des Friedens und der Ordnung. Anschließend hieran werten die Schaf­fungen neuer Verkehrswege in den Schuhaodieten und die Umwandlung ter Kolonialabteilung deS Auswärtigen Amts in ein Reichskolonialamt anaenetünbigt. In der auswärtige« Politik

stehe das Reich zu allen Mächten in korrekten, zu den meisten in guten und freundschaft­lichen Beziehungen. Mit hoher Befriedigung erfülle eS den Kaiser, daß er den Präsidenten Roosevelt in erfolgreichen Bemühungen unterstützen konnte, um den Frieden im fernen Osten herbeizutühren.

bald gelang, eine Stelle als Gesellschafterin bei einer Fürstin zu finden, toelcfe nach kurzem Auf­enthalt in Nizza mit Viola nach Paris reifte, um dort für mehrere Monat zu verweilen.

Gerhard war, nachdem er die traurige Kata­strophe Vernommen, sofort nach Nizza gereift, um Viola dort aufzusuchen. Leiter war seit dieser Zeit mehr denn ein halbes Jahr Vergangen, und Viola hatte schon längst Nizza verlassen.

Trotz aller Nachforschungen konnte Gerhard nicht mehr erfahren, als daß die junge Frau mit einer hochgestellten Dame nach Paris gegangen fei. Allein man mußte weder ten Namen noch die Wohnung der Dame anzugeben.

Der Freiherr reifte wohl nach Paris, aber fein Suchen blieb vergeblich, und er mußte un­verrichteter Sache nach Hause heimkehren.

Dennoch erlahmte sein Eifer nicht; er hielt 9* zu Hause nur wenige Wochen auf, um immer wie­der auf Nachforschungen auszugehen, und bie feste Zuversicht verließ ihn nicht, daß es doch ge­lingen werte, Viola aufzufinden.

Es war im Spätherbst, als er von einer lau- geren Tour in die Residenz kam, er wollte sich daselbst nur wenige Tags aufhalten, um einige Bekannten aufzustichen.

Sein erster Gang galt ter Präsidentin; mit ihr konnte er von Viola sprechen, ihr konnte er seine Pläne und Hoffnungen mitteilen; denn die alte Dame hörte ihn stets freundlich an; empfand sie doch selbst die Teilnahme für die arme junge Frau, die von einer glänzenden Lebensstellung so rasch in Not und Elend ge­schleudert worden war. Die Präsidentin hatte Gerhards Liebe für Viola längst erkannt und von ganzem Herzen eine glückliche Vereinigung des Paares gewünscht; aber wo mochte Viola weilen, und wenn er sie fand, wie mürbe er sie Wiederfinten?

Es dämmerte bereits, als Gerhard bie Prä- sidentin verließ, um einen alten Studienfreund 1

Den Eintritt Japans in die Reihe der Groß­mächte begleite er mit aufrichtigen Wünsche« für die Kulturmisfion deS Volkes. Lebhaft» Sympathien gälten den Anstrengungen de» be« freundetenRußland für dieNeuordnung der innere« Zustände, und er hoffe, daß es dem Zaren der» gönnt fei, als Bahnbrecher einer glücklichen Zu* tunft Rußlands die Liebe und Dankbarkeit feines Volkes zu ernten. Die Thronrede beglückwünscht sodann Norwegen zu der Königs« wähl und fährtdann fort:

Ein Blick auf Deutschlands eigene inte» nationale Stellung darf sich der Wahrnehmung nicht verschließen, daß wir fortdauernd mtt Verkennung deutscher Sinnesart und Vor­urteilen gegen die Fortschritte deutsche« Fleißes zu rechnen haben. Die Schwierig­keiten, die zwischen uns und Frankreich in del marokkanischen Frage entstanden waren, hatte« keine andere Quelle, als eine Neigung, Ange' legenheiten, in denen auch daS Deutsche Reich Jntereffen zu wahren hat, ohne unsere Mit» Wirkung zu erledigen. Solche Strömungen können, an einem Punkte unterdrückt, al einem anderen wiederkehren. Zu Meiner Be friedigung ist in der marokkanischen Frage mit diplomatischen Mitteln unter Schonung der Jntereffen und der Ehre beider Teile eine Ver­ständigung über die Einberufung und das Pro« gramm einer neuen Marokkokonferenz erzielt worden.

Es ist Mir tiite heilige Sache um de« Friere« des deulfche« Volkes. Ader die Weiche» der Zeit mache« es der Ratio» zur Pflicht, ivre Schntzwehr gege« «ngerekAte Angriffe z« verflärke«. Ute fo sicherer mag es da«« gelinge», die srievUchen Ziele des bewährten Bund« nifses mit ße« Herrscher« Oesterreich- Ungarns und Italiens a«ch ser«erhi« z« verwirNichen.

Durchdrungen von der Größe der Aufgaben die Sie, geehrte Herren, erwarten, wünsche Ich Ihren Arbeiten gutes Gelingen zu des Reichel Wohlfahrt, Ehre und Frieden.

* * *

Der Kaiser hatte einzelne Stellen der Thronrede lebhaft betont; instesondere sprach er mit großer Wärme den PassuS, der für dir heldenhafte Tapferkeit ter Truppen in Südwest- afrika Dank und Anerkennung auSspricht, und dec von der Versammlung mit lebhaftem Bravo begrüßt wurde. Daß es ihm eine heftige Sache um den Frieden des deutschen Volke» sei, hob der ß uter in eindrucksvoller Weise hervor. Am

aufzttsuchen, tot welchem er ten Abend zu ver­bringen beabsichtigte.

Gerhard schritt langsam vorwärts; ater Plötz- sich blieb er stehen, und ein Ausruf ter lieber« rafchung entschlüpfte feinen Lippen.

Vor ihm her ging eine einfach gekleidete Dame, deren Gestalt und Haltung ihn lebhaft an Viola erinnerte. .

Das war derselbe leichte, elastische Gang, bte« selbe stolze Haltung des Kopfes und diese Fülle goldigbraunen Haares, das so üppig unter dem bescheidenen Hütchen hervorguoll war sie cs, ober äffte ihn ein Phantasiegebilde? Er wollte der Dame nachelleit, um sie einzuholen, zu spät, schon war sie unter dem Portal eines großen, ete. ganten Hauses verschwunden. Ohne sich weiter zu besinnen, eilte er ihr nach.

Unter dem Tore trat ihm ein riesiger Portier entgegen.

Mein Herr, Sie wünschen

Die Antwort blieb dem Freiherrn erspart; denn in demselben Augenblicke kam eine elegante Equipage herangerollt. <

Gerhard hatte eben nur noch Zeit, beiseite zn springen, als ihm eine helle, wohlklingende Frauenstimme freundlich zuries:Ach, welch ein Vergnügen, Sie nach so langer Zett wieterzu- sehenk*

Gerhard sah betroffen auf.

Der Bediente hatte den Wagenschlag aufge- rissen und aus dem Wagen stieg eine blendend schöne Frau.

Willkommen," sagte sie lächelnd, ihm beite Hände entgegenhaltend;wie schön von Ihnen, daß Sie mich in meiner Einsamkeit aufsuchen.*

Der Freiherr verbeugte sich tief und brückte einen kühlen Kuß auf die reizende, kleine Hand, bie ihur so freundlich geboten wurde.

(Fortsetzung folgt.)