Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kneife Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

271

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt oti ExxÄitim 2 bet allen Postämtern 2,25 M. kejcL Bestellgeld).

Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder verrn Raum 10 Pfg.

Reclamcn: die Zeile 25 Psg.

Marburg

Freitag. 17. November 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck unb Verlag- Joh. Kug. Koch, UmverfttLtS-Buchdruckerei 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Neueste Telegramme.

Berlin, 16. Nov. An die Spitz» des neuen Kolonialamts wird der Erbprinz Ernst von Hohenlohe-Langenburg berufen. Der bisherige Direktor Stübel erhält einen Gesaudi- schaftsposten. (Wie schon am Montag ein Privattelegramm derFrkf. Ztg/ ou8 Tientsin meldete, soll Stübel als Gesandter für Peking bestimmt sein.)

Berlin, 16. Nov. Die deutsche Regierung schloß sich allen Maßnahmen an, die von den Mächten ergriffen wurden, um von der Plorte die Annahme der Finanzagenten und ihres Pro grammes zu erlangen. Die deutsche Regierung wird jedoch kein Kriegsschiff zu den Flotten­kundgebungen entsenden können, da sich kein deutsches Kriegsschiff dort befindet.

Berlin, 15. Nov. Ein Telegramm auk Windhuk meldet: Am 7. November bei dem Wasserfall bei GamkobiS gefallen: Unteroffizier Julius Nefch, geb. zu Vollmaringen, Reiter Henry Griebel, geb. zu Ottensen; am 11. No­vember bei HoagonsgeiS verwundet: Reiter Heinrich Swade, geb. zu Hoetensleben, schwer, Schulterschuß. Am 11. November an Tyvhub gestorben: Gefreiter Paul Zeise, geb. zu Kosten­blut, Kubub, Reiter Paul Henke, geb. zu Aschers­leben, im Lazarett Keetmannßhoop, Reiter Hermann Kuerschner, geb. zu Spremberg, im Lazarett KeetmannShoop.

Breslau, 16. Novbr. DieBreslauer Morgenztg." meldet: Die Ernennung des Ober- landesgerichtspräfidenten Beseler zum Justiz- minister ist Montag erfolgt. Eine Bestätigung dieser Meldung war bisher nicht zu er­langen.

Eisenach, 16. Nov. Eine Konferenz vor. Vertretern der Deutschen Staatsbahnverwab tungen findet vom 13. bis zum 18. d. M. hier statt. An den Verhandlungen, denen der zwei­gleisige Ausbau der eingleisigen Linien zugrunde liegen soll, nehmen nach derDoff. Ztg.' außer dem Geh. Oberbaurate v. Misani - Berlin je zwei preußische und baierische und je eir säch­sischer und württembergischei Vertreter teil.

Schloss tzoheubnrg, 15. Nrw Bei dem Großherzog Adolf von Luxemburg traten gestern erneute Schwächeanfälle ein. Die Nacht war sehr unruhig. Heute vormittag war eine leichte Besserung bemerkbar.

Christiauia, 15. Nov. man au- nimmt, wird die Deputation des Storthing an den Prinzen Karl von Dänemark am Freitag oder Samstag entweder auf dem Kreuzer Hejmdal" oder auf dem PanzerschiffeNorge' nach Kopenhagen abfahren. Auf der Tages­ordnung des Storthings steht morgen die Apa­nagefrage, am Freitag die Regierungsvorlage betreffend die Königswahl.

27

'Farbdruck verboten.)

Pflicht und Liebe.

Röman von C. Wit».

GvorliefeunQ;)

. .Dam>. muß ich Tonnbergs Einführung hier -nF 'daust noch um einige Tage verschieben," hatte Gerhard, ruhig erwidert.

Jo, ich bitte darum," erwiderte sie, und, durch Gerhards Ruhe gereizt, fügte sie hastig hinzu: -,Er kann mir ja schreiben, so oft er will.'"

Das rvirü ihn wenig entschädigen," gab Ger­hard kühl zur Antwort,er brennt vor Unge- duld, Sie als seine Braut begrüßen zu können. kein^W^ sich ai,f die Lippen; aber sie sagte Tage später zeigte Viola ihm an, daß sie bereit Rt, ^onnberg zu empfangen, tmd als der ittng? Mann kam, trat sie ihm mit freund- ltcher Liebenswürdigkeit entgegen.

Tonnberg ergriff leidenschaftlich ihre Bände s-.e^er immer und immer wieder küßte, bis sie ihm oietelben nach einem verstohlenen Blick auf Ger­hard entzog.

Von nun an kam Tonnbmg täglich; sein« ge- -mwcrdige, einschineichelnde Art hatte ihm bald vcw Wohlwollen der Präsidentin gewonnen, die »yn von früher her nur flüchttg gekannt, und , *a wnd sich bald in die Rolle der veraötter- ren, angebettten Braut.

Schönheit erregte überall Aufsehen, wo und wenn sie ihr Glück in der Bs- ^eL ^olt suchen wollte, so konnte sie vollkommen zufrieden fein.

.r ^stb drei Wochen in der Residenz;

u1 geschrieben, daß Viola für e Zett noch bei der Präsidentin bleiben t'vE' und er daher allein heimkehre.

Die Ursachen des Hereroanfstandes.

Im Verlage des bekannten Kolonialpolitikers Dr. E. Th. Förster ist unter dem TitelKri-g und Frieden im Hererolande" eine Darstellung des sudwestafrikanischen Aufstandes aus der Fe­der von Konrad Rust erschienen, der zu diese- Arbeit ganz besonders berufen war. Er ist ein alte: Kapsarmer und schon durch die Herausgabe derSüdwestafrikanischen Zeitung" bestens be­kannt. Zu der vorliegenden Arbeit ist er amtlich ermutigt worden und hat bei der Schilderung der militärischen Operationen das gesamte amt- liche Material benutzen können. Schon dies giebt dem Btiche einen Wert, der auch dann noch dauern wird, wenn einmal nach Beendigung des Auf­standes vom Generalstabe eine amtliche Dar­stellung herausgegeben sein wird. Nicht minder wichtig aber ist der erste Teil des Buches, der den Ausbruch des Ausstandes und seine Ursachen schildert. Der Verfasser hat fast alle in Betracht kommenden Persönlichkeiten mündlich über die ersten Ereignisse vernommen und bringt eine große Menge von Einzelheiten, die bisher in den Akten vergraben lagen und für die Beur­teilung des Aufstandes von geradezu entscheiden­dem Werte sind. Gegenüber dieser Smnme von Zeugnissen werden alle jene Stimmen schweigen müssen, die, um sich in der Enttchädigungsfrage beguemerweise ihren Verpflichtungen und den Mahnungen des bösen Gewissens zu entziehen, den Ansiedlern die Schuld an dem Aufstande in die Schuhe schieben wollten. Dies Märchen wird sich gegenüber Rust's Darlegungen um so we­niger aufrecht erhalten lassen, als er äußerst ge- wissenhaft die Tatsachen hinstellt und für sich selbst sprechen läßt, ohne auch nur dem versteck­ten Wunsche zu folgen, darzulegen, ob seitens der Teustchen den Herero gegenüber recht oder unrecht gehandelt ist. Die Ursachen des Herero» aufstandes liegen weniger klar zu Tage als die von Witbois Erhebung. Der Aufstand der Hot­tentotten ist zweifellos einem plötzlichen Ent­schlüsse Hendrik Witbois entsprungen. Dieser er- klärt sich doch aus dessen Besorgnissen vor der ihm drohenden Entwaffnung, deren im Truppen- kommando von Major Lequis ausgearbeiteter Entwurf ihm bekannt geworden war. Entgegen der allgemeinen Annahme weist Rust aber klar nach, daß auch der Hereroaufftand keineswegs von langer Hand vorbereitet war, sondern erst geplant wurde, als das Land von Trupven entblößt wurde. Dies findet einen starken Beweisgrund in der Tatsache, daß noch Ende 1903 der Englän­der Hewitt eine Truppe von 250 Hereros in die südafrikanischen Minen führte und in Swa- kopmund 600 Arbetter am Bau der Ottativbahn angestellt waren. Alle diese kriegsfähigen Leute würden ihr Volk doch nicht verlassen haben, wenn dieses einen allgemeinen Aufstand schon damals geplant hätte.

Die Ursachen des Aufftandes lagen nicht in besonderen Vergehen der deutschen Farmer und Händler. Wenn es an solchen auch nicht gefehlt haben mag, so spielten sie doch eine keineswegs entscheidende Rolle. Vielmehr wurde der Auf­stand der Hereros geboren aus demselben Grunde

heraus, dem die äthiopische Bewegung entstammt: dem Kampfe ums Dasein der schwarzen Rasse gegen die Weiße, deren Rechte und Gesetze ihre Zukunft in Frage stellten. Sie sehen ihre durch Schutzverträge gewährleistete Selbständigkeit be- droht und mit der fortschreitenden Besiedelung des Landes ihre Polttische Macht ebenso tote ihre wirtschaftliche Kraft schwinden. Ein Gebiet nach dem andern wurde durch die Erlasst des Gouver- neurs ihnen entzogen und nichts blieb ihnen für die Zukunft als die Omahake mit ihren spärlichen Wasserstellen. In wachsende Verschickdung ge­raten, erblickten sie in der vom Berliner Kolonial- rate veranlaßten Schuldenverjährungsordnung le- diglich die Absicht, sie vollends von ihrem Besitz zu vertreiben. - Mit steigendem Groll sahen sie auf den Weißen, der ihnen die Weideplätze und das Jagdrecht beschränkte im* dessen Macht ebenso wuchs bis sie selbst verarmten. Unfähig, in sich selbst die Ursachen dieses Rückganges zu erblicken, dem Trünke und allen Ausschweifungen ergeben, von jeher von maßlosem Dünkel beseeü. schenkten sie Mießlich der Krtegspartei Gehör: Rust urteil; sehr unbefangen über das innerlich wertlose Christentum der Hereros, weist aber mtt Reckst darauf hin, tote töricht es sein würde, die Mission verantwortlich zu machen für den tiefen Sittenzustand dieses Volkes, das ohne staatliche Zuchtmittel niemals zu brauchbaren Menschen erzogen werden kann.

Die revolutionäre Bewegung in Rußland.

Petersburg, 15. Nov. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute mit ihren Kindern von Peterhos nach Zarskoje Selo übergesiedelt.

Petersburg, 16. Nov. Das seit der Veröffentlichung deS kaiserlichen Manifestes vielleicht wichtigste Dokument ist der vorgestern erschimene Hirtenbrief deS heiligen ShnodS. Tie Kirche war bisher für polttische Revolution nicht zu haben, und doch war eine Erklärung, daß die Konstitution mit Gottes Wstlen im Einklang stände, erforderlich, damit die Masse der Bevölkerung die Neuordnung der Dinge verdaute. Nach einem gewissen Sperren hat sich eine unter Fürst ObolenSky abgehaltene Versammlung von Erzbischöfen und Bischöfen entschlossen, den Widerstand aufzugeben. Dte Geistlichkeit hat daS WortAutokrat" für Kaiser in ihrem Hirtenbrief zwar beibehalten, will aber darunter nur den Herrscher eines unabhängigen Staates, ohne dessen Willen keine Maßregel Gesetz werden kann, verstanden wissen, wie dies in den Uranfängen der russischen Monarchie der Fall war. Im übrigen beugt sich die Geistlich­keit vor dem modernen Geist, waS zu um» fassenden Reformen führen dürfte. So wird im Laufe des nächsten JahreS der Versuch ge­macht werden, den julianischen Kalender abzu­schaffen und die russischen Taten mit denen der westlichen Mächte zu identifizieren.

Magda hatte den Kopf dabei geschüttelt: Ger­hards ganzes Benehmen kam ihr ho sonderbar vor, und si, nahm sich vor, ihn btt seiner Rück- kunst offen um alles zu fragen; denn sie wollte nicht länger so im Dunkeln herumtapven.

Für Viola war die so sehr gefürchtete Ab­schiedsstunde leichttt geworden, als sie es sich ge­dacht.

Gerhard hatte in Anwesenheit der Präsidentin von ihr Abschied genommen und dies in einer so raschen, hastigen Weise, daß sie erst zur Besinnung kam, 'als tt schon fort war.

Wenige Stunden darauf war sie dann mit der Präsidentin zu einem Gesellschaftsabend gefahren, sie war gefeiert, bewundert worden wie stets, sie hatte die neidischen Blicke der Frauen bemerkt, die an ihr hingen, wenn sie an Tonnberas Arm durch den Saal schritt.

Er liebte seine Braut so leidenschaftlich, daß er für fein; andere ein Auge hatte, er, der sonst einem Schmttterlinge gleich alle schönen Frauen umflatterte!

Sie wußte das; aber es ließ sie kalt, war sie doch die Schönste unter den Schönen.

Sie hatte gelacht und gescherzt wie sonst. Sie war heiter und übermütig gewesen, vielleicht noch mehr als gewöhnlich; denn toarum sollte die Abreise ihres Vormundes betrübend auf sie em- wirken? Aber als sie nach dem glänzenden Feste nach Hause kam und das elegante, blumenge- schmückte Kleid von sich stteiste, da kam sie sich arm, bettelarm vor.

Was soll mir der Tand?" rief sie bitter, in­dem sie den kostbaren Schmuck, ein Geschenk ihres Verlobten,, achtlos beiseite warf,was soll mir der Tand ich bin dennoch nicht glücklich!"

Gerhard war nach Lindenhain zurückgekehrt; es hatte ihm viel gekosttt, feine Schwester zu über- zeugen, daß es am besten sei, wenn Viola bis auf weiteres bei der Präsiderttin bliebe.

Die Präsidentin hatte sich erboten, das Nötige für Violas Aussteuer zu besorgen, und bei solchen wichfigen Einkäufen müsse doch auch die Braut zugegen sein.

Das half, denn die praktische Magda sah ein, daß bei derlei Dingen doch Viola die erste Stimme haben müsse. Wohl bargen die hohen Schränke im Schlosse gar viel des weißen, unverfälschten Linnens, daß auch Viola im Ueberfluß davon hätte haben können; allein die junge Welt will einmal nur das Neueste und Modernste an Fasson haben. Und bann die Toiletten; so genügsam wie Magda toar Mola nicht, sie nutete immer etwas Besonderes, Apartes haben, um ihre märchenhaste Schönheit noch mehr hervorzuheben.

Als Gerhard seine Schwester so toeit gebracht hatte, daß sie für Violas Abwesenheit hinreichende Entschuldigung fand, begann er daraus hinzu- wirken, daß Magdas Vermählung mit Rotteck so bald als möglich stattfinde. Der gute Notteck er. leichterte ihm seine Ausgabe nach Kräften und genau zwei Monate nach Gerhards Heimkimft aus der Residenz fand die Verbindung seiner Schwester mit Rotteck statt.

Viola hatte zur Hochzeit kommen wollen und Magdas Anerbieten, bis zu ihrer Vermählung mit Gerhard bei ihr zu wohnen, dankend ange­nommen.

Da, in letzter Stunde kam ein Brief, Viola sei durch eine leichte Krankheit am Kommen ver­hindert.

Magda tat es leib, Gerhards wegen. Allein Gerhard schien diese getäuschte Hoffnung leicht zu verschmerzen. Das helle Glück leuchtete aus seinen Augen, als Rotteck Magda zum Altar führte.

So waren diese guten, treuen Menschen doch endlich vereinigt, und damit hatte er fern Ziel er- reicht. Er wollte gern einsam bleiben, wenn nur die Schwester an der Seite des geliebten Mannes

Warschau, 15. Nov. Die extremen Pole« stellten folgende Forderungen: Krönung bei Zaren zum König von Polen, ausschließlicher Gebrauch der polnifchen Sprache in Schule«, Aemtern und sonstigen Betrieben, Schaffung einer rein national-polnischen Armee und Aner« kennung des GrundprinzipsPolen für Polens Weiter nichts?! j

Petersburg, 15. Nov. Der Beschluß des Zenttal-Streikkomitees war, wiederum den Generalstreik zu beginnen; es folgte bisher em großer Teil der Eisenbahner. Fast alle Arbeiter in den Fabriken, Buchdruckereien und die Setzer, sowie die Arbeiter ber einzelnen Elektrizitäts-Ge­sellschaften schließen sich an. Morgen erscheinen keine Zeitungen, Patrouillen durchziehen Äe Stabt. In einigen Stadttellen sollen auf Be­fehl der Polizei die Hauseingänge und die Tor­wege von 9 Uhr abends ab geschlossen gebalte« werden. Es verlautet, übet Petersburg soll bet Kriegszustand verhängt werden: die Bevölkerung ist sehr beunruhigt. In den Vorstädten sind bi< Läden wieder mit Brettern vernagelt. f>

Petersburg, 15. Nov. Heute Mittag 12 Uhr ist ber Verkehr auf der Warschauer unS auf der Baltischen Bahn wegen des erneut ausge­brochenen Generalausstandes eingestellt worden. Der Schnellzug nach Eydtkuhnen ist nicht abgex gangen. i

Warschau, 15. Nov. Eine Versammlung von Arbeitern und Beamten der Warschau-Wi«< ner Bahn unb der Weichselbahn beschloß, vor« läufig die Arbeit wieder auszunehmen und sich bezüglich ber weiteren Haltung mit ber Leitung bes allgemeinen Ausstanbes in Rußland zu ver­ständigen. Der normale Betrieb soll wieder am 17. November beginnen. Heute sind hier viel» politische Persönlichkeiten verhaftet worden.

Berlin, 16. Novbr. Nachrichten zufolge, die in Petersburg und Moskau eingetroffen sind, revoltierten am 12. November die Reservisten üt Wladiwostok, welche unzufrieden geworden wa­ren, well man sie noch nicht entlassen hatte. Sie plünderten Basare, Läden und Privattoohnungen« Die Milftärbebörde wie die Festtmgskomman- banten hatten vollständig den Kopf verloren. Sie trafen anfangs keine Maßregeln, um die Revolte zu unterdrücken, unb bald zählten Tote und Ver­wundete des ersten Tages nach Hundetten. Die Frauen retteten sich auf die Schisse. Wie ein weiterer Drahtbericht desL.-A." meldet, sollen die Unruhen jetzt ihrem Ende entgegengehen. Jetzt droht auch eine Revolte in Sebastovol unter dm dortigen Marinetruppen auszubrechen.

Nach einer Privatmeldung ans Schanghai ist Admiral Roschestwensky mit seinem Stabe unter­wegs nach Wladiwostok, doch ist es sehr fragliche ob das Schiss wird landen können. Privat- depeschen bestätigen den Ruin zahlreicher Ge­schäftshäuser durch Brandlegung.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Nov. r

©eine Majestät ber Kaiser, ber tote schon gemeldet, gestern Nacht in Donau­eschingen bei dem Fürsten von Fiirstenberg

das Glück fand, das ihm versagt geblieben; unb auch sie, die ihn so sehr getäuscht, mochte sie i« ihrer Weise glücklich werden. Wenn auch die Wunde noch schmerzte, er hatte ihr verziehen, unb er wolltt Vergessenheit suchen. Vergessen, ja, dal wollte er wenn er es konnte.

Der Frühling war gekommen voll Sonnen­schein und Blumenduft, voll Glanz unb jubelnder Fröhlichkeit; nur in Gerhards Herzen sah eS düster unb öde aus. Er hatte sich das Versprechen doch leichter gedacht!

Ueberall, wohin er ging, begleitete ihn Violas Bild, er sah die tiefen, unergründlichen Auge« auf sich geheftet, er hörte ihre süße, melodische Stimme, die oft fein lauschendes Ohr entzückte. Tag unb Nacht sah er das Mädchen vor feinen Augen unb zuweilen überkam es ihn wie Stuv- mesgewalt, zu ihr zu eilen, um sie Tonnberg zu entreißen, ehe es zu spät geworden.

Er wollte ihr alles, alles vergeben, um nur wieder das Glück zu haben, sie in seine Arm« schließen zu dürfen, sie sein zu nennen, sein für Zeit unb Ewigkeit.

Das waren törichte, wilde Träume, die er doch nun unb nimmer ausgesührt haben würde; aber sie marterten und peinigten ihn unb machten seine Blicke trüb unb seine Wangen bleich eg hatte dieses schöne Mädchen allzusehr geliebt.

An einem prachtvollen Maiabende kam Frau von Rotteck angefahren.

Frisch, rosig und resolut wie immer sprang stz aus dem leichten Wagen.

Da bin ich, Gerhard!" rief sie freudig, beide Hände des Bruders erfassend;Du hast Dich so lange bei uns nicht blicken lassen, daß* sie brach ab. Ihr forschendes Auge hatte bat bleiche, traurige Aussehen des Bruders bemerkt«

(Fortsetzung folgt.)