Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsveilage: JUuftrirtes Sonntagsblatt.

JTs. 280

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der ExpKitio» 2 ML, bet allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).

JnsertlonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Mittwoch. 29. November 1905.

ESgaW^MII^M

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Slug. Koch, Untverfitäts-Bnchdruckerei 40.

Marburg, Markt 2L Telephon 55. !

Neueste Telegramme.

Berlin, 27. Nov. Nach einer telegraphischen Meldung des Gouverneurs von Lindequist haben sich Samuel Isaak Witboi, und sein Unterkapitän mit 17 Großleuten und ihrem Anhang, sowie der Kapitän der Deldschoendrager, HanS Hendrik, insgesamt 74 Männer und 44 Weiber in Bersaba freiwillig gestellt. Dabei sind 34 Gewehre ab­geliefert worden. Ueber die Bedingungen der Uebergabe enthält die Meldung keine Angaben.

Berlin, 28. Nov. DerStaatsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung Dr. v. BitterS zum Präsidenten der Hauptverwaltung der Staats­schulden.

Berlin, 27. Nov. In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurdm die Ausschußberichte über den Entwurf eines Gesetze? wegen der Feststellung eines zweiten Nachtrages zum Reichs- haushaltketat für das Rechnungsjahr 1905 und der Entwurf eines Gesetze- wegen Feststellung des zweiten Nachtrages zum Hau8haltung?etat für die Schutzoebiete auf das Rechnungsjahr 1905 genehmigt.

Berlin, 28. Nov. Wie dieDeutsche Tages­zeitung" aus bester Quelle vernimmt, soll der bisherige Direktor des Kolonialamts, Dr. Stübel, an die Spitze der neu zu errichtenden deutschen Gesandtschaft in Norwegen berufen werden.

Berlin, 28. Novbr. Die Insel Saipan (Marianen), die am 27. August unter einem schweren Unwetter zu leiden hatte, ist am 8. November wiederum von einem Taifun heimge­sucht worden, der größere Verwüstungen als der erste angerichtet hat. Der Materialschaden ist bedeutend. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Einer Hilfeleistung von außen bedarf eS nach dem amtlichen Bericht nicht.

Madrid, 27. Nov. Kriegsminister General Wehler begibt sich nach Barcelona, um die dortige separatistische Bewegung niederzuschlagen. Die Lage ist ernst. Die Zensur wird scharf ge­handhabt. Die katalanischen Blätter, deren Redaktionen von den Offizieren überfallen und zerstört wurden, forderten Autonomie für Katalonien, wie sie Finland gewährt werde.

Athen, 27. Nov. (W. B.) Depeschen auS Mhtilene zufolge sind die großen Schiffe der Demonstrationsflotte in den Hafen eingelaufen, ohne die LandeSflagge zu salutteren. Die kleinen Fahrzeuge waren gezwungen, wegen des Sturmes in der Bucht zu ankern. Es wurden 400 Mann ausqeschifft, und mit diesen daS Zollamt, das Telegraphenamt, sowie einige Punkte der Stadt besetzt. Die türkischen Truppen haben die Kaserne geräumt, die von einem dsterreichifchen Detachement bewacht wird.

_ Konstantinopel, 28. Nov. In Konstantinopel ist alles ruhig. Alle anderslautenden Nachrichten

beruhen entweder gänzlich auf Vermutungen oder unbegründeten Gerüchten. Gestern sind verschärfte polizeiliche und militärische Maßregeln infolge des Prozesses wegen Anschlages auf den Sultan ergriffen worden.

Sicherung der Bauforderungen.

Wie wir schon mitteilten, ist dem Bundes­rate als Antrag Preußens der Entwurf eines Gesetzes über die Sicherung der Bauforderungen zugegangen. Au8 dem Inhalte dieses Entwurfs teilen wir nach derKöln. Ztg." folgendes mit:

Eine Sicherung der Bauforderungen ist in den durch landesherrliche Verordnung bestimmten Gemeinden im Falle eines Neubaues vorgesehen. Ein Neubau im Sinne des Gesetzes ist die Er­richtung eines zu Wohn- oder gewerblichen Zwecken dienenden Gebäudes auf einer Baustelle, die zur Zeit der Erteilung der Bauerlaubnis unbebaut oder nur mit Gebäuden untergeord­neter Art besetzt ist und sich während der letzten drei Jahre in dem gleichen Zustand befunden hat. DaS Gesetz findet keine Anwendung auf Grundstücke des FiskuS, eines dem öffentlichen Verkehr dienenden Bauunternehmens, eines Landesherrn oder einer landesherrlichen Familie.

Vor dem Beginn des Baues ist auf dem Grurdbuchblatte der Baustelle der Vermerk, daß daS Grundstück bebaut werden soll fBauvermerk) einzutragen. Mit der Eintragung des Bau­vermerks erwerben die Baugläubiger den An­spruch auf Eintragung einer Hypothek für ihre Buuforderungen (Bauhypothek). Die Eintragung unterbleibt, wenn in der Höhe eines Betrages, der nach dem Ermeffen der Baupolizeibehörde den fünften Teil der voraussichtlich entstehenden Baukosten erreicht, Sicherheit durch Hinter­legung von Geld oder Wertpapieren geleistet ist. Nur wenn entweder die Sicherheit geleistet oder der Bauvermerk eingetragen ist, darf die Baupolizeibehörde die Bauerlaubnis erteilen.

Als Baugläubiger gelten die an der Her­stellung des Gebäudes oder eines Teiles Be­teiligten, sowie diejenigen, die zur Herstellung des Gebäudes Sachen geliefert haben. Durch eine nachträgliche Veräußerung der Baustelle werden die Rechte der Baugläubiger nicht be­rührt. Ueberträgt der Eigentümer die Her­stellung des Gebäudes einem Unternehmer, so gelten die vorhin bezeichneten Personen wegen ihrer Ansprüche auch dann als Baugläubiger, wenn die Verträge von dem Unternehmer oder, falls die Herstellung an andere Unternehmer weiter übertragen worden ist, von einem weiteren Unternehmer geschloffen worden find und der Eigentümer wußte, oder infolge von grober Fahrlässigkeit nicht wußte, daß dem ersten Unternehmer ausreichende Mittel zur Befriedigung der Forderungen nicht zu Gebote standen, oder daß er nicht die Absicht hatte, diese Forderungen in vollem Umfange zu be-

85

"Nachdruck verboten.) Pflicht und Siebe.

Roma« von E. Wil».

(tvorrieeung.)

Viola starrte ihn vernichtet an. Gerhard hatte m zartfühlend alles verschwiegen, was auf daS Andenken ihrer Mutter irgend «neu Schatten ioerien konnte: im Gegenteil, er hatte der Ba- ponin kühles Benehmen gegen ihr einziges Kind wit ihrer Kränklichkeit entschuldigt, und nachdem Kiola den unglückseligen Brief ihrer Mutter ge- -eicn, hatte sie die Verstorbene mit der Glorie Des Märtyrertums umgeben, sie war ja unver­standen durchs L-eben gegangen, an einen Mann gekettet, den sie nicht lieben konnte.

Tas Schicksal ihrer Mutter hatte Violas reg­stes Gefühl tvachgerufen, und nun? Ihre Mut- ter ivar auch ein Opfer jenes entsetzlichen Lasters tzewefcn, das jede bessere Regung in dem mensch. stchen Herzen ertötet, das stumpf, kalt und ge- tt-hllos macht für alles andere, außer für das .^cn- nein, es konnte nicht sein, es durste wcht fein! Tonnberg mußte widerrnfen, ihre mTztoQr k^me Spielerin gewesen.

Wilhelni/' sagte sie matt,ehre das An- peuken der Toten und verleumde sie nicht!"

,,^ch verleumde nicht, ich kenne ganz genau die tSeichichle Deiner Mutter. Sie hat alles bis rum letzten Heller verspielt und bis zum letzten bk Eopnte man sagen: denn sie stürzte

Spieltisch zusammen, und wenige ge darauf nt sie auch gestorben, der Graf hat <öc,ie alle Einzelheiten erzählt."

Mr.En -Laugen der jungen Frau war jeder u.stroplen gewichen: starren, gläsernen Auges KffcTt?6" ®GttCn sprach er doch die

Bist Du überzeugt?" fragte Tonnberg höh­nend.Und nun gib den Weg frei, ich muß zur bestimmten Sttinde in Monte Carlo eintveffen."

Mola raffte ihre ganze Krafft zusammen.

Nein, ich lasse Dich nicht fort. Wilhelm," sagte sie mit halberstickter Stimme,ein solches Leben ist doch nicht mehr zu ertragen! Raffe Dich auf, kehre um, ehe es zu spät geworden; laß uns ein neues Leben beginnen. Ich will arbeiten, ich will alles versuchen, nur meide die Spielbank, sage Dich los von dem Grafen, kehre zu mir zurück."

Tolles Geschwätz, das gib den Weg frei l" rief er wild.

Sie klammerte sich fest an ihn und versuchte es, ihn mit ihren schwachen Armen zuriickzu- halten.

SBilMm/ flehte sie,habe Mitleid mit mir, mit Dir, laß uns nicht noch tiefer sinken."

Gib mir den Weg frei, Weib, oder"

Sie hörte nicht auf ihn. Mit ihren zarten, kleinen Händen umschlang sie krampfhaft seinen Ann.

Ich lasse Dich nicht," stöhnte sie,ich lasse Dich nicht, Du gehst Deinem Verderben ent­gegen.

Tas hagere Antlitz des Spielers färbte sich glühmdrot vor Zorn.

Ohne weiter ein Wort zu sprechen, packte Tonnberg die ihn fest umklammert haltende Viola rauh beim Arme und stieß sie so heftig von sich, daß sie mit einem leisen Wehnrf zu Boden fiel.

Ohne sich umzublicken, verließ Tonnberg dann eilig das Zimmer, ivährend Viola betäubt am Boden liegen blieb. Minute um Minute ver­rann, die junge Frau regte sich nicht. Die Däm­merung kam, Viola lag noch immer in derselben Stellung, wie sie die rauhe Hand des Gatten zu LützLü geworfen. .. ., ...

friedigen. Die Anmeldung einer Bauforderung ist nur wirksam, wenn bis zum Ablauf der Anmeldungsfrist die schriftliche Zustimmung des Eigentümers zur Anmeldung oder eine gegen den Eigentümer ergangene, die Anmeldung zu- laffende einstweilige Verfügung zu den Akten des Grundbuchamts eingereicht wird. Liegen bei dem Ablauf der Anmeldungsfrist keine wirk­samen Ar Meldungen vor, so wird der Bau­vermerk von Amtswegen gelöscht, und der An­spruch der Baugläubiger auf Eintragung der Bauhhpothek erlischt. Für rechtzeitig ange­meldete Bauforderungen dagegen wird von Amtswegen unter Löschung deS Bauvermerks eine als Bauhhpothek zu bezeichnende Hypothek eingetragen, die als SicherungShypothek gilt Mehrere bei der Eintragung der Bauhypothek berücksichtigte Bauforderungen haben unter sich gleichen Rang. Wird eine dem Bauvermdrk im Range nachstehende Hypothek zugunsten eines Gläubigers eingetragen, der die Ge­währung von Baugeldern übernommen hat, so gelten für diese Hypothek, fall« sie bei der Ein­tragung als Baugelderhhvvtb"k bezeichnet worden ist, besondere Vorschrift:.!. Vor allem gebührt der Baugelderhypothek -er Vorrang vor der Bauhypothek für den Betrag der Zahlung, die der Baugeldgeber zum Zwecke der Tilgung einer Bauforderung an den Baugläubiger oder im Betrage einer von dem Eigentümer getilgten Baufordernng an diesen leistet. Auf Antrag deS Baugeldgebers ist zur Vermittlung der von ihm zu leistenden Zahlungen ein Treuhänder zu bestellen. In diesem Falle begründen alle nach Maßgabe der Anweisungen deS Treu­händers geleisteten Zahlungen den Vorrang vor der Bauhhpothek, falls der Baugeldgeber durch Anschlag auf dem Bau bekannt gemacht hat, daß er durch Vermittlung deS Treuhänders Zahlung leisten werde. Wird die Zwangs­versteigerung oder die Zwangsverwaltung des Grundstücks angeordnet, ehe die Bauhhpothek eingetragen ist, so kann jeder Baugläubiger, der seine Bauforderung wirksam angemeldet hat, Befriedigung auS dem Grundstück verlangen, tote wenn die Hypothek eingetragen wäre. In das geringste Gebot werden die Bauforderungen nicht ausgenommen."

Zur Lage in Rußland.

Der Bauernkongreß

in Moskau, der wie schon gemeldet, vergangene Woche tagte, war von etwa 160 Delegierten be­sucht. Die mit großer Leidenschaft geführten Ver­handlungen waren von rein revolutionärem Geist erfüHt. Hauptgegenstand der Tagesordnung bil- dete die wirtschafüiche Hebung des Bauernstandes und Agrarreform. Der Kongreß forderte die Kommunalisierung des Grund und Bodens und die Einberufung einer konstituie­renden Versammlung, welche die Zuwendung des

Mit geschlossenen Augen, kaum atmend, lag sie so da, wüste Gedanken zogen durch ihren Sinn, und fast wünschte sie, der Schlag von ihres Gatten Hand wäre ein tödlicher gewesen. War der Tod nicht tausendmal besser als ein solches Leben?

Sie richtete sich langsam empor und legte beide Hände an die schmerzende Schläfe.

Ihre Augen waren ttocken und tränenleer, ach sie hatte schon so viel geweint, daß sie keine Trä­nen mehr hatte.

Die Dunkelheit verursachte ihr förmlich Angst, sie schlich sich langsam zu dem Tische und machte Licht.

Beim fahlen Kerzenschimmer stand sie sinnend da; sie snchbg ihre Gedanken zu sammeln: allein es gelang ihr mir schlecht.

Die Stille und Einsamkeit ihres Zimmers be- drückte sie, sie fürchtete sich vor dem Alleinsein, und sie hatte doch keinen Menschen, an dm sie sich wenden konnte.

Da mit einem Male richtete sie sich Straff empor welch ein Gedanke war ihr gekommen!

Sie wollte diesen Gedanken abschütteln, ver­treiben, er kam immer wieder, immer begchr- licher, immer dringender, bis sie nicht zu wider- stehen vermochte.

Mit fliegendem Atem zog sie ihre kleine Börse und überzählte die Geldstücke, welche dieselbe ent- hielt.

Wenig genug war's; aber es mochte innnerhin langen, und sie wollte doch auch einmal ihren freien Willen haben.

Mft eiliger Hand ordnete sie ihr Haar uni) machte ihren bescheidenen Anzug zurecht. Dann verließ sie, zum Ausgehen ausgerüstet, festen Schrittes das Zimmer.

Sie wollte in jene Hölle, sie wollte sehen, wie es da zuging, sie wollte jene Räume sehen, in welchen auch ihre Mutter dem entsetzlichen Laster

Bodens an die Gesamtheit auf legislatorischem Wege durchführen soll. Wird diese Forderung nicht erfüllt, so wollm die Bauern alle GutSbe- sitzer boykottierm, den kandwirtschaft« lichen Generalstreik proklamieren, bt< Steuerzahlungen, die Stellung von Remonten und Reservisten verweigern, alle Einlagen aus inen Sparkassen und Banken nehmen und die Brauntweinbuden gewaltsam schließen. j

Der Srmstwo-Kongreß

in Moskau nahm vor Schluß gestern einstimmig einen Antrag an, in dem Maßnahmen verlangt werden zur Verhinderung der Wiederkehr der Judenhetzen, wie sie nach der Veröffentlichung deS Manifestes vom 30. Oktober in 60 von Juden bewohnten Orten stattgefunden haben, die von den Verwaltungsbehörden organisiert worden feien, sowie zur Ausrottung deS Begriffs von der Rechtlosigkeit der Juden. Die Gleich­berechtigung der Juden erscheine jetzt als eine Maßnahme der praktischen Politik; die Auf­hebung aller beschränkenden Gesetzvorfchriften und Erlaffe sei unaufschiebbar. .

Eine konstitutionell-monarchische Partei hat sich, gleichfalls in Moskau gegründet und nennt sichVerband des 17. Oktober." Die Gründer der neuen Partei, die schon eine große Mitgliederzahl besitzt, find Graf Heyden, Dmitry Schipow, Gutschkow, Krassowsky, Fürst Wol­konski u. a. Der Verband erläßt einen Aufruf an das russische Volk, es solle ohne Unterschied der Konfession der großen politischen Umwand­lung Rußlands zur konstitutionellen Monarchie alle Kräfte widmen und die Regierung energisch unterstützen. DaS Programm der neuen Partei istr

1. die Einheit und die Unteilbarkeit Ruß­lands zu wahren, 2. die Entwicklung und Be­festigung der Anfänge zur konstitutionelle» Monarchie mit einer Volksvertretung auf bet Grundlage des allgemeinen Wahlrechts herbei- zufnhren, 3. Sicherstellung der Bürgerrechte an- zustrebeu und 4. eine Aufschiebung der Reichs- duma zu verhindern. Die neue Partei zählt bereits eine große Anhängerschaft auch i» Petersburg.

Die Meuterei in Sewastopol. 1

DieNowoje Wremja" meldet aus Sewasto­pol: Auf der Versam- Iung in den Marinekafer- nen waren ^Deputierte von dem Panzerschiff Pantoleimon", früherPotemkin", und von dem KreuzerOtschakow anwesend. Andere auf der Reede liegende Kriegsschiffe ließen die von den Meuterern signalisierte Aufforderung, sich anzu- schließen, unbeantwortet. Das RegimentBrest" sagte sich von den Meuterern los und marschierte nach dem Lager, wo alle treuen Truppentelle zusammengezogen waren. Die militärische Obrig­keit verhält sich abwartend. . Die Wasserleitung wird militärisch bewacht. Die jüdische Bevölke­rung flüchtet. Dem BlatteRuß" wird ge­meldet, daß die Mentorer den Festungskomman­danten Neplujew und den General Sstdelnikoto verhafteten, beide aber wieder freiließen. Die

gehuldigt, und wenn sie auch tausend Qualen dabei litt--was war ihr das? Sie hotte

schon genug gelitten, daß sie auch das noch er­tragen konnte.

Und dann einmal mußte das Ende doch kommen, vielleicht war es schon nahe, es hing ja nur von ihr ab ein rascher Entschluß, und alles war vorbei.

Es toar zu später Nachtstunde; in den herr­lichen Gartenanlagen, welche das Spielgebäude umgaben, irrte langsamen Schrittes eine bleiche, junge Frau umher.

Aus den hohen Fenstern des Gebäudes quoll ein Meer von Licht der einsam Wandelnden ent­gegen; allein sie fand den Mut nicht, einzutreten. Sie wußte ja, daß sie ihren Gatten dort finden würde, und ihr graute davor, ihm jetzt gegenüber zu treten. j

Sie toar fest entschlossen, nicht mehr nach Nizza zurückzukehren, sondern hier ihrem Leben ein Ende zu machen. Vielleicht rief ihn das auf einen besseren Weg zurück.

Sie lachte bitter auf.

Er war nicht mehr zu retten, ihr Tod würde ihn kaum berühren, sie wußte das, es war nur eine Wohltat, die sie gegen sich selbst übte.

Wenn sie starb, wer trauerte um sie, wer be­weinte sie?

Niemand!

In ihrem Herzen flüsterte eine leise Stimme: Gerhard und bei dem Gedanken an diesen edlen Mann nmrden ihre Augen feucht.

Wie hatte sie an ihm gesündigt, und wie guk Ivar -er trotz alledem gewesen!

Er. ja, er würde sie bedauern, bemitleiden, die Liebe toar wohl längst in seinem Herzen er­loschen, sie hatte es ja auch nicht anders verdient.

i______ _ * Fortsetzung folgt.),_