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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Allustrirtes Sonntagsblatt. -

m 97«> ®ierte cßoi Postämtern 2,25 Ml. <ejcU BeMgeld). 8 Marburg Erscheint wöchentlich kleben mal.

M 273 Sonntag 19. November 1905. "* «Ä4* -SST* 40,3e6r1'

Zweites Blatt.

Neueste Telegramme.

Berit«, 18. Nov. (W. B.) Der Bundes­rat nahm am Mittwoch die Marine-Bor« läge für 1906 an. Die Vorlage zerfällt in zwei Teile, in die Novelle zum Flottenqefetz und die Denkschrift zum Marine Etat für 1906. Der einzige Paragraph der Novelle lautet: Der in Paragraph 1 des Gesetzes betreffend die deutsche Flotte vom 14. Juni 1900 festgesetzte Schiffsbestand wird vermehrt: 1) bei der Auslandsflotte um fünf große Kreuzer, 2) bei der Materialreserve tim einen großen Kreuzer.

München, 18. Nov. Die Beisetzung des Großherzogs von Luxemburg erfolgt in aller Stille. Gestern abend reifte ein hiesiger Uni- versitätLprofeffor nach Schloß Hohenburg, um die Leiche emzubalsamieren. Am Sterbebett waren die Großherzogin von Luxemburg, der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Baden. Gestern abend suhlte sich der Groß­herzog noch ziemlich wohl. Er ließ sich auf einem Rollstuhl im Schloßrayon spazieren fahren Und rauchte eine Zigarre. Die Nacht wurde jedoch unruhig. Es traten Schwä.pezustände tin, von denen er sich nicht mehr erholte.

Wie«, 18. Nov. Die Vereinigung der für die Ftottendemvi'stration bestimmten Schiffe wird am 22. November im Piräu« stattfinden. Won dort wird sich das gesamte Geschwader zur Ausführung der Demonstration zunächst nach Mhtilene begeben.

Chriftiania, 18. Nov. Der Einzug des neuen Königs Karl V. ist auf den 25. Novbr. festgesetzt.

Konstantinopel, 17. Nov. (Men. Korr.- Bur.) Die von allen sechs Botschaftern der Mächte unterzeichnete Kollektivnote betreffend die mazedonische Finanzkontrolle wurde von dem Botschafter Frhrn. v. Calice als Doyen des diplomatischen Korps, der Pforte überreicht. Eine bestimmte Frist für die Annahme der Forderungen wurde nicht gesetzt. ES wird nur verlangt, daß sie ohne Zögern erfolgt. Sofort nach der Ueberreichung der Note fand im Jildis fine Beratung statt; heute wurde ein außer­ordentlicher Ministerrat abgehalten. Die Pforte erhielt in den letzten Tagen von ihren sämt­lichen Botschaftern abermals Berichte, daß die Flottendemonstration beschloffene Sache sei und daß auch Deutschland damit einverstanden fei.

Kapstadt, 17. Nov. Der Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, v. Lindequist, ist heute nach Swakopmund abgereist.

Beiträge zur Chronik von Marburg.

Von L. Müller.

ich (Fortsetzung.),

! Am 1. März nachmittags um 2 Uhr brachten tmgefähr 800 Studenten dem derzeitigen Rektor der Universität Prof. Dr. Korschell eine imposante Ovation. Von der Ketzerbach aus zogen die Stu­denten. alle Korporationen durcheinander ge­mengt die ganze Straßenbreite einnehmend, die Roserstraße hinauf nach der Wohnung des Rek­tors. Stud. Weiß hielt eine Ansprache und dankte, daß der Rektor bei der Wahrung der aka­demischen Freiheit den Studenten hur Seite ge- standen; der Rektor entgegnete mit dankenden Worten.

, M a r b u r g, 8. März. Mit dem Wegzug der Studenten behagte es auch dem vielgenamften Korpsbären der Studenten nicht mehr in unserer Musenstadr, und so folgte er heute willig einem Rufe nach Frankfurt a. M. in den dortigen Zoo- logischen Garten. Wie sein ganzeZ Leben und Wirken in Marburg, so gestaltete sich auch sein Abschied sehr würdevoll. Extrablätter, die sein Scheiden ankündeten, -hatten dafür gesorgt, daß Marburgs Straßen mit Menschenmassen dicht be. setzt waren, die ihm auch das Geleit zum Bahnhof Säben. Etwa zehn Teutonen, die noch hier weilen, veranstalteten zunächst den üblichen ulkhaften Umzug, der mit zwei Vorreitern mit den Bären, tonen und einem Musikkorps eröffnet wurde. Aus einem großen Leiterwagen befand sich unter :bem Baldachin der Bär inmitten von vier Stu­denten, die auf Bierfässern saßen und vorn saß ?tZr Transportkiste ein Angestellter des Zoo­logischen Gartens. So gmg's durch die ganze Stadt, wobei natürlich die nötigen Ovationen am 'Burenbrunnen usw. nicht fehlten. Am Bahnhof «stand die Menschenmenge Kopf an Kopf, als der Zug den Bären entführte.

Zur Lage ia Rußland.

Petersburg, 17. Nov. Wie aus sonst put unterrichteten Kreisen verlautet, wird die Ernennung des Großfürsten Nikolai Nikolaje­witsch zum Diktator ernstlich erwogen.

Petersburg, 17. Nov. Der Telephon­betrieb wurde heute mittag eingestellt. Die Telegraphen-Beamten verhandeln noch über den Anschluß an den AuSstand. Von den Bahnen sind noch die finländische und die kurze Strecke nach Zarskoje Sselo in Betrieb. Die Bäcker wollen Sonntag in den AuSstand treten. DaS Streikkomitee beschloß in einer Nachtsihung, im Ausstande zu verharren, bis eine auf der Grundlage des allgemeinen direkten Wahlrechte? gewählte demokratische Negierung an die Spitze tritt. Auf die Sympathie Wittes verzichteten die Arbeiter.

Petersburg, 17. Nov. (Peiersb. Tel.- Agent.) In der gestrigen Versammlung der Vertreter aller Industriezweige zur Beratung über die von den Arbeitern geforderte Ein­führung des Achtstundentages erklärten die Mit­glieder der Textilgruppe für möglich, den Ar beitstag auf zehn Stunden herabzusetzen. Auch die Vertreter der Lederindustrie hielten eine Verkürzung der Arbeitszeit um l1/» Stunden für durchführbar. Die mechanischen, die Tabak- und holzbearbeitenden Fabriken hielten es für unmöglich, Zugeständnisse zu machen, weil die allgemeine Lage der . ndustrie das verbiete. Einige Industriezweige setzen die Verhandlungen noch fort. Wenn die Arbeiter Montag die Ar­beit nicht ausnehmen, sind die Fabrikanten entschloffen, die Arbeiter zu entlasten und die Fabriken zu schließen.

Petersburg, 17. Nov. Die PeterSb. Tel.-Ng. teilt mit: DerKuryer WarSzawski" brachte die Melduna, die deutsche Diplomatie habe der russischen Regierung den Rat erteilt, gegen die Palen strenge Maßnahmen zu er­greifen. Wir können die Meldung als völlig grundlos bezeichnen. Ebenso grundlos ist die Meldung derPeterburgskaja Gascta", die europäischen Mächte hätten an die russische Re­gierung eine gemeinsame Note über die Juden­verfolgung in Rußland gerichtet mit dem Hin­weis auf die Möglichkeit einer Einmischung ihrerseits.

Petersburg, 17. Nov. (Pe'erSb. Tel.- Agent.) Das Kronstadter Blattßotlin" be­zeichnet die Gerüchte über große Unruhen im Libauer Hafen als falsch. Dasselbe Blatt meldet, die Voruntersuchung der Meuterei in Kronstadt werde mindestens zwei Wochen in Anspruch nehmen. Bisher sei keiner der Ver­hafteten als Angeklagter zur Verantwortung gezogen worden.

Hiermit hatte der Bären-Ulk sein Ende erreicht.

Die Ausgaben für die Oberrealschule pro 1905 betrugen 87 950 Mark. Für Kanalanlagen in den anzulegenden Straßen im Südviertel sind 87 000 Mark vorgesehen. Die Verträge über den Ankauf dieser Straßen wurden am 9. März ge­nehmigt. Marburg hat jetzt 1479 Wohnhäuser. Von der Schutzenpfuhlbrücke nach dem Südbahn­hof wurde ein Trottoir angelegt, die Kosten be­trugen 1400 Mark. Der offene Ketzerbach an der Firmaneistraße zu überwölben kostete 4400 Mark. Da die Arbeiter: bereits ausgeführt waren, ohne den Kostenpunkt genehmigt zu haben, mußten die Kosten uachverwilligt werden. Das Elektrizitätswerk soll 350 000 Mark kosten, inkl. dem Ankauf der Mühle 470 000 Mark. Zur Er- mnerung an den 1809 am 18. Juli erschossenen Oberst Emmerich wurde an seiner Wohnung in der Barfüßerstraße eine Gedenktafel angebracht. Im Cappler Feld bei der Landesheilanstalt wer­den zwei weitere Krankenhäuser erbaut, für welche 200 000 Mark verwillicft sind. Von An- fang Februar bis zum 15. März war schlechtes Wetter, teilweise Regen und Schneegestöber; am 12. März hatten wir Hochwasser.

Von der eingestellten Bausumme von 360 000 Mark für die Volksschule wurden die Ausgaben vorerst auf 240 000 Mark reduziert. Der Damm, weg bei der Oberrealschule wird chauffiert und mit Bäumen bepflanzt. Für den Ausbau und die Eindämmung der Straßen im Afföller werden 100 000 Mark bewilligt. Im Monat März hatten wir mit Ausnahme einiger Tage Regenwetter. Am 26. März wurde die Anlage eines Elektrizi­tätswerkes in der Herrenmühle genehmigt. Bei der Genehmigung tvaren, wie ein Stadtverord­neter sagte, die Turbinen und Gasmotors bereits vergeben. Am 4. April fand die landespolizei­liche Abnahme der Kreisbahn statt. Eiir Sonder­zug fuhr nach Ebsdorf. Das Progranrm war folgendes: Abfahrt der Festteilnehmer nach Ebs-

Petersburg, 17. Nov. (Pet. Tel.-Ag.). Heute fand hier die erste bim 600 Mitgliedern besuchte Versammlung der neuen politischen Vereiniaung unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, des Stadtrates von Petersburg, Krastowsky, statt. Unter Bezugnahme aus das Manifest vom 30. Oktober beschloß die Versammlung die Regierung zu unterstützen, sprach ihre Miß­billigung über den gegenwärtigen AuSstand aus und erließ einen Aufruf an die Arbeiter.

Lodz, 17. Novbr. Im Lau e deS heutigen Tages haben die Lodzer Fabrik Bahnen und die Krlischer Bahn den Betrieb wieder ausge­nommen. Auch ein Teil der Arbeiter hat in einigen Fabriken wieder zu arbeiten begonnen. Zur Verstärkung der hiesigen Garnison ist heute eine Schwadron des Garde-Ulanen - Regiments aus Warschau eingetrvffen, weitere Truppen sollen folgen. Viele Fabrikbesitzer find nach dem Auslande gereist und haben beschloffen, den Arbeitern nichts mehr für die Dauer deS Ausstandes auszuzahlen. Die Stimmung in der Stadt ist erregt. In den hiefigen Lehran­stalten ist von der Behörde bekannt gemacht worden, daß bei weiteren Kundgebungen der Betrieb eingestellt wird.

In Warschau ist der Straßenverkauf polnischer Zeitungen verboten worden. Diele Verhaftungen wurden vorgenommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Nov.

Seine Majestät der Kaiser verließ, wie ou8 Donaueschingen noch gemeldet wird, gestern Freitag Nachmittag 5 Uhr nach herzlicher Verabschiedung vom Für a en und der Fürstin von Fürstenberg das Schloß und fuhr nach Baden-Baden, wo rr atends, kurz nach ö Uhr, eintras und am Bahnhof vom Großherzog und dem Prinzen Max ewpsaagen wurde.

Wie schon gestern telegraphisch kurz gemeldet wurde, ist Großherzog Adolf von Luxemburg, der frühere Herzog von Nassau, auf Schloß Hohenburg gestern Vormittag 11 Uhr gestorben. Nach den lehleu Krankheitsberichten kam die Tooesnachrichl nicht unerwartet. Krvßherzog Adolf bat ein Ali er von 88 Jahren erreicht und war somit der älteste Fürst. Herzog Adolf, geboren 1817, folgte 1839 seinem Vater in der Regierung des Herzogtums Nassau. Die Ereignisse von 1866 nahmen ihm den Thron, doch ge­langte er infolge des Ablebens Königs u ilhelm lll. der Niederlande zur Regierung in Luxemburg. Die Nordd. Allg. Ztg * widmet dem verstorbenen Groß. Herzog einen Nachruf, m dem es u. a. heißt: .Der nun Verew'gte hat nach den Ereignissen von 1866, die zur Vereinigung des Herzogtums Nassau mit der preußischen Monarchie führten in loyaler Weise die ueuaeschaffene politische Lage anerkannt und schon vor dem veimsall des luxemburgischen Thrones die völlige Aussöhnung mit unserem Kaiserhause angebahnt, bie durch seine Zusammenkunft mit dem Kaiser vor letzt 17 Jahren besiegelt wurde. So wird man nicht nur im Stammlande des Eroßber-ogs Adolf, sondern in anz Deutschland sein Hinscheiden ausricktig be­klagen, als den eines besonnenen, leutseligen Regenten eines mit Deutschland in Freundschaft verbundenen Nachbarstaates Nachfolger ist Großherzog Wilhelm,

dorf um 12.30 vom Südbahnhof, 2.30 Festessen im Mus-um, Schluß um 5 Uhr. Der Ober- unb Regierungspräsident kamen mit Gefolge mittelst Extrazugs, 2 Waggons, von Cassel hier an und nahmen an der Feier teil.

Der Etat be§ Kreishaushaltes beträgt in Einnahmen und Ausgaben 1 018 398 Mark. In dieser Summe sind 800 000 Mark Baugelder für die Kreisbahn. 4000 Mark wurden für die Vor­arbeiten zum Weiterbau bereit gestellt. Vorerst muß der Kreis 20 000 Mark pro Jahr zuschießen. Der April fängt mit Regenwetter an. , 3. April Sturm und Hochwasser. 6. und 7. April 2 Grad Kälte und Schneefall, der 15 em hoch liegt und bis zum 9. April liegen blieb. Mit den Arbeiten zum Umbau der Herrenmühle und an der neuen Volkssclptle wurde begonnen. Am 20. April wurden die Zimmer- und Maurerarbeiten für das Elektrizitätswerk ausgeschrieben. Die Stadt kaufte den Runkelschen Garten am Breiten Weg für 9450 Mark von H. Klee's Erben. Die städtische Scheuer an der Schulstraße wurde im Tausch gegen eine Wiese und Aufgeld von 2484 Mark an Fuhrmann Hesse verkauft. Die Wit- terung im April war sehr schlecht, cs ist ein spätes Frühjahr.

Am 30. April wurden konfirmiert: in der lutherischen Kirche 54 Mädchen und 65 Knaben, in der Elisabeth-Gemeinde 42 Mädchen und 35 Knaben, in der reformierten Kirche 32 Mädchen und 42 Knaben und in der katholischen Kirche 12 Mädchen und 8 Knaben. Am ersten Ostertag fanden 13 Trauungen statt.

Der akademische Senat der Universität zu Marburg sandte am 29. April, gleich wie Göt­tingen, eine Eingabe an den preußischen Kultus­minister gegen dessen Erlaß vom 16. März d. I. betr. der Bildung von Studentenausschüssen, worinnen die Universität die für die Studierenden vom 29. März 1879 garantierten Rechtsverhält­nisse geltend machte. u.__, . I

der Sohn des Verstorbenen, der bereits feit 1902 für feinen greisen Vater die Regentschaft führte. Prinzessin Hilda, die einzige Tochter, ist bekanntlich mit de» Erbgroßherzog von Baden vermählt.

In der vorgestrigen Bundesra tSsihuns wurden außer der schon gemeldeten Novelle zum Ge­setz betr. die deutsche Flotte angenommen die Ent­würfe eines Gesetzes wegen Uebernahrne einer Garantie des Reiches in Bezug auf die Eisenbahn von Dual» nach den Manenguabergen, eines Gesetzes betreffend die Pensionierung der Offiziere einschließlich de» Sanitätsoffiziere und eines Gesetzes betreffend bie Versorgung von Personen bet Unterklassen bei Reichsheeres, der Marine und der Schutztruppe. De» Entwürfen des Etats für das ReichSmililtärgerichh über den allgemeinen Pensionsfonds und über de» Rsichsinvalidenfands, für das Schutzgebiet Kiautscho» und die Marineverwaltung wurde die Zustimmung , erteilt. |

Die Begründung der neuen Flotten«^ Verstärkung verweist auf die schon früber ' gestellte Mehrforderung der Regierung für Aul­landsschiffe. Die damaligen Gründe bleiben b» stehen. Als weiterer Grund tritt die Notwendig, feit hinzu, im Kriege außerhalb des Rahmenl der Schlachtflotte wenigstens noch ein Geschwader leistungsfähiger Panzerkreuzer zur Verfügung ' zu haben. Jährlich soll ein Kreuzer angeforderk werden. Die Kosten pro Kreuzer betragen etwa 27 Millionen Mark. Die Gesamtkosten von 166 Millionen verteilen sich auf die Jahre 1906 bil 1915. Der Mehrbedarf an Personal, den die Novelle fordert, beträgt 126 Seeoffiziere, 40 Marine-Ingenieure, 16 Sanitätsoffiziere, 8 Zahlmeister, 5643 Unteroffiziere und Mann­schaften. Die durch die Vermehrung des Schiffs, bestandes berbciaeführte Steigerung der fort- dauernden Ausgaben wird auf 20 Millionen ge­schätzt.

Aus dem Etat für 1906 ist hervorzuhaben: di» bisher vorgesehenen 16 Torpedoboots- Divisionen sollen auf 24 vermehrt wer- den. Daher werden jährlich nicht 1, sondern 9 Divisionen gefordert. Für die Erprobung bei Unterseeboote werden 5 Millionen iabr- lich angesetzt. Die GrößenabMessung der Schiffe und der Torpedoboote müssen nach den Erfahrungen des japanischen Krieges gesteigert werden. Es enfftehen daher für die Schiffe Mehrkosten gegen die früheren Anschläge. Ein Linienschiff kostet 36 Millionen, früher 25 Millionen. Der auf Grund des FloitengesetzeS und der Novelle aiff<-eftellte Schirssbanvlan sieht an Neubauten für 19061912 jährlich 3 groß» Schiffe, 2 kleine Kreuzer, 2 Torpedoboolsdivisto- uen, für 19131917 nur 2 große Schiffe und das übrige vor. Die durcbscbnittlichc Gesamte Jahvesvermehrung an Personal beträgt 2340. Die fortdauernden Ausgaben steigen infolge bet vermehrten Jndiensthaltung van AuSlandskreu- gern, Torpedobooten und infolge der höheren Be­triebskosten der größeren Schiffe jährlich um 8 Millionen. Der Marine-Etat steigt von 233 Millionen im Jahre 1905 auf 328 Millionen im Jahre 1917.

Am 1. Mai sand die seit Jahrzehnten in Mar- bürg übliche Maifeier seitens der Studenten statt. In altgewohnter Weise ertoienen nachts mit dem Glockenschlag 12 Uhr das Korps Hafso-Naffovia auf dem Marktsplah, wo sie mit gefülltem GlaS und einer brennenden Kerze unter Musikbeglei- hing das Lied:Der Mai ist gekommen" an* stimmten. Sämtliche Vereinshäuser der Stu- deuten und die umliegenden Berge erstrahlten in Hellem Lichterglanz.

Am 6. Mai blühen die Zivetschen- und Birn> bäume. Am 9. Mai fand in Marburg eine aka. demischs Feier zum 100jährigen Todestag Fr. Schillers in der Aula statt. Dr. Viktor Schmidt, Justizrat dahier, ein achtundvierziger Turner, starb am 6. Mai, 79 Jahre alt. Ein studentischer Zug seltsamer Art bewegte sich am 8. Mai durch die Straßen Marburgs. Es war ein Karzev- komitat. Eine farbentragende Korporation, voran der Couleurdiener, transvoriierte einen zn Karzer verurteilten schweren Verbrecher. Unter Bedeckung zweier unheimlicher Gesetzeswächter folgte eine Sänfte, in der der Deliquent mit rasiertem Schädel und blauer Sträflingskleidung die Huldigungen der Menge cntgegennahm. Bett­zeug, Kleider, Micher, Pfeife und TabaksbeutÄ reihten sich an. Ein würdiges Männerquartett in Gala, das sich vor dem Universitätsgebäude aufstellte, gab dem Verbrecher die letzte Ehre unb ein Nachtwächter am Schluß des Zuges wirkte ebenso mit seiner Hellebarde, Tuthorn und La­terne als durch seine außerordentlich passend« Physiognomie zmn ganzen Aufzug. ®oc,, Universität am Lahntor ließ das Ouarteft tue feierlichen Klänge vonInteger vitae" dahin­fluten, eine schmetternde Rede feierte der» Karzerpinken", der mit träncnersückter Stimme, aber hoch getröstet, ans des Karzers Höhen von« rosigen Lichte Abschied nahm. J

(Fortsetzung soto-)^