mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sonntagsblatt. .
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Marburg
Sonnabend. 4. November 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmveriltLtS-Duchdruckrrei 40. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon 66.
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für die Monate November und Dezember auf die
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Neueste Telegramme.
Berit«, 3. Novbr. Wie zuverlässig verlautet, wird das Deplacement der durch den Marineetat für 1906 zu fordernden Linienschiffe und Panzerkreuzer so stark sein, daß diese Schiffe den neuesten Projekten anderer Staaten gleichkommen.
Christtania. 2. Nov. Auch Frankreich und Dänemark sprachen die Anerkennung Norwegens aus. Heute wurde rin Aufruf an das norwegische Volk zugunsten der Republik erlassen, der 200 Unterschriften trug, unter diesen befanden sich die Unterschriften der ehemaligen Finanzministers Gurmar Knudsen sowie der Storthingsabgeordneten Konow und deS Obersten Stang.
Korrstaktinspel, 2. Nov. Das Gerücht, die Pforte bereite eine auf die mazedonische Finanzkontrolle bezügliche Note vor, in welcher sie gewisse Kompromtßvorschläge macht, ist bisher nicht bestätigt worden. Die Gerüchte, nach welchen die Pforte wegen der Finanzkontrolle militärische und maritime Vorbereitungen treffe, sind unbegründet.
Tokio, 2. Nov. Eine kaiserliche Verordnug verfügte vom 1. Notnmber die Freigabe der nach dem 5. September japanischerseits be- schlagnabmten Handelsschiffe.
Peking, 2. Nov. Der englische Gesandte wurde nunmehr ebenfalls angewiesen, über die Modalitäten der Zurückziehung der fremden Truppen mit seinen Kollegen und den Truppen- führ-rn zu beraten.
Zur Lage in Rußland.
Gestern erschien, wie schon in einem Tel«, gramm . kurz gemeldet wurde, ein Regierungs- tomimmiguch in welchem die Regierung an den ordnungsliebenden Teil des russischen Volkes appelliert und die Hoffnung ausspricht, daß die Gesellschaft die Regierung bei der Nnführung sder neuen Staatsordnung unterstützen werde, welche längere Zeit erfordere und nur nach Wie- derherstellung der Ordnung möglich sei. Ferne--
’^ndibrud verboten.)
Pflicht und Liebe.
Roma« vo« C. W i l d.
-pro :»epung.)
1 , Sie hatte wohl sticken und allerlei kunswolle Handarbeiten gelernt — aber nähen?
■ Ach Gott, es war so schwer, ihre Unwissenheit einzugestehen, und sie fühlte, wie ihr das Blut ins Gesicht stieg, als sie stotternd fortsuhr, „ich meine nur, daß ich —"
Mazda hatte sofort den Grund ihrer Verlegen, heit erkannt und sagte ruhig: „Wenn Sie sich rneiner Leitung anvertrauen wollen, so werden Sic bald damit zustande kommen: ich kann mir*8 3^)011 denken, daß Ihre zatten Hände noch nie mit derlei groben Stoffen in Berührung gekommen sind." ‘
Viola warf einen Blick verzeihlicher Eitelkett auf ihre weißen, zierlich geformten Hände.
Ach, daran hatte sie noch nie gedacht: diese Einen Finger würden wohl recht arg zerstochen werden. Aber jetzt war es zu spät, um ihre Worte zuruckzunchmen, einige Minuten später saß sie an Magdas Leite und nähte nach deren Anweisung emsig darauf los, ohne Erbarmen mit dem kleinen rosigen. Zeigefinger ihrer linken Hand zu haben, der in der Tat auch bald recht erbärmlich aussah.
Aber wie rasch war ihr der sonst so ewig lange Hormittag vergangen, und wie angenehm wußte weag^r zu plaudern, wenn sie so reden konnte, lvl'es thr ums Herz war. ,
. ~-'ie ^"fetchund hübsch erzählte Magda von
Tl<n.Cra a,™cn ^lttve da unten im Dorf, die ihr letztes hmgegeben hatte, um ihren Sohn auf die Universität fchtcken zu können.
',^/ehard tchickt dem jungen Mann viettel- -ahrlicy eine kleine Summe," hatte Magda er- -°yl: „denn er ist brav und fleißig und der- d-ent, dag man. ihn unterstützt. Und wie hängt
I wird in dem Cornmuniquä ausgeführt, daß ge- I wisse Elemente versuchen, das Vertrauen zur Re- I gierung zu untergraben und Volksunruhen her. I vorzurufen. Falls jedoch die Mehrheit des Pol- I kes der Regierung zu Hilfe komme, werde eine I sofortige Besserung der Zustände eintreten, im I anderen Falle übernehme die Regie. I rung keine Verantwortlich!e it für I etwaige schlimme Folgen, und die Aus- I führung der bevorstehenden Aufgaben würde I weniger schnell erfolgen, als wünschenswett sei.
I Trotz aller Beruhigungsversuche ist von einer I Besserung der Verhältnisse noch nirgends etwas I zu bemerken. Im Gegenteil laufen aus allen I Teilen des Reiches Nachrichten über schwere Zu- I sammenstößc und Ausschreitungen ein.
Aus Odessa wird telegraphiert, dort herrsche I vollständige Anarchie und grauenhafter Gemetzel. Die Zahl der Getöteten wurde gestern Abend spät auf vier- bis fünftausend ge- schätzt. Die Aufrührer benehmen sich toie.toilb'e Bestien und schießen ohne Un- terschied auf alles. Viele Einwohner erwidern das Reiter und überschütten den Mob mit in ö r- dertschen Salven aus ihren Häusern. In der Finsternis knatterten nah und fern Schüsse und krachten Bomben. Schmerzensschreie und wildes Wutgebrüll erfüllten die Lust. Niemand wußte, welche Schrecken die Nacht bringen würde. Ein General an der Spitze einer Loyalisten. Prozession wurde gestern Slbenb im Alexander- Prospekt erschossen. Eine halbe Ssotnie Ko. saken bildete die Leibwache um General Kaul, bars Palais. Sie vettuchten, vor dem Palais guer über die Straße eine Vetteidigungsbarri. kade zu errichten, wurden aber durch eine Bombe auseinandergettteben. Der Komman- dcur der Kasaken floh in Zivil auS der Stadt, | um der Wut deS Pöbels zu entgehen. Die Juden verteidigen sich tapfer in ihrem Viertel. DaS Kriegsrecht wurde von neuem verhängt, aber die ;* Truppen tun nichts, es zu erzwingen. AuS dem Inneren kommen finstere Gerüchte über agrarische Revolten. Die Landleute sollen die neuen Freiheiten dahin auslegen, daß sie den Grundbesitzern daS Land wegnehmen dürften.
AuS Kiew wird vom 2. Nov. telegravbiert: Vorgestern Nacht spielten sich unbeschreib- liche Szenen deS Schreckens ab. Der Pöbel brach in das Rathaus ein und riß daS Ge. mälde^des Zaren herab. Die Truppen feuerten und töteten 40 Personen, dreihundert wurden verhaftet. Soldaten wurden von Pferden gerissen und am Boden liegend ermordet. Ein Advokat ttß das Potträt des Zaren aus dem Rahmen, schnitt den Kopf des Bildes heraus, steckte seinen Kopf hindurch und hielt so eine Rede an den Mob vom Balkon des Rathhauses. Gestern früh erstürmte eine Bande Arbeiter sein Haus und ttß ihn in Stücke. Um Mitternacht begann eine Judenhetze: die Marktgebäude wurden zerstört, und kein jüdischer Laden in der unteren Stadt behielt einen Stein auf dem ande- ren. Vormittags wurden alle jüdischen Läden in der Hauptstraße zerstört. 7 linsende von Männern, Frauen und Kindern
er an seiner Mutter — Sie sollen nur die Freude sehen, wenn er in den Fetten nach Hause kommt. Die alte Frau lebt da förmlich wieder auf, und sie sieht ganz jung und stattlich aus, wenn sie, auf seinen Arm gestützt, durch das Dorf geht.
Ich gönne der armen Frau diese Freude von ganzem Herzen, sie hat schon viel Ungemach er- dulden müssen und alles Leid in sttller Ergebung getragen.
Sie hat einst bessere Tage gesehen und eine ! glänzende Erziehung genossen. Ihr verstorbener Gatte war Hauslehrer bei ihren Brüdern ge- , wesen, und die reiche Bankierswchter hatte ihr Herz an den armen Mann verloren. Sie schlug beharrlich jede Verbindung aus und wartete so lange, bis er angestellt wurde.
Die geldstolzen Eltern verstießen und ent- erbten die Tochter, sie zog dann, arm wie eine Bettlerin, in ihves Mannes Haus.
Aber, wenn auch das Geld fehlte, so gab's doch einen Reichtum an Liebe bann, der den Mangel an Geld ersetzte und sie trotz aller Dürf- tigkett sehr glücklich machte.
Heute noch spttcht die alte Frau mit seligem Entzücken von jener Zeit der „reichen Armut", wie sie es nennt, und sie versichert, daß, wenn sie heute wieder zu wählen hätte, sie dennoch keine andere Wahl treffen würde, als dem geliebten Manne in seine Dürftigkeit zu folgen und Freud und Leid mit ihm zu tragen.'
Welch eine neue Welt ging bei dieser schlichten Erzählung vor Violas Augen auf!
War das die so verabscheute Prosa der Ar» mut? Welch reine starke Liebe mußte jene Frau besessen haben, um so mutig alle Entbehrungen, alles Leid zu ertragen 1 Wie schön, wie herrlich war es, so lieben zu dürfen!
Und es hatte eine Zeit gegeben, wo sie as- glaubt hatte, daß es ohne Reichtum kein voll- . kommen es Glück geben könne — war solch treue, I ausdauernde Liebe, solch festes, inniges Zujaw-
kämpften wie die Furten um die Waren und Kostbarkeiten. Statte Militärpatrouillen sahen lächelnd und untätig zu. Polizisten steckten Wert- fachen ein, Kosaken verbargen geraubte Waren unter ihren Mänteln. Gestern Abend 6 Uhr begann das Plündern wieder trotz strömenden Re- gens. Die Juden feuerten von den Balkonen auf die Truppen und Loyalistenprozessionen, und diese erwiderten das Feuer. Die Bureaus und Häuser von Baron Günzburg, Brodsky, Zaitzew und Epstein wurden zerstört; die übrigen Juden -erwarten heute noch Schlimmeres und drohen mit einer Chriftenmassakre.
Petersburg, 2. Nov. Aus Rostow a. Don wird gemeldet, daß ein gestern durch die Geistlichkeit gemachter Versuch, die Gemüter durch eine kirchliche Prozession zu beruhigen, erfolglos geblieben ist. Die Ausschreitungen werden immer ernster. Die Plünderung dauert fort, die Stadt befindet sich in den Hän- den des Pöbels; es wird fortgesetzt geschossen; die Krankenhäuser füllen sich mit Verwundeten und Toten; das Betreten der Straßen ist gefähr- lich, einige Häuser stehen in Flammen.
Aus Kasan wird gemeldet, daß dort eine aus 400 Studenten und Arbeitern bestehende Miliz geblldet ist, die mtt den der Polizei forigenom- menen Waffen bewaffnet ist. Während der Nacht durchzogen Milizpatrouillcn die Straßen. Die Rübe ist nirgends gestört.
Aus Kargan und Taschkent wird gemeldet, daß Militär friedliche Manifestanten durch Waffengewalt zerstreut hat, wobei viele Personen verwundet wurden.
Aus mehreren Provinzstädten, namentlich Rostow am Don, Kiew, Nowgorod und Cherson, sind Depeschen eingegangen, welche melden, daß sich Bei der Bevölkerung eine wachsende Erbitterung gegen die Juden bemerkbar mache. Man beschuldige die Juden, daß sie sich Vater- landsfeindlich verhielten, durch politische Agitation Ruhestörung hervorriefen und die revolutionäre Bewegung veranlaßt hätten und leiteten. Inden gehörige Häuser und Läden in den genannten Städten wurden geplündert und teilweise in Brand gesetzt. Mele Personen wurden getötet beziehungsweise verwundet.
Peterburg, 2. Nov. Die Plünderung der Häuser und Läden der Israeliten in den Hauptstraßen von Nowgorod geschah infolge einer von den Juden veranstalteten Kundgebung. Dies« waren mit roten Fahnen in der Stadt umherge- zogen und hatten revolutionäre Reden gehalten.
Warschau, 2. Nov. Die Kundgebungen national - polnischen Charakters dauerten den ganzen Tag an. ES kam zu mehreren Zu- sammenstößen mit dem Militär. In der Philharmonie wurde eine große Volksversammlung abgehalten. Die Banken sind geschloffen, an der Börse ruht daS Geschäft.
Lodz, 2. Nov. Sämtliche Bäckergesellen haben sich mit den Eisenbahnangestellten solidarisch erklärt und find heute in den AuS- stand getreten. Sie beabsichtigen, die Ar-
mmhalten nicht tausendmal mehr wert als all? Schätze der Welt?
„Ich habe bei meinen Arbeiten eine Gehilfin bekommen," sagte Magda scherzend zu ihrem Bruder. „Mola hat sich erboten, mir nähen zu helfen, und ihr Fleiß hat alle meine Erwartungen übertroffen."
Angenehm überrascht blickte der Freiherr daS errötende junge Mädchen an.
„Sie beteiligen sich also an Mag das Samariter- wetten? Wie freundlich von Ihnen! Die arme Magda hat ost Nächte hindurch genäht, um alle- -Ur Chrtstbescherung fertig zu bringen."
„Nun, mit Violas Hilfe hoste ich diesmal zu rechter Zett fertig zu werden," lächelte Magda.
Dann aber lenkte sie das Gespräch rasch in andere Bahnen , sie liebte eS nicht, von ihrer Wohltätigkeit sprechen zu hören.
„Ich habe stn Städtchen zu tun," sagte der Freiherr, als er sich einige Minuten später vom Tisch erhoben; „wenn die Damen mistahren wollen, so lasse ich den alten Joseph zu Hause und kutschiere selbst."
„Sollen wir „Nein" sagen, Viola?" fragte Magda scherzend, „nun, wir wollen Gerhard keine abschlägige Antwort geben."
„O gewiß nicht," versichterte Viola mit vor Vergnügen blitzenden Augen.
„Dann bitte ich die Damen, sich rasch fertig zu machen," entschied der Freiherr in heiterem Tone; „ich muß zur beftimmten Stunde bei dem Justiz- rat fein."
Viola eilte hastig in ihr Zimmer und machte dort rasch Toilette.
Sie sah wunderhübsch au5 in dem bunM- blauen, enganliegenden Tuchkleide und dem mtt einer weißen Feder verzierten Barett auf den goldbraunen Locken.
Als sie in den kleinen Speisesaal trat, war noch niemand darin. Sie legte ihren Muss auf den Tisch und begann die feinen, perlgrauen Handschuhe anzuziehen«
I beit gleichzeitig mit der Beenbigung deS AuSj standeS der Eisenbahner wieder aufzunehmen Heute früh würbe in einigen Fabriken gearbeitet. Nach einigen Stunden wurde die Arbest jedoch wieder eingestellt wegen der Beerdigunß der während der Straßenunruhen am MenStaß getöteten Personen.
HelsingforS, 2. Nov. (Ritzau.) I» einer gestrigen Versammlung wurde beschlösse«, den AuSstand bis zur Erfüllunß aller politischen Forderungen fortzusetzen. Der Generalgouverneur teilte mit, daß er die Liste bet Forderungen heute nach Petersburg senden werde, und versprach, die Militärpatrouillen einzuziehen, da die Ordnung besser gewahrt werde als je und die Bürgermiliz starke Patrouillen auSsende.
WjaSma (GouvernementSmolensk), 2. Nov. Das ganze Judenviertel wurde zerstört uni geplündert; die Verluste sind sehr bedeutend.
Haparanda, 2. Novbr. Au« Uleaborg (Finland) wird telegraphiert, daß alle Behörde« ihre Tätigkeit eingestellt haben, auSgenommm der Magistrat. Der Gouverneur, der Bürgermeister und der Polizeiminister wurden für abgesetzt erklärt. Asse Schissen und Geschäfte find geschlossen.
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Deutscher Reich.
Berlin, 8. Nov.
— Seine Majestät der Kaiser hörte gestem Mittwoch vormittag im Neuen ValaiS die Borträge deS KriegSminister« und deS Chefs deS Mllitäv, kabinettS. Mittag« nahmen der Kaiser und die Kaiserin an der bei dem Prinzenpaar Friedrich Leopold in Schloß Glienicke stattfindenden Tafel teil, z« der auch König Georg von Griechenland geladen war. Abends waren der Kaiser und der König von Griechen land einer Einladung de« Reichskanzler« zum Dine« gefolgt. Der König von Griechenland ist 11 Uhtz abends nach herzlicher Verabschiedung vom Kaiser der ihn zur Bahn geleitete, wieder abgereist.
— Der BundeSrat versammelte sich geller» zu einer Plenarsitzung; vorher hielten der Ausschuß für Justizwesen, sowie die vereinigten Ausschüsse jü» Justizwesen und für die Versassung, die vereiniaten Ausschüsse für Justizwesen und für Handel und Verkehr und die vereinigten Ausschüsse für daS Landbeel und die Festungen und für Justizwesen Sitzungen. In seiner Plenarsitzung stimmte der BundeSrat dem Gesetzentwurf über den Versicherungsvertrag zu.
— Die »Nordd. Allgi Ztgss meldet: Am 8. nutz 4; ds. findet im Ministerium der öffentlichen Arbeite» eine Konferenz statt, an der die Präsidenten bet preußischen Eisenbahndirektionen und der kaiserliche« Generaldirektion in Straßburg teilnahmen. Die guten Erfahrungen, die mit diefen sogenannten Präfidenren» Konferenzen gemacht wurden, haben den Minister veranlaßt, auch in diesem Jahre die Herren zu eine» Besprechung zu laden, in der sämtliche Frage« deS Eisenbahnwesens erörtert werden und den Herren zu einer mündlichen Aussprache über di» in den einzelnen Bezirken gemachten praktischen E» sahrungen Gelegenheit geboten wird.
— Wie auS Königsberg gemeldet wird, Ware« bis gestern abend 10 Uhr bei der Reichstags» ersatzwahl in Dreuk' -Hossanb-Mohrungen gezählt
In diesem Moment trnt der Freiherr ein.
„Ach, wie pünktlich," sagte er, als er das jun« Mädchen gewahrte. „Geben Sie her, ich will Ihnen beim Zuknövfen Ihrer Handschuhe behilflich sein."
Lächelnd streckte ihm Viola ihre kleine Hand hin.
Da siel fein Blick auf die noch unbehandschuht» Linke.
„Ach, Ihr armer Finger!" rief er.
„O, es ist nichts, ein kleiner Beweis meine» heutigen Tätigkeit," meinte Viola.
Ter Freiherr beugte sich tiefer herab, wie um den armen Blessierten besser zu betrachten; im nächsten Moment fühlte Mola einen heißen Kutz auf dem kleinen rosigen Finger.
Eine warme Blutwelle schoß ihr jä$ ins Gesicht, während sie instinktiv die Augen schloß.
Keines von beiden sprach ein Wort; abal jedes meinte, das andere müsse das ungefähr« Pochen des eigenen Herzens hören, und es dauert» sehr lange, ehe Gerhards bebende Hand mit ihrer Arbeit fertig wurde.
Endlich umschloß das feine Leder die schlanken Finger des jungen Mädchens.
Ein leises „Ich danke" tönte von ihren Lippen, dann trat sie einige Schritte zurück.
Die Tür wurde jetzt hastig geöffnet und Magdat trat herein.
„Ich bin bereit," sagte sie.
Wie aus einem Traum erwachend fuhr Siolfl empor, ihr Blick ftreifte schüchtern den ganz gleich« giftig dreinschauenden Freiherrn, und urttoiöfür« lich richtete sich ihr Köpfchen stolz empor — bet Zauber war zu Ende.
Doch nicht ganz. Als Gerhard ihr beim Nachhausefahren in den Schlitten hals, fühlte fte einen leisen Druck seiner Hand, und fein Gutenachtgruß hatte, so schien es ihr wenigstens, viel weicher und wärmer geklungen als sonst. >
(Fortsetzung folgt.)'