Sonntagsbeilage: Illuftrirt-s Sonntagsblatt.
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Marburg
Sonnabend, 28. Oktober 1905. __ LMI.il IIHIII I ।
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UmversitätS-Buchdruckkrel 40. Jllhrg« Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Neueste Telegramme.
Berlin, 27. Okt. lieber die Freigabe der russischen Kriegsschiffe, welche sich nach dem mißglückten Ausbruchsversuch der Port Arthur- Flotte seit dem August 1904 im Hafen von Tsingtau befinden, sind die diplomatischen Verhandlungen eingeleitet worden.
Köln. 27. Okt. Gestern tagte hier unter dem Vorsitz des Fürsten Karl zu Löwenstein die die Generalversammlung der deutschen Anti- duelliga, in der mitgeteilt wurde, daß eine Verschärfung der Strafen wegen Beleidigung und wegen Ehebruchs sowie die Errichtung eines Schiedsgerichts erstrebt werde. Es sprachen unter anderem auch Pastor v. Bodelschwingh.
Darmstadt, 27. Okt. Die Wahlmänner- Wahlen für die hessische Landtagswahl sind auf den 15. November, die Hauptwahlen aus den 21. November anberaumt.
Paris, 26. Okt. Der deutsche Kaiser beauftragte den Fürsten Nadolin, Herrn Loubet seinen Dank für die ihm anläßlich der Verlobung des Prinzen Eitel Friedrich ausgesprochenen Glückwünsche zu übermitteln.
Christiania, 26. Okt. „VerdenZganq" meldet, es sei wahrscheinlich, daß die Volksabstimmung am 12. November stattfinden werde. Die Regierung werde, wie verlaute, vor der Aostimmung eine Proklamation an das norwegische Volk richten. Das Blatt schreibt weiter, es sei sicher, daß die Regierung zurücktreten werde, wenn die Abstimmung gegen sie aus- sallen sollte. „Morgenbladet" zufolge sand gestern Nachmittag im Storthing eine gemeinschaftliche Beratung verschiedener Parteien zur Erörterung des Regierungsvorschlages über die Königswahl statt. Der Vorschlag hat anscheinend voll keiner Seite unmittelbare Zustimmung gesunden; aber man halte bei der gegenwärtigen Lage für richtig, dem Vorschläge, der zweifellos mit großer Majorität durchgehen werde, nicht entgegenzutreten.
Die Revolution in Rußland
In einem längeren ^Die Revolution in Rußland" überschriebenen Petersburger Telegramm erklärt der Korrespondent der „Köln. Ztg.", daß tatsächlich sich die Bewegung mit rasender Geschwindigkeit über ganz Rußland verbreitet habe, und es dürfte nicht viel gesagt sein, wenn man behauptet, Rußland stehe in Revolu- t io n. Diesmal bandle es sich nicht mehr um eine wirtschaftliche Bewegung, man habe es lediglich mit politischen Gründen zu tun, wobei die sehr energischen Führer und .Hetzer die vielfachen Ver- smimnifse und Fehler, die die Regierung bis in 'die letzten Tage hinein begangen bat, äußerst ge. schickt ausnutzen, um die Leidenschaften des Vol- kes, der kleinen Beamten und der studierenden Jugend ins maßlose aufzureizen.
10 _ verböte«.)
Pflicht und Liede.
Storno« von C. Wild.
I jvorifefjunfl.)
Sie hatte einen unbeholfenen Backfisch zu sehen erwartet, von etwas ungestümen, unterneh- wenden Stornieren — statt dessen stand eine vollendete Dame vor ihr.
Ehe sich die gute Magda noch von ihrem Er. staunen erholen konnte, batte ihr Viola -eine gra- zwse Verneigung gemacht und mit ihrer weichen, volltönenden Stimme einige Worte gesprochen^ deren Sinn dem überraschten Fräulein vollständig entgangen war.
Der hinzutretende Freiherr entriß die arme Magda ihrer Verlegenheit.
Sie reichte nun dem jungen Mädchen die p^d und sagte ihr tn ihrer schlichten Weise ein freundliches Willkommen. Dann aber wandte sie VA. öu dem Bruder und ein bitteres Gefühl be- Ist'^ch Bwlas Herz, als sie sah, wie zärtlich sie diesen m ihre Arme schloß.
Das war ,bie_ Liebe und ungekünstelte Neig» ung, und fie stand als Fremde daneben imd Mußte zufriedm sein, wenn einige Brosamen von tiefer. Zärtlichkeit auch für fie vom Tuche fielen.
<2ie mußte die Lippen fest aufeinander pressen um nicht aufziifchreien und so das Leid zu ver. ^aten, das seit sie denken konnte, in ihrem .Her- ten wühlte. Das war es ja, was sie stets von JWn Gefährtinnen getrennt hatte, was sie die- len gegenüber unzulänglich, kalt und verschlossen öcmaag. "
Äie alle hasten Ellern, Geschwister, Freiind« oe-e.nen, 'nur sie haste niemand, fie war ganz doch schlug in ihr ein heißes, nach Mebe durstendes, Herz, doch rollte wild und un» SHtum das feurige Jugendblut in ihren Adern,
Petersburg, 26. Oktober. , (SB. B.) An bem heutigen Abend war die Ilniversität der Schmiplatz einer großen Volksversammlung. Etwa 20 000 Menschen waren in dem Hauptsaal sowie in den Nebensälen und dem großen Hof versammelt, darunter Angehörige aller Stände, Beruf.' und Erwerbsklassen. Die Versammlungen ver- liefen durchaus ruhig. Die Ausführungen der Redner wurden überall mit lautem Beifall auf. genommen. Im Hof sprachen die Führer der Äktionspartei und forderten die Anwesenden auf, Sie Sag* durch Anwendung der Waffengewalt zu klären. Die bisherigen teilweisen Ausstände hätten sich zu einem gewaltigen Ausstande des russischen Volkes entwickelt. Tiefer Generalausstand allein sei die Revolution. Man habe von Seiten der Regierung die Waffen gegen das Volk angewendet. Nickis könne mehr helfen, die Lage zu klären,, als dir Anwendung der Waffengenxrlt auf Seiten des Volkes. Während der Reden wurden vom sozial- demokratischen Arbeiterkomitee unterzeichnete Aufrufe verteilt. Die Versammlungen dauerten bis in die Nacht fort.
Petersburg, 26. Oktober. (Petersburger Teleg.-Agentur.) Durch einen vom Großfürsten Wladimir gegengezeichneten kaiserlichen Erlaß sind die Truppen der Garnison Petersburg unter den Befehl des Generals Trepow gestellt worden.
Petersburg, 26. Oktober. Es verlautet aus zuverlässiger Quelle, auf dem finländischen Bahnhofe seien heute Morgen zwei Waggons mit Bomben eingetroffen. Als die Polizei ankam, um auf die Waggons Beschlag zu legen, waren sie inzimschen bereits entleert worden.
Petersburg, 26. Oktober. (W. B.) In der neuen Admiralität sind die Arbeiter bei den im Bau begriffenen Kriegsschiffen „Bajan,,, „Giljak", „Pallada" und „Cbinewitz", sowie die Arbeiter in den Marinewerkstätten in den AuS- stand vertreten. Ferner sind die Beamten der Ciieneralbireftion der Staatsbahn und im Eifen- bahnministerium in den Ausstand getreten, ebenso die Beamten der Semstwoverwaltung des slVter8- burger Gouvernements. Die Leitung der söziol- revolutionären Partei bat den Verkauf von Feuerwaffen an die Ausständigen organisiert. Zu jedem Gewehr werden 25 Patronen abgegeben.
Warschau, 26. Oktober. (W. B.) Be- waffnete Banden überfielen Zeitungsdruckereien, vernichteten die Platten und suchten den Druck zu verhindern. Der „Kurper WarSzawski" erschien trotzdem,, wenn auch sehr verspätet. Andere Blätter erschienen gar nickst. Die Lebensmistelpreise steigen hier und in Lodz rapid. Es droht Kohlen» mangel. Die Lage ist sehr gespannt. Morgen beginnt der Generalausstand in allen Fabriken. In Pabianich sind ernste Unruhen ausgebrochen. Das Militär gab Salven ab, wodurch mehrere Personen getroffen wurden. Einzelheiten fehlen bisher.
Petersburg, 26. Oktober. Die Straßenbahn hat feit 6 Uhr abends den Verkehr eingestellt.
Lodz, 26. Oktober. In Kalisch imd Lodz ist der Fabrik- und Eisenbahnbetrieb eingestellt. Die Stadt ist ruhig.
An der Petersburger Börse herrscht Panik, die einen gewaltigen Sturz der Bahnaktien und Jn- buftrietoerte zur Folge hatte. Auch sonst herrscht allgemeine Panik: man befürchtet den Sturz der Regierung und die Herr» schäft des Pöbels. Die Stadt fit ganz verödet. Die Redaktionen der liberalen Zeitungen sind entschlossen, der Zensur zu trotzen. Der Aus» stand ergriff auch viele Schulen. In Beamten» kreisen werden massenhaft Abschiedsgesuche ein» gereicht, um sich noch eiligst die Pension zu sichern. Seit gestern gingen auch massenhafte Gesuche von Schutzleuten um Verabschiedung ein, denen man durch Gehaltserhöhungen zu steuern sucht.
In den in der verflossenen Nacht abgehaltenen Versammlungen traten mehrere Offiziere und Soldaten als Redner auf und entwickelten ein rein revolutionäres Programm. Die Regierung verhält sich bisher passiv. Die Veröffentlichung der Einsetzung des Ministerkabinetts dürfte nicht mehr den gewünschten Erfolg haben.
Die Enthüllung des Moltkedenkmals.
B. W. Berlin, 26. Oktober. Heute, Mittag wurde das Moltke-Denkmal auf dem Königsplatz, ein Werk des Bildhauers Uphues, bei schönem Wetter enthüllt. Auf dem Rondell an dem Denk, mal waren die Fahnen und Standarten,der 29er» liner Regimenter auf gestellt. Zu Seiten des Denkmals standen zwei Ehrenkompagnien vom Grenadier-Regiment Graf Gneisenau und Füsilier-Regiment Graf Moltke. In der Nähe standen kombinierte Bataillone sämtlicher Berliner Garde- Jnfanterie-Regimenter, Schwadronen der vier Berliner Garde-Kavallerie-Regimenter, je eine Batterie des 1. und 3. Garde-Feldartillerie-Regiments, auch die berittenen Truppen zu Fuß. Die Kriegervereine hatten das Plateau der Siegessäule eingenommen; auf zwei Tribünen saßen die Damen, und rechts und links vom Kaiferzelt sammelten sich die zur Feier Befohlenen und Gelade» neu. Es erschienen die Generalfeldmarsckälle, die Generalobersten, die kommandierenden Generäle, die Generalität, die Admiralität, viele alte höhere Offiziere, der Reichskanzler, die aktiven und m- aktiven Staatsminister, die Staatssekretäre, di« Mitglieder des Bundesrats, der Obervräsident, die Spitzen der Zivilbehörden, die Rektoren der Hochschulen, die Vertreter der Stadt Berlin, die Gefolge und die Herren des Hauptguartiers, Oberpräsident Graf Moltke, Generalguartier- meister General v. Moltke und andere Herren und Damen der Familie Moltke.
Unter dem Kaiserzelt nahmen Aufftellung die Kaiserin, die Prinzessin Friedrich Leopold mit ihrer Tochter und ihren drei Söhnen, die Prinzessin Heinrich, die Prinzessin Ernst von Sachsen. Altenburg, der Kronprinz — in der Uniform der zweiten Kürassiere —, Prinz Eitel 1 Friedrich, Prinz August Wilhelm, Prinz Heinrich, Prinz Albrecht, die Prinzen Leopold und Arnulf von Bayern und die anderen hier anwesenden Pritt» zen des königlichen Hauses. Ter Kaiser, in der Uniform eines Generalfeldmarschalls, erschien mit dem Prinzen Leopold, der die ostasiatische FAd- uniform trug. Sämtliche Truppen präsentierten.
Generaloberst Graf Schlieffen hielt eine langt Moltke feiernde Rede und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Alle Anwesenden stimmten b* geistert ein, die Truppen präsentierten und di» Kapellen intonierten die Nationalhymne. Gras Schlieffen erbat die Erlaubnis zur Enthüllung. Der Kaiser ließ wiederum präsentieren, und wäh» renb er und alle Anwesenden salutierten, sank die Hülle. Die Truppen ließen ein dreifaches Hurra erschallen. Der Kaiser schritt mit den Fürstlich» feiten zum Denkmal hinüber, an dessen Sockel et einen Lorbeerkranz niederlegte, dessen Schleifi di» Inschrift trug: „Des großen Kaisers größtem General." — Weitere zahlreiche Kranzspenden wurden herbeigebracht. Der Kaiser nahm bat Parademarsch über sämtliche anwesenden Truppenteile ab und nahm militärische Meldungen entgegen. Eine Anzahl Ordensauszeichnungen wurden verliehen. Später sprach der Kaiser d« kommandöerenden Generäle im Generolüabsg» bände. Das Publikum bereitete dem Kaiserpaar bei der Ankunft und Abfahrt lebbafte Ovationen.
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Deutsches Reich.
Berlin, 27. Oktober.
-— Seine Majestät der Kaiser empfing ge« fkern Donnerstag Vormittag am Bahnhofe den auS Rußland zurückgekehrten Prinzen Friedrich Leopold der bekanntlich auf rufiifdber Seite dem Kriege in Ostasten als Abgesandter des Kaiserß beigewohnt hat. Mittags wohnte das Kaiserpaar der Enthüllung des Moltkedenkmalt auf dem Königsplatz bei. SBir bringen an anderer Stelle über diese Feier einen uns aus Ber- fin zugegangenen Bericht. Bei der Tafel tm Weißen Saale brachte der Kaiser folgende» Trinkspruch aus:
"Dem heutigen Tage seien zwei Gläser bestimmt — das eine der Vergangenheit und der Erinnerung in aufrichtigem Danke gegen dir Vorsehung, die in großer Zeit dem großen Kaiser feine Paladine beschert hat, wollen wir vor affen Dingen das erste Glas ein stilles sein lassen, wel. ches dem Andenken gewidmet ist des Kaisers Wilhelm Majestät größten Generalsl"
Der Kaiser fuhr dann sogleich fort:
„Das zweite Glas, das gilt der Zukunft und ber Gegenwart! Wie es in bet Welt steht mit uns, haben die Herren gesehen. Darum bas Pulver troffen, das Schwert geschliffen, bas Ziel et» fannt, die Kräfte gespannt und di« Schwarzseher verbannt! Mein Glas gilt unserem Volk in Waffen! Das deutsche Heer und sei« Generalstab Hurra! Hurra! Hurra!"
— Der Bundesrat versammelte sich g» ftem zu einer Plenarsitzung; vorher hielten bet Ausschuß für Justizwesen und die bereinigten Ausschüsse für Justizwesen und für Handel uni Verkehr Sitzungen.
— Der sächsische Landtag wurde gestern mit einer Thronrede vom König eröffnet Die Rede stellt fest, daß unter der weitschauenden Regierung des Kaisers dem deutschen Volk die Segnungen des Friedens erhalten geblieben seien und daß im Schuh des Friedens der Niedergang
(Fortsetzung folgt),
, Taufend widersprechende Gefühle beftürmfen SioIaS junge Brust, als fie so Zeugin der zärtlichen Umarmung der beiden Geschwister wurde. Solch' ein Gluck toar ihr nie zu teil geworden. Ihre eigene Mutter hatte sie von sich gestoßen und sie der Obhut Fremder überlassen; sie war gestorben, ohne ihr Kind zu sich gerufen zu haben.
doch schien es ihr das höchste Glück auf Erden, zu lieben und geliebt zu werden.
Allein sie batte niemand, dem sie diese heißen Empfindungen der Seele weihen konnte. KM und fremd stand sie allen gegenüber; denn sie war zu stolz, um Siebe zu betteln, sie wartete darauf, daß man ihr solche entgegenbrachte und vergaß, daß ihre kalte Verschlossenheit einen derartigen Versuch schroff zurückwies. Man batte sie in der Pension nur die „Unnahbare" genannt, und Viola hatte diesen Nmnen auch mit vollem Rechte verdient.
.Sie war als eine fleißige, aufmerksame Schülerin den anderen als ein Muster hingestellt worden, die Lehrer und Lehrerinnen hatten fie gelobt und ausgezeichnet, aber geliebt hatte sie deshalb noch niemand.
Das blasse, ernste Mädchen hatte einen so kühlen, stolzen Blick, der das freundliche Wort auf den Lippen ersterben machte, und ihre Art und Weise war bei aller Höflichkeit so scheu, so zurückhaltend, daß es keinem Menschen einfiel, hinter dieser eiskalten Hülle ein warmes Gefühlsleben zu suchen.
So war sie unter all ihren fröhlichen Genossinnen ernst und schweigsam geblieben, und wie Hohn hatte es in ihren Ohren geklungen, als Gerhard davon sprach, fie müsse nun ihre In- genb genießen und heiter ins Leben sehen.
Fröhlich sein ohne Liebe, ohne ein Herz, von dem man weiß, daß es 'einem entgegenschlägt — war dies möglich?
„Nicht wahr?" fragte Magda, ahnungslos, welche Qualen sie durch ihre Lobpreisungen dem jungen Mädchen bereitete, „o, ich möchte mein trautes Heim mit keinem Fiirstenpalaste vertauschen. Doch kommen Sie weiter, hier ist Ihr Schlafkabinett, an welches sich noch ein kleinst Toilettenzimmer schließt." _
Zögernden Fußes trat Viola über die Schwelk So viel Güte und Aufmerksamkeit rührte fie, und doch hätte fie um keinen Preis ihre weiche Stimmung zeigen mögen.
Gegen die einfachen, kahlen Lehr- und Schlaf- säle des Pensionats kamen ihr diese zierlich geschmückten Räume wie kleine Feentempel vor.
Und nun das Schlafzimmer gar! Mit weiß und rosa Mull dekoriert, glich eS in der Tal einem reizenden, lauschigen Neste, das sich ein verwöhnter Liebesgott erbaut
Wie süß mußte es sich auf den svitzenbesetztea Kissen träumen, welche die blendend weißen, durch rosa Schleifen zurückgehaltenen Vorhänge zur Hälfte verhüllten!
Wie köfüich duftete der Strauß von dunkck- roten Rosen, welcher in einer kleinen Vase auf dem Tische stand! Wie war alles so sauber, fe zierlich, so anheimelnd!
Einen Augenblick stand Viola, mit sich selbst kämpfend, da; dann aber kam ibr besseres Gefühl zum Durchbruch. Jede Zurückhaltung, jede» salsche Stolz schwano und ihre beiden Arme um Magdas Nacken schlagend, sagte sie mit bewegter Stimme: „Wie gut sie doch sind! Ich danke Nnen von ganzem Herzen."
Die gute Magda war bei diesem so unev- warteten Kefühlsausbruch ein wenig erschrocken. Wer hätte das auch txm diesem blaffen, ernste« Mädchen gedacht!
drücken konnte. Von wem hatte sie da noch war- mes Gefühl zu hoffen, wenn die eigene Mutter sie verließ!
Magda hatte sich aus den Annen ihres Bru- ders losgeinacht und nahm nun Mola freundlich bei der Hand.
Schweigend folgte Viola ihrer Führerin die breiten teppichbelegten Treppen hinauf, durch den langen, lichten Korridor in die für fie bestimmten Räume.
— Die beiden Damen traten in einen kleinen Salon, der ebenso einfach als geschmackvoll ein» gerichtet toar. Die zierliche Jardiniere war mit Blattpflanzen geschmückt, in der einen Ecke stand ein Piano, in der anderen ein gefüllter Bücherschrank.
Erstaunt ließ Viola ihre Blicke uncherschweifen. War dieses allerliebste Gemach wirklich für fie bestimmt?
Magda, welche ihre ganze Unbefangenheit wikdergewonnen hatte, führte sie an eines der beiden Fenster.
„Sehen Sie," sagte sie, die blütentoeißen Vorhänge zurückstreifend, „da unten ist das Blumen» Parterre, an welches sich der Park anschließt. Dort diese Gruppe von dichtbelaubten Bäumen, das ist der Lindenhain, von welchem das Schloß seinen Namen erhMen hat. O, unser Heim fit schön, und ich kenne kein größeres Glück, als in diesen Räumen zu Werten und m walten still und friedlich, ohne mich um das Getöse der alben Welt da draußen zu kümmern!"
lieber Violas Antlitz flog ein WWerzlicher Ausdruck. Sie wandte sich ab, um die Tränen zu verbergen, die sich ihr wider Willen grtoaltfam ins Auge drängten.
„Ja, es ist schön, sehr schön hier," foradj fie ........- o- 5« yvtw», mit leiser Stimme, „und ich begreife, wie gliicküch ' damit dieses den letzten Druck auf ihre Lippen.Sie sich hier fühlen muffend. ------