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Druck und Verlag- Joh. Ku«. Koch, UmversitStS-Buchdruckerek 40, Jllh7g» Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Mittwoch. 1. November 1905.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: AUustrirtes Sonntagsblatt. ________

Bestellungen

für die Monate November und Dezember auf die

Obertzeffifche Zeitung" nebst ihre» Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und LandbrieftrLgern entgegengenommen.

Neueste Telegramme.

Berlin, 81. Oktbr. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Einberufung des Reichs­tags auf den 28. November.

Hamdnrg, 80. Okt. Heute Nachmittag 4 Uhr 15 Siisi. ging der DampferHanS Woermann" mit einem auS 18 Offizieren und 102 Unteroffizieren und Mannschaften bestehen­den Truppentransport nach Deutsch-Südwest- Afrika in See. Außerdem befinden sich auf dem Dampfer 20 vom Oberkommando angeworbene Keffelfchmiede und Maschinenbauer, die in Deutsch-Südwest-Afrika zum Bau und Zusammen­setzen von Maschinen verwendet werden sollen.

Rtzetms, 30. Oktober. Bei der gestrigen patriotischen Kundgebung alter Krieger von 1870 hielt der Vorsitzende, Deputierte Cannes de Montebello, eine Ansprache, in der er auS- führte, man muffe die jüngeren Generationen vor phantastischen Hirngespinsten und um­stürzlerischen Lehren warnen und sich zu diesem Zwecke von den jüngsten Ereigniffen belehren lassen. Redner kam auf die Dresdener Rede des Kaiser zu sprechen und sagte, man muffe die Lage in Ruhe betrachten, zugleich aber alles dafür aufbieteu, daß sich die friedliche Ver- teidiaung bewaffnete 2acht stützen

könne.

Bei«, ui. demjche Reichsregie­

rung erklärte sich mit der vom schweizerischen Bundesrat vorgeschlagenen Einberufung einer diplomatischen Konferenz zur Umwandlung der Beschlüsse der Verner Arbeiterschutzkonferenz in internationale StaatSverträge einverstanden.

Paris, 31. Oktbr. DerTemps" stimmt lt. Meldung derFranks. Ztg." in seinem Leit­artikel der deutschen Initiative zur Räumung Chinas zu und zweifelt nicht, daß die Groß­mächte den deutschen Vorschlag günstig auf­nehmen. DerTempS" erinnert an die frühere Politik Deutschlands in Ostafien und erblickt in der jetzigen Initiative eine geschickte Gegen­aktion gegen die englisch-japanischen Verträge. Deutschland wolle offenbar das Vertrauen der

13 r m verboten.)

Pflicht und Liede.

Roma« von C. Wil».

iffonjetzung.)

Das Schreiben brannte in ihrer Hand, und dennoch hätte sie es um keinen Preis der Welt vor feinen Angen öffnen mögen. Was darin stand, das sollte keines anderen Menschen Auge fassen: war der Inhalt gut oder schlimm, sie wollte es für sich tragen.

Gerhard schien ein solches Vertrauen DiolaS auch gar nicht erwartet zu haben: denn mit dem ihm eigenen Zartgefiihl ging er auf andere Ge» gensiände, über, als er bemerkte, wie fassungslos und verwirrt sie vor ihm stand.

. Sie waren kaum vor der Speisestunde von ihrem Spaziergänge zurückgekommen, und kaum hatten sie ihr Mahl beendet, so kamen Gäste, die bis spät am Abend blieben.

. Viola machte auch gar keinen Versuch, sich für ewige Zeit zurückzuziehen, um den Brief lesen zu können.

Und selbst, als sie sich allein und vor jeder Störung sicher in ihrem reizenden, kleinen Salon befand, hatte sie nicht das Herz, da- Schreiben sogleich zu erbrechen.

Endlich tat sie es doch, und während sie die lebten Worte der Mutter las, flammte eine glühende Röte über ihre Wangen, um gleich einer iahen Blässe Platz zu machen. Und was sie da ms. war wohl geeignet, ein junge?, ungestümes Herz in Aufruhr zr bringen.

.Als, die verstorbene Baronin Buckfeld diese Zeiten schrieb, war sie einer plötzlichen Eingebung f^.^^'bitterten Gemüts gefolgt, imb als sie zur Ern sicht gekommen, daß es eine böse Saat ge» wewn, dre fle da mit ihren letzten Worten an die Tochter ausgestreut, war es zu spat: der Tod hatte rhre Lrppen geschlossen, ebe sie Gerhard Aoch hatte tagen können, er möge tiefen Brief wart übergeben, sondern vernichten.

gelben Raffen wiedergewinnen, und sein Vor­gehen werde zweifellos in Peking einen ange­nehmen Emdruck machen.

Lissabon. SO. Okt. Der König wird bald den Besuch LoubetS in Paris erwidern. Er beabsichtigt auch den König von Italien zu be- suchen. Ueber eine Reift nach Deutschland ist bisher nichts entschieden.

Newyork, 80. Okt. Dr. v. Ruck in Afhville (Nordkarolina) reklamiert, demBerl. Tagebl." zufolge, die Priorität deS Behringschen Tuberkuloseheilverfahrens.

Aus bem badischenMuster"ländle.

Die Berichte über dm Ausfall der badischen Landtags-Stichwahlen ergeben, daß tatsächlich die nationalliberale Wählerschaft dem schmachvollm Ansinnen, für die Sozialdemokraten zu stimmen, nachgekommen ist. Es wurden bei den am Sonnabend stattgehabten Stichwahlm zur zwei- tm Kammer des badischen Landtages gewählt: 9 Nationalliberale, 2 Demokraten, 6 Sozialdemo­kraten, 1 Freisinniger und 3 Konservative. Die zweite Kammer fetzt sich nunmehr zusammen aus 24 Nationalliberalen, 28 Mitgliedern des Zen- trums, 4 Demokraten, 12 Sozialdemokraten, 1 Freisinnigen und 4 Konservativen. . Das Geschäft für die Nationalliberalen ist also nicht so günstig ausgefallen, wie der Block-Ausschuß erwartet hatte; dagegen können die Sozialdemokraten mit ihrm Bundesbrüdern vollständig zufriedm sein. Die sozialdemokratische Fraktion der badischen Abgeordnetenkammer bildet nun tatsächlich das Zünglein an der Wage, und die Ohnmacht des Liberalismus im badischen Parlament tritt da­durch nur um so augmsckeinlicher zutage. DaS DutzmdGenossen" daselbst aber bildet, so et- klärt die parteioffiziöseKons. Korr." einen un­auslöschlichen Schandfleck auf dem National- liberalismus.

Noch kurz vor dem Stichvoahttermin hat das Verbandspräsidium der badischen Militär- Vereine in seinem Organ folgendes Wahlpro­gramm veröffentlicht:Volle Freiheit, so lange es sich um Wahl zwischen einer der stoatserhal- tenden Parteien handelt. Wer aber einen An­hänger der sozialdemokratischen oder anderen umstürzlerischen Partei wählt, der stellt sich außer- halb der Hauptbestimmungen unserer Satzungen und wenn er kein Heuchler ist, son­dern ein ehrlicher Mann, so tritt er von selbst aus unserm Verein und Verbandaus. Es ist für unsere Mitglieder auch nickst statthaft, infolge eines Wahlvertrages einer Partei mit den Sozialdemokraten oder bei der Stichwahl für einen solchen Kandidaten zu stinrmm. llnfere Aufgabe soll es vielmehr sein, überall da wo Gefahr ist, daß ein Sozialdemokrat zur Wahl kommen kann, für ein friedliches Zu­sammengehen der Ordnungsparteien einzntreten."

Daß derjenige große Teil nationalliberaler, an der Abmachung des Blocks beteiligtenMänner, der

Das Unheil war geschehen.

Die junge verdüsterte Mädchenfeele sog das Gift dieser so unüberlegt geschriebenen Worte ein und das, was bisher in Violas Innern nur geschlummert wurde plötzlich in dieser Minute groß gezogen.

Mit glühenden, trockenen Augen starrte sie auf das Papier; nicht eine Träne netzte ihr Auge und dennoch zerriß ein heftiger Schmerz ihre Brust.

Sollte 2s mit ihr auch so werden, sollte sie gleich ihrer Mutter das Opfer engherziger Vor- urteile fein? Nein, nein! Jbre Mutter hatte ihr eine gute Lehre gegeben und sie wollte nickst ihrem Beispiele folgen, um dann unverstanden, einsam durch das Leben zu gehen.

Sie wollte sich ihr Glück erringen, erkämpfen, ohne nach der Meinung anderer zu fragen, sie wollte sich von niemand beeinflussen lassen und allen trotzig die Stirn bieten.

Sie atmete tief auf, dann begann sie dm Brief nochmals durchzulesen.

Mit hastigen unsicherm Zügen hatte Meline von Buchfeld geschrieben:

Viola!

Wenn Du tiefe Zeilen liest, bin ich längst nicht mehr, vielleicht ist auch mein Andenken schon in Deinem Herzen erloschen; dmn die Zeit geht rasch dahin und ich habe mir niemals ein Anrecht aus Deine Liebe erworbm.

Möglich, daß eine andere Mutter nicht so zu ihrem Kinde sprechen würde, ich kann mich nicht bester machen, als ich bin Ich bin ein Opfer leidiger Verhältnisse gewesen, um meinen Vater vor dem Ruin zu schützen, ward ich die Frau eines ungeliebten Mannes. Ich einen anderen heiß und leidenschaftlich geliebt, und dieser andere trat freiwillig zurück, um meinem Glücke nicht hindernd im Wege zu fein, wie er mir sagte, in Wahrheit aber, well er erfahren, daß ich ein armes Mädchen fei.

Begreifst Du das, Mola, begreifft Du daS, wenn man in dem geliebten Manne einen Gott

zugleich an der Spitze von Militärvereinen steht, nunmehr freiwillig ihren Austritt nehmen werde, ist wohl kaum vorauszufetzen. Man wird also darauf gespannt fein können, ob man tiefe Herren zwangsweise aus dm Reihm der Militärverein«, in die sie offenbar nicht mehr hineingehören, ent­fernen werde. Aber wenn das auch nicht ge­schehen sollte, werden sie Hinreichmd schon durch die vorstehende Kundgebung alsehrfiche Män­ner" stigmatisiert sein.

DieBadische Post" beleuchtet in wirksamer Weife die Unwahrhaftigkest der nationalliberalen WahlparoleUnter allen Umständen gegen bo8 Zentrum", die nur zur Irreführung auch evan­gelischer Wähler dimm sollte. In drei Wahlbv- zirkm nämlich fordert der nationalliberale Wahl­aufruf auf, gegen die Konservativen bezw. dm Bund der Landwirte zu stimmm.Um den Ju­daslohn sozialdemokratischer Hilfe in drei Wahl­kreisen, wo Konservative aufgestellt sind, ver- spricht der Block, so schreibt dieBadische Post", der roten Internationale Unterstützung in 3 wetteren Kreism (46, 50, 55) gegen uns. Weshalb betont der Aufruf nicht ehrlich:Lieber einen Sozzm, als einen Konservativen"? Ant­wort: Weil das viele liberale Männer stutzig machen würde! Man will mtt der Zmtrums- hetze den ßeuten die Wahrheit verschleiern, das eigentliche Ziel des Blocks (Stimmenfang) ver­hüllen; deshalb bringt der Aufruf nur am An fang das Wort:ultramontan-reaktionär"; auch dabei merfen natürlich viele Wähler nicht, daß das gegen die Konservativen und den Bund der Landwirte gerichtet ist. Es ist notwmdig,, daß man dem Volke die Nationalliberalen in ihrer wahren Gestalt zeigt! Melleicht bessert das unser politisches Lebm! Was bisher einige Jung­liberale unter heftigem Widerspruch der Alt­liberalm schüchtern zu sagen gewagt falben, die Sozialdemokraten seien ihnen lieber, als die Kon­servativen, fft plötzlich mit Sang und Klang Pa­role der -Regierungspartei" gewordm.

Alle die bravm Sozialistenfreunde, die hinter dm Jllusionspolttikern Barth und Naumann blind einhertrottm, sind begreiflicherweise von dem Verhalten der badischm Nationalliberalm begeistert. So schreibt der demokratische Stutt­garterBeobachter":Was auch der Erfolg tie­fes Zusammengehens in später Stunde fein mag, daS Eis fft gebrochm. . . . Das Zustandekom- mm des UefareinfommenS wird seine Wirkung wett über die Grenzen Badens fatben und öffnet tie weiteste Perspektive auf eine gründliche Schwenkung der Taktik des rechts stehmdm Li- beralismus". Und dieNation" konstatiert mtt .Gmugtuung, daß der Pakt zwischm dem Blckk und dm Sozialdemokraten in Baden der real- politische Ausdruck jener Taktik sei, welche dieses Blatt seit manchen Jahren unablässig gepredigt habe. Wie sich dagegm die nationalliberale Zen- trallettung mit der badischm Schmach abfinden werde, muß man in Geduld, abwarten. Die Sache zu vertuschm, wird jedmfalls nicht möglich sein.

zu sehm glaubt und einen erbärmlichen Men­schen in ihm findet? Ich glaubte damals, ich müsse wahnsinnig werden, ich war noch so jung, so Vertraumd, ich hatte all' tie schönen Worte, mit benen er mich zu betören gesucht, für bare Münze genommen.

Die erste furchtbare Enttäuschung warf mich nieder und machte mich jeden klaren Denkens unfähig. Ich verlobte mich mtt dem reichm Bewerber und rettete meinen Vater, mich selbst hatte ich in einen Abgrund gestürzt. Ach das WortPflicht" ist ein ödes, trauriges Wort, das mit seinem falten Eiseshauch alle wär­meren Gefühle erstickt.

Vielleicht hätte ich später meinen Satten lieben gelernt, toenn es mir nicht zur Pflicht gemacht worden wäre, es zu versuchen aber dieses starreDu mußt ihn lieben; dmn er ist Dein Gatte" stand wie das finsteve Gespenst vor meiner Seele unds erstickte jede wettere Regung in mir. Am Vorabend meines Hoch­zeitstages habe ich noch meinen Verlobten unter heißen Tränen gebeten, mich frei zu geben, mir zu entsagen.

Er weinte mit mir, er klagte mit mir; aber er gab mir meine Freiheit nicht wieder.

Die unfelige Verbindung war geschlossen, und ich, mit der Todeswunde im Arzm, tie Gattin eines Mannes, der in seiner gutmüti­gen Schwachheit doch der ärgste Tyrann war, den eS je gegeben.

Er ließ mir meinen freien Willen; aber einem Schatten gleich folgte er mir überall hin.

Er war für mich die Verkörperung detz WortesPflicht", das ich in feiner Gestatt stets vor Augm hatte; er ertrug alle meine Launen, meine sonderbaren Einfälle mit beispielloser Geduld, er hoffte dadurch meinem Herzen näher zu fommen und entfremdete sich mir gerade des­halb immer mchr. -

Es gab Momente, wo ich ihn haßte, ja lei­denschaftlich haßte, und nun verstehst Du,

Die Revolution in Rußland.

Wie auS Petersburg gemeldet wird, hat sich der Zar entschlossen, eine Erweiterung der ge­planten Verfassung und des Wahlrechtes zuzu­gestehen. Wir geben nachstehend das bereu® gestern Abend mitgeteilte Telegramm in auS« sührlicher Fassung wieder:

Petersburg, 30. Okt.. Heute Abenift wird ein kaiserliches Manifest veröftmtlicht wer­den, durch welches Graf Witte zum Ministerprä­sidenten ernannt wird mit der Aufgabe tie 8te< gierungsfunktionm zu vereinheitlichen, und durch welches ferner bürgerliche Freiheiten, eine gesetz­gebende Duma und die Ausdehnung des Wahl­rechtes gewährt werden.

Odessa, 80. Okt. ES ist unmöglich, tie Zahl der Opfer bei den gestrigen Unruhm auch nut annähernd sestzustellen, da eS den Fried­hofs- und Krankenhausverwaltungen streng un­tersagt ist, Auskunft zu erteilen. Dir Polizei schafft selbst überall Leichen und Verwundete fort, deren Zahl sehr bedeutend sein muß. Die Be- hördm hegen zu der Infanterie kein Vertraue« und behalten sie in den Kasernen; sie verwende« mir Kosakm und Gendarmerie. Don einer Barri­kade herab rief ein Student dm herbeieilendett Kosaken zu, sie sollten, anstatt auf ihre um tie Freiheit des gemeinsamen Vaterlandes kämpfen­den Brüder zu schießen, sich lieber dm Kampfer« anschließm. Die Kosakm antwortetm darauf mit vier Salven, durch welche neun Personen getötet und ungefähr vierzig verwundet wurden. Die noch Hunderten zählenden, unverletzt gebliebenen Übri­gen Personen stürzten darauf, von Kosakm ver­folgt, in tie nächsten Häuser, brangen in die frem­den Wohnungen ein oder versteckten sich auf tret Böden und Dächern. Viele Privatwohnungm wurdm auf diese Weise in Ambulanzen ver­wandelt.

Newyork, 80. Okt. Der amerikanisch« Geschäftsträger in Petersburg verlangte Jnstruk- tionen. Er beabsichtigt nämlich, die dortige« Amerikaner auf ein Schiff unter dem Sternen­banner fortzubringen.

Lodz, 30. Okt. Die Geschäfte sind hier all­gemein geschlossen. Einige Geschäfte, die geoffnd warm, wurden zerstört. Mehrere tausend Arbei­ter durchzogm die Straffen und zerrissen tie Flaggen, die heute anläßlich des HofseiertagsS gehißt warm. Militärpattouillm gaben blind« Schüsse ab. Ein blutiger Zusammenstoß Wirtz befürchtet.

Warschau, 30. Okt. In der Dorstadt Prag« wurde ein Gendarm getötet.

Thomas Hartinge, der englische Botsckxrster in St. Petersburg, passierte gestern auf der Fahrt nach Kiel Hamburg. Ein Mitglied bet amerikanischen Hochfinanz, Flint, der mit Har- dinge fuhr, erklärte, daß nach Ansicht des Bot­schafters die Revolutions-Bewegung in Rußland zur Zett ihr Ziel nicht voll erreichen werde. DiÄ Ziel bestehe nicht in dem Sturz des ZarmtumS, fonbem in der Erkämpfimg einer repräsentative«

Viola, warum ick das Kind des nngeliebtm Vaters aus meiner Nähe entfernte und förmlich aus meinem Hause stieß.

Ich wollte durch nichts an dieses verhaßt« Band erinnert sein. Meine Eltern .starben, mein Gatte starb und ich stand allein ht bet Welt.

Ich war nun frei und hätte nach meinem Herzen wählen können, allein es war zu spät« Das Glück meines Lebens lag zertrümmert am Boden, und ich fand es nicht der Mühe teert, mich zu bücken, um die Scherbm aufzulesm.

Ich wollte mir ein höheres, ein schönere? Glück schaffen, allein eS blieb em Traum; mein Herz war müde geworden, ich sehnte mich nach Ruhe, nach jener Grabesruhe, die vor allen ©türmen des Lebens schützt, indem sie sich nut mit Amßerlichkeiten begnügt und das Hertz als einm toten Gegenstand betrachtet.

Ich habe 'es so teeit gebracht und scheide mm gern aus einem Lebm, dessen glänzende- Leid ich mit vollen Zügen genossen.. Ich wat Dir keine gute Mutter, Viola, ich weiß baB mal zu Wohl, ich habe meine Pflichten schlecht gegen Dich erfüllt, und doch, vielleicht ist es besser so, daß wir einander fern geblieben sind, so wir» uns beiden das Scheidm nicht allzu schwer, und Du hast nichts verlorm, toenn ich sterbe. EinA nur lasse Dir gesagt sein: prüfe Dich, ehe D« Dich bindest; laß Dich durch fein äußeres Band' bewegen, jemals eine Verbindung einzugehen, die Dir nicht aus ganzem Herzen, mit voller, freudiger Seele fchließest. Tritt lieber noch int letzten Augenblick zurück und trotze selbst bet Meinung der Welt; laß nur Dein Herz spreche« und Dich von keinerlei anderen Rücksichten lei­ten ein Leben voll Schmerz und Leid wär« Dem Lohn! Itnb nun leb' wohl, leb' fiir im­mer, ich fühle eS, meine Zeit ist um, und toemt Du kannst, so gedenke zuweilen srmndlich

Deiner Shutter.* '(Fortsetzung folgt).