mit dem Kreis-Latt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
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•” DomerSt-g. 16. November 1905
Reichsduma überlassen, ein Gesetz für die Kon^ stitution auszuarbeiten. t
Während der letzten unruhigen Tage Hubert sich 8000 Juden aus Petersburg nach Wiborg in Finland geflüchtet, wo sie von den Finländeri^ in liebenswürdigster, gastfreier Weise aufgenom, men wurden. 1
Berlin, 14. Novbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: In Petersburg soll, wie der do« tige „Standard"-Korrespondent bersichert, bekannt sein, daß Deutschland und Oesterreich vor einen, halben Jahre sich verständigt hätten, Truppen ins Russisch-Polen einrücken zu lassen, falls die SaA! sich so gestalten sollte, daß die russische Regierung ihr nicht mehr gewachsen ist. Die gegenwärtige Lage in Ungarn würde für jetzt ein solches Vor- gehen Oesterreichs jedenfalls unmöglich machen,, doch wisse man, daß Kaiser Wilhelm entschlossen sei, etwaige polnische Aspirasionen zu unters drücken. Die „Times" läßt sich Aehnliches bs^ richten. Wir haben dazu nur zu bemerken: g« logen wie telegraphiert.
K i e l z e, 14. Nov. Dem hiesigen katholischen Bischof ging ein Verbot des Papstes 31»* an Kirchenprozessionen politischen Charakters teiu zunebmen.
Petersburg, 14. Nov. (Petersb. Telegr.« Agent.) Gemäß der im Manifest vom 80. Oktober vom Kaiser ausgesprochenen Absicht das Wahlrecht auch auf diejenigen Volk?» klaffen auszudehnen, die desselben bis jetzt noch entbehren, arbeitet der Ministerrat gegen» wärtig darauf bezügliche Bestimmungen au8, deren Veröffentlichung baldigst erfolgen soll, worauf die Reichsdumawahlen unverzüglich stattsinden werden.
R e w y o r k , 14. Nov. Die hiesigen Stabte verordneten nahmen eine Resolution an, in de» Roosevelt ersucht wird, zu Gunsten der russischen Juden zu intervenieren. >
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Nov. ,
— Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sowie der Kronprinz trafen gestern Dienstag Morgen 9 Uhr in Nürnberg ein. Der Kaiser batte bäuerische Generalsuniform angelegt, der Kronprinz trug die Uniform seines bayerischen Ulanenregiments. (Die Kronprinzessin ist nicht, wie gestern gemeldet wurde, mit nach Nürnberg gekommen). Die Begrüßung des Kaiserpaares mit dem Prinz-Regenten und dem Grvßherzogspaar von Baden war außerordentlich herzlich. Nach dem Vorbeimarsch der Ehrenkom- pagnie begaben sich die Fürstlichkeiten in die Bahnhofshalle, wo nach der Ueberreichung eines Buketts an die Kaiserin Bürgermeister von Schuh das Kaiserpaar in längerer Ansprache, willkommen hieß; er schloß mit einem Hoch auf den Kai- ser und die Kaiserin. Der Kaiser sprach, auch im Namen seiner Gemahlin, seinen Dank aus und forderte zu einem dreimaligen Hurra auf dm Prinz-Regenten aus. Sodann führte Prinz-Re«
Die revolutionäre Bewegung in Rußland.
Die Untersuchung der Kronstädter Revolte nähert sich ihrem Ende. Die Meuterer sollen erschossen werden, doch erheben sich, wie dem ,,C.« SL" aus Petersburg gemeldet wird, aus allen Schichten der russischen Gesellschaft Stimmen, die vor der Ausführung dieser Todesurteile warnen, die in der jetzigen Zeit der Gärung unglaubliche Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Der Metropolit von Petersburg. Antonius, hat einen Brief an den Zaren gerichtet, in dem er um Begnadigung der Meuterer bittet; auch die Einwohnerschaft von Kronstadt sammelt Unterschriften für eine Petition im gleichen Sinne. Alle diese Proteste sollen der Regierung beweisen, daß die Schuld der meuternden Matrosen gering sei, und die Regierung durch ihre Indolenz eine unerträgliche Lage im Marinewesen geschaffen habe. Andererseits wird es in militärischen Kreisen der Regierung verübelt, daß sie unmittelbar nach der Kronstädter Revolte eine Verbesserung der Lage der unteren militäri'chen Chargen getroffen und bekamitgegeben hat. Das Gehalt der Gemeinen betrug bisher nur 22% Kopeken monatlich, bei der Kavallerie 28 Kopeken, in kl. der Kosten für die Ausbesserung der Stiefel.
Unter dm jetzt zurückgekehrtm Emigranten befindet sich auch die vor 28 Jahren vielgenannte Sozialdemokratin Wera Sassnlitsch,, die auf den damaligen Petersburger Oberpolizeimeister Tre- pow, den Vater des jetzigen Palastkommandanten, ein Revolverattentat verübt hatte.
Der Ministerrat hält unter Wittes Vorsitz täglich Beratungen über die Erweiterung des Wahlrechts ab. Die Veröffentlichung des neuen Wahlgesetzes steht in dieser Woche bevor. Wahl- berechtigt werden alle Arbeiter und Besitzer von Immobilien und Mobilien int Werte von 100 Rubeln sein. Die Regierung selbst wird der
Neueße Telegramme.
93erlitt, 15. Nov. Der »Staatsanzeiger" meldet: Dem Obersten mit dem Range als Brigadekommandeur Deimling, Abteilungschef im großen Eeneralstabe, bisher Kommandeur de8 2. FeldreaimenteL der Schutztruppe für Südwestafrika, wurde vom Kaiser der erbliche Adel verliehen.
Oldenburg. 15. Nov. Unter dem Jubel der Bevölkerung hielten heute nachmittag Prinz Eitel Friedrich und feine Braut, Herzogin Sophie Charlotte, ihren Einzug in Oldenburg. Die Stadt war reich geschmückt. Oberbürgermeister Tappenbeck richtete bei der Ankunft auf dem Bahnhof eine Ansprache an das Brautpaar.
Paris, 15. Nov. Der „Temps" verzeichnet folgende Spenden, die dem Hilfskomitee für die russischen Juden (dasselbe hat seinen Sitz Rue de Trevise 35) zugeaangen sind: Der Fürst Von Monaco 1000 Fr., ein Protestant 5000 Francs, die Herren v. Rothschild 250000 Fr., A. I. Stern u. Cie. 40 000 Fr., Henri u. Emile Deutsch 20 000 Fr., Maurice Ephrusfi 10000 Francs, Salomon Reinach 10000 Fr., anonym 50000 Fr. usw. — Nach den letzten bis 9 Uhr abends hier emgelausenen Nachrichten sind in den Arsenalen und anderen Marine - Etabliffe- ments im ganzen 40 Prozent der gesamten Arbeiterschaft ausständig. Die größte Zahl weist Toulon auf, wo von 6500 Arbeitern 6100 ausständig sind.
Christi ottia, 15. Nov. Bis gestern abend Waren die Ernebnisfe der Volksabstimmung aus 462 Distrikten bekannt. Es stimmten 254899 mit Ja, 68 262 mit Nein. Nachdem das vorläufige Ergebnis der Volksabstimmung bekannt geworden war, brachte am späten Abend eine große Volksmenge vor der Wohnung des Staatsministers Michelsen der Regierung eine Ovation dar. Staatsminister Michelfen dankte und sprach die Ueberzeugung aus, daß das, was dar Volk jetzt beschlossen habe, zum wahren Wohle und Heile des Vaterlandes dienen würde. Zum Schluß seiner Rede brachte er ein Hoch auf Norwegen aus.
Lorrdou, 14. Nov. „Daily Telegraph" meldet aus Tokio: Der Vertreter des „Dschidschi Shimpo", der eben von einer Reise in das von Hungersnot betroffene Gebiet zurückgekehrt ist, berichtet, daß von der eine Million starken Be dölkerung dieses Gebietes mindestens die Hälfte die bitterste Not leide. Dte Bauern essen Pferdefleisch, verkaufen ihre Kinder und wandern in großer Zahl nach anderen Provinzen aus.
Kolonisation.
Es ist eine sehr erfreuliche Erscheinung, daß das Verständnis für Kolonialpolitik in Deutschland in unverkennbarem Fortschritte begriffen ist. Unter diesen an sich günstigen Verhältnissen genießt auch die wissenschaftliche, auf dem Boden der Geschichtsforschung gewonnene Einsicht in das Wesen und die Bedeutung der Kolonisation einen erhöhten Wert und finbet auch allgemeinere Beachtung. Dieser Einsicht vermag aber kaum ein Buch besser zu dienen als die ausgezeichnete Kolonialgeschichte des angesehenen Historikers, Geh. Rat Dietrich Schäfer in Berlin. Aus dem Kapitel über „Kolo- nisation als Geschichtsfaktor" dieses empfehlenswerten Buches sei im folgenden der wesentliche Inhalt wiedergegeben.
Ranke bemerkt, daß der Fortschritt der Geschichte sich decke mit der räumlichen Ausdehnung ihres Schauplatzes. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, hat Kolonisation lveitaus am meisten beigetragen zum geschichtlichen Fortschritt. Die frühesten Wohnsitze der Menschen, soweit wir sie erkennen können, und die ältesten Stätten menschlicher Kultur sind durch kolonisierende Eroberun- gen erweitert worden über ihre ursprünglichen Grenzen hinaus. Von den fruchtbaren Geländen des Nil, des Euphrat und Tigris, des Indus und Ganges wie des Hoangho haben die dort zuerst entwickelten Kulturen ihre Herrschaft kolonisierend ausgebreitet über die Nachbargebiete. Phönizier, Griechen und Römer haben neben- und nacheinander durch kolonisatorische Tätigkeit die Mittel- meerländer in ihrer weitesten Ausdehnung zu einer staatlichen und kulturellen Ausdehnung er- worben; in dem gewaltigen römischen Reiche, das für den Fortschritt der Geschichte von so unermeßlicher Wichtigkeit geworden ist, fand sie ihren Abschluß. Und auch weiterhin in der Geschichte hat die Kolonisation der räuinlichen Ausdehnung der Menschheit und damit dem geschichtlichen Fortschritte die wesentlichsten Dienste geleistet.
Diejenigen Völker, die in kolonisatorischer Ar- beit sich auszeichneten vor anderen, sind die leiten- den und führenden geworden. Dian behauptet nicht zu viel, wenn man sagt, daß die Bedeuttrng des einzelnen Volkes für den Gang der Weltgeschichte sich in erster Linie abmißt nach seinen Seiftungen auf dem Gebiete der Kolonisation; jedenfalls ist dies die Aera, in der um Macht und Dauer gerungen wird. Nur wer hier besteht, kann einen Platz behaupten im Leben der Völker; wer unterliegt, muß zufrieden fein, wenn er würdig gefunden wird, in der Schatzkammer der Geschichte, deren Kostbarkeiten dem im Leben Stehenden zur Anfeuerung und Erbauung dienen, eine Stelle zu erhalten.
Bei dieser Sage der Dinge ist es selbstverständlich, daß nur tüchtige, leistungsfähige Völker kolonisieren können. Tas eigene Volkstum hinauszutragen in die Fremde, es dort zu behaupten und zu verbreiten, erfordert kriegerische, wirtschaftliche, geistige, sittliche Ueberlegenheit,
meistens alles dies zugleich. Kolonisation niedriger stehender Völker innritten höher ent- wickelter hat es nie gegeben und kann es nicht geben. Wohl mögen Angehörige jener bei diesen einwandern und gewisse Arbeitsleistungen übernehmen; ihre nationale Art können sie nur zm Geltung bringen, auf dauernden Bestand nur rechnen, wenn sie sich inmitten der fremden Volks- art zu politischer und nötigenfalls kriegerischer Kraftentfaltung aufzuschwingen vermögen. Ohne Aufwendung und Entfaltung kriegerischer Macht- mittel ist kaum jemals eine koloniale Gründung zustande gekommen. Aber keineswegs genügt kriegerische Ueberlegenheit allein zum Kolonisie- ren. Eine mehrseitige höhere Veranlagung ist doch immer Voraussetzung dauernder Erfolge auf diesem Gebiete. Eben deshalb kann man Kolonisation auch als einen Kulturträger ersten Ranges dezeickmen, den vornehmsten von allen, welche die Geschichte kennt. Mit ihr und durch sie vollzieht sich eine Auswahl unter den Völkern. Nur die besten bleiben auf dem Plan.
W
verboten.)
Pflicht und Liebe.
Roma» von E. Wil».
tftorpetzung.)
Tas Buch siel mit lautem Geräusch zu Boden, so daß die Dienerin im Nebenzimmer erschrocken rmporfuhr.
. J$£°ta erhob sich rasch, sie hatte die Augen voll Tranen.
uni ans Piano und ließ ihre Finger leise über die Tasten gleiten.
"8um letzten Mal," flüsterte sie traurig vor sich hm.
Morgen um diese Zeit war sie schon vielleicht wett — weft,
t. iäber heftiger Schreck erfaßte sie bei diesem Gedanken.
Einen Augenblick lang hatte sie die Idee, sich Magda zu Fugen zu werfen, ihr alles zu ge- jegn und um ihre Fursvrache bei Gerhard zu ■r. Sw wußte ja, daß sie nach dem Vorgefallenen ferne Gattin nicht werden konnte, sie hatte ja auf btefe Gluck verzichtet; allein er sollte sie nur matt rortienben nur hier lassen, daß sie ihn sehen uird^sprechen könnte.
7 wollch aut und geduldig werden und alles »•V J. ’ “9«)en lassen, nur das einte nicht! Sie
E Hande von den Tasten sinken und trat oon öem Instrument zurück.
’M11' nein, so weit war es doch noch nicht mit 'yr gekommen!
traten 3 *:c' verschuldet, das wollte sie auch mutig lm“ wie auch das Ende sein mochte, ich-vach wollte sie sich niemals zeigen!
We * "*
,u?& unbefangen erschien sie bei der ifon n sttw fte brachte es sogar über sich, tr bevorstehenden Abreise zu sprechen.
Sie verabredete mit Magda eine eifrige Korrespondenz und sprach davon, in der Residenz mit Gerhard recht oft das Theater besuchen zu wollen.
Sie sagte das alles mit ruhiger Stimme und ohne zu stocken oder Schmerz dabei zu fühlen.
Aber sie atmete doch aus tieffter Brust auf, als gegen Abend Rotteck kam und sie sich auf eine Stunde in ihr Zimmer schleichen konnte.
Ungesehen, wie sie meinte; aber knapp vor ihrer Türe holte sie der Freiherr ein.
„Vor einer Stunde erhielt ich dies für Sie," sagte er, ihr einen Brief überreichend.
„Danke," murmelte sie, indem sie die Hand ausstreckte.
Für einen flüchtigen Moment berührten seine Finger die ihrigen.
Sie schauerte zusammen — seine Hand war so eisig kalt gewesen.
Sie wandte sich hastig ab und öffnete die Äir; nur jetzt keine Schwäche zeigen!
Drinnen blieb sie stehen und lauschte mit an- gehaltenem Atem.
Ruhig und gleichmäßig verhallten draußen im Korridor die Schritte des Freiherrn; er hatte nicht eine Sekunde gezögert, sich von ihrer Tür zu entfernen. Ein Gefühl der Enttäuschung beschlich Violas Brust.
Wie stark er war, und doch hatte er sie so sehr geliebt!
Der Brief zitterte in ihrer Hand', als sie ans Fenster trat, um die Aufschrift zu lesen.
Doch die Dunkelheit war schon so weft vorgeschritten, daß sie die Schriftzüge nicht mehr unter- scheiden konnte. Sie schellte nach Licht und war- tete, bis die Dienerin das Zimmer verlassen hatte, dann erbrach sie das nach einem starken Parfüm duftende Schreiben.
Es.toar von Tonnberg und in den glühendsten Ausdrücken abgefaßt. Vor einer Woche noch würde sie diese wilde, eraltiertc Sprache entzückt haben, heute hatte sie nur ein kaltes Sächsln für
dieselbe. Was war aus ihr geworden? Welche Umwälzung war in ihr vorgegangen?
Sie war doch für Bewunderung und Schwei- (Mei empfänglich gewesen, sie hatte Gerhards tiefe, innige Siebe zu kühl, zu ruhig und besonnen gesunden, und jetzt?
Sie war überzeugt, Tonnberg wäre imstande gewesen, ihretwegen die größten Torheiten zu begehen, während sie ebenso gut wußte, daß Gerhard ihr zu Siebe nicht um Haaresbreite vom Wege der Pflicht gewichen wäre, und seltsam — sie fand dies jetzt erklärlich, während sich früher ihr ganzes Sein dagegen empört hatte, daß es für den Mann ihrer Siebe Dinge geben sollte, die ihm höher ständen als ihre Gunst.
Begriff sie nun, daß echte, wahre Siebe nicht des tändelnden Spieles flüchtiger Schmeicheleien bedarf, um als voll und wahr anerkannt zu werden, daß das echte Gefühl sich weniger in Worten äußert, daß ein Blick, ein Händedruck genügen muß, um zwei gleichgesinnte Seelen eins werden zu lassen?
Die Erkenntnis war ihr zu spät gekommen, und mit ahnungsvollem Bangen sah sie nun in die Zukunft. Wenn die jetzt so heftig lodernde Flamme der Leidenschaft bei Tonnberg erlosch, was dann?
Was fettete sie dann an einander? Nichts, nichts!
Ein leises, bitteres Lachen umspielte Violas Lippen, als sie sich diese Antwort gab.
Ein ganzes langes Leben lag vor ihr, und sie dachte jetzt schon an das Ende — ach, wie wird das Ende sein?
Auch so einsam und schmerzlich wie dasjenige ihrer Mutter?
Sie fuhr hastig empor und schüttelte die Locken zurück.
Die Einsamkeit ihres Zimmers unterdrückte sie, sie mußte fort unter Menschen — weich' törichte Gedanken waren ihr da gekommen —
an das Ende zu denken, blieb ihr noch immer Zeit genug.
Jetzt war sie jung und schön, und sie wollt« genießen — aus vollen Zügen das Leben und die Gegenwart genießen! ‘
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Die bittere Abschiedsstunde war vorbei, mit Tränen in den Augen ^♦♦e Magda die Scheidende in die Arme geschlossen und milde, liebevolle Worte zu ihr gesprochen.
Es waren Worte getvesen, die tief in ViolaS Seele drangen, allein, sie batte sich borgenommen, stark zu sein und keine Schwäch, zu verrate« Was sie litt, das brauchte niemand zu sehen, al allerwenigsten er, der so ruhig und gefaßt ba& stand, als gelte es nicht einen Abschied fürs Si ben — o, «oenn sie nur eine flüchtige Sekund lang hätte sehen können, was in seiner SeeL vorging, was fein Herz bewegte — allein er ver> riet sich nicht, mit keinem Blicke, mit keinem Wort und selbst die ganze lange Fahrt hindurch bfid er sich gleich, und oft überkam sie eine heiße Un- geduld, ihn zu reizen, ihn aus sich herauszulocken, damit sie erkenne, ob und wieviel er um ihretwillen leide.
Man kam in der Residenz an; die Präsidentin Eckberg, eine stattliche, elegante Dame, empfing Viola freundlich und liebenswürdig.
Sie nannte den Freiherrn mit Vorliebe „ihren Neffen", obschon der Verwandtschaftsgrad, der sie mit ihm verband, ein viel zu entfernter war, um auf diese Bezeichnung Anspruch zu geben.
Es war eine wohlgeordnete, gemütliche Häuslichkeit. in die Mola gebracht worden war, unL sie hätte sich darin bald heimftch fühlen können, wenn die drückenden Erinnerungen nicht gewesen wären.
Sie zitterte vor einem Zusammentreffen mit Tonnberg, und um einem solchen zu entgehe«,, gab sie vor, unpäßlich zu sein und das ihr angst wiesene Zimmex nicht verlassen zu können. , ■ (Fortsetzung folgt.)? ‘