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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. -
Sonntagsbeilage: Allnstrirtes Sonntagsblatt.
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»ierteljährlicher Bezugspreis» bet der ExpLition 2 2RL, btt allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cl. Bestellgeld).
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Marburg
Freitag, 10. November 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh.Aug.Koch, UniversitätS-Buchdruckerel Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
40. Iahrg.
Neueste Telegramme.
Berlin, 8. Nov. Nach einem Telegramm des Kaiserlichen Gouverneurs von Kamerun ist der Ilngestellte der Firma A. u. L. Lübcke-Hamburg, Kaufmann Nogge, in Welemakone im südlichen Teile des Ebolova-BezirkS von seinem eigenen Dienstpersonal ermordet worden. Die Mörder Wurden alsbald verhaftet, von der Station Ebolova zum Tode verurteilt und hingerichtet. Nach der Ansicht des Gouverneurs ist die Tat ohne politische Ursachen und Folgen.
Köln, 8. Nov. Der „Köln. Ztg." zufolge wird der Besuch des Kaisers in Nürnberg am 14. d. Mts. stattfinden. Der Kaiser reist von da nach Donaueschingen zur Fuchsjagd zum Fürsten Fürstenberg und dann nach Kiel. Seine Absicht, dem badischen Großherzogpaar in Baden em en Besuch abzustatten, wie ursprünglich geplant war, hat der Kaiser aufgegeben.
Wien, 9. Nov. Der Beschluß der Landes- Konferenz der Eisenbahner Böhmens, die Passive Resistenz auf alle vom Staate betriebenen Linien mrSzudehnen, macht sich auch in Men, Salzburg, Steiermark und Tirol gelten!. Auch auf der Westbahn und Franz Josefs-Bahn trafen die Personen. und Güterzüge mft erheblichen Berspätun- gen ein.
Paris, 9. Nov. Die Kammer verhandelte ge- ftern Vormittag über die Altersversicherung der Arbeiter und verwarf mit 415 gegen 117 Stirn- Men den sozialistischen Gegenentwurf Fournier, der die Versicherung aus Mitteln des Budgets bestreiten will.. Der Berichterstatter Guyesse hatte den Gegenentwurf mit der Ansicht bekämpft, man Müsse dre Arbeitgeber und die Arbeiter zwingen, <m den Lasten der Versicherung teilzunehmen.
London, 9. Nov. „Dailv Telegraph" meldet aus Tokio: Unter der mehr als eine Million zählenden ländlichen Bevölkerung der Bezirke Fuku- ßima, Musagi imd Jwate im Osten von Nippon rrschi Hungersnot.
Konstantinopel, 8. Nov. Wie verlautet, haben sich die Signaturmächte auf die Veranstaltung einer Flottendemonsttatton gegen die Türkei bereits geeinigt. Das Demonstrattoirsgeschwader, <m welchem England, Frankreich, Deutschland, Italien, Oesterreich-Ungarn und Rußland mit je izwei Schiffen teilnehmen, soll in der nächsten Woche in der Levante erscheinen.
Newyork, 8. Nov. In einer großen Versammlung der Juden wurden 56 800 Dollars gezeich- tut, die bestimmt find für die Sammlung zur Unterstützung aller Opfer der Massakers in Ruß- icmb. Zum Vorsitzenden des Hilfsvereins, der sich gebildet hat, wurde Oskar Strauß und zum Schatzmeister Jakob Schiff gewählt.
Nufiland.
D In der demokratischen Presse vernehmen wir jetzt wieder von Tag zu Tag das widerliche Lied von der Schmach, die dem deutschen Namen zugefügt werde durch die russenfreundliche Pofittk unserer Regierung. Das Lied ist nicht neu, auch ine Twesten, Waldeck und Simson haben es zur Konfliktszeit gesungen, damals als alles Philister-
161 verboten.)
Pflicht und Liebe.
Roma« von C. Wild.
l Fortsetzung.)
' , Magda hatte jetzt öHe Hände voll zu tun und achtete kaum aus das Geplauder des jungen Mädchens.
, In ihrem Innern wünschte sie sehnlich das Ende dieser „tollen Zeit" herbei und freute sich schon auf die alte gemütliche Hausordnung, die durch den Karneval erheblich gestört war.
Endlich kam der von Mola so heiß ersehnte Abend. In den großen, so selten benutzten Sälen des Schlosses funkelte und leuchtete ein wahres Lichtmeer. Die silbernen Kronleuchter blitzten in dem Reflexe von unzähligen Wachskerzen, aus allen Ecken des Salons blühte, duftete und grünte eine reiche Flora dem Eintretenden ent- flehen; eine laue, von Wohlgerüchen durchweh Luft zog dunh die hoben Räume, und mit einnehmender. Würde stand der Herr des Schlosses rn der Mitte des Salons, um seine Gäste zu empfangen.
Die hohe, kräfttge Gestalt des Freiherrn nahm sich in der^ eleganten Salonkleidung ungemein Öitt aus; das reiche, lockige Haar umrahmte in dichten Wellen die hohe, schön geformte Stirn, un& die dunklen Augen leuchteten in freundlichem Glanze unter den dichten Brauen hervor.
An Gerhards Seite stand Magda. Ein schweres mattblaues Seidenkleid floß in dichten Falten 'ßn igrer hohen Gestalt herab; aus den einfach .verschlungenen, blonden Flechten blickte schüchtern ;eine Kamelw hervor.
' 3^m sollen, weißen, nur wenig entblößten Macken schlang sich, eine werwolle Perlenschnur, A>as !var Magdas einziger Schmuck-
tum in Deutschland das Liedchen sang: „Noch rst Polen nicht verloren." Die Worte, mit denen Herr v. Msmarck damals im preußischen Lanw tage diese Auffassung abfertigte, sollte man sich wahrlich auch heute vor Augen hallen:
„Die Neigung, sich für fremde Nationen und nationale Bestrebungen zu begeistern, auch dann, wenn dieselben nur auf Soften des eigenen Vaterlandes verwirklicht werden können, ist eine politische Krankheitsform, deren geographische Verbreitung sich leider auf Deutschland beschränkt."
Leider hat diese Krankheit ganz und garnicht abgenommen, sondern sich in Deutschland geradezu zu einer Epidemie ausgebreitet. Mit keiner Silbe belehren diese Blätter unser Volk darüber, wie sehr englisch-amerikanisch-jüdisches Kapital und gleichartige Einflüsse an der Arbeit sind, um Rußland zu schwächen und womöglich durch feine Zerstückelung einen europäischen Weltbrand herbeizuführen. Das deutsche Volk hat aber wahrlich alle Ursache, diese furchtbare Gefahr ins Auge zu fassen und die Dinge in Rußland zu sehen, wie sie wirklich liegen. Was kümmert uns die russische Verfassungsform I Wir haben wahrlich genug daran zu tun, unser eigenes Voll und Mtterland durch eine Vertiefung und nationale Festtgung unseres Verfassungslebens gegen die Gewaltherrschaft aufgereizter Pöbelinstintte zu schützen. Und wir haben nicht die geringste Ver- anlassung, über die sogenannten russischen Intel- lektuellen, insbesondere den jüdischen Nihilismus, zu schwärmen, der ebenso wenig vom russischen Vaterlandsgedanken etwas wissen will, als das russische Voll in seinen breiten Massen von ihm. Wenn jetzt die Gegenrevolution Greueltaten begeht, so ist das weder erbaulich noch verzeihlich; erklärlich aber erscheint es immerhin im Hinblick auf die entsetzlichen Greuel, deren der Nihilismus mit Brandstiftung, Mord und Bomben, mit der Verführung des russischen Heeres und der Marine zur Untreue gegen ihren Kaiser und Herrn, und mit der schweren Schädigung alles russischen Er- werbslebens sich schuldig gemacht hat. Wie kommt es denn, daß dieselbe deutsche Presse, die für alle Gewalttaten der Revolutionäre nur beschönigende Worte hatte, sich jetzt auf einmal über gleichartige Gewalttaten empört, fett solche von der (Segen- revolution begangen werden?' Wie kommt e8, daß man die Vaterlands- und kaisertreuen Volks- haufen als Pöbel bezeichnet, wahrend man das schmutzigste Raub- und Mordgesindel in Odessa, den Ostfeeprovinzen und Warschau doch als Helden der Revolutton zu feiern pflegte?
Petersburg, 8. Nov. (Petersb. Telegr.- Agent.) Aus dem Innern des Landes eingetroffene Depeschen melden, daß die Ruhe im Reiche wieder eintritt. Versuche, Plünderungen und Unruhen in den verschiedensten Gegenden zu bewerkstelligen, werden sofort durch energische Maßregeln unterdrückt. Die Stadtvertretungen von Moskau, Odessa und Noworossisk richteten einen Aufruf an die Bevölkerung, die Gewalt- täfigkeiten einzustellen. Der Prokurator des Appellationsgerichtshofes in Moskau forderte alle Zeugen ungesetzlicher Handlungen und Aufhetzun. gen des Pöbels auf, ihre Beschwerden bei dem Gerichtshöfe oder dem besonders zu diesem Zwecke
eingerichteten Bureau niederzulegen zwecks strengster llntersuchung. Dieselbe Aufforderung ist auch durch den Prokurator des Gerichts in Odessa erlassen worden. In einigen Städten des südlichen Rußlands organisieren sich besondere Komitees zur Verbreitung friedlicher Gesinnungen, die es sich zum Ziele gesetzt haben, Christen und Juden zu versöhnen. Das Leben nimmt in folgenden Städten seinen normalen Verlauf: in Sinferopol, Mosir, Jekaterinburg, Jwanowo- Wossnessensk, Dorpat, Odessa, Riga, Irkutsk, Wladimir, Pensa und Jekaterinowslaw. Die Arbeite rin Reval beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen.
Deutsches Reich.
B e r l i n, 9. Nov.
— Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern Mittwoch morgen mit der Kaiserin einen Spaziergang im Tiergarten. Dann sprach der Kaiser bei dem Reichskanzler vor und hörte später im Schlosse den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts. Um 12 Ubr tand im Schlosse Frühstückstafel statt. Mittags l1/» Uhr traf der Kaiser mit seinem hohen Gast, dem König von Spanien, aus dem Hasenheide»Bera bei Döberih zur Teilnahme an der Parforcejagd ein. Beide Monarchen, die den roten Reitrock angelegt hatten, wurden vom Kronprinzen empfangen. Der Kaiser stellte die älteren Herren der Jagdgesell- schäft dem König von Spanien vor. Angelegt wurde die Jagd am Hasenheideberge unweit deS Denkmals, sie zog sich über den Königsplatz, den südlichen Königsberg bis Finkenberge, wo die Keiler ä vue kamen. Sie wurden von den Hunden bis unmittel- bar an die Listöre von Ferbitz gejagt, dort wurde gedeckt. Der König war einer der ersten beim Hallali. Leutnant Graf Einsiedel vom 2. Garde. Regiment hob aus, der Kaiser erteilte selbst den Fang und verteilte 201 Brüche an die Teilnehmer der Jagd. Die Jagd hatte fünfundzwanzig Mi- nuten gedauert, bas Wetter war zwar neblig, aber sonst günstig. Darauf begaben sich die beiden Monarchen im Automobil nach dem Reuen PalaiS, wo der König in den roten Kammern Wohnung nahm. Abends fand im Neuen Palais bei Potsdam Tafel statt, bei der der Kaiser dem König von Spanien und der Kaiserin gegenübersaß.
— Die Abneigung eines Teiles der Einzelstaaten gegen die Einführung einer Reichserb» schäftssteuer ist, wie aus Bundesratskreisen verlautet, noch keineswegs vollständig überwunden In einzelnen Bundesstaaten herrscht die Ansicht vor, das Reich werde den Einzelstaaten eine der Houptguellen verstopfen, aus denen sie für die Ausstattung ihres Landesstnanzwesens schöpfen. Man wird abwarten müssen, wie die Motive der Vorlage diesem Bedenken begegnen.
Deutsche Kolonien.
Oftafrtta. Die große deutsche Expedition, die in der zweiten Hälfte des Oktober von Dar es Salam auS nach der Südküste von Deutsch - Ostairika eingeschifft worden war, um von Kilwa, Kißwere und Lindi au» inS Innere in der Richtung auf Liwale zu vorzustoßen, hat bereits die Hälfte des WegeS nach ihrem vorläufigen Marschziel ohne erhebliche Kämpfe zurückgelegt. Auch die Ingenieure der Firma Holzmann, die sich der Expedition angeschlossen haben, um die Trace einer von Kilwa auS-
Sie war eigentlich nicht schön zu nennen, und doch wie stattlich, wie stolz stand sie neben dem Bruder!
Wie hell glänzten diese klaren, blauen Augen, und wie herzgewinnend war das Lächeln, das die- fen frischen roten Mund umspielte.
Das war die echte deutsche Hausfrau, wie sie sich ein Mann nur wünschen konnte, treu und rein fit Wort und Sinn, das höchste Glück nur in der eigenen Häuslichkeit suchend.
Magda war keine elegante, weltgebildete Modedame, die durch Umgangsformen und sogenannten Esprit zu glänzen verstand; frei und offen in Blick und Rede, wußte fie dennoch stets das rich- tige Maß zu halten.
Gut und freundlich gegen ihre Untergebenen, offen und herzlich gegen die ihr Gleichstehen den, so war das Wesen beschaffen, das jahrelang mit unermüdlichem Eifer an Gerhards Seite gewirkt hatte.
Würde es Mola wohl verstehen, diese Stelle würdig auszufüllen, ihm das zu sein, was ihm die treueste Schwester war?
Mola mußte ihm nicht allein eine treue Helferin und Beraterin in Sorge und Leid, sie muckte auch sein Weib, sein alles fein.
Eine solche Frau braucht weder schön noch geistreich zu fein, um ihrem Gatten eine vollkommenes Glück zu bereUen, sie muß nur sich selbst mit aller Liebe und Treue geben, und wohl dem Mann?, der em solches Weib gefunden!
War Viola ein solches Weib? Konnte sie eS jemals werden?
Da stand fie in der 5Kär, strahlend vor Schönheit. Durch das entfesselte Gold ihrer Locken schlangen sich halbgeöffnete Rosenknofpen.
In schneeiger Weiße schmiegte sich das duftige Gewebe an die jugendlich schwellenden Formen, anmutig verschlungene Menguirianben
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den Ausschnitt des Kleides und die lange Schleppe, die sich mit leisem Rauschen auf bem glänzenden Parkett hinzog.
„Hier bin ich," sagte Viola lächelnd und trat langsam näher.
Der Freiherr stand einen Augenblick wie geblendet vor dieser zauberisch schönen Erscheinung.
„Meine süße Viola," flüsterte er, einen leisen Kuß auf ihren entblößten Arm drückend.
Mit raschem Blicke hatte Magda Violas Gestalt überflogen. Sie fand den Ausschnitt des Kleides etwas zu tief und die in die Stirn fallenden Löckchen gar zu kokett geordnet; aber sie wollte Viola die Freude nicht verderben und fugte nichts.
Nach dem Feste aber wollte sie sie doch darauf aufmerksam machen, daß derlei kokette Künste nicht für Gerhards Braut paßten, und daß es diesem jedenfalls angenehmer sein werde, wenn sich Mola weniger auffallend kleide.
Jetzt ertönte das Nollen eines Wagens, und gleich daraus trat Herr von Rotteck ein.
Mit freundlichem Lächeln ging ihm Magda entgegen, ihm die Hand bietend, die er warm und fest in der feinen drückte, bis zu einem .Hand- küsse hatte es feine Galanterie noch nicht gebracht.
Kaum hatte man die ersten Begrüßungsworte gew och fett, als neue Gäste ein traten, welche Gerhards und Magdas Aufmerksakeit in Anspruch nahmen.
Unter den ersten Gästen befand sich Wilhelm von Tonnberg, der sich kaum Zeit nahm, den Herrn des Hauses und dessen Schwester zu be- grüßen, so eckig hatte er es, um an Violas Sette zu kommen, die ihn mit strahlendem Aufleuchten ihrer schönen Augen empfing.
.Himmlisch — entzückend! Eine Rosenfee im Wahrsten Sinne deS Wortes!" flüsterte er ihr leidei^chaftlich zu.
gehenden Südbahn festzulegen, find schon weif ins Innere vorgedrungen und haben die Streckj ebenfalls durch Etappen gesichert. Ein Epeziatt Kabelbericht meldet dem L.-A. aus Dar es E« lam vom 7. November: Der Oberingeneur Ma« krokordato der Firma Holzmann hat feine zweitß Etappenstatton in Masindfchi angelegt. Majoß Johannes, der Führer der Expedition, hat fettti dritte Etappenstation am Opengera an der nördlichen Kilwa-Liwale-Straße angelegt und durch eine ALkari-Besatzung unter Sergeant Staudas gesichert. Auf dem Marsche von Masfindji nas Opengera wurde die Abteilung von kleiner Banden Aufständischer täglich belästigt. Ei^ Askari ist gefallen. Die Aufständischen habet offenbar» um den Vormarsch der Truppe aufzit halten, alle Lebensmittel beiseite gebracht.
Ausland.
Belgien. Die französische Empfindlichkett hc^ sich, anscheinend in Verbindung mtt der in Eng, land herrschenden Nervosität, in solchem Maße g« steigert, daß die unglaublichen Auslassungen bet „Aurore" über die deutsche Gefahr, die angeblttß Belgien und mithin auch Frankreich bedrohe, tat« sächlich Beachtung und auch Glauben find« konnten. In dem erwähnten Artikel wurde u. L, behauptet, die Deutschen feien die Herren voM Antwerpen, dessen wirtschaftliche Eroberung dich militärische vorbereite. Antwerpen sei ein Hase« des Deutschen Reiches und werde bald zu dieseiq gehören. Auch Frankreich, das von Norden hetz umgangen werden solle, sei dadurch bedroht unH in seiner Politischen und wirtschaftlichen Selbstständigkeit aufS Aeußerste gefährdet. In Belgien speziell in Brüssel wo man doch eigentlich MM dieser „deuffchen Gefahr" auch einiges wisse» müßte, haben diese Angstrufe nur ein gerechtes Erstaunen oder mitleidiges Lächeln hervorgerufen. In diesem Empfinden antwortet die „Jnd^pen« dance beige" auf die chauvinistischen Vorstöße bei Pariser Hetzblattes: „In Antwerpen ebensowenig wie in Brüssel oder Lüttich spielt der deutsche Einfluß eine vorwiegende Rolle, und wenn der! deutsche Handel in Antwerpen eine beträchtlich» Ausdehnung gewonnen bat, wenn Deutschlaich unter den dort handeltreibenden Nationen an erster Stelle steht, so ist das ganz ausschließlich die Schuld Frankreichs und Englands, bie, vo« Deutschland, das wirtschafllich ebenso intelligent wie energisch arbeitet, sich haben überholen lassen!. Deshalb aber von einer Eroberung Antwerpen! durch Deutschland zu sprechen, heißt aus einet Mücke einen Elefanten machen. Nach den Angaben der letzten Zählung sind von den 330 000 Einwohnern Antwerpens 35 000 Ausländer. Unter ihnen sind 8400 Deutsche und 2500 Franzosen; der Rest von 24 000 berteilt sich auf bte Angehörigen verschiedener Nationen. Unser» Nachbarn und Freunde im Süden haben also ganz und gar kein Recht, sich zu beunruhigen und Alarmrufe auszustoßen. Aus den in Belgien herrschenden Verhältnissen laßt sich taffächlich irgend eine Art von Bedrohung für Frankreich nicht konstruieren."
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Die Schmeichelei war von einem so glühende» Blicke begleitet gewesen, daß Violas Wange» eine heiße Rote überflog. Sie war in dieser» Augenblick reizender als je, und Tonnberg mußt» seine ganze Selbstbeherrschung zusammenrasfen. um das junge Mädchen nicht in seine Arme z» ziehen und an sein stürmisches Herz zu drücken.
Aber heute wollte er die Entscheidung herbeiführen, das gelobte er bei sich selbst, heute sollt« sie ihm nicht entschlüpfen. Das reizende Mädchen mußte seine Gattin werden, und er freute sich schon im voraus auf die Sensation, die er mü seiner jungen Gattin in den Residenzkreisen erregen würde.
Er war es ja gewohnt, von sich reden zu machen und er lächelte jetzt schon bei der Vorstellung, wie viele schöne Lippen da erblassen, toi« viele strahlende Augen sich verdüstern toürber,; wenn es hieß, Wilhelm von Tonnberg habe eine Heirat aus Liebe geschlossen.
Daß Viola kein reiches Mädchen fei, das kümmerte ihn wenig: er war reich und hatte es nie verstanden, zu rechnen.
Das reizende Mädchen gefiel ihm, ihre Art und Weife, sich zu geben, sagte ihm zu, warum sollte er sich also nicht den Luxus einer Frau gestatten?
Ob seine Liebe tief genug sei, um ein ganzeß Menschenleben zu dauern, danach fragte er nicht; wozu auch? Wenn die Flamme erlosch, würde sie sich darin zu finden wissen, er gewiß — unU warum sollte das dann nicht, bei ihr der Fall sein?
Das Ballfest nahm einen sehr günstigen, Verlauf; die Gesellschaft amüsierte sich vorzüglich, und es herrschte die fröhlichste Stimmung. 1
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