mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: JAustrirtes Sonntagsblatt.
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Vierteljährlicher Bezugspreis: der oer Expedition 2 Wt^ bei allen Postämtern 2,25 Ml. Bestellgeld).
JnsertlonSgeSuhr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.
Reklamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Dienstag, 14. November 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh-Iug. Koch, UmvrrMtS-Buchdruckertt 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon >a.
ist
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Nacbdruck verboten.)
Der arme Bruder, auch er sähe heute so bleich und angegriffen aus!
Viola wandte ihr Gesicht; sie fühlte, daß eine brennende Röte ihre Wangen überzog.
„Ich habe furchtbaren Kompffchmerz, der mich jeden Gedankens unfähig macht," sagte sie nullt.
Magda brachte hilfsbereit ein Hausmittel in Vorschlag; aber Mola lehnte alles ab. Sie war froh, als Magda sich endlich entfernte; denn es kostete sie eine übermenschliche Anstrengung, eine ruhige, glcichgiltige Miene zur Schau zu tragen.
Wenige Minuten nach Magdas Entfernung kam die alte Dienerin, sie brachte eine Erfrischung für Viola und ein Billot von dem Freihorrn, welcher unvermutet rasch nach Hause gekommetl war.
Viola erbebte; aber sie zwang sich zur Fassung.
Sie kostete etwas von den Speisen und ließ sich dann von der Dienerin bei der Nachttoilette Helsen.
„Sie können jetzt gehen," sagte sie dann ruhig, „ich brauche für heute nichts mehr."
Tas Billet lag noch immer unberührt auf der kleinen silbrrnen Platte, selbst als die Dienerin längst das Zimmer verlassen hatte.
Endlich, endlich erbrach Viola das Siegel, sie wußte, daß sie keine gute Botschaft erhalten würde.
Mit starrer, eisiger Rübe überflog sie das Billet; dann überlas sie es langsamer noch zwei- —- dreimal. Ihre Augen flammten und auf ihrer weißen Stirn zeigte sich eine düstere Falte; aber kein Laut, kein Seufzer entschlüpfte ihrer Brust.
Sie stand langsam auf und suchte den Brief ihrer Mutter hervor. Beide Briefe fest in ihrer Hand ballend, schritt sie zu dem Ofen — eine Sekunde des Zögerns noch — dann hatte sie die Papiere den Flammen übergeben.
Ter Widerschein des Feuers bereitete eine rosige Glut über ihr Antlitz, als sie da so sinnend
Petersburg, 12. Nov. Die Nacht
hier ruhig verlaufen. Vereinzelte Versuche, die Ordnung zu stören, waren erfolglos. Nach den hier vorliegenden Privatmeldungen kam es gestern in Helstngfors wieder zu ernsten Ruhestörungen.
Kronstadt, 12. Nov. Die Mannschaften der auf der Reede von Kronstadt liegenden Kriegsschiffe blieben während der Unruhen den Offizieren gehorsam und zeigten keine Neigung, sich den Meuterern anzuschließen.
Petersburg, 11. Nov. Ganz Kronstadt gleicht einem Heerlager. Heute gingen dorthin noch Teile des Preobrashenski- und des Paw- lowschen Regiments mit 20 Maschinengewehren ab. Im Laufe des heutigen Tages sind keine weiteren Ausschreitungen vorgekonnnen. Der vernünftige Teil der Matrosen, der noch ziemlich groß ist — denn revoltiert haben ungefähr nur 8000 Mann, in Kronstadt stationiert sind aber 18 000 Mann — begab sich zu der Marinezeitung und erwirkte den Abdruck eines Aufrufes, in dem sie bitten, mit der Revolte anzuhalten und weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Sämtliche Revoltanten sind in den Kasernen eingeschlossen.
London, 11. Nov. Ans Petersburg wird telegraphiert, das Kriegsgericht in Kronstadt habe in außerordentlicher Sitzung beschlossen, jeden zehnten Matrosen, der an der Meuterei beteiligt war, zu erschießen.
Odessa, 11. Nov. Der. gestrige Tag ist hier Dank den energischen Maßnahmen, die der Generalgouverneur nunmehr getroffen hat, ziem- lich ruhig verlaufen. Es herrscht jedoch in der Bevölkerung noch immer eine gewisse erregte
Die revolutionäre Bewegung in Rußland.
Wie aus Petersburg hont gestrigen Sonntag gemeldet wird, ist die Stadt ruhig. Keinerlei Ruhestörung ist vorgekommen. Gestern hat die erste Sitzung des Ministerrates unter dem Vorsitz des Grafen Witte stattgefunden. Wie aus Kronstadt gemeldet wird, ist dort alles ruhig. Die Maschinengewehre sind von den Straßen zurückgezogen, auch sieht man weniger Soldaten in der Stadt. Die Matrosen fahren mit der Ablieferung der Waffen fort. Auf Befehl des Marineministers werden die Meuterer unter besonderen Bedingungen zu einer langwierigeit Seefahrt eingeschifft. Auf die während der Unruhen entwendeten Vermögensstücke sind energische Nachforschungen seitens der Behörden im Gange. Nach Nachrichten aus Odessa ist die Stadt ruhig. Die Ausländer verlassen die Schiffe, auf die sie sich geflüchtet hatten. In Elisabethgrad ist die Ordnung wiederhergestellt. Die in Wasilkow und den benachbarten Dörfern entstandenen Unruhen, die gegen die Juden gerichtet waren, sind energisch unterdrückt worden. In Tiflis ist der Ausstand der Eisenbahn-Angestellten beendet. — In Warschau hat sich eine Gruppe von Kaufleuten organisiert, um die Ausstände zu bekämpfen.
Pflicht md Liebe.
Roma» vo» C. Wild.
GVI” ntzung.)
_ Viola gab der Dienerin Befehl, sie nicht zu stören, bis sie sie rufe, dann verschloß sie sorgfältig die Tür, und unfähig, sich länger zu beherrschen, brach sie in einen Strom von Tränen aus.
So war alles vorbei!
Ser Traum von Glück hatte ein jähes Ende gefunden, und sie stand da. einsanrer und freudloser als je zuvor.Allein Molo war keine weich, liche Natur, die sich lange deut Schmerze hin- gwt.
Nachdem sie sich satt geweint, begann sie, ruhig über rhre Lage nachzudenken. Sie war zu hoch- mutrg, um noch einmal den Versuch zu macken Gerhard zu versöhnen.
^nb ^nn, ste fühlte es im Innersten ihres »erzms, nach dem, was vorgefallen, würde er wr nicht mehr Glauben schenken, er hatte das Verträum zu ihr verloren.
<_ Einsam saß Viola da, finnenb, grübelnd, bis £?.!' ^tzte Tagesschimmer erlosch und eine graue Tammerung sich über die Gegmd lagerte.
cs leise an ihre Türe. Sie sprang snS. '~er? wenn dies möglich wäre!
?n stürmisch pochende Herz i.1 . * es war nur
/Was stimme, welche um Einlaß bat.
:pn „ ^le müssen etwas genießen. Sie dür- nickll Tm'o bleiben, öffnen Sie, ich gebe mt i ruber fort von hier.-
Jie Mr Tür und öffnete.
!bnf; £ -r fraVTn: mit ängstlichen Blicken sah .Wußte sie schon? — Ach nein, ten öcnn sie erzählte ganz unbefan-
K-t Vnh8 batte ins Stäbchen reiten müs-
ud erst spät am Abend zurückkehren werde, i
Neueste Telegramme.
Berlin, 13. Nov. Die Nachricht von der Mittelmeerfahrt des Kaisers wird von verschiedenen Seiten bestätigt. Die Kaiserjacht »Hohenzollern", das Depeschenboot „Sleipner" und der große Kreuzer ,Pork" hätten Befehl erhalten, am 15. Januar seeklar zu fein. Die Schiffe gingen voraussichtlich Ende Januar oder Anfang Februar nach dem Mittelmeer, um dort dem Kaiser zur Verfügung zu stehen.
Berlin, 13. Nov. Die neuen Panzerkreuzer unserer Flotte von erheblich vergrößertem Deplacement wurden auf 27000000 Mk. (gegen 19000 000 Mk. bisher) veranschlagt.
Wie«, 12. Nov. Eine Kundmachung des Rektors verfügt die Wiederöffnung der Wiener Universität für Montag. Der akademische Senat erklärt, jedem Versuche entschieden entgegenzutreten, der darauf abzielt, den deutschen Charakter der Wiener Hochschule zu verletzen. Ruhestörungen jeder Art würden die Schließung der Wiener Universität für das ganze Wintersemester unvermeidlich machen.
Rom, 11. Nov. Wie der „Offervatore Romano" meldet, hat der Papst beschloffen, am 11. Dezember ein geheimes Konsistorium und am 14. Dezember ein öffentliches abzuhalten, in dem einige Kardinäle ernannt und Erz- bifchosssitze in Italien und im Auslande neu besetzt werden sollen.
Paris, 12. Nov. Der gestrige Kabinettsrat faßte folgende Beschlüffe: Der Minister des Innern, Etienne, wird Kriegsminister, der Marineminister Thomson übernimmt dagegen vas Ministerium des Innern; der Handels« Minister Dubief übernimmt das Marine- Ministerium und wird als Handelsminister ersetzt durch den Deputierten und ehemaligen Minister Trouillot.
Kousta«tiuopel, 11. Nov. Gegenüber der Behauptung, daß Italien durch seine Haltung die Flottendemonftration gegen die Türkei verzögere, erfährt die Wiener Politische Korrespondenz, daß die Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Flottendemonstration für den Fall, daß die Pforte auf ihren Widerstand unnachgiebig beharre, allen Mächten gemeinsam sei, und daß die Machthaber in Konstantinopel solchem für die Türket peinlichen Vorgang nur durch Annahme der Finanzkontrolle vorbeugen könnten.
London, 12. Nov. Nach einer Times- Meldung aus Tokio befahl der Kaiser von Japan dem Marschall Ohama und den Mitgliedern leines Stabes, schleunigst nach Tokio zurückzukehren, anstatt bis Januar bei der Mandschurei- Ärmee zu bleiben, wie es ursprünglich Ohamas Absicht war.
Stimmung. Zu demagogischen Zwecken wurden Gerüchte ausgesprengt, die Universität fei in em Lager von Gewehren und Bomben verwandelt, die dort für revolutionäre Zwecke aufgespeichert würden. Infolgedessen nahmen die Professoren der Uniberfifät in Anwesenheit von Vertretern der Stadtverwaltung und der Handelswelt eine genaue Untersuchung sämtlicher Universitätsräumlichkeiten vor, wobei der Beweis erbracht wurde, daß die Gerüchte vollständig unbegründet seien. Da Ausschreitungen gegen die Universität befürchtet wurden, blieb sie heute völlig gesperrt.
Kischenew, 11. Nov. In der letzten Nacht kam es zu einer Meuterei im hiesigen Gefäng- niffe, in deren Verlauf das Gefängnis in Brand gesteckt wurde. Herbeigeeilte Truppen gaben auf die meuternden Sträflinge eine Salve ab, wobei mehrere Sträflinge getötet und viele verwundet wurden.
Moskau, 12. Nov. Trotz der äußeren Ruhe ist die Stimmung hier noch ungemein erregt, besonders unter den Juden. Es wurde ein Sicherheitskomitee gebildet, welches an die gefährdeten Einwohner Waffen verteilt. Täglich konferieren Vertreter der verschiedenen kommunalen Organisationen und professionellen Verbände über Mittel zum Schutze der friedlichen Bevölkerung. Heute erschien ein von Vertretern von sieben Vereinigungen unterzeichneter Aufruf, welcher die Bevölkerung zur Teilnahme am organisierten Selbstschutz auffordert. An allen Straßen werden Anschläge des Stadthauptmanns angebracht mit einem energischen Protest gegen die Aufhetzung des Mobs durch „Patrioten" und mit der bringen bett Ermahnung zur Ruhe.
Dem Ministerpräsidenten Witte sind aus verschiedenen Testen Polens Erklärungen betreffend die volle
Autonomie Polens zugegangen. U. a. erhielt er am 11. d. M. ein Telegramm ans Kali sch mit der Mitteilung, daß eine zahlreich besuchte Versammlung dort zu dem Schlüsse gelangt sei, nur die Einführung der Konstitution für Polen und die volle legislative und administrative Autonomie, sowie die Auto- nomie in Schule und Rechtspflege und die Be - rufung eines Landtages nach War- schau auf der Grundlage des allgemeinen gleichen und geheimen Wahlrechts könne zu einer ge- i fünften Entwicklung des Landes führen. Ein Telegramm aus Radow setzt Witte davon in Kenntnis, daß eine Versammlung von Bewohnern der Stadt und der Umgegend sich für die Autonomie ausgesprochen und beschloffen habe, die sofortige Einberufung einer konstituierenden Versammlund auf der Grundlage des allgemeinen gleichen Wahlrechts zu fordern.
Graf Witte empfing die Delegation der War- schauer Rechtsanwälte und erklärte ihr: „Der Kriegszustand in Polen wird nicht aufgehoben, I Reformen werden nicht eingeführt, bis das Land I sich beruhigt hat. Ick befürworte eine lokale I Selbstverwaltung, aber keine politische Autonomie. I Ich bin Polen wohlgeneigt, aber unter Zivang I wird die Regierung nicht nachgeben." I
stand, finster in die hoch auflodernden Flammen sehend.
„Vorbei," sagte sie mit dumpfer Stimme, als die jähe Glut mit einem Male erlosch, — ein leises Flimmern, ein leises Knistern, das letzte Nestchen Ascke sank in sich zusammen — jede Spur der beiden Briefe war verweht — und mit ihnen das erträumte Glück.
, Mola richtete sich hastig empor und strich das wirr: Gelock von der Stirn.
„Und nun will ich ein neues Leben beginnen," sagte sie, entschlossen zu ihrem Schreibtisch schrei- tend.
Mit fester Hand ergriff sie die Feder und schrieb die wenigen Worte nieder:
, „Ich willige in alles ein. Geben Sie ihm brieflich mein Jawort —; doch will ich ihn erst in der Residenz Wiedersehen. Mola."
Sie hatte dennoch ihre Kräfte überschätzt; denn kaum hatte sie das Schreiben geschlossen, als sie eine plötzliche Schwäche über sich kommen fühlte.
Wankend erreichte sie ihr Lager, auf welches sie halb ohnmächtig niedersank.
So tag sie lange regungslos gleich einer Toten, bis ein kalter Schauer ihre Glieder erbeben machte.
Fröstelnd hüllte sie sich fester in die Kissen, und eine bittere, schmerzliche Träne rollte langsam über ihre Wangen herab.
Sie fühlte es, in dieser Stunde hatte sie ihr Glück begraben.
Am nächsten Morgen trat der Freiherr in das Zimmer seiner Schwester.
Magda, in ihrem hübschen, einfachen Haus- aiizuge, stand bei dem Blumentisch und ordnete sorgfältig einige Blattpflanzen, die ihr foeben der Gärtner gebracht.
„Ah, Gerhard, guten Morgen!" sagte sie freundlich, den Bruder etwas erstaunt anblickeno; denn Gerhards Besuch zu dieser Zeit war eine große Seltenheit. .——
Petersburg, 11. Nov. Durch eine» Ukas des Kaisers von gestern ist in allen zehn polnischen Gouvernements das Kriegsrecht proklamiert.
Warschau, 12. Nov. In Warschau W die Paust vor einer Judenhetze ungeheuer, eins starke Selbstverteidigung wurde organisiert. 4000 junge Leute bewachen die Häuser der Juden. Der Oberpolizeimeister veröffentlicht eine Verordnung daß jedes gegen Christen sowie gegen Juden gerichtete Attentat durch SBaffengetoalt gehindert werde. Seit den letzten 24 Stunden wurden vier Polizisten erschossen, desgleichen sedfS Spitzel. Der Bahnverkehr geht nur bis Petersburg, da Kohle« mangel herrscht. j
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Nov.
— Seine Majestät der Kaiser besichtigte vorgestern Samstag Vormittag mit dem König von Spanien auf dem Sandhof beim Neuen Palais zwei Geschütze (ein Rohrrücklaufgeschütz und eine schwere Feldhaubitze) und sodann aus der Mopke das Lehrinfanterie-Bataillon. Die Majestäten schritten zunächst die Front des Bataillons ab, welches unter den Klängen der spanischen Hymne präsentierte. Es folgte eine Vorstellung der einzelnen Mannschaften, dann Griffe und Wendungen im Bataillon, fchnlmäßiges un8 Gefechtsexerzieren. Den Schluß machte ein Parademarsch in Kompagniefront und ein zweiter in Bataillonsfront. Die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise wohnten der Vorführung bei. Zugegen waren die Gefolge, der Kriegsminister, der Chef des Mstitärkabinetts. Später begaS sich der König von Spanien in Begleitung bei Oberjägermeisters Freiherrn von Heintze m bex Wildpark zu einer Pirsche auf Rotwild. Mittags um W2 Uhr fuhr der König mit dem General von Lindeguist nach dem Mausoleum des Kaffee Friedrich. Der König legte am Sarge Kaiser Friedrichs einen Lorbeerkranz mit weißen Lilien, weißen Chrysanthemen und Palmenwedeln nis- der, nm Sarge bet Kaiserin Friedrich einen Krantz mit weißen Nelken und mit weißen Chrysanthemen. An beiden Kränzen befanden sich Schleifen in rot und gelb. Nach kurzem AusenthM fuhr der König nach dem Marmorpalais, wo um W2 Uhr bei dem Kronprinzen ein Frühstück stattfand. Nachmittags traf der Kaiser, vom Neue« Palais fommenb, zu Fuß auf der offenen Reitbahn des Regiments Gardedukorps ein, wo sich auch der König von Spanien und der Kronprinz eingefunden hatten. Es wurden alte und neue Remonteabtfflungen besichtigt, hieran schloß sich ein Gefecht, sowie ein Jeu be rose, geritten vom Kronprinzen und zwei Offizieren. Es folgte ein Parademarsch von zwei Zügen, von denen der eine schwarze und der andere gelbe Kürasse trugen. Hieraus bestiegen der Kaiser und der König von Spanien, sowie der Kronprinz Automobste und fuhren znm Offizierskasino des Regiments Gardedukorps, wo eine Besichtigung der inneren Einrichtung vorgenommen wurde. Abends fand
„Ich habe mit Dir zu reden, Magda", sagte der Freiherr, indem er sich in eine Ecke des Divans so setzte, daß Magda feine Gesichtszüge nicht deutlich sehen konnte; „laß Deine Lieblinge und widme mir eine Viertelstunde."*
Magda verließ den Blumentisch und mchnfl an seiner Seite Platz.
„Ich höre", sagte sie, ihn aufmerksam an« blickend.
„Ich muß Geschäfte halber in die Residenz", begann Gerhard mit ruhiger Stimme. Nur er allein wußte, was ihm diese Ruhe kostete, und' da habe ich mir denn gedacht, es sei das Best-, Viola mitzunehmen und sie bei der Präsidentin Eckberg zu lassen; sie soll ihre Mädchenzeit genießen, so lange es geht, und ich bin überzeugt, daß mein Vorschlag bei ihr volle Billigung finden wird."
Magda blickt- ihren Bruder forschend afrj so viel sie unterscheiden konnte, waren seine Go» sichtszüge ruhig; aber in feiner Stimme lag ei»' kalter Ton. der ihr nicht gefiel. -st
„Du willst Mola längere Zett im Hause dec Präsidentin lassen?" fragte sie nach einer Weste beklommen.
„Bewahre! Allein mein Aufenthalt in der Residenz kann sich vier Wochen ausdehnen, und weshalb sollte ich ihr da nicht die Freude gönnen, an meiner Seite die Sehenswürdigkeiten einer Großstadt kennen zu lernen? Im übrigen ist sie ja bei der Präsidentin in besten Händen." i
Der Ton des Freinherrn klang diesmal sv harmlos, daß Magdas Bedenken schwanden.
Und doch! Wenn er gesagt hätte: Violas Umgang ist mir unentbehrlich geworden, „ iHj möchte sie in meiner Nähe wissen", das würde viel einsack-r. viel natürlicher geklungen haben.'
(Fortsetzung folgt.) .