Nit dem Kreis-Latt für die Kreise Wiarbmg und Kirchhain. z
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt. ----- —
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■>/» non bet ollen Postämtern 2,26 Mk. Bestellgeld).
’’w,w,,{±Ä,5r’“Sonntag 12. November 1905
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Serlag- Joh. Mag. Koch, UmtxrfitLtS^Suchdruckerri 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Zweites Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Neueste Telegramme.
Brrli«, 11. Nov. Der König von Spanien Verlieh dem Fürsten v. Bülow den Orden vom Goldenen VlieS.
Oldenburg. 10. Nov. Wie die „Nachrichten für Stadt und Land" melden, wird dem vldenburgischen Landtag eine Vorlage zugehen guf Abänderung deS Landtagswahlrechts durch Einführung der allgemeinen, geheimen und direkten Wahl.
Paris, 10. Nov. Der Kriegsminister !frühere Börsenmakler) Berteaux hat seine Entastung eingereicht. Ministerpräsident Rouvier ersuchte den Präsidenten Loubet, für morgen vormittag den Ministerrat einzuberufen, in dem über die Neubesetzung deS KriegSminister Postens und über die durch Berteaux Rücktritt für das Kabinett geschaffene Lage beraten werden soll.
Loudott, 11. Nov. Der „Standard" meldet, daß die britischen Flottenmanöver im nächsten Jahr größeren Umfang haben werden als die diesjährigen. ES werde der Gedanke zugrunde ß werden, daß die japanische Flotte daran tote und sämtliche Seegrenzen aller britischen Besitzungen würden als von einer feindlichen Koalition bedroht angesehen werden.
Konstsntiuopel, 10. Nov. Laut einer Meldung der „Franks. Zig." aus Konstantinopel findet zwischen den europäischen Kabinetten eine Verständigung über eine Flottendemonstration gegen die Pforte statt. Rußland wird hierzu seine vor dem Piräus und vor Kreta liegenden Kriegsschiffe heranziehen.
New'Uork, 9. Nov. In Rio de Janeiro ergab sich die aufständische Besatzung des Forts Santa Cruz. Die Ruhe ist wiederhergestellt.
Oesterreich-Ungarn.
. Die Wiener „N. Fr. Pr." tritt seit einig« Zeit energisch für den Gedanken einer öfter- peichisch-ungarischen Verständigung von Parlament zu Parlament zu Parlament ein. Sie läßt sich durch Parlamentarier und sonstige hervor, ragende Persönlichkeiten so ziemlich aller deut- chen politischen Bekenntnifle Tag für Tag Zu- timmung und Sympathie für ihren Vorschlag >eicheinigen, und in der Tat wird man ja ter Idee, die Schwierigkeiten der Lage durch eine Verhandlung von Parlament zn Parlament zu überwinden, unbedenklich beipflichten können. Hat ja doch auch das Programm der Krone die direkte Mitwirkung beider Parlamente bei der
Beiträge zur ChwM von Marburg.
Von L. Müller.
(Fortsetzung.)'
1908. Die Lahn ist in diesem Winter zum zweitenmal zugefroren. Die Marburger Stuten, tenschaft hat nun ihren Sonderkonflikt mit dem preußischen Kultusminister. Letzterer hatte näm. flch anläßlich einer Kundgebung ter Marburger Studenten zu Gunsten der akademischen Freiheit, die sie durch die Vorgänge in Hannover bedroht glaubten, dem Dertreterausschuß gegenüber der. schiedene Wünsche geäußert und zwar: die Stu» dentenschaft möge, bei Beschwerten usw. den ^-Instanzenweg" einhalten, ferner akademische Streitigkeiten nicht sofort in ter Presse verhandeln und schließlich darauf verzichten, sich mit anderen Studentenschaften über die Behandlung stutentlscher Fragen in Verbindung zu scheu. Der Ausschuß der Marburger Studenten hat jedoch vtese Wünsche alle als unerfüllbar und nur eine tveitere Beschränkung ter akademischen Freiheit bezweckend abgelehnt, dagegen volle Satisfaktion dafür gegeben, daß ter Minister nachts 2 Uhr durch em versehentlich als „dringend" bezeichnetes Telegramm aus tem Schlaf geweckt worden ist. Der Minister sandte am 6. Februar den Geh. Regierungsrat Daube wegen dieses Vorgehen und Ruhestörung noch Marburg und dieser leitete. etne resultatlose Untersuchung ein Auf telegraphischem Wege wurde ter Kommissar von öernn ongeluiefen, zwei Mitglieder tes Studentenausschusses mit nach Berlin zu nehmen, um oort protokollarisch veriiommen zu werten. Als Anlage dieses Protokolles wurde nun den beiden ein Entwurf zu einem Entschuldigungsschreiben I ;.ur Übermittlung an den Studenten-Ausschuß Etngehandigt. Die Angelegenheit wurde beigelegt. I
künftigen Revision des Ausgleichs ins Auge gefaßt, ja ausdrücklich zur Bedingung gemacht. Aber ein Bedenken läßt sich doch nicht unter- drücken. Wem eigentlich soll mit ter Idee geholfen werten? Die merkwürdig entgegenkommende Aufnahme, die ter Vorschlag ter „N. Fr. Pr." in den Blättern der ungarischen Koalition gefunden hat, kann vielleicht ten Schleier heben. Man entsinnt sich, eine wie ganz andere Sprache die Führer der Koalition und ihre Presse anschlugen, als Kaiser Franz Josef bei der Audienz vom 23. September seine analoge Forderung stellte. Damals enthielt dieser Vorschlag eine Kränkung, einen Eingriff in die Rechte ter Nation. Und heute? KossuthS Organ „Budapest" und die „N. Fr. Pr." reichen sich über der Idee einer Entsendung von Deputationen beider Parlamente brüderlich die Hände. Ein merkwürdiger Wechsel, und doch liegt die Erklärung nicht so fern. Denn zwischen damals und heute hat sich die Lage ter Koalition nicht zu ihren Gunsten verändert, und darum ist, was vor sechs Wochen eine unerträgliche Zumutung war, heute löblich und gut. Man steh- einem Kampfministerium mit einem Pro- gramm gegenüber, dessen Werbekraft den einzelnen in der ter Koalition verbündeten Parteien tote tem Bestände der Koalition selbst gefährlich genug zu werden droht. Man hat die offene Auflehnung ter Südslawen gegen die in Fiume so mühsam inS Werk gesetzte kroatisch-madjarische Verbrüderung erlebt. Man sieht Tag für Tall die Rekruten aus den nicht rein madjarischen Gegenden in Haufen zur freiwilligen Stellung einrücken. Alles Anzeichen, die der Koalition das Nachdenken und Einlenken nahelegen. Was Wunder, wenn sie nachgerade jede Hand ergreift, die sich ihr entgegenstreckt, und fei es auch eine deutsche. — Eine andere Frage ist, ob es politisch wohlgetan, ob es loyal gegen die Krone gehandelt ist, den bedrängten madjarischen Frondeuren gerate ht einem Augenblicke die Hand zur Der- ständigung zu bieten, wo ter Kampf zwischen ihnen und ter Krone akut geworden. Die Beant» Wartung dieser Frage steht auf eirtem anderen Blatte.
Zur Lage in Rußland.
Der aus Rußland zurückgekehrte Engländer W. T. Stead, ter mit Billigung der russischen Regierung in öffentlichen Versammlungen über die Verfassung reden wollte, dabei ater wenig Erfolg hatte, meint, die Vorgänge in Rußland seien nur Nadelstiche im Vergleich zu tem, was kommen würde, wenn ter Zar nicht an ter Spitze bliebe. Der Ernst ter Lage würde in England gar nicht begriffen. Stead ist der Ansicht, Eng. land solle Transportschiffe bereithalten, welche die englischen Untertanen von Kronstadt nach Peters- bürg wegholen können, da Schlimmeres als die Pariser Kommune jederzeit ausbrechen könne. Der Rücktritt Trepows bedeute eine Krisis. Witte solle gesagt haben, Trepow fei der einzige Mann, der ten Pöbel niederhalten und auch die reaktionären Beamten beseittgen könne.
Petersburg, 10. Nov. (Petersb. Tel.» Agentur.) Da der Minister des Aeußern Graf Lamsdorff und ter Justizminister Manuchin ihre
Für den Umbau des physikalischen Instituts sind vom Staat als erste Rate 102 500 Mark im Etat eingestellt worden. Das Bahnhofgebäude soll abgebrochen werten und nach dem Platz vor tem Bahnhof vorgerückt werden. Dieses Gebäude, wurde in ten Jahren 1847 und 1848 erbaut. Die Kreissteuern und Bezirkssteuern für die Stadt Marburg betragen 48 700 Mark — 20 Prozent Zuschläge. An Bezirkssteuer werden im Regierungsbezirk 590 940 Mark erhoben. Die Einnahmen und Ausgaben der Stadt betragen pro 1905/06 1 838 500 Mark, ein Mehr gegen voriges Jahr von 852 445 Mark.
Für ein Elektrizitätswerk sind als 1. Rate 200 000 Mark im Etat eingestellt. In diesem Jahre läßt das kaiserliche Postamt ein unter- irdisches Kabel für ein Fernsprechnetz in Marburg anlegen.
Anstatt tes alten Wappentieres auf tem M- renßrunnen hat die Stadt nach diesem eiven neuen Löwen anfertigen lassen ter 200 Mark kostet. Am Wappenschild steht folgende Inschrift: Auspiciis Fridrici IL Aqua Publicis usibus dedicata MDCCLXIV. d. h. „Das unter der Regierung Friedrichs II. dem öffentlichen Gebrauch geweihte Wasser. 1774." Bei Enthüllung des Wappentieres am 21. Februar veranstalteten die Studenten folgenden öffentlichen Weihe- akt, wie die „Oterhess. Zig." berichtete:
Der Marburger Bar und die Studenten.
Ter Bärenulk der Studenten hat heute Nachmittag mit ter feierlichen Einweihung des neuen Bären aus dein Bärenbrunnen neben tem Luther- Hause in der Mrfüßerstraße seinen wohlgelunge- neu Abschluß gesunden. In der ganzen Stadt verbreitete Plakate mit dem Inhalt: „Kavaliere, Bürgert Vorbei ist die bärenlose, die schreck- liche Zeitl Dienstag Nachmittag 5 Uhr wandle
Posten behalten, kann das Kabinett jetzt als konstituiert angesehen werten. Nur die Portefeuilles tes Innern und des Unterrichts find noch nicht vergeben.
— Marineminister Admiral Birilew begab sich heute nach Kronstadt.
— Ueber Kronstadt ist heute ter Kriegszustand verhängt worden.
— In sämtlichen russischen Städten find die Universitäten und alle Hochschulen geschloff-en. Das Unterrichtsministerium gibt dazu bekannt, daß ter Zeitpunkt der Wiedereröffnung noch nicht festgesetzt werden könne. Auch die Mittelschulen werten für unbesttnrinte Zett geschlossen.
Warschau, 10. Nov. Morgen soll eine Abordnung von 22 Personen aus tem Atel und der Bürgerschaft sich nach Petersburg begeben, um mit der Regierung über die Autonomie für Polen zu verhandeln.
Die „Köln. Ztg." meldet in einem offiziösen Berliner Telegramm gegenüber der sozialistischen Meldung, wonach deutsche Truppen an ter Ostgrenze Befehl erhalten hätten, alle Maßregeln zu treffen, um etwaige großpolnische Unternehmungen auf preußischen Boden zu ersttcken: ES fei selbstverständlich, daß die Regierung ein lieber- greifen ter Unruhm über die deutsche Grenze nicht dulten werte: auch sei es richtig, daß bei der Bedrohung ter Grenze durch Ausständische oder Revolutionäre die Requirierung einiger Ba- taillone erfolgen könne, ohne daß die Landräte erst an höherer Stelle anfragm müffen. Bon Truppenansammlungen an ter Stelle könne in- des keine Rede sein; die bisher dort ftotionierten Gendarmen genügten vorläufig zur Aufrecht- erhaltung tes Grenzschutzes.
BreSlau, 10. Nov. An ter Grenze wurde die Gendarmerie wieder verstärkt. Gestern zog eine große Menge Ausständiger unter ten üb- rieben Kundgebungen dicht an ter Grenze entlang. Die russischen Schilder tourten abgerissen und die russischen Doppeladler durch polnische ersetzt: die russischen Grenzwachm ließen die erregte Menge ruhig gewähren. Der Zug der Flüchtlinge, die an den beiden Grenzübergängm bei Modrzejow und Czeladz die schlesische Grepze überschreiten, um in Krakau, Kattowih und cm- deren Städtm sicheres Asyl zu fuchm, vermehrt sich von Tag zu Tag.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. November.
— Seine Majestät ter Kaiser hat gestern Freitag Morgen in Begleitung des Königs von Spanien und des Kronprinzen Hannover verlassen und sich nach Jagdschloß Springe begebem Um %9 Uhr traf ter Kaiser vor dem Jagdschloß in Springe em; die Jagd- wagen fuhren sofort in das Revier Hallermuncs- köpf. Der König von Spanien saß im Wagen neben dem Kaiser und trug die Hofjagduniform, tee ihm verliehen worden ist. Der Kaiser und seine Gäste begaben sich in ihre Ständer; um 10 Uhr wurde die Jagd angeblasen; es war ein Jagen mit ter Findermeute auf Saum. Als toenige Minuten nach Anfang ter Jagd vom Stand des Kaisers der erste Schuß fiel, pafiiertm
mehr denn 240 Sauen das Schußfeld. Der Kaiser ließ manche grobe Sau und manchen Wehrkräften Keiler ohne Schuß Passierm, es schim ihm Freud« zu machen, tem jungen König eine gute Jagd zu bereiten. Nach tem Jagdergebnis erlegte bet Kaiser 4 Schaufler und 55 Saum, König Alfons 10 Schaufler und 79 Saum. Nach beendeter Tafel erschienen ter Kaiser, König Mons, ter Kronprinz rmd die übrigen Jagdgäste vor tem Schloß zur Besichtigung ter Strecke. Das zahlreiche, zur Besichtigung ter Strecke zugelassene Publikum begrüßte die Majestäten mit lebhaften Zurufen, die sich auch bei ter um 2% Uhr erfolgten Abfahrt wiederholten.
- Wie auS Eifmach gemeldet wird, nehmen dis bürgerlichm Parteim schon, toenn auch nur andeutungsweise, zur Stichwahl im R ei ch sta g s toahlkr eise Eisenach« Dermbach Stellung. Die Nationalliberalm e» klären in einem Artikel in ihrem Eismacher Ov» gan, daß sie hoffen, daß ter Antisemit sich ter Aufgabe, die Sozialdemokratte zu bekämpfen, ebmso gemachten zeige, tote ter frühere national* liberale Kandidat. Nach dieser Erklärung muß em Eintreten ter Nationalliberalen für Herrn Schack selbstverständlich erscheinen. Die freisin« nige „Eisenacher Tagespost" hofft, daß ter bünd- lerische Versuch, ten Wahlkreis in die Gante ter „Reaktton" zu bringen, vereitelt werde. DaS bedeutet nichts anderes als eine Empfehlung der sozialdemokratischen Kandidatur.
— lieber die auswärtige Politik Deutschlands wird in der .Zukunft' in einem kritischen Aussätze geschrieben, daß sie eine .schlechte, über all« Vorstellung törichte Politik' sei, die nur zu Schlappen geführt habe, und eS wird dann weiter ausgesührtl
.Wir find nicht saturiert. Und expansive Potitik können wir nicht auf eigene Faust treiben; nicht in einer Zeit der Fusionen und Syndikate. Wir tonnten^ nicht, so lange das franko-russische Bündnis un8 hemmte, und werdeu'8 künftig erst recht nicht können: denn dieser Zweibund soll nun zu einem großen antideutschen Trust erweitert werden. Das ist der Zweck des sranko- briiischen Vertrages. Er soll Rußland zum Beitritt nötigen. Großbritannien fühlt, daß die Stunde gekommen ist, in der es sich mit Rußland für lünfzig, vielleicht für hundert Jahre über die ostasiatische« Fragen mit Vorteil verständigen kann. Alle drei Mächte haben gemeinsam das dringende — politisch« und wirtschaftliche — Jntereffe, Deutschland zv schwächen; daS wirtschaftliche, weil es auf der Weltmärkten ein unbequemer Konkurrent, das politische, weil es ein Element der Unruhe ist. Deshalb möchten sie sich gegen das Deutsche Reich syndizieren.' Eine getoiffe Berechtigung läßt sich diesen Gedanke» nicht absprechem
— Nach ten bisher über die neue Flatten-Vorlage veröffentlichten Mitteilungen besteht nun darüber Gewißheit, daß die neuen Linienschiffe 18 000 t und die Kreuzer 15 000 t groß werten sollen. Beides ist eigentlich durchaus selbstverständlich, tenn wir folgen damit nur einem schon lange von anderen Staaten gegebenen Beispiele. Auch hat der Flottm-Verein schon seit Jahren auf größeres Deplazement unserer Schlachtschiffe und stärkere Artillerie gedrungen. Was besonders die Artillerie angeht, so können wir nur wünschen, daß die neuen Schiffe auch wirklich eine genügende Zahl von Geschützen schwersten Kalibers erhalten wer dm. Bis jetzt
der Kavalier zum Bärenbrunnen, Husch!" hattm um die besagte Zeit halb Marburg auf die Beine gebracht. In der Barsüßerstraße und ten umliegenden Gaffen in der Nähe tes Bärenbrunnens stand die Menge Kopf an Kopf. Unter ten schmetternden Klängen ter städtischen Kapelle nahte um 5 Uhr ein seltsamer Zug. Voran zwei befrackte Vorreiter mit dunkelgelbbraunen Bärenfahnen, dann ein vierspänniger Wagm mit Baldachin in denselben Farben. In dem Wagm bewegte sich in der Mitte eine seltsam kostümierte Kautschukgestalt, die von vier Teutonen in vollem Wichs bewacht wurde. Den Schluß machten die übrigen Tmtonen. Am Bärmbrunnm angelangt, spielte die Musik das Lied: „Dies ist ter neue Bär!", während aus einem Fenster tes Luther- Hauses auf. eine besonders dort errichtete, nach dem verhüllten Bärm führende Brücke ter Fest, rebner kletterte und sich langsam tem Bären näherte. Die komischen Gesten, die er sowohl tote die Gestalt unten unter tem Baldachin dabei zeigten, riesen stürmische Heiterkeit hervor. Der Redner führte dann u. a. folgendes auS: „Kava- Here, Bürger--der Bar! — Der Mr, das
Symbol imferer schönsten Studentenzeit, ist dal Eine Reihe glanzvoller Bärenfeste hat ihren Ab- schluß gefunten. Wir trauerten um ten alten Bären, und jetzt hat ter Magistrat unsere Bitte erhört und einen neuen Bärm gestiftet. Wir protestieren auch gegen das Gerücht, daß laut Chronik ter Bär da gar kein Bär, sondern eigentlich ein Löwe fein müsse. Hierüber soll tes Vol. kes Stimme entscheidm, und ich frage deshalb: „Ist ter Mr ein Bär oder ein Löwe?" Des „Volkes Sttmme" entschied sich natürlich kräfttg für „ten Bär", was mit einem Tuche begrüßt wurde. Mit ten Worten: „Du bist ein Mr m Ewigkeit!" taufte der Redner dann den Bären, intern er klirrend eine Flasche an testen Kops
zerschellte. Dann umarmte und küßte er ten Bären und endete seine Bärmrete mit einem kräftig aufgenommenen Hoch auf Marburg unten Bärm. Mit tem Gesang des Liedes: „Aus dem Brunnen sitzt ein Mr!" hatte die äußerst uff« hafte Enthüllungsfeier ihr Ende erreicht. Bemerkt sei, daß ter alte Mr, der jetzt in ter Rathausschirne sich von seinen Strapazen auS- ruht, im Jahre 1774 auf den Brunnen gesetzt wurde. Der neue Mr ist genau nach dem Muster tes altert an gefertigt.
21. zum 22. Febntar war ein arger Sturm- wind von Nord-Osten.
Die wegen der Ebsdorfer Mhn verlegte neue Straße am Südbahnhof wurde dem öffentlichen Verkehr übergeben.
Durch folgente Erklärung ist die Protestkundgebung der Marburger Studentenschaft beendet. Der Minister hat folgende Zugeständnisse gemacht: 1. Freier Verkehr von Ausschuß zu Ausschuß. 2. Direkter Verkehr mit tem Ministerium. 3. Freier Verkehr mit der Presse. Hiermit wird der Streit um die akademische Freiheit, für welche die Marburger Stutentm solidarisch für dl« Hanncweraner eintraten, wohl beigelegt sein. Di« Motive zu dem Streft war eine Sympathiekundgebung für die Innsbrucker Stutentm, wegen der die Hannoveraner gemaßregelt tourten, ten« die Behörden zogen die schärfsten Saiten auf und gingen mit Strafen vor, wo die Belehrung am Platze gewesen wäre. Die ftutentH'te Bewegung hat eine große Aehnlichkeft mit der bursetenschofd liehen Agitation nach ten Karlsbader Beschlüsse-.!. Damals traten wie heute unter tem Kampfruf „Burschen heraus, für die akademische Freiheit!" die wissenschaftliche Jugend in die Polini: e Arena.
' '(Fortschung folgt.)