ie6en nur ein Mittel neben anderen. Kulturelle imtb wirtschaftliche Maßnahmen aller Art (rine weitkllickende Verkehrspolittk, Regelung des Kice- ditwesens usw.) stehen uns zu Gebote. Wir durfTN nur nicht zögern sie anzuwenden. Aber immer von neuem sei es wiederholt: auch die vollkom- mensien Gesetze und Berwaltungsmaßnahmen allein können uns den ostmärkisckwu Botzsn nicht sichern Das Best« müssen ww srüch, müssen un- fcre ostmärkischen Volksgenossen tun.
Ausland.
Frankreich. <Der französische Außenhandel zeigte im Oktober eine ungewöhnlich günstige Entwickelung. In der Einfuhr wurde bei einem Gesamtwerte von 349 Millionen Francs ein Mehr von 20,5 Millionen Francs, das zu drei Vierteln durch den vermehrten Bezug an industriellen Rohstoffen veranlaßt ist, m der Ausfuhr wurde bei einem Gesamtwerte von 425 Millionen Francs ein Mehr von nahezu 55 Mill. Francs erzielt, an dem die Nahrungsmittelausfuhr mit 15,4 Millionen, die Fabrikatausfuhr mit 25 Mill. Francs beteiligt ist. Die im Oktober des laufenden und des vorigen JahreS beobachtete Eeschei- nung eines erheblichen Ueberschusses der Ausfuhr über die Einfuhr ist in diesem Jahre auch das Signum der Handelsbewegung in den ersten 10 Monaten. In 1904 erzielte die Einfuhr während der Monate Januar bis Oktober einen Wert von 3613 Mill. Francs, der die Ausfuhr mit nur 3562 Mill. Francs, also einem Weniger von 51 Millionen Francs geganüberstand. Der bisherige Außenhandel des Jahres 1905 hat zum ersten Male einen Uebersckmß der Ausfuhr über die Ein- fuhr gebracht. Einer Einfuhr im Werte von 3773 Millionen Francs steht die Ausfuhr mit 3855 Mllionen Francs gegenüber; es ergibt sich .also ein lleberschuß auf der postttven Seite der 'Handelsbilanz von rund 82 Millionen Francs. In der Januar-Oktober-Einfuhr zeigen die indu. striellen Rohstoffe eine enorme Zunahme; die Ausgabe für diesen Zweck betrug im Vorjahre 2286 Millionen, im laufenden Jahre 2446 Mill. Francs, hat also um rund 160 Mllionen Francs 'angenommen. Aber noch stärker war das Mehr der industtiellen Ausfuhr; es betrug bei einem Gesamtwerte von 2218 Mill. Francs fast 185 Millionen Francs. Das sind guantttattv und qualitativ so günstige Ergebnisse, daß der Handel ;be§ laufenden Jahres, wenn die beiden letzten .Monate dem Ottober auch nur annähernd gleichen, die französische Industrie und Volkswirtschaft für vieles entschädigen wird, was in den letzten Jahnen infolge anhaltender Arbeitsausstände an Verlusten und Nachteilen getragen werden mußte.
Großbritannien. Im englischen Unterhaus wurde unlängst von der Regierung ein Gesetz- entwarf eingebracht, welcher die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch Errichtung von eigenen Behörden,, die Arbeit nachzuweifen haben oder .selbst Arbeitslose beschäftigen können, zum Zweck (hat. Für jeden Londoner Verwaltungsbezirk ist je ein Lokalausschuß vorgesehen; an der Spitze , aller Lokalämter der Grafschaft London steht eine Zentralstelle, die aus Vertretern der Lokalämter 'Und aus Mtgliedern des Londoner Graffchasts- rates besteht. Die Lokalämter haben die Pflicht, sich über den Stand des Arbeitsmarktes in ihrem Bezirk stets auf dem Laufenden zu echallen und bei Inanspruchnahme durch ArbeftAose deren Ansuchen eingehend zu Prüfen; sie können ihnen Arbeitsgelegenheit nachweisen oder das Gesuch an die Zentralstelle überweisen. Die Zentralstelle hat die Aufgabe, die Lokalämter zu beaufsichtigen mrd sie in ihrer Dermittlungstätigkeit durch Ein- richtung von Arbeitsnachweisen, Stellenlisten rc. zu unterstützen und die ihr unterbreiteten Fälle zu untersuchen; sie hat das Recht, Arbeittuchenden bei der Auswanderung oder beim Wegzug behilf- sich zu fein, ihnen vorübergehend Beschäftigung '(und zwar in den landwirtschaftlichen Kolonien) zu verschaffen oder sie in die Lage zu versehen, regelinäßige Arbeit, oder sonsttge Eristenzmittel zu erhalten. Für die übrigen Grafschaften ist die Bildung der ht Siebe stehenden Aemter freigestellt. Alle diese Lokal- und Zenttalstellen unterstehen dem „Local Gouvernement". Die bereits be- stehenden Arbeiterfürsorgestellen können in die neue amtliche Organisation mitübernommen werden. Die Arbeitslosenunterstützung soll nur aus freiwilligen Geldspenden erfolgen; ans öffent sichen Mitteln werden nur Arbeitslosenkomitees und Arbeitsvermittlungsbureaus geschaffen, sowie Arbeitslosenkolonien auf dem Lande eingerichtet. Die Lohne der in diesen Kolonien beschäftigten Arbeiter und die Unterhaltung der Kolonien sollen aus freiwilligen Gaben bestritten werden.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel tst gemäß § 18 M Urheberrecht« nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Ztg." gestattri.s
Marburg, 25. November.
* An alle Gymnasiasten Tentschlands wendet sich die Prima des Kaiser Wilhelm-Gymnasiums in Hannover mit einem Aufruf zu einer Natten» spende aller Ghmnafiasten, die dem Kaiser am Tage seiner silbernen Hochzeit für die Deutsche Motte überreicht werden soll. Jeder Gymnasiast soll 50 Pfg. beisteuern.
* Die nächste Frldpast nach Afrika geht von Berlin wieder am 28. November ab. Sie benutzt den Reichspostdampfer „Königs, der am 25. November von HambuW in See geht. Der Dampfer legt auf seinem Wege nach Afrika in Antwerpen am 29. November an. Auf dem Landwege kann ihm deshalb eine Feldpost zuge» sühtt werden. Da sie über da» Ausland geht, I» beschränkt sie sich jebod) auf Briefsendungen, Feldpostbrief«, Feldpostkarten und Postan» sveisMgen. Berkin verläßt diese Post an jenem Lage 12.55 mittags auf dem Potsdamer Bahn- Hof. Feldpostsendungen, welche portofrei durch das Marinepostbureau in Bett« befördett perde« solle«, mflfft» also spätestens am Lage darher zur Pest gegeben weichen. In Swakop» Amid ist diese Feldpost am 19. Dezember. Mb mb Sell MMm «He etwoiae lu»
hörige, die in Swakopmund selbst oder an der Bahn nach Windhuk stehen, noch erreichen. Die ReichSpostdampfer pflegen im allgemeinen ihre Fahrpläne einzuhalten.
* BrzaPL ate Steuer». Manch einer denkt, daß e8 mit den Steuern noch keine Lile habe und wird von dem Mahnzettel überrascht. Deshalb die Mahnung, nicht bis zum letzten Augenblick zu warten.
* «ertrag. Wie au« dem Inseratenteil er- sichtlich, hält der kaiserliche Reichs Lehrer Merz, der lange Jahre in den deutschen Kolonien gewirkt hat, nächsten Montag abend im kath. Leseverein einen Vortrag über Kamerun. Derselbe dürste sehr intereffant werden, besonders da Herr Merz ein reichhaltige» AnschauungLmatettal mitbringen wird.
* Erledigte Schulstellen. An de« städtischen Elementarschulen in Schmalkalden ist von Ostern 1906 ab eine neu errichtete Lehrerstelle zu besetzen. — Die ev. Schul- und Küsierstelle zu Niddawitzhausen ist am 1. Januar 1906 zu besetzen. — Die Lehrerstelle in Velmeden ist neu zu besetzen. — An der evang. Volksschule in Rotterode ist die Lehrerstelle baldigst zu besetzen. — An dem städtischen Schulorganismus zu Ziegenhain ist infolge Ausscheidens be8 seitherigen Inhaber« die Stelle de« ersten Lehrers und Rektors zu besetzen. — Die ev. Schulstelle zu Grobenenglis ist alsbald zu besetzen.
§ Sangertaß. Am vergangenen Sonntag fand in Gießen ein Sängertag deS .Lahntal- Sängerbünde»' statt. Vertreten waren sämtliche 16 Vereine, darunter auch die beiden hiesigen zum Bund zählenden Gesangvereine .Liedertafel' und .Liederkranz'. Es wurde u. a. beschloflen, das Süngerieft 1906 Ende Juni oder Anfang Juli in Gießen abzuhalten und die Einzelchöre durch drei vom Vorstand zu wählende Preisrichter zu wetten. Das Honorar entrichtet die Bundeskaste. Als Organ des Bundes wird die in Gießen erscheinende .Musik- und Sänger-Zeitung für Mitteldeutschland' bestimmt. Dem Mitgliede Chttstoph Hahn der Gießener .Harmonie' wurde für 25jährige Mitgliedschaft im Bunde ein Diplom verlieben.
• Reklame aus der Außenseite vou Drucksachen. Um die Empfänger von Drucksachensen- düngen von vornherein besonders zu interessieren, wird neuerdings auf den Umschlägen oder den Streifbändern bisweilen ein Hinweis angebracht tote: „Wichtig. Betrifft......1" — „Nicht
in den Papierkorb!" — „Die angestrichenen Stellen besonders beachten!' — „Falls ohne In. tereffe, Annahme verweigern!" — „Die angestrichene Stelle wird Sie interessieren!" u. a. m. — Da derartige Vermerke — gkeichgilttg, ob sie gednickt, gestempelt oder geschrieben sind — die Eigenschaft einer brieflichen Mitteilung haben, fo können derarttge Sendungen zur Postbeförderung nicht zugelasfen werden. Nach einer neuerlichen Bestimmung der Postverwaltung sollen Druck- fachenfendungen mit solchen Vermerken auf den Umschlägen künftig den Absendern zurückgegeben werden.
§ Strafkammer. In der gestrigen Sitzung handelte es sich zunächst um einen recht umfangreichen Prozeß gegen den Steinbruchspächter Gabriel aus Gießen und feinem Obersteiger Kirchner aus Steden an der Lahn. Beide waren be« schuldigt, in dem ihnen unterstehenden Kalksteinbruch bei Bieber, die durch das Bergbaugefetz vorgeschriebenen Vorsichtsmaßregeln außer Acht gelassen zu haben, so daß es möglich war, daß der Arbeiter Ludwig Krauskopff aus Krumbach, durch überhängende Erbmassen, die plötzlich abstürzten, erschlagen werden konnte. Zu der Verhandlung waren etwa 12 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Der Steinbruchsbesitzer gab zu feiner Verteidigung an, daß er feit 1888 die damals ht sehr vernachlässigtem Zustande befindlichen Brüche übernommen habe. Trotzdem sich der Betrieb, wie der Angeklagte an der Hand von Ziffern nachwies, ganz enorm groben hätte, fei doch bis zu biefem beklagenswerten Unglücksfalle auch niemals etwas vorgekommen; ein Beweis, daß alle Sicherheitsmaßregeln zum Schutze der Arbeiter sehr genau beobachtet worden feien. Bei dem Augen- fcheinstermin war demgegenüber sestgeftellt worden, daß taffächlich Unterhöhlungen vorhanden waren und dadurch auch der Unglücksfall herbei- gefichtt wurde. Es kamen hierbei auch die betreffenden betriebspolizeilichen Vorschriften zur Verlefung und ferner wurde mitgeteilt, daß vorn Bergamt in Limburg dem Steinbruchsbesitzer au: Anfrage nicht gestattet worden war, eine Unterhöhlung ohne besondere Genehmigung vorzunehmen. Der Steinbruchsbesitzer meinte hierzu, baß ihm der Gewerbeiuspektor hier mündlich etwas entgegengjfommen sei. Der als Sachverständige vorgeladene Gewerbeiitspektor aus Wiesbaden totes bei feiner Vernehmung darauf hin, daß das Unglück durch Loslösung der Erdmasfen, vielleicht durch das Schießen bedingt, geschehen fei. Vorschrift fei, daß solche Steinbrüche terrassenförmig von oben herab abgebaut würben. Dies sei hier nun nicht ganz möglich gewesen, denn in dem vorliegenden Falle hätte man zunächst van unten abraumen müssen. Der Mitangeklagte Obersteiger Kirchner Maß sich den letzteren Ausführungen an; Um an den Felsen herankommen zu können, habe man zunächst den unteren Teil ab- noutnen müssen. Es fei dies eine Masse, die von einem früheren Bergsturz hergerührt und an der rechten Seite des Steinbruchs sich aufgetürmt hatte. Er hätte ja Heber nach links durchgebrochen, ober die Besitzerin des Steinbruchs, die Gemeinde Rodheim, habe verlangt, baß bie Steinbrüche einheitlich verbunden und ou5 diesem Grunde fei er nach rechts durchgebrochen. Btt seinem Ein- tritt in bett Betritt» im März 1904 sei betr Steinbruch nicht so ganz in Ordnung gewesen; den vorhandenen Abramn zu befettigen, ginge nicht so schnell. Er schilderte dann die Vorgänge an dem UnMickStage. ES feien 2 Bohrlöcher ge- macht worden und nach dem AdMehen fei er der erste gewesen, der an die Stell» Üngeglmsen sei.
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den, habe ganz absei« im Geröll« gesessen und wäre 20 Minuten spater erst herunter gefallen. Bei der Zeugenvernehmung meinte ein Arbeiter, daS Gerölle hätte vor dem Schießen mit einer Stange beseitigt werden müsse, dann wäre das Unglück jedenfalls nicht passiert. Er hätte das Geröll« bei dem nassen Wetter für gefährlich gehalten. Etwas zum Obersteiger zu sagen, hätte sich niemand getraut. Von anderer Seite wurde dieser Ansicht wieder entgegengetreten und das Gegenteil behauptet. Das Gericht kam schließlich zu der Ansicht, daß den beiden Angeklagten feine Schuld beizumessen sei und erkannte auf Frei- sprechung. — In der Abendsitzung verhandelte das Gericht gegen den 1876 in Ziano in Südtirol geborenen Eisenbahnarbeiter Georg Giaco- nuzi wegen Urkundenfälschung. Der junge Mann war bei dem Bahnbau Hersfeld—Treysa beschäftigt. Als ihm am 17. Oktober von seinem Vorarbeiter der Lohnzettel cmsgehändigt wurde, machte er aus 26% Arbeitsstunden 36% und er- schwindelte sich auf diese Weise einen Mehrver- dienst von etwa 3,50 Mark. Der Angeklagte, der seit dem 29. Oktober in Haft sitzt, wurde zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt, wovon 14 Tage durch die erlittene Untersuchunashaft als verbüßt erachtet wurden. — Am 11. März d. I. half der 20jährige Arbeiter Kaspar Konrad Ziegler aus Homberg dem Metzger Landau im Schlachthaus beim Wurstmachern Auch der Vater des jungen Mannes, ber Taglöhner Konrad Ziegler fand sich einmal ein und sah der Arbeit zu. In derselben Nacht wurde in dem Schlachthaus das Fenster erbrochen und von den dorttgen, Vorräten verschwanden 4 Zungenwürste, 2 Seiten Sveck und 3 Schinken. Der Verdacht des Diebstahls lenkte sich auf die beiden Ziegler, die jedoch leugneten und von nichts wissen wollten. Eine Haussuchung hatte keinen Erfolg; später sanden sich die gestohlenen Fleischwaren jedoch im Wasser wieder. Als Hauptbelastungsmoment diente ein Wachstuchsack, den man ebenfalls dabei gefunden und den man einstmals im Besitze des junaerr Ziegler gesehen hatte. In der gestrigen Verhandlung leugneten die beiden Angeklagten ganz entschieden und wollten von nichts wissen. Zwei Zeugen gegenüber, mit denen der junge Ziegler nach dem Diebstahl aus dem Steinbruch gekommen, hatte er jedoch auf den Schinken-Diebstahl bezügliche Redensarten fallen lassen. Er sagte z. B.: „Wenn der Landau wüßte, säß ich auch hinter Schloß und Riegel!" Von diesen Steuerungen .oollte Ziegler nichts toiste-n. Der Haus- besitzer, bei dem die Zieglers wohnen, hatte abends die Haustüre verschlossen und nichts gehört, daß jemand wieder aus dem Hause gegangen sei. Im Untersuchungsgefängnis dagegen hatte Ziegler einem Leidensgenossin mitgeteilt, daß er bie Wahrheit nicht sagen würde, er solle ja nichts betraten. Das Gericht erkannte schließlich gegen den jungen' Angeklagten auf 4 Monate Gefängnis und gegen seinen Vater auf Freisprechung. 2 Monate sind durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet.
* Durchschnittspreise. Wir entnehmen der amt
lichen Tabelle über die Marktpreise an den Garnisons- otten in dem Regierungsbezirk Kassel für den Monat Oktober 1905 folgende Ziffern:
Marburg,
Kastel, Fulda
Weizen
pro 100 xs
17,50
16,95
16,81
Roggen
16,00
15,95
15,88
Serste
16,50
15,46
15,25
Haier
16,17
16,17
15/6
Erbsen zum Kochen .
19,00
25,25
36,00
Speisebohnen
31,00
33,50
36,00
Linsen
29,00
51,50
54,00
Eßkattoffel«
5,00
5,49
4,00
Richtstroh
4,50
4,50
4,13
Krummstroh
8,75
—
8,13
Heu
6,00
6,05
5,75
Rindfleisch im
Großhandel
■
■
■
150,00
147,00
135,-
Desgl im Kleinhandel
a) v. d. Keule
pro 1 k?
1,56
1,65
1,48
b) vom Bauche
1,44
1,60
1,44
Schweinefleisch
1,80
1,75
1,65
Kalbfleisch
1,53
1,60
1,40
Hammelfleisch
1,58
1,55
1,45
Sveck (geräuch.)
1,80
1,65
2,20
Eßbutter
2,24
2,50
2,70
Eier
pro 60 Stück
5,14
5,48
5,70
* Viehseuche. Im Regierungsbezirk Cassel sind zur Zeit folgende Ortschaften verseucht: Schweineseuche (Schweinepest): Stadtkreis Caste!: Castel (Stadt.) Landkreis Caffel: Dörnhagen, Vollmarshausen, Weimar, Bettenhausen, Sandershausen, Waldau. Kreis Esch- wege: Echashof. Kreis Fritzlar: Gudensberg, Zwesten, Diffen, Neue Herberge, Gleichen. Kreis Fulda: Opperz. Kreis Gelnhausen: Lieblos. Kreis Hersseld: Hilperhausen. Kreis Hofgeismar: Immenhausen, Veckerhagen, Holzhaufen, Mariendorf, Trendelburg, Hofgeismar, Meim- bresten, Friedrichsthal, Langenthal, Ehrsten, Grebenstein. Kreis Hünfeld: Rudolphshan, Obermansbach. Kreis Melsungen: Beiseförth, Deute. Kreis Rotenburg: Hergeshausen, Hüden- thal, Hornel, Ersrode. Kreis Grafschaft Schaumburg: Rintttn. Kreis Schmalkalden: Steinbach-Hallenberg, Auwallenburg. Kreis Wolshagen: Rittergut Hohenborn, Domäne Rangen, Domäne Burghasungen. Tollwut: Krtts Eschwege: Wellingerode (Verdacht). Kreitz Fritzlar: Obervorschütz, Werkel. Kreis Wolf- Hagen: Ehlen. Geflügel cholera: Kreis Ziegenhain: Ziegenhain. Influenza der Pferde (Brustseuche): Kreis Fritzlar: Fritzlar. Kreis Hersfeld: Hersfeld. Rotz der Pferde: Kreis Hofgeismar: Kelze.
(§) Kirchham, 22. Nov. Der Gerichtsvollzieher Habermann von hier wurde an das Amtsgericht in Wiesbaden versetzt.
(§? «möncburg, 25. Noto Der Magistrat hat in der gestrigen Sitzung den Invalide« Karl Weber, der beim Jägerbataillo« zu Marburg gedient tat, »uni Polizeisergeanten ernannt. — Der Bureaugehilfe Nebel dahrer, der schon einige Jahre auf dem hiesigen Bürgermeisteramte tätig ist, soll nach Beschluß der städtischen Behörde vom 1. Januar 1906 ab die Stadt- schreiberstelle erhalten.
( .) Treysa, 24. Nov. Unter sehr starker Beteiligung fand heute dahier die Stadtverorbneten- Grgänzungswahl statt. In der 8. Klaffe wurden Maurermeister Konr. Menzler wieder- und Handel»- Mn Karl Httm MW «Wähler in der L RUsfit et»
folgte die Mieder» bezw. Neuwahl der Mehaermeister Heinrich May und Äeorg Hardt; die 1. Klaffe wählte die beiden ausgelosten seitherige» Stadtverordnete!» Gerichisfekretär Roux und Rentier Konrad Stumpf wieder.
Hessen-Nassau und Nachbargcbicte.
O iöauau, 24. Novbr. Dom hiesigen Krieger- Verein haben bei der letzten Stadtverordneten» Ergänzungswabl 7 Mitglieder die sozialdemokratischen Kandidaten gewählt. Drei davon haben ihren Austritt auS dem Verein treiwillig erklärt, die andere»' vier wurden ouSgefckiloffen. Bekanntlich wurde in einer Wäblervertammlung von einem Redner be-' bauto t 150 Mitglieger deS KriegervereinS hätten sozialdemokratisch gewählt Diese Zahl ist jetzt auf 7 geschrumpft.
SeltthaAse«, 23. Nov. Zum kommessarischen Krei ausjchußsekretär wurde der KreiSkommunal- kassenrendant Ferqer auS Westerburg ernannt.
Ba» Crb, 28. Nov. In Roßbach mußte die Schule wegen der unter den Kindern Herrscher den Masernepidemie geschloffen werden.
Bolkmarfea, 23. Nov. In unserem Nachbar» orte Breuna sind in vergangener Nacht zwei Häuser ein Raub der Flammen geworden. Don den Erntevorräten konnte nichts gerettet werden.
Vermischtes.
Der Kaiser als Raucher. Der Kaiser railcht gern, ohne jedoch dem Tabaksgenuß dermaßen zu huldigen, wie z. B. sein Oheim König Eduard von England, dem die Zigarre ein unaertrenn-, sicher Begleiter ist. Der Kaiser bevorzugt die Zigarette, die er von einer bekannten Berliner Fabrik bezieht und die dott auch jedem anderen Käufer zugänglich ist. Es ist die Marke „Salon", die aus mittelstarkem Tabak hergestellt totrb und den ziemlich hohen Preis von 15 Pfennig das Stück kostet, der sich aber durch das für ,3t- garetten ungewöhnlich große Format erklärt. Namentlich im Manöver, aber auch in Berlin auf seinen Spazierritten im Tiergarten kann man den Kaiser oft mit der Zigarette im Mundwinkel sehen. Vor einigen Jahren passierte es einmal, daß der Kaiser das Mundstück seiner zu Ende ge- rauchten Zigarette gerade vor dem Casi Bauer fortwarf, einer sirer Junge es auflangte und den Gässin des Caf^s zum Kauf anbot. Richtig fand sich ein Engländer, der es für 20 Mark, erstand. Des Kaisers gewöhnliche Zigarrensorte ist die leichte Holländer, die unter Brüdern nicht mehr als zehn Pfennig wert ist und wohl zu bett nikotinfreiesten ihrer Gattung gehört. Bei den Hoffestsichkeiten fehlt es natürlich auch nicht ast den besten kostspieligsten Importen. Unter diesen ist eine besonders edler Art, die nur für den Kaiser aus der besten kubanischen Ernteprodick- tion fabriziert wird und deren Herstellungspreis daher ziemlich hoch ist, von der er selbst aber nur noch wenig Gebrauch macht. Zur Jagd zieht der Kaiser der Zigarre und Zigarette die Pfeife vor. Des Kaisers Pfeife unterliegt der Obhut eines Dieners der dafür verantwortlich ist,, daß sie in feinem Jagdgepäck niemals fehlt. Sie ist nach den eigenen Angaben des Kaisers von einem Berliner Drechsler angefertigt worden. Ihr Rohr besteht aus Weichsel, das Mundstück aus Horn. Der Kopf ist ans Meerschaum gearbeitet und mit feinem Korbgeflecht überzogen. Auf der Mitte des Kopfes bemerkt man einen balzenden Auerhahn aus Silber, auf Zweigen sitzend. Dieser Auerhahn ist ein eigenartiges kleines Kunstwerk. Im Magen des lebenden Auerhahns nämlich finden sich öfter kleine Kieselsteine, bie mit der Aesung verschluckt wurden und durch die Magensäure einen eigenartigen Schliff erhalten. Eine größere Anzahl solcher Steinchen ist zur Bildung des Kopses und der Flügel des Auerhahns verwandt worden. Der Abguß der Pfeife besteht wie das Mundstück aus Hom und zeigt ein aus Anerhahnstoinen zusammengesetztes W. Der Kaiser bevorzugt übrigens einen leichten Blättertabak, ber durch Zusatz von einigen Weich- f’Iblöttern ein feines Aroma entwickelt.
Eine eigenartige Fuchsjagd. Unter besonderen Umständen wurde dieser Tage auf ber Chaussee von Güstrow nach Sternberg ein Fuchs erlegt; Gutsbesitzer S. aus R. kehrte nachts mit Fuhrwerk aus Güstrow zurück und fuhr ziemlich schnell; Plötzlich scheuten und stoppten bie, Pferde. Infolge des Beharrungsvermögens flog S. vornüber und wäre zwischen die Pferde gefallen, wenn es ihm nicht im letzten Augenblick gelungen wäre, sich am Wagen festzuhalten, doch hatte ev sich sein neues Beinkleid auf den Knieen durchgefallen. Als S. nun der Ursache des Scheuens der Pferde nachforschte, fand er unter den Pferden einen Fuchs, der sich in einem Eisen ge. fangen hatte, das an einem Anker beteiligt war. Der Anker saß an der Chausfeeböschnng fest; der Fuchs konnte deshalb nicht weiter, war unter; dies Pferde geraten und hatte in feiner Angst eine^ der Pferde gebissen. S. wollte nun den Fuch-^ mit dem Peitschenstiel totschlagen, doch der Fuchst biß den Peiffchenstiel durch. Da ein anderes Schlaginstrument nicht zur Stelle war, nahm <s, die leicht zu lösende Wagendeichsel heraus und tötete damit den Fuchs, zersplitterte aber babei das eine Ende der Deichsel. Zwar hielt sie noch bis zur Heimkebr. doch mußte sie dann durch einq neue ersetzt werden. Somit gestattete sich dies» eigenartige Fuchsjagd recht kostsvielig, denn dis Kostenrechnung stellt sich wie folgt: Eine Peitsche 5 Mark, eine Wagendeichsel 7 Mark, dazu ent zerissenes Beinkleid und ein gebissenes Pterd!
Auch eine Vcrwandtschast. Bei einer Schoß fengerichtssitzung in einem Odenwälder Amtsge, richtsstädtchen wurde ein Bauer aus einem Ge< birasdörschen als Zeuge vernommen. Auf dsi übliche Frage des Vorsitzenden, ob er nut den, Angeschuldigten verwandt ober verschwägert setz erklärte der Landmann: „Ei freilich! D eß wisst jo alle Leit, daß ich mit dem feiner erschte Fraa^ wie er noch lerrich (ledig) war, e paar Woche Bekanntschaft gehatt hob!" „
Automobil-Unfälle. Durch Automobile jnftt nach einer Zusammenstellung, die ober aus Voll.' ständigkett keinen Anspruch erheben dürfte, i« Deutschland im Monat September 15 Per iE» getötet und 34 schwer verletzt worden.