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Druck ttitb Verlag' Job. klug. Koch, UniverfitätiEuchbruckmI 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Sonntag, 5. November 1905.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

Sonntagsbeilage: JUustrirtes Sonntagsblatt.

Zweites Blatt.

Neueüe Telegramme.

I Berlin, 4. Nov. Nach Deutsch-Ostafrika gehen issnde dieses Monats 30 Offiziere und Militär- Lrzte. Im ersten Quartal 1906 sollen, wie be­reits gemeldet, sofort nach erfolgter Bewilligung durch den Reichstag 2000 Askaris neu eingestellt Werden. Zu diesen neuen Truppen werden dann weitere 80 Offiziere und Militärbeamte nach den Kolonien entsandt werden.

Berlin, 4. November. Zweitausend japanische Kriegsgefangene, danmtcr etwa sechshundert Nichtkombattanten, werden End« dieses Monats uns Rußland in Berlin eintreffen, um dann von Bremerhaven aus mittels zweier Dampfer nach ihrer Heimat zurückbefördert zu werden. Die Führung des Transportes haben Dr. med. Jro Uanmda und Dr. Monnosnke Ogino Wernom. tuen. Da sich unter den Heimkehrenden über hundert Kranke und Verwundete befinden, sucht die hiesige japanische Gesandtschaft japanische Merzte, die nach Japan zurückkehren wollen, und die bereit sind, für kostenfreie Ueberfahrt die Pflege der Kranken auf den beiden Schiffen zu .übernehmen.

Köln, 4. Nov. DerKöln. Ztg." wird aus Berlin von gestern amtlich gemeldü: Nach tele­graphischer Meldung aus Windhuk ist die deutsche Post über Warinbad vom 29. Oktober unweit Romansdrift von den Hottentotten genommen worden und vermutlich verloren. Es wird sich dabei um diejenigen Briefsendungen handeln, die jn Deutschland in der Zeit vom 1. bis 29. Sep­tember eingeliefert worden sind.

Bern, 3. Nov. Der Bimdesrat brachte bet der Bundesversammlung einen Antrag ein, bt die Bundesverfassung eine neue Bestimmung ein- zufügen, wonach der Bund auf dem Gebiete des Gewerbüveseus einheitliche Bestimmungen auf- stellen darf, die über die Schranken des Grund- satzes der Gewerbefreihcit hinausgehen können.

Nom, 4. Nov. Wie offiziös verlautet, beab­sichtigt die Regierung das Truppenkontingent auf Kreta zu vermehren, nm die Beruhigung auf der Insel zu beschleunigen.

Birmingham, 4. Nov. Chamberlain hielt gestern Abend eine Rede, in welcher er lebhaft für die baldigen allgemeinen Wahlen eintrat. Allein, so führte er aus, er wünsche nicht einen Zwang auf die Regierung hinsichtlich der Wahlen culszuüben. Nichts würde gewonnen sein, wenn wan die Wahlen aufschiebe, denn der Aufschub wäre, der Sache der Fiskal-Reform nochtellig. Er sei mit den Fortschritten, die in dieser Ange- legenheit gemacht seien, zufrieden.

(5hi Beitrag zur Handwerkerfrage.

Vor einiger Zeit ist im Verlage von PertheS in Gotha ein höchst interessantes und lehrreiches Büchlein erschienen, das den TitelHandwerks

Wissenschaft, Kunst und Leben.

r * sAm Montag, 6. November findet in unserem Stadttheater die Aufführung desGra­fen von Charolais" statt, wobei Herr Leffler vom Wiesbadener Hoftheater als Gast in der Titelrolle auftritt. Aus diesem Anlaß glauben wir, daß die nachstehende Besprechung der Erst- Mufführung des Stückes in Frankfurt a. M. für olle, die übermorgen sich da§ Stück anfehen wol- len oder vielleicht daraufhin anzufehen sich ent- schließen, , von besonderem Interesse sein wird find als willkommene Oricnsierung zu dienen ver- wag.j

Der Graf von Charolais.

Trauerspiel in 5 Akten von Richard Beer- Hofmann.

Ein Premidrenabeud hat stets einen beson­deren Reiz. Feslliche, erwartungsvolle Neugier ruht auf allen Gesichtern, ehe der Vorhang sich er­hebt, denn jeder Lauscher hofft etwas zu finden, was seinem persönlichen Geschmacks zusagt.

Das oben genannte Trauerspiel hat seinen Weg schon über verschiedene Bühnen genommen, doch nirgends ist ihm voller ungeteilter Beifall geworden. Auch bei der Erstaufführung des Grafen von Charolais im Frankfurter Schauspiel­haufe waren die Empfindungen sehr geteilte. Man fühlt während der ersten drei Akte, daß ein echter Dichter zu uns spricht, der gleich zu Anfang des Spiels im Feuer seiner Beredtsamkest di« ^irait findet,, sich in die Nähe des Parnaß zu schwingen, seine Flugkraft erlahmt aber nach und nach und schließlich ist er wieder ein Erden- Wanderer, dem der Genius zu früh entschwand. Und so kommt es, daß der Zusästmer, trotz durch­lebter, crichutternder Tragik, trotz einer Fülle ge- chorrer edier Gedanken, das Theater ernüchtert und abgekühlt verläßt.

_ Betrachten wir zunächst den Inhalt des Stückes Krwas näher: Der alte Herr Graf Charolais, ein

Art Handwerks Recht" führt. Der Verfasser, Gustav Köpper, ist Sekretär der Handwerkskam­mer zu Koblenz und als solcher.mit der gegen­wärtigen Lage des Handwerks-, sowie mit seiner Geschichte aufs eingehendste vertraut. Jeder, der sich für die Handwerkerfrage interessiert, wird daher aus den sachverständigen Ausführungen der genannten Schrift, auch wenn er sich mit manchen darin enthaltenen Urteilen und Forde- rungen nicht einverstanden zu erklären vermag/ reichen Stutzen schöpfen. i

Nach Ansicht unseres Autors ist die Hand- Werkerfrage im wesentlichsten eine Blldungs- und Organisationsfrage, und ergibt sich zugleich aus der Eigenart des Handwerks auch die Notwen­digkeit seiner eigenartigen gesetzgeberischen Be- Handlung. Handwerks Art Handwerks Recht I Was zunächst die Handwerkerbildung anbetrifft, so ist es mit Freuden zu begrüßen, daß die No. helfe zur Gewerbeordnung vom 26. Juli 1897, das sog. Handwerksgesetz, in das vordem arg zer­fahrene und zerrüttete Lehrlingsverhältnis wie- der Ordnung gebracht hat. Aber das allein ge­nügt doch nicht. Mit berechneter Wärme trift der Verfasser der vorliegenden Schrift weiterhin für eine zeitgemäße Ausgestaltung und Förde­rung des Fortbildung?- und Fachschulwesens ein. Es wird in dieser Hinsicht unter Zustimmung des Erlaß des preußischen Handelsministers, vom 31. August 1899 angeführt, der den Gemeinden dringend die Einführung des ortsstatutarischen Zwanges für den Besuch der gewerblichen Fort­bildungsschulen empfiehlt. In der Tat kann ja auch die Fortbildungsschule ihrer hohen Aufgabe nur dann genügen, wenn ihr nicht nur die Lehr­linge einzelner bester gestellter Gewerbszweige oder einzelner einsichtiger Arbeitgeber, sondern wenn ihr die ganze breite Masse des gewerblichen Nachwuchses zugeführt wird.

Sehr beherzigenshvert und allgemeiner Be- achtung würdig sind sodann die Ausfnhnmgen, welche der Verfasser vonHandwerks Art Handwerks Recht" über den inneren Betrieb und die Methode des gewerblichen Fortbilduugsstbul- unterrichts macht. Der Unterricht soll sich in allen Fällen dem Berufe-anvassen. Das ist nun frei­lich nicht so zu versieben, daß immer und überall Fachklassen gebildet werden müssen, was rein un­möglich ist, sondern nur so, daß die allgemeine Unterrichtsmethode stets mit den Erfordernissen des Handwerkerberrrss im Einklänge zu , stehen hat. Die Methode der Werkstaft muß in das Schüllokal getragen werden, Ansöbounna und Be- schäftigung, Erteilung des llnterrichts unter steter Wahrung des Augenblickes auf das Prak, tische Leben, das ist das große Geheimnis des Erfolges in der Fortbildungsschule, und ein sol­ches System läßt sich auch ohne rein sachliche Ausgestaltung des Unterrichts durchführen.

Die Bildung des Handwerkerstandes aber muß in einer festen und zielbewußten Orgonisa- fton derselben ihre Ergänzung finden. Unser Autor redet deshalb Innungen und Handwerks­kammern warm das Wort. Beide Einrichtungen entsprechen dem innersten Wesen des Handwerks

hervorragender Feldherr, fällt kurz vor Friedens- schluß nach langem blusigen Kriege. Um seinen Soldaten den oft vom Staate vergessenen Lohn ersetzen zu können, hat sich der General in enorme Schulden gestürzt. Die Gläubiger, kraft des mittelalterlichen Rechtes, lassen die Leiche in den Schuldturm bringen, in der Absicht, sie nicht eher frei zu geben, als bis die Schulden getilgt sind. Der einzige Sohn des Toten, der junge Graf Charolais, in Verzweiflung über die Schmach, die seinem Vater angetan wird, findet trotz Anbietung seines Lobens und seiner Freiheit, die einzigen Güter, die ihm geblieben, keinen Ausweg; den einzigen, den ihm der rote Jtzig, einer der drei Gäubiger in einer reichen Heirat anbietet, weist er mit Abscheu von sich. In einer Gerichtssitzung, welche der greife Präsident Rochefort leitet, her- sucht der Graf noch einmal, und zwar wieder um. sonst, das Herz der Gläubiger zu rühren, gewinnt aber dadurch die Liebe und Achsimg des Präsi­denten, der für ihn als Bürge eintritt und ihn schließlich als Gatten seiner Tochter Ddsiröe zu einem gücklichen Dasein führt. Dies ist der In- halt der ersten drei Akte, sie sind musterhaft auf­gebaut; der Dichter führt uns durch Tiefen und über Höhen des menschlichen Lebens, die ihr Bild tief in unser Herz prägen. Der Held, ein vor­nehmer, sensibel und schwärmerisch veranlagter Mensch, erweckt unser ganzes Interesse und in­niges Mitgefühl; der Präsident, eine patriarcha­lische, erhabene Erscheinung, ist die Jdealgestcllt Lines gerechten Richters, und bet rote Jtzig, als Verkörperung des verachteten Judentums da­maliger Zett, weiß unS durch Bloßlegung al? der Wunden, die seinem Volke, imb ihm beson­ders, geschlagen, aufs ttefste zu erschüttern. Dem toten Jtzig wie dem Grafen werden Worte der Kindesliebe in den Mund gelegt, tote sie schöner und ergreifender kaum jemals Ausdruck gefunden haben. DösttSe, des Präsidenten Tochter, ist bis jetzt nur wie ein Sonnenstrahl dmch das Stück

und bürgen dafür, daß die Gesamtinteressen des Standes über und vor bett Einzelinteressen zur Geltung kommen.

Zur Lage in Rußland.

In Petersburg ist der allgemeine Streik zwar aufgegeben, aber die Lage bleibt besorg» niSerrenenb. Das Derfassungsmanifest, so wird demL. A." aus Petersburg gemeldet, ist zweifelsohne zu spät erschienen. Es kann die allgemeine politische Gärung nicht mehr be» beschwichtigen, davon sind nun auch die be­sonnensten Köpfe überzeugt. Zudem genießt Graf Witte nicht die uneingeschränkten Voll» machten, über die er als Ministerpräsident un­bedingt verfügen müßte, soll er Herr der Situation werden. Wie schon erwähnt, gibt es zwei starke Strömungen bei Hofe, wodurch die ewigen Schwankungen unvermeindlich werden und Witte beständig von der Hofkamarilla ab» hägig bleibt.

Allmählich scheint man, wie von gestern, 3. Nov. berichtet wird, sich nun auSgetobt zu haben. Auf den Straßen herrschte gestern abend Ruhe. Morgen erwartet man die Der» kündigung der Amnestie, doch soll es keine all» gemeine, sondern nur eine beschränkte sein; Personen, welche politischer Vergehen beschuldigt sind, die einen Terror dokumentieren, sollen kriminell bestraft werden. Mit der gleichfalls erwarteten, langersehnten Preßfreiheit hört auch der Setzerstreik auf, so daß am Sonnabend die Refiden Mütter wieder werden erscheinen können.

Petersburg, 3. Novbr. Der heutige Jahrestag der Thronbesteigung des Kaisers verlief durchaus ruhig. Die Straßen nehmen, wenn auch der Straßenbahnbetrieb noch nicht wieder aufgenommen ist, allmählich ihr ge­wöhnliches Aussehen an. Es sind keine Patrouillen und keine Menschenansammlungen mehr zu sehen. Im ganzen gelangt immer mehr die Befriedigung über die vom Kaiser gewährten Freiheiten und der Wille, die Be­strebungen Witte'S tatkräftig zu unterstützen, zum Ausdruck. Alles sehnt sich nach Ruhe und Rückkehr zu norm rlen Verhältnissen. Besonders äußert sich dieser Wunsch in industriellen, kauf­männischen und gewerbetreibenden Kreisen.

Peterhof, 3. Nov. Ein kaiserlicher UkaS betreffend den Erlaß einer Amnestie ist unter­zeichnet worden.

Warschau, 3. Nov. (W.B.) Der heutige Tag ist ruhiger verlaufen. Die Läden waren am vormittag offen, wurden am nachmittag wieder geschlossen. Der Ausstand dauert fort. Jn den Versammlungen finden heftige Partei- kämpfe statt. Jn der Erwartung, daß noch heute die Amnestie erfolge, blieb die Lage ge­spannt. Die Börse sandte ein Telegramm an

gehuscht, mit frohem Kinderlachen und mstleids- weichem Herzen. Der zweite Teil des Sftickes stellt sie nun in den Vordergrund und das mo­derne Ehebruchsdrama hebt an. Philipp, der Jugendgespiele der Gräfin, ein kokettes, weich­liches Bürschchen wird zum mittelalterlichm Svengali, der mit hypnotisierender Beredsamkeit die junge Frau alles vergessen macht, was Haus- frauenebre und Mutterwürde verlangt, D6- siröe gebt mit ihm in ein übel berüchtigtes Wirts­haus, ohne an Mann, Kind und Vater zu denken. Der Graf, von seinem einzigen, treuen Freund davon benachrichtigt, verwandelt sich aus einem sanften Schwärmer in einen vor Eifersucht blind Wütenden, überrascht das ehebrecherische Paar, erwürgt den Verführer, zwingt die Sünderin, die wie aus einem Traumzustande erwacht, zum Selbstmord, nachdem der vor Schmerz fast unter- liegende Vater seinSchuldig" über sie sprechen mußte. Nun beginnt aber der Graf an .der Leiche seines eben von ihm mit Ekel fortgestoßenen Weibes über des Lebens Wert und Unwert zu philosophieren und um die Dahingeschiedene zu klagen, sodaß man ein immer unwilligeres Er­staunen nicht mehr unterdrücken kann und hen endlich fallenden Vorhang mit Erleichterung be­grüßt.

©obidf man weiß, hat der Dichter den Stoff Ü» dieser Tragödie einem englischen Stücke aus dem 17. Jahrhundert entlehnt, er läßt Fran- sprechen und handeln und hat sie mit deut- Gemüt versehen. Aus dieser Mischung ist aber keine Einheit geworden und das Stück kann uns nicht befriedigen trotz aller Vorzüge, die es jedenfalls wett über den Durchschnitt unserer mo­dernen Theaterlitteratur stellen.

Dem vorzüglichen Spiel der Mitwirkenden war es auch zu danken, daß die Premidre zu einer doch stark interessierenden Theatererscheinung wurde, besonders Herr KirH, den wir auch lyier in Marburg schon öfters m großen Rollen zu

Witte mit einem Protest gegen die Milttiw ausschreitungen.

Odessa, 3. Novbr. Angriffe auf Jud«, fanden gestern im stärkerem Maße als birhq statt. Jn allen Stadtteilen wurden erheblich Verwüstungen angerichtet, besonders in den entz« legenen Vierteln. Den ganzen Tag über sielen Schüffe. Die organisierte Selbstverteidigung schritt energisch gegen den Pöbel ein. Aas einigen Straßen waren Geschütze aufgefahren। die Stadt gleicht einem Kriegslager. Don Studenten wurden 200 Mann deS Pöbels ge­fangen genommen und in der Universität ein» gesperrt. Auf den Straßen, auf die sich nur Sanitätsbeamte und barmherzige Schwestern hinaus wagen, ist Polizei nicht zu sehen; be» waffnete Studenten sorgen für die. Aufrechter» Haltung der Ordnung. Die Lage wird als sehr ernst angesehen.

Petersburg, 3. Nov. Im Laufe der Nacht trafen neue Nachrichten von gegen diß Juden gerichteten Angriffen ein. Jn Smolensk gelang es der energisch eingreifenden Selbst» Verwaltung Ausschreitungen zu verhüten. In Rostow a. Don gleichen einige Straßen Trümmer­haufen ; der neue Bazar ist niedergebrannt. Die Angriffe gegen die Juden in Mariupol, Jusowka und in Kiew dauern fort. Dort wurden Bomben auf die Kosaken geschleudert. In Kiew wurde» gestern 12 Personen getötet und 44 verwundet. In Pultawa drang die Volksmenge in daS Ge­fängnis ein, wobei 38 Personen verwundet wurden. Auch in Uman tarnen Unruhen vorz die Demonstranten forderten die Freilassung bet wegen politischer Vergehen Verhafteten.

Kattowitz, 3. Nov. (Amtlich.) Jeder Eisenbahnverkehr nach Rußland stockt.

Köln, 3. Nov. DieKöln. Ztg." meld^ aus Kiel: Wie amtlich mitgeteilt wird, ist eine Funkspruchverbindung von Memel nach Peterhof durch den KreuzerLübeck" und sieben Torpedoboote hergestellt. Torpedoboot D 1 ankert vor Peterhof. DieLübeck" und baf Boot 8 120 führen Funkspruch-Apparate.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Nov.

Seine Majestät der Kaiser unternah« gestern Freitag Morgen einen Spaziergang in> Tiergarten und hörte im Königlichen Schloß den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts Wirkliche» Geheimen Rats Dr. von Lucanus. Später be­gab sich der Kaiser nach Döberitz, um an der Hubertusjagd teilzunehmen. Aus dem Döberitzer Gelände versammelte sich am Stell­dichein bei aufklärendem Wetter von 12% Uhr ab ein starkes rotes Feld. Gegen 1 Uhr traf der Kaiser im offenen Automobil, von Berlin kom­mend, ein, mit ihm die Generaladjutanten von Scholl und Graf Hülsen-Häseler, die Flügelodju- tonten Oberstleutnant von Cbelins und Major

sehen die Gelegenheit hatten, t- ißte der des jungen Grafen jenen Chor.e zu verlebe- den der Dichter für seinen Heide i verlangt, v-?. war es schade zu sehen, wie die Klarhett *^< Charakters in den letzten Szenen durch Dicht--" Schuld verwischt wurde.

Großen Beifall bei offener Szene ernt«*» Herr Bohrhammer als roter Jtzig, aus welcher Gestalt uns Shakespearescher Geist grüßt, nur daß Beer-Hofmann es in der Tat verstanden hat für diesen rachedurstigen Juden mehr Sympathie zu erwecken, als Shylock es jekönnte. Herr Bohrhammer schuf ein Kobinetstück ans seiner Rolle und konnte mit dem Erfolg zufrieden fein.

Herr Diegelmann ist hier genügend al? vor­züglicher Darsteller alter Charakterrollen bekannt, sein Präsident Rochetort war wieder, eine Muster» leiftung. Herr Ziegler, als jugendlicher trauen» Verführer Philipp, wurde dem Dichter so gerecht als möglich, ihm steht anscheinend eine gut« Künstlerlaufbahn bevor. Fräulein Rabitow, neu engagierte jugendliche Tragödin, versuchte die eigentümliche Rolle der Dffir^e glaubwürdig zu gestalten, fein sehr dankbares Bemühen, da man für die moralisch so inferiore Frau nach ihrem, aus heiterem Ehehimmel so Hefen uni unerklärlichen Fall, kein warmes Interesse mehr fühlen kann.

Alle übirgen Mitwirken den trugen dazu bei das Zusammenspiel zu einem glänzenden zu ge­füllten. Tie Inszenierung war vorzüglich, die Kostüme wirkten historisch treu, nur in die Klei­derkammer der Gräfin hatte sich ein Jugendstil- schlafrock aus japanischer durchsichtiger Seide ein» geschlichen, der bei dem angegebenen Frostfester und in der Zeit des 17. Jahrhunderts wirklich nicht am richtigen Platze schien.

Ein Mißstand aber, der auch hier oft genug gerügt wurde, zeigte sich ebenfalls bei dem Groh- stadtpublikum. Gegen Ende des Stückes konnte man ganz deutlich im Scheine der elektrisches