Einzelbild herunterladen
 

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

JTo 264

Airrteljährlicher Bezugspreis: bet oct ExpLition 2 2JIL, bet ollen PoMmlern 2,25 Mk. ve$cl. Bestellgeld).

JnferttonSgebühr: die gespaltene Zelle oder veren Raum 10 Pfg.

Reclamcn: die Zeile 25 Dia.

Marburg

Donnerstag, 9. November 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Iah. Aug. Koch, UmverfitStS-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

40. Jahrg.

Neueste Telegramme.

Berlin, 7. Novbr. Wie die »Kreuzztg." iört, hat der Evangelische Oberkirchenrat den Neneralshnodalrat zu einer Versammlung auf Mittwoch, 6. Dezember d. I, vormittags 10 ähr, int Dienstgebäude des Evangelischen Ober- lirchenrats einberufen.

Berlin, 8. Nov. Justizminister Schönstedt scheidet am 14. November, an welchem er elf Jahre Minister ist, auS seinem Amte. Sein Alachfolger wird der Breslauer Oberlandesge- richtspräsident Beseler.

Eisenach, 7. Novbr. Das Resultat der Reichstagsersatzwahl ist bis jetzt folgende«: Kühner (Freis. Vp.) 2361, Flex (natl.) 2428, Schack (Antis.) 3195, Leber (So,.) 5957, Müller »Fulda (Ztr.) 656. Einige kleine Orte stehen noch aus.

Belgrad, 7. Nov. Das Blatt .Stampa' bringt folgende Meldung: Hier fand eine Ver­sammlung der Mehrzahl der an der Verschwörung des Jahres 1903 beteiligten Offiziere unter Vor» fitz des Oberleutnants Peter Ätischitsch statt. Mischitsch erklärte, die Verschwörungsfrage müsse gelöst werden, daher beantragte er, daß die Verschwörer freiwillig zurücktreten sollten. Seine Ausführungen wurden einstimmig ge­billigt und es wurde beschloffen, eine in diesem Sinne gehaltene Denkschrift an zuständiger Stelle zu unterbreiten. Von der Versammlung hielt sich nur eine sechs bis acht Mann um­fassende Gruppe von Verschwörer und Offizieren fern. Diese hielten eine besondere Versamm­lung ab. Was hier beschloffen wurde, ist nicht bekannt.

Paris, 7. Nov. *®er Gaulois" stellte eine Anfrage bei den Chefredakteuren der Berliner Zeitungen über ihre Anfichten betreffs einer sranzöfisch» deutschen Annäherung. Da in den betreffenden Antworten übereinstimmend die Rückgabe Elsaß - Lothringens als unmöglich be­zeichnet wurde, zieht derGaulois" daraus den Schluß, daß die französtssch-englische Allianz um so notwendiger sei.

Zur Reichsfinanzreform.

DieKöln. Ztg.", die durch ihre Beziehungen zur Regierung stets über alle Fragen der inneren Politik unterrichtet zu sein pflegt, hat kürzlich über das Ergebnis der Beratungen, die wegen der dringend notwendigen Reichsfinanzreform im Bundesrate stattfanden, einige Mitteilungen ver­öffentlicht, die hier im Zusammenhänge zur Kenntnis gebracht werden sollen, da sie den Ein- dmck eines offiziösen Hinweises auf die Finanz- reformpläne enthalten.

Wie das Kölner Blatt mitteilt, wurden in den Bundesratsausschüssen im allgemeinen die Vor­schläge des Reichsschatzamts angenommen. In

..... n ZZZZZJ

20 Wcrfibruet verboten.),

Pflicht und Liede.

Roma« vo« C. Wild.

(SorHefcung.)

Der Karneval brachte für Viola so manche Freuden, denen sie sich mit voller Lust hingab.

Gerhard gönnte ihr von Herzen diese flurfjti- gen Freuden, wenn er vielleicht auch im Inner- sten seines Herzens gewünscht hätte, sie möge sich etwas in ihrem Vergnügen zurückhalten; aber Viola dachte gar nicht daran.

Sie fand es so hübsch, umschwärmt und be- wundert zu werden, und so genoß sie denn ihre Kernen. Triumphe in vollstem Maße.

Daß es ihre Pflicht gewesen wäre, Gerhard gegenüber gewisse Rücksichten zu beobachten, daS stel ihr gar nicht ein.

Sie war jung, schön und wollte alle Vorrechte dieser Vorzüge genießen; ihr Herz, ihre Liebe gehörten doch nur Gerhard allein.

Es kam ein Tag, an welchem Violas Liebe aus eme. harte Probe gestellt werden sollte, und Mola bestand diese Probe leider nicht so, wie sie we!elbe hätte bestehen sollen, um fich Gerhards Neigung vollkommen würdig zu zeigen.

r, Hlrf einem Balle, welchen einer von Gerhards Gursüachbarn gab, begegnete sie einem jungen Manne, dessen Schönheit und weltmännische Ge- mairdtheit mcht ohne Eindruck auf sie blieben.

Wilhelm von Tonnberg war ein den Frauen sehr gefährlicher Mann.

- außergewöhnlicher Schönheit, mit allen -.og.ichen gesellschaftlichen Talenten ausgerüstet, war er ftet§, ein bevorzugter Liebling der Damen- ? ,, ^e*ert- Seine Unwiderstehlichkeit war sprichwörtlich geworden.

Grunde genommen war Tonnberg nichts «etter als ein,leichtsinniger junger Mann, der «ops reiche Geistesgaben besaß, sie aber mir dazu

der Vorlage hat Aufnahme gefunden eine Reichs- erbschaftssteiter und eine Erweiterung der Tabak- und Brausteuer und der Reichsstempelabgaben. Bei der Reichserbschaftssteuer ist auf eine mög­lichste Schonung der bisherigen Einnahmequellen der Einzelstaaten, die bisher sämtlich außer Wal­deck eine Erbschaftssteuer hatten, besonders in der Uebergangszeit, Rücksicht genommen. Die Des­zendenten und Ehegatten sind von der Steuer ausgenommen. Da die Erbschaftssteuer bisher in den Einzelstaateu meist nur mangelhaft ausge­bildet war, konnte man bei aller Schonung der Einzelstaaten und Nichtberückstchtiguug der Des­zendenten und Ehegatten für das Reich eine be­trächtliche Einnahme aus der Reichserbschafts­steuer in Ansatz bringen. Eine Uebersfimmimg Preußens in der Erbschaftssteuer hat nicht statt- gefunden. Für die Erweiterung der Tabaksteuer hat man weder das Monopol noch die Form der Fabrikationssteuer gewählt, sondern in möglich­ster Anlehnung an die jetzige Form der Tabak­steuer die besseren Tabake und Zigaretten stärker berangezogen. Die Brausteuer erfährt eine er­hebliche Erhöhung, aber unter Schonung der als Nahrung der ärmeren Volksschichten anzusehenden Biere. Die Erhöhung des Ertrages der Reichs- stempelabgaben soll durch eine Novelle zum Reichsstempelgesetz erreicht werden.

, Diese Mitteilungen haben begreiflicherweise zu zahlreichen Erörterungen in der Messe Anlaß ge­geben und die mannigfachste Beurteilung er­fahren. Am passendsten und überzeugendsten er. scheinen uns die Ausführungen desSchwäbischen Merkurs", der zu der geplanten Finanzreform folgendermaßen Stellung nimmt:

Neue Steuern können ihrer Natur nach nie eine Quelle des Vergnügens sein. Wessen Amt es ist, die Leute am empfindlichsten Punkt, am Geldbeutel, zu fassen, der wird von vornherein auf dm Gedankm verzichtet haben, jemals popu­lär zu werdm. In diesem Fall hat der Reichs- schahsekretär die Biertrinker und die Raucher, insbesondere die eleganten Raucher und Rau­cherinnen, gegen sich. Er hat weiter gegen sich alle diejenigen, die Onkel, Tanten, Vettern, Basen usw. zu beerben gedenken, Herrn Bebel eingeschlossen, der sich so mühelos in die ange­nehme Praxis des Erbens hineingesunden hat. Er hat weiter gegen sich alle Kapitalisten, die an der Börse Geschäfte machen und naturgemäß über eine Erhöhung der Reichsftempelabgaben wenig erbaut sind. Man sieht: der Reichsschatzsekretär hat mit einer erheblichen Gegnerschaft zu redjnen. Aber jeder Einsichtige muß sich doch sagen, daß den Nöten der Reichsfinanzen ein­mal und gründlich abgeholfen wer- den muß.

Die 120200 Millionen, die nötig sind, um 'eine vernünftige Schuldentilgung ins Werk zu setzm, um der stets weiter greifenben Belastung der Einzelstaaten mit Matrikularbeittägen ein Ziel zu setzen, um dem Reich für seine erhöhten Ausgaben, insbesondere auf dem Gebiete der Wehrkraft zur See neue Einnahmequellen zu er- schließen: diese Millionen müssen mdlich einmal geschaffen toerben. Man wird der Reichsregierung

anwandte, um zu blenden und zu bezaubern, und das machte ihn bei seinem vorteilhaften Aeußeren in der Tat sehr wenig Mühe.

Ein schönes Gesicht ist ein Empfehlungsbrief, der fast immer nur zu günsfig wirkt; die flüqstm Männer lassen sich oft täuschen, wenn sie einem schönen Mädchen ins Antlitz sehen wie bann erst die Frauen!

Wohl ist es wahr, daß eine kluge Frau sich in einem solchen Falle weit weniger täuschm läßt als ein Mann; aber es gibt wenig Frauen, die so ganz von aller Eitelkeit frei sind, um sich nicht durch schöne Worte und ein bestechendes Aeußere blenden lassen.

, Viola war leider nicht frei von dieser Ettel- keft, die dm höchstm Triumph in der Bewunde­rung ihrer Schönheit sucht.

Ihre Erziehung war nicht darauf berechnet gewesen, sie zu lehren, daß die Schönheit der Seele kostbarer und wertvoller sei als diejenige des Körpers.

Six hatte eine jener modernen Erziehungen erhalten,^ die darauf ausgehen, den Geist zu bil- dm; daß Herz und Seele auch gebildet werden müssen, baran denkt man in solchen Fällen am wenigstm. Die Hauptsache ist, mit dm erwor- benen Kenntnissen glänzen zu können, das Wich­tigste wird unbedacht in die Hand des Schicksals gelegt, tmd so war es auch mit Viola gewesen.

Wie viele Keime zum Guten und Edlen auch in dieser jungen Mädchmseele schlummerten, sie waren nicht geweckt wordm und die Zeit, die sie auf Schloß Lindenhain zugebracht hatte, war viel zu kurz, um die sprossenden Blüten zu kräfti- gen und zur Frucht reifen zu Taffen.

Viola wußte, daß sie schön sei, und sie hätte das Lob dieser Schönheit so gerne von Gerhards Livvm tiemommen; aber die warm stumm ge­blieben.

Er sah die schöne Hülle mit Bewunderung; aber für ihn war sie nicht die Hauptsache. Er

das Zugeständnis machen dürfm, daß sie zur Er­reichung ihrer Zwecke einen ganz vernünftigen Weg einschlagen will. Bier unb Tabak sind nicht Gegenstände des Massenverbrauchs in dem Sinne, wie es Brot und Fleisch sind: sie sind Genußmittel, denen gegenüber der einzelne die Freiheit des Verzichts hat. Die Reichsregierung bandelt außer- dem vollständig im Sinne der bisherigen Tradi­tion, wenn sie die Beschaffung weiterer Mittel für das Reich hauptsächlich auf dem Weg der indirek. ten Steuern zu erreichen sucht. Sie handelt wei­terhin klug und gerecht, tomn sie, wie es durch die Reichserbschastssteuer geschehen soll, die Besitzen- dm, die Vermoglichm, ober diejenigen, die es werden »offen, mit einer Sondersteuer belastet. Es wird die Stellung der Regierung dem Reichs­tage gegenüber wesentlich erleichtern, wenn sie darauf Hinweisen kann, daß sie nicht bloß Mer und Tabak, also Massengenußmittel, belastm, fon- bem daß sie die wohlhabenden Bevöl- kerungskreise in ganz besonderem Maße zur Besteuerung heranziehen will. In diesem Sinn ist die geplante Reichs­finanzreform, die nun einmal eine unbedingte Notwendigkeit ist, zugleich ein Werk ausgleichen­der Gerechtigkeit.

Dieser Standpunft, der in der bevorstehenden Beurteilung zum Ausdruck kommt, dürfte in der Tat als ein sehr richtiger und in nationaler Hin- sicht durchaus gebotener erscheinen und eS wäre daher sehr zu wünfchm, wenn er allgemeine An­erkennung und Billigung fände.

Zur Lage in Rußland.

Der Ministerrat arbeitete ergänzende Be­stimmungen für die Wahlen zur Reichsduma auS. Danach soll daS Wahlrecht auch Mietern übertragen werden, die Mietssteuer mindestens der dritten Klaffe zahlen, Kaufleuten, die Ge­werbesteuern der zweiten Klaffe zahlen, allen, die das Abgangszeugnis einer höheren Lehranstalt besitzen, Beamten, die einen Gehalt von min­destens 1200 Rubel in den Hauptstädten und von mindestens 900 Rubel in anderen Orten beziehen, und Eigentümern, die Immobilien im Werte Von schätzungsweise 300 Rubel in Städten bis 25 000 Einwohnern und von mindestens 1000 Rubel in Städten von mehr als 25 000 Einwohner besitzen. Die Zahl der Arbeiter- Vertreter wird auf 21 festgesetzt, ungefähr einer auf 250000. Die Wahlen der Arbeiter-Ver­treter werden bezirksweise vorgenommen. Die Mitgliederzahl der Duma wird auf 600 erhöht. Der Ministerrat hat die Verhandlungen über die Bestimmungen betreffmd die Aushebung der Präventiv-Zensur für die Presse beendet. Man erwartet die Ernennung Iwan Schipows zum Flnanzwinister und Dmitri Schipows zum ReichSkor trolleur.

Datum, 7. Nov. (Petersb. Tel.-Ag.) An vielen Stellen sind die Schienengeleise und Brücken beschädigt worden. AuS der Land-

Würde Viola ebenso geliebt haben, auch wenn sie toeit weniger schön gewesen wäre, und er meinte, sie müsse auch so denken aber Viola dachte eben nicht so.

Es ärgerte Viola, daß er ihr noch nie die ge­ringste Schmeichelei gesagt, während sie von allen andern hörte, wie schön, wie reizend, wie ent­zückend sie sei, und wie glücklich derjenige sein müsse, dem sie einst angehören werde.

Und er, dem sie sich zu eigen geben wollte, dem sie ihr Herz geschenkt, er hatte ihr noch nicht ein einziges Mal gesagt, wie reizend sie sei in diesen duftigen, hellen Bafftoiletten, deren zartes Ge­webe so gut zu ihrer märchenhaften Schönheit paßte.

Wenn er ihr ins Ange blickte unb so innig ihre Hand drückte, dann vergaß sie Wohl allen Aerger über dem (Zauber des Augenblicks; aber er war nicht immer bei ihr und der Versucher allzu nahe, der mit seinen schönen Reden nach und nach das berauschende Gift befriedigter Eitelkeit in ihre junge Säule träufelte.

Tonnberg zeichnete Viola sichtlich vor den an­deren Damen aus; er hatte bei seinen Ver­wandten nur kurze Zeit zu Besuch bleiben wollen, um lischt so viel von den Karnevalssreuden der Residenz zu verlieren, jetzt opferte er dieselben gerne, um noch länger in der Nähe des schönen Mädchens weilen zu können.

Ihr Anblick hatte fein sonst stark abgekühltes Herz in helle, lodernde Flammen versetzt.

Viola traf ihn bei allen Gesellschaften und Unterhaltungen, die sie besuchte, und bald _ war es ihr ein' Bedürfnis geworden, ihn sehen und sprechen zu können.

Noch war sie sich ihres Unrechts gegen Ger- Hard nicht bewußt; aber sie wurde kälter, zurück­haltender gegen ihn, sie fühlte sich nicht mehr glücklich in seiner Nähe, sie vermied, wo sie konnte, jedes Alleinsein mit ihm, und nach und nach tarnen alle die kleinen Eigenheiten, die er bei ihr

schäft (Sutten werden blutige Zusammenstöh mit den Truppen gemeldet. Eine im hiesig«^ Theater abgehaltene Versammlung richtet» den Statthalter die Forderung, die Truppet aus Gurien zurückzuziehen. Es wurde der B« schluß gefaßt, bis zu einer günstigen Enttchet düng in den allgemeinen Ausstand einzutreten.

Kutai», 7.Nov. (PeterSb.Tel.-Ag.) 3m Kreise Osurgeth wurden durch Bomben btt KreiSches, der Friedensrichter und deffen Fr«, sowie eine große Anzahl Kosaken getötet. ,

Riga, 7. Nov. In der Moskauer Vorstadt kam eS zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Nationalisten, die ein Kaiserbild trugen, und Juden. Zwölf Personen wurden getötet, viel» verwundet.

Warschau, 7. Nov. Auf der Eisenbahn Warschau-Petersburg wurde heute der Betritt wieder ausgenommen. Die Warschauer-WienU Bahn und die Weichselbahnen werden wahr» scheinlich noch einige Tage unterbrochen sei» Der allgemeine Ausstand nimmt allmählich aK In Lodz töteten die Kosaken heute sechs Personen,

Petersburg, 7. Nov. Der frühem Direktor der Justizkanzlei Schipow, zule» Vizedirektor der Kanzlei des Finanzministeriun» und WitteS Begleiter in Portsmouth, wurdi zum Finanzminister ernannt.

Hebet Finland sind hier die wildesten Ge­rüchte im Umlauf. In Beamtenkreisen erklärt man, Finland wolle sich unter englische Protektorat stellen. Auffallend ist, daß faß alle englischen Korrespondenten gegen Witst Hetzen und alle Anstrengungen machen, feint Stellung zu erschweren.

L o n d o n, 7. Nov. Zeitungsberichte schildern den Kaukasus im Kriegszustände. 17 Eisen­bahnbrücken wurden zerstört, die Schienen find an 40 Stellen auf genff en, die Telegraphen- brühte abgeschnitten. Die Truppen ®nb ge­nötigt, zu Fuß zu marschieren, da? Kriegsantt ist machtlos.

- - ------------

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Nov.

Seine Majestät der Kaiser stattete gestern Dienftag morgen dem Reichskanzler einen Besuch ab. Vormittags um 11 Uhr fand im Lustgarten die Ver­eidigung der Truppen der Garnisonen Berliw Charlottenburg, Svandau und Lichterfelde statt. Der Kaiser in Feldmarfchalluniform, der König von Spanien in Generalsuniform, beide mit dem Bande des Schwarzen Adler.Ordens, erschienen zu Pferds mit ihnen der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, dm Ehrendienst und das spanische Gefolge , Nach den Ansprachen der evangelischen und katholischen Geist­lichen erfolgte brigadeweise die Vereidigung. Hierauf hielt der Kaiser eine Ansprache, erinnerte dtt Rekruten an das Gefühl der Verantwortlichkeit bo< dem Höchsten und begrüßte sie als seine Soldaten. Sie sollten ihrem Vorzüge eingedenk sein, dem Garde­korps mit seinen großen Erinnerungen anzugehören, und ihrem Fahneneide treu bleiben, wie die Kame­raden, die seit zwöls Monaten draußen

schon längst überwunben wähnte, wieder zunl Vorschein.

Sie war setzt mit ihrer Toilette so sehr b» schäftigt, daß sie keine Zett mehr fand, sich an Magdas Samariterwerken zu beteiligen;. sie brachte stundenlang vor dem Spiegel zu, um ihre schönen Locken so reizend als möglich zu ordnen, sie schien ganz aufzugehen in dem Bestreben, über­all die Schönste, die Bewundertste zu sein, affet andere war für sie gleichgültig geworden.

Da der Freiherr so viele Einladungen ange­nommen hatte, so war es für ihn förnflich zu« Pflicht geworden, nun auch seinerseits ein Fest zu geben, und so war denn beschlossen, daß auf Schloß Lindenhain ein Ballfest stattfinden sollte, zu welchem denn auch die allezeit praktische Magda sofort ihre Vorbereitungen traf.

Es wurden keine Kosten gescheut, um alles ft hübsch als möglich herzurichten, und auf dem sonst so füllen Schlosse herrschte nun eine laute, lär­mende Tätigkeit.

Arbeiter kamen und gingen, der Gärtner mußte das ganze Treibhaus plündern, und von früh bi§ spät schaffte Magdas helle, klare Stimme durch die Räume. Sie war hier wie überall die Seele im Ganzen.

Der Freiherr verließ sich in allen solchen Din-, gen stets auf fein Schwester; denn Magda hatte ihn immer noch mit solchen Arrangements zu­frieden gestellt.

Viola flog wie ein leichtbeschwingtes Vögelchen' zwischen aff' dieser Tätigkeit umher. Sie freute sich sehr auf diesen Baff und sprach von nichi- anderem als von dem Feste, von welchem sie sich unendlich viel Vergnügen versprach.

Der Freiherr hörte ihr lächend zu; aber dl berührte ihn doch unangenehm, daß sie so seh« am Vergnügen hing und für gar nichts änderet mehr Sinn hatte als für den zu erwartend« Ball. ..... .

Fortsetzung folgt).