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mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: AUuftrtttes Sonntagsblatt.

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Neueste Telegramme.

Berlin, 14. Nov. Der preußische Landtag wird auf den 5. Dezember ,e inberufen. Das Schulunterhaltungsgesetz Wird ihm sofort zugehen.

Berlin, 14. Nov. Die neuerlichen Mel- düngen über Vorbereitungen für eine kaiserl. Mittelmeersahrt im Vorfrühling 1906 werden bon der »Nordd. Allg. Ztg.' dementiert: an allen diesen Angaben sei »kein wahres Wort.' Auch die Nachricht von einer demnächst be­vorstehenden Reise deS Fürsten Bülow, der bei dieser Gelegenheit den Minister Tittoni besuchen sollte, bestätigt sich nicht.

«öl«, 14. Nov. Die »Köln. Ztg.' meldet aus Berlin: Auf Anreoung Japans find die deutsche und die japanische Regierung schon vor einiger Zeit übereingekommen, die Umwandlung der beiderseitigen Gesandtschaften in Tokio und tn Botschaften in die Wege zu leiten. ... 13. Nov. Der König von Spanien

ist heute Vormittag 10 Uhr auf dem Nord- vahnhos mtt dem Hoffonderzug eingetroffen. Zu seinem Empfange waren Kaiser Franz Joseph, die Erzherzöge und die Spitzen der Militär- Und Zivilbehörden erschienen.

Prag, 13. Nov. In der Vorstadt Zizkov wurde heute Nacht ein deutscher Soldat von fielen Tschechen ohne Anlaß überfallen und miß' handelt. Die Exzedenten, deren Zahl auf 100 Pieg, zogen dann vor ein Lokal, wo deutsche Soldaten Verkehren, drangen ein und demolierten es vollständig. Der Wirt mußte mit seiner Familre flüchten, um sein Leben zu retten.

Eh isttanta, 13. Mv. Bis 10 Uhr abends «en« 6 Ergebnis der Volksabstimmung aus 850 Wahlkreisen vor. Danach stimmten 167431 nut ja und 41226 mit nein. In Christiania wurden 24 027 Stimmen mit ja und 5960 mit nein abgegeben.

Lonvorr, 14. Nov. Der Erzbischof von Canterbury hat an dm Metropolitan von Petersburg ein Schreiben gerichtet, in dem er die »furchtbaren Ausschreitungen gegen die Juden' bedauert und der ruffffchen Kirchs die Lhmpathte der Ktrche von England ausspricht. q. .??h?»ueSb«rg, 13. Nov. Der Gouverneur von Deutsch-sudwettairika, v. Lmdequift, kam, laut .Köln. Ztg. , am Freitag als Gast des Oberkommiffars und »eneralgouverneurs von Südafrika, Lord Selborne, 51? ? Aus diesem Anlaß veranstaltete am Samstag h£Afise wische Klub einen Festabend, dem außer

Gouverneur v. Lindequist als Ebreugäste unter anderen Lord Selborne und die Konsuln beiwohnten. ??mte die Interessengemeinschaft Deut,ch.südwesta rjas und Brilisch.Südafrikas. Er wank auf den Eriolg seines lieben Kollegen und der- Metz ein herzliches Zusammenarbeiten zur Erreichung des großen Zieles der Zivilisation von Südafrika, dann noch mit warmen Worten die Deutschen Transvaals und gab seiner Bewunderung

für die deutsche Kultur und den deutschen Seist AuSdruck.

Tienlfi«, 13. Nov. Wie der »Franks. Ztg.' gekabelt wird, wird Freiherr v. Mumm, jetzt Gesandter in Peking, Botschafter in Tokio, und an seiner Stelle soll als Gesandter nach Peking der jetzige Kolonialdirektor Stübel gehen. (Herr Stübel war früher Generalkonsul in Schanghai und gilt als ein guter Kenner chinefi- scher Verhältnisse).

DerBlock" in Frankreich und in Deutschland.

Eines der angesehenste Pariser Blätter, oder wohl das angesehenste und bedeutendste Blatt, derTemps" brachte vor einigen Tagen eine Be. trachtung über die badischen Landtogswahlen imb zog dabei sehr interessante Vergleiche mit den französischen innerpolitischen Verhältnissen. Es wurde der Bedeutung der Wablen gedacht als der ersten in einem deutschen Gliedstaats, die auf Grund des allgemeinen und direkten Wahlrechts vollzogen worden feien. Der Artikel berührte dann die großen Fcwffchritte des Zentrums und die Lage der Liberalen, die vom Zentrum und der Sozialdemokratie zu fürchten gehabt hätten.

»Da sie nicht zugleich den Anprall des Zen- trums und der Sozialisten anshalten konnten," so sagt der Artikel,entschlossen sie sich nicht ohne Bedenken, ein Bündnis mit den letzteren zu schlie­ßen. Um den Sinn dieses Abkommens deutlich zu machen, gaben sie ihm einen bekannten Na­men. Und Baden hatte seinenbloc", ganz wie das Frankreich des Herrn Combes. Ge­bildet wurde er erst durch den Zusammenschluß aller Liberalen, dann durch ihr Bündnis mit den Sozialisten."

DerTemps" berichtet weiter über das Wahl, ergebnis und schließt daraus: Derbloc" erzeugt überall dieselben Wirkungen; er ist in Deutschland wie in Frankreich ein Werkzeug sozialistischerSiege nichts weiter. Er meint, die Kosten hatten doch die gutmütigen Verbündeten zu tragen die den sozialistischen Wolf in den parlamentari- scheu Schafstall einführten. Die badischen Libera­len hätten ben Fehler gemacht, die Entwicklung der Dinge in Frankreich nicht bis zu Ende zu verfolgen. Sonst würden sie gesehen haben, daß gewisse Freundschaften teuer be- zahlt werden. Eine wirkliche Macht, so wird dann noch ausgeführt, könne auf diesem Wege doch nicht erreicht, höchstens ein Scheinsieg erfochten werden. Das französische Blatt schließt mit den Worten:

Es wird immer bemerkenswert sein, die Ge­schichte der Enttäuschungen, die der badischen Liberalen warten, zu verfolgen. Es ist immer interessant zu sehen, wie ein fremdes Land sich auf einer Bahn festlegt, deren Gefahren man an sich selbst erprobt hat, und Unvorsichtigkeiten begeht, deren Kosten man kennt."

)

i sie' netzung.)

^Nun, Magda unterbrach der Freiherr- ihren .Gedankengang,bist Du nicht einverstanden?"

faste, sie, noch immer zögernd, »lch hatte wohl gemacht, für Viola sei es besser dw Zeit chretz Brautstandes in lmrdlicher Stille SU verleben; indessen wenn es Dein Wille ist bäen."^* Unfalls das Richtige getw'ffen

Sie hatte erwartet, daß chr Bruder in sie innam wurde, offen ihre Meimmg auszufprechen ,hm ihre Gegengrunde darzulegen, doch nSS d»n alledem geschah.

«Ar Freiherr war augenscheinlich froh, diese £h3> .T E erledigt zu haben. Er n- nnWe: gedenke morgen zu

T? td) "och mit Viola Rücksprache b2nd.-t vorhin zu ihr gesandt - sie

«TtnXt |tdj wieder wohl und wird an un'ermn Frubmahle teilnehmen." un.erem

,.-o rasch willst Du reisen?" fragte Maada unangenehm überrascht.

,_ ge^t nicht anders, Schwesterchen," sagte streichen r»' * ' ^n welligen Scheitel

Reise bei dieser Jahreszeit ist nicht son- oer! ch angenehm, besonders für Damen", wagte >re emzuwenden.

wof-'E^^o^s werden gesund und

m der Residenz anlangen", versetzte E^etherr in einem etwas intgebitlbigen Tone, ich, Magda Du wärest im ^'tch Dem Wenn und Aber mein ^Projekt zu verleiden."

K Mellte, dem wäre so", seufzte Magda 6d ms sie sich wieder allein sah.Ich weiß nicht, " tst; aber es tragt in Gerhards ganzes We-

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Neudruck verboten.,

Pflicht und Liebe.

Roma« von 6. Wild.

sen etwas, was mir Angst und Besorgnis einflößt. Er ist sonst viel offener zu mir gewesen."

Als Gerhard in das Speisezimmer trat, fand er Viola schon dort. Sie stand am Fenskw und sah in die Winterlandschaft hinaus.

Mit einem langen, traurigen Blick umfaßte Geichard die schwanke Gestalt des jungen Mäd­chens, dann sagte er mit ernster, fester Stimme: Guten Morgen!"

Mola, welche, das Oessiien der Thi'ire überhört hatte, fuhr, hastig vom Fenster zurück.

Ein leises Beben ging durch ihren Körper, als sie, sich umwendend, seinen Morgengruß er­widerte.

Der Freiherr trat langsam an sie heran. Mola trug ein dunkles Kleid, welches die tiefe Bläffe ihres Gesichtes noch mehr hervorhob.

Die langen, goldbraunen Locken barg ein Netz von dünner schwarzer Seide, und das sonst an den Schläfen zierlich gekräuselte Haar lag jetzt glatt auf der weißen Stirn.

Die großen Augen hatten einen matten, gfanz- losen Blick, und über das ganze, feine lag es wie ein düsterer Schleier gebreitet.

DeS Freiherrn Blick fiel auf ihre .Hand der Ring war von derselbeen verschwunden.

lieber seine bleichen Zitate zuckte es flüchtig wie ein Blitzstrahl hin; doch schon in der nächsten Sekunde hatte er seine Festung wiedergefunden.

Ich habe Ihr Mllet erhalten", sagte er ruhig,und ich danke Ihnen, daß Sie so rasch aus meine Vorschläge eingegangen find. Ich habe die Abreise für morgen festgesetzt finb Sie damit einverstanden?"

Je eher, desto bester", stieß- sie hastig hervor.

Und noch eins Magda braucht vorläufig von allen Dingen nichts zu wissen. Sie glaubt, daß Sie mit mir in einigen Wochen wiederkehren. Ich mußte sie täuschen, denn Sie werden es vielleicht lächerlich finden; aber ich bin überzeugt, der arme Rotteck bekäme einen Korb, wenn sie wüßte, daß meine Verbindung rückgängig gemor­

ste Betrachtungen derTemps" sprechen für sich selbst. Die Wahlergebnisse in Baden haben gezeigt, daß einzig die Sozialdsnokratie als tertia gandens aus dem Kampfe hervor- gegangen ist und daß die Nationalliberalen sps- ziell die Kosten getragen haben. Es wäre vor- teilhaft, wenn sie auch von dieser französischen Stimme Kenntnis nähmen ' und dadurch zum Nachdenken angeregt würden. Die Belehrungen desTemps" sind ja nicht neu, dasselbe haben deutsche Blätter, darunter auch wir, bet der Be­sprechung der badischen Wahlen und des Kom­promisses mit der Sozialdemokratie gesagt. Aber vielleicht findet diese Stimme mehr Beachtung, toeit sie aus dem Auslande kommt.

Die revolutionäre Bewegung in Rußland.

Nach Meldungen, die über London aus Pe­tersburg kommen, soll morgen oder übermorgen ein kaiserliches Manifest ergehen, in dem den Bauern gewisse Nachlässe besonders drückender Steuern gewährt ,werden: in erster Reihe handelt es sich da um die Landrückkaufssteuer, von der der gesamte Rückstand im Betrage von etwa 20 Millionen Rubeln niedergeschlagen werden soll. Außerdem sollen die Bauernbanken ausgedehnt werden. Ob damit der Landhunger des russischen Bauern gefüllt wird, bleibt allerdings fraglich. Das Kronstadter Kriegsgericht hat 300 Meu- terer zum Tode verurteilt; heute früh sollte die Vollstreckung erfolgen. Den autonomielüster­nen Polen entstehen im eigenttichen Rußland Ver­bündete. DemL.-A." wird aus Petersburg gemeldet:Das Zentralkomitee des Verbandes der Verbände gibt bekannt, daß er beschlossen habe, einen Aufruf an sämtliche Verbände er­geben zu lassen, in dem gegen den das Zarentum Palen betreffenden Teil des Versassungsmani- festes vom 30. Oktober sowie gegen die Verhäng­ung des Kriegszustandes über ganz Polen Pro­test erhoben wird. Der Verband erblickt in die­ser Maßnahme einen gesetzlichen Akt gegen die polnische Freiheitsbewegung, die als ein Teil der allgemeinen Freiheitsbewegung zu gelten habe."

Petersburg, 13. Nov. Der frühere Mzepräsident der Kunstakademie, Graf Tolstoi, wurde zum Unterrichtsminister ernannt.

Die Residenz des Kaisers wird am 16. No- vember nach Zarskoje-Sselo verlegt werden.

Auf Antrag des Ministerpräsidenten Grafen Witte sind die Gouverneure der Provinzen Esth- land, Perm, Tomsk, Kasan und der Stadt Odesta obberufen worden, weil sie keine Maßnahmen zur Verhütung der jüngsten Unruhen ergriffen haben.

Odessa, 13. Nov. An Stelle des fernes Amtes enthobenen Stadthauptmannes Neidhardt wurde als Nachfolger General Grigorjew bestellt. Tie größt. Ueberraschung rief hier die in Ruß­land noch nie dagewesene Tatfache der Berufung eines Juden, Abrahamson, zum Hauptadministra-

ben ist. Ich muß Magda solange die Wahrhett verbergen, bis sie Rottecks Frau geworden' er brach ab; denn draußen ward die Helle Sfimme des Freifräüleins hörbar.

Viola preßte die zarten Hände krampf­haft ineinander.

Sie war heftig errötet, als Gerhard gesagt hatte:Sie werden es vielleicht lächerlich finden," und schon Hatto sie die Lippen geöffnet, um ihn zu unterbrechen, ober mit einer gewaltigen An- fttengung hatte sie sich zurückgehalten.

Auch jetzt sprach sie kein Wort; sie neigte bloß stumm das Haupt mtd blieb regungslos stehen.

Sie hatte ihm nichts zu sagen, mochte er von ihr denken, was er wollte, zwischen ihnen war alles vorbei.

Magdas Eintritt unterbrach dieses peinliche Zusammensein.

Ach, Ihr habt gewiß schon alles verabredet," rief sie, sich zur Heiterkeit zwingend; denn sie wollte ihrem Bruder nicht zeigen, wie schmerzlich sie diese Reise berührte.Ihr habt da ein förmliches Komplott gegen mich geschmiedet, und ich Arme muß mich nun darein ergeben, einsam hier zu herrschen."

Mola zwang sich zu einem matten Lächeln.

So schlimm ist es wohl nicht," sagte sie leise, die wenigen Wochen werden ball) vergehen, und dann"

Sie hatte hinzusetzen wollen:und dann keh­ren wir wieder zurück," allein sie brachte die Lüge nicht über ihre bebenden Lippen.

Stumm wandte sie sich ab, um ihre Erregung zu verbergen, und der Freiherr schlug rasch ein anderes Thema an, um ihr Zett zu geben, sich zu fassen. Man setzte sich zu Tische; allein es war ein trauriges Frühmahl. Alle drei waren herzlich froh, als es zu Ende war.

Gerhard ging in sein Arbettszimmer und Viola eilte in den Park, um frische Luft zu schöpfen, in Wahrheit aber, um von allen den ihr lieb ao-

tor der Südwesteisenbahn hervor an Stelle beS zum Minister für Verkehrswege ernannten bis­herigen Direktors Nemeschajew.

Warschau, 13. Nov. Gestern Abend ver- sammolte sich eine größere Menge Israeliten in der Ostrowskasttaße, um einen Angriff von anti­semitischer Seite, den sie befürchtete, abzuschla­gen. Militär zerstreute die Menge und gab dabei eine Gewehrsalve ab, wodurch neun Poffo. neu getötet wurden.

Kattowitz, 13. Nov. Die Eisenbahn- dmcktton gibt bekannt, daß der Eisenbahnverkchr mit Sosnowice und überhaupt mit Rußand noch völlig stockt.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Nov.

- Seine Majestät der Kaiser verabschie­dete sich am Sonntag Abend 6 Uhr vom König von Spanien in herzlichster Weise, der von Potsdam die Reise nach Wien antrat. Ferner waren aus dem Bahnhose erschienen der Kron­prinz und sämtliche Prinzen. Am gestrigen Mon­tag Vormittag unternahm, der Kaffer einen Spa­ziergang, hörte sodann die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts, des Kulturministers und des Oberhofmeisters Frbrn. v. Mirbach und empfing den Regierungspräsidenten Schilling. Abends 10 Uhr reiften der Kaiser, die Kaiserin sowie daS Kronprinzenpaar nach Nürnberg, wo heute in Gegenwart des Prinzregenten Luttpold ine feierliche Enthüllung des Denkmals für Kaiser Wilhelm l.' stattfindet.

Die Einberufung deS preußi­schen Landtages ist sicherem Vernehme« derNordd. Allg. Ztd." noch (tote schon tele­graphisch gemeldet) für den 5. D e z em ber « Aussicht genommen. Aus der Wahl des TernnnS vor Weihnachten und auS der Taffache, daß Kul­tusminister Dr. Studt gestern dem Kaiser Dor- trag gehalten hat, kann man wohl schließen, daß das Schulgesetz in den vorparlamentarischen In­stanzen erledigt ist.

DieSüdd. Tabakztg." berichtet über ine neue Tabaksteuer-Vorlage: Es ist eine Zigarettenpapiersteuer vorgeschlagen von L Mark für 1000 Blättchen; eine Zollerhöhung auf ausländische Zigaretten von 270 auf 1200 Mari, auch eine beträchtliche Zollerhöhung auf andere Fabrikate; der Zoll auf Tabaksaucen, deren Ein- ftihr im letzten Jahre nur 10 714 Doppelzentner betrug, ist von 85 Mark auf 100 Mark erhöht. Außerdem eine Wertsteuer für sämtliche Roh- tabake von 25 Prozent des Fakturenbettages. Die Banderolsteuer auf Zigaretten hat man fallen ge­lassen, um nicht noch einmalmit einer Art Fabrikatsteuer zu kommen." Ein provisorische» Sperrgesetz soll mit der Einbringung der Vor- läge im Reichstage erlassen werden, allein die Verzollung findet danach zum alten Satze bis 1. April 1906 statt; man will triff en, welche Quantitäten bis dahin abgehoben wurden, um ab 1. April 1906 selbstverständlich Vorbehalt-

wordeneu Plätzen Abschied zu nehmen, denn fU ging auf Nimmerwiederkehr.

Dichte Schneemassen deckten die zierliche« Blumenbeete, an den entblätterten Lindenbäumen hingen lange, glänzende Eiszapfen, und müden, traurigen Blickes schaute Viola um sich her. Wie rasch war doch alle Herrlichkeit entschwunden!

Sie konnte jetzt an Tonnberg denken, ohne daß ihr Herz lebhafter pochte, ohne daß ihr Blich rascher in den Adern pulsierte alles wärme« Empfinden für ihn war blos Schein und Trug gewefen.

Was nützte es, daß Viola daS jetzt erkannte, daß sie sich mtt heißem Schmerze sagte, der Manu ihrer Liebe sei einzig und allein Gerhard un$ werde es auch immer bleiben.

Zu spät, zu spät! so schien eS ihr doch jedem blätterlosen Aste zu winken, auS des ganzen weiten Schneeflache zu tönen zu spät! sie hatte ihr Glück verscherzt und konnte dl nicht wiederfinden.

Gleich einer Nachtwandlerin kehrte fie trtil Schloß zurück.

Sie ging in ihr Zimmer und gab der Dieneri« Befehl, ihre Sachen zu packen.

Sie selbst sah nichts an, rührte nichts au. Sie nahm ein Buch und fetzte sich in ihrem Heine# Salon ans Fenster. Allein sie las nicht.

Ihre Blicke fchweisten immer wieder über die weite Schneefläche hin. Sie gedachte der Zett, da alles grünte und sproßte, da die Rosen itnS Lindenblüten so süß geduftet hatten, da für s« langsam eine neue Welt aus dem öden, düster«! Chaos aufgetaucht war. Und die langen, trau»; lichen Herbst- und Winterabende an seiner Seite; diese Stunden süßen ahnungsvollen Glückes -y1 wie köstlich, wie wunderbar schön war doch die Zeit des Hangens und BangenS gewesen. Un- nun? x- . <

Vorbei, vorbei für immer. i - A

(Fortsetzung folgt.?